Aufrufe
vor 11 Monaten

E_1933_Zeitung_Nr.094

E_1933_Zeitung_Nr.094

10 AUTOMOBIL-REVUB 1935

10 AUTOMOBIL-REVUB 1935 - N» 94 Teilscanitt durch die neue heizbare Zündkerze, a) Stromzuführung; b) Anschlusskabel der zweiten Zündkerze; c) Heizdrahtwicklung. neizdraht und den Stromzuführungsdrähten teilweise aufgeschnitten. Durch die Heizbarkeit des Isolators soll besonders das Anlassen des Motors nach kalten, nebligen Nächten erleichtert werden, indem die Wärme den Feuchtigkeitsniederschlag, der einen teilweisen Kurzschluss bedeutet, zum Verdunsten bringt. Auch durch die Erwärmung der Elektroden wird übrigens der Funkenübergang erleichtert. Der Heizstrom kann der Wagenbatterie oder auch, unter Zwischenschaltung eines Transformators, dem Lichtnetz entnommen •werden. Vier Kerzen benötigen dabei zusammen etwa 100 Watt. -s. Tech Zu verkaufen SP 4 AUTO- PNEUS mit Schläuchen, 820X120, 2 davon Uebergrösse, in tadellosem Zustand, 70 Fr. J. Haag, Spiegelgasse 6. Basel. 61099 WEAVER-ÄUTO- LIFT 500 Volt, wenig gebraucht. 8693 WEAVER-HOCHHEBER wie neu, ganz billig zu verkaufen. Beide können noch in Betrieb besichtigt werden. J. Minikus, Garage, Weinfelden. «Ji Zukaufen, gesucht Frage 8891. Anlassen mit Leuchtgas. Stimmt es, dass man Automobilmotoren auch mit Leuchtgas anlassen kann? Wie wäre dabei vorzugehen? F. K. in Z. Antwort: Wenn wegen der damit verbundenen Risiken auch nicht besonders empfehlenswert, so ist dag Anlassen des Motors mit Leuchtgas doch nicht unmöglich. Man schliesst dabei ganz einfach an die Gasleitung einen Gummischlauch an, führt das Schlauchende in die Luftöffnung des Vergasers ein, dreht den Gashahn auf und versetzt den Motor mit dem Anlasser oder mit der Handkurbel in Umidrehuns;. Sollten Sie das Verfahren ausprobieren wollen, so möchten wir Ihnen aber raten, einen Gashahn anzuwenden, der sich von selbst wieder nach kurzer Zeit schliesst. Sonst könnte es vorkommen, dass einmal versehentlich mehr Gas ausströmt, als das Portemonnaie, Ihre Konstitution oder die Exploeionsfestigkeit der Garage vertragen. at. Frage 8892. Vergaserbrand. Wie entstehen Verfeaserbrände und was kann man gegen sie tun? K. M. in G. Antwort: Die so gefürchteten Vergaserfcrände sind auf die verschiedensten Ursachen zu- Tückzuführen. Der Oelkohleansatz im Zylinder, welcher sich auch durch Motorklopfen bemerkbar macht, wird mit der Zeit glühend und bewirkt so eine vorzeitige Entzündung des Brennstoff-Luftgemisches, welches nun brennend durch das Ans&ufventu auf den Vergaser fibertritt und «inen Vergaserbrand auslöst. Ein Brennstoffgemisch, welches -zu wenig Brennstoff enthält, verursacht Rückschläge in den Vergaser und das bekannte Vergaserknallen Es ist nun nicht immer eine falsche Vergasereinstellung die Ursache dieser Brennistoffarmut, sondern sie kann sich besonders bei kalter Witterung durch nicht genügende Heizvorrichtung des Vergasers einstellen, oder dass bei noch kaltem Motor und Ansaugrohr sich ein Teil des vernebelten Brennstoffes auf dem langen Wege ausscheidet: auch kann bei wasserhaltigem Brennstoff ein Wassertropfen in die Düse gelangen, so dass sich beim Vernebeln Wasser mit Brennstoff vermengt und hierdurch schwaches Gemisch erzeugt Als erstes ist bei einem Vergaserbrand die Benzinzufuhr abzustellen und der Motor mit Vollgas laufen zu lassen, damit der noch in den Leitungen befindliche Brennstoff schnellstens verarbeitet wird. Die Maschine soll also nicht abgestellt werden, sondern sie muss von selbst stehen bleiben, wenn aller Betriebsstoff verbraucht ist. Wenn nicht kübelweise Wasser zur Verfügung steht, ist es falsch, den Brand mit