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E_1933_Zeitung_Nr.092

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10 AUTOMOBIL-REVUE

10 AUTOMOBIL-REVUE 1933 - N» 92 auch ein Fahren mit • anormal niedrigen Motortourenzahlen, so dass das Getriebe gleichsam noch Schnellgangwirkung ergibt. Die stufenlose Veränderbarkeit der Uebersetzungsverhältnisse geht von 4:1 bis 1:1,7. Man erkennt daraus, dass der «höchste Gang» tatsächlich schon ins Schnelle übersetzt ist. Nach diesen theoretischen Ueberlegungen dürfte: es den Automobilisten interessieren, wie sich das Getriebe im Wagen eingebaut auswirkt. Englische Berichterstatter schildern, dass man in einem mit dem Hayes- Getriebe ausgerüsteten Wagen beständig im direkten Gang zu fahren glaubt. Vor der Abfahrt ist zwar einmalig ein Schalthebel auf Vorwärtsfahrt zu stellen, nachdem wie üblich zuerst ausgekuppelt wurde. Sobald sich jedoch der Wagen nach dem Einkuppeln in Gang gesetzt hat, besorgt das Getriebe alles von selbst. Die Motortourenzahl hängt fast ausschliesslich nur noch von der Stellung des Gaspedals ab, wenn mau den Einfluss der Korrekturhebel auf dem Lenkrad unberücksichtigt lässt. Beim Befahren einer Steigung nimmt die Fahrgeschwindigkeit ohne merkliche Veränderung des Motorgeräusches ab, in einem darauffolgenden Gefälle nimmt sie ebenso gleichmässig wieder zu. Im Verkehrsgewühl lässt sich der Wagen durch blosses Betätigen der Bremse bis zum Fussgängertempo abdrosseln und sofort lediglich durch Gasgeben wieder beschleunigen. Die theoretisch zu erwartende Erhöhung der allgemeinen, Leistungsfähigkeit des Wagens soll durch einen Vergleich des mit dem normalen Getriebe ausgerüsteten Austin-Wagens und Günstige Kauf gelegen liest! Ein wenig gebrauchter Abb. 3. Teilschnitt dnrefr die gegenwärtige Ausführungsforin des Hayes-Getriebes. auf Pneus 40X8 und Simplexrädern, Kardanantrieb, elektr. 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Eine nahezu vollständige Ausschaltung der Blendgefahr für den Automobilisten soll eine Erfindung bringen, die ihre Grundform schon während des Krieges erhalten hat, jedoch noch verbessert wurde. Während des Krieges bestand Bedarf nach einer Brille, die den Fliegern die Möglichkeit gab, auch aus grosser Entfernung festzustellen, ob ein Schützengraben frisch aufgeworfen war, oder ob es sich um alte Erdarbeiten handelte. Die Forderung wurde tatsächlich erfüllt; es gelang eine Glasart herzustellen, die diese feinen Farbunterschiede kenntlich machte. Dieses Kunststück hatte ein Professor fertiggebracht, der auf Grund komplizierter wissenschaftlicher Methoden und noch komplizierterer Farbtheorien eine verblüffend wirksame Lösung fand. Professor Leibe stellte Gläser her, die eine bestimmte Grundfarbe absorbierten. Leider hatte diese Brille den Fehler, nur kurzlebig zu sein und nach etwa einem Jahr ihre Wirkung zu verlieren. „MOSER"-Anhänger mit Richten Sie eine Auto-Reparaturwerkstätte ein? Dieses Brillenglas, das schon im Jahre 1917 angefertigt wurde, hatte gegenüber den Blendschutzscheiben blauer oder gelblich-bis olivgrüner Färbung, die noch heute als Blendschutzgläser anzutreffen sind, den Vorteil, dass durch die Eigenfärbung des Glases der Farbton der beobachteten Objekte nicht verändert