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E_1933_Zeitung_Nr.086

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10 AUTOMOBIL-REVUE

10 AUTOMOBIL-REVUE 1933 - 86 Patent-Skizze der wichtigsten spezifischen Einrichtungen des Rupa-Kohlenstauhmotors. säubern, der Luftriachschub um den Ventilsitz von Kohlenpulver zu reinigen und eischeint, so kann man sich doch leicht vorstellen, dass das «Adersol»-Verfahren wirklich Vorteile ergibt. Nach Faroux verträgt nen dichten Abschluss zu sichern. Das Kohlenpulver verbleibt zum weitaus ein Reifen während seiner Lebensdauer eine grössten Teil in der Bleikammer und wird dreimalige Aufrauhung. Die Abnützung des während des Verdichtungshubes teilweise Gummis wird durch die Sägeschnitte nicht vergast; gegen den Kolbentotpunkt erfolgt wesentlich vergrössert, da die tragende die Zündung der in der Beikammer entstandenen Oase und, solange der in der Kam- verkleinert wird. -s. Lauffläche durch diese ia nur sehr wenig mer vorhandene Sauerstoff ausreicht, auch Verbrennung eines weiteren Teiles des Pulvers; dadurch erfolgt ein rascher Anstieg Vedh *•» '«eda al von Druck und Temperatur, Vergasung eines weiteren Teiles des Pulvers und Ausblasen des Restes desselben in den Hauptverbrennungsraum. Im Verlaufe der Versuche stellte sich heraus, dass der Arbeitskolben unbedingt gekühlt werden muss; diesbezügliche Konstruktionen sind bei verschiedenen Qrossgasmaschinen und Dieselmotoren bereits in Anwendung, beim; Kohlenstaubmotor wird sie aber zur unbedingten Notwendigkeit, da der Flüssigkeitsnebel des Treiböles oder der Wasserdampf des Gases, die sich sonst am Kolbenboden niederschlagen und bei der Wiederverdampfung Wärme abführen, fehlen. Das Kohlenpulver kann durch Vermählen von Steinkohle erzeugt werden oder durch Absaugen des Kohlenstaubes bei der Brikettfabrikation, es können aber-auch statt Kohlenpulver pflanzliche Mehle, wie Roggenmehl, vermahlene Schalen von Reis, Cacao, Copra, der Rückstände bei der Oelgewinnung* aus Sojabohnen, Sonnenblumenkernen, Oliven etc., ferner Holzabfälle und Holzkohle verwendet werden. Zu manchem dieser Brennstoffe muss allerdings zur besseren Einleitung der Vergasung etwas Treiböl durch ein normales Diesel-Einspritzventil in der Beikammer vernebelt werden. va. Beseitigung der Schleudergefahr? Als den grössten Fortschritt in der Erhöhung der Fahrsicherheit von Automobilen seit der Einführung der Vierradbremsen bezeichnet der weltbekannte Fachschriftsteller Faroux ein von Tecalemit eingeführtes Verfahren zur Aufrauhung der Pneus. Das Verfahren besteht darin, die Laufflächen der Pneus quer zum Umfang mit Sägeschnitten von ca. 3 mm Tiefe und 1 cm Abstand zu versehen. Durch diese Schnitte soll die Griffigkeit der Pneus derart erhöht werden, dass der Wagen selbst auf nassem Asphalt nicht mehr zum Schleudern gebracht werden kann. Wenn diese Behauptung auch etwas gewagt er- Frage 8S58. Winkelstellung von V-Motoren. In welchem Winkel müssen die Zylinder eines V-Motors, und zwar eines Achtzylinders, eines Zwölfzylinders und eines Sechszylinders zueinander stehen, damit die -Zündungen in gleichem Kurbelwellenwinkel-Abstand auftreten. E. W. in Z. Antwort: Um die aufgestellte Bedingung zu erfüllen, muss beim Achtzylinder ein Winkel von 90°, beim Zwölfzylinder ein solcher von 60° und beim Sechszylinder ein Winkel von 45° angewandt werden. . -* at:f Frage 8859. Einfluss