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E_1933_Zeitung_Nr.079

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BERN, Freitag, 22. September 1933 Nummer 20 Cts. 29. Jahrgang - N° 79 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralbiatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Halbjährlich Fr. 5.-, jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portozuschlag, •ofern nicht postamtltch bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung 30 Rappen. Postcheck-Rechnung III/414. • Tagesfragen « Herauf mit den Benzinzöllen!» « Das Auto zahlt zu wenig an die Strasse.» Es war ja vorauszusehen, dass bei der Behandlung des Finanzprogramms auch die Forderung nach einer Erhöhung des Benzinzolles wieder einmal auf den Schild erhoben würde. Prompt ist unsere Vermutung verwirklicht worden, denn in der Kommission des Ständerates, die gegenwärtig in Bern tagt, ist «von westschweizerischer Seite» der Antrag eingereicht worden, die Zuckerund Benzinzölle heraufzusetzen. Diejenigen, von denen dieser Gedanke « zur Rettung der Staatsiinanzen» ausgegangen, haben sich es furchtbar einfach und beauem gemacht. Der Autoverkehr decke lange nicht alle von ihm verursachten Strassenauslagen, so dass er eigentlich privilegiert sei und eine Erhöhung - des Benzinzolles gerechtfertigt wäre. Wir suchen umsonst nach Zahlen, welche es zur Evidenz erbringen, dass das Auto anderen Strassenbenützern gegenüber Vorrechte geniesse, — dass es an die Strasse nicht zahle, was es schulde. Nehmen wir die « Motivierung » des Antrages etwas näher unter die Lupe, dann ergibt sich, dass ihr jegliche Basis überhaupt fehlt. Zahlen möchten wir sehen, greifbare Belege, Der Verdacht drängt sich auf, es sei dabei eine beliebte Redewendung zu Gevatter gestanden, ohne dass man sich die Mühe genommen hätte, der Sache auf den Grund zu gehen. Nun, so unterziehen wir uns der Aufgabe, Zahlen reden zu lassen; wobei wir zuerst einmal das Augenmerk auf die Dinge richten, die sich jetzt in Deutschland tun. Aus Deutschland wird uns nämlich die Kunde, der Qeneralinspektor für das Strassenwesen hege die Auffassung, dass die i Automobilsteuer als solche in Zukunft nicht mehr erhoben werden sollte. Das ist grobes Geschütz für gewisse Kreise, für alle diejenigen, welche heute noch im Brustton der Ueberzeugung erklären, was der Automobilverkehr an den Strassenunterhalt zahle, sei ein Tropfen auf einen heissen Stein, was jedoch der Sache ihre besondere Würze gibt. Es sind nicht die deutschen Automobilisten, die solch ketzerischen Ruf erheben, sondern einer der höchsten Repräsentanten der Behörden (des Strassenbaues) lässt diese Zukunftsmusik ertönen. Einer, der sicherlich über den Verdacht erhaben ist, mit den Motorfahrzeugbesitzern unter einer Decke zu stecken. Um so heftigere Verblüffung muss es bei den Autophoben auslösen, dass einer, der doch genau darüber im Bild sein sollte, in welchem Ausmass das Auto die Strasse ruiniert, der somit allen Anlass hätte, pro F E U I L L E T O N Der geheime Kampf. Roman von Philipp Klein. (8. Fortsetzung) Mercedes schwieg einen Augenblick. Dann sagte sie mit ihrer tiefen, leicht verschleierten Stimme: «Ich habe es mir fast gedacht. Ich glaube nicht, dass der Chef der Abteilung III B etwa der Berliner Polizei Informationen über seinen Dienst gibt, wenigstens nicht über den Dienst im Ausland. Und so wird es wohl auch hier sein, obwohl zwischen den einzelnen Stellen mehr Kommunikation besteht als in Deutschland. Es ist sehr wohl möglich, dass der Oberst wirklich nichts weiss, und auch nach solchen Dingen nicht fragen kann, ohne sich verdächtig zu machen.» «Er behauptet, die Oberste Heeresleitung habe Kenntnis davon, dass in Rom für die Mittelmächte gearbeitet wird.» «Es wäre ein Wunder, wenn sie das nicht wenigstens vermuten sollte. Wahrscheinlich Erscheint jeden Dienstag und Freitag Monatlich „Gelbe Liste" REDAKTION n. