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E_1933_Zeitung_Nr.086

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BERN, Dienstag, 17. Oktober 1933 Nummer 20 Cts. 29. Jahrgang - N° 86 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Ericheint laden Dienstag «nd Freitag Monatlich „Gelb* Ll»u" Halbjährlich Fr. 5.-, jahrlich Fr. 10.-. Im Ausland unter Portoznschlag, sofern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung 30 REDAKTION n. ADMINISTRATION: Breitenralnstr. 97, Bern Rappen. Posteheek-Recbnung HI/414. Telephon 28*222 Telegramm-Aaresse: Autorevue, Bern Zum Problem der Verkehrssicherheit Darf es farbenblinde Fahrzeugführer geben? Bei der vollkommenen Farbenblindheit werden keine Farbentöne unterschieden, sondern nur die Farben als verschiedene Helligkeiten wahngenommen. Der total Farbenblinde hat lediglich die Empfindung von Schwarz, Weiss und Grau. Andere Farbenbezeichnungen errät er. Alle Lichtarten werden dem vollkommen farbenblinden Auge nur als Helligikeitsunierschiede vermittelt, und zwar liegt das Helligkeitsmaximum im Grün. Bei Personen mit vollkommener Farbenblindheit besteht fast ausserdem noch verringerte Sehschärfe, Lichtscheu und Augenzittern. Bei teilweiser Farbenblindheit kann man eine Farbenblindheit feststellen für Rot, für 43rün und für Violett. Bei Farbenblindheit .ür Rot wird Mattrot verwechselt mit grauen Nuancen von Grün, Gelb, Braun; Purpur mit Blau und Violett; leuchtendes Rot mit Dunkelgrün, Dunkelbraun und Dunkelgrau. Der Grünblinde verwechselt Purpur mit Grau und Blaugrün, leuchtendes Rot mit hellerem gelblichem Grün und hellerem Blau. Bei der sogenannten Violett-Blindheit soll der Betreffende Purpur mit Rot und Orange, Gelbgrün mit Blau verwechseln. ' Diejenigen Personen, welche mit Rot- Grün-Blindheit behaftet sind, wissen von ihrer Anomalie oft schon seit dem Kindesalter, da für sie beim Erdbeerensuchen und Kirschenpflücken die roten Früchte von dem grünen Grunde sich nicht abgehoben haben. Etwa 4% aller Männer und 0,4% aller Frauen sind von Rot-Grün-Blindheit befallen. Der Rot - Grün - Blinde empfindet gut ausser Schwarz und Weiss nur Blau und Gelb und verwechselt die anderen Farben mit einer Jieser beiden oder mit Grau. Möglichst reines Rot und auch reines Grün wird als Grau empfunden, diese beiden Farben gelten also für den Rot-Grün-Blinden nicht mehr als Gegenfarben. Die Rot-Grün-Blindheit kann durch Alkohol- und durch Nikotinmissbrauch erworben werden. Es ist deshalb notwendig, wenn man über die Farbentüchtigkeit eines Menschen ein sicheres Urteil haben will, wiederholte Nachuntersuchungen vorzunehmen. Der Rot- Grün-Blinde lernt auf feinste Sättigungs-und Helligkeitsunterschiede bedeutend mehr zu achten als der Normale und bringt es auf diese Weise fertig, Rückschlüsse auf Farben F E U I L L E T O N Der geheime Kampf. Roman von Philipp Klein. (15. Fortsetzung) Ich weiss, dass Russland erst durch eine Hölle gehen muss, ehe es würdig ist, erlöst zu werden. Und dass die Veränderung nicht von den Liberalen ausgehen kann und nicht von den Demokraten oder wie die Parteien der bürgerlichen Linken sich nennen mögen, sondern dass die Masse, die getretene, vergewaltigte Masse selbst sich erheben, dass der schlafende Riese erwachen und dann im Augenblick der grössten Verwirrung die Fesseln sprengen muss, in denen er seit Jahrhunderten schmachtet. Sehen Sie: noch ist die Verwirrung lange nicht gross genug — ich glaube, erst wenn Ihre Truppen gegen Petersburg oder gegen Moskau marschieren, ist der Augenblick gekommen. Und ich fürchte, das wird in diesem Kriege nicht der Fall sein. Denn ich bin unterrichtet über die Kräfte Ihres Volkes, das können Sie mir getrost glauben. Ich habe