längerer Zündkabel. Ich möchte bei meinem Wagen eine Zündungskontrollvorrichtung einbauen, müsste dazu aber die Zündkabel auf etwa das Vierfache ihrer gegenwärtigen Länge verlängern. Hätte die grössere Zündkabellänge auf die Zündung wohl irgend einen Einfluss? S. M.inP. Antwort: Ein merklicher Einfluss auf die Zündung ist durch die Anwendung längerer Zündkabel nicht zu erwarten. Theoretisch werden sich allerdings einige Kondensatoreffekte einstellen, es ist jedoch nicht zu erwarten, dass diese praktisch zur Geltung kommen. at. Frage 8860. Perlen an den Zündkerzen-Elektroden. Hat es etwas zu bedeuten, wenn an den Elektroden der Zündkerzen Perlen von geschmolzenem Material entstehen? Der Motor läuft dabei iganz einwandfrei: -H. W. in L. Antwort; Die betreffenden Perlen weisen lediglich daraufhin, dass die- Elektroden der angewandten Zündkerzen-Type sehr heiss werden. Solange der Motor jedoch trotzdem einwandfrei läuft und keine Selbstzündungen, erkennbar an Rückschlägen in den Vergaser bei gleichzeitiger Leiistungeabnahme, auftreten, brauchen Sie sich jedoch darum nicht zu kümmern. at. Frage 8861. Abnützung der Kolbenringnuten. Beim Entrussen meines Motors wurde festgestellt, dass die Kolbenringe in ihren Nuten beträchtliches Spiel haben. Die Kompression des Motors ist aber trotzdem noch gut und der Oelverbrauch übersteigt den normalen Wert nicht wesentlich. -Man empfiehlt mir nun jedoch trotzdem dringend das Einpassen neuer Kolbenringe, mit der Begründung, beim gegenwärtigen Zustand würden die Zylinder überrriässig abgenützt. Wie kann man sich das vorstellen? Welcher Zusammenhang besteht zwischen dem 'Spiel der Kolbenringe und der Beanspruchung der Zylinder? E. S. in M, Antwort- Schlechter Sitz der Kolbenringe kann die Abnützung der Zylinder tatsächlich vergrössern. Je schlechter die Kolbenringe, vor allem der oberste Kolbenring, abdichten, um so mehr heisse Verbrennungsgase gelangen in den Zwischenraum zwischen Kolben und Zylinderwand. Diese heissen Gase verursachen eine starke Verminderung der Schmierung und schaffen so die günstigsten Vorbedingungen für einen vorzeitigen Materialverschleiss. at. Die Fahrtechnik. Herausgegeben im Auftrage Frage 8862. Nasse Zündkerzen nach Bergabfahrt. Bei meinem Vierzylinder muss ich bei jeder Seiten, 258 Abbildungen, 1 Tafel. Verlag Richard des A. D. A. G Von Stephan Dietl, Ziv.-Ing. 378 längeren Bergabfahrt die Kerzen, welche stark Carl Schmidt & Co., Berlin W 62„ Lutherstr. 14, voll Benzin sind und nicht mehr zünden, herausnehmen und reinigen. Woher kommt nun diese Aus jeder Zeile spricht die Erfahrung des alten 1931. Preis in Ganzleinen Mk. 9.80. Störung? Ich stelle den Motor nie ab bßim Abwärtsfahren. H. P in U. schen Nachwuchs der Schuh drückt. Dietl ver» Praktikers, der genau weiss, wo den automobilisti- Antwort: Die Ursache des starken Benzinniederschlages an den Zündkerzen ist ein zusondern mit dem Herzen zu dozieren. Nach der steht es, nicht mit lehrhaft erhobenem Zeigefinger brennstoffreiches Gemisch. Dieses Gemisch lägst Einführung in die Organe des Wagens, deren sich nicht mehr entzünden, so dass sich beim Kenntnis für den Fahrer notwendig ist, nimmt die Bergabfahren mit der Zeit immer konzentriertere Fahrtechnik als solche den breitesten Raum ein. Benzindämpfe im- Verbrennungsraum der Zylindsr Ein reicr es Material ist hier klar und übersichtlich verarbeitet. «Die