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E_1933_Zeitung_Nr.103

E_1933_Zeitung_Nr.103

BERN, Freitag, 15. Dezember 1933 Nummer 20 Cts. 29. Jahrgang - N° 103 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint Jeden Dienstag and Freitag Monatlich „Gelbe Liste" Halbjährlich Fr. 5.-, jährlich Fr. 10.-. Im Aluland unter Portoznsehlaf, •ofern nicht postamtltch bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung 30 REDAKTION n. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Rappen. Postcheck-Kechnun« 111/414. Telephon 28.222 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern INSEBTIONS-PREIS: Die aehtgespaltene 2 mm hohe Grundzelle oder deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. Grössere Inserate nach Seitentaril. Inseratensehluss 4 Tage vor Erscheinen der Nummern Zur Statistik des Autotourismus Ueber die vorübergehende Einreise ausländischer Motorfahrzeuge orientiert bekanntlich eine monatlich von der eidg. Zollverwaltung herausgegebene Zusammenstellung, die auch regelmässig in unserm Blatt wiedergegeben wird. Sie bildet die einzige zahlenmässige Unterlage, aus welcher die Bewegung des Autotourismus in der Schweiz ersichtlich ist. Da es für die Beurteilung von mancher mit dem Fremdenverkehr zusammenhängenden Frage äusserst wichtig ist, über diese Materie genau orientiert zu sein, kommt diesen Erhebungen eine nicht zu unterschätzende Bedeutung zu. Wie sehr die zahlenmässige Erfassung des Fremdenverkehrs für unsere Volkswirtschaft von Nutzen sein mag, erhellt schon der kürzlich •jefasste Bundesbeschluss über die baldige Einführung einer schweizerischen Fremdenverkehrsstatistik, der ohne Notwendigkeit sicher nicht ergangen wäre. Leider beschränkt sich diese auf die Gästezahl in den Hotels, so dass wir für eine Orientierung über den eigentlichen Automobilverkehr aus dem Ausland ausschliesslich auf die Angaben der Oberzolldirektion angewiesen sind. In einer kritischen Studie über diese Einfuhrstatistik (« A.-R. » Nr. 69 vom 18. August) wurde nun nachgewiesen, dass die Zählung erhebliche Lücken aufweist, indem Autotouristen, welche als Zolldokument das Triptyk benützen, nur anlässlich ihrer ersten Einreise Statistisch erfasst werden. Da aber ein solcher Ausweis für ein ganzes Jahr gültig bleibt und der Inhaber damit beliebig oft die Grenze überschreiten kann, so vermitteln die Zahlen der Zollverwaltung nicht ein wahrheitsgetreues Bild vom tatsächlichen Reiseverkehr aus dem Ausland. Um die schweizerische Verkehrspropaganda in den Nachbarstaaten aber möglichst wirkungsvoll und aussichtsreich zu gestalten, erscheint es als notwendig, über die Zahl der Einreisen und die Herkunft unserer Autogäste genau orientiert zu sein, damit nicht die erheblichen Mittel, welche für die Verkehrswerbung aufgewendet werden, sich später als Fehlleitungen erweisen. Es wurde daher seinerzeit der Vorschlag gemacht, die Statistik zu vervollständigen, um auf diese Weise nicht nur ihren wissenschaftlichen Wert, sondern auch ihre praktische Bedeutung wesentlich zu heben. • Die Oberzolldirektion äussert sich nun zu •JL t. Der geheime Kampf. Roman von Philipp Klein. (32. Fortsetzung) «Der Gesandte in Bukarest hat mich ausdrücklich an Ihre Adresse gewiesen. Er betonte, dass, wenn ich in der Schweiz arbeiten wollte, Herr Stein sich ein Vergnügen daraus machen würde, mich zu beschäftigen. Ein Vergnügen!» Der Journalist war aufgestanden; er ging ein paarmal in dem ziemlich hübsch eingerichteten Zimmer auf und ab. Dann blieb er vor Eberhard stehen. « Wissen Sie, was der Gesandte damit sagen wollte?» Eberhard lachte. «Herr Stein — sehe ich — so kindlich aus, dass Sie mich das fragen müssen? Ich habe Ihnen erzählt, nicht wahr, dass ich in Bukarest eine französische Zeitung herausgab. Glauben Sie, dass die französische Gesandtschaft in Bukarest mich, ausgerechnet einen Russen, dazu gebraucht hat? Sie hätte französische Fachleute