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E_1933_Zeitung_Nr.088

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10 AUTOMOBIL-REVUE

10 AUTOMOBIL-REVUE 1933 - N° Schema des neuen Michelin-Zwillingsrades mit Gummiring (B) zwischen Felge (A) und Nabe (G), der eine Anpassung der Reifen an die Fahxbahnwölbung gestattet. Auf dem Gebiet des «Automobil-« Mobiliars > war im übrigen ein starkes Aufkommen der Stahlrohr-Ausführungen festzustellen. Sitze aus Stahlrohr mit Stoffbespannung haben jedenfalls den grossen Vorteil, nur ein Minimum an Platz zu beanspruchen und, ein wichtiger Punkt für Picknickfahrten, leicht transportabel zu sein. Fahrern, die den Wert eines Wagens nach der Zahl seiner Instrumente bemessen, mag ein neuer Bremsanzeiger hochwillkommen sein, der hinter'- einem Schlitz bei einer Bremswirksamkeit von 20 % ein gelbes, bei einer Bremswirksamkeit von 30 % ein rotes, und bei einer •Bremswirksamkeit von 50 % ein grünes Schildchen erscheinen lässt. Sicher erfreut dieses neue Zubehör auch die Reifentmd Bremsbelagfabrikanten. Wie so manches andere Problem, hat die Firma Michelin auch das der gleichmässigen Lastverteilung bei Zwillingsrädern genial einfach gelöst. Sie- bringt zwischen die Naben und die Felgen der Zwillingsräder von Lastwagen ganz einfach, wie oben skizziert, einen hochelastischen Gummiring, welcher der Radfelge und damit dem Zwillmgsreifen eine zwanglose Anpassung an jede Strassenwölbung gestattet. m. sprechen dafür ein deutliches Wort selbst wenn man in Betracht zieht, dass es sich dabei um französische Franken handelt 1922 1923 1924 1925 1926 1927 1928 1929 1930 1931 1932 336.504,55 260.518,13 1.005.132,43 2.201.846,73 2.215.141,68 2.913:351,20 1.735.540,80 1.595.264,00 1.683.568,50 2.005.314,10 1 AAR QA1 HQ Total 17.398.483,90 Man halte sich vor Augen, dass der Gegenwert für derart gewaltige Ausgaben, nämlich die Popularität, nur der Marke zuteil wird!, die eine grössere Siegesserie zu erzielen vermag. Technisch bedeutet die Teilnahme an Rennen allerdings auch für weniger erfolgreiche Marken einen Gewinn, indem sie dem Konstrukteur wertvolle Erfahrungen zu sammeln gestattet. Kaufmännisch wirkt sich dieser Vorteil aber nur sehr langsam aus, so dass kleinere Organisationen ganz unmöglich damit spekulieren kön- nen. m. i»»ak«£sdh«> mlc« Steckenbleibende Ventile können Störungen verursachen, deiren Grund oft nur sehr schwer festzustellen ist. Hegt man jedoch Verdacht, dass das Ventilspiel nicht normal vonstatten geht so lasse man den Motor mit zurückgestellter Zündung einige Minuten lang mit hoher Tourenzahl laufen, damit er sich erwärmt, stelle ihn dann ab und drehe ihn mit der Andrehkurbel sofort einige Male durch. Ein steckenbleibendes Ventil lässt sich nun daran erkennen, dass die Kompression in dem betreffenden Zylinder ausbleibt. Notbehelfe bei Kühlerondichtlzketten. Ein ganz einfaches, billiges und überall erhältliches Mittel ist Gips. Man rührt mit Wasser einen ziemlich dicken Brei an und wirft ihn kräftig an die leckende Stelle des Kühlers. Bald erhärtet der Brei, wird steinhart und verhindert das weitere Ausfliessen des Wassers aus dem Kühler. Ist man unterwegs und hat keinen Gips im Reparaturkasten, so kann man sich bei kleinen Kühlerverletzungen mit