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Telephon 28.222 Telegranun-Adressa: Autorevue, Bern domo zu plädieren, dass ausgerechnet dieser Mann mit den Autofahrern paktiert. Warten wir einmal mit Zahlen auf. Sie werden uns den Ariadnefaden in die Hand geben, mit dem wir zu des Rätsels Lösung vordringen können. Aus den Automobilsteuern schöpfte Deutschland 1932- nicht weniger als 193 Mill. Mark. Die Treibstoffabgaben und andere Steuern warfen weitere 350 Mill. Mark ab. Die Gesamtauslagen für die 198 000 km Durchgangsstrassen Deutschlands bezifferten sich, nach den Aufzeichnungen des Preussischen statistischen Landesamtes, auf 754 Mill. Mark, und zwar 287 Mill. für laufenden Unterhalt, 312 Millionen für Instandsetzung, Ausbau und Umbau und 155 MiH. Mark für Neubau. Darüber, dass dem Motorfahrzeug nicht die ganze Schwere der Strässenbaukosten aufgehalst werden dürfe, ist man sich wohl klar, sintemalen es auch noch andere Strassenbenützer gibt. Aber da stehen wir auch schon vor der heiklen Frage, was dem Auto als Anteil an den Kosten der Strasse zugemutet werden dürfe. Die Rechnung gestaltet sich einfacher als es auf den ersten Blick aussieht. Den notwendigen Anhaltspunkt dafür liefern die vor dem Krieg für das deutsche Strassennetz ausgeworfenen Summen. 268 MiH. Mark werden als Vor-gewiesen werden. Wenn der Bund kriegsaufwand angegeben. Unter Annahme eines Index von 150 (gegenüber 1914), verwandelt sich diese Zahl heute in einen Wert von 402 Mill. Mark. Dem Reich kommen aber seine Strassen auf 754 Millionen zu stehen. Die Mehrkosten, gegenüber den Vorkriegsjahren, machen also, bezogen auf das letzte Jahr, 352 Millionen aus. Aus den Automobilsteuern flössen dem deutschen Fiskus 1932 total 543 Millionen zu. Das Automobil bringt also auch in Deutschland mehr ein, als es an Aufwendungen für Strassenkosten mit sich bringt. Ein ähnliches Bild ergibt sich für die ganze Schweiz. Im Jahre 1931 bezifferten sich die Einnahmen der Kantone für das Strassenwesen auf 46,7 Mill. Fr., wovon 28,38 Mill. aus Verkehrsabgaben, also Autosteuern, und 10,23 Mill. aus dem Benzinzollanteil stammen. Die Gesamtaufwendungen der Kantone erreichten im selben Jahr eine Höhe von 89,46 Mill. Fr. So, so, aha! Da haben wir's ja, wird sich ein Triumphgeschrei erheben: 43 Mill. Strassenkosten mussten die Kantone aus eigener Kasse bestreiten, aus Mitteln der Allgemeinheit. Das Auto zahlt nur etwas mehr als die Hälfte! Gemach, gemach. Wir sind noch nicht am Ende. Setzen wir einmal den Betrag in diese Rechnung ein, den der Bund nur aus dem Benzinzoll einsteckte. Dabei wird diejenige Summe in Berücksichti- gung gezogen, welche dem Bund nach Ausrichtung der Anteile an die Kantone aus dem Benzinzoll noch verbleibt. Das sind 28,8 Mill. Fr. Sofern der Benzinzoll, der seinerzeit als vorübergehende Massnahme deklariert worden war (und wobei es hiess, die Erträgnisse würden ungeschmälert den Kantonen überlassen), dieser Zusage entsprechend «abzugsfrei» an die Kantone abgeführt würde, hätten diese allein aus der Belastung des Motorfahrzeuges volle 75 Mill. für ihren Strassenbau zur Verfügung gehabt. Nur 14 Millionen wären aus der allgemeinen Kasse zu decken, gewiss ein mehr als erträgliches Verhältnis für die übrigen Strassenbenützer. An dem Prinzip wird niemand rütteln wollen, dass das Motorfahrzeug für die Strassenkosten aufkommen soll, die es ausschliesslich verursacht. Ebenso soll aber der Grundsatz gelten, dass es auf keinen Fall zu weitergehenden Leistungen verpflichtet werden kann. Wir machen gegen die Mentalität Front, die