Landstmsse>. «Das ansammeln.. In erster Linie wird es sich empfeh- Stadt- len, einen Versuch mit einer kleineren Leerlaufdüse vorzunehmen. Das Radikalmittel bestände allerdings im Einbau eines Hilfsluftventils zwischen der Drosselklappe und den Zylindern. Durch öffnen dieses Ventils könnte dabei beim, Bergfah- .ien vermieden ..werden, dass im Saugrohr ein hoher Unterdruck entsteht, durch welchen sonst •obermassige Brennstoffmengen aus der Leerlaufdüse heraus gerissen werden. Etwelche Besserungen werden Sie schon erzielen können, indem Sie nur von Zeit zu Zeit während des Bergabfahrens kurz. etwas Gas geben. Es soll sich dadurch wenigstens vermeiden lassen, dass die Zündkerzen nachher immer herausgenommen und getrocknet werden müssen. at. Frage 8863. Leerlaufeinstellung. Wenn ich den Motor meines Wagens auf eine minimale Leerlauf- Tourenzahl eingestellt habe, bleibt er nach einigen Minuten regelmässigen Laufens immer plötzlich stehen. Kurz vor dem Stillstand hört man dabei jeweils im Unterdruckförderer ein leichtes Knacken und kann gleichzeitig ein Zunehmen der Tourenzahl während einigen Umdrehungen beobachten. .Hängt dieses Verhalten des Motors irgendwie mit dem Unterdruck-Förderer zusammen? Wenn ja, auf welche Art und Weise? R. 0. in S. Antwort: Eine kleine Störung der Leerlaufeinstellung ist bei Anwendung eines Unterdruckförderers nicht zu vermeiden. Wenn Sie sich die Wirkung eines Unterdruckförderers vergegenwärtigen, so kann Ihnen nichts entgehen. Dass zeitweise durch das Rohr, durch welches der Förderer mit dem Saugrohr des Motors verbunden ist, Luft in das Motorsaugrohr hineinströmt, nämlich immer dann, wenn der Brennstoffinhalt dos oberen Behälters im Förderer abgelaufen ist und der nach unten gesunkene Schwimmer das Ventil öffnet, das zwischen diesem Behälter und den erwähnten Leitungen die Verbindung herstellt. Infolge des Lufteintrittes ins Saugrohr, wird dann das Gasgemisch zu benzinarm und der Motor bleibt nach kurzein Beschleunigen stehen. Bei nicht allzu knapper Einstellung des Leerlaufes kann die Arbeit des Vakuumförderers jedoch nicht störend wirken und eine merkliche Veränderung der Gemischzusammensetzung tritt auch dann nicht mehr ein, wenn grössere Gasmengen das Saugrohr passieren, also bei schon teilweise oder ganz geöffneter Drosselklappe. at. fahren», «Das Gebirge», «In Schnee und Eis>, «Nachtfahrt und Beleuchtung». «Das Kurvenfahren», «Das Schleudern», diese wenigen Beispiele der Kapitelüberschriften zeigen schon, wie eingehend Fahrtechnik und Fahrkunde behandelt werden. SERVICE mt fVIOSER"-Anhänger nur 1 T bei onn e Eigengewicht 4 Tonnen N utzlast Kippvorrichtungen E. MOSER, Anhängerfabrik, BERN CAntk/^rTtnpctpaccA 101 • Telephon 22.381 Sr gibt Auskunft über gesetzliche Üorschrijten £ReiseformalHäten technische fragen ßieferantenadressen ^ourenoorschläge ^ulomobilroirtschaft und ist für unsere Abonnenten oöllig kostenfrei Oerlag der „Automobil- £Reoue'