Wasser löschen zu wollen, denn meistens würde man dadurch den Brandherd nur versrössern. Am einfachsten wird der Vergaser mit Decken zugedeckt, damit das Feuer erstickt, oder, was noch zweckmässiger, das Feuer wird durch spezielle Löschapparate, welche an keinen Wagen fehlen sollten, bekämpft. per sofort: Ford 2-PIätzer Lastvvagönkabine Frage 8893. Shim.my. Mein Wagen hat in letzter Zeit eine Unart angenommen. Bei einer Geschwindigkeit von 60 km schwingt das Lenkrad stark um seine Achse. Der Ausschlag beträgt 2—3 cm, die Schwingungszahl 6—8 pro Sekunde. Bei gleicher Geschwindigkeit auf gerader, ebener Strecke wiederholen sich die Schwingungen regelmässig alle 100 m. Ca. 100 m läuft der Wagen normal, dann beginnt die Schwingung bis zu einem Maximum und flaut wieder ab. Wird die Geschwindigkeit rapid gesteigert, so hören die Schwingungen bei 65 km auf, bei langsamer Geschwindigkeitssteigerung sind sie bis* 68 km wahrnehmbar, bei grösseren Geschwindigkeiten treten sie nicht mehr auf. Von meinem Garagier habe ich die Vorspur nachkontrollieren und richtig stellen lassen, ebenso die Unterachsung. Auch das Spiel in der Lenkung wurde nachkontrolliert. Ebenso die Vorstellung der Vorderachse. Auch die Parallelität der Achsen wurde hergestellt, kurz alles was die Ursache der Störung sein könnte. Der Wagen kommt aus der Reparatur, die ein Unfall nötig machte. Der Chassisrahmen und die Vorderachse mussten neu gerichtet werden. Alle die Arbeiten wurden von meinem sehr zuverlässigen Garagier ausgeführt. Es handelt sich um ein Amerikaner- Chassis 1930 mit Schweizer Karosserie. Die Bereifung besteht aus Jumbopneus, welche vorn mit 0,8 und hinten mit 1 at. aufgepumpt sind. Von einem Chauffeur, der in Amerika tätig war, vernahm ich, dass dort Apparate existieren, mittelst welchen die Fehler an Wagen, welche an Shimmy leiden, festgestellt werden können. Wo ist bei meinem Wagen die Ursache zu suchen und wie kann der Fehler behoben werden? F. R. in B. Antwort: Die Regelmässigkeit, mit der Fragen wie die Ihre in den letzten Jahren immer wie-, der an uns gestellt wurden, stellt einen deutlichen- Hinweis auf die Schwierigkeiten dar, die manchmal,' zur Beseitigung von Shimmy-Erscheinungen zu Original oder Schweizer, für Modell 1931/32. — Eilofferten erbeten sofort an Schlossgarage, Bürglen (Thurgau), L. Traber. Telephon 29. 61098 Zukaufen gesucht Vorderachse m. Vierradbremsen für AMILCAR, 5 PS, 1926, Drahtspeichenräder 720/120, und ITALA, 14 PS, Speichenräder 820/120. Zu verkaufen: RENAULT, 6 PS, 3/4-Plätzer, Limousine, mit Hinter- • türe, revidiert, neu lackiert, Fr. 1000.— BUICK, 6 Zyl., 16 PS, Limousine, 4/5 PL, Ia. Zustd., Fr. 1500 , ev. Tausch gegen CITROEN, 1928/31. Hans Müller, Automobile CitroSn, Romanshorn. Telephon 159. — Grosses Lager von CITROEN-Ersatzteilen für ältere Modelle, Occasion. 10803 Wenn Sie eine Liegenschaft verkaufen wollen, lassen Sie in der „Automobil-Revue" eine illustrierte Ausschreibung erscheinen. Eine Photo oder Zeichnung des Objektes genügt. — Genaue Offerten durch die Administration der „Automobil - Revue". BENZIN-TANK Marke BREVO, 1000 Ltr., mit Pumpe, Fr. 150.—, Standort Basel. Scintilla- Scheinwerfer neues Modell, verchromt, 27 cm, Fr. 50.—. Offerten unter Chiffre 61085 an die Automobil-Revue, Bern. Lieg e tisch af ts-Md r kt Wenn Sie in Lausanne oder Umgebung eine VILLA zu kaufen suchen, wenden Sie sich gefl. an Galland & Cie., 3, pl. St-Francois. Lausanne, welche Ihnen gratis und franko die vollständige Liste senden werden. 