im Automobil den einzigen Nutzniesser der Strassen erblickt, und aus solcher Einstellung heraus es ihm überlassen möchte, für den gesamten Strassenunterhalt aufzukommen. Als ob es vordem keine Strassen gegeben, als ob sie aus dem Nichts entstanden wären und sich aus angeborenem Selbsterhaltungstrieb bis auf den heutigen Tag « durchgebracht» hätten. Der Gesamtwirtschaft muss deshalb auch heute noch ein billiger Anteil an den Strassenkosten zu- seine Versprechungen nicht hält, wenn ein Zoll, der « keine fiskalische Massnahme » darstellen sollte und doch die höchste Belastung zu ertragen hat, die irgendeine. Zollposition aufzuweisen vermag, und die Benzin-Millionen einfach stillschweigend im unergründlichen und bodenlosen Staatssäckel verschwinden, so mache man doch nicht die Automobilisten dafür verantwortlich. Das ändert kein Jota an der Tatsache, dass sie mit jedem Liter Benzin, der verfahren wird, 17 Rappen an den Bund abliefern und die Schweiz damit den «Ruf» für sich beanspruchen kann, in bezug auf die Höhe der fiskalischen Belastung des Benzins mit in der vordersten Reihe der europäischen Staaten zu stehen. In Deutschland wird von offizieller Seite aufrichtig und ehrlich zugegeben, das Auto bezahle seine Strasse selbst und dürfe von der Steuer befreit werden — bei uns aber findet man, es sei durchaus angängig und zweckmässig, dem Automobilisten die Daumenschraube weiter anzuziehen! H> Die Kontingentierung des Automobiiimportes. Nun wäre also der Schuss draussen! Im ist sie auf der Suche » «Dann ist die Situation für uns beide nicht mehr ganz ungefährlich!» «Sie war es wohl nie. Einmal wird die Grenzkontrolle ja doch anfangen, sich über die vielen Drucksachensendungen zu wundern, die über die Schweizer Grenze gehen. Und glaube nicht, dass man in Rom in der Chemie so weit zurück ist, vorpräparierte Schrift nicht sichtbar machen zu können! Die Franzosen, die dieses System zu grosser Vollkommenheit ausgebaut haben, werden die Italiener schon darauf bringen. Und wenn man dann nach dem Absender der Drucksachen forscht, wird man ihn — zumindest mit der Zeit — finden...» «Das heisst, dass eines Tages...» «Das heisst, mein Freund, dass wir eines Tages nicht mehr in Rom sein werden, weil der Sommer unerträglich heiss ist, nicht wahr?» Eberhard wusste darauf nichts zu entgegnen. Er hätte nichts gegen eine sofortige Abreise gehabt, schon aus Gründen, die mit seiner Liebe zu Mercedes zusammenhingen. Aber der Auftrag! Sollte er nach Berlin berichten: es ist mir nicht möglich, etwas über den Verräter herauszubringen? Das war eine Bankrotterklärung,, zu der er sich unter keinen Umständen bereitfinden konnte. Er wusste genau genug, wie wichtig es für Deutschland war, die Quelle verstopfen zu können, aus der die Feinde sich unterrichten konnten. Wenigstens eine der Quellen. «Was aber nun?» fragte er leise und — fürchtete sich vor der Antwort. «Alfieri?» fragte Mercedes mit abgewandtem Gesicht. «Der Spaniole ist nur Mittelsperson; er weiss selbst nichts. Ich glaube, er interessiert sich auch gar nicht für diese Dinge oder doch nur so weit, als sie ihm Geld einbringen.» «Dann wird nichts anderes übrig bleiben, als...» «Als?» «Als dass ich selbst versuche...!» Das war es, was Eberhard gefürchtet hatte seit dem Tage, an dem Mercedes sein geworden war. Ohne es sich selbst einzugestehen. Er wusste, was es hiess, wenn Mercedes «selbst versuchte»! INSERTIONS-PREIS: Die achtgespalten« 2 mm hohe GrnndzeUe oder deren Raum 45 CU. für die Schweiz; tut Anzeigen aus dem Ausland 60 Cti. Grössere Inserate nach Seitentarit. Inseratenschloss 4 Tage vor Erscheinen der Nummern Communique, das die Oeffentlichkeit auf den Schlag vorbereiten sollte, hiess es unverfänglich, die Automobile könnten