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E_1933_Zeitung_Nr.076

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16 AUTOMOBIL-PEVUR

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Bern, Dienstag, 12.September1933 HL Blatt der „Automobil-Revue" No. 76 Begegnung im September Hans Seiffert Er hatte sie sofort wiedererkannt, trotz der sieben Jahre, die zwischen damals und heute lagen. Das Blut strömte ihm leise mit schmerzhaftem Ruck zum Herzen; er wollte fliehen, wollte sich verbergen, in den Schiffssalon hinuntergehen —, aber da kam sie schon die Stufen zum Oberdeck herauf, und ihr Blick begegnete dem seinen. Flüchtige Böte überzog ihr Gesicht, dann ging sie unbefangen auf ihn zu und reichte ihm die Hand: «Guten Tag; Herr Doktor.» «Guten Tag, gnädige Frau!» antwortete er und wunderte sich, wie ruhig seine Stimme klang. «Aber wollen wir uns nicht setzen? Neben Ihnen ist doch sicher noch Platz?» «Gewiss, gnädige Frau.» Sie liessen sich nieder, und während das Schiff, leise vibrierend im rhythmischen Stampfen der Maschinen, von der Landungsbrücke abstiess und in weitem Bogen auf den See hinaussteuerte, kamen sie .in ein gleichgültiges Gespräch. Sie sei erst vor zwei Tagen angekommen und wohne in der Oberstadt. Er verbringe seinen Urlaub, wie alle Jahre, hier und sei im «Gasthof zum Dampfschiff» gut untergebracht. Es sei schon verhältnismässig spät im Jahr, aber noch ungewöhnlich schön und von sommerlicher Wärme. Ein wundervoller Herbst, ganz gewiss! Und hier am See sei es im Vorherbst besonders schön, eigentlich noch schöner als im Sommer. Viel klarer die Luft, viel durchsichtiger, viel reiner... «Sehen Sie nur!» Er wies nach rückwärts, wo zwischen dem helleren Blau des Wassers und dem dunkleren des Himmels die Stadt lag; die Baumreihe am Quai, die Häuserzeile der Unterstadt, darüber die altersgraue, turmüberragte Mauermasse des Schlosses. .Sie schwiegen, in Erinnerungen versunken. Das Schiff hatte sich unterdessen einer kleinen Insel genähert, deren hohe, dunkle Bäume im stillen Uferwasser sich spiegelten. Mit halber Kraft glitt es an dem kleinen Bootshafen vorüber; die Stahltrosse flog blitzend durch die Luft, schlug hart auf die Bohlen der Landungsbrücke, wurde gepackt und festgemacht. Das Laufbrett wurde herübergeschoben, ein paar Leute stiegen aus. Während er aufmerksam alle diese kleinen Vorgänge beobachtete, lachte sie mit einem Male unbefangen und sagte, als er sie fragend anblickte: «Wissen Sie noch, wie Sie damals auf diesem Laufbrett plötzlich stolperten, und Ihnen dabei der Hut ins Wasser fiel?» Nun lachte auch er: «Ja. Es war ein ganz neuer Hut, und es war gar nicht so einfach, ihn wieder herauszufischen.» Die Insel lag schon wieder hinter ihnen, das Dampfboot nahm Kurs nach dem nördlichen Ufer. Links schlössen dunkelbewaldete Berge den allmählich schmäler werdenden See ein, zur Rechten dehnte er sich blau und silbern in die Weite, fast wie ein Meer. Ein frischer Wind machte sich auf und trieb kurze, spitze Wellen in den stilleren Seearm. «Fahren Sie auch bis zur Endstation, Grossmacht Auto Die obige frappante- Aufnahme, die uns in liebenswürdiger Weise von der Long Island State Commission zur Verfügung gestellt wurde, vermittelt einen ausserordentlich eindrucksvollen