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E_1933_Zeitung_Nr.103

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ingen Mehrkosten einer

ingen Mehrkosten einer Reorganisation der Automobilstatistik auf sich zu nehmen und damit die Möglichkeit zu haben, die Ausgaben für Verkehrswerbung im Auslande am erfolgversprechendsten anlegen zu können. Es ist doch gewiss ein Armutszeugnis, wenn die Zollverwaltung selbst zugeben muss, dass die Statistik über die temporäre Einfuhr nicht genau ist. Ueber die bestehenden Mängel kann uns auch der recht billige Trost nicht hinwegtäuschen, dass das Endergebnis der Erhebungen nicht allzusehr von den Tatsachen abweiche, da eine Fehlerquelle die andere ziemlich kompensiere. Entweder ist eine Statistik genau, was um so notwendiger ist, als in der Auslegung bekanntlich immer noch verschiedene Meinungen möglich sind, oder sie entspricht nicht den tatsächlichen Verhältnissen und dann kann die Zusammenstellung nicht mehr den Anspruch darauf machen, als Statistik zu gelten. Sie ist dann nur mehr eine Schätzung und mit solchen sollten sich vor allem behördliche Organe nicht zufrieden geben. Wir hoffen doch, dass sich die Oberzolldirektion diesen Ueberlegungen nicht verschliesst und im Interesse der Allgemeinheit ihre Zählungen so reorganisiert, dass sie nicht nur dem internen Gebrauch, sondern auch anderen Verwendungszwecken dienlich sind und zudem mit gutem Oewissen auch ohne «Wenn und Aber » als Statistik der Oeffentliehkeit übergeben werden können. Mittlererweile mögen die Verbände immerhin die Angelegenheit vor internationalem Forum zur Sprache bringen. Mit vereinten Kräften und etwas gutem Willen sollte sie, die doch gewiss kein eigentliches Problem darstellt, zu einem guten Ende geführt werden können. B. zu respektieren und sich im Verkehr entsprechend zu verhalten. Die Vollzugsverordnung zum Automobilgesetz bestimmt, dass die Motorfahrzeugfilhrer vor Fussgängerstreifen die Geschwindigkeit zu massigen und nötigenfalls anzuhalten haben, um den sich darauf befindlichen Passanten die ungehinderte Ueberquerung der Fahrbahn zu ermöglichen. Das ist schön und recht, wenn der Fussgänger seinerseits auch ausschliesslich diesen Streifen benützt und die übrige Fahrbahn dem Fahrzeugverkehr freilässt. Begegnet der Automobilist aber Passanten an jeder beliebigen Stelle und zwingt ihn die willkürliche Beanspruchung der Strasse durch die Fussgänger zu einer dauernden Beobachtung und verlangsamten Fahrweise, so kann wohl kaum von ihm erwartet werden, dass er bei den sogenannten Fussgängerstreifen noch weitergehende Rücksichten walten lasse. Konzentriert sich dagegen der Fussgängerverkehr auf diese besonders markierten Stellen und hat der Fahrzeugführer auf den Zwischenstrecken vollkommen freie Fahrt, dann ist es selbstverständlich, dass dem Passanten an den Uebergängen das Vortrittsrecht gehört, das der Automobilist und Motorradfahrer auf der übrigen Strasse für sich in Ansoruch nehmen kann. AUTOMOBTL-REVUr! 1933 - N" 103 und die ihnen für die Benützung der Fahrbahn gegebenen Zeichen zu befolgen. Wie sich die Polizei die Auslegung des Absatzes 2 vorstellt, hat sie bereits gezeigt, indem an den verkehrsreichsten Strassen und Plätzen uniformierte Verkehrspolizei in der Nähe der Markierungen postiert wurde, welche die Passanten veranlassen, ausschliesslich die Fussgängerstreifen zur Ueberquerung der Fahrbahn zu benützen. Wie wenig diszipliniert und unachtsam das Publikum im grossen und ganzen noch ist, kann jedermann selbst beurteilen, der sich die Mühe nimmt, an einem solchen beaufsichtigten Uebergang Posto zu fassen und den Verkehr nur eine Viertelstunde zu beobachten. Der überwachende Beamte hat ständig Veranlassung, Leute auf den Zweck der Fussgängerstreifen aufmerksam zu machen und sie von den meistens bereits beschrittenen «Abwegen » wieder auf den « Pfad der Tugend > zu bringen. Gerade beim Bahnhofplatz, wo diese