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E_1933_Zeitung_Nr.075

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2 AUTOMOBIL-REVUE

2 AUTOMOBIL-REVUE 1933 - N° 75 zustehen und der dazu die einzelnen Anordnungen gegen die registrierten Fahrer trifft. Diesem Beamten wäre auch das gesamte Meldewesen an die verschiedenen administrativen und gerichtlichen Behörden, die Auskünfte benötigen über einzelne Fahrer, zu übertragen. Ferner wäre ihm das Anträgsrecht auf vorübergehende oder dauernde Ausschaltung aus dem Verkehr, Nachausbildung etc., Lokaluntersuchungen innerhalb des Kontrollrayons einzuräumen. b) Gerichtliche Massnahmen. In den gerichtlichen und polizeistrafrechtlichen Untersuchungen wegen Unfällen und Verstössen gegen Verkehrsvorschriften ist die Qualität des Fahrers festzustellen. Einmal muss seine gefährliche Fahrweise und die eventuellen Voraussetzungen hiezu eruiert werden; daneben sind besondere körperliche und Charaktereigenschaften (Alkoholiker, moralische Minderwertigkeit) zu erforschen. Wie in anderen Strafuntersuchungen ist vom Beklagten eine Lebensbeschreibung zu verfassen (Bildungs- und Intelligenzgrad). Mit diesen Mitteln erhält man eine zum objektiven Tatbestand nicht unwichtige Ergänzung subjektiver Natur. Für den Richter spielen diese Unterlagen bei der Strafzumessung eine wesentliche Rolle. c) Massnahmen der Prüfungsstellen. Ausdehnung der theoretischen Prüfung z.B. auf: Kenntnis des Bremsweges bei verschiedenen Geschwindigkeiten, Reaktionsstrecke; verschiedene Abwehrmanöver in Unfallgefahr, Anpassung der Geschwindigkeit bei verschiedenen Beleuchtungsstadien und verschiedenen Sichtverhältnissen, vollständige Signalkenntnis, inkl. Bahnübergangssignale. d) Massnahmen privater Körperschaften. Aufklärung der Mitglieder durch instruktive Film- und Lichtbildervorträge, Ausstellungen, Vorträge, Illustrationen in der Tagespresse; Durchführung von geeigneten Fahrzeugkontrollen zusammen mit den zuständigen Behörden; Verwarnung und Aufklärung fehlbarer Mitglieder; Zusammenarbeit mit den Behörden; Vorschläge auf Verbesserungen aller Art. (Diese privaten Massnahmen bestehen zum grossen Teil, sie sind aber noch ausbaufähig.) Zum Schlüsse ist noch zu bemerken, dass den gemachten Vorschlägen Hindernisse gesetzgeberischer oder formalrechtlicher Natur im Wege stehen könnten. Die Wegräumung derselben ist aber angesichts des furchtbaren Ernstes der heutigen Sachlage ein Gebot der Stunde. J. H. Mit einem Federstrich lassen sich neue Bundeseinnahmen schaffen, namentlich durch merkbare Erhöhung der BenzinzöUe; so tönte es unter anderem an der am 4. September in Bern abgehaltenen Delegierteftversammlung des Schweiz. Bauernverbandes. Auch hier dürfte das alte Sprichwort gelten, dass der Brei nicht so heiss gegessen wird, wie man ihn anrichtet. Obschon die aufgestellten Forderungen zur Unterstützung der Landwirtschaft einstimmig und diskussionslos angenommen wurden, vertrauen wir auf die viel gesündere Einsicht des gesamten schweizerischen Bauernstandes, 4er nicht zum erstenmal sich in der Praxis anders als diese Führer es beabsichtigten und wollten, ausgesprochen hat. Das Postulat einer Erhöhung der Benzinzölle muss aber sicher unter einem anderen Gesichtswinkel als unter demjenigen nackter Interessen eines einzelnen Standes beurteilt und berücksichtigt werden. Dass sich unsere Wirtschaft niemals erholen kann, wenn in imperativer Form anderen Klassen immer