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E_1933_Zeitung_Nr.091

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BERN, Freitag, 3.November 1933 Nummer 20 Cts. 29. Jahrgang - N" 91 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentraibiatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint jeden Dlerataa and Froltao Monatlich „Gelbe Liste" Halbjährlich Fr. 5.-, jährlich Fr. 10.-. Im Ausland unter Portozuschlag, M>rern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung 30 REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Rappen. Postcheck-Kechnung 111/414. Telephon 28.222 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Gehört die Zukunft dem Schienenauto? ii. * Die starre Gebundenheit der Eisenbahn an die Fahrbahn schwächt die Aktionskraft und setzt dem Angebot Grenzen, die das Automobil nicht kennt. Konsultieren wir erneut den Fahrplan der Linie Zürich—Basel, dann sehen wir, dass die bestehenden Anlagen (die Strecke ist nur auf Doppelspur ausgebaut und dazu kommt noch die ausserordentlich beschränkt aufnahmefähige Bahnhofanlage Zürich) schon heute während längeren Zeitintervallen stark bis sozusagen voll ausgenützt sind. Jeder Buskurs würde für die Eisenbahn ein Eisenbahnzu? bedeuten, der in seiner Fahrtrichtung, Strecke und Haltestellen während einer bestimmten Zeit vollständig blockiert, so dass, im Gegensatz zum Strassenverkehrsmittel, gleichzeitig andere Züge nicht in Betrieb gesetzt werden könnten. Jedenfalls Hesse sich ein zuverlässig funktionierender (das ist Grundbedingung), weitestgehend gesicherter und bestens auf die Ansprüche des Verkehrs abgestimmter Betrieb mit schnellfahrenden Schienenautos nicht denken zwischen den * In Fortsetzung von dem in Nr. 90 der A.-R. erschienenen I. Teil, wiederholen wir in dieser Nummer nochmals einen kleinen, bereits publizierten Abschnitt, um infolge eines Versehens beim Umbruch den heutigen Text zusammenhängend erscheinen zu lassen. Der geheime Kampf. Roman von Philipp Klein. (20. Fortsetzung) «Das können Sie halten, wie Sie wollen. Darauf, dass meine Verhaftung auch meine — Begleiterin in eine sehr unangenehme Lage bringen würde, brauche ich Sie nicht zu verweisen; bei Ihrer Einschätzung der Frau ist Ihnen das vermutlich gleichgültig! Sie sprachen mir übrigens schon am' ersten Tage meines Hierseins von der Möglichkeit, mich verschwinden zu lassen. Sie denken vielleicht augenblicklich auch an diese Möglichkeit. Es ist selbstverständlich, dass für diesen Fall genau das gleiche gilt wie für den Fall meiner Verhaftung.» Der Oberst lachte tückisch. «Sie sind ein Phantast, Herr Pigeot! Ich müsste Ihre Borniertheit besitzen, wenn ich das alles glauben sollte, was Sie mir jetzt erzählt haben.» «Ich sagte Ihnen schon: Sie können tun, was Sie wollen. Das heisst: für die nächsten zwanzig Minuten können Sie das nicht!» genau die gleiche Fahrbahn benützenden, ebenfalls zeitlich gebundenen, eine bestimmte Aufgabe erfüllenden, aber zum Teil ganz erheblich langsamer fahrenden Güter-, gemischter oder Dienstzüge, Personenzüge, Schnellzüge und internationale Durchgangsoder Saisonzüge. Oder möchte im Zeichen der grossen Umwälzung vielleicht jemand ernsthaft daran denken, zu der bereits in die Bahnanlagen und Einrichtungen hineingesteckten gewaltigen Summe Geldes und •zum Milliardenbetrag, der neuestens vom Bund gewünscht wird, allein für eine Sanierung der Staatsbahn, den S. B. B. noch weitere grosse Kapitalinvestitionen zu bewilligen für den Ausbau der Anlagen und Einrichtungen zum Zwecke der Einführung des Autobusbetriebes nach ausländischem Muster auf breiter Basis? Allein schon mit Rücksicht auf die Tragbarkeit, dann aber auch im Hinblick auf