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E_1933_Zeitung_Nr.069

E_1933_Zeitung_Nr.069

BERN, Freitag, 18. August 1933 Nummer 20 Cts. 29. Jahrgang - N° 69 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint jeden Dtomtaa and Itoltag Monatlich „Gelbe Liste" HalbjihrUch Fr. 5.-, Jährlich Fr. 10.-. Im Ausland unter Partozusehteg, sofern nicht pottamtllch bestellt. Zuschlag für postamtliebe Bestellung 30 REDAKTION m. ADMINISTRATION: Breltenrainstr. 97, Bern Rappen. Postcheck-Reehnung III/414. Telephon 38.222 TOMramm-Adresse: Autorevue, Beim Zur Statistik des Autotourismus Allmonatlich gibt die eidg. Zollverwaltung in verdankenswerter Weise die statistischen Angaben über die zu vorübergehendem Aufenthalt in die Schweiz eingereisten ausländischen Automobile heraus, die in den letzten Jahren stets ein beredtes Zeugnis von der erfreulichen Entwicklung des internationalen Automobilreiseverkehrs unseres Landes ablegen und fortlaufend in der «Automobil- Revue» veröffentlicht werden. Diese Angaben erfolgen getrennt nach der Art des für die Einreise benutzten Zolldokumentes, nämlich entweder provisorische Einreisekarte (10 oder 20 Tage gültig) oder Triptyk resp. Grenzpassierscheinheft (je ein Jahr gültig). Die provisorische Einreisekarte ist nur für eine Einreise, das Qrenzpassierscheinheft für deren 25, das Triptyk dagegen für eine unbegrenzte Anzahl Einreisen gültig. Dazu kommt noch der Freipass gegen Hinterlegung des Zollbetrages oder Bankgarantie (gültig für ein Jahr für eine beliebige Zahl von Fahrten). Es ist nun dem mit der Materie Vertrauten aufgefallen, dass in den letzten Jahren die statistischen Angaben eine ganz beträchtliche Zunahme der mit provisorischer Einreisekarte eingefahrenen Autos verzeichneten, während diese Aufwärtsentwicklung bei den mit TFfl5felc& resp. Grenzpassierscheinheften oder Freipass eingefahrenen Wagen bedeutend geringer war. Und doch wurden von den Clubs derart viele schweizerische Triptyks an die ausländischen Verbände abgegeben, dass selbst, wenn jedes Triptyk nur zweimal benützt worden wäre, sich die Zahl der mit Triptyks oder Carnets eingereisten Autos hätte bedeutend höher stellen müssen. Wenn.man diese eigenartige Erscheinung näher untersucht, gelangt man zu der überraschenden Feststellung, dass in dieser Hinsicht die monatlichen Statistiken über die Zahl der eingefahrenen fremden Autos nicht als vollständig bezeichnet werden dürfen, Weil die Zählung nach den verschiedenen Zolldokumenten auf ganz verschiedener Basis vorgenommen wird, wodurch sich die oben angedeuteten Aussetzungen sehr rasch erklären. Auf die Statistik des internationalen Automobilreiseverkehrs der Schweiz hat dies F E U I L L E T O N Die Badebekanntschaft Skizze von Bruno Brehm. An einem Tag, der so heiss war, dass man sich jeden Schritt eine halbe Stunde lang überlegte, floh Balthasar nachmittags in das Strandbad und warf sich dort der Länge nach in den Sand. Ich weiss nicht, ob auch andere Menschen auf dieses Naturgesetz schon aufmerksam geworden sind, für Balthasar stand es aber jedenfalls fest und er hatte diese seltsame Erscheinung in folgendem Satze festgelegt: Während des Badens pflegen sich die Wolken vor der Sonne zu versammeln. So auch diesmal; kaum lag er, verdüsterte sich auch schon der Himmel, aber es wurde nicht im geringsten kühler. Während ein Lautsprecher von einer Grammophonplatte die albernsten Schlager herunterdudelte, hatte Balthasar Zeit, sich die insofern einen ganz beträchtlichen Einflüss, als sich die Zahl der eingereisten Autos in Tat und Wahrheit wesentlich höher stellt, als die monatlichen Angaben vermuten lassen. Eine Ueberprüfung des effektiven Sachverhaltes ergibt folgende Divergenz in den Zählungen der Zollverwaltung: 1. Zählung der Einreisen mit provisorischer Einreisekarte. Wie bereits ausgeführt, berechtigt diese Karte nur zu einer Einreise. Wer vor deren Gültigkeitsdauer ausreist, kann nachher nicht noch einmal mit derselben einfahren, indem die Einreisekarte beim Austritt entwertet wird. Das Fahrzeug figuriert damit je einmal pro Karte in der Statistik, d.h. reist der nämliche Wagen fünfmal im Jahr mit je einer provisorischen Einreisekarte in unser Land ein, so figuriert er richtiger Weise auch fünfmal, in der betreffenden Einreise-Jahresstatistik. 