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E_1933_Zeitung_Nr.078

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nen können, sind sie für Tiere infolge der Lücken zwischen den Sprossen ganz unpassierbar. Führungsschienen auf der inneren Seite der zwei parallel zueinander verlegten Eisenleitern verhindern, dass ein Automobil bei ungeschicktem Manövrieren auf eine der Seiten abgleitet, und ein zwischen den Leitern ausgespanntes Drahtnetz schützt eventuelle Fiissgänger vor einem Absturz in den Graben. Die Anlage könnte zweifellos auch auf manchen von Automobilen befahrenen Alpwezen gute Dienste leisten. m. Beschleunigungs. und Bremsprüfungsapparat. Eine deutsche Grossfirma bringt als neues Bordinstrument für Automobile den unten skizzierten Beschleunigungs- und Verzögerungsmesser auf den Markt, dessen Angaben unmittelbar auf einer Skala abgelesen werden können. Der Apparat wirkt nach dem Prinzip eines Pendels, wobei die Pendelmasse durch zwei in einem Rohrsystem befindliche Flüssigkeiten — Quecksilber und eine schwarzes viskoses Spezialöl — gebildet wird. Durch die dargestellte Form des Rohrsystems werden ständige Schwankungen der Flüssigkeitssäulen vermieden und anderseits beträchtliche Messgenauigkeiten sichergestellt. Ein© Erweiterung in dem rechts sichtbaren Steigrohr hebt den Ein- Jluss von Wärmeschwankungen auf. und Schema des neuen Bremsprüfungsapparates. Die Skizze rechts ist als Aufbauschema aufzufassen, während links oben der dem Fahrer sichtbare Teil des Apparates dargestellt ist. Die beim Bremsen oder Beschleunigen auftretende Verschiebung der Flüssig- I 10 ff SCINTILLA APPARATE wird fortgesetzt: Grosser Preis der Tschechoslowakei Masaryk-Ring 17. September ABSOLUTER TAGESSIEGER: • • Chiron auf Alfa Romeo, 4.50.22.8 3. Wimille auf Alfa Romeo, 5.00.04.9 KATEGORIE 1500 cem: • • Burggaller auf Bugatti, 4.32.50.1 2. Sojka auf Bugatti, 4.42.14.8 3. Ruesch auf Alfa Romeo, mit Vertex- Magneto, 4.42.27.8 4. Knapp auf Walter jun., mit Vertex- Magneto Kein verziehenI Der Siegeslauf d er Garantie-Reparatur von durch Kolbenbolzen verriebenen Zylindern konkurrenzlos billig, in 24 Stunden. Keine Aenderung der Bohrung! Dieselben Kolben und Ringe wieder verwendbar. Sohweissen and Löten von Aluminium-Teilen aller Art ohne Verziehung zu billigsten Preisen. Reparatur von Frost- und Hitze-Rissen etc. G. H. Schmidt & Co., Zürich-Altstcttcn Alte Badenerstrasse 4 Telephon 55.192 AUTOM0BMEVUE • 1933 — N° 78 keitssäulen keitssaulen kann am Apparat auf zwei ne- beneinanderliegenden beneinanderliegerKlen Skalen abgelesen werscnicn Schicht t befreiten, befreiten, biossliegenden blossliegenden Metallstellen. Nach Nach weil er von rechts kam, oder war ich im Vorrecht, stuckchens Stückchens oder Pinsels eis auf die von der Wachs- Frage: Hatte der andere Fahrer den Vortritt, 30 Minuten hat sichh die Säure tief genug eingefresden. .ri»« Der r>=- leichteren I Q ;M,+ Uebersichtliehkeit TT -u • utv ui -i halber L ii. 30 sen; Minuten man spült hat sie sich mit die Wasser Säure tief ab und genug entfernt eingefres- das weil ich auf einej Hauptstrasse war? den. sind Der in der leichteren schematischen Uebersichtliehkeit Skizze die betreffendesma in beiden der schematischen Steigrohre hintereinander Skizze die betref- ge- Wachs dunkler, durch tiefer Abschmelzen. Aetzung. Vermengt Die Schrift man erscheint das Wachs in setzee bestimmt, dass bei Strassengabelungen und halber sen. Wachs man durch spüU Absch sie mi{ hmeWasser lzen. Die ab Schrift und entfer erscheint s das in A n t w o t t £ rt . 