Bern, Dienstag, 17. Oktober 1933 III. Blatt der „Automobil-Revue" No.86 Greenhorn am Volant E. W. — Der Anblick eines Lehrlings am Autolenkrad bereitet mir immer Vergnügen. Ich vergesse sogar die gute Erziehung und drehe mich um, sofern eine Novize am Volant sich Mühe gibt mit fieberigen Augen, Händen und Herzklopfen. Eben sind es 3V2 Jahre, da ich mich als Neuling abmühte, schüchtern und bescheiden in die geheimnisvolle Welt des Autofahrens eingeführt zu werden. Wie liegt das nun lang zurück! Ein Wust von Erinnerungen fliegt auf. Ganz scheu sass ich neben dem Lehrer, wie einst auf der Schulbank, und liess mir von seinem Kopf und seinen Händen imponieren, indessen meine Berufsweisheit im Bureau untätig feierte. Wie einst als Geher, als Radfahrer suchte ich mich zurechtzufinden im Labyrinth der neuen Kunst und war für jede Belehrung herzlich dankbar, denn mit Ueberheblichkeit und Aufschneidereien liessen sich die Tücken der Technik nicht übers Ohr hauen. Der neue Unterricht verlangte Elementarkenntnisse, und ohne Schulmeisterei und eigenes Ausprobieren ging es schon gar nicht. Die Handgriffe und Ratschläge, die Verkehrsregeln und Anweisungen ergossen sich wie ein wahrer Platzregen über mein Haupt, und dieses ganze wilde Gewimmel sollte in den Kopf hinein und von hier, weitergeleitet, an die richtige Stelle. Das war keine Kleinigkeit, aller dieser Wichtigkeiten Herr zu werden. Es war manchmal so viel, dass es den Schweiss durch alle Poren trieb und selbst im Schlafe Alpdrücken bescherte. Uh! Heute denke ich mit Vergnügen daran zurück, nachdem man es geschafft, wie ein Examen. Mit lächelndem Behagen geht man die Stationen wieder durch, in Regen, Wind und Sonnenschein, Stadtschlauch und Landwiederholiger. Die Schwierigkeiten liessen sich nur durch Repetitionen meistern. Wie ein Erstklässler galt es zu ochsen: Starten, Gang wechseln, Signal geben, ausweichen, anhalten, bremsen, vorfahren, rückwärtsfahren, überholen, Kurven nehmen, einbiegen, stoppen, Tempo, bergauf, bergab, schmale Strassen passieren, Kreuzungen bestehen, parkieren ... Dabei die Gewissheit: Von der Mechanik des Wagens, von der Intelligenz der Maschine keine Spur im Kopf. Wahrlich: Diese schüchternen Versuche waren mehr vom Glück als vom Verstand behütet. Mit Grauen denke ich an das Meisterstück, das ich vollführte, als ich erstmals den Wagen selber aus der Garage führte. Ich war froh, als der Motor endlich schwieg: Gartenzaun, Lehrer und Wagen waren heil. Diesen Rekord verdankte ich aber nicht etwa mir, sondern meinem guten Stern. Die kurze Strecke hatte ich im Rundflug genommen, F E U I L L E T O N Der geheime Kampf Von Philipp Klein. (Fortsetzung aus dem Hauptblatt.) «Das ist vielleicht das gleiche!» «Vielleicht, Madame!» Der Wagen hielt mit einem harten Ruck in einer Nebenstrasse hinter dem Sommertheater. Als Eberhard und Mercedes ausstiegen, sahen sie, dass ein ganzer Wagenpark diese Nebenstrasse und einen gar nicht kleinen Platz füllte; offenbar gab das vornehmere Petersburg, oder auch nur das reiche Petersburg, sich in diesem Kamenyj Ostrow Rendez-vous. Man trat durch eine schmale Pforte in einen Garten, der einen zauberhaften Anblick bot. Da, wo die Bäume dichteren Schatten gaben, verbreiteten kleine elektrische Lämpchen, mit roter, gelber, blauer, grüner Seide umhüllt, ein magisches Licht. Hier sassen die Gäste an Tischen. Aber ausserhalb des Schattens der Bäume lag das silbrige Licht auf dem grünen Rasen. Es war fast taghell. Zerstreut lagerten die Zigeuner in malerischen Gruppen. Frauen und Mädchen In Hinter mir steht die scheidende Sonne. Flammendes Gold liegt auf den Kastanienbäumen. Der Teich zu meinen Füssen nimmt liebevoll das farbensatte Bild auf und bewegt es leicht, wenn die Flügel des Windes über seine Spiegelfläche streichen. Hier ist Ruhe, hier lebt und dichtet der