mich ja in diese Materie hineinfressen müssen — sehr gegen meinen Willen. Der Generalstab schätzt meine Dienste ungemein, obwohl er meine zu ziehen. Mit erstaunlicher Sicherheit vermag der Rot-Grün-Blinde die einzelnen ihm vorgehaltenen Farben zu benennen, ohne kaum einen Fehler zu machen. Trotzdem sieht er aber diese Farben nicht wie der Normale und kann gröbsten Irrtümern ausgesetzt sein. Den Uebergang zwischen Farbtüchtigen und Farbenblinden bilden die Farbenschwachen, von welchen alle Farben erst in mittleren oder höheren Sättigungsgraden gesehen werden, oder es besteht bei ihnen eine Schwäche gegenüber der einen oder anderen Farbe, und zwar in mehr oder weniger ausgesprochenem Masse. Die Farbenschwäche kann einen solchen Grad annehmen, dass die Betreffenden von gewissen Berufen ausgeschlossen werden müssen. Die Rot-Grün-Blindheit ist von besonderer Bedeutung im Eisenbahn- und Schiffsverkehr, da von solchen Personen die roten und grünen Signale nicht mit Sicherheit erkannt werden. Auch im Motorfahrzeugverkehr spielen farbige Lichter eine regelnde Rolle (Gelbrot, Rot, Gelb und Grün). Solange farbiges Licht zur Regelung des Verkehrs zugelassen ist, sollten Personen, die sich auf Eignung zum Führen von Motorfahrzeugen ärztlich untersuchen lassen, auch bezüglich ihrer Farbentüchtigkeit eine sachverständige Beurteilung erfahren. In der am 25. November 1932 erlassenen VoIIziehungsverordhung zum Bundesgesetz vom 15. März 1932 über den Motorfahrzeug- und Fahrradverkehr wird in Artikel 33 (Führerprüfung) nur allgemein gefordert, dass der Sachverständige den Bewerber nach fachmännischer Anleitung über Sehschärfe und Gehör summarisch zu prüfen, und wenn Zweifel über die körperliche oder geistige Eignung bestehen, den Bewerber zur Untersuchung an einen von der Behörde zu bestimmenden Arzt zu weisen hat. Bei Ueberschreitung des 65. Lebensjahres muss nach der Gesetzesvorschrift stets eine ärztliche Untersuchung vorgenommen werden. Ueber die Vornahme der ärztlichen Untersuchung, heisst es dann weiter, wird das Justiz- und Polizeidepartement nach Fühlungnahme mit der Verbindung der Schweizer Aerzte besondere Weisungen erteilen. Aus dieser Bestimmung könnte man vielleicht entnehmen, dass es in die Hand des Amtsarztes gelegt ist, ob er eine Person, die an Farbenblindheit leidet, für geeignet oder Tätigkeit als solche gründlich verachtet. Gewiss — verachtet. Sie sehen doch, ich war vor acht Jahren Oberst — ich bin es heute noch. Ich werde nie General werden, denn schliesslich — ein Spion, das ist für den wahren Soldaten etwas Verächtliches. Man benützt ihn, und wenn man ihn benützt hat, wirft man ihn weg. Vielleicht misstraut man mir auch. Es ist mir in der letzten Zeit so vorgekommen, als würde ich überwacht. Vielleicht wird man eines Tages erfahren, dass ich es bin, der die schönen Berichte abschickt, die über Schweden nach Deutschland gelangen. Meinetwegen! Ich arbeite auf meine Weise daran, dass Russland von Tyrannei frei, dass die Russen endlich ein Volk werden. Wenn man mich dafür an die Wand stellt — es ist nicht schade! Und mir ist es nicht um das Leben. Mir geht es nur um dies arme, geknechtete, misshandelte Russland !