27 P ; a]. h des Automobflgezeichnet. fenden beiden Da diese Steigrohre Steigrohr© hintereinander eine bedeutend ge- dunkler, vor dem tiefer Ueberzieh Aetzung. h'en mit Vermengt Rauchschwarz, man das Mennige Wachs Kreuzungen der Führer die Geschwindigkeit seines zeichnet Da dies? Steierohr« pine herieutenH oder Bleiweiss, ersehe geringere lichte Weite haben als das Rohr, vor dem Ueberzieh'en eint mit die Rauchschwarz, Schrift' in Schwarz, Mennige Fahrzeuges zu massigen und einem gleichzeitig oder »ri^A » W^ I h« T 7 P T Rot oder Weiss. das sie unten miteinander verbindet, rufen Bleiweiss - erscheint die Schrift'in Schwarz, von rechts kommenden Motorfahrzeug den Vortritt Frage 8843. Zylinderriss. Im letzten Winter schon geringere geringe lichte Verschiebungen Weite haben als des das Quecksilberpendels beträchtliche Niveauverände- dem präge verliert 8843. das KZylinderriss. Kühlaystem immer Rohr, fror Rot oder Motor Weiss. meines Wagens einmal ein. Seit- + zu lassen hat Daraug geht herV0I. b iäss das von das Sie unten miteinander verbindet, rufen Im letzten etwas Wasser, Winter rechts kommende Motorfahrzeug immer den Vor- SChon geringe Verschiebungen des Queckrungen in den Steigrohren hervor. ohne fror dass der Motor jedoch meines äusserlich Wagens etwas einmal zu erkennen ein. wäre. Seit- tritt, hat, vorausgesetzt, dass noch keine Strassen Silberpendels beträchtliche Niveauverände- dem Wie verliert kann ich das mög Kühlaystem glichst einfach immer feststellen, etwas Wasser, ob die als Hauptstrassen im Sinne von al. 2 des Art. 27 runp-pn Eine der in rten Skalen ia-rnVir&-n ist so geeicht, IIOI-WM- dass man Zylinder ohne dass etwa jedoch Risse häusserlich haben, durch etwas welche zu erkennen Wasser wäre, des Automobilgesetzes bezeichnet worden sind. Zur direkt p- den j u Bremsweg *n oieisronren ablesen nervor. kann, der der Wie in sie kann hineinsickert ioh mögiiohst t? Einen einfach gewissen feststellen, Verdacht ob die auf Zeit bestehen noch keine Hauptstrassen, eo dass eine der Skalen ist SO geeicht, dass man auftretenden Verzögerung und einer Anfangsfahrgeschwindigkeit von 30 km/St, ent- erlich Einen Zylinderrisse etwa habe Risse ich haben, deshalb, durch weil welche zwei der Wasser Zünd- ausnahmslos das Vortrittsrecht von rechts gilt, vordirekt Bremsweg ablesen kann, der der in kerzen sie hineinsickert? häufig inne nass gewissen sind, wenn Verdacht der Motor auf ausgesetzt, dass das Motorfahrzeug von rechts, auftretenden Verzögerung und einer Anfangs- einige Zylinderrisse Zeit gestand habe den ich ist. deshalb, Anlässlich weil zwei einer der Demon- nass Zünd- gleichzeitig, d. h. zur selben Zeit gegen die Strasfahrvwrh-nrinAlrr'L-aH- , m n v\ tmlct -s. -„+ tage kerzen des häufig Zylinderk innerlich spricht, öpfes war allerdings sind, wenn von der Rissen Motor sengabelung bzw. die Strassenkreuzung fährt. BeianrgescnwmaigKeit von öü Km/5t. ent- einige nichts Zeit zu bemerken gestanden n. ist_ Anlässlich H. einer L. Demonin N. findet eich bereits ein Motorfahrzeug im Strassen- Spncnt. -s. tage des Zylinderköpfes war allerdings