11082 Entwurf eines Super-Rennwagens, der 480 km/St erreichen soll. Der Wagen zeigt im allgemeinen die, Gestalt von Campbells «Bluebird» und soll auch mit dem gleichen Zwölfzylinder-Rolls-Royce-Schneiderpreis-Motor ausgerüstet werden. Um die Antriebsverluste zu vermindern, sind jedoch statt nur zwei Triebräder deren vier vorgesehen. überwinden sind. Es gibt wohl eine ganze Anzahl Gegenmittel gegen diese Radschwingungen. Welches von ihnen zum Ziel führt, kann jedoch in den seltensten Fällen vorausgesagt werden, so dass man im grossen ganzen auf Versuche angewiesen ist. Eine Veränderung der Vorspur der Vorderachse scheint in Ihrem Fall keinen Einfluss gehabt zu haben, und übermässiges Spiel der Lenkung, Achsverschiebungen und Ungenauigkeiten in der Radeinstellung scheiden offenbar als Shimmy-Ursachen ebenfalls aus. Sind jedoch die Pneus und Räder richtig ausbalanciert, d. h. stehen sie, wenn die Vorderachse aufgebockt wird, in jeder Stellung still? Könnte nicht eventuell auch eine dynamische Unbalance der Bereifung, wie sie beispielsweise durch schief • eingelegte Nagelschutzeinlagen zustandekommt, am Flattern der Räder schuld sein? Stellen Sie weiter fest, ob sich das Flattern der Räder nicht vielleicht durch etwas stärkeres oder schwächeres Aufpumpen der Vorderradreifen vermeiden lässt. Hie und da genügt auch schon ein gegenseitiges Vertauschen des linken und des rechten Vorderradreifens, während in anderen Fällen die Anwendung einer anderen Reifendimension die Erlösung bringt Schliesslich bleibt als sehr wirksames Gegenmittel noch die Versteifung der Rahmen-Federhände oder eventuell des ganzen Chassisrahmens übrig, eine Abänderung, die allerdings nicht unbedeutende Kosten mit sich bringt. at. Anfrage 356. Mangelrüge. Im Frühjahr 1029 kauften wir einen erstklassigen 8-Zyl.-Europäerwagen, 6/7-Plätzer. Schon bei kleinen, im Flachlande vorkommenden Steigungen zeigte sich der Uebelstand des unnatürlichen Erhitzens des Motors und ein Befahren der Bergpässe war aus diesem Grunde mit dem Wagen kaum möglich. Nach vielen Probeversuchen von Seiten der Fabrik wurde das Erhitzen des Motors durch Einbauen eines grösser dimensionierten Zylinderkopfes einigermassen beseitigt. Trotzdem wurde der Motor noch heiss und kam jeweils am Ende der Bergstrecke zum Kochen. Wir haben uns wohl oder übel mit diesem Mißstande abgefunden, mussten jedoch im Laufe dieses Frühjahrs (März 1933) in Anbetracht eines Zylinderrisses einen anderen Motor einbauen lassen. Die schweizerische Fabrikniederlage offerierte uns einen Austauschmotor zum Preise von Fr. 3000.— gegen Zurücknahme unseres Motors. Wir haben seit dieser Zeit mit dem Wagen zirka ACHTUNG! Neue konstruierte Sp Hydr.-peumat. Autoheber von 3—10 Tonnen, Modell T, liefert zu billigem Preis Verlangen Sie deshalb heute noch Spezial- Offerte von den Fabrikanten. 11083 Gebr. Stierli, Eonstruktionswerkstätte. Baden (Aargau). Telephon 1011 EPPER Garage, LUZERIM Telephon 23.726 Fiat 512 Innensteuer mit Separation, Lederpolster, 6/7pl., 6 Zyl., 18 PS, in prima Zustand, Steuer und Versich, bezahlt, Fr. 1700.—. Moser & Cie., Langnau I. E. Telephon 210. 9956 eck 12,000 km zurückgelegt, und nach Zurücklegung der ersten 9000 km waren Lager ausgelaufen. Wir Hessen uns dann sofort von der Reparaturwerkstätte bestätigen, dass der Oelstand beim Abschleppen vollständig intakt war und bekamen demnach die Kosten für diese Reparatur vergütet Jetzt zeigt sich ein weiterer Uebelstand, indem die Ventile hängen bleiben (eines davon ist bereits ausgebrannt der Motor hat keine Kompression). Mit dem ersten Motor konnten wir mit Leichtigkeit eine Stundengeschwindigkeit von über 100 km herausholen, währenddem die Leistungen mit dem neuen Motor auf 80 km Geschwindigkeit beschränkt sind. Wir waren nun der Ansicht, es handle sich bei diesem sogenannten Austauschmotor um ein vollständig neues Ersatzstück, währenddem wir heute zur Feststellung kommen mussten, dass es lediglich ein überholter Motor ist. Unsere Annahme bezüglich des Neumotors war schon deshalb gegeben, weil uns der Ingenieur jenes Werkes von vornherein erklärte, der Preis von Fr. 3000.