Fussgängerreservate gewiss breit genug geraten sind, laufen in unbeaufsichtigten Zeiten mehr Passanten neben als innerhalb der Markierungsnägel. Solange aber das Auge des Gesetzes wachsam ist, ordnet sich der Verkehr ganz leidlich. Das Gewimmel hört jeweilen auf und macht einem geordneten Betrieb Platz, der allen Beteiligten Freude machen sollte. Mit diesem ersten Versuch wird es aber nicht sein Bewenden haben dürfen. Bis es der gesamten Stadtbevölkerung eingehämmert ist, dass die Strasse ausserhalb der Nagellinie verbotenes Terrain darstellt, wird es noch viel Geduld und Belehrung brauchen. Wenn diese Beaufsichtigung vorläufig nicht regelmässig und später dann wenigstens Um den Fussgängerstreifen auch bei uns zu der Bedeutung im Strassenverkehr zu verhelfen, die ihnen als wichtiger Faktor der Verkehrsregelung und Hilfsmittel zur Erzielung erhöhter Verkehrssicherheit zukommt, schlugen wir eine Reglementierung vor, die Fussgängern und Motorfahrzeugführern ihre Pflichten und Rechte gleichmässig und entsprechend ihrer Rolle im Verkehr sinngemäss zuweist. Das Polizeiinspektorat der Stadt Zürich hat es sich nun angelegen sein zum Zwecke von Stichproben gelegentlich Der Fussgängerstreifen. lassen, den Strassenverkehr in dieser Richtung neu zu ordnen. Den mittelbaren Anstoss weitergeführt wird, dann geraten Demarkationslinien und Erlasse wiederum in Verges- Er ist eine äusserst nützliche Institution, hiezu mögen die Ausführungen der städtischen Geschäftsprüfungskommission gegeben wenn er wirklich seinen Zweck erfüllen senheit. kann. Nachdem in grossen Städten des Auslandes dieser Sonderweg für Passanten seit haben, welche die Ansprüche des Fussgängers an die Sicherheit auf öffentlichen Strasfach gewiss nicht schlechter Wille, sondern Im übrigen ist es bei den Fussgängern viel- längeren Jahren mit Erfolg im verkehrsintensiven Stadtkern angewendet wird, entschlossen und Plätzen als zu wenig gewährleistet nur Unachtsamkeit, wenn sie in der Eile von erachtete. Nun beschränkte sich aber die den Fussgängerstreifen keine Notiz nehmen. sen sich auch städtische Behörden unseres Polizei, in richtiger Erkenntnis der Tatsache, Wäre es deshalb nicht möglich, dieselben Landes dem Beispiel Folge zu leisten. Dabei dass eine Verkehrsregelung nur unter Heranziehung aller am Verkehr beteiligten Ele- besser kenntlich zu machen? Selbst in Eng- durch auffällige Aufschriften auf Ständern hat es dann aber entweder an den gesetzlichen Voraussetzungen oder am notwendigen Rückgrat gefehlt, um dieses neue Hilfs- auf eine einseitige Reglementierung der viel disziplinierteren Publikum bedeutend mente Aussicht auf Erfolg habe, nicht etwa land, wo die Verkehrsregelung, dank einem mittel in der Verkehrsregelung ganz und vor Fahrzeuge und ihrer Führer, sondern bezog einfacher ist, findet man immer wieder an allem konsequent zu übernehmen. Die Fussgängerstreifen wurden wohl auf alle mögli- Vorschriften ein. In bezug auf die Fussgänschriften « Cross here >, wobei gewöhnlich auch den Fussgänger in den Kreis ihrer Strassen und Plätzen weithin sichtbare Anchen Arten schön und deutlich gekennzeichnet und der schüchterne Aufruf an das ge- Art. 45, AI. 13 der Vollziehungsverordnuhg den Streifen verwiesen wird. gerstreifen gilt für Fahrzeuglenker: Die in noch mit einem auffallenden Pfeil eigensauf samte Publikum erlassen, sich einerseits dieser Streifen zu bedienen, anderseits diese Fussgängerstreifen die Geschwindigkeit zu niedergelegte Bestimmung, wonach vor Auf alle Fälle ist die Bemühung der Zürcher Polizei, den Fussgängerstreifen in vermehrtem Masse zu Ehren zu bringen, sehr Ausschnitte in der Fahrbahn besonders zu verlangsamen, nötigenfalls anzuhalten sei, respektieren und als Reservat der Fussgänger zu betrachten und darnach zu handeln. Fussgängern die ungehinderte Ueberquerung um den sich auf den Streifen befindlichen begrüssenswert. Es ist aber auch dringend notwendig, dass alle Strassenbenützer mit