wurde. Nun ist es durch Verwendung einer seltenen Erde gelungen, ein Glas herzustellen, bei dem alle Gegenstände, ihrg. natürlichen Farben beibehalten und bei. demnur 1 Tonne Eigengewicht bei 4 Tonnen Nutzlast Kippvorrichtungen E. MOSER, Anhängerfabrik, BERN Schwarztorstrasse 101 • Telephon 22.381 ARBENZ 5 Tonnen, 3-Seitenkipper Zu verkaufen *0>63 im Zentrum Basels Geschäftshaus auf 2 Hauptstrassen gehend, mit 2 modern umgebauten Läden. Gute Rendite, da vollständig vermietet. — Anfragen an Postfach 11288, Basel I. Wenn Sie in Lausanne oder Umgebung eine VILLA zu kaufen suchen, wenden Sie sich gefl. an Galland & Cie., 3; pl. St-Francois, Lausanne, welche Ihnen gratis und franko die vollständige Liste senden werden. • 11082 die nicht ausgefilterten Farben bedeutend satter erscheinen. Die wichtigste Eigenschaft dieses Glases besteht darin, dass es den gelben Farbanteil völlig absorbiert. Durch die Ausfilterung des Gelbanteils, der wegen seiner «Reizkraft» auf das Auge, für die Zwecke der Reklame ausgedehnte Verwendung findet, wird die Blendung beträchtlich reduziert. Das ist aber nicht der einzige Vorteil dieses Glases. Das schon oben erwähnte Satterwerden der anderen Farben ermöglicht angeblich dem Motorfahrer, kleine Farbunterschiede, die sonst bei Nachtfahrten — «grau in grau» — erschienen, noch wahrzunehmen. Gerade auf schlechten Strassen mit vielen Schlaglöchern ist dies von grossem Wert, ganz abgesehen von der dadurch ermöglichten, grösseren Fahrsicherheit auf kurvenreichen und unübersichtlichen Strassen, die bisher bei Nachtfahrten zu einer grossen Zahl von Unglücksfällen Veranlassung gaben. + Tedi Antwort 8874. Auto-Bremssicherheitsschloss «Reggio». Zuschrift weitergeleitet Red. II. Antwort 8865. «Raffinol-Oel», Zuschrift weitergeleitet. Red. Frage 8884. Nebellampe. Was für ein Prinzip Hegt der Konstruktion einer Nebellampe zugrunde? W. H. in Z. Antwort: Gute Nebellampen sind so gebaut, dasa das von der Glühbirne ausgestrahlte Licht in möglichst gleichmässiger Verteilung schräg abwärts auf den Boden gestreut wird und dabei eine Fläche von der ganzen Strassenbreite und 20 bis 30 m Länge hell erleuchtet Zu vermeiden ist durch die Form des Reflektors oder geeignete Blendschirme, dass Strahlen die Lampe auch waagrecht oder schräg aufwärts gerichtet verlassen können, weil diese Strahlen sonst den unmittelbar im Gesichtsfeld des Fahrers liegenden Nebel hell erleuchten und damit Anlass zu Blendung geben würden. at Frage 8835. Kurbelwelle auf Kugenagern. Gibt es auch Motoren, bei welchen die Kurbelwelle auf Kugellagern läuft? Warum werden Kugellager nicht allgemein tür die Lagerung der Kurbelwelle angewandt, da man dadurch doch sicher die Abnützung und die Reibungsverluste vermindern könnte'? S. M. in Z. Antwort: Vereinzelt wird die Kugel- oder Rollenlagerung der Kurbelwelle angewandt besonders in Fällen,' wo der Motor sehr starken Beanspruchungen unterworfen ist. So weisen beispielsweise der Lastwagenmotor von Saurer rollengelagerte Kurbelwellen und gewisse Bugatti-Rennmotortypen kugelgelagerte Wellen auf. Als Hemmnis stehen jedoch dieser Einbauart der Kurbelwelle höhere Kosten im Weg. Um die Kugellager auf die Welle aufbringen zu können, muss diese in den meisten Fällen mehrteilig ausgeführt werden. Der Einbau der Welle mit ihren Lagern bedingt weiter äusserst Zu mieten gesucht Zu verkaufen Einfamilien- Villa 5-Tonnen- Anhänger mit Brücke von mindestens 4 m X 2 m X 0,85 m, mit Nummern u. Verkehrsbewilligung hinter Lastauto. Offerten unter Chiffre 8—10 Atmosphären, für Camion. 