— sei einzig als Entgegenkommen von Seiten der Firma anzusehen, da der Motor sich normalerweise auf Fr. 4000.— stellen würde. Können wir auf Lieferung eines vollständig neuen Motors bestehen? Antwort: Der Verkäufer haftet dem Käufer sowohl für die zugesicherten Eigenschaften als auch dafür, dass die Sache nicht körperliche oder rechtliche Mängel habe, die ihren Wert oder ihre Tauglichkeit zu dem vorausgesetzten Gebrauche aufheben oder erheblich mindern. Der Käufer ist gehalten, festgestellte Mängel sofort zu rügen. Das Klagerecht betr. Gewährleistung wegen Mängel verjährt mit Ablauf eines Jahres nach deren Ablieferung an den Käufer, selbst wenn dieser die Mängel erst später entdeckt, es sei denn, es liege absichtliche Täuschung vor oder der Verkäufer habe eine Haftung auf längere Zeit übernommen. In Ihrem Falle ist Ihr Klageanspruch noch nicht verjährt. Man kann sich überhaupt fragen, ob Sie nicht getäuscht worden sind. Es hat den Anschein, immerhin können wir uns diesbezüglich, ohne den genauen Hergang beim Kaufabschluss in allen Einzelheiten zu kennen, nicht bestimmt äussern. Es fragt sich natürlich, inwieweit Sie in der Lage sind, die seitens des Verkäufers gemachten Zusicherungen zu be-, weisen. Wenn Sie über gutes und zuverlässiges Beweismaterial verfügen, halten wir dafür, dass Sie den Verkäufer veranlassen können, Ihnen einen neuen Motor zu liefern. Auf alle Fälle würden Sie, unseres Erachtens, mit einer Preisminderungsklage Erfolg haben müssen. Zum Teil ist die Entscheidung der Angelegenheit auch eine technische Frage, indem sich ein technischer Experte speziell über die Angemessenheit des von Ihnen bezahlten Preises auszusprechen hätte. Wir empfehlen Ihnen, die Angelegenheit nicht auf sich beruhen zu lassen und verlauft zu Fr. 1850.— per Stück 10725 J. Farner, Anhängerbau, Wetzikon. umgehend für die Wahrung Ihrer Interessen besoret zu sein. • Gebr. Grell, Rheinf elden Spezialwerkstätto für Automobil-Zahnräder Telephon 99 2 fabrikneue Sattelschleppanhänger- Chassis für FORD-Schlepper Occasions Blitz 3 Tonnen, Dreiseitenkipper, sehr gut erhalten. International 1,5 Tonnen, neu revidiert. FIAT 501, offen. FIAT 521, Limousine. Garage Falken, Baar. Telephon 22. 9616 ALLWAGdieses im verorennungsmotor b e s o n d e r s s t a b i l e KOLLOIDGRAPHIT-PRÄPARAT bewirki erhebliche Reibungsverminderung und ergibt grundlegende Verbesserung der gesamten Schmierung. P. H. Steheün & Cie., Basel

Bern, Dienstag, 14. November 1933 III. Blatt der „Automobil-Revue" No. 94 Ueber den Umgang mit Autos . Die folgende launige Skizze entnehmen wir dem Autobüch'.ein « Die Hupe » Ton J. W. Graf. (Heim-Verlag, Radolfzell.) Der gerechte Automobilist erbarmt sich zuerst seiner Maschine. Denkt zurück an die militärische Dienstzeit! Zuerst kommt die Maschine und dann erst der Kerl. Wenn man nicht so grausam und hartherzig gegen seine Maschine wäre, könnte man viel Geld erhalten. Wie oft muss man zusehen, wie ganz anständige Motore zu Tode gecjuält werden. Gerade im Gebirge erlebt man es häufig, wie diese Scheusale in Menschengestalt die armen, schwachen Motoren im grossen Gang 25prozentige Steigungen hinaufgasen. Verwilderte, leichtsinnige Fahrer treiben