genug zur Verfügung gehabt, nicht wahr! Glatt herausgesagt: es gibt doch auch noch andere journalistische Möglichkeiten, für eine Sache zu wirken, und Ihnen sind sie genau bekannt. Irre ich mich?» Statt einer Antwort kam Stein mit einer den damaligen Ausführungen in unserem Blatt wie folgt: « 1. Einreisen mit provisorischer Einreisekarte: Eine' ansehnliche Zahl von Touristen, Kaufleuten und hauptsächlich von Bewohnern der Grenzgebiete fahren vielfach in die Schweiz ohne im Besitze eines Triptyk oder Grenzpassierscheinheftes zu &ein. Angesichts der bescheidenen Kosten für eine Einreisekarte ziehen sie es vor, bei jedem Eintritt eine solche Karte zu lösen, die übrigens sehr leicht erhältlich ist. Diese Automobilisten figurieren auf diese Weise 5 und 6 mal pro Jahr in unserer Statistik, währenddem eie nur einmal gezählt würden, wenn sie im Besitze eines Triptyk wären, 2. Grenzpassierscheinheft: Die Ausländer, welche in Graubünden Wallis, Genf, Basel und dem Waadtländer Jura Aufenthalt nehmen, und die vorab in den an der Grenze gelegenen Gebieten verkehren, sind gewöhnlich im Besitze eines solchen Grenzpassierscheinheftes. Diese Automobilisten reisen oft mehrere Male am nämlichen Tag über die Grenze hin und her, wobei sie jedesmal einen neuen Abschnitt ihres Passierscheinheftes eintragen lassen. Wir haben festgestellt, dass in zahlreichen Fällen, diese Hefte innert kürzester Zeit aufgebraucht sind, so dass andererseits innerhalb einer beschränkten Zeitdauer das nämliche Fahrzeug 10—12mal in unserer Statistik der vorübergehenden Einfuhr figuriert. 3. Triptyk: Es ist richtig, dass eine ansehnliche Zahl von Besitzern solcher Triptyk diesen Ausweis, für mehrere Ein- und Ausreisen benutzen. Wir erhalten oftmals abgelaufene Triptyks, denen 5 bis 6 Zusatzformulare angeheftet sind, was beweist, dass die betreffenden Touristen innerhalb Jahresfrist mehr als 30mal nach der Schweiz gekommen sind, in unserer Statistik aber nur einmal aufgeführt werden. 4. FTeipass: Dieser Ausweis wird hauptsachlich von Grenzanwohnern oder von Transportunternehmungen gebraucht, deren Kaution durch Versicherungsgesellschaften oder Banken sichergestellt werden. Auch wird der Freipass oftmals für Fahrzeuge benützt, die hauptsächlich, dem Transport von War zur Belieferung der Märkte von Stadion in Grenznähe dienen und die gleichzeitig an Sonnund Feiertagen dem Personentransport dienstbar gemacht werden. 5. Allgemeine Bemerkungen: Wir geben zu, dass unsere Statistik über die temporäre Einfuhr von AutomoMlfin im Touristenverkehr nicht genau ist, doch möchten wir % dennoch zurzeit davon absehen, unseren Erhebunjrsmodus zu ändern. Wir halten dafür, dass vorerst eine internationale Verständigung darüber zu Stande kommen sollte, wie diese statistischen Erhebungen zu machen sind, damit sämtliche Lander auf die gleiche Art und Weise vorgehen. Die monatlich von uns veröffentlichton Zahlenangaben haben auf alle Fälle den Vorzns, dass sie sich auf Unterlagen stützen, welche im Besitze unserer Verwaltung und daher kontrollierbar sind. Wären unsere Grenzbureaus gehalten, uns alle zeitweiligen Einreisen zu melden ohne Rücksicht darauf, ob hiefür ein Zolldokument vorliegt oder nicht, so kämen diese Angaben mehr oder weniger einer Schätzung gleich. Es wäre nämlich Gegenfrage. «Mit wem haben Sie hier schon gesprochen ? » «Mit dem französischen Gesandten. Vor einer halben Stunde. Er hat mir das Versprechen gegeben, dafür zu sorgen, dass ich für ein paar französische Blätter arbeiten kann. Es ist doch, schon der Schweizer Behörden wegen, nötig, einen Beruf zu haben, nicht wahr ? » « Schön. Brauchen Sie augenblicklich Geld ? » «Nein. Ich habe ein paar russische Freunde hier. » Stein war plötzlich sehr interessiert. « Landsleute ? Von der Gesandtschaft ? » «Nein. Im Gegenteil. Mit der Gesandtschaft will ich nichts zu tun haben. Ich bin seit 1906 in Russland zum Tode verurteilt und