die eingangs erwähnte Entwicklung des Verkehrs u nd seiner Mittel kann von einer solchen Aktion ernsthaft wohl keine Rede mehr sein. Und obendrein müsste man sich noch fragen, wozu eigentlich die landeigene weisse Kohle für den Eisenbahnbetrieb nutzbar gemacht und horrende Summen Geldes in die als nationales Werk gepriesene Eisenbahnelektrifizierung hineingesteckt wurden, wenn schon nach ein paar Jahren elektrischen Betriebes und, apropos bevor bei den S. B. B. die Vorteile der neuzeitlichen Traktionsart restlos nutzbringend verwertet worden wären, unter den Drahtwerken für die Kraftversorgung Triebfahrzeuge verkehren sollten, die mit ausländischem Betriebsstoff zu versorgen sein würden? Im grossen wird deshalb für unsere Verhältnisse der Leitsatz bestehen bleiben müssen : Der Eisenbahn die Schiene und dem Automobil die Strasse. Damit will aber nicht gesagt sein, dass unter Eisenbahnbetrieb immer etwas mehr oder weniger Schwerfälliges, nicht Schmiegsames zu verstehen ist. Ohne dass ein Automobil auf die Schiene gesetzt zu werden braucht, lässt sich nachgewiesenermassen bei gewiss annehmbaren Kosten und unter ebensolchen Voraussetzungen der Eisenbahnbetrieb « schmiegsam » gestalten. Viele Beispiele aus Betrieben des Inund Auslandes stehen zur Verfügung. Voraussetzung ist nur, dass der Betrieb, ohne in Extreme zu verfallen, das brauchbare Mittel zu bestimmen versteht, aus dem ein annehmbares Verhältnis zwischen Totlast und Nutzlast auch beim kleinen Angebot herausgebracht wird. Also: Vernünftig abstufen, sorgfältig abwägen, dann anpassen und dabei nicht etwa noch das Gute am Alten verdammen. Auf Strecken mit elektrischem Betrieb wird an Stelle des schweren und deshalb kostspieligen Lokomotivzuges der leichte Triebwagenzug dem schwachen Verkehr zu dienen haben (Ausfüllen von Fahrplanlücken). Und für die übrigen, von vornherein relativ schwach frequentierten Strecken wird, sofern diese nicht elektrifiziert werden können, ähnlich wie in ausländischen Betrieben ebenfalls der leichte Triebwagenzug (Benzin-, Rohöloder Dieselbetrieb) den starren Lokomotivzug ablösen. Denn allein schon der starke Verkehrsschwund (Krise und Abwanderung des Verkehrs von der Eisenbahn auf die Strasse) verlangt gebieterisch die Prüfung der Frage, ob wohl der gegenwärtige Einsatz, den die Eisenbahn ihrem Angebote zugrunde legt, in der Tat noch abgestimmt ist auf die Nachfrage; d. h. ob den von aussen diktierten Verhältnissen mit einem Angebot zu begegnen gesucht wird, dessen Preis wirklich auch als tragbar bezeichnet werden darf. Denn einerseits hängt unendlich viel davon ab, wie sich der Betrieb den Anforderungen des Verkehrs anzupassen verstellt Eberhard zog eine Pistole aus der Tasche und entsicherte sie. Er sah, wie der Oberst sich verfärbte und aufspringen wollte. «Bleiben Sie ruhig sitzen, Herr Oberst! Meine Frau — hören Sie: meine Frau wird jetzt die Stelle einnehmen, an der ich sitze. Sie wird die Pistole in die Hand nehmen, und in dem Augenblick, in dem Sie eine verdächtige Bewegung machen, haben Sie eine gute, verlässliche Kugel im Kopf. Ich brauche wohl nicht erst zu versichern, dass meine Frau mit Schiesswaffen vortrefflich umzugehen versteht. Ich werde mich inzwischen mit meinem Vertrauensmann in Verbindung setzen — damit ich sicher, ganz sicher bin, dass meine Rückversicherung funktioniert! Keine Bewegung, mein Herr, und keinen Ruf!» Eberhard war aufgestanden und hielt die Pistole auf den Obersten gerichtet. Mercedes trat zu ihm, setzte sich, ohne ein Wort zu sagen, in den Stuhl und nahm die Pistole. Ihre Hand zitterte nicht, als sie den Lauf gegen den Obersten richtete, der durch den Tisch von ihr getrennt, blass und bewegungslos in