ihren Karren im Hundertkilometertempo vorwärts, obwohl die Fabrik nur eine Höchstgeschwindigkeit von siebzig Kilometer als schnellste Leistung angibt. Das Herz im Leibe kann sich umdrehen, wenn man das grausamste aller Raubtiere, den Menschen, mit kaltem Blute die unglücklichen Geschöpfe der Technik quälen sieht. Hört euch einmal das anklagende Seufzen und Winseln auf den Passstrassen an! Fahrt in die Alpen, dort könnt ihr die Peiniger sehen und ruft ihnen zu, dass sie die grausamsten, barbarischsten und unvernünftigsten Menschen sind. Sie sind nicht wert, eine Maschine zu besitzen! Habe ich diejenigen getadelt, die grausam &egen ihren Motor sind, so muss ich auch sagen, dass andere in die entgegengesetzte Uebertreibung fallen, indem sie mit ihrer Maschine wie mit Menschen umgehen. Ich kenne Damen, die ihr Steuerrad zärtlicher umarmen als ihren Ehegatten; junge Herren, die Tag und Nacht an ihrer Maschine herumbasteln, und wie ihre Geliebte betrachten. Beides ist sehr übel. Die Langeweile hat schon manchen dummen Gedanken ausgeheckt. Es soll sogar Leute gegeben haben, die mit ihrem Wagen Treppen hinauf und hinab gefahren sind. Es gibt Leute, die ihre Maschine immer im Schmutz stehen lassen. Entweder sind sie zu faul oder zu geizig, denn die Wagenwäscher sind gesuchte und gut bezahlte Spezialisten. Ich persönlich schätze einen guten Wagenpfleger höher als einen guten Chauffeur. Wie man die Menschen nach den Stiefln beurteilen kann, so kann man es bei den ahrern nach den Federn tun. Es gibt Leute, die da meinen, der Rost gehöre zum Metall. Es gibt mir immer einen Stich ins Herz, wenn ich im Hochsommer einen gutgelackten Wagen in der Sonnenglut stehen sehe. Schade, dass es keine Folter mehr gibt. Wer seinen Wagen schlecht behandelt, sollte gefoltert werden! 'Man sollte ihn in die Nürnberger eiserne Jungfrau quetschen, bis er gelobt, ein anständiger Mensch zu werden. Mit der Oelerei ist es ebenso. Ich habe tapfere Trinker gesehen, die stets schlechte Oeler waren. Einer Dame kann man ja verzeihen, denn das Der geheime Kampf Von Philipp Klein. Oel ist ihnen zu fettig und haftet zu fest an der Haut und an den Kleidern. Die elektrische Anlage ist das Nervensystem des Wagens. Geht man am Abend spazieren, so hat man seine Freude. Fast bei allen Fahrern ist das Nervensystem in Unordnung. Eine Leitung versagt immer. Das Schlusslicht wird gern zum Aergern der Polizisten benutzt, d.h. also nicht benutzt. Husch ist man fort und der Polizist kann keine Anzeige »erstatten, da er die Nummer nicht erkennen kann. Ich wette, dass 50 Prozent aller Wagen zu scharfe Lampen führen. Sagen sie es aber bitte nicht weiter, damit die Polizei nichts davon erfährt! Die Auspuffgeschichten will ich schamhaft verschweigen. Und nun, werteste Leser, eile ich zum Schluss meiner Ausführungen und will nur noch einige kleine Seitensprünge machen. Ein guter Fahrer soll inneres Schauen und äusseres Sehen miteinander geschickt verbinden, dann wird er erst ein sich selbst und der Menschheit erträgliches Wesen. Die Frauen müssen es sich abgewöhnen, nur deshalb einen offenen Wagen zu wählen, damit sie von den Leuten besser gesehen werden. Langholzfuhrwerke, die am letzten Stamm keinen alten Lappen als Schlusszeichen führen, soll man anhalten und der Polizei übergeben. Ich tue es prinzipiell, weil ich einmal in ein derartiges Fuhrwerk stiess und dabei die Windschutzscheibe, den Steuerradkranz und das Verdeck einbüsste. Ueberfahrene Hasen und anderes Getier ist bei der Polizei abzuliefern, damit sie auch einmal einen billigen Sonntagsbraten bekommt. Fahrer, die einen neuen Wagen