von Rissen kreuz, eo fehlt die Voraussetzung des Vortritts- Antwort: Die Unsichtbarkeit von Rissen T m ^ M m nichts zu bemerken. H. L. in N. rechts. * ^«•»W» lpfCdl«aal spricht so wenig geg gen das Vorhandensein von Rissen Antwort: wie die Feu uchti Die Unsichtbarkeit von Rissen Anfrage 344. Wechsel des Halters. Wir haben aBHRBaOBnBHBBBnBaBHBBBKSnDB igkeit der Kerzen dafür, d. h. Frage 8841. Flugzeugdaten. Welches sind die Risse spricht können so wenig sehr woh gegen das Vorhandensein von für das Auto unseres Vertreters die Haftpfhchte aoAi Daten EI der A , Flugzeugtypen w i i, Juniers • J J- Rissen hl bestehen, ohne dass sie von technischen Auge bei wie kaltem die Feuchtigkeit M der Kerzen dafür, d. h. Versicherung auf unsern Namen abgeschlossen. Zu- Motorr sichtbar sind, und die Ker- Risse einen Feuchügkeits- Ju-52. Fraoe Fokker 8841. F-20, Flugzeugdalen. Devoitine D-332 Welches und sind Douglas die Risse zen können auch gehr woM besteh ohne dass sk von ohne folge Kauf ist der Vertreter Eigentümer des Autos DC-1? technischen Daten der Flugzeugtypen W. M. in Junkers B. beschlag A bei erhalten, kaItem Mot

Bern, Dienstag, 19. September 1933 III. Blatt der „Automobil-Revue" No. 78 Der Tag von Monza Wer Monza sagt, sagt auch Mailand. Monza ist wohl der Schauplatz der berühmten Autorennen im königlichen Park, aber die grossen Menschenmassen liefert Mailand, der Brenpunkt der Interessen für das gewaltige Sportereignis. Für den Mailänder ist Monza zu einer Wallfahrtsstätte geworden, die er unbedingt einmal im Jahre besucht haben muss. Schon Wochen vor dem Rennen wird es zum Mittelpunkt der Gespräche, wie sie in den Trams, den Coiffeurstuben und in den Strassen-Cafes geführt werden- Der Italiener ist als Sportsfreund weit mehr interessiert als der Schweizer, und er schenkt seine Sympathien ganz im Gegensatz zu uns den verschiedensten Sportarten. Ein Nuvolari ist ihm so lieb wie ein Guerra, und auch ein Meazza ist für ihn ein halbes Wunder. Deshalb kommt es. dass auch der Mann vom Bau in Italien von Anfang an auf unheimliche Kenntnis im ganzen Autosportgebiet stösst. Nicht nur die bekanntesten Piloten, sondern auch die Neulinge unter den Fahrern, die Grünhörner oder die ewig Letzten zählt er zu seinen Bekannten und zitiert sie bei jeder Gelegenheit. Auch am letzten Samstag, als wir gegen den frühen Abend in die weit in die Poebene vorgreifende Stadt einfuhren, schien die Er- '-'wartung des Monza-Rennens auf die ganze Atmosphäre Mailands abgefärbt zu haben. Wohl musste man scharfe Augen haben, um in der Riesenstadt etwas Auffälliges bemerken zu können, dennoch fand der Kundige bald heraus, dass ein grosses Ereignis vor der Türe stand. Die Tageszeitungen brachten in ihren Samstagausgaben spaltenlange Hymnen auf den Autosport, Hessen sich in aller Ausführlichkeit über die Trainingsergebnisse aus, und forderten Mailand zur Wallfahrt nach Monza auf. Sportzeitungen Hessen sich überhaupt keine mehr auftreiben, es sei denn, man hätte ihren unzähligen glücklichen Besitzern, die an allen Strassenecken ihre Nasen über Monza-Artikel beugten, kurzerhand über die Schultern geguckt. Sehr viele auswärtige Wagen aus Rom, Bologna, Firenze, Venezia schössen flink durch die Strassen, und auch die Schweiz war nicht schlecht vertreten. Ja, wohl die schön- ^-sten Wagen, die man