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E_1933_Zeitung_Nr.096

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auch» vollkommen genügen, vergisst dabei aber, dass es gar nicht im ausschliesslichen "Interesse einer einzigen Klasse ist, um diese Aufwendungen zu begründen, sondern diese im ureigensten Wohle des gesamten Volkes liegen. So wie man seinerzeit alle Klassen für den Eisenbahnbau mobilisierte, so kann man heute ebensogut das Gesamtinteresse des Volkes mit dem modernen StraSsenbau in Uebereinstimmung bringen Dnd was den Einwand der Eisenbahnkonkürrenzierung anbetrifft, so werden die'Bahnen gar nicht oder nur bescheiden unter der Aktivierung des Strassenverkehrs zu leiden haben, weil sich der ausländische Automobil list mit seinem Wagen einfach andern Reisezielen zuwendet, wenn ihm unsere Strassen nicht genügen. Der .Autotourist gibt den be-. sten Strassen den Vorzug und scheut selbst keinen Umweg, um Routen mit grösserer Verkehrsannehmlichkeit aufzusuchen. Diese Erscheinungen können wir deutlich in unserem Lande selbst verfolgen, indem der Nordsüdverkehr bereits in starkem Masse östlich und westlich an unserer Grenze vorbeiströmt. Nur schwer, oder vielleicht auch gar nicht, lässt sich der einmal entwickelte Verkehrsstrom umbiegen oder ablenken. Haben wir. nicht in unseren Alpenbahnen ein sprechendes Beispiel für die Richtigkeit dieser Behauptung? Welche Anstrengungen würde es gekostet haben, wenn das Volk sich seinerzeit nicht hinter die Gotthardbahngesellschaft gestellt hätte, um den an unsern Grenzen vorbeiströmenden Transitverkehr übeT die Gotthardroute zu lenken? Während im vergangenen Jahrhundert die am internationalen Nordsüdverkehr interessierten Staaten mit ihren bis in den hohen Norden und zum Mittelmeer reichenden Einzugsgebieten sich verkehrspolitisch auf die Gotthardlinie einstellten, sind heute bereits Ansätze vorhanden, die die diesbezüglichen Automobilrouten um unser Land herum zu legen versuchen. Es dürfte klar sein, dass bei einer einmal erfolgten verkehrspolitischen Einstellung eine Verkehrsumlenkung kaum mehr möglich sein wird; es sei denn, dass durch Erstellung neuer oder vorzüglich ausgebauter alter Strassen gegenüber den benützten Routen eine bedeutend kürzere, leistungsfähigere Verbindung geschaffen wird. Es sind weniger Konkurrenzgründe, die heute im Auslande am Werk sind, um den bisherigen schweizerischen Durchgangsverkehr über die ausländischen Netze rollen zu lassen, sondern es ist die sich vollziehende natürliche Einstellung des Motorfahrzeugverkehrs auf die Strecken mit den kleinsten Hindernissen. Wir tragen also die Verantwortung selbst und brauchen nicht den ausländischen Neid als Siindenbock anzukreiden, wenn der internationale Autotourismus, auf den kein Land so stark wie die Schweiz eingestellt ist, unsere Grenzpfähle meidet. (Fortsetzung folgt.) Schweizerische Rundschau Verordnung über die Arbeits- und Ruhezeit der berufsmässigen Motorfahrzeugführer. Wie wir bereits in letzter Nummer berichten konnten, hat die zweitägige Expertenkonferenz • die beiden Vorentwürfe vollständig durchberaten. Es war dabei erfreulicherweise möglich, die hauptsächlichsten Differenzen zu beheben, so dass das eidg. Justiz- und Polizeidepartement nach Abklärung einiger Nebenfrasen dem Bundesrat in kürzester Zeit den endgültigen Vorschlag für die Verordnung unterbreiten kann. Man hofft «Sofia!» Mercedes hätte jubeln mögen, als ihr Eberhard die vertrauten Chiffern zeigie. Hinaus aus Russland, wo man' sich nicht rühren, wo man kaum zu atmen vermochte! Heraus aus der Untätigkeit, die aufreibender war als alle Gefahren! Eberhard verstand, was man Von ihm wollte. Er hatte aus den Blättern genugsam darüber erfahren, dass Bulgarien knapp vor der Entscheidung stand: für die Entente bder für die Mittelmächte! ' Die Entente konnte die Forderungen Bulgariens unmöglich erfüllen, ohne Serbien, das ihr mehr am