habe gar keine Sehnsucht nach der Vollstreckung des Urteils.» « Mit — Gegnern der Regierung also ? » « Ja. Man kann sie wohl so nennen !» « Das ist gut. Ich interessiere mich ungeheuer für alles, was in Russland vorgeht. Diese Ihre Landsleute sind ungemein gut unterrichtet. Würden Sie — mich gelegentlich mit Ihrem Besuche beehren und mich — über das informieren, was Sie gehört haben ?» « Gewiss. Warum nicht ? Nur muss man natürlich wissen — wieso und warum ! > « Das versteht sich von selbst. Sie wer- zu befürchten, dass die Zollorgane an der Grenze nicht genügend Zeit hätten, um genau über alle Visa Buch zu führen, welche auf Triptyk und Freipässen angebracht werden. Ebenso würde sieh die Kontrolle der Ein- und Ausreisenden von den im Grenzgebiet stationierten Motorfahrzeugen schwierig gestalten, da auch in diesen Fällen kein Visum auf den Zolldokumenten eingetragen wird. Eine internationale Ahmachung zwischen den hauptsächlichst interessierten Staaten würde zu einer geeigneten Lösung in dieser Angelegenheit führen in dem Sinne, dass diese Staaten ein einfacheres und praktisches und vor allem einheitliches System zur Erstellung dieser Statistik einführen könnten. Die schweizerischen Clubs, Verbände und Vereine, welche an diesen Erhebungen interessiert sind, könnten daher den internationalen Organisationen, in deren Wirkungskreis diese Fragen fallen, entsprechende Vorschläge und Anträge unterbreiten. Wir möchten immerhin noch bemerken, dass wenn die mittels Triptyk und Freipass erfolgten Einreisen nicht in ihrer Gesamtheit erfasst werden, dieser Ausfall reichlich kompensiert wird durch die Zahl der mit provisorischen Einreisekarten und Grenzpassierscheinheften vollzogenen Grenzübertritten, die ja von Fall zu Fall in unserer Statistik aufgeführt werden. Was endlich die Herkunft der Touristen oder der "Fahrzeuge anbetrifft, so sind unsere Angaben durchaus zuverlässig, indem die Zollbureaus seit 1. Januar 1933 nicht mehr auf das letztbereiste Land, sondern auf das Ursprungsland des Fahrzeuges, in welchem dieses als verkehrsberechtigt eingetragen ist, abstellen. Es handelt sich hier wohlverstanden um eine Statistik der Fahrzeuge und nicht der Touristen, da zahlreiche Gäste von Uebersee kommen und die Schweiz mit einem Fahrzeug besuchen, das sie irgendwo in einem europäischen Staat gernietet haben. » Soweit unsere Zollverwaltung. Die rein administrativen Ueberlegungen, welche für eine Beibehaltung des bisherigen Zählmodus sprechen, mögen durchaus richtig sein. Weniger überzeugen aber kann die Meinung, dass einer Aenderung eine internationale Vereinbarung vorausgehen solle. Eine solche wäre gewiss wünschenswert und es ist daher zu erwarten, dass unsere Automobilverbände, die ja den massgebenden internationalen Sport- und Touristenvereinigungen angeschlossen sind, an geeigneter Stelle den Antrag einbringen werden. Anderseits ist zu sagen, dass eine Zählung der unser Land bereisenden fremden Motorfahrzeuge ebensosehr eine interne Angelegenheit ist, die ohne Bedenken und ohne, dass internationale Bindungen verletzt werden, auf eine erweiterte Basis gestellt werden könnte. Soviel uns bekannt ist, wurde auch beim jetzt praktizierten Modus keine Vereinbarung mit dem Auslande getroffen. Im übrigen sind wir als Reiseland vielleicht mehr als andere Staaten an den mit dem Fremdenverkehr zusammenhängenden Problemen interessiert. den sich über mich nicht zu beklagen haben. » « Und sonst ? Ich glaube nicht, dass diese gelegentlichen Informationsbesuche meine ganze Zeit ausfüllen können.» Stein besann sich. Dann setzte er sich wieder an seinen Schreibtisch. « Wir wollen offen miteinander reden — ich sehe, dass Sie einige Erfahrung besitzen. Wollen Sie als Nachrichtenagent für die Entente tätig sein ? » < Warum nicht. Nur wiederhole ich — man muss natürlich wissen, wieso und warum f » «Gewiss doch, das versteht sich von selbst. Haben Sie einen Plan ? Wie denken Sie sich die Sache ? » «Nicht ganz leicht. Beziehungen anknüpfen mit Personen, von denen man etwas erfahren kann. •» « Dabei stehen wir heute nicht mehr. Beziehungen anknüpfen mit Personen, die gegebenenfalls auch handeln können! Und auch selbst mithandeln, wenn es notwendig ist. Wären Sie der Mann dazu ? » «Drücken Sie sich genauer aus, Herr Stein ! » « Gesetzt den Fall, es wäre ein Unternehmen gegen Anlagen geplant, die der Entente sehr unangenehm sind. Gegen industrielle Werke in der Nähe der Grenze oder so. Warum sollten wir deshalb nicht initiativ und mit gutem Beispiel vorangehen? Die bisherigen Bemühungen um eine Verständigung mit unseren Nachbarn über eine Erleichterung des gegenseitigen Reiseverkehrs sollten uns darüber schon belehrt haben, dass wir viel eher zum Ziele kommen, wenn wir selbst den Anfang machen, anstatt auf den guten Willen und das Verständnis des Auslandes für unsere Bedürfnisse zu warten. So ging das eidg. Justiz- und Polizeidepartement selbständig vor, um mit Nachbarstaaten Vereinbarungen zu treffen, wonach im gegenseitigen Verkehr die internationalen Ausweise nicht benötigt und ihnen die nationalen Führerscheine und Verkehrsbewilligungen gleichgestellt werden. Hätten wir hier auf eine internationale Verständigung warten wollen, so wären wir, angesichts der Zurückhaltung, welche z. B. Frankreich an den Tag legt, immer noch von jedem positiven Resultat weit entfernt. Glücklicherweise liess man es sich aber nicht verdriessen und bahnte Verhandlungen mit einzelnen Staaten an, die mit Italien und auch mit Deutschland zu praktischen Ergebnissen geführt haben, welche unserem Fremdenverkehr bereits zugute kommen. In bezug auf die provisorischen Eintrittskarten ist die schweizerische Verkehrszentrale bahnbrechend vorangegangen und hat deren Dauer auf 10 resp. 20 Tage ausgedehnt, ohne dass hiefür eine internationale Konferenz notwendig war. Es mag mit diesen beiden Exempeln genügen, um zu zeigen, dass wir uns in Fragen des Fremdenverkehrs besser auf uns selbst besinnen. Kann dann später ein Abkommen mit anderen Ländern getroffen werden, so steht dem nichts im Wege. Italien, Frankreich und andere Länder, die uns den Rang als Reiseländer abzulaufen beginnen, haben in ihren Anstrengungen, die fremden Gäste für sich zu interessieren, bisher auch herzlich wenig Rücksicht auf uns genommen. Für die Bedürfnisse der Zollverwaltung mag das heutige System genügen. Den Interessen des Fremdenverkehrs und insbesondere denjenigen der damit verknüpften Auslandspropaganda wird es aber nur sehr unvollständig gerecht. Mit verhältnismässig einfachen Mitteln und bescheidener Mehrarbeit durch die Grenzorgane könnte die Statistik allen Anforderungen entsprechen. Wenn berücksichtigt wird, welche beträchtlichen Summen für Propaganda durch unsere Volkswirtschaft aufgebracht werden müssen, so verlohnt es sich gewiss, die ge- Würde Ihnen die Beschäftigung mit solchen Dingen liegen ? » « Ja. •» «Auch wenn einige persönliche Gefahr damit verbunden wäre ? » Eberhard lachte. « Mit der Fabrikation von Bomben und mit dem Werfen dieser angenehmen Fabrikate war auch einige persönliche Gefahr verbunden, das können Sie mir getrost glauben ! » « Gut. Haben Sie morgen vormittag Zeit ? » «Leider vorerst noch immer!» « Kommen Sie um 10 Uhr zu mir. Hierher. Ich habe eine Konferenz mit — verschiedenen Herren. Sie können an der Konferenz teilnehmen. Es wird Sie interessieren. Aber ich mache Sie darauf aufmerksam. Sie brauchen es niemandem, auch Ihren Landsleuten nicht auf die Nase zu binden, dass Sie — mit mir Fühlung haben ! » «Ich kann schweigen !» Eberhard schied sehr befriedist von diesem merkwürdigen Journalisten : er hoffte, viel Interessantes bei der morjsiKen Aussprache erfahren zu können. Als er nach Hause kam, hatte Mercedes den Kontrakt unterschrieben, der sie auf einen Monat an das Edentheater verpflichtete. Man war am Werk !