9713 Offerten mit Preis und näheren Angaben unter Chiffre 14127 an die Automobil-Revue, Bern hund Auto- Garaue zirka 6X3X2 m, prima Occasion. Offerten an E. 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Antwort: Der Vorteil des blockierten Differentials eines Rennwagens ißt noch sehr umstritten. Es ist zwar denkbar dass durch eine solche Blockierung der Schlupf der Räder bei einem starken Beschleunigen im gesamten etwas verringert wird Und dass deshalb die Motorleistung etwas besser ausgenützt werden kann. Durch die Differentialsperre wird ja auch verhindert, dass sich ein Rad mehr oder weniger leer durchdreht, wenn es über ein Schlagloch der Strasse hinwegspringt, oder eine schlüpfrige Stelle der Strassenoberfläche überfährt Anderseits tritt aber bei der geringsten Ungleichheit des Reifendurchmessere, wie er durch verschiedene Reifenmarken oder Luftdruckverschiedei*- heiten auftreten kann, eine ständige Hemmung des Antriebes ein, zu deren Ueberwindung der Motor unnütz Arbeit leisten muss. Auch auf kurvenreichen Strecken kann diese Hemmung bestimmt bedeutende Werte annehmen. Anderseits kann aber gerade wieder auf kurvenreichen Strecken ein Rennfahrer die Tendenz des Wagens mit blockiertem Differential, hinten leichter wegzurutschen, ata Vorteil empfinden. Alles in allem sind wir der Ansieht, dass dte Opportunität der Differentialsperre bei einem Rennwagen von Fall zu Fall geprüft werden mues und dass sie in einem Fall vielleicht wohl Vorteile, in einem andern Fall aber Nachteile ergibt. Bei einem Personenwagen dagegen wären bestimmt keine Vorteile zu erwarten. at. Anfrage 353. Führerausweis für schwere Gesellschaftswagen. Kann eine Frau (Berufsfahrerin), den Führerausweis für schwere Gesellschaftswagen erhalten, oder bestehen gesetzliche Vorschriften, die eine Frau in dieser Kategorie ausschalten? A. S. in M. Antwort: Weder durch das Automobilgesetz noch durch die Vollziehungsverordnung ist eine Frau von der Führung des schweren Gesellschaftswagens ausgeschlossen. Für die gewerbsmässige Ausführung von Personentransporteu mit Motorwagen ist das Zeugnis eines durch, •die Behörde zu bezeichnenden Arztes, ein Leumundszeugnis und Strafregisterauszug herbeizubringen. Für die Führung eines schweren Gesellschaftswagens muss sich der Bowerber darüber ausweisen, dass er während eines Jahres einen schweren Lastwagen klaglos geführt hat. • Zukaufen, gesucht 1 Original-Ford- Speichenrad Modell A. A., Reifengrösse 32X6. Offerten mit äusserstem Preis an Knäble, Weisse-Gasse S, Basel. '""" 5 T. Nutzlast, neueste Konstruktion, mit Verkehrsbewilligung, sofort günstig zu verkaufen. Anfragen richte man unter Chiffre 61026 an die Automobil-Revue, Bern. Branchekenntnisse und gute Referenzen erste Bedingung. Offerten unter Chiffre 60983 an die gebrauchte, aber guterhalt. Automobil-Revue, Bern. ein sehr schöner, 2J5jäh auf einen lukrativen Versandartikel, so wenden riger, dressierter Sie sich vertrauensvoll an mich. Bei nur 1000.