Herzen lag, tödlich zu verletzen. Zudem: wäre man dem Koburger misstraüisch begegnet, auch wenn er sich zur Entente' geschlagen hätte, und als Neutraler war er gefährlich. — gefährlicher als alle anderen Neutralen zusammen. Es war wohl nur noch eine Frage yon Wochen, bis auch Bulgarien, das ohnedies noch nicht Genesene, sich zum Krieg bekannte. Er, Eberhard, vermochte natürlich in So-: fia politisch keinerlei Aufgabe zu erfüllen"* dazu waren andere Kräfte vorhanden.'Aber es gab allerlei zu erfahren, solange die Ententediplomaten sich noch in Sofia aufhielten und das Spiel noch nicht ganz verloren gaben. Und es war dort ein" verhältnismässig leichtes, jedenfalls auch ziemlich ungefährliches Arbeiten. Man war nicht ständig vom Tode bedroht. •? in offiziellen Kreisen, der Bundesrat -werde den bereinigten Entwurf so .rechtzeitig erhalten, dass seine Genehmigung* und die dazugehörige Botschaft bei Beginn der Dezembersession der Bundesversammlung vorliegen und das Geschäft dannzumal noch verabschiedet werden kann. Damit würde auf Neujahr und noch innerhalb der Jahresfrist, die für die Anpassung der besondern Vorschriften an das Automobilgesetz vorgesehen war, auch diese Materie geordnet. Es ist dann nur noch die Verordnung betreffend die Versicherung der ausländischen Fahrzeuge, wie auch die Bezeichnung der Hauwtstrassen ausstehend. Ueber die Beratungen der Expertenkonferenz, auf die wir noch zurückkommen werden, wurde inzwischen nachstehendes Communique" ausgegeben : «In der zweiten Session der Expertenkommission zur .Besprechung des Vorentwurfs des eidg. Justizund Polizeidepartements zur Verordnung über die Arbeits- und Ruhezeit der berufsmässigen Motorfahrzeugführer, die unter dem Vorsitz von Herrn Bundesrat Häberlin am 15. und 16. November in Bern tagte, -wurde über die hauptsächlichsten Bestimmungen eine Einigung oder doch eine bedeutende Annäherung der Gesichtspunkte der Behördevertreter sowie der Vertreter der Arbeitgeber und Arbeitnehmer erzielt. So einigte sich die Kommisaion über den Geltungsbereich der Verordnung. Die maximale wöchentliche Arbeitszeit der Motorfahrzeugführer, die im gewerbsmässigen Personentransport tätig oder die dauernd oder vorwiegend mit dem Gütertransport beschäftigt sind, wurde im Ausgleich zweier Wochen auf 54 Stunden, die Präsenzzeit inklusive Arbeitszeit auf 60 Stunden festgesetzt. Dabei war die Kommission mehrheitlich 'der Auffassung, dass die tägliche Arbeitszeit nicht mehr als 10 Stunden, mit Präsenzzeit zusammen 12 Stunden, der Dienst am Lenkrad 9 Stunden betragen Soll. Die durchschnittliche tägliche Buhezeit der berufsmässigen Motorfahrzeugführer, bezogen auf eine Arbeitswoche von sechs Tagen, wurde auf 11 Stunden festgesetzt. Ueber die Festsetzung der minimalen täglichen Ruhezeit auf 9 oder 10 Stunden waren die Ansichten geteilt. Die Kommission war aber darüber einie. dass sie höchstens zweimal wöchentlich auf 8 Stunden herabgesetzt werden darf, wenn es die Verhältnisse des Betriebes notwendig machen, wobei ein Ausgleich stattzufinden hat. Die grosse Mehrheit' sprach sich für die Einführung des Nachtfahrverbotes für schwere Motorwagen zum Gütertransport aus und erklärte sich einverstanden mit der Einführung eines Tom Chauffeur täglich auszufüllenden und vom Arbeitgeber spätestens wöchentlich zu kontrollierenden Kontrollheftes über die Arbeits- nnd Präsenzzeit. Die Einführung ron Bestimmungen über den Gesamtarbeitsvertrag in diese Verordnung -wurde einstimmig abgelehnt.» Bevorstehende Erhöhnne der Rohölzölle. Bekanntlich hat man schon da und dort von der Erhöhung der Rohölzölle gesprochen. Ausgelöst wurde diese Frage durch eine Eingabe des Verbandes Schweiz. Transportanstalten an das Eisenbahndepartement.. Bereits wurden in der zweiten Oktoberhälfte gewisse technische Oele unter Kontingentierüngsvorschriften gestellt, die seither nur noch mit Einfuhrbewilligungen der Zentralstelle für den Import