Holzstückchen oder Spänchen helfen, die man in die defekte Stelle, die man notfalls noch etwas vergrössert, einpresst Das Holz saugt sich voll Wasser und schliesst die Verletzung vollständig. Liegt ein grösserer Schaden vor, so drückt man mit der Zange die beschädigten Röhrchen des Kühlers fest zusammen, um den Wasserverlust nach Möglichkeit zu verringern und so bis zur nächsten grösseren Reparaturwerkstatt zu gelangen. + Tedhn. Frage 8868. Lötwasser. sammensetzung des Lötwassers? H. K. in F. Antwort: Lötwasser besteht aus Salzsäure, welche mit Zinkstückchen solange beschickt wird, bis sie nicht mehr aufkocht und die dann noch mit der Hälfte Wasser verdünnt wird, at. Frage 8869. Zylinderabnützung. Woran ist die Abnützung der Zylinder und Kolben ohne Demontage des Motors zu erkennen? Beim Durchdrehen mit der Handkurbel zeigt der Motor noch leidlich gute Kompression. F. J. in F. Antwort: Für die fragliche Abnützung gibt es verschiedene Anzeichen. Das bekannteste ist wohl das Auftreten von blauem, übelriechendem Rauch aus dem Auspuffrohr (normal sind die Auspuffgase farblos und fast geruchlos). Ebenso strömt aus dem Entlüfter des Kurbelgehäuses übelriechender Rauch, der sich auch im Innern des geschlossenen Wagens unangenehm bemerkbar macht und Kopfschmerzen hervorruft. Der Oelverbrauch steigt; damit geht Hand in Hand das schnelle Schlechtwerden des Oeles im Kurbelgehäuse und seine Verdünnung durch Brennstoff. Oft fangen die Kolben an zu klappern. Die Zündkerzen verölen schnell, und die Leistung des Motors geht zurück. + die schwarze Flagge, in Verbindung mit einer Nummer: Halt für denjenigen Fahrer, der durch die Nummer bezeichnet wird, Flagge oder Tafel, schwarz-weiss, schachbrettartig kariert, in Vorbindung mit einer Startnummer, bedeutet, dass der betreffende Fahrer sein Rennen beendet hat. Rot-weisse Flagge, in Verbindung mit einer Startnummer, bedeutet die Verwarnung des durch die Nummer bezeichneten Fahrers wegen unsportlichen Verhaltens während des Rennens. at. Frage 8871. Veralte Hlnterradbremsen. Woher kommt es, wenn die Hinterradbremseh beständig • verölt sind und dann nicht mehr richtig ziehen? Was ist dagegen zu machen? E. J. in B. Antwort: Wahrscheinlich wurde zuviel Oel in das Hinterachsgehäuse eingefüllt oder die Dichtungen der Differentialwellen sind abgenützt. Man bemerkt dann an den Scheibenrädern oder an den Bremstrommeln radial nach aussen führende Oelspuren. Versuchen Sie, zwischen Bremstrommel und deren Abdichtung einen ordentlichen Schus» Benzin einzuspritzen, damit das Oel ausgewaschen wird. Oder fahren, Sie vorsichtig mit einem kleinen Gang und angezogenen Bremsen einige hundert Meter, damit das Oel auf den Belägen verbrennt. Das sind aber nur Notbehelfe. Sobald als möglich '«ftdhsaal sollte in einer Werkstatt die Ursache des dauernden Verölens festgestellt werden. Manchmal ist die Ursache auch nur ein längeres einseitig geneigtes Welches ist die Zu-Stehen des Wagens, wodurch das Oel aus dem Hinterachsgetriebe längs der Differentialwelle eu einer Bremstrommel fliessen kann. Dauernd auf den Bremsbelägen verbrennendes Oel macht diese spiegelglatt; dann nützt kein Ausspritzen mehr. Man muss deshalb diesen Fehler sofort abstellen at. Schmutz zerfrisst die Karosserie. Wochen alter