einzufahren haben, können bei den ersten 1000 Kilometern ruhig während der Fahrt Klopstocks Messias lesen. Ueber schlechte Strassen soll man unterwegs nur schimpfen, wenn keine Steinhaufen an der Seite liegen, also noch nicht die Aussicht auf Ausbesserung besteht. Ich habe die Verwaltung im Verdacht, dass sie gute Strassen nur deshalb nicht schafft, damit nicht die Autofahrer zum Rasen herausgefordert werden. Es wird einmal eine ideale Zeit kommen, wo alle Menschen (einschl. Radfahrer und Polizei!) die Verkehrsordnung kennen und einhalten. Es klingt jetzt komisch, aber ich glaube daran. Gegen die Polizei soll man .sehr skeptisch sein, denn ich habe einen Fall erlebt, der einzig dasteht. Auf einer Strasse wurde gestoppt. Ein Autofahrer zahlte Strafe, weil er im 40-Kilometertempo passierte. Der Strassenbahnführer fuhr ein 50er-Tempo und wurde'nicht gestoppt. Zuletzt kam auch ein Staatsomnibus, und zwar in einem 60er- Tempo, er wurde auch nicht gestoppt, aber der Polizeibeamte legte grüssend seine Hand an die Mütze! Zwischenfall im Speisewagen Aus meinem kleinen Chaplin-Drehbuch. Von Hans Natonek. Wir setzen mit diesem Beitrag die zwanglose Folge der frei erfundenen Chaplin-Skizzen Ton Hans Natonek fort. Charlie war schon zu einigem Besitz gekommen und noch immer so schüchtern und unsicher, als wäre er jemand etwas schuldig. Je mehr sich seine Existenz befestigte, um so spürbarer wurde eine innere Fessellosigkeit. Es drängte sich etwas vor, das immer wieder versteckt sein wollte. Wie durch ein glänzend gewordenes, fadenscheiniges Tuch schimmerte die blosse Haut, Aus diesem Widerspruch: verbergen zu müssen, was sich mit unwiderstehlicher Kraft meldete und da sein wollte, erklärt sich sein merkwürdiges Betragen, ein Zucken um den Mund, ein unfassbares Schweben zwischen Ernst und Lächerlichkeit, das Edith, seiner Frau, viel zu schaffen machte. Immer häufiger geschah es, dass sie ihm zuflüstern musste: «Charlie, benimm dich!» Aber Charlie machte seine undurchdringlichen Unschuldsaugen, lächelte süss wie sein eigenes Hochzeitsbild und kopierte die Haltung eines Musterschülers. «Faxen» nannte das Edith. Es war aber auch in ihm, dem viel Umhergeworfenen, ein beständiger Sturm von Erinnerungen, wovon Edith oder sonst ein Aussenstehender nichts ahnte. So muss einem geborenen Seefahrer, der lebenslang auf allen Meeren kreuzte, zumute sein, wenn ihn ein lächerliches Schicksal zu einem Bootsmann auf einem Gondelteich macht. Wo er auch hinkam und was er auch tat: aus seinem übervollen Herzen stiess ihm eine tragikomische Reminiszenz auf, und sein vergangenes gestaltenreiches Leben wandelte ihn an. Du lieber Gott — schwer, im Speisewagen die vorgeschriebene Würde des Gastes zu wahren, wenn man sieht, wie Edith mit feierlicher Gespreiztheit ihre Forelle zerlegte. Genau so eine feine Dame war es nämlich, die er damals vor acht Jahren in genau so einem Speisewagen mit Bratensauce übergössen hatte, als er mit der Sauciere unter dem Rufe «Sauce gefällig?» durch die Tischreihe balancierte. Es war eine denkwürdige Kurve. Die Gnädige kreischte und machte Krach. Charlie brachte damals heisses Wasser und unterzog die lärmende Dame einer Reinigung. Er kniete nieder wie ein Liebhaber auf der Bühne mit grossen Beteuerungsakzenten, rieb, kratzte sich hinter dem Ohr, holte Eau de Cologne, besprengte das befleckte Kleid von oben bis unten wie ein Wäschestück, das unter die Rolle kommt, er benahm sich wie ein Wäscher, der er auch schon gewesen war, einmal — was war er nicht! — und die Kollegen mussten ihn gewaltsam davon abhalten, die Notbremse zu ziehen. Trotz seinem