flüssiger Brennstoffe eingeführt werden dürfen. In Fachkreisen wird nun die Nachricht verbreitet, dass auch Oele für den Betrieb von Automobilmotoren einer neuen Zollmassnahme im Sinne einer Zollerhöhung unterworfen werden sollen. Bekanntlich hat man diese Frage bereits Ende 1929 eingehend diskutiert, wobei man zur Auffassung kam, dass eine derartige Zollmassnahme die Entwicklung des Dieselmotorenbaues, der bekanntlich zu jener Zeit noch mehr oder wettiger in seinen Anfängen steckte, all zu stark hindern würde. Nun hat es den Anschein,, als ob das eidgenössische Finanzdepartement den Zeitpunkt für gekommen erachtet, um mit einer fiskalischen Belastung eine Verteuerung des Betriebsstoffes ohne Gefährdung der Dieselmotorenindustrie, durchsetzen zu können. Nachdem immer noch eine Benzinpreiserhöhung von Am gleichen Abend sprach Eberhard mit Buturlin über das. «Wie», nach Bulgarien zu gelangen. Denn:.als -Monsieur und Madame Pigeot konnte man sich, nicht auf die Bahn setzen und nach ! Sofia fahren — ganz abgesehen davon, dass die Pässe längst vernichtet waren, da man ein solches, unter Umständen tödliches Beweisstück doch nicht mit sich herumtrug. Aber auch für Ephraim und Rahel Zobelsöhn bestand nicht allzuviel Aussicht, über die Grenze zu gelangen. Die Russen hätten sie nicht herausgelassen und die Bulgaren nicht hinein! Aber man war in Moskau nicht ungeschickter als anderswo. Bereits am nächsten Vormittag war Eberhard im Besitz von zwei Passen für Herrn und Frau Aristides Onopoulos, Weinhändler aus Athen. Schöne, allerdings schon etwas abgegriffene griechische Pässe mit russischem Einreisevisum und Moskauer Abmeldebestätigung und mit 1 einem ganz neuen, kaum noch trockenen Visum des bulgarischen Generalkonsulats, das die Passinhaber berechtigte, sich in Bulgarien sechs Wochen aufzuhalten. Ephraim und Rahel Zbbelsohn nahmen also eine neue Umwandlung vor und wurden aus russischen Juden weltgewandte Griechen. Dass Eberhard nur sehr wenig Grie r ehisch verstand und Mercedes überhaupt nicht, tat wenig: man hatte ja gar nicht die Absicht, nach Griechenland zu gehen, und ausserhalb Griechenlands versteht man diese ftüTOMOBIL-REVtm 1933 - verschiedenen Seiten zur Diskussion gestellt und verlangt wird, soll als Tüpfchen auf das i eine Zollerhöhung für Dieselöle erfolgen. Allerdings hat man noch keine Anhaltspunkte über das Ausmass der Belastung, doch glauben wir, annehmen zu dürfen, dass man sich ähnlich dem seinerzeitigen Vorgehen bei der Benzinzollerhöhung nicht scheuen wird, eine saftige Erhöhung durchzudrücken, wobei es dann allerdings mit der Rentabilität des Dieselmotors vorbei sein dürfte. Da es heute ohne die notwendigen Unterlagen verfrüht wäre, auf diese Materie einzutreten, so glauben wir doch, dass mit einer derartigen Massnahme wohl eine vorübergehende Zonertragsteigerung aus der Wirtschaft herausgepresst werden könnte, die jedoch anderseits durch Arbeiterentlassungen bei den Dieselmotorfabriken ihren Ausgleich finden wird. Nachdem bereits von den Automobilisten ganz gewaltige Zollbeträge flüssig gemacht werden, sollte man in Anbetracht der Bedeutung und der Stellung des Lastautomobils innerhalb der schweizerischen Volkswirtschaft den Bogen nicht überspannen, um durch neue Zollbelastungen die Transportkosten weiterhin zu erhöhen. Der Dieselmotor stellt für die einheimische Industrie, die Landwirtschaft und das Gewerbe ein unentbehrliches Mittel dar, um die venbureaukratisierte Tarifpolitik unserer Bahnen zu brechen. Wenn vielleicht eine bescheidene Erhöhung des Rohölzolles als Ausgleich für die Mindereinnahmen aus den Benzinzöllen noch zugestanden werden kann, so ist hingegen mit aller Schärfe gegen ein zu starkes Anziehen der Zollschraube Front zumachen, die man heute so gerne der Privatwirtschaft an allen Ecken und Enden ansetzt, um dem nicht nach der Decke sich streckenden Staat die notwendigen Manöveriermittel zur' Verfügung