Schmutz an der Karosserie wirft nicht dass auch die Wärmeverluste weniger gToss ans-' nur ein bedenkliches Licht auf den Reinlichkeitssinn des Wagenbesitzers, er ist auch Frage 8870. Flaggensignale bei Rennen. Ist die nung günstigere Strömungsverhältnisse. Die ein- fallen. Drittens ergibt die hängende Ventilanord- Verwendung der verschiedenartigen Flaggen bei strömenden und ausströmenden Gase haben weniger Richtungsänderungen durchzumachen und sind Was kostet die RennbeteHieunz ? Von die direkte Ursache vieler vorzeitiger Karosserieschäden. In den Winkeln und Fugen Bedeutung der Flaggen nur von Fall zu Fall zwi- auch sonst weniger Strömungswiderständen unter- Rennen irgendwie einheitlich geregelt oder wird die Laien hört man nicht selten die Frage, was wohl diese oder jene Automobilfabrik an liegengebliebener Schmutz wirkt wie einschen den Fahrern und den Rennleitern vereinbart? F. K. in Z. Motor für das Ansaugen und Auspuffen aufzubrinworfen, so dass die schädliche Arbeit, die der einer Rennbeteiligung abhalte, wo doch sicher der Propagandawert der Rennen unge- festhält. Unerbittlich führt schliesslieh die Antwort: Für Fahrer und Funktionäre ist gen hat, geringer ausfällt. Schliesslieh erlaub^ die' Schwamm, indem er Feuchtigkeit tagelang die Bedeutung der Flaggenzeichen international festgelegt. So bedeuten: Durchwirbelung des Gasgemisches im Verbren-* hängende Ventilanordnung auch noch eine bessere wöhnlich gross sei. Der Grund ist in denFeuchtigkeit zum Verrosten und zur Zerstörung des benachbarten Materials. Bei der die weisse Flagge: Start; nungsraum, woraus eine gleichmässigere, rest- ausserordentlich hohen Kosten einer fabrikmässigen Rennbeteiligung zu finden. Die Wagenreinigung ist deshalb nicht zuletzt das die gelbe Flagge; Unbedingt und sofort Halt; losere Verbrennung resultiert. die blaue Flagge (still gehalten): Vorsicht, rechts nachfolgenden hohen Beträge, die bei-Augenmerspielsweise Bugatti in den letzten 11 Jahren gen und Winkel vom Schmutz befreit wer- 1 :die blaue Flagge (hin- und hergeschwenkt): Ach- nung praktisch fast ebenso gute Leistungen zu er- darauf zu richten, dass die Fu- Bei modernen Konstruktionen gelingt es all«*« halten: dings auch mit der seitlich stehenden Ventilanordfür seine Rerinbeteifeung ausgegeben hat, den, -s. tung, Gefahr; reichen. •••:• atrv lassen. Frage 8872. Hangende Ventile. Aus welchem Grund ist bei Motoren mit hängenden Ventilen eine höhere Leistung zu erwarten als bei solchen mit seitlich stehenden Ventilen? A. B. in E. Antwort: Für die Mehrleistung der Motoren mit hängenden Ventilen gibt es mehrere Gründe. AI« wichtigster davon ist zu erwähnen, dass die hängende Ventilanordnung die Anwendung eines höheren Kompressionsveihältnisßes ermöglicht, das. dann seinerseits die Mehrleistung ergibt. Würde man bei seitlich gesteuerten Motoren das Kompreesionsverhältnis ebenso hoch wählen, so hätte der Motor eine mehr oder weniger starke Neigung zum Klopfen. Ein zweiter Hauptgrund ist der, dass bei der hängenden Ventilanordnung die Oberfläche des Verbrennungsraumes Heiner wird, so "•" ein Nachschlagewerk zum täglichen Gebrauch im Schweizer Radio-Kalender erfüllt Ausgabe 1934 soeben erschienen Preis hur Fr. 2.