bemerkte, trugen ausgerechnet schweizerische Nummern. Von Schritt zu Schritt fiel der Blick auf neue Affichen der Monza-Bahn, rasende Maschinen, in kühnem Schwünge hinskizziert. Ein warmer, abendlicher Wind strich beim Eindunkeln über Mailand, und aus einem zart Unoffizieiles vom 10. September. verhüllten Himmel schimmerte selten ein Stern. Ausgezeichnetes Rennwetter schien sich anzukündigen, und froh, voller Erwartung, ergab man sich dem rauschenden Betrieb der grossen Stadt. Selten noch mögen zahlreichere Blicke stiller und lauter Vorwürfe zum Himmel gesandt worden sein, als am frühen Sonntagmorgen. Während draussen ein rauschender Landregen niederging, machte man sich nicht wenig verdriesslich zum Start nach Monza bereit, im Innern voll leiser Unruhe wegen der vermehrten Schleudergefahr auf der Bahn. Die Autos, die am frühen Morgen Mailand durchrasten, stoben ganze Fontänen von Wasser auf, und ein Fussgänger hatte innert 5 Minuten ein Aussehen als wäre er soeben aus dem Bade gestiegen. Für die Presse, die, fröstelnd in Mäntel gehüllt, an einer Ecke des grossen Postgebäudes trübselig dem plätschernden Regen lauschte, stand ein Car alpin bereit, der an Luxus nichts zu wünschen übrig Hess. Ein kleiner Schreibtisch, Lämpchen vor jedem Sessel, Trinkgläser für jeden Gast und eine regelrechte Toilette mit allen notwendigen Bestandteilen sorgten für die Bequemlichkeiten der Zeitungsmänner, die in allen Sprachen durcheinander plauderten. Schnurgerade zog sich die breite Ueberlandstrasse dahin, und eine riesige Kette von Fahrzeugen strebte dem einen Ziel, Monza, zu. Jeder fürchtete, zu spät zu kommen und wollte ausreissen, was ihm sehr temperamentvolle italienische Kosewörter eintrug. Als der gewaltige Park von Monza auftauchte, in dem der frühere König unter den Schüssen eines Anarchisten verblutet war, schien es, als ob sich das ganze automobilfahrende Mailand versammelt hätte. Autos aller Altersgattungen und Herkünfte und in den verschiedensten Farben reihten sich aneinander. Temperamentvolle Billetknipser prüften jeden doppelt und dreifach, ob er seinen Obolus entrichtet hatte, und mit der Presse begann eine solenne Disputiererei, bei der der Landsfremde ob der Redegewandtheit und dem Feuer seiner südlichen Kollegen nur staunen konnte. Sie redeten und schrien viertelstundenlag auf jeden ein, der schüchtern den Wagen, der durch alle Parkwege fuhr und unbedingt bis zu den Tribünen vordringen wollte, anhielt und erreichten es auch, dass wir mit zehn Schritten vom Wagen aus schon auf der herrlichen Tribüne sassen... Der Regen hatte unterdessen aufgehört und nur der Boden war von fataler Weiche. Auch alle Vorstellungen, die man sich von der Monzabahn machen konnte, werden durch die Wirklichkeit übertrumpft. Es schien, als hätte eine Riesenhand eine gewaltige Reihe phantastischer Kulissen in ungeheurer Länge aneinander gereiht. Bis weit hinunter Tafel an Tafel, Boxen in ganz neuartigem Stil, mit einem Restaurant auf dem Dach, Eingangspforte für die Rennwagen, Plakattafeln von 20 m Höhe, und auf der anderen Seite drei gewaltig grosse und fünf kleinere, immerhin noch sehr anständig umfangreiche Tribünen. Die Lautlosigkeit, mit der der Organisationsapparat spielte, war staunenswert. Wohl war noch nirgends ein Rennwagen zu sehen, dennoch waren sämtliche Funktionäre, vom