stellen zu können. a Banditen der Landstrasse. Wie bereits aus der Tagespresse bekannt sein dürfte, wurde letzte Woche ein Automobilist in der Hard zwischen Birsfelden und Schweizerhalle in mitternächtlicher Stunde ausgeraubt. Der Vorgang spielte sich in «einfachstem Rahmen» ab, indem ein von Basel nach Rheinfelden fahrender Arzt durch Handzeichen seitens eines anderen « Automobilisten » aufgehalten wurde. In guten Treuen erkundigte sich der aufgehaltene Fahrer über die Ursachen der Störung. Ein jüngerer Bursche bat um etwas Benzin, um noch nach Basel fahren zu können, da seine Vorräte erschöpft seien. Nichts ahnend wollte der hilfsbereite Mann diesem Verlangen entsprechen,, doch bald musste er einsehen, dass es sich um einen ganz gemeinen Gaunertrick handelte. Zwei sich hinter dem Wagen versteckt haltende Spiessgesellen waren inzwischen ebenfalls auf der Bildfläche erschienen. Der eine dieses sauberen Kleeblattes erklärte in zynischer Weise dem hilfsbereiten Automobilisten, dass sie gar kein Benzin mehr benötigen, sondern Geld und Wertsachen. Ihrem Verlangen glaubten diese modernen Strassenräuber mit vorgehaltener Pistole Nachdruck verschaffen zu müssen. Was blieb dem wehrlosen Fahrer übrig, als sein Portemonnaie und die verlangte Uhr auszuhändigen? Unbekannt machten sich die Strassenräuber alsdann davon; doch sollen bereits zwei von diesen Halunken hinter Schloss und Riegel stecken. Was nun die automobilistische Seite dieses modernen Banditenwesens auf Sicherheit, Leben und Eigentum der Automobilisten anbetrifft, so kann nur die rücksichtsloseste und Sprache selten. Und wer nicht gerade .echter' Korinthenhändler ist, der braucht ja auch nicht zu wissen, was die neuen Hellenen aus der Sprache des Plato und des Aeschylos gemacht haben. Und wieder einen Tag später befanden sich Eberhard und Mercedes bereits auf der Fahrt nach dem Süden. Kiew. Die Ukraine. Auf gesegneten, unübersehbaren Fluren ernten Menschen, froh und fröhlich, als wüssten sie nichts von dem Furchtbaren, das draussen in der Welt geschieht. Wenn der Zug langsamer durch die bäuerlichen Stationen fährt, weht der Wind Fetzen von Liedern zu den offenen Fenstern hereih, Fetzen von Liedern, die junge Mädchen auf den Weizenfeldern singen. Mit ihren bunten Tüchern auf dem Kopf, mit ihren roten Röcken und blauen Schürzen stehen sie im gelben Gelände wie Blumen, wie das bunte, lachende Leben selbst. Und doch liegen ihre Liebsten vielleicht in diesem Augenblick im letzten Atem; stöhnen ihre Brüder vielleicht in diesem Augenblick in ihrem Blut! Weiter, weiter! Hier ist überall der Friede, ist überall die Sonne. Hier sind, trotz des Krieges, zufriedene Menschen. Wie soll es möglich sein, denkt Eberhard, dieses grenzenlöse Land zu revolutionieren? Was weiss der Bauer auf diesen fruchtbaren Feldern von Parteien und politischer Knechtung? Wie soll man ihn empfindlichste Strafe etwa weitere Gelüste zu ähnlichen Unternehmungen im Keime ersticken. Die richterlichen Instanzen müssen sich darüber vollkommen im klaren sein, dass es im Zeitalter des Automobilismus gilt, die Sicherheit der Landstrasse aufrecht zu erhalten, zu garantieren und in keiner Weise etwa mittelalterliche Zustände aufkommen zu lassen. Sollte etwa die erste Instanz, vor welcher dieser Fall abgeurteilt wird, in nicht zu verantwortender Gefühlsduselei zu einer geringen Freiheitsstrafe gelangen, dann dürfte allerdings mit einem derartigen Urteil der Wunsch verbunden werden, dass sich diese Richter hoffentlich einmal vor eine ähnliche Situation wie der überfallene Automobilist gestellt sehen werden. Dieses instruktive Beispiel neuzeitlichen Strassenräubertums muss aber auch noch von einer anderen Seite betrachtet werden. Mancher Automobilist wird sich dieses jüngste Hard-Ereignis merken und sich vornehmen, bei ähnlichen Situationen, unbekümmert um irgendwelche begründete Verlangen, weiterzufahren. Bis heute war es