- jedes Radiohörers Entstehung und Wesen der Tonübertragung pochen ebenso gewaltig an das Wissen jedes Radiobesitzers, wie er zur Verbesserung der Selektivität und der Verhütung und Beseitigung von Störungen ein Nachschlagewerk, ein Vademekum gegen die Tücke des Objektes benötigt. — Der Schweizer Radiokalender, der nun unter dem Protektorat des Hörerverbandes selbst erscheint, erfüllt alle diese Ansprüche. Sie blättern in den reich illustrierten 136 Seiten dieses Buches mit ständig steigendem Interesse, er gehört zu Ihrem Apparat. 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Bern, Dienstag, 24. Oktober 1933 III. Blatt der „Automobil-Revue" No.88 Der Ueberfall Der Riviera-Express raste durch den Bahnhof von Dijon. Lord Henry Inverton, Legationssekretär der britischen Botschaft, entzündete gelangweilt eine Zigarre und blickte durch das Fenster seines behaglichen Schlafooupes auf die vorüberflitzertden Lichter des Bahnhofs hinaus. Schon versanken die letzten Signale in der Nacht, die Weichen der Ausfahrt knatterten unter den Vierachsern hinweg. Plötzlich ertönte ein leiser metallischer Laut von der Coupetür her durch das Rasseln des Zuges. Lord Inverton fuhr herum und erstickte einen Ausruf der Ueberraschung. Ein fremdes Mädchen stand im Coupe. «Oh!» stammelte das Mädchen. «Verzeihung ... wie peinlich ...» Lord Inverton verbarg seine Ueberraschung unter einem höflichen Lächeln. «Ach bitte... Sie haben sich wohl im Coup6 geirrt, Gnädigste. Da ist doch nichts zu entschuldigen.. .> Das Mädchen sah ihn aus grossen, bestürzten dunklen Augen starr an. «Ich habe mich nicht geirrt.» «Sie meinen wohl, dass ich mich geirrt habe und in Ihrem Coupe sitze?» «Auch das nicht.» Lord Inverton schüttelte verwundert den Kopf und betrachtete seine seltsame Besucherin mit erwachender Neugierde. Das Mädchen war schlank, schwarz und von eigenartiger, fragiler Schönheit. Seine Augen blickten verstört. Es machte einen zarten, zerbrechlichen, beinahe hilfesuchenden Eindruck. «Nehmen Sie doch einen Augenblick Platz», schlug Lord Inverton vor. «Sie scheinen erregt ... darf ich Ihnen vielleicht zur Beruhigung Ihrer Nerven eine Zigarette anbieten?» «Oh, danke.» Das Mädchen sank — wie erschöpft — auf den Sitz neben Lord Inverton, nahm die angebotene Zigarette und tat einen gierigen Zug. «Danke», wiederholte es schwach. «Wie lieb von Ihnen.» Lord Inverton berührte leicht den Arm des Mädchens. «Kann ich Ihnen irgendwie behilflich sein?» Das Mädchen erschauerte leicht und starrte in den Rauch seiner Zigarette. «Im Wagen befinden sich zwei Geheimpolizisten der Regierung», sagte es tonlos. «Ich habe davon gehört.» «Und ein Maharadscha.» Wilhelm Weidin. «Die Geheimpolizisten sind zu seiner Bewachung bestimmt.» Das Mädchen schwieg. Lord Inverton konnte sich eines peinlichen Gefühls nicht erwehren. Als ausländischer Diplomat hatte er eine delikate Stellung... und wenn dieses Mädchen auf der Flucht vor der Polizei war, konnte sich eine sehr unangenehme Lage ergeben, falls es in seinem CoupS aufgegriffen wurde. Einen Augenblick kämpfte in ihm die Korrektheit des Beamten gegen die Ritterlichkeit des Gentleman und ein Gefühl des Mitleides. Er sah das zerbrechliche Wesen an seiner Seite an, und das Mitleid obsiegte. «Vertrauen Sie sich mir an», sagte er freundlich. «Ich werde Sie