neue Lasten auferlegt werden sollen, dürfte man endlich auch in der Hochburg der Brugger Diktatoren einzusehen beginnen. Wir anerkennen vollkommen gewisse Mängel, unter denen der schweizerische Bauernstand schwer zu leiden hat. und setzten eine schöne Portion der erhobenen Forderungen auf das Konto der gegenwärtigen politischen Aktivität und des Wettlaufes um die Gunst der Wählermassen. Alle übrigen Stände und Klassen haben mehrmals bewiesen, dass sie bereit sind, im Rahmen des Möglichen an der Beseitigung der landwirtschaftlichen Hemmungen mitzuwirken. Dass man aber mit Drohungen die eigenen Fehler auf dem Rücken der anderen Wirtschaftszweige korrigieren möchte, zeugt deutlich von einem enggezogenen parteipolitischen Geiste, der nur das eigene Wohl vor Augen hat. Die Automobilisten werden sich mit allen Mitteln zur Wehr setzen, wenn seitens des Bauernverbandes oder von irgendeiner anderen Seite versucht werden sollte, sich mit den herausgepressten 93 Millionen Franken nicht zufrieden zu geben. Es ist wirklich •keine Kunst, sich bei den durch die weltwirtschaftlichen Verhältnisse getroffenen Massen beliebt zu machen, wenn immer nur von den anderen Einsicht für die eigenen Schwierigkeiten verlangt wird, ohne selbst einmal den Hebel am QrUndübel, d.h. bei der landwirtschaftlichen Verschuldung, ansetzen zu wollen. Nicht nur verlangen, drohen und fordern heisst heute die Losung, sondern aus eigener Initiative muss versucht werden, ohne die Krücken des Staates allein gehen und stehen zu lernen. Was nun die recht billige Forderung auf Vermehrung der Zolleinnahmen durch stärkere Belastung der Benzin-Importe anbetrifft, so möchten wir erstens einmal auf ausländische Verhältnisse und Beispiele hinweisen. Vielfach hat es sich erwiesen, dass der durch einen Abbau der Zölle und der Treibstoffgebühren bedingte Mehrkonsum an Benzin und anderen motorischen Treibmitteln die darauf fussenden Staatseinnahmen bis um das Doppelte und noch mehr emporschnellen Hess. An Hand zahlreicher ausländischer Versuche und Beispiele lässt sich somit nicht die Forderung nach einer Erhöhung, sondern gerade umgekehrt nach einem merkbaren Abbau der auf den Treibstoffen erhobenen Zollgebühren aufstellen, um die aus dem motorisierten Verkehr gespiesenen Einnahmen zu erhöhen. Auch hier ruht das Gesetz des stärkeren Ertrages auf der Qrösse der Massenverteilung. Aehnlich wie bei der Verbilligung irgendeines industriellen Produktes nicht den Preisreduktionen entsprechend neue Käuferschichten sich für das billigere Erzeugnis interessieren, sondern gestützt auf die Einkommenspyramide bedeutend grössere Käuferkreise als Interessenten auftreten, so verhält es sich entsprechend bei den dem motorisierten Strassenverkehr auferlegten direkten und indirekten Lasten. Da der Schweiz. Bauernverband sowieso nicht viel für die Exportindustrie übrig hat, ist es zu verstehen, dass er sich für die im benachbarten Ausland unternommenen Schritte zur Belebung der Automobilindustrie nicht interessiert. Nur um das jüngste deutsche Vorgehen zu erwähnen, möchten wir darauf hinweisen, dass durch weitgehende steuerliche Entlastung der Motorfahrzeuge nicht weniger als 20 000 bis 25 000 neue Arbeitskräfte von der Automobil- und deren Zubehörindustrie wieder in den Produktionsprozess eingeschaltet werden konnten. Diese Arbeiter-Bataillone dürften doch sicherlich als Abnehmer landwirtschaftlicher Produkte nicht zu verachten sein. Sollten die