allgemein unter Automobilisten üblich, auf Haltezeichen zn achten und wenn nötig Hilfe zu leisten oder Hilfe zu holen. Besonders wenn es sich um. einen Arzt handelt, wie dies in unserem Falle zutrifft, kann das Überhandnehmen derartiger Räuberfallen zu unhaltbaren Zuständen führen. Moralisch findet sich jeder Mediziner wie, auch jeder anständige Automobilist verpflich-, tet, auf Zeichen hin anzuhalten, speziell zur Nachtzeit. Wenn nun dem Strassenbanditentum nicht energisch der Riegel gestossen oder dem Automobilist nicht erlaubt wird, sich den nötigen Selbstschutz zu verschaffen, so gehen wir bedenklichen Zuständen entgegen. Gerade in den Grenzgebieten und überhaupt in .den heutigen Zeiten kann nicht scharf genug gegen alles lichtscheue Gesindel vorgegangen werden. Ein Vorbeugen seitens der Behörde in dieser Sache dürfte bedeutend leichter sein, als dieses an amerikanische Verhältnisse mutende Gangstertum wieder auszurotten, wenn es einmal Schule gemacht hat Wy. Dfe andere Seite. In der grossen Rede, welche Bundesrat Musy anlässlich der Behandlung des Finanzprogrammes im Nationalrat über die finanzielle Landesverteidigung hielt, findet sicJ» u.a. auch die Bemerkung, die Gewinn- und Verlustrechnung der S.B.B, habe von 1903 bis 1932 bloss zwölf Mal mit einem Einnah-' 1 menüberschuss abgeschlossen. Dabei habe sich der Gesamtertrag dieser Ueberschüsse auf 75 Millionen Fr. belaufen, währenddem die übrigen 18 Rechnungsjahre einen totalen Fehlbetrag von über 400 Millionen aufweisen. Heute lasse man die Bundesbahnen im Stich und benütze Auto und Flugzeug. Wenn schon diese Anspielung geeignet sein dürfte, in den Kreisen des Automobil' Befremden zu erwecken, dann redet de) Kommentar, welchen die Generaldirektion der Bundesbahnen dem Budget von 1934 beigegeben hat, eine noch viel klarere, eindeutigere Sprache : Die Wirtschaftskrise allein hätte unser Unteiv nehmen, wenn die Automobilkonkürrenz nicht da-' zugekommen wäre, verhältnismässig leicht und wahrscheinlich ohne jede Mitwirkung des Bundes zu überwinden vermocht. Unter den heutigen Verhältnissen ist dies nicht mehr möglich. Lässt man dem Konkurrenzverkehr, wie es bisher geschehen ist, weiterhin freien Lauf, so wird die Entwertung der Eisenbahn von Jahr zu Jahr zunehmen und schliesslich einen für die Finanzlage des Landes gGr fährlichen Umfang erreichen. (Fortsetzung auf Seite 4) veranlassen können, zusammen mit dem Proletariat der Städte, das er verachtet, gegen die gottgewollte Ordnung und Obrigkeit sich aufzulehnen? Ja, in Petersburg und auch in Moskau — da konnte man den Eindruck haben: es ist möglich, es kann möglich sein, dass der schlafende Riese, dass die russische Masse endlich erwacht. Aber die Bauern? Waren sie nicht ein wichtiger Bestandteil — der wichtigste! — dieser grossen Masse? In diesen Stunden, auf dieser Fahrt glaubte Eberhard kaum noch an das, was er über die Möglichkeiten und Aussichten der proletarischen Revolution nach Hause berichtet hatte. Und es war ihm schwer ums Herz ! Wenn es nichts war mit der Revolution? Wenn sich aus dem ungeheuren Bassin des russischen Volkes das zaristische Regime immer neue Millionen von Soldaten holen konnte — was wurde dann aus Deutschland? Ein anderer Eindruck: Odessa. Eine finstere, mürrische Stadt. Es stinkt nach Petroleum; schwere Luft macht das Atmen, schwer. Und man fühlt sich erst geborgen, wenn man den kleinen, schmutzigen Dampfer betreten hat, der einen in wenigen Stunden aus dem Bereich der russischen Polizei bringen wird. Weiter — weiter! Leb' wohl, Russland! (Fortsetzung im *Autler-Felerdbericb>3 '