Es blieb beim frommen Wunsche. Die Fussgänger gehen mehrheitlich ausgerechnet ne- der Passanten wurde die nachstehende Auf- der Fahrbahn zu ermöglichen. An die Adresse dessen Zweck vertraut gemacht werden und die Polizei nach einer Karrenzzeit zur Gewöhnung des Publikums an dieses Hilfisben dem Streifen über die Strasse und die forderung gerichtet: Fahrzeugführer tun ebenfalls so, als ob keinerlei Markierung vorhanden wäre. Die Ver- Fussgänger merke: mittel des Verkehrs auch in der Lage ist, straffere Saiten aufzuziehen, wenn es nötig kehrspolizei schüttelt resigniert das Haupt 1. Wo Trottoire vorhanden sind, haben die sein sollte. Dabei darf aber wiederum die und wenn es im Stadtparlament Interpellationen regnet wegen vermehrten Unfällen benützen. Fehlen Trottoire, so ist die äusser- Fussgänger diese und nicht die Fahrbahn zu Sanktion nicht bei den Fahrzeugführern haltmachen, ß oder mangelnder Verkehrssicherheit, dann ste rechte Strassenseite einzuhalten. wirft sich der Polizeigewaltige in die Brust, Die Fussgänger haben nach rechts auszuweichen. Schweizerische Rundschau weist entrüstet alle Vorwürfe zurück, beweist an Hand der erstellten Fussgängerstreifen seine Vorsorge und Umsicht und benen in der ganzen Breite des Trottoirs ist Gesetzgeberische Massnahmen. Die Ver- Das Nebeneinandergehen mehrerer Persodenkt die Strassenbenützer, vorab die Motorfahrzeugführer mit einer eindringlichen Wer die Strasse überschreiten will, hat Ruhezeit der berufsmässigen Motorwagen- verboten. ordnung über die Regelung der Arbeits- und Mahnpredigt, worauf das Traktandum abgeschrieben wird ! auf zu achten, ob die Fahrbahn frei ist; die durch das Parlament. Dieses ist gegenwär- durch Ausschau nach beiden Richtungen darführer harrt immer noch ihrer Behandlung Spass beiseite ! Wir haben erst kürzlich Ueberquerung muss rasch und auf dem kürzesten Weg erfolgen. liste vorgesehenen Geschäften belastet, dass tig noch so mit anderen in der Traktanden- an Hand französischer Gerichtsurteile nachgewiesen, dass den Fussgängerstreifen nur Wo Fussgängerstreifen vorhanden sind, es bald den Anschein hat, als ob die prompte dann eine verkehrsregelnde Bedeutung zukommt, wenn Fahrzeugführer und Fussgän- 2. Die Fussgänger haben überdies die Andesrätlichen Botschaft vergebliche Liebes- haben die Fussgänger diese zu benützen. Ausarbeitung der Verordnung und der bunger ohne Unterschied verpflichtet sind, diese ordnungen der Verkehrspolizei zu beachten müh gewesen wären. Wenn das Geschäft auf die erste Session des nächsten Jahres verschoben werden müsste, so wäre auch mit der Einführung der Verordnung auf Neujahr nicht zu rechnen. Der Entwurf zum Bundesgesetz über die Regelung der Verkaufsaufteilung zwischen Bahn und Auto liegt im Bundeshaus bereinigt vor und ist, wie wir hören, den Interessenten zur Einsichtnahme unterbreitet worden. In seinen Hauptzügen entspricht er dem Vorentwurf, wie er in Nr. 46 der « A.-R.» im Mai bekannt gegeben wurde. Einige Ergänzungen und Aenderungen, welche vor allem die Postbeförderung betreffen, werden wohl auch die Genehmigung durch die Interessenten des Strassenverkehrs finden. Es ist anzunehmen, dass der Entwurf in der jetzigen Fassung zur Beratung gelangt. Die Kommissionen zur Behandlung des Geschäftes in den Räten, sollen wenn möglich, noch in der laufenden Session bezeichnet werden. Die Bestrebungen zur Regelung der Automobilwirtschaft dauern an. So fand am Montag eine weitere Besprechung der am schweizerischen Benzinmarkt interessierten Kreise statt, ohne dass die Angelegenheit zu einem Abschluss gekommen wäre. Gestern Don*- nerstag trafen sich in Bern die Vertreter der verschiedenen Verbände und Wirtschaftsgruppen, um die mit dem Pneuhandel in Zusammenhang stehenden Fragen zu erörtern. Sodann findet dieser Tage noch eine Sitzung in Zürich statt, welche sich mit der seit einigen Jahren vom Bund in petto gehaltenen Erhöhung der Einfuhrzölle auf Rohöl zu befassen