Bundesbehörden den Forderungen auf Erhöhung des Benzinzolles wirklich wieder etwas mehr Gehör schenken, liebäugelt man doch da und dort im Bundeshaus immer noch mit dieser auf der Linie der mühelosen Schaffung neuer Einnahmequellen liegenden Idee, so kann die Schweiz als einer der rückständigsten Staaten hinsichtlich der Behandlung der Automobilisten bezeichnet werden. Es ist zu hoffen, dass sich auch der Schweizerische Hotelierverein der Gefahren bewusst ist, die unserer gesamten Fremdenindustrie unweigerlich drohen würden, wenn die an und für sich schon als zu teuer bekannte Schweiz im Moment der grosszügigen Entwicklung des internationalen Automobiltourisnruis weitere Zollerhöhungen vornehmen würde. Es hiesse doch den gesamten touristischen Werbeapparat zum gr.össten Teile leer laufen lassen, wenn man glaubt, durch stärkere Zollbelastung der Treibstoffe irgendeinem unter der Krise leidenden Stande helfen zu können. Da unser Land sowieso schon nicht gerade im Rufe des Besitzes gut ausgebauter Durchfahrtsstrassen ist würde die vom Bauernverband erhobene Forderung nur noch zu einer stärkern Isolierung der Schweiz führen. Neben den Zulassungsgebühren, der direkten Besteuerung der Personen- und Lastautomobile, der Zwangsversicherung, den Konzessionsabgaben für den gewerblichen Verkehr hat bekanntlich der schweizerische Automobilist per 100 kg Benzin 23 Fr. 50 oder per Liter 17 Rp. als Benzinzoll zu entrichten. Bei einem Benzinverbrauch von rund 65 Lt. pro Kopf der Bevölkerung fielen somit aus den Erträgnissen des Benzinzolls im Jahre 1932 44,7 Millionen Fr. in die Bundeskassen, von denen 25 Prozent für den Unterhalt der Strassen an die Kantone rückvergütet wurden. Im abgelaufenen Jahre sind aus der schweizerischen Automobilwirtschaft rund 93,3 Millionen Fr. an die verschiedenen Staatsbeutel abgeführt worden und zwar 30 Millionen als Autosteuerbeträge, 18,6 Millionen als Zoll auf Automobile und Gummireifen, und die erwähnten 44,7 Millionen als Benzinzoll. Der Zollansatz auf Benzin betrug 1932 nicht weniger als 170 Prozent im Verhältnis zum Wert, trotzdem in der Bundesverfassung der Grundsatz von Belastungen nur statistischer Natur auf allgemeinen Verbrauchsgütern und Rohstoffen niedergelegt ist. Deutlich kommt dies bei den Zollansätzen von Eisenbahnschienen von nur 4 Prozent und für Kohle von nur 2,36 Prozent im Verhältnis zum Warenwert zum Ausdruck. Es soll also nach Ansicht des Schweizerischen Bauernverbandes die bereits höchste Zollbelastung auf Benzin, die die zweithöchste auf Honig um volle 83 Prozent übertrifft, wahrscheinlich auf 250 Prozent oder noch höhet' heraufgeschraubt werden. Eindeutig stellt sich unser Benzinzoll als Ausnahmezoll dar, eine Unterscheidung, die deutlich aus der kaum nennenswerten Belastung des Brennstoffes Kohle hervorgeht. Würde der Benzinzoll ähnlich dem Tabakzoll voll und ganz einem besondern Zwecke, d. h. in unserm Falle für den Strassenbau verwendet werden, so könnte man sich im schlimmsten Fall mit der erwähnten Belastung noch abfinden. Da aber mit den dem Automobilisten auferlegten Lasten bekanntlich noch andere chronische Löcher in den verschiedenen Staatsbudgets gestopft werden müssen, so ist es nicht verwunderlich, dass sich die am Motorfahrzeugverkehr interessierten Kreise energisch zur Wehr setzen, um so mehr, als die strassenschädigenden Fuhrwerke mit Eisenreifen an deren Unterhaltungskosten keinen Rappen beitragen. Nie und nimmer