hingebenden Eifer hatte (Fortsetzung aus dem Hauptblatt.) Der Polizeileutnant hatte sich mit seinem Missgeschick ausgesöhnt. Wenn das Paar schon in Pawlowsk verhaftet worden war, konnte man ihm natürlich keinen Vorwurf machen. Er war zwar um die Möglichkeit gekommen, sich auszuzeichnen, aber — hol's der Teufel! Der Mann da gefiel ihm, ganz besonders, nachdem er vom Essen und Anfeuchten gesprochen hatte. Getreideeinkäufe? Vielleicht war er sogar ein grosses Tier, das sich — wer konnte das wissen! — für einen verwenden konnte! «Wenn Euer Hochwohlgeboren sich meiner Führung anvertrauen wollen,» sagte er sehr liebenswürdig, «ich würde mir eine Ehre daraus machen, Euer Hochwohlgeboren und die Barina in das beste Lokal des Ortes zu führen!» Eberhard nahm mit Dank an. Er erkundigte sich noch, wann er am nächsten Morgen seine Reise nach Rybinsk fortsetzen konnte, dann zog er mit dem Polizeigewaltigen, der ihn und Mercedes hätte fangen und in strengsten Gewahrsam bringen sollen, in schönster Eintracht ab und landete nicht in dem von Reisenden bereits besetzten Hotel, sondern in einer zwar sehr gewöhnlichen, aber offenbar gut besuchten «Traktyr», also einem Wirtshaus minderer Sorte, wo der Leutnant anscheinend Stammgast war. Es fand sich ein halbwegs erträgliches Zimmer, in dem Mercedes untergebracht wurde; Eberhard sass bis in den frühen Morgen mit dem Polizeileutnant zusammen, der ungeheure Mengen Schnaps in sich hineinpumpte und doch nicht besoffen, sondern nur sehr elegisch wurde und echte Tränen über sein Schicksal vergoss, das ihn in diesem verlassenen Nest, festhielt und ihm keine Gelegenheit gönnte, sich auszuzeichnen. Er schilderte Eberhard sehr drastisch, wie er es angestellt hätte, das französische Verbrecherpaar zu verhaften und im Ortsgefängnis zu verwahren ... Am andern Morgen um acht Uhr sassen Eberhard und Mercedes in dem Schnellzug, der sie ostwärts führte — der Polizeileutnant war sogar noch an den Zug gekommen, sich zu verabschieden. Er war fast noch gerührter als • in der Nacht und schwankte bedenklich. «Findest du nicht, dass wir in einer merkwürdigen Weise vom Schicksal begünstigt werden», sagte Eberhard zu der geliebten Frau, die allein mit ihm in dem nicht sehr sauberen Abteil zweiter Klasse sass. «Wenn wir in Bologoje verhaftet worden wären — ich glaube, wir hätten es trotz der Dummheit dieses Polizisten nicht ganz leicht gehabt, zu entkommen. Aber unsere Rettung aus dieser letzten Gefahr ist nicht einmal das Merkwürdigste. Wenn ich an unseren Petersburger Aufenthalt zurückdenke... ! Wäre der Verkehr zwischen den amtlichen russischen Stellen und der französichen Botschaft nur ein klein wenig intimer, so hätte Lederkoffern der Herr Andre Pigeot nicht wochenlang seine Rolle spielen können! Aber es musste offenbar so sein; die Russen mussten geschlagen werden, die Franzosen sich abfällig über die russische Kriegsführung äussern, damit wir in Ruhe arbeiten konnten ! Und bei Bologoje mussten zwei Züge ineinanderfahren, * mussten zweihundert Menschen verunglücken, damit ich das Gespräch des Stationsvorstehers mit dem Polizeileutnant hören konnte. Man möchte beinahe abergläubisch werden!» «Vergiss nicht, lieber Freund, dass die Gefahr immer über uns schwebt! Wenn es jemandem einfällt uns nach unseren Pässen zu fragen? Und wenn Monsieur und Madame Pigeot in ganz Russland gesucht werden?» Eberhard schüttelte den Kopf. «Das glaube ich nicht. So offen traut unser Freund Mjassofedow sich doch nicht, gegen mich vorzugehen. > Eberhard schien recht zu behalten. In Rybinsk geschah nichts, was sie irgendwie in Gefahr hätte bringen können. Sie