seinem Stuhl sass. Eberhard ging rückwärts nach der Tür. und anderseits, was für Massnahmen getroffen werden, damit durch das Endresultat nicht bittere Enttäuschungen ausgelöst werden. Grundsätzlich ist zu sagen, und daran ist festzuhalten, dass auch in krisenvollen Zeiten, in Zeiten, wie wir sie gegenwärtig durchleben müssen, der Verkehr nicht ruht. Der Verkehr kann, ja er darf nicht ruhen, denn aus ihm fliesst Lebenskraft. Von seinem Sein hängt sogar ein gutes Stück der Existenzmöglichkeit des Menschen ab. Aus diesem Grunde wird sich jeder Verkehrsmann sagen müssen: Sorge als Diener des Verkehrs für Verkehr, hüte und fördere ihn und hemme ihn nicht! In Krisenzeiten ruht, wie gesagt, das Bedürfnis nach Ortsveränderung nicht, einzig die Massen, die vom Verkehr ausgelöst werden, sind kleiner als in normalen Zeiten. Also, die Ansprüche, besonders des werktätigen Verkehrs, werden in Krisenzeiten nicht geringer. Im Gegenteil, die Krise steigert die Ansprüche an die Mittel des Verkehrs, bei für die Verkehrsunternehmungen allerdings stark reduzierten Einnahmemöglichkeiten. Für den allgemeinen, werktätigen Verkehr wäre es deshalb grundfalsch, wenn z. B. dem Rückgang der Verkehrsmassen und damit der Einnahmen von Seite des Betriebes rigoros mit Fahrplaneinschränkungen begegnet werden wollte. Die Erfahrung lehrt: Erstens, dass die geringsten Einnahmen in der Regel zusammenfallen mit dem kleinsten Angebot, dem schwächsten Fahrplan (man denke zurück an die. Zeiten der Kohlenmisere und an das Sonntagsfahrverbot der mit Dampfkraft betriebenen Eisenbahnen). Zweitens, dass die variablen Kosten des Betriebes im Verhältnis zu den festen Kosten eben doch nur gering sind, so dass die Gesamtausgaben, wenn die liquiden Werte unbeschwert aktiv bleiben sollen, eben nur in beschränktem Masse sich senken lassen. Und drittens, dass im Falle von Fahrplaneinschränkungen der schwache, keine grossen Massen fördernde, aber doch vorhandene Verkehr andere Wege sucht und heute auch andere, ebenfalls gangbrre Wege findet. Ja, diese Wege werden ihm durch das Mittel des Automobils geradezu aufgedrängt, und zwar nicht erst heute, sondern schon seit verschiedenen Jahren ! Wie aus den jüngsten Presseberichten des Verwaltungsrates der S. B. B. hervorgeht, scheint man nun auch bei den S. B. B. dem «Ich hoffe, Sie nicht allzu lange warten lassen zu müssen!» Mercedes und der Oberst hörten, wie er die Tür zuschlug und den Schlüssel im Schloss umdrehte. Dann fiel auch die zweite Tür ins Schloss. Schweigend sassen der Oberst und Mercedes einander gegenüber. Mercedes hatte den Finger am Drücker der Pistole, und der Oberst war überzeugt, dass sie sich auch nicht einen Augenblick besinnen würde, abzudrücken, wenn er den Versuch machte, sich zu befreien. Er überlegte: wenn er Mercedes samt dem nicht allzu schweren Tisch über den Haufen rannte, gelang es ihm vielleicht, ihr die Waffe zu entwinden. Aber Mercedes schien seine Gedanken in seinen Augen gelesen zu haben; sie stemmte sich gegen den Tisch und legte den Arm mit der Pistole auf. Eine Bewegung, ja nur der Anfang einer Bewegung seinerseits, und der Schuss konnte krachen. Sollte er sich wirklich ergeben? Und was geschah inzwischen? Was tat dieser verdammte Deutsche, während er hier bewegungslos ausharren müsste? «Madame — bringen Sie es wirklich übers Herz, mir so gegenüberzusitzen? Ich gebe zu — ich habe Sie gekränkt — ich bitte Sie JNSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem AusJand 60 Cti. Grössere Inserate nach Seitentarif. Inserntensehluss 4 Tage vor Erscheinen der Nummern Problem des elektrischen Leichtbetriebes nähertreten zu wollen. Man darf gespannt sein, auf welche Art sich der grösste