aber soll eine Erhöhung des Benzinzolls nur deshalb durchgedrückt werden, um nimmersatte Rachen zu stopfen und Gebilde sanieren helfen, die faul und morsch bis ins innerste Mark hinein sind. Bedenken wir nur betreffs letzteren Punktes an den famosen Vorschlag des Verbandes schweizerischer Transportanstalten auf Erhöhung des Einfuhrzolls auf Rohöl zur Unterdrückung der unliebsamen Lastwagenkonkurrenz. Den schweizerischen Privatbahnen gegenüber, die gerne eine untragbare Belastung aller dem Strassenverkehr dienenden Treibstoffe anstreben möchten, sei in Erinnerung gerufen, dass verschiedene ihrer sowieso in den letzten Zügen liegenden Betriebe nicht auf den Rücken der Automobilisten noch einige Jahre länger durchgeschleppt werden sollen. Weniger spekulative Machenschaften, weniger Kirchturmpolitik, dafür aber Sanierung und gründliche Reinigung an Kopf und Füssen und vielfach Umstellung auf den Autobusbetrieb können höchstens einige unserer Lokalbahnen noch vor dem Untergang retten, sicherlich aber nicht durch eine weitere Erhöhung der Zollasten auf Treibstoffe und Automobile. Die Belastung des Benzins in einigen Ländern stellt sich in Schweizerfranken folgendermassen dar: Zollbelastung Gesamtbelast. in Fr. in Fr. per 1001 per 1001 Dänemark 3.60 10.90 Deutschland 19.45 25.70 Grossbritannien 18.40 18.40 Frankreich 9.50 19.70 per 100 kg Italien 8.50 34.40 Jugoslawien 9.80 24-90 Niederlande 2.60 10.80 per 1001 Norwegen 4.10 10.80 Oesterreieh 4.20 25.— Polen 28.50 27.40 Schweiz 23.50 17.— Tschechoslowakei 5.— 26.20 Ungarn 4.75 13.32 Wie aus obiger Tabelle hervorgeht, hat einzig Polen einen höheren Zollansatz als die Schweiz eingeführt, wobei aber nicht zu vergessen ist, dass im letzteren Lande eine ausbaufähige Erdölindustrie vorhanden ist, die es aus verschiedenen Interessen weit gehend zu schützen gilt. Was nun die Gesamtbelastung anbetrifft, so ist einmal darauf hinzuweisen, dass nur in einigen seinerzeit kriegführenden Staaten eine höhere Belastung als in der Schweiz zu verzeichnen ist, während die nordischen Länder, wie die Niederlande und auch Ungarn, merkbar unter unseren Ansätzen liegen. Speziell aber möchten wir darauf hinweisen, dass in Ländern mit höherer Gesamtbelastung die übrigen vom Automobilisten zu tragenden Steuern und Abgaben bedeutend kleiner sind, selir oft sogar in Wegfall kommen. Verschiedene Staaten belasten das Benzin auch noch mit einer Strassenerhaltungsabgabe. Vielfach kommt auch die Zollbelastung in Wegfall, da der Treibstoff in einheimischen Raffinerten hergestellt wird, wodurch wiederum eine spürbare Reduktion für den Automobilverkehr eintritt. Obschon in den letzten Jahren in viele" Ländern die Tendenz zu steigender Treib Stoffbelastung vorherrschte, so hat sich diese Entwicklung heute überall ins Gegenteil verwandelt, indem mehrheitlich von der Auffassung ausgegangen wird, dass eine weniger starke Belastung dem Staat sogar mehr dienen könne als direkte prohibitjve Ansätze, wie man sie in der Schweiz einführen möchte. In Anbetracht der hohen Zollansätze, die der schweizerische Benzinkonsument zu tragen hat, muss eine weitere Erhöhung als ungerechtfertigt zurückgewiesen werden, um so mehr, als heute das Automobil zu einem Beförderungsmittel geworden ist, das Funktionen zu erfüllen hat, die im Interesse des gesamten Volkes und nicht eines einzelnen Standes liegen.