haben wird. Wie wir erfahren, soll sich der Bund diese neue Einnahmequelle unter keinen Umständen entgehen lassen wollen. Hoffentlich wird wenigstens eine Regelung getroffen, die nicht etwa unserer einheimischen Fabrikation von Rohölmotoren aufs neue die Existenz gefährdet. ß Zur Auslegung des Automobilgesetzes. Das Eidg. Justiz- und Polizeidepartement hat in einem weiteren Rundschreiben seine Stellungnahme zu einigen Vorschriften der Vollziehungsverordnung zum eidg. Automobilgesetz wie folgt bekanntgegeben: 1. Art. 12, Abs. 3. Kühlerfigur. — Nach Besprechung mit Experten betrachten wir als eine ungefährliche Kühlerfigur eine solche, welche weder scharfe Kanten noch Schneiden oder Spitzen nach irgendeiner Richtung hin aufweist und welche bei einem Zusammenstoss keine schwereren Verletzungen erzeugen kann als irgendein anderer Bestandteil am Automobil. Die Kühlerfigur darf auch nach hinten keine scharfen Kanten, Schneiden oder Spitzen aufweisen, weil erfahrungsgemäss Personen, die beim Zusammenstoss auf den Vorderteil des Fahrzeuges geschleudert werden, durch solche schwer verletzt werden können. Kühlerfiguren aus Weichgummi erachten wir dagegen gemäss dem Gutachten unserer Experten auch dann als zulässig, wenn sie Kanten oder Spitzen auir weisen. 2. Art. 14, Abs. 6. Genügender Gleitschutz. — Gemäss Art. 14, Abs. 6, der Vollziehungsverordnung müssen alle Gummireifen mit genügendem Gleitschutz versehen sein. Gestützt auf die übereinstimmende Ansicht aller befragten Experten legen wir diese Bestimmung so aus, dass der verlangte Gleitschutz nur dann vorhanden ist, wenn das Reifenprofil, d. h. die Struktur desselben, auf der Lauffläche noch deutlich erkennbar ist. Für Vollgummireifen muss überdies verlangt werden, dass der Gummi in unbelastetem Zustand nicht unter eine Dicke von 4 Zentimeter abgefahren werden darf, wobei die Eisenbandage nicht mitzurechnen ist. 23. Der Abend, den Eberhard in der kleinen Wohnung Buturlins verbrachte, war in hohem Masse interessant. Er lernte ein paar Menschen kennen, die den Eindruck einer fast unheimlichen Energie und Entschlossenheit machten. Er hörte ihre Namen, aber er achtete nicht darauf: sie waren ia sicher falsch. Echt aber waren die Berichte aus Russland; Berichte über die eigene Organisation wie über die der bürgerlichen Linken, die zunächst die Oberhand zu haben schien und vor allem auch im Heer stark Eingang gefunden hatte. Und echt war auch die Begeisterung dieser Revolutionäre für eine Idee, unter der sich Eberhard zunächst gar nichts vorstellen konnte : für die Idee einer Herrschaft des Proletariats. Hier hörte Eberhard zum erstenmal die Parteibezeichnung « Bolschewiki» und erhielt einigen Einblick in das Programm dieser Partei. Er hielt die Ausführung für eine Unmöglichkeit — selbtsverständlich ohne diese Meinung auszusprechen —. aber er verhehlte sich nicht, dass von diesen Männern, die ein kaltes Feuer zu verzehren schien. Wesentliches zu erwarten war. Und der Bericht, der noch am gleichen Abend seinen geheimen Weg nach dem deutschen Hauptquartier antrat, erregte dort stärkstes Interesse. Eberhard vereinbarte mit Buturlin. in ständiger enger Fühlung zu bleiben, die Beziehungen aber vor der Oeffentliehkeit geheim zu halten. Für Herrn Stein sollte Eberhard besondere Informationen erhalten. Die Russen wussten genau, dass dieser Advokat der Vertrauensmann aller Ententevertretungen war, und es lag in ihrem Interesse, ihn gelegentlich Dinge wissen zu lassen, die an sich richtig waren, ihren eigentlichen Wert aber erst erhielten durch die Konsequenzen, die ihnen die « Bolschewiki» gaben. Es war den Russen auch kein Geheimnis, dass die Ententevertretungen, insbesondere die Vertretung Frankreichs, mit der bevorstehenden Aktion der bürgerlichen Linken sympathisierten. Man misstraute in Paris und vermutlich auch in London dem Zaren, dessen Schwäche man kannte. Man war unzufrieden mit der lahmen Art der Kriegsführung, die