2. Zählung der Einreisen mit Grenzpassierscheinheft. Hier wird ebenfalls jede Einreise wie bei der provisorischen Einreisekarte statistisch einzeln erfasst, d. h. fährt ein Deutscher mit einem solchen Ausweis während des Jahres sechsmal nach der Schweiz, so figurieren diese sechs Einreisen samt und sonders in der monatlichen Einreisestatistik. Und zwar aus dem Grunde, weil jede Ausweise als Löschung angesehen und daher jede Wiedereinreise mitgezählt wird. 3. Zählung der Einreisen mit Triptyks. Hier ergibt sich nun die bedeutsame- Differenz, in der Zählung. Das Triptyk kann zu beliebig vielen Einreisen verwendet werden. Nun werden aber in den monatlichen Einreisestatistiken der Zollverwaltung nicht alle Einreisen während der Gültigkeit des Triptyks (ein Jahr) erfasst, sondern nur die erste Einreise. Wenn ein mit Triptyk die Schweiz während des Jahres bereisender Ausländer sechsmal in dieser Zeit für einen kürzeren oder längeren Aufenthalt in unser Land einfährt, figuriert er in der Statistik nur einmal, nämlich mit seiner ersten Einreise. Die übrigen Fahrten nach der Schweiz im betreffenden Jahr werden nicht mehr erfasst. 4. Zählung der Einreisen mit Freipass. Auch hier zeigt sich der nämliche Fehler in der statistischen Erfassung der Anzahl Einreisen Leute ringsum zu betrachten. Weit und breit war nichts Erfreuliches zu sehen. Unwillig erhob er sich wieder und ging in die Restauration, um sich ein Eis geben zu lassen. Während er beim Buffett stand und geduldig wartete, sah er plötzlich neben sich ©in grosses, schönes Mädchen, so schön, dass unserm Balthasar einfach der Mund offen stehen blieb. Sie hatte den Bademantel leicht über die Schulter geworfen, sie hielt ihr Eis in der Hand und löffelte mit geschlossenen Augen und gespitzten Lippen (oa. welchen Lippen!) diese kühle Erfrischung. Im gleichen Augenblicke, da Balthasar sein Eis in die Hand nahm, verschwand das schöne Mädchen — fort war sie — wie vom Erdboden verschlungen. Balthasar schluckte das Eis auf einmal hinunter, warf sein Geld hin und machte sich auf die Suche. Er rannte den ganzen Strand ab, stolperte über Füsse, sprang über gestürzte Strandkörbe, spähte wie ein Jagdhund, alles umsonst — er spähte in Liegestühle, weg war sie, fort! Jetzt erst konnte Balthasar zu seinem Aerger feststellen, dass er nur das Gesicht gesehen, nur die Gestalt und dass er auf die Farbe des Trikots oder des Bademantels zu achten vergessen hatte. Aus lauter Verzweiflung Hess sich Balthasar ein paarmal über die grosse Wasserrutsche auf dem kleinen Schlitten in die Tiefe gleiten, das kühlte das Herz ab und Hess ihn ein wenig sein Missgeschick vergessen. Dann liess er sich wieder in den heissen Sand fallen und schloss, ergeben in sein Schicksal, die Augen. Als er nach einer Weile wieder aufblickte, sah er nicht weit von sich in einem Liegestuhl das schöne Mädchen. Als Balthasar sie eine Weile angestarrt hatte, mochte sie seinen Blick gefühlt haben, sie hob ein wenig den Kopf, musterte ihn kühl von oben bis unten und versank wieder in ihre kühle Ruhe. Die Arme, dachte Balthasar, und blickte auf ihr rechtes Bein, das ein taler^rosser, dunkelblauer Fleck entstellte, wo mag sie sich nur wehgetan haben! Er überlegte, ob und wie er sie ansprechen sollte. Wenn