Ueberblick über einen Bade-Parkiplatz auf der bekannten New Yorker Insel. Zwei solche gewaltige Plätze finden sich hier, auf jedem können 12,000 Wagen untergebracht werden. Die Parkgebühr beträgt 50 Cents pro Tag, 3 Dollar pro Monat, und für die mehrmonatige Badesaison insgesamt 6 Dollar. In Erkenntnis der Notwendigkeit, dass die Frequenz dieser Sommererholungsstätten in hohem Masse von guten Zufahrtsstrassen und grossen Parkplätzen abhängt, hat man in Amerika solch grosszügige Ausbauarbeiten geleistet. Noch etwas dürfte gerade auch dem schweizerischen Automobilisten auf diesem Bilde auffallen. Man beachte die vorbildliche Art der Parkierung in Zweierreihen, so dass der vordere Wagen immer bequem nach vorn, der hintere ebenso leicht nach hinten aus der Riesenreihe wegfahren kann. Bei dieser Gelegenheit denke man beispielsweise an Parkplätze in der Schweiz, wie man sie etwa an grösseren Festen findet. Ein Automobilist, dessen Wagen sich mitten in einem hiesigen Parkplatz befindet, hegt meist vergeblich die* Hoffnung, glatt wegfahren zu können: wie eine Mauer stehen um ihn dicht gedrängt die andern Wagen. Mustergültig ist auch die Art, wie die Amerikaner, an Massenzusammenkünfte gewöhnt, ihre Wagen aufstellen, schön sauber nebeneinander gereiht, ohne dass das eine Fahrzeug um einen Meter zu weit vorn, das andere zu weit hinten und das dritte gar halb schief in der Reihe steht. Das ist grosszügige Verkehrsregelung der Behörden — aber auch ebenso .gute Disziplin der Automobilisten! 4 Mit welcher Eindrüddichkeit verdeutlicht ilrrfcj.übrigen diese Aufnahme die Macht des Automobils im heutigen Leben. Bis an den Horizont hin Wagen an Wagen, Tausende von schnellen Fahrzeugen: Zeichen einer neuen Zeit. Welche Entwicklung, welcher rasende Umsturz innert einem Vierteljahrhundert, vom verfemten, verhässten Benzinkarren, den zu fahren fast eine Schande bedeutete, bis zu solchen Riesenparks, die aufs eindringlichste dokumentieren, dass das Auto das Verkehrsmittel unserer Zeit geworden ist. Erst so erkennt man richtig die Macht des Automobils, aber auch sein Recht, den gebührenden Platz im wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Leben unserer Tage einzunehmen. bo. gnädige Frau?» fragte er nach einer Weile. «Ja. Ich will dann ein Stück den See entlang wandern und mit dem Abendschiff zurückfahren.» Und nach einem Zögern setzte sie hinzu: «Wollen Sie mich begleiten, Herr Doktor —, das heisst: falls Sie nichts Besseres vorhaben?» «Ich habe nichts Besseres vor, gnädige Frau.» In diesem Augenblick zogen zwei Segelboot© leuchtend weiss vorüber und sehwankten heftig, als die starke Bugwelle des Dampfers sie erreichte. Man winkte und tauschte fröhliche Zurufe. Als sie sich wieder umwandte, berührte ihr Arm seine Hand, die auf dem Geländer lag; ein kleiner freudiger Schreck überrieselte ihn, und er zog die Hand zurück. Sie hatte es gar nicht bemerkt. Dann sassen sie schweigend, bis das Schiff an der Landungsbrücke anlegte. Eine Minute später raschelte das welke Laub der Kastanien unter ihren Schritten. Sie gingen durch die vereinsamten Wege des Kurgartens, stiegen eine schmale Gasse hinan, in der es nach Leder und Seilerwaren roch, und standen vor dem Münster. «Wollen wir hineingehen und unsere Madonna