- Wy. sammen. «Herrn Stöckner? Gewiss! Sie haben ihn bereits kennengelernt?» «Ja. Er ist einfach zu mir gekommen und hat sich mir unter zwei Namen vorgestellt.» «Ach! Auch als Baron Winter-Bieberstein, nicht wahr? Kennt er Sie denn von früher her?» «Gewiss nicht!» «Dann muss er auf irgendeine Weise von Ihnen und Ihrer Mission Kenntnis erhalten haben. Er ist sonst durchaus vorsichtig.» «Ist er vertrauenswürdig?» «Unbedingt.; Er ist Konfident des österreichischen Militärattaches und weiss sehr viel. Wenn Sie mit ihm zusammen arbeiten wollen ?» «Ich weiss nicht recht — es war mir, offen gestanden,^ etwas peinlich, von ihm auf meine Tätigkeit angesprochen zu werden.» «Nun — lange würden Sie das Vergnügen doch nicht haben. Wenn der deutsche Botschafter am Quirinal seine Pässe verlangt oder zugestellt bekommt, wird Herr Stöckner sehr schnell verschwinden müssen. Aber Sie haben noch zwei interessante Persönlichkeiten in Ihrem Albergo.» «Einen Sprachlehrer, wenn ich nicht irre.» «Sehr richtig. Dieser italienische Sprachlehrer ist ein Levantiner, der für die Türkei hier tätig ist. Ein sehr geschickter Mann!» «Und eine Dame!» «Jawohl. Eine Dame!» Signore Falieri lachte. «Haben Sie sie schon gesehen, die Dame?» «Nein. Ich habe mir nur von der Wirtin die Hausgenossen aufzählen lassen.» «Also: vor dieser Dame nehmen Sie Ihr Herz in acht! Sie ist eine allererste Schönheit, eine europäische Schönheit, möchte ich sagen. Ihr wirklicher Name ist sehr bekannt — so sehr bekannt, dass sie es vorgezogen hat, einmal eine Zeitlang in grösster Stille und Zurückgezogenheit zu leben und — zu arbeiten!» ; «Auf dem gleichen Gebiet?» : «Auf dem gleichen Gebiet, selbstverständlich. Sonst hätte ich sie nicht zu Signora' Felicia gebracht. In der gleichen Richtung wenigstens. Sie hat natürlich nicht die Aufgabe, herauszubringen, wie viele und welche, Regimenter nach Venetien abgehen oder in •der Richtung Mailand — aber es ist schon sehr wichtig, was sie zu tun hat. Ich darf Ihnen übrigens verraten: diese Dame war die erste, die um die Verhandlungen zwischen unserer Regierung, und der Entente wusste — obwohl sie, wie ich schon sagte, augenblicklich sehr zurückgezogen leben muss.» «Sie machen mich sehr neugierig auf die Dame, Herr Falieri! Wollen Sie mir sagen, wer sie ist?» «Den Namen Ata Bari haben Sie sicher früher oft gehört und gelesen!» «Die Tänzerin und Sängerin?» «Ja. Die Tänzerin und Sängerin. Jetzt, das heisst hier, heisst sie Mercedes Farere — wie sie wirklich heisst, woher sie stammt, weiss vermutlich niemand. Sie hat es wahrscheinlich selber auch vergessen. Also» — Herr Falieri stimmte seinen Ton etwas herab — «über Ihre Hausgenossen sind Sie nun informiert —^ nun wollen wir von dem vielleicht minder Interessanten, aber auch nicht Unwichtigen reden!» Als Eberhard Hatzberg diesen geschäftstüchtigen Bank- und Kommissionsmenschen verliess, der es ganz selbstverständlich fand, Waffen gegen sein Adoptivvaterland zu liefern, weil das glänzend bezahlt wurde, hatte er das Gefühl, dass er sich dringend die Hände waschen — vielmehr ein Vollbad nehmen müsste. Der Herr Blümlein in Bern — das ging noch. Aber dieser dunkle Ehrenmann Alberto Falieri war schon sehr widerwärtig. Eberhard sagte sich jedoch auch, dass die lauteren Charaktere in dieser «Branche» nicht allzu häufig sein mochten, und dass er sich noch oft genug gezwungen sehen würde, Leuten die Hand zu reichen, die er lieber nicht angesehen hätte. Dass er unversehens in ein Spionagenest hineingeraten war, schien ihm auch wenig