sie ihn nun aber abweist, was-dann? Sie-tut es eigentlich schonrdenn wie beim Triptyk. Da diese Art von Zolldokumenten vornehmlich für Gesellschaftswagen benützt wird und solche während des Jahres sehr oft in die Schweiz einreisen, ergibt sich auch hier ein namhaftes Manko an statistisch nicht erfassten Einfahrten. Aus dieser Uebersicht ergibt sich, wie sehr es bei dieser Staiistik der in die Schweiz zu vorübergehendem Aufenthalt einreisenden Auslands-Automobilisten hapert, indem eine sehr grosse Zahl von Einreisen von der Statistik, der Zollverwaltung gar nicht erfasst wird. In Tat und Wahrheit ist daher die Zahl der 1932 in die Schweiz zu vorübergehendem Aufenthalt eingereisten ausländischen Automobile ganz wesentlich höher als die Stätistikangabe (194 613). Man wird nicht fehl gehen, wenn man das Total der 1932 eingereisten fremden Autos anstatt mit rund 194 000 vielmehr mit 225 000 in Rechnung Stellt. • Es sind nämlich 1932 genau 66 718 Einreisen mit Triptyks oder Grenzpassierscheiriheften in der Statistik aufgeführt, wobei diejenigen mit Triptyks nur einmal pro Triptyk, diejenigen mit Grenzpassierscheinheften aber alle'gezählt wurden. Nimmt man hievon für die Triptyks einen Drittel oder rund 20 000 in Anspruch, dazu die 9500 Freipass- Eihreisen und setzt durchschnittlich zwei Einreisen je Triptyk oder Freipass und pro Jahr fest, so ergibt sich für 1932 je eine Mehr- Qrrreise von 29 500 Wagen, die in der 1932er Statistik der Zollverwaltung fehlen." Es fergibt sich so die beachtenswerte Feststellung, dass die Zahl der 1932 zu vorübergehendem Aufenthalt in die Schweiz eingereisten Autos bedeutend grösser war, als dies die bisherige, auf zweierlei Grundlagen aufgebaute Statistik auswies, woraus als neue Schlussfolgerung festgehalten werden darf, dass der internationale Autotourismus im schweizerischen Fremdenverkehr eine bedeutend grössere Rolle spielt und ein erheblich grösseres Kontingent fremder Gäste unserer Hotellerie zuführt, als man bisher an Hand der statistischen Ergebnisse annehmen durfte. Die Korrektur zeigt aber auch, dass Triptyk und Freipass bei der Einreise fremder Automobilisten eine weit bedeutendere Rolle spielen als die Statistik dartun konnte. Nach der letztjährigen Statistik wurden 66 718 Einreisen mit Triptyks und Grenzpassierscheinheften, 9589 mit Freipässen und 118 306 mit der .provisorischen Eintrittskarte ausgewiesen. sie runzelt die Stirn, zieht die Brauen zusammen und schlägt ihren Bademantel über die Knie, als fühle sie sich durch Balthasars Blick beunruhigt. Balthasar steht auf und sucht sich einen andern Platz, denn zwischen ihm und ihr liegen noch ein paar dicke Herren, die zwischen seine Blicke hineinfunken. So — nun liegt er auf der andern Seite — das Vorfeld ist leer. Der Vormarsch kann beginnen. Er rollt sich langsam näher, langsam, ganz langsam — mit Viertel- und Achteldrehungen, die so aussehen, als strecke und dehne er sich, näher, immer näher. Sie beobachtet sein Vorrücken aus den Augenwinkeln, hin und wieder sieht er es dort verräterisch aufblitzen. Dann rührt sich Balthasar nicht, stellt sich tot wie ein Käfer und wartet, bis sie wieder die Augen sohliesst. Dem schönen Mädchen wird die Lage scheinbar unangenehm; sie nimmt aus ihrem Handtäschchen eine-grüne Karte und dreht diese verlegen zwischen den schmalen Fingern hin und her. Zwei ganze Umdrehungen, sagt sich Balthasar — und du liegst dicht neben ihrem Stuhl. So dicht, lieber Balthasar, dass du sie ganz leise ansprechen kannst. Das kannst du. Aber was wirst du ihr denn sagen? Fallen dir nichts als Banalitäten ein? «Gnädiges Fräulein; ich bin so froh» — oder vielleicht besser — «ich bin so glücklich, dass Sie hier unter diesen vielen hässlichen Menschen so schön sind.» Das ist wohl platt