— Fr. 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Bern, Dienstag, 7. November 1933 III. Blatt der „Automobil-Revue" No. 92 Alfred Nobel Zum hundertjährigen Geburtstae am 21. Oktober 1933. Emanuel Nobel verheiratete sich 1828 mit Carolina-Andrietta Ahlseil und hatte drei Söhne, Robert Hjalmar, Louis-Emmanuel und Alfred-Bernhard, geb. 1833. — Seine Wohnung in Stockholm wurde ihm bald unbehaglich. Eine heftige Explosion, welche sich bei seinen Versuchen mit Explosivstoffen ereignete, zerbrach die Fenster der Nachbarn, welche ihrer Unzufriedenheit mit dieser gefährlichen Nachbarschaft reichlich Ausdruck gaben. Uebrigens bot Schweden wenig Gelegenheit, die Pläne eines erfinderischen Geistes zu verwirklichen. — Damals kam nach Stockholm als ausserordentlicher russischer Botschafter M. von Haartmann. Er machte die Bekanntschaft von Nobel, welcher ihm seine Pläne mit Torpedos offenbarte, und es gelang ihm, ihn dafür zu interessieren. Haartmann riet ihm, nach Russland zu gehen, und Nobel siedelte sich 1837 nach St. Petersburg über. Die russische Regierung, welche die Fähigkeiten Nobels während des Krimkrieges sehr nötig hatte, befahl ihm, seine Fabriken in Kronstadt zu errichten. Die Zunahme der Regierungsaufträge nötigten Nobel, seine Fabriken so zu vergrössern, dass er schliesslich mehr als 1000 Arbeiter beschäftigte. Als der Krieg beendet war, drehte sich der Wind. Alfred Nobel war 26 Jahre alt, als er mit seinem Bruder und seinem Vater nach dem Zusammenbruch der russischen Unternehmungen in seine Heimat Schweden zurückkehrte. In Stockholm mussten Vater und Söhne arbeiten, um nur zu leben. Aber trotz der Bescheidenheit ihrer Einnahmen fuhren sie fort, sich mit neuen Erfindungen zu beschäftigen, besonders mit Explosivkörpern. Sie fanden im Nitroglyzerin eine Substanz, mit Hilfe deren sie die Hoffnung hatten^ ihr verlorenes Glück wieder aufzubauen. 1847 hatte der Italiener Sobrero das Nitroglyzerin hergestellt durch Einwirkung von Salpetersäure auf Glyzerin. Wegen seines flüssigen Zustandes und seiner giftigen Eigenschaften war die Substanz als Explosivstoff nicht brauchbar. Die Nobels versuchten nun die Wirkung des Schwarzpulvers zu verstärken, indem sie diesem Nitroglyzerin beifügten; auf diese Mischung erhielten sie am 4. Oktober 1863 ein Patent. Aber die Wirkung war nicht gross genug, um der Erfindung eine allgemeine Anwendung zu sichern, da das Schwarzpulver nur 10 bis 12% Nitroglyzerin aufnehmen konnte. Trotzdem hatte sich der Gebrauch von „Nobels Explosivöl" in mehreren Minen Schwedens eingebürgert. Es wurde nötig, das Nitroglyzerin in grösserem Maßstab zu fabrizieren, besonders weil die Eisenbahndirektion am 10. Oktober 1864 sich entschlossen hatte, das Nitroglyzerin zu benutzen, um einen Tunnel im südlichen Teil von Stockholm zu durchbrechen. Als das Nitroglyzerin in der Industrie ein- Der geheime Kampf Von Philipp Klein. (Fortsetzung aus dem Hauptblatt.) «Herr Pigeot, Sie glauben doch nicht, dass von den .Herren' in den Werken auch nur ein Handgriff unternommen werden kann, ohne dass wir davon Kenntnis haben? Sehen Sie, die Sache war höchst einfach. Ein Genosse war zufällig in das Zimmer getreten, in dem Sie arbeiteten. Er hatte eine Meldung