erfreulich —: er hatte geglaubt, für sich allein arbeiten und sich fernhalten zu können von den «Berufsgenossen» — nun war das natürlich nicht möglich. Dem Herrn Stöckner gegenüber konnte er seine Rolle als Brasilianer auf keinen Fall fortsetzen — Falieri würde ihn ja doch bei der nächsten Gelegen*- heit verraten. Und wenn erst einmal Stöckner sicher wusste, dann wusste natürlich auch der Sprachlehrer, wusste die «Dame», was von Signore Bernardo Farnaglia zu halten war. Sehr ärgerlich! Eberhard schlenderte durch die Strassen. Es war schon am Vormittag sehr heiss und staubig: die römische Munizipalität hatte augenblicklich wohl an andere Dinge zu denken, als an das Sprengen der Strassen. Der Verkehr schien Eberhard überall ausserordentlich lebhaft; Autos mit Offizieren, vor allem auch Ententeoffizieren, flitzten geräuschvoll durch die Strassen, die Menschen schrien sich von einem Bürgersteig zum anderen zu, gestikulierten mit südlicher Lebhaftigkeit, sprachen mit einem Pathos, das bei jeder anderen Nation und in jeder anderen Sprache lächerlich klingen würde. (Fortsetzung folgt.)

N» 75 - 1935 AUTOMOBIL-REVUE Sportnachrichten Vor dem Grosskampf von Monza Grosser Preis von Italien und Grosser Preis von Monza am nächsten Sonntag. Der kommende Sonntag bringt einen Höhepunkt in der diesjährigen internationalen Uhr dürfte der Sieger ungefähr sein Ziel nen wird um 9.30 Uhr erteilt, und um 12.30 Sportsaison. Zum ersten Male in der Geschichte des Autosportes werden am glei- die ausserordentliche Härte des Rennens erreicht haben. Die Länge der Strecke und chen Tage und auf der gleichen Bahn zwei stellt an die Maschinen höchste Anforderungen. Eher als der Grosse Preis von Monza internationale Grosse Preise ausgetragen, von denen jeder schon allein ein Hauptrennen des Sportkalenders darstellt. Der Grosse einer ausserordentlich schweren Prüfung für wird wohl der italienische Grand Prix zu Preis von Italien sollte bekantlich schon im die Motoren werdenw Vorsommer stattfinden, er wurde dann wegen Renovationsarbeiten auf dem Autodrom die 4,5 km lange Bahnrundstrecke ausge- Der Grosse Preis von Monza wird über verschoben und steigt nun zusammen mit fahren und wird erneut nach dem bewährten System der Gruppenläufe ausgetragen. dem Grossen Preis von Monza am Sonntag. Die Organisatoren, der Königlich Italienische Automobilclub und die Societä Autogeteilt und haben je 14 Runden, demnach Die Konkurrenten sind in drei Gruppen eindromo di Monza legten ihren Ehrgeiz darein, mit den zwei grossen Rennen vom der Gruppe erhalten die Berechtigung, zum 63 km, zurückzulegen. Die ersten vier je- Sonntag Italiens autosportliche Vorherrschaft in Europa zu bestätigen, nachdem nach über 99 km, führt. Die Verteilung der Finale anzutreten, das über 22 Runden, dem- sich unser südliches Nachbarland in den gemeldeten Fahrer in die verschiedenen letzten Jahren sportlich sonst schon auf Gruppen erfolgt nach einem im letzten Jahre verschiedensten Gebieten ausgezeichnet hat. erstmals ausgedachten System, das keine Das Autodrom von Monza. Die vollausgezogene Strecke stellt die grosse Rundstrecke, das teilweise gestrichelte Oval die kleine Rundstrecke dar. Klassen berücksichtigt, sondern nur darauf Die Idee der Zusammenlegung von zwei Grands Prix sichert Monza selbstverständlich ausserordentliche Bedeutung, die weit über Italien hinausreicht. Noch nie konnte in unserm Lande ein solches Interesse an einem Monza-Rennen