besuchen?» fragte er. «Erinnern Sie sich noch, wie stolz wir waren auf die schöne Madonnenstatue, die wir entdeckt zu haben glaubten? Bis wir erfuhren, dass sie schon längst entdeckt und registriert war, schon längst in den Himmel der Kunsthandbücher eingegangen, dass wir zu spät gekommen waren mit unserer Entdeckung.» «Ja. Zu spät!» sagte sie leise mit kaum merklicher Betonung. «Aber bleiben wir doch lieber draussen in der Sonne.» Sie schritten über den Stillen Platz, am Brunnen vorbei, in dessen Becken rostrote und gelbe Blätter schwammen; sie folgten der Hauptstrasse und bogen hinter den letzten Häusern des Ortes rechts ab, durch herbstbunte Gärten wieder hinunter zum See. Sie mussten hintereinander gehen, so schmal war der Weg, der hart am Wasser hinlief und jeder Biegung des Ufers folgte. Der Wind knisterte im Schilf, kleine Wellen plätscherten geschwätzig gegen die blanken Kiesel. Während sie vor ihm herschritt, umfasste er mit einem Blick ihre schlanke Gestalt. Nein, sie hatte sich nicht verändert in den sieben Jahren. Gar nicht. Sie war noch wie damals: so mädchenhaft, so biegsam, so frisch... Und er? War er nicht auch derselbe geblieben? In knabenhafter Aufwallung ergriff er einen Kiesel und schleuderte ihn in flachem Bogen hinaus in den See, dass er in weiten Sprüngen über das Wasser tanzte, ehe er versank. Sie hatte sich umgewandt und lachte: «Drei-, vier-, fünfmal. Bravo, Herr Doktor! Aber früher konnten Sie es, glaube ich, noch besser.» «Kein Wunder. Man wird alt. Und den ganzen Tag sitzt man am Schreibtisch.» «Aber Ihr Beruf macht Ihnen doch Freude...!» «Natürlich. Aber sehen Sie, gnädige Frau, das ist alles so hoffnungslos, was man da treibt. Und kein Mensch ist da, der einem... Aber wir wollen von etwas anderem sprechen. Erinnern Sie sich, wie wir vor sieben Jahren diesen selben Weg gingen? Es war Juli; kleine Eidechsen sonnten sieh auf den heissen Steinen » «Ja, aber das war weiter vorn, wo der Weg höher liegt.» • «Ja, Sie haben recht. Und hinter dem Wäldchen dort gingen wir nach links und stiegen den Hügel hinauf, zur Wallfahrtskirche. Was meinen Sie, wenn wir heute denselben Abstecher machten. Der Blick von dort oben muss jetzt noch viel schöner sein als im Sommer.» «Wird es nicht zu spät werden?» «Nein, wir kommen zurecht.» Sie durchschritten das kleine Gehölz, in dem vereinzelte gelbe Blätter wie müde Falter lautlos durch die Luft taumelten, und fanden den Pfad, der sie in vielen Windungen allmählich bergan führte. Endlich war die Höhe erreicht, und si© liessen sich auf einer Bank nieder. Lange sassen sie und sprachen kein F E U I L L E T O N Der geheime Kampf Von Philipp Klein. (Fortsetzung aus dem Hauptblatt) «Das wohl.» «Schön. Nutzen Sie dieses Konto aus — nicht für sich, da Sie ja Amateur sind, sozusagen, sondern für Ihre Regierung. Ich halte mein Angebot aufrecht. Ich verkaufe Ihnen den Obersten Faruccio um zehntausend Lire. Ich verkaufe Ihnen Mercedes um den gleichen Preis.» «Was sagten Sie?» «Ich verkaufe Ihnen Mercedes um den gleichen Preis, obwohl sie eigentlich unbezahlbar ist!» «Aber das ist ja...!» «Fürchterlich, wollen Sie sagen, Herr Baron, oder Herr Graf, nicht wahr? Der reine Menschenhandel! Verehrtester — ich habe nicht das Glück, Amateuragent zu sein. Ich