zu erstatten. Es war niemand im Zimmer als der Oberleutnant Ostrow — alle anderen Herren waren im Kasino zum Frühstück. Dieser Herr Oberleutnant, der sich nicht beachtet glaubte, schlich zu Ihrem Arbeitstisch und praktizierte ein Blatt Papier in Ihre Tasche. Zwei Minuten später wusste ich davon. Es war mir sofort klar, dass da eine Partie gegen Sie gespielt wurde — und darum habe ich Sie aufgesucht und benachrichtigt. Ich hatte Glück dabei. Hätte ich Sie nicht auf dem Korridor getroffen, so war ich entschlossen, Sie in eine andere Abteilung zu holen und Ihnen unterwegs Mitteilung von dem zu machen, was in der Kanzlei vorgegangen war. Das ist alles!» Eberhard drückte Buturlin die Hand. «Sie dürfen aber nicht glauben, dass ich Elne amerikanische « Entdeckung >. Der moderne Amerikaner, der keine anderen Sorgen hat, als sich das Dasein so angenehm als möglich zu gestalten und kaum von moralischen oder ästhetischen Gewissensbissen angekränkelt wird, wenn es darum geht, das mechanisch ablaufende Leben noch etwas mehr zu automatisieren, ist auf eine neue Idee verfallen, die nur im Lande der unbegrenzten Möglichkeiten gefunden werden konnte. Das Aussteigen aus dem Auto und die paar Schritte in den Kinosaal hinein erinnerten schon lange in skandalöser Weise daran, dass auch dem Menschen die* gebratenen Tauben nicht in den 'Mund fliegen, wenn er ihn nicht aufmacht. Nun hat man aber doch den Weg gefunden, um sich auch den neuesten Qarbofilm vom Auto aus ansehen zu können. geführt war, kannte man noch kaum seine Eigenschaften, ebensowenig wie die Vermeidung seiner Gefahren. Oft behandelte man es so sorglos, dass sich einem heute die Haare sträuben würden. Die Folgen liessen nicht auf sich warten; schreckliche Explosionen ereigneten sich an mehreren Plätzen Europas und Amerikas, die Tod und Verstümmelung zahlreicher Menschen zur Folge hatten und die Zerstörung wertvollen Eigentums. Man war sogar drauf und dran, in mehreren Ländern den Gebrauch und die Beförderung von Nitroglyzerin gänzlich zu verbieten. Deshalb reiste Alfred Nobel von einem Ende Europas zum anderen, überall aufklärend und beweisend, dass die Ursache von fast allen Explosionen eine grobe Fahrlässigkeit gewesen war. Unaufhörlich arbeitete er an dem Problem, den Gebrauch des Nitroglyzerins weniger gefährlich zu machen. Der flüssige Zustand von Nitroglyzerin war eine grosse Schwierigkeit; es war nötig, ihm die feste Form zu geben. Der Zufall kam ihm zu Hilfe. Eines Tages, 1863, war ein wenig Nitroglyzerin aus einer gesprungenen Flasche geflossen und hatte sich mit dem Verpakkungsmaterial, einer porösen Erde, vermischt. Das Ganze bildete einen dichten Mörtel, der ein wenig an Rohzucker erinnerte. gekommen bin, um mir Ihren Dank einzukassieren. Ich habe vermutet, dass Sie abreisen würden. Darf ich mir die Frage erlauben, wohin Sie reisen?» «Zunächst nach Moskau.» «Ach! Ich dachte, Sie würden Russland überhaupt verlassen und nach dem Westen gehen. Für diesen Fall hätte ich nämlich eine Bitte an Sie gehabt an eine bestimmte Adresse in der Schweiz die Worte gelangen zu lassen: .Bereitschaft. Wechsel läuft noch 'ein Jahr!' Aber da Sie nicht nach dem Westen gehen...» «Ich verstehe den Sinn Ihrer Worte. Sie sind der Ueberzeugung, dass Sie