decken, so weit es in meiner Macht steht... ich bin Diplomat.» «Ich weiss es», sagte das Mädchen. «Sie sind Lord Inverton.» «Sie wussten das!» «Natürlich.» Das Mädchen sah plötzlich gar nicht mehr so zerbrechlich und hilfsbedürftig aus. Es blies einen Rauchring in die Luft und sah Lord Inverton mit einem herausfordernden Lächeln an. «Sie glauben wahrscheinlich, dass ich verfolgt werde und zu Ihnen geflüchtet bin, um an Ihre — hm — Ritterlichkeit zu appellieren?» «Offen gestanden — ja.» «Da haben Sie sich aber geirrt.» Lord Inverton errötete leicht und blickte starr auf die Spitze seiner Zigarre, auf der sich ein konkaver Aschenkegel zu bilden begann. «Was für einem Umstand veTdanke ich also das Vergnügen Ihrer Bekanntschaft?» fragte er kühl. «Ich bin gekommen, um Ihnen 50,000 Francs abzunehmen.» Lord Inverton erhob sich wortlos und machte einen Schritt auf die Coupetür zu. Aber das Mädchen kam ihm zuvor. «Setzen Sie sich!» befahl es und stellte sich vor die Tür. «Sie riskieren Ihre Ehre, Ihre Laufbahn und Ihr Lebensglück, wenn Sie mir nicht gehorchen. Lord Invertons Antlitz erstarrte zu einer Maske. «Was haben Sie vor?» fragte er und nahm wieder Platz. Das Mädchen blieb vor der Coupetür stehen und blickte ihn aus halbgeschlossenen Augenlidern an. «Es befinden sich, wie gesagt, zwei Geheimpolizisten in diesem Wagen.» «Um so besser!» Das Mädchen lachte spöttisch. «Sie Narr! Wenn Sie mir nicht binnen fünf Minuten die verlangte Summe ausbezahlen, werden Sie von diesen Polizisten verhaftet werden.» «Sie setzen mich in Erstaunen. Die Polizei » Das Mädchen neigte sich zu Lord Inverton. «Ich will Ihnen eine kleine Geschichte erzählen», unterbrach es. «Nehmen wir an, ein Legationssekretär — irgendein Legationssekretär — reist in einem Luxuszug an die Riviera. Plötzlich hört man Hilferufe einer Frau aus seinem Coupe. Zufällig sind Geheimpolizisten in dem Wagen anwesend, die diese Rufe hören. Sie stürzen herbei und finden in dem Coupe ein Mädchen mit zerfetzten Kleidern, das erklärt, dass es von dem Legationssekretär in das Coupe gelockt und dann überfallen wurde. Was glauben Sie, dass aus der Karriere dieses Legationssekretärs werden würde? Oder sollte ihm seine Karriere nicht lumpige 50,000 Francs wert sein?» Lord Inverton betrachtete fasziniert den Aschenkegel seiner Zigarre. «Also das ist es!» sagte er und lehnte sich ruhig in seinen Sitz zurück. Das Mädchen sah ihn erstaunt an. «Sie zahlen?» «Fällt mir gar nicht ein.» «Bedenken Sie — Ihre Karriere!» «Sie scheinen mehr um sie besorgt zu sein als ich.» Das Mädchen machte einen letzten Zug aus seiner Zigarette und warf sie weg. «Schön!» sagte es und begann seine Haare zu zerraufen. «Sie wollen wirklich nicht zahlen?» «Nein.» Das Mädchen riss einen Teil seiner dünnen Bluse über die weisse Schulter und sah Lord Inverton wieder fragend an. «Nein.» «Sie glauben wohl, dass Sie mich durch Ihre Ruhe bluffen können! Was? Da sollen Sie sich aber getäuscht haben!» «Es ist mir gleichgültig, was Sie sich denken.» Das Mädchen zögerte noch einen Augenblick, dann warf es sich auf den Sitz neben Lord Inverton und begann zu schreien. «Hilfe!!! Hilfe!!! Hilfeeeü! Lord Inverton sog an seiner Zigarre und rührte sich nicht. «Hilfeeeü!» Den letzten Schrei erstickte das Mädchen