96 - 1933 Sportnachrichten Das Klassement der italienischen Automobllmeisterschaft. Soeben werden die Resultate der italienischen Automobilmeisterschaft 1933 bekannt. Dieses Championnat erfreut sich bekanntlich in Italien einer grossen Popularität. Da es als Endwertung einer ganzen Reihe von Rennen internationalen Ausmasses gilt, mögen die Ergebnisse auch bei uns das notwendige Interesse finden. Zum italienischen Automobilmeister konnte dieses Jahr Luigi Fagioli proklamiert werden. Wie sein schärfster Gegner Nuvolari war er je an zwei Rennen erfolgreich; während Fagioli die Coppa Acerbo und den Grossen Preis von Italien gewann, wurde Nuvolari beim Rundstreckenrennen von Allessandria und bei der Coppa Ciano Erster. Fagioli konnte trotz der Punktgleichheit den Meistertitel erhalten, weil er den Grossen Preis von Italien gewonnen hatte, der nach dem Re- 'glement bei einem Ex-aequo immer den •Ausschlag gibt. Fagioli reiht sich mit dieser Proklamierung zum Meister in die Reihe der Materassi, Varzi, Campari und Nuvolari ein, von denen bis jetzt jeder einmal diese höchste Ehrung im italienischen Automobilsport erhielt. Die Leistung Fagiolis muss sehr hoch bewertet werden, da der Italiener während der ganzen ersten Hälfte der Saison untätig geblieben war. Erst sein Eintritt bei der Scuderia Ferrari hat Schlag auf Schlag Siege ergeben. Fagioli begann seine Sportkarriere, wie die meisten grossen Fahrer, zuerst auf Kleinwagen und war seinerzeit der schärfste Gegner von Abele Clerici und Borzacchini. Seinen ersten Sieg auf einem grossen Maserati-Wagen errang er auf der Montenerorundstrecke im Jahre 1930. 1931 wurde er durch den Sieg beim Grossen Preis von Monza noch populärer. Das Jahr 1932 schloss ~ gioli als Erster des Grossen Königsprei- ; von Rom ab. In diesem Jahre hat er bekanntlich die Grossen Preise von Comminges und Italien und die Coppa Acerbo gewonnen. In Marseille, in San Sebastian und auf dem Masarykring wurde er jedesmal Zweiter. Zweite der italienischen Meisterschaft 1933 wurden mit je einem Punkt Varzi (Grosser Preis von Tripolis), Brivio (Targa Florio), Trossi (Pontedecimo-Giovi), Borzacchini (Susa-Moncenesio), Tadini (Stilfserjoch) und Bonetto (bester italienischer Fahrer beim Grossen Preis von Monza). Den Meistertitel der Klasse 1500 ccm errang zum zweiten Male Luigi Castelbarco, während Nando Barbieri Erster der Meisterschaft bis 11Ö0 ccm wurde. Bekanntlich berücksichtigt die italienische Automobilmeisterschaft nicht nur ein Klassement für Fahrer, sondern auch eine Wertung der Marken. 1933 hat Alfa Romeo den absoluten Meistertitel errungen, und Maserati belegt beiden Klassen 1500 und 1100 ccm. ,Vie man weiss, ist in Italien vor einiger Zeit auch eine «Meisterschaft der Dilettanten» geschaffen worden. An neun sportlichen Veranstaltungen während des Jahres beteiligten sich rund 200 Dilettanten. Der Meistertitel konnte Marchese Giovanni Maria Cornaggia Medici verliehen werden, der 20 Punkte auf sich vereinigt. Als Zweiter folgt Giovanni Restelli mit 13 Punkten, als Dritte Carlo Castelbarco und Leiio Pellegrini mit 10 Punkten. Immer wieder Rennfahrerpläne. Der französische Fahrer Raymond Sommer weilt gegenwärtig in Italien und soll mit Alfa Romeo einen Vertrag abgeschlossen haben, nach dem er einen der neuen Monoposto-Rennwagen für die nächste Saison erhält. Wie man hört, wird auch Lord Howe wahrscheinlich eine neue Maschine der Mailänder Firma erwerben, und unter Umständen soll auch Nuvolari zu den Käufern eines solchen Alfa Romeo gehören. Alle diese Fahrer wissen aber noch nichts Genaues über den Auslieferungstermin der neuen Maschinen. Die bereits angekündigte Rennfahrer- Equipe des Italieners Balestrero hat sich bebereits formiert. Sie umfasst neben Balestrero noch Biondetti, Battilana und wahrscheinlich Lami. Die Mannschaft verfügt über zwei Alfa Romeo und zwei Maserati und wird im übrigen noch einen eigenen Rennwagen, der der nächstjährigen Formel entspricht, konstruieren. Als Name für die Equipe wurde «San Giorgio» gewählt. Auch Chiron hält sich zur Zeit in Italien auf. Es hat nun doch den Anschein, als ob der Monegaske in den Dienst der «Scuderia Ferrari» treten werde. Fagioli soll hingegen für diesen Rennstall nicht in Frage kommen; wahrscheinlicher