und dumm — aber dem guten Balthasar fiel wirklich nichts Besseres ein; Eine ganze Umdrehung. Stille. Blitz aus INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzelle oder deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. Grössere Inserate nach Seitentaril. inserattnschluss 4 Tage vor Erscheinen der Nummern Setzt man der Berechnung die obgenannte Korrektur zugrunde, so verändern sich die entsprechenden Zahlen wie folgt: 86 000 Einreisen mit Triptyks und Grenzpassierscheinheften; 19 000 Einreisen mit Freipässen und 118306 Einreisen mit provisorischer Einreisekarte. Es kommt daher der letzteren Einreiseart nicht mehr die starke vorherrschende Stellung zu, wie dies die bisherige Statistik dartat. Die Verwendung von Triptyks und Freipässen darf nicht unterschätzt werden, zumal die obgenannten Zahlen eher zu tief als zu hoch gegriffen, sind. Und das Fazit dieser Darlegungen! Die eidg. Zollverwaltung sollte so rasch wie möglich die nötigen Vorkehren treffen, dass auch die Schweiz zu einer Statistik des internationalen Automobilreiseverkehrs gelangt, welche alle Einreisen erfasst und nicht nur einen Teil derselben. Diese statistischen Angaben spielen für das gesamte Fremdenverkehrswesen» speziell was die Propaganda anbetrifft, eine derart wichtige Rolle, dass eine vollständige statistische Erfassung aller Einreisen von Autotouristen ein dringendes Gebot ist. Die Verkehrsvereine, der Schweiz. Fremdenverkehrsverband und der Hotelier-Verein werden der eidg. Zollverwaltung hiefür äusserst dankbar sein. Bei dieser Gelegenheit sei auch der Wunsch geäussert, dass die statistischen Angaben auch hinsichtlich der Herkunft der eingereisten fremden Autotouristen besser präzisiert; werden. Es sollte hiebei nicht auf den: letzten Ausländsstaat abgestellt werden, aus dem die Einreise in die Schweiz erfolgte, sondern stets auf das Wohnortsland, z. B. wenn ein Deutscher in Chiasso von Italien her einreist, sollte seine Herkunft nicht unter Italien registriert werden, sondern vielmehr unter Deutschland, seinem effektiven Domizil. Wird die Statistik der Herkunft der fremden Autotouristen derart umgestellt, so wissen die interessierten Verkehrs- und Hotelierkreise dann auch, woher die meisten Auslands- Autotouristen stammen und wo, d. h. in welchen Ländern die Propaganda speziell zu vermehren ist. Es handelt sich bei all diesen Fragen um für unseren Fremdenverkehr derart wichtige Probleme, dass diese « Reorganisation » der schweizerischen Statistik des internationalen Automobilreiseverkehrs unverzüglich an die Hand genommen werden sollte. V In der nächsten Nummer beginnt unser neuer, grosser Roman Der geheime Kampf. Von Philipp Klein. • Wir machen unsere Leser auf diesen ungewöhnlich fesselnden Spionage-Roman aus dem Weltkrieg speziell aufmerksam. den Augenwinkeln des schönen Mädchens. Ruhe. Tiefes Atemholen. Eine halbe Umdrehung — Mund zur Ansprache geöffnet — aber da erhebt sich das 'Mädchen, wirft dem armen Balthasar einen strafenden Blick zu und geht quer über den Strand in das kleine Gehölz hinüber, gross, schlank, jung, kühn ausschreitend, eine Diana im Trikot, ein schönes, ein ungewöhnliches Mädchen. Balthasar bezwingt sich, er will nicht gleich aufspringen, ihre Schönheit fordert nicht nur Beachtung, sie verlangt auch Achtung. Sie geht in einem grossen Bogen durch das Gehölz, Balthasar schleicht ihr auf der Sehne des Bogens nach. Endlich macht sie vor einem Bank am Wasser halt und lässt sich nieder. Balthasar schlendert hinzu und tut — im gebührenden Abstand — das gleiche. «Nun habe ich Sie endlich doch erreicht», sagt er. Keine Antwort. «Langweilen Sie sich hier auch sd wie ich?» gibt Balthasar nicht auf. Keine Antwort. «Wollen Sie mir wirklich nicht antworten?» Da dreht das schöne Mädchen langsam