in einem Gurgeln. Im nächsten Augenblick wurde bereits die Herbsttage Schon ist Herbst. Aber der leise Hauch der Sonne ist noch zu spüren. Oktober — wunderbarste Schwelle von Jahreszeit zu Jahreszeit. Braune Arme heben sich zu früchteschweren Zweigen. Ein seidenblauer Himmel ist von weissen Schleierwolken umsäumt. Erste gelbe, regennasse Blätter in~ mitten welkenden Grüns leuchten in Jähem Sonnenschein wie lichtes Gold. Das Spinnennetz glitzert voll Diamanten... Es ist ein Brief gekommen. « Habe Geduld mit mir », heisst es darin. Die Antwort geschieht mit einem Lächeln. Ist es nicht leicht, Geduld zu haben in dieser Zeit des Ueberganges? Und weiter steht darin: « bis Weihnachten »; und das ist so neu wie eine Entdeckung. Eben jetzt war doch noch Sommer — man hatte noch nie an den Winter gedacht. Die Zugvögel ziehen dunkle Kreise in der Luft. Alle Sehnsucht erhält Flügel. Die Rosen an den Stämmen duften süsser denn je. Am Morgen sind sie über und über nass vom Tau, benetzt wie von schweren Tränen, Aber der warme Sonnenschein trocknet sie bald. Die Trauben sind gereift. Alles ist Erfüllung und Gelassenheit. J.H. Tür aufgerissen und zwei stämmige Herren stürzten in das Coupe. «Kriminalpolizei... Was geht hier vor?». «Dieser Herr...» weinte das Mädchen. «Dieses Scheusal... Er hat mich in das Coupe gelockt und dann überfallen... Sehen Sie meine Kleider... wie er mich zugerichtet hat... Unerhört, dass so etwas in einem Luxuszug passieren kann ...» Die Beamten traten auf Lord Inverton zu, der mit gekreuzten Beinen ruhig auf seinefn Platz sass und nachdenklich seine Zigarre betrachtete. Volksheizkissen Einzige Schwelzermarke mit 4-8tufigerWärmeregulierung und doppeltem Heizkörper. F E U I L L E T O N Der geheime Kampf losen Blick von Tieren, in einer Stätte voller Angst und Grauen zusammengepfercht. Eberhard sah, dass hier in allen Abteilungen fieberhaft gearbeitet wurde. Er sah, wie Aufseher, viele von ihnen in der Uniform von Unteroffizieren, hinter die Arbeitenden schlichen; er hörte fluchen, wie nur Russen fluchen können, hörte antreiben, antreiben, antreiben. Welche ganz ungeheure Summe von Energie brachte der Mensch auf, nicht um zu bauen, sondern um zu vernichten! Es war schon gegen Mittag, als Eberhard in dem kleinen, freundlichen Zimmer eines alten Oberleutnants abgesetzt wurde, der die Aufsicht über die Maschinengewehrmunition hatte. Von diesem Zimmerchen aus gingen Gucklöcher nach drei Seiten: man konnte drei riesige Säle von hier aus überwachen. Der Oberleutnant, ein früherer Unteroffizier der Feuerwerkerschule, wie Eberhard später erfuhr, empfing den französischen Ingenieur nicht gerade sehr freundlich. «Ich heisse Iwan Wassiljewitsch Chrestschenko», sagte er und zwirbelte seinen schon ziemlich ergrauten starken Schnurrbart. «Sie sind also der Herr, der acht Tage hier arbeiten will!» «Jawohl, Herr Oberleutnant!» «Ein Franzose, wie?» «Ja. Ein Franzose aus Toulouse.» «Fachmann für Maschinengewehre?» «Fachmann so ziemlich für die ganze Armierung.» «Ach!» Der Oberleutnant sah Eberhard ein wenig spöttisch an. «Natürlich, von allem etwas und nichts genau. Man kennt das. Unsere Zivilingenieure sind gerade so. Ich sage Ihnen, eine Sache gründlich verstehen ist wichtiger, als von allem etwas