> Dem Obersten war bei den letzten Worten die Stimme fast erstickt; dicke Tränen liefen über seine eingefallenen, faltigen Wangen. Er riss sich zusammen, goss sich das Glas aus der grossen Flasche wieder voll und trank es in einem Zuge leer. «So, nun wissen Sie, warum ich sagte: ich verrate Russland aus Liebe zu Russland! Es ist so. Aber es hat natürlich keinen Sinn, ungeeignet hält. Aber nur dann, wenn der betreffende Amtsarzt aus eigener Erfahrung die Anforderunigen des Sehvermögens, die an einen Motorfahrzeugführer gestellt werden, kennt, wird er eine farbenblinde Person als ungeeignet zum Fahrzeugführer bezeichnen; da sie ja die im Verkehr vorkommenden Lichtzeichen nicht sicher zu unterscheiden vermag. Es kann nun kaum von der Mehrzahl der Amtsärzte erwartet werden, dass sie aus eigener Erfahrung die Anforderungen, welche an das Sehvermögen eines Fahrzeugführers gestellt werden, kennen. Der Amtsarzt müsste auf dem Verordnungswege angewiesen werden, die Farbentüchtigkeit bei Feststellung der Eignung einer Person zum Motorfahrzeugführer zu prüfen und gegebenenfalls das Urteil eines fachärztlichen Sachverständigen darüber einzuholen, ob in Zweifelsfällen der Farbenschwache noch als geeignet zum Führer eines Motorfahrzeugs: bezeichnet werden kann oder nicht. Der Motorfahrzeugführer darf nicht farbenblind sein, solange noch zur Regelung des Verkehrs farbige Lichter zugelassen sind. Auch wenn diese Lichter in verschiedener Form, als Dreieck z. B. für Rot, als Quadrat für Gelb und als Kreis für Grün gebraucht werden, so ist es noch nicht sicher, ob der Farbenblinde, der ja nur Helligkeitsunterschiede wahrnimmt, überhaupt das Aufleuchten eines Lichtes von geringer Stärke sekundenschnell erfasst und entsprechend reagiert. Selbst wenn man annimmt, dass der Farbenuntüchtige, welcher von seiner "Unvollkommenheit weiss, besonders vorsichtig handelt, darf man nicht ausser acht lassen, dass ein solcher Mensch gröbsten Irrtümern ausgesetzt sein kann, die ihm und anderen zum Verhängnis werden können. Da es aber auch eine Reihe von Farbenuntüchtigen gibt* die von ihrer Anomalie nicht genügend unterrichtet sind, so sollte eine amtsärztliche Untersuchung der Fahrzeugführer im Interesse der Verkehrssicherheit auch ausgedehnt werden auf Prüfung der Farbentüchtigkeit. Dr. med. G. Schweizerische Rundschau Alpenstrassenbau-Initiative. sentimental zu sein; es hat keinen Sinn, zu heulen! Trinken Sie, Herr — Pigeot, trinken Sie! Prosit! Man muss das Leben verachten, und richtig verachten kann man es doch nur, wenn man besoffen ist. Sie wollen also den Versuch machen, unsere Munitionsarbeiter aufzuwiegeln. Ich begrüsse das. Ganz ehrlich: ich begrüsse es! Wollte Gott, es möchte Ihnen gelingen! Wollte Gott, die Hunderttausende würden eines Tages erklären: wir machen keine Patronen mehr! Aber das wird nicht sein, Brüderchen, das wird nicht sein! Sie werden erfolglos arbeiten und eines Tages an die Wand gestellt werden. Ich dachte erst, Sie kommen mit Dynamit oder Ekrasit oder Pikrinsäure, wie das Teufelszeug heisst, um unsere Werke in die Luft zu sprengen. Das, sehen Sie, das hätte ich nicht geduldet. Denn Sie hätten die armen russischen Bauern, die in diesen Werkstätten arbeiten, mit in die Luft gesprengt. Ich hätte Sie verschwinden lassen, Brüderchen. Einfach verschwinden. Das gibt es in Petersburg. Aber was Sie wollen, ist mir sympathisch; ungemein sympathische «Ich gedenke, mich morgen Seiner Exzellent, dem General Bobrikow vorzustellen — darf ich mich, wenn es durchaus notwendig sein sollte, auf Sie berufen, Herr Oberst?» Der Oberst dachte einen Augenblick nach. «Bobrikow ist ein alter Esel und sehr eitel. INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grandzelle oder deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; (Ur Anzeigen aus dem Ausland 60 Ct£» Grössere Inserate nach Seitentarif. Inseratensehluss 4 Tage vor Ericheinen der Nummern Ueberall kennt man den mangelhaften Zustand unserer Alpenstrassen, der im Verhältnis zum tatkräftigen Vorgehen im benachbarten Auslande, in zunehmendem Masse beim internationalen Autotouristenpublikum, vermerkt wird. Die mit der drohenden Verkehrsableitung auf die ausländischen Strassennetze verbundenen Gefahren drängen deshalb zu einer positiven Entscheidung hinsichtlich des für den Ausbau unserer alpinen Durchgangsstrassen einzuschlagenden Weges. In diesem Sinne ist seit einiger Zeit auch die schweizerische Strassenverkehrsliga tätig. Von dieser Seite ist der Presse folgende Notiz über ihre neueste Aktion zur Verfügung gestellt worden: « Unter dem Vorsitz von Herrn Nationalrat Dr. 