Herbst, wie es Böcklin von ihm gelernt hat, der selige Künstler, der Lyriker mit * * * Der Herbst hat viele Gesichter. Und jedes ist schön, keines blickt an uns vorüber, keines ist leer. Sein Nebel ist wie das leichte Wellen eines blassen Frauenkleides, leise und schleierhaft. Wenn es Abend wird, fliesst er über die Wiesen am Waldrand und deckt mütterlich zart die blassvioletten Herbstzeitlosen. Und am Morgen, wenn die Sonne sich durchringt, zieht der lichte Nebel fort und niemand hört ihn; niemand weiss, wo er ist. Immer gleicht er einer guten, schönen, jungen Frau, die weisse Kleider trägt. Ihre Hände sind kühl, und ihr Gang ist leise... Ich liebe den Herbstnebel, wenn er auf den Abendwiesen liegt und wenn man, aus dem Walde kommend, durch die Fichten sein weisses Schimmern sieht. * * * Alles rede ich an. Ich erzähle dem roten Ahornblatt, das ich vom Wege aufhebe, die Geschichte eines wehmütigen Herbstes. Wie ich vor Jahren in den Bergen umherstieg, wie ich über die Felsen mit leichter Hand strich, wie ich aus den Fenstern des alten Hauses auf den Domplatz blickte, wo schmutzige Kinder spielten, wie ich an Elise dachte... das und keine Splitter und Späne flogen. Es ging alles so rasch, dass mir der Atem abhanden kam. Dann aber atmete ich erleichtert auf. Nur einmal war ich von einem kleinen Pech verfolgt. Plötzlich sah ich mich um eine Hausecke herum einem Traktor gegenüber. Der Schreck war so gross, dass ich beide Pedale und das Lenkrad fluchtartig im Stiche liess. Der Zusammenprall war nicht stark, weil erstens der Schlepper ihren grellbunten Kostümen. Bei jeder Bewegung ihrer Arme, ihrer Füsse klirrten kleine Silber- und Goldmünzen, die sie an Kettchen um die Gelenke und die Knöchel trugen. Unter dem farbigen Kopfputz leuchteten dunkle Augen, gefährliche Augen, lokten geschwungene, volle Lippen. Die Burschen, schwarz, das Langhaar um diebraunen Gesichter wehend, mit Augen wie brennende Kohlen, klimperten auf ihren Instrumenten und sangen halblaut dazu. Es war wie ein gedämpftes Orchester, fremdartig, aufreizend in seiner Eintönigkeit. Plötzlich sprang aus einer Gruppe lebhaftere Musik auf. Die Frauen und Mädchen begannen, sich in den Hüften zu wiegen — im nächsten Augenblick flogen sie im wilden Tanz über den grünen Rasen. Dann, nach einem musikalischen Höhepunkt, der wie ein Schrei höchster Lust aufstieg, ebbte die Musik zurück, verlangsamte sich der Tanz — versank. Aus einer andern Gruppe klingt ein Lied auf, ein kurzes Lied. Eine Melodie, wie sie vielleicht vor Jahrtausenden in der Tatarei erklang, oder im alten Kurdistan. Worte, die dem Hörer ohne Sinn dünkten. Aber Wort und Melodie waren eins, sind eine einförmige, Herbst Farbe und Pinsel... Ein einsamer Schwan zieht durch die märchenhafte Flut. Der alte, kleine Barockpalast zwischen den Bäumen und das blutrote Laub an seinen Mauern dämmern in den müden Tag. Das ist die Stunde, die einem auch das hastende Leben der Gegenwart wieder lieb macht, die weiche Hände hat, gütige Augen, ein Herz und die erfüllt ist mit seliger Ruhe, mit Frieden ... alles flüsterte ich, über das Ahornblatt gebeugt. Am schönsten ist das Gesicht des Herbstgewitters, das man aber nur sehr selten sehen kann. Ich erlebte es einmal... Ungewohntes Donnern weckte mich am frühen Morgen auf; strohgelb war der Himmel, und ganz ohne Drohen klang das Rollen aus den Wolken hernieder. Die gelbbraunen