fuhren weiter nach Jaroslawl. Aber ehe Eberhard wie- Charlie während der ganzen Prozedur den Mann der lärmenden Dame beobachtet, die den verlegenen Gatten aufstachelte, doch auch Krach zu machen, das Beschwerdebuch zu verlangen, den Chef zu holen, Schadenersatz zu fordern, den Zug zum Stehen zu bringen. Aber der Gatte blieb still, er wurde, wenn möglich, immer noch stiller, er schämte sich, er kroch ganz tief in seine hilflose Verlegenheit hinein. Das wäre jetzt, dachte Charlie, der die Suppe unberührt Hess, meine Situation, wenn, Gott behüte, der junge Kellner Edith mit Bratensauce bekleckern würde. Immer gibt es einen solchen Ehegatten, immer einen solchen Kellner, der bleich und mit der Angst des Neulings durch den im 90-Kilometer-Tempo schlitternden Speisewagen schwankt, die Schüsseln balancierend, ein Rastelli des täglichen Lebens, ein dummer August der Wirklichkeit, und immer gibt.es eine Frau, die etwas Sauce abbekommt und dann ein furchtbares Geschrei erhebt. Alles wiederholt sich, gestern ein armer Speisewagenkellner, der einer feinen Dame Tunke übers Kleid giesst, heute der betretene Gatte jener Dame. Charlie bekommt einen strafenden Blick, weil er nicht gehört hat, wie Edith die Salatschüssel verlangte. Denn Charlie ist im Geiste wieder Speisewagenkellner. Er hat soeben die Speisewagenkellner-Prüfung bestanden, und nun soll er zum ersten Male servieren. Aber der Prüfungswagen fuhr nicht so schnell wie dann der richtige Wagen; den Lokomotivführer reitet der Teufel, ein so höllisches Tempo anzuschlagen, wo er, Charlie, doch heute zum ersten Male serviert. Wie das schleudert! Charlie bewegt sich, als hätte er nicht einen wenn auch schütternden, so doch immerhin festen Boden unter den Füssen, sondern unmittelbar die rollenden Räder, ihr Rasen ist in seinen Beinen, er läuft, als bewegte er sich auf rotierenden Kugeln. Hoch das linke Bein, um den gigantischen Stoss, der ihm von rechts her eins versetzt, Widerpart zu halten! Hoch das rechte Bein, hoch das linke, das rechte, das linke, hoch rechts — hoch links — hoch rechts ... Der Speisewagen feixt, lacht, wiehert. Der Ober, ein riesiger, stossgewandter Speisewagenmensch, stellt ihn mit einem harten Schalter mit 4-Sfacher Wärme-Regulierung Beachten Sie diesen gros$ea Vorteil beim Heizkissen und wählen Sie nur Marks SOLIS der in die Route nach Moskau einbog, musste eine Metamorphose vorgenommen werden. Er sowohl wie Mercedes waren für diesen Teil Russlands viel zu westeuropäisch im Aussehen. Sie fielen hier mit ihren grossen bereits auf. Bei einem jüdischen Trödler, der die beiden wahrscheinlich für Hochstapler und ihre grossen Koffer für gestohlen halten mochte, verwandelte sich Eberhard — auf dem «Tauschwege» — in einen bessersituierten russischen Kleinbürger, und Mercedes, so gut das irgend möglich war, in eine hübsche* Russin aus dem Mittelstand. Die Koffer und das Entbehrlichste aus ihrem Inhalt blieben bei dem Trödler, der ein recht gutes Geschäft machte und offenbar Sinn für die Situation besass. «Sie glauben gar nicht», sagte er zu Eberhard, «wie sehr Sie meinem leider verstorbenen Neffen Epharaim ähnlich sehen und die Barina seiner Frau, der Rahel! Der gute Ephraim,— er ist lange in Petersburg gewesen und auch im Ausland — warten Sie, — ich will- Ihnen sein Bild zeigen!» Der Trödler brachte aus einer Schublade einen Pass zum Vorschein, der auf den Namen des Kaufmanns Ephraim Zobelsohn lautete —: das Bild wies wahrhaftig eine entfernte Aehnlichkeit mit dem Grafen Eberhard von Hatzberg auf, wenn man sich diesen mit Schläfenlöckchen unter der hohen Pelzkappe vorstellte.