in etwa einem Jahr losschlagen können. Ich kann es vermitteln, dass diese Botschaft an die von Ihnen gewünschte Adresse gelangt.» «Danke! Das möchte ich nicht! Den Weg, den die Nachricht durch Ihre Vermittlung gehen müsste, möchte ich nicht in Anspruch nehmen. Ich werde anderweitig die Mittel finden, die Botschaft dahin gelangen zu lassen, wo sie hingehört. Es liegt mir gar nicht an der Eile. Da Sie aber nach Moskau gehen, kann ich vielleicht Ihnen einen Dienst erweisen. Es mag sehr wohl sein, dass der Arm Ihrer Feinde auch bis Moskau reicht, und dass Sie eines Tages Schutz brauchen. In Moskau besteht die Organisation der entschiedenen Revolutionäre genau so wie hier, Kino vom Auto aus Dies fiel Nobel auf; er stellte fest, dass die Mischung ohne jede Gefahr verarbeitet werden konnte und doch die explosiven Eigenschaften des Nitroglyzerins besass. Die Erde, um die es sich hier handelte, war „Kieselgur". Man findet sie in Menge in der Lüneburger Heide. Die neue teigige Masse aus Nitroglyzerin und Kieselgur nannte Nobel „Dynamit" wegen seiner grossen Explosivkraft; der Name war zweifellos gut gewählt. Dieser Erfindung wurde in Schweden am 19. September 1867 ein Patent erteilt. Nobel erzählte gerne als Beispiel der Umstände, von denen der Erfolg einer Erfindung abhängen kann, dass ein Paket Dynamit per Schiff nach Peru geschickt wurde. In der Nähe von Lima explodierte es, und keine Spur vom Schiff blieb zurück, das in weniger als einer hundertstel Sekunde zerstört wurde; diese Riesenreklame imponierte besonders den Engländern. Die Nachfrage nach Dynamit war bald so gross, dass es unmöglich war, sie zu befriedigen. Man rief Nobel nach den Vereinigten Staaten, und er reiste nach Amerika, mit einigen Koffern Dynamit als Gepäck. Da er in Neuyork keinen Erfolg hat, geht er nach San Franzisko. Dort gründet er 1868 mit M. Bandmann, dem Bruder wenn sie auch vielleicht noch nicht den gleichen Umfang angenommen hat. Sie ist schon in der Lage, jemandem beizuspringen, wenn es die Sache selbst erfordert. Nur — ich mache Sie darauf aufmerksam: in Moskau ist man vielleicht ein gutes Stück russischer als in Petrograd. Sie dürften dort auch unseren Leuten gegenüber am besten verschweigen, dass Sie ein Deutscher sind — viele von uns sind für den internationalen Gedanken eben noch nicht reif. Ich weiss, dass die Revolution um so rascher marschieren wird, je schwerer die Niederlagen sind, die die Deutschen unseren Truppen zufügen. Aber ob man sich in Moskau allgemein zu der gleichen Erkenntnis durchgerungen hat, das halte ich für fraglich. Wenn Sie in Gefahr kommen sollten oder sich bedroht glauben, dann finden Sie Nikolojamskaja 27, in der kleinen Gastwirtschaft, Leute, die Ihnen sowohl ein Asyl gewähren, als auch forthelfen können. Sie brauchen sich nur an den Wirt selbst zu wenden und ihm das Erkennungswort zu nennen. Dann können Sie verlangen, was Sie wollen!» « Und — das Erkennungswort — ? » Buturlin schwieg eine Weile. Dann sagte er — und es klang beinahe feierlich — « Lenin. Merken Sie sich diesen Namen genau ! » « Ich weiss nicht, wie ich Ihnen danken soll, Herr Buturlin 1» Der Stadt Camden im Staate New Jersey blieb — wohl zum Neid aller andern Yankees — diese grosse Idee vorbehalten. Auf einem