ist indessen sein Eintritt in der Maserati-Mannschaft. mb. Ein zahmer Beginn der Saison 1934? Die mit Beginn des kommenden Jahres in Kraft tretende neue Rennformel scheint recht unerfreuliche Auswirkungen zu zeigen. Heute deutet nämlich alles darauf hin, dass vor lauter Vorbereitungen und Rüstungen nur der geringste Teil der Fahrer rechtzeitig bereit sein wird, wenn die ersten Rennen des Jahres 1934 vor sich gehen. Wir haben schon zu mehreren Malen über die Unsicherheit jener Piloten berichtet, die von den italienischen Firmen ihre neuen Maschinen zu erhalten wünschen, und alle Aussicht haben, einen Teil der Rennen zu verpassen. In Frankreich bangt man sehr um das Schicksal aller dieser Leute, nicht zuletzt auch, weil der Grosse Preis von Pau schon auf den Februar festgesetzt ist, und heute leider zu erwarten steht,, dass auf diesen Zeitpunkt hin noch kein neuer Rennwagen bereit ist. Die Piloten, welche eine neue Maschine erhalten, hüten sich natürlich wohl, wegen einem oder zwei Rennen den alten Wagen noch einer kostspieligen Ueberholung zu unterziehen. Sowohl Alfa Romeo als Maserati nahmen Bestellungen auf neue Maschinen entgegen, doch künden sie als Auslieferungstermin den Monat April an. Die Fahrer erhalten demnach ihre Maschinen nach dem Grossen Preis von Monaco, der nach dem neuen Reglement ausgefahren wird. Diese Situation ist sehr unerfreulich, wenn man natürlich auch nicht das Recht hat, den Konstrukteuren irgendwelche Vorschriften zu machen. Jedenfalls hat alle die Fahrer, die auf die italienischen Maschinen warten, eine begreifliche Nervosität erfasst. Um Caracciola. Wie man erfährt, hält sich Caracciola gegenwärtig noch in Bologna auf, wo er den aus Amerika zurückkehrenden Professor Putti erwartet, um von diesem die Entlassung aus der Behandlung zu erhalten. Caracciola wird nachher die offiziellen Verhandlungen über seine nächstjährige sportliche Tätigkeit beginnen. Alle Meldungen, die bisher über die Verhandlungen mit Fabriken verbreitet worden sind, entbehren jeder Grundlage. Es soll schon der Plan einer Mannschaft Nuvolari-Chiron-Caracciola bestanden haben, doch ist bis jetzt über dieses Projekt nichts genaueres verlautbart worden. Der deutsche Fahrer wird iedoch in erster Linie mit Mercedes-Benz unterhandeln, das sich bekanntlich wieder dem Rennsport zuwendet. Caracciola wird voraussichtlich noch diesen Monat nach Deutschland übersiedeln, um dort Verhandlungen aufzunehmen, mb. Um den Stundenweltrekord. Die bereits angekündigten Rekordversuche gegen die Stundenbestzeit werden nun sowohl von Zehender (Maserati) wie Eyston (Panhard) in diesen Tagen zur Durchführung kommen. Beide Piloten, die so zu einem genau vorbe- ' Ein schönes Sport-Cabriolet, Im Innern geräumig und mit weichgepolsterten Sitzplätzen ausgestattet. Sehr elegant ist auch die vlersitzlge Limousine oder das Limousinen-Cabriolet. Der Junior besitzt natürlich Doppelschwingachsen und einen tfergfreudigen 4-Zyl.-Motor, 8 St.-PS. E« lohnt sich also, ihn Probe zu fahren, selbstverständlich durchaus unverbindlich für Siel Und dann fragen Sie nach dem Preisl Besondere Kennzeichnung der Polizeiautomobil«. Um den Automobilen der Polizei überall im Verkehr den Vortritt zu sichern, sind die Wagen von Scotland Yard, der berühmten englischen Kriminalpolizei, mit besonderen Erkennungszeichen ausgestattet worden. Nach Belieben des Wagenführers kann an der Frontscheibe wie an der Rückwand des Fahrzeuges eine Aufschrift «Police» und «Stop, Police» sichtbar gemacht werden, die für alle übrigen Fahrzeuge auf der Strasse wie auch für die Verkehrspolizei verbindlich ist und diese verpflichtet, den Polizerwagen den Vortritt einzuräumen und ihnen unter allen Umständen den Durchlass zn gewähren. Die Führer sind übrigens noch mit weissen Aermeln versehen, damit ihre Zeichen von weither jedermann sichtbar sind. reiteten erbitterten Kampf zusammentreffen, haben in den