wissen!» «Das ist im Frieden sicher der Fall. Aber im Kriege kann man sich nicht immer nur auf eine Sache versteifen. Es wird bei Ihnen nicht anders sein als bei uns.» «Wahrscheinlich. Ich sagte Ihnen ja schon: die Zivilingenieure! Aber das geht uns ja hier nichts an — es ist nur, dass man davon spricht. Ihnen verdanken wir wahrscheinlich den neuesten Ukas Seiner Exzellenz, wie ? Sie haben sich damit nicht sehr vorteilhaft eingeführt!» «Einen Ukas Seiner Exzellenz? Davon weiss ich nichts!» «Natürlich wissen Sie davon nichts. Aber wir wissen es! Aus den Leuten noch wesentlich mehr herauspressen als bisher! Als ob das möglich wäre! Man hat eben keine Ahnung davon, was der Mensch leisten kann. Wir tun wahrhaftig unser möglichstes, die Leute anzutreiben, aber was eben nicht mehr geht, das geht eben nicht mehr. Sehen Sie einmal da hinaus!» Der Oberleutnant schlug Von Philipp Klein. (Fortsetzung aus dem Hauptblatt.) Es war ein Weg, wie ihn Dante auch nicht schrecklicher gegangen ist. Durch die Hallen, in denen Hunderte von fast nackten Menschen in einer furchtbaren Temperatur damit beschäftigt waren, das zischende flüssige Metall zu bändigen und zum hundertfachen Morddienst gebrauchsfertig zu machen. Durch unübersehbare Räume, in denen blankpolierte Hülsen mit Verderben gefüllt wurden. Durch die Abteilungen, in denen Sprengstoffe lagen, mit denen man ganz Petersburg in die Luft hätte blasen können. Durch die Säle, in denen Patronen zurechtgerichtet wurden: Millionen, die alle den Weg in menschliche Körper finden sollten! Durch die Räume, die nur mit weichen Filzschuhen betreten werden durften, in denen eine hastige, unvorsichtige Bewegung das Verderben für Tausende entfesseln konnte. Eberhard war überwältigt von den Eindrücken, die sich ihm hier boten, von den Ziffern, die ihm der junge Leutnant nannte und — von dem Blick der Menschen, die hier arbeiteten. Vor dem stumpfen, glanzeinen Laden von einem der Ausgucklöcher zurück. «Da haben Sie fünfhundert Mann an den Tischen. Keiner ist auch nur einen Augenblick unbeschäftigt. In den Gängen stehen zehn Aufseher, und wehe dem Mann, der einmal die Hand sinken lässt. Das geht zwölf Stunden — glauben Sie, dass der Mensch noch mehr aushält? Und nun soll die Produktion um ein Viertel gesteigert werden. Das ist mit drei Ueberstunden nicht herauszubringen. Und wenn das verlangte Quantum nicht geschafft wird, fliege ich in den Kasten — verstehen Sie, was das heisst?» Eberhard zuckte bedauernd die Achseln. «Es ist Krieg, Herr Oberleutnant!» «Jawohl. Es ist Krieg! Verdammt nochmal! Wenn mich dieses verfluchte Rheuma nicht an den Beinen hätte — keine zehn Pferde könnten mich hier halten. Hinaus und los«und eine ehrliche Kugel — aus! Ich bin ein Ukrainer, Herr. Drei Jahre war ich bereits in Pension, hatte ein kleines Haus und ein Gärtchen in der Nähe von Kiew. Kommt dieser verdammte Krieg — nun ja, man ist Soldat. Man geht, weil man Ehre im Leib hat. Der Tod fürs Vaterland — ein schöner Tod. Nein. In diese verdammte Hölle wird man hereingesetzt. Man ist nicht Soldat, man ist Menschenschinder und wird selbst geschunden, bis einen der Teufel holt. Ach!» (Fortsetzung Seite 16.) Der konstante innere Gehalt, die vieljährige Bewährung und die Qualität sagen Ihnen: und kein anderer