Blätter eilten über die Erde hin wie übermütige Morgengeister. Sie tanzten in der Luft umher und raschelten unsagbar leise. Dann kam der Regen, nach ihm wieder die Sonne. Und durch die kristallklare Luft leuchtete eine Farbensymphonie ... * * * Nie stimmt mich der Herbst traurig, auch wenn kalter Rieselregen wie dünner Schleier in den Gassen hängt. Dann ist der Herbst erst recht schön; er kühlt die Wangen und legt milden Glanz über die abendlichen Gassen. Wie lockend leuchten die Lampen vor dem Theater! Und zufällig wird eine herrliche Musik gespielt. Butterfly singt ihre reizenden Melodien in die japanische Kirschblütenlandschaft, während über die Gassen der Grossstadt der Herbstregen niederrauscht. * * * Wenn ich ein berühmter Maler wäre, ich würde alle Gesichter des Herbstes malen. Ich würde jede Stunde eines Herbsttages festhalten und alle Farben in der Natur finden. Viele Bücher lese ich am liebsten im Herbst, so Jean Paul, Rilke und ganz besonders Knut Hamsun, den Seelensänger des Herbstes ... Der Herbst gibt uns fast mehr als der Frühling; denn der Herbst ist reif. Das Rot und Gold des Herbstabends ist wie die Verheissung einer glücklichen Zukunft... Alle Menschen sollten den Herbst Heben, sollten seine Wege gehen und sein leises Glück an sich nehmen. Es sind ihrer viele, die ihn lieben. Und ich weiss, dass sie mir die Hand reichen wollen, weil sie denken wie ich, weil sie diesen letzten Rausch vor dem Tode lieben. J. R. H. bereits bockstill stand und ich mit meiner Maschine ganz langsam um die Strassenecke geschlichen kam. Liebevoll bog sich ein Freundesantlitz zu mir in den Wagen und versicherte ironisch: «Du lernst!» Dieses Bedauern, diese Entschuldigung machte mich wütender als der Anblick der leicht verkrümmten vorderen Stossstange, die der Chauffeur des Traktors übrigens bereits ritterlich zurechtgebogen, bevor ich noch ausgestiegen, von der Angst befreit. eherne Kette, an der eine ungeheure Leidenschaft reisst. Urweltliches ist in diesem Lied, etwas, das das Blut aufpeitscht und zugleich in Angst und Grauen den Atem anhalten lässt. Ein schriller Mollakkord, über die Gitarre gerissen — das Lied ist zu Ende. Der Oberst, Eberhard und Mercedes nahmen, von einem jungen Kellner geführt, an einem kleinen Tisch im Schatten der alten Bäume Platz. Der Oberst bestellte Sekt. Mercedes wollte Einspruch erheben. «Bitte, Madame! In einer Nacht wie dieser kann man nichts geniessen als Champagner oder uralten Cognac. Da ich mich in Ihrer Gesellschaft befinde, ziehe ich Champagner vor. Er macht trunken, ohne zu berauschen. Nun? Finden Sie es schön hier?» «Sonderbar, Herr Oberst.» «Ja. Eigenartig. Besonders natürlich für Sie. Wissen Sie, Madame, was das hier ist? Das ist Asien. Das ist die Seele Asiens, die Seele unserer Urheimat. Wir haben die Sprache dieser unserer Seele verlernt, aber wenn sie aufklingt, lauschen wir, und unsere Herzen zittern. Sind das Menschen, die da singen und tanzen? Ach — das will ich ja gar nicht wissen! Meinetwegen sind es Die Methode? Es gibt kein Klischee für jedermann, keine Allerweltefibel für das Autofahren. Jeder muss auch auf diesem Gebiet nach eigener Fasson selig werden. Gerade das Autofahren ist eine besondere Geschicklichkeit, die körperliche Funktionen und geistige Schlagfertigkeit erfordert. Und alle diese Fertigkeiten lassen sich von jedem Wesen in anderer Form bewältigen. Der Mann