festgestellt werden, wie gerade diesmal, und die Schweizer, die in Monza anwesend sein werden, dürften ein hübsches Grüpplein bilden. Der Grosse Preis von Italien wird am Vormittag, der Grosse Preis von Monza am Nachmittag ausgefahren. Die zwei Rennen unterscheiden sich in ihrer Reglementierung stark voneinander. Während der Grosse Preis von Italien in erster Linie technisch von Interesse ist, kommt der von Monza mehr dem Schaubedürfnis der Massen entgegen und hat somit mehr sportlichen Charakter. Die Monzabahn bildet einen einzigartigen Rahmen für die grosse Veranstaltung, und dies um so mehr noch, als während mehreren Monaten Ausbesserungs- und Neuarbeiten auf der Bahn vorgenommen worden sind und sich diese heute in hervorragendem Zustande präsentiert. Der zweite Teil der Umbauten ist noch für das nächste Jahr reserviert. Der Grosse Preis von Italien wird über die 10 km lange Rundstrecke ausgetragen und führt insgesamt über 500 km. Zum letztenmal sind zu einem offiziellen internationalen Grossen Preis die Rennwagen ohne Beschränkung der Zylinderinhalte und der Gewichte zugelassen. Der Start zum Ren- nrnflin ausgeht, das Stärkeverhältnis möglichst auszugleichen. So wird beispielsweise durch ein besonderes Verlosungssystem jeder Gruppe ein früherer Sieger von Monza zugeteilt, auch die Wagen einer gleichen Firma werden auf die verschiedenen Gruppen verteilt. Auf diese Weise sind äusserst spannende Kämpfe zu erwarten. Im Finale treffen dann die zwölf besten Fahrer zusammen. Der erste Vorlauf für den Grossen Preis von Monza beginnt um 14 Uhr, das Finale um 17 Uhr, und um 17.35 Uhr wird voraussichtlich der Sieger des Grossen Preises von Monza ermittelt sein. Für den Grossen Preis von Italien haben sich 26 Fahrer und für den Grossen Preis von Monza 30 Fahrer gemeldet. Im Augenblicke, da diese Zeilen entstehen, sind wir noch nicht im Besitze der definitiven Nennliste, so dass also noch immer Ergänzungen der bereits glänzend besetzten Meldeliste zu erwarten sind. Letzten Mittwoch abend wurde in Mailand die Verlosung der Teilnehmer für den Grossen Preis von Monza vorgenommen. Die Rennen von Monza werden vor allem zu einem neuen Duell zwischen Alfa Romeo und Maserati führen. Beide Firmen sind durch ihre berühmten Monoposti-Wagen vertreten. Die Scuderia Ferrari schickt Chiron, Fagioli und voraussichtlich auch Campari auf Alfa Romeo- Monoposti in den Kampf um den Grossen Preis von Italien. Wer alles auf Maserati- Nuvolari auf M. G. Magnette, No. 17, der Sieger der Tourist-Trophy, in voller Fahrt auf der Ulster Runds trecke. Monoposti-Maschinen starten wird, ist bis zum Augenblicke noch nicht definitiv bestimmt. Vor allem um Nuvolari herrscht noch gewisse Unklarheit. Der Tourist-Trophy-Sieger war Mitte der Woche in Mailand angekommen und bald darauf auch in Monza zu sehen. Nuvolari beklagte sich über grosse Müdigkeit, was angesichts seiner regen Renntätigkeit und dem unausgesetzten Reisen von einem Land ins andere leicht zu begreifen ist. Ob er am Sonntag beim Grossen Preis von Italien zu sehen sein wird, hängt in erster Linie vom Zustand seines Maserati-Monoposto ab. Eingeweihte versichern jedoch des bestimmtesten, man werde den Mantuaner am Start sehen. Sicher ist die Teilnahme Borzacchinis auf Maserati- Monoposto, entweder am Grossen Preis von Italien oder von Monza. Auf Maserati-Monoposti werden beim Grossen Preis von Italien ferner Ernesto Maserati, Taruffi und Zehender zu