Telephonbeamten auf der Pressetribüne bis zu den Polizisten auf der Ehrenloge, bereit, harrten ihrer Aufgabe und waren die Freundlichkeit selber. Das Tribünenpublikum aus ganz Italien, auch aus Frankreich und der Schweiz, hatte teilweise unheimlich tief in den Geldsack greifen müssen, um hier sich das Rennen ansehen zu dürfen. (So mussten die Besucher der Luxustribüne 150 Lire zahlen!) Die Eleganz der Frauen zu bewundern lohnte allein schon einen Aufenthalt auf diesem interessantesten Fleck längs der Rennstrecke, die sich in imponierender Breite und Länge dahinzog. Langsam füllten sich die Tribünen, faschistische Milizen marschierten mit dem Gewehr über dem Rücken vorbei, auf der Bahn nahte ein grosses Musikkorps und unten bei den Boxen tauchten endlich die Fahrer auf. Mit der Parade vor dem Publikum kam man ihrer Eitelkeit ein wenig entgegen, und man sah es ihnen an, dass sie gerne und dankbar den Beifall entgegennahmen, der ihnen entgegenbrauste. So lebhaft und temperamentvoll der Italiener sonst auch ist, so sehr kann er anderseits auch seine Zurückhaltung zeigen und aus der gleichen inneren Reaktionsfähigkeit heraus tödliches Schweigen bewahren. Das Hess sich mit ganz besonderer Deutlichkeit während des Grossen Preises von Italien feststellen, wo Nuvolari sich der reichsten Sympathien erfreute und die anderen gegen die Popularität des Mantuaners niemals aufkamen. «Passen Sie mal auf, was das für einen Mordslärm absetzt», sagte mir ein Korrespondent für Schweizer Zeitungen in Mailand, «wenn jetzt dann Nuvolari fertig ist! » Schon einige Runden vor dem Schluss spendete man ihm eifrig Vorschusslorbeeren, schrie ihm begeistert zu, um dann nur um so entsetzter zu sein, als Nuvolari nervös nach der 48. Runde aus der Maschine sprang und die Mechaniker mit rasender Eile ein Rad wechselten. Das hatte Fagioli die Gelegenheit gegeben, so ganz gemütlich den Qrossen Preis von Italien zu gewinnen; dafür aber war ausser einem zahmen Beifallsklatschen und einzelnen Rufen nicht viel zu hören. Der Liebling Tazio, er hatte Pech gehabt und die ganze Zuschauermenge litt mit ihm. Nicht, dass Fagioli der Sieg nicht gegönnt worden wäre, aber Nuvolari hätten sie eben doch noch lieber bejubelt. Keine Runde liess das Publikum aus den Augen, fast immer stand die ganze Tribüne voller Aufregung und der letzte war genau über den Gang des Rennens orientiert. Wer sich die Mühe nahm, sich gegenüber den Boxen zu placieren, erlebte ein Schauspiel von ganz besonderer Spannung und er erhielt einen ungefähren Einblick in die Geheimnisse, die während eines Rennens zwischen Rennfahrer und Besatzung der Boxen herrschen. Wenn irgendein Radwechsel oder die Aufnahme von Brennstoff bevorstand, hob der Fahrer mitten im rasenden Lauf die Hand und hielt sie entweder senkrecht oder wagrecht seinen Mitwissern entgegen. Um ihn ständig über den Verlauf des Rennens zu orientieren, operierte das Personal der Boxen mit den verschiedensten Geheimzeichen. Ein Wunder an Schnelligkeit und Rationalitätt der Bewegungen waren jedesmal die Radwechsel, bei denen jede Geste genau berechnet war und dazu beitrug, eine solche Arbeit in Sekunden, zu vollenden. Von ihnen hing gerade beim Grossen Preis von Italien auch der Sieg ab. Man hatte sich nach dem Rennen des Vormittages gerade richtig warm gesessen, liess es