'Stadler versammelte eich in Bern das Komitee zur Besprechung der von der Schweizerischen Strassenveriehrsliga beschlossenen Volksinitiative. Nach deren Inhalt hätte der Bund für den Ausbau der wichtigsten Strassenverbindungen im Alpengebiet sowie deren Zufahrtsstrassen zu sorgen. Für die zu beschaffenden Mittel würde ein Teil des Benzinzolles verwendet, und zwar in folgender Weise: 20 Millionen verbleiben zum vornherein dem Bunde. Vom Restbetrag erhalten die Kantone die Hälfte zur Bestreitung ihrer gewohnten Strassenauslagen, die andere Hälfte wird der Durchführung des von der Initiative festgesetzten Programmes zugewiesen. Die Initianten erwarten im Interesse einer produktiven Arbeitslosenfürsorge, dass mit dem Ausbau der in Frage stehenden Strassenzüge nach Annahme des Verfassungsartikels unverzüglich begonnen wird. » Wie aus dieser Mitteilung hervorgeht, dürfte noch ein erhebliches Mass von Arbeit geleistet werden, bis das Eis gebrochen ist, um die Volksinitiative wirklich lancieren zu können. Nach den bisherigen Vernehmlassungen über den Stand der Initiative hatte man eher den Eindruck, als ob die auf letzten Freitag einberufene Sitzung definitiv zum Initiativvorschlag Stellung nehmen werde und nicht nur orientierenden Charakter habe, wie dies eigentlich der Fall gewesen war. Der anlässlich dieser Sitzung bestellte Arbeitsausschuss ist beauftragt, das weitere Vorgehen festzulegen. Der bisherige Stand in der Behandlung dieses für unsere Volkswirtschaft äusserst wichtigen Problems lässt leider die Befürchtung wahr werden, dass die Frage des Ausbaues unserer Alpenstrassen dieses Jahr nicht mehr aus dem Stadium der Besprechungen herauskommen soll. Ob wir dann selbst bei beschleunigtem Ausbau unserer Durchgangsstrassen und Alpenrouten noch den Vorsprung einzuholen vermögen, den das Ausland uns gegenüber bereits erzielt hat, scheint mehr als fraglich. Schweizerisch-österreichische Vereinbarung über die Motorfahrzeugbesteuerunjs. Die bereits gemeldeten gegenseitig vorgesehenen Steuererleichterungen waren Gegenstand eines Notenaustausches. Der Inhalt des Abkommens wurde den Kantonsregierungen Er kennt mich kaum. Als was wollen Sie denn in den Putilowwerken arbeiten?» «Als Ingenieur.» «Verstehen Sie denn etwas von diesen Dingen?» «Gewiss. Nicht allzuviel, aber doch genug, um mich .einarbeiten' zu können.» «Gut. Dann will ich Ihnen einen Typ geben. Deuten Sie dem alten Esel Bobrikow an, dass Sie die Aufgabe haben, sich in seinen ausgezeichnet geleiteten Werken über die russischen Methoden der Munitionserzeugung zu informieren, um ihre Erfahrungen dann in Frankreich verwerten zu können. Er ist dumm genug, das zu glauben!» Es wurde an der Tür geklopft. Oberst von Mjassojedow ging selbst öffnen. Er wurde an das Telephon gebeten, das sich im Nebenzimmer befand. Als er zurückkam, sagte er lächelnd, während er sich ein neues Glas Cognac eingoss: «Man interessiert sich sehr für Sie, Monsieur Andre Pigeot! Das Polizeipräsidium ist von der Ueberwachungskommission auf Sie aufmerksam geworden und fragt bei mir an, ob ich ein Interesse daran habe, dass Sie und Ihre Frau Gemahlin überwacht werden! Es ist sehr gut, dass Sie mich heute bereits aufgesucht haben. Ich konnte den Herren also mitteilen, ich sei zwar informiert, dass Sie in besonderer Mission eintreffen werden, dass ich aber gar