sehen sein. Als weiterer Fahrer der Scuderia Ferrari ist für das Rennen des Vormittags auch Siena auf Alfa Romeo 2600 ccm gemeldet. Einen offiziellen Start der Bugattiequipe wird man voraussichtlich am Sonntag nicht erleben. Varzi befindet sich allerdings seit einigen Tagen in Monza. Auf alle Fragen nach einem Start von ihm antwortet er stets, das Ganze hänge nicht von ihm, sondern von der Leitung in Molsheim ab. Insgeheim hoffen die Organisatoren immer noch, Bugatti zur Teilnahme am Grossen Preis von Italien bewegen zu können. Eine grosse Reihe von Einzelfahrern wie Lehoux (Alfa Romeo), Moll (Alfa Romeo), Sommer (Alfa Romeo), Minozzi (Maserati). Biondetti (Maserati), Lord Howe (Bugatti), Graf Czaikowsky (Bugatti), Premoli (M.B.P.), Whitney Straight (Maserati) usw. wird am Vormittag in Monza ebenfalls an den Start gehen. Auch beim Grossen Preis von Monza vom Nachmittag werden voraussichtlich Alfa Romeo-Monoposto-Wagen und Maserati-Monoposto-Wagen zu sehen sein. Besonderes Interesse bringt man dem Düsenberg-Monoposto entgegen, den das Mitglied der Scuderia Ferrari, Graf Trossi, fahren wird. An besonders bekannten Fahrern des Nachmittags seien noch erwähnt Borzacchini (Maserati-Monoposto), Taruffi (Maserati-Monoposto). Minozzi (Maserati), Zehender (Maserati), Biondetti (Maserati), Graf Czaikowsky (Bugatti 4000 ccm), Lord Howe (Bupatti), Gaupillat (Bugatti), Lehoux (Bugatti), Siena (Alfa Romeo), P. Ghersi (Alfa Romeo), Premoli (B.M.P.), Moll (Alfa Romeo). Sommer (Alfa Romeo), Whitney Straight (Maserati) usw. Im folgenden veröffentlichen wir dip Nennungen, wie sie bis zum Redaktionsschluss vorlagen : Grosser Preis von Italien: 1. Fagioli (Alfa Romeo) 2. Ghiron (Alfa Romeo) 3. Campari (Alfa Romeo) 4. Siena (Alfa Romeo) 5. Lehoux (Alfa Romeo) 6. Moll (Alfa Romeo) 7. Sommer (Alfa Romeo) 8. Balestrero (Alfa Romeo) 9. Castelbarco C. (Alfa Romeo) 10. Maserati E. (Maserati) 11. Minozzi (Maserati) 12. Taruffi (Maserati) 13. Zehen der (Maserati) 14. Biondetti (Maserati) 15. Lord Howe (Bugatti) 16. Czaikowsky (Bugatti) 17. Caupillat (Bugatti) 18. Ghersi P. (Alfa Romeo) 19. Premoli (M. B. P.) 20. M!le Helle-Nioe (Alfa Romeo) 21. Wustrow (Bugatti) 22. Straight (Maserati) 23. Pietsch (Alfa Romeo) 24. Brunet (Bugatti) 25. Jellen (Alfa Romeo) 26. Pellegrini (Alfa Romeo) Grosser Preis von Monza: 1. Borzacchini (Maserati) 2. Taruffi (Maserati) 3. Minozzi (Maserati) 4. Zehender (Maserati) 5. Biondetti (Maserati) 6. Czaikowsky (Bugatti) 7. Lord Howe (Bugatti) 8. Caupillat (Bugatti) 9. Lehoux (Bugatti) 10. Battilana (Bugatti) 11. Trossi (Duesenberg) 12. Siena (Alfa Romeo) 13. Comotti (Alfa Romeo) 14. Carraroli (Alfa Romeo) 15. Ghersi P. (Alfa Romeo) 16. Castelbarco L. (Alfa Romeo) 17. Premoli (B. M. P.) 18. Moll (Bugatti) 19. Sommer (Alfa Romeo) 20. Castelbarco C. (Alfa Romeo) 21. Cornaggia (Alfa Romeo) 22. Grosch (Alfa Romeo) 23. Pages (Alfa Romeo) 24. Barbieri (Bugatti) 25. Balestrero (Alfa Romeo) 26. Pellegrini (Alfa Romeo) 27. Bonetto (Alfa Romeo) 28. Straight (Maserati) 29. Jellen (Alfa Romeo) 30. Aymini (Maserati) Schweizerische Sternfahrt nach Solothurn. Wie unter den Clubnachrichten bereits mehrmals mitgeteilt worden ist, veranstaltet die Autosektion Solotlrarn des T.C.S. anlässlich der Gewerbeausstellung in Solothurn eine schweizerische Sternfahrt, die am nächsten Sonntag durchgeführt wird. Als Startorte sind 20 Schweizerstädte bestimmt worden; jeder Sternfahrer kann seinen Startort