sich nun bei guten italienischen Spezialitäten herzlich wohl sein und freute sich nicht wenig auf den Nachmittag, der noch bedeutend interessanter werden sollte. Schon vor 13 Uhr leuchteten gross von der Fahrertafel die Namen Campari und Borzacchini, und alles deutete gespannt darauf. Wieder heulte die Rennsirene, wieder rasten die Maschinen dahin, der rote Düsenberg und der blaue Bugatti von Czaikowsky an der Spitze, und dann begann das unheimliche Schicksal zu rollen ... Der zweite Vorlauf kam, Campari und Borzacchini stiegen in ihre Maschinen, ein letzter Blick, und sie kamen nicht mehr... Es fällt heute schwer, sich jener paar Stunden zu erinnern, die über Monza furchtbares Unheil brachten. Wie war es nur? Angst empfand man kaum, als die vier Wagen gleich nach der ersten Runde nicht mehr kamen, nur ein grosses Erstaunen zeigte sich auf allen Gesichtern. Man wollte und wollte nichts Schlimmes glauben und musste dann doch einsehen, dass sich eine Tragödie ereignet hatte, während sich eine elegante Menge auf den Tribünen vergnügte. Campari und Borzacchini starben ohne Laut, in einer furchtbaren Einsamkeit. Als man bleich herbeirannte und sie aus den Wagen zog, war der eine schon verschieden und der andere bewusstlos. Der Schrecken, sie noch vor einer halben Minute lachend mitten im Leben gesehen zu haben und nun bereits den einen tot und den anderen sterbend zu finden, war kj r*Ll^lLr^k.t „Weber-Stumpen sind einzigartig!" Der geheime Kampf Von Philipp Klein. (Fortsetzung aus dem Hauptblatt.) Eberhard sah Mercedes entsetzt an. «Du glaubst doch nicht...?» «Doch, doch. Ich weiss es. Es gibt genug Vaterlandsverräter in Deutschland, ganz abgesehen von denen aus andern Ländern.» Hatzberg setzte sich mit dem Obersten Feruccio in Verbindung. Das war insofern einfach, als Signora Felicia gern die Vermittlung übernahm, ohne natürlich zu wissen, um was es sich handelte. Die Wirtin des Albergo hatte keine Ahnung davon, wen sie eigentlich beherbergte. Sie glaubte ausserdem, dass Eberhard und Mercedes viel zu sehr mit sich selber beschäftigt seien, um noch für etwas anderes Sinn zu haben als für ihre Leidenschaft, die von Signora Felicia mit dem Instinkt der Frau selbstverständlich sofort bemerkt worden war. Signora Felicia telephonier'te also, was durchaus nicht auffallen konnte, da es fast täglich geschah, an den Obersten, der auch prompt am Abend erschien. In Zivil. fm», Zimmer Eberhards sassen die beiden, die sich bisher nur ein- oder zweimal flüchtig gesehen hatten, sich gegenüber. Der Oberst machte den Eindruck eines kranken «ii Menschen. Die quittengelbe, faltenreiche Haut, das fast völlig ergraute Haar und der müde Blick aus umflorten, tiefliegenden Augen Hessen ihn um zehn Jahre älter erscheinen, als er in Wirklichkeit war. In seiner Hand, mit der er die Zigarette zum Munde führte, war ein nervöses Zittern, und seine Stimme klang heiser. «Sie wollten mit mir sprechen, Signore Farnaglia?» «Jawohl, Herr Oberst. Ich habe Sie bitten lassen, hierher zu kommen, weil es vielleicht aufgefallen wäre, wenn ich Sie in Ihrem Bureau aufgesucht hätte. «Sie werden von mir nichts mehr erfahren. Nichts mehr, Herr! Ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie mich in Ruhe Hessen. Ich glaube, Ihnen Dienste genug geleistet zu haben.» «Herr Oberst — Sie wissen genau, dass es nicht von Ihnen allein abhängt, ob Sie uns noch ferner Dienste leisten wollen oder nicht.» «Ich weiss, was Sie sagen wollen. Sie wollen mir wieder drohen. Drohen mit irgendwelchen Quittungen, die irgendwo deponiert sind und in irgendeinem Falle gegen mich verwendet werden sollen. Ich will Ihnen etwas sagen: Ich war einmal so unvorsichtig, mich mit jenem Herrn Stöckner einzulassen, weil ich ihn für einen Deutschen hielt, nicht für einen verdammten Oesterreicher, der er in Wirklichkeit war, wie sich herausgestellt hat Ich habe ihm Mitteilungen über die Mobilmachung gegeben. Ueber Dinge, die sich vor der gesamten Oeffentlichkeit abspielten. Ich habe mir kein Gewissen daraus gemacht, denn es blieb sich im Effekt gleich, ob die verdammten Oesterreicher wussteh, von wem sie ihre Prügel bekamen oder nicht. Der Name der Regimenter tat da nichts zur Sache. Ich habe mir auch von diesem Herrn Stöckner aus gelegentlichen Verlegenheiten helfen lassen — warum nicht. Dass die Quittungen echt sind, könnte ich bestreiten, wenn ich es für der Mühe wert hielte. Auch Ihnen habe ich Nachrichten zugehen lassen, Signore Farnaglia. Aber ich will es nicht mehr. Man ist in der Obersten Heeresleitung unterrichtet, dass in Rom irgendeine Stelle ist, von der aus dem Feinde Nachrichten zugehen, Nachrichten, die nur von Menschen ausgehen können, die sich in höheren Stellungen befinden. Sie haben auch noch andere Quellen als mich. Ich liebe mein Vaterland, Herr. Ich habe gefehlt, aber ich will es nicht wieder tun, verstehen Sie? Und sie werden es sich überlegen, mich zum Aeussersten zu treiben — es könnte Ihnen selber gar nicht gut bekommen.» «Sie vergessen, mein Herr, dass ich es in der Hand habe, wann ich Sie auffliegen lasse. Und ich gebe Ihnen mein Wort, verstehen Sie, es wird geschehen, wenn Sie es wagen sollten, irgend etwas zu unternehmen, das mir gefährlich werden könnte!» «Pah! Sie verkennen die Situation! Ich will ganz offen zu Ihnen sprechen: was hindert mich denn, Sie und Ihre Geliebte ganz einfach ermorden zu lassen? Es ist Krieg, Herr, und dass ich das fertigbringe, das werden Sie mir doch wohl zutrauen!» «Nein! Dass Sie es möchten, daran zweifle ich nicht, und ich verdenke es Ihnen auch nicht. Aber Sie vermuten wahrscheinlich, dass in dem Augenblick, in dem mir oder Mercedes Farere etwas zustösst, Ihre Oberste Heeresleitung in den Besitz gewisser Papiere und genauer Angaben über Ihre Tätigkeit gelangen wirdl Und Sie vermuten ferner, dass man dann mit Ihnen nicht nur sehr wenig Umstände machen, sondern dass man auch Signora Felicia, obgleich sie unschuldig ist, hängen wird. Nicht wahr? Das hält Sie ab, irgend etwas gegen uns zu unternehmen. Und da Ihnen ferner bekannt ist, dass wir keineswegs bloss Worte machen, sondern sehr wohl zu handeln verstehen, wissen Sie auch, dass Sie sich uns nicht entziehen können, ohne sich der Gefahr auszusetzen, von uns Ihrem nicht beneidenswerten Schicksal überliefert zu werden. Es widerstrebt mir, Ihnen das mit dürren Worten zu sagen, aber ich befinde mich in der Zwangslage, hart und unerbittlich sein zu müssen. Sie werden mir nicht entschlüpfen, mein Herr. Im übrigen will ich heute von Ihnen keine militärischen Geheimnisse wissen — wir brauchen Sie nicht. Aber ich möchte von Ihnen erfahren, wer Ihrer Regierung die Nachricht über-