habe das Vermögen nicht dazu. Vielleicht fehlt mir auch der nötige Idealismus. Doch ist meine Regierune mit mir sehr auf ihre Rechnung gekommen. Ich habe es am Anfang hier nicht leicht gehabt, bis ich den Polizeiobersten in die Hand bekam, und bis Mercedes Farere den französischen mit dem italienischen Boden vertauschte. Wenn ich Ihnen die Beiden überlasse, haben Sie ein fabelhaftes Arbeiten. Von dem Obersten werden Sie über alle Bewegungen der italienischen Armee unterrichtet. Von Mercedes erhalten Sie genaueste Auskunft über die Art, wie Frankreich und England ihre neuen Bundespflichten gegenüber Italien erfüllen werden. Wirtschaftliche und politische Nachrichten können Sie sich unschwer aus den Blättern zusammenholen, die ja so fabelhaft unvorsichtig sind. Mit einem Wort: Sie beherrschen von heute an, wenn Sie wollen, das ganze Gebjet, und beherrschen es besser als alles, was noch in Beziehungen zu Ihren Konsulaten und Ihrem Militärattache steht. Glauben Sie nicht, dass das Ihrer Regierung zwanzigtausend Lire wert ist?» «Ich dachte, Fräulein Farere steht In direkten Beziehungen zu unserer Vertretung?» «Kann sie nicht. Sie wird überwacht. Schlecht natürlich, aber doch.» Eberhard dachte einen Augenblick nach-. «Kann ich Einblick in das Material haben, das Sie von dem Obersten und von dem — Fräulein bekommen haben?» «Selbstverständlich. Obwohl ich natürlich nichts Geschriebenes besitze, versteht sich. Wollen Sie nicht ein Viertelstündchen auf mein Zimmer kommen? Es liegt nach rückwärts und ist vielleicht noch schallsicherer als das Ihre!» Eberhard Hatzberg ging mit Herrn Stöckner in dessen Zimmer. Nach einer Stunde hatte er den Polizeiobersten Faruccio und Ata Bari, genannt Mercedes Farere, käuflich erworben. Signore Falieri gab lächelnd seinen Zwanzigtausend-Lire-Segen. Noch am gleichen Nachmittag ging der entsprechend bearbeitete Handelsteil der beiden grössten italienischen Blätter als Drucksache an den Herrn Blümlein in Bern ab: der Inhalt wurde zwei Tage später in Berlin auf der Abteilung IIIB mit grossem Interesse dechiffriert. Am Abend erhielt Eberhard Hatzberg durch einen freundlichen Karabiniere seinen Pass vom Revier zurück. Man hatte es nicht für notwendig gefunden, ihn selbst zu zitieren. Eberhard fuhr mit dem Finger über die Ecke der drittletzten Seite — allerdings: Herr Stöckner hatte recht. Der Pass war «gezinkt». Fünf kleine, unregelmässige Punkte, kaum wahrnehmbar für das Gefühl der Fingerspitzen und gar dem Auge ganz unsichtbar. «Abteilung IIIB fecit!» 6. Ueber Rom brütete bereits die Sommersonne. Um die Zeit war in anderen Jahren das, was sich «die Gesellschaft» nannte, längst vor der Glühhitze und dem Staub aufs Land oder ans Meer geflohen: heuer hielt man aus. Der Krieg fesselte die Menschen an die Hauptstadt, soweit sie nicht bereits unterwegs waren in die Hölle, die ihrer wartete. Mitte Mai war man in Berlin unterrichtet — desgleichen natürlich auch in Wien —, wo der italienische Vorstoss zunächst einsetzen sollte, und mit welchen Kräften. Man wusste, dass die Entente vorerst Italien den Krieg auf eigene Faust führen lassen wollte, und man wusste auch, dass die offizielle Kriegserklärung gegen Oesterreich-Ungarn erst nach dem 20. Mai erfolgen würde. Das bedeutete, dass die