reagiert anders als die Frau, jeder Berufsangehörige kommt der Kunst des Lenkens auf anderem Wege bei. Uebung und wieder Uebung macht den Meister! Die Prüfung! Ein Examen mit der ganzen fieberhaften Erwartung des Drum und Dran. Der Experte thront neben dir wie einst im Mai unseligen Gedenkens der Inspektor und Professor mit der Machtbefugnis des lieben Gottes, der in absoluter Autorität Noten und Lose verteilt. Was man in den Schulstunden gelernt, soll nun sitzen. Aber ach, auch hier das vermaledeite Lampenfieber. Alles sollte nun klar gehen; es ging ja, notdürftig, aber alles klappte nicht nach Wunsch. Die ständige Kontrolle machte nervös. Den Lehrer hatte man zum Schluss sorglos und bereits ein wenig frech hingenommen. Nun sass aber ein Fremder an deiner Seite. Was man sich eingeprägt, wurde erlesen und tüchtig geschüttelt. Aber vor das dicke Ende haben auch hier die Götter den Schweiss gesetzt. Den Weg kannte man, genau wusste man um jeden Strassenbuckel, der Wagen war im Schuss, die Aufmerksamkeit machte einem wachsamen Jagdhunde alle Ehre. Aber immerhin: Zu gemütlichen Naturbetrachtungen oder gar Stadtbesichtigungen und Musterung der Passanten war nicht der richtige Augenblick. Man fieberte, trotz dem geruhsamen Wiegegang, vor Aufregung, vor Angst, yor Unsicherheit, vor Vorfreude auf den guten Ausgang. Der Motor surrte, der Experte fragte, das Getriebe kicherte listig. Narrt es dich? Macht es den Anlass zu einem Spass? Das erlösende Verdikt «Bestanden» des Examinators machte aller Unsicherheit des Bekümmerten ein glückhaftes Ende. Und im Besitz des Führerscheins das Gelöbnis, von vorne mit dem Lernen anzufangen, wobei es das peinliche Einsamkeitsgefühl zu besiegen galt, fortan allein zu fahren, nur sich selber verantwortlich, ohne jegliche Begleitung, die mit einem Eingriff Hilfe leisten konnte. Im strömenden Regen geborgen im Trockenen, im Sonnenschein im Fluge an der Landschaft vorüber, mächtig stolz oder ergeben geniesserisch die Schönheiten mit den Augen, mit der Seele pflückend, im eigenen, schönen, leistungsfähigen Wagen. Frozzelei oder Anerkennung der Freunde hin oder her, man hat's geschafft, selber, allen Hindernissen zum Trotz. schmutzige Zigeuner. Meinetwegen mögen die Burschen sich bloss alle acht Tage waschen — meinetwegen mögen die Mädchen sich für ein paar Rubel an den nächstbesten dicken Händler verkaufen. Das geht mich nichts an. Denn wenn sie spielen, wenn sie singen, wenn sie tanzen, dann sind sie nicht mehr schmutzige Zigeuner. Dann sind sie die Erinnerung an ein fernes, unerreichbares, gelobtes Land. An die Paradiesheimat vielleicht. Hören Sie! Hören Sie! Welch ein Klang! Welch ein Rhythmus! Ach — wie sehr ist in diesem Augenblick Asien in mir. Wir sind Europäer, meinen Sie, Madame ? Das mag vielleicht für Sie gelten und für Ihren Herrn Gemahl. Aber ich, ich bin Asiate. Hier, hier, bei den Zigeunern weiss ich es. Vielleicht, dass mein Vorfahr mit Dschingiskhan oder mit Timur dem Lahmen nach diesem hässlichen Westen kam. Dass er mit einer tiefen Wunde in der Seite am Wege liegenblieb oder sich etwa eine Frau aus dem fremden und doch verwandten Stamme nahm und Kinder zeugte — ach: er hätte es nicht tun sollen. Er hätte in seine asiatische Heimat kriechend zurückkehren müssen, wenn er nicht mehr reiten konnte!» (Fortsetzung folgt.) Kaffee Hag die Treu* bewahrt, hat Geld für manche Kur gespart