schweizerische elektrische Bahnbetrieb den bisher noch nicht erfassten, zweifellos aber bedeutenden Vorteil, der im Leichtbetrieb (elektrischer Personenmotorwagenbetrieb) begründet liegt, zu Nutzen ziehen wird. Die Konkurrenz des Automobils im Personenverkehr scheint nun auch bei den S.B.B. mit Bedenken und zum Teil auch mit alten Zöpfen aufzuräumen. Das ist gut so ! Unverrückbar steht jedenfalls schon fest, dass der Eisenbahnbetrieb, wenn er dem Verkehr wirklich weiter dienen und sich selbst erhalten soll, den Ansprüchen des Verkehrs sich bestens anzupassen hat. Hier bleibt bei der Eisenbahn im eigenen Haus noch vieles zu tun übrig, das mit dem Thema Bahn und Auto eigentlich nur insofern in Zusammenhange steht, als der Autobetrieb auch heute noch in verschiedenen Beziehungen dem Bahnbetrieb als Beispiel dienen kann. Der Autobetrieb ist dort, wo er dem Verkehr zu dienen vermag, schmiegsam, der Eisenbahnbetrieb tnuss es erst noch werden! Nicht die hohen Reisegeschwindigkeiten allein (diese mögen imponieren und den Reiz der Neuheit speisen), sondern mehr die Einräumung vermehrter, also häufiger Reisegelegenheiten (aber in Zügen, die vom nicht durchgehenden Lastenverkehr abgelöst sind) sind für den Eisenbahnbetrieb von ausschlaggebender Bedeutung. Aber nicht die verantwortlichen Organe der Eisenbahn allein sind in der Lage, dem Begriff «schmiegsam » auch im Eisenbahnbetrieb praktische Anwendung zu verschaffen. Dazu bedarf es auch einer verständnisvollen, ebenfalls auf die Neuheit umgestellten Mitarbeit der Organe der Aufsichtsbehörde, des Eisenbahndepartementes wie auch der Konstrukteure unserer Industrie. Auch der Preis des Vehikels muss sich in das Gesamtangebot einschliessen lassen. Und nicht zuletzt wird der Verkehrsinteressent selbst, vorab der Schweizer Bürger und seine Beauftragten das nötige Verständnis für die Sache aufbringen müssen und einsehen lernen, dass dem Eisenbahnbetrieb, wenn er schmiegsam und leistungsfähig gestaltet werden und dabei auch lebensfähig erhalten bleiben soll, zukünftig keine Verpflichtungen mehr auferlegt werden dürfen, die von vornherein unvereinbar sind mit den an die Anstalten gestellten Forderungen. Wie man sieht, bleibt bei der und für die Eisenbahn noch verschiedenes zu tun übrig, bis der Eisenbahnbetrieb um- und eingestellt ist auf die neuzeitlichen Verhältnisse. Dabei wird ganz zweifellos der Leichtbetrieb der Eisenbahn, der durch die Motorisierung des Strassenverkehrs stark gefördert wurde, ohne dass bei uns als «Schienenverkehrsmittel der Zukunft » das Schienenauto angesprochen werden könnte, eine immer noch weiter wachsende Rolle spielen. H. Hürlimann, Frauenfeld. um Verzeihung! Wollen Sie doch bedenken — wenn ich mich von meiner rasenden Leidenschaft für Sie hinreissen Hess — es geschah aus Liebe! Aus Liebe, Madame! Es ist keine Redensart, wenn ich sage: ich liebe Sie! Seit dem Abend, da wir zusammen bei den Zigeunern waren, verzehre ich mich in Sehnsucht nach Ihnen. Meine Liebe ist stärker als ich — ist stärker als meine Vernunft! Vergessen Sie, dass ich — jenen Mann bedroht habe. Ich schwöre Ihnen, ich hätte meine Drohung nie zur Ausführung gebracht! Madame — ich flehe Sie an — versagen Sie mir nicht...» «Was ich anderen gewährt habe, wollen Sie sagen, Oberst Mjassojedow, nicht wahr? Ja. Es ist richtig, ich habe mich verkauft, um aus Menschen wie Sie das herauszulokken, was ich wissen wollte! Lassen Sie Ihre Füsse von dem Tisch oder ich drücke los! Sie will ich nicht, verstehen Sie? Die Gründe brauche ich Ihnen nicht zu sagen!» «Sie werden doch noch mein werden, Ata Bari!» «Niemals, Oberst Mjassojedow! Und jetzt schweigen Sie — wir haben einander nichts mehr zu sagen!»