nur mehr mit einer Bewilligung eingeführt werden. Der Bundesratsbeschluss aber sieht Einfuhrbeschränkungen für einzelne Länder und die zu bereits zweifelhafter Berühmtheit gelangten Kontingente vor. Im weiteren ist festzustellen, dass selbst der Wortlaut des Beschlusses nicht restlos über dessen Tragweite Aufschluss erteilt, indem nur von Motoren, Automobilen, Chassis und Elektrokarren geschrieben wird, während die Kontingentierung sogar auch die Ersatzteile umfasst! So wird dem Patienten die bittere Medizin löffelweise eingegeben, damit er sie besser schluckt. Das mit letzten Montag in Kraft getretene Regime hat in den schweizerischen Händlerkreisen begreiflicherweise grosses Aufsehen verursacht und zu schweren Bedenken Anlass gegeben. Auf Grund der neu eingeräumten ausserordentlichen Vollmachten wurde die Einfuhr aus den Vereinigten Staaten und aus Deutschland mit einem Federstrich auf 50 Prozent des letztjährigen Umfanges reduziert, während den übrigen Lieferantenländern eine Einfuhr in der Höhe des Vorjahres bewilligt wurde. So einfach die Massnahme sich auf dem Papier ausnehmen mag, so vielverzweigt und kompliziert sind ihre Auswirkungen, so katastrophal ihre Folgen für den Automobilhandel und so ungerecht die zahlreich damit verbundenen Härten. Die Sektion für Einfuhr des Volkswirtschaftsdepartementes wird deshalb seit Montag von allen Seiten bestürmt, da mit dem Inkrafttreten der Kontingentierung sofort zahlreiche Fragen aus der Praxis auftauchen, welche die beteiligten und in Mitleidenschaft gezogenen Wirtschaftskreise natürlich lebhaft beschäftigen. Man kann sich aber des Eindruckes nicht erwehren, dass die Beamten im Bundeshaus ebenso durch die Einfuhrbeschränkung überrascht wurden und selbst noch im Dunkeln tappen, also auch die von allen Seiten auf sie niederprasselnden Fragen vorerst mehr gefühlsmässig beantworten, ohne sich irgendwie verpflichtend festlegen zu können. Im Jahre 1932, das für die Kontingente massgebend ist, wurden 9601 Automobile eingeführt. Davon entfielen rund zwei Drittel auf die beiden Importländer, welche durch die Herabsetzung ihrer Einfuhrquoten um die Hälfte am meisten betroffen sind. Deutschland führte 1666, die Vereinigten Staaten 4812 Automobile ein. Da auf der anderen Seite keine Kontingenterhöhungen bewilligt sind, so würde das heissen, dass über 3000 Automobile weniger eingeführt werden dürfen als im Vorjahre. Dies käme also einer staatlichen Behinderung der weiteren Motorisierung unseres Landes gleich. Man würde nur einer beschränkten Zahl von Schweizern die Möglichkeit geben, ein Automobil anzuschaffen, während die weiteren Interessenten eben ein Jahr zuwarten müss- Stöhnend schlug er die Hände vors Gesicht. Der Schweiss stand ihm auf der Stirne. Mercedes stand auf und trat ganz nahe an ihn heran. Sie legte die Rechte auf seinen Scheitel — Eberhard fühlte, dass diese Hand zitterte. «Lieber Freund — ich weiss, was du denkst, und ich habe lange vor diesem Augenblick gezittert, der doch einmal kommen musste. Nun ist er da. Du weisst es, dass ich gehen muss, dass wir beide nicht das Recht haben, an uns zu denken und an unsere Liebe. Deine Pflicht deinem Vaterlande gegenüber darf dich nicht klein finden — denk', du bist erst Soldat und dann erst Mensch. Und was mich anlangt... ich habe mich zu weit vorgewagt, als dass ich noch darauf ein Recht hätte, ganz und nur ein liebendes Weib zu sein. Das ist vielleicht unmenschlich, vielleicht sehr töricht, aber die Fesseln, die wir uns anlegten, sind da, und wir können sie nicht abstreifen, ohne dass wir selber dabei zugrunde gehen. Aber — ich will wenigstens versuchen, meine Pflicht zu tun, ohne den Preis zu zahlen, den man bisher von mir verlangt hat. Verstehst du mich?»