letzten Tagen auf der Montlhe"- rybahn lange trainiert, und jeder hofft natürlich zum Weltrekordmann über eine der am meisten umkämpften Bestzeiten proklamiert werden zu können. x. Die ersten Meldungen für die Sternfahrt nach Monte Carlo. Noch zwei Monate trennen uns von der nächsten Sternfahrt nach Monte Carlo, die im gewohnten imposanten Umfange wieder zur Durchführung gelangen wird. Bekanntlich wurde das Reglement im grossen und ganzen in seinem früheren Zustande belassen; lediglich die Erhöhung des Stundenmittels für die letzten 1000 km ist neu. Bei einzelnen Routen wurden nach den im letzten Jahre gesammelten Erfahrungen Abänderungen der Wertungspunkte vorgenommen. Bereits melden die stets initiativen Organisatoren der grossen Veranstaltung die ersten eingelaufenen Nennungen. Bis jetzt haben sich für die Sternfahrt die folgenden JIMOU NEUE RÖHR-WERKE A. G. - VERKAUFSSTELLE ZÜRICH DUFOURSTRASSE 4 - TELEPHON 44.284 Konkurrenten eingeschrieben: Der letztjährige Sieger der grossen Klasse, Vasselle auf Hotchkiss, und die Ers.te der kleinen Klasse, Mme G. Rouault (Salmson), ferner K. W. B. Sanderson (Alvis), Gas-Trevoux (Hotchkiss), G. de Lavalette (Peugeot), Ldr. Fullerton (Sunbeam), Dr. J. J. Sprenger Van Eijk, A. A. J. Wieleman (Ford), Mme M. Mareuse (Peugeot), Major D. E. M. Douglas Morris (Invicta), H. Th. van Marken (Talbot) und J. H. M. Van der Meulen (Ford). Zu den jedes Jahr ausgeschriebenen wertvollen Ehrengaben sind eine weitere Anzahl von Preisen hinzugekommen. Die Nennungen werden bis zum 24. Dezember vom Internationalen Sporting-Club, Monte Ca.rlo, entgegengenommen. mb. Probefahrten der deutschen Porsche-Wagen. Die in aller Welt mit grösster Spannung erwarteten neuen Porsche-Rennwagen der Auto-Union, die nächstes Jahr auf den europäischen Pisten zu sehen sein werden, bestehen gegenwärtig auf der Berliner Avus ihre ersten Probefahrten. Die Prüfungen werden in aller Stille vorgenommen. Die Wagen werden abwechslungsweise von den Mitgliedern des Porsche-Rennstalles Stuck, Prinz von Leiningen und Sebastian geführt. mb. Autoreise um die Welt. Der Automobilclub von Russland wird im nächsten Jahre eine Propagandafahrt um die ganze Welt durchführen. Die Dauer dieser Autoreise wird auf 8 Monate angesetzt. x. £g»«»»t in S«K Vom Autosport In St Moritz. In St. Moritz, das bekanntlich dem Autosport grösstes Interesse und Verständnis entgegenbringt, ging seit Monaten der Plan um, das Winterprogramm mit einer besondern Attraktion auszustatten und zu diesem Zweck ein Rennen auf dem St. Moritzer See durchzuführen. Die Pneuindustrie, welche an der Veranstaltung ganz besonders interessiert gewesen wäre, indem sich auf diese Weise die beste Gelegenheit geboten hätte, um im scharfen Wettkampf die Eignung der verschiedenen Profile und Spezialpneus auf Schnee und Eis zu prüfen, bekundeten ihre Bereitwilligkeit an dem Zustandekommen des Eisrennens mitzuhelfen. Leider hat dann die Kontingentierung des Pneuimportes diesen Projekten einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht, indem die hiesigen Vertretungen ausländischer Pneufabriken Mühe haben nur die laufenden Typen zu liefern und daher keine Möglichkeit sehen, ihr Kontingent noch zugunsten von Spezialreifen weiter dezimieren zu lassen. Angesichts dieser Schwierigkeiten haben die Initianten in St. Moritz sich veranlasst gesehen, den vielversprechenden Anlass auf spätere und günstigere Zeiten zu verschieben. Damit fällt aber der Autosport keineswegs vollständig aus Abschied und Traktanden, indem Anfang Februar eine Automobilwoche durchgeführt wird, die ein reichhaltiges und abwechslungsreiches Programm erhalten soll Da zu jener Zeit zudem noch die F.I.S.- Rennen in St. Moritz zum Austrag kommen, so wird es den skifahrenden und wintersportfreudigen Automobilisten nicht an Attraktionen fehlen, um sich für einen Aufenthalt in St. Moritz zu Beginn des nächsten Jahres zu entscheiden ! ß