riesigen, halbkreisförmigen Parkplatz, der 400 Wagen fasst, können die Automobile aufgestellt werden. Vorn befindet sich ein grosser steinerner Bau, über den eine Riesenleinwand gespannt ist. Die Zuschauer können nun ruhig im Wagen verbleiben und sich gemütlich den stark vergrösserten Film ansehen. Ueber das ganze Gelände sind riesige Lautsprecher verteilt, die alle Töne des Films noch verstärken. Ihr Schall soll von solch lieblicher Durchdringlichkeit sein, dass selbst bei Kälte und Regenwetter jedes Wort durch die geschlossenen Scheiben hindurchdringen kann. Den Zuschauern steht es natürlich frei, zu der Vorführung des Films zu essen und zu trinken, zu bridgen odeT zu rauchen, und wenn Zwei allein vom Auto aus sich den neuesten Schmachtfilm ansehen kommen, so können sie gleich zur Nutzanwendung des eben Gesehenen schreiten. Der Eintrittspreis ist demokratisch niedrig gehalten, für 25 Cents pro Wagen und 25 Cents pro Person kann man sich den ganzen hohen Genuss leisten. Das Bild links zeigt die vor der Kinoleinwand aufgestellten Wagen, und rechts ist eine auf dem monumentalen Stein angebrachte echt amerikanische Reklame zu sehen, die — natürlich — für « worlds first > «drive-in-theatre» Propaganda macht Die Sache hat bis jetzt nur den einen Nachteil, dass für die Vorstellungen die Nachtzeit benötigt wird. Aber der listige Amerikaner ist bestimmt schon geboren, der auch diesem unangenehmen Uebelstand noch abhilft bo. seines Hamburger Associe, eine Gesellschaft, um das Dynamit herzustellen i „the giant powder" der Amerikaner. Nach Europa zurückgekehrt, verhandelt er mit einem Haus in Wien, um eine Fabrik in Oesterreich und eine andere in Prag zu gründen. Dann brach der deutsch-französische Krieg aus. Schiessbaumwolle sowie Dynamit kamen zur Anwendung, und man konnte sich von der Wirkung der neuen Explosivstoffe überzeugen. Nach Kriegsende liess sich Nobel in Paria nieder, wo es ihm gelang, Gambetta zu in- Heizkissen besitzen stets einen im Innern montierten Feuchtschutz und dürfen daher auch zum Warmen nasser Umschläge benützt werden. In Elektrizltäts- und Sanltatsaeschäften ab Fr. 21- ,r «Dadurch, dass Sie nach Möglichkeit dazu beitragen, das offizielle Russland an den Abgrund zu führen ! > < Und Sie glauben, dass noch ein Jahr nötig sein wird, ehe Sie Ihre Ziele gesichert wissen ? » < Ein Jahr. Vielleicht auch noch etwas länger. Es kommt sehr viel auf die deutschen Erfolge an, — Ich muss jetzt gehen —, es könnte auffallen, wenn sich ein Polizist stundenlang bei Ihnen aufhielte. Der Hausmeister ist so ein gottverdammter Spion. Aber das sind sie ja so ziemlich alle. — Reisen Sie also glücklich, und vergessen Sie nicht: Nikolojamskaja 27. Und das Losungswort: .Lenin'. Uebrigens — vielleicht komme ich selbst bald nach Moskau.» Buturlin bot Eberhard die Hand und verbeugte sich tadellos vor Mercedes. « Wenn ich Ihnen einmal mit etwas dienen kann... > «Dann werde ich Sie gern darum bitten. Alles ist möglich. Auf Wiedersehn. Madame! Auf Wiedersehn, mein Herr ! » «Merkwürdiger Mensch >, sagte Mercedes, als sich die Tür hinter Buturlin geschlossen hatte. «Wäre er nicht ein unberechenbarer Fanatiker, ich glaube, man würde ihn vielleicht gerne zum Freunde haben wollen!» (Fortsetzung folgt.)