man den Russen vorwarf; man erwartete von der bürgerlichen Revolution, dass sie zugleich eine Welle der Kriegsbegeisterung über das ganze unertnessliche Land schleudern würde — einer Kriegsbegeisterung, von der unter den jetzigen Verhältnissen keine Rede sein konnte. Das alles, sagte sich Eberhard, ist Zukunftsmusik. Aber so lange er mit den Russen zusammensass, so lange er ihrer streng logischen Beweisführung zuhörte, war er überzeugt von der Richtigkeit und absoluten Verlässlichkeit ihrer Ausführungen. Persönlich machten diese Männer auf ihn keinen freundlichen Eindruck; sie gaben sich viel zu sachlich, um nebenbei auch noch liebenswürdig sein zu können. Auch Hessen sie Eberhard, viel mehr als Buturlin es getan, durchaus fühlen, dass sie ihn keineswegs als zugehörig, eher als einen Gegner betrachteten, die sie zwar in ihr Spiel als nicht unwichtig einstellten, aber der ihnen sonst durchaus ferne stand. Er gehörte eben nach ihrer Meinung einer Gesellschaftsschicht an, die sie noch viel mehr hassten und verachteten als das Autokratentum der Bürgerschaft. Er wusste jetzt auch genau, was sie von ihm wollten. Sobald die bürgerliche Revolution in sich zusammengebrochen war, wollten sie in Russland erscheinen, um die Revolution des Proletariats zu beginnen. Die Möglichkeit hierzu musste ihnen Deutsch- 'and bieten : die Durchfahrt durch deutsches Gebiet. Das sollte Eberhard vermitteln. Dafür wollten die «Bolschewiki» sich verpflichten, sofort den Krieg zu beenden, so- bald sie die Macht in die Hände bekämen. Dieser Teil des Hatzbergschen Berichts wurde im deutschen Hauptquartier mit einigem Kopfschütteln gelesen und erörtert. Am nächsten Vormittag fand Eberhard sich wieder bei Herrn Stein ein. Er wurde bereits erwartet. In dem Zimmer des Journalisten befanden sich ausser diesem zwei Herren* die Eberhard lieber mit dem Sammelnamen «Individuen» bezeichnet hätte; Leute, mit denen man nicht gern zur Tageszeit und an jedem Ort zusammentreffen mag. Unbestimmbaren Alters und unbestimmbarer Nationalität, fielen sie vor allem dadurch auf, dass sie ihre eleganten Anzüge trugen, als wenn sie nicht hineingehörten. Namen wurden hier anscheinend nicht genannt. Eberhard wurde als «der Russe» vorgestellt, deT eine, Grössere von den beiden, wurde «le Grand » genannt, der Kleinere, « le Petit». Das war jedenfalls leicht zu merken. Aus der Aussprache schloss Eberhard, dass der Grössere ein Schweizer war, der Kleinere ein Holländer. Zunächst war davon die Rede, dass wieder eine grössere Auflage von Propagandabroschüren nach Deutschland, vor allem nach dem Elsass gebracht werden musste. (Fortsetzung folgt.)

N° 103 - 1933 AUTOMOBIL-REVUE Sportnachrichten Das schlechte Beispiel. Nach langem Stillschweigen ist vor wenigen Tagen endlich Alfa Romeo mit seinen Plänen für die Saison 1934 an die Oeffent- Iichkeit getreten. Die Firma wird sechs neue Monoposto, die der neuen Rennformel entsprechen, konstruieren, aber alle Maschinen für die italienischen Fahrer reservieren. Mit anderen Worten: die gesamte Produktion wird von der «Scuderia Ferrari» angekauft, und für ausländische Piloten werden überhaupt keine Wagen mehr gebaut. Das ist der klare Sachverhalt, vor dem sich heute der internationale Autosport befindet, in den nun auch die Ideen der nationalen Abgrenzungen, der Autarkie und des egoistischen Machtstrebens Einzug zu halten beginnen. Wir haben über die unangenehmen Folgen berichtet, die der Mailänder Beschluss für mehrere französische und englische Fahrer hatte. Monatelang rechneten Moll, Lehoux, Sommer, Etancelin, Lord Howe, Brian Lewis und Rose-Richards damit, 1934 mit einem rechtzeitig bestellten Alfa Romeo-Monoposto die Kämpfe bestreiten zu können. Erst sehr spät — wenn nicht schon zu spät — mussten sie nun erfahren, dass ihre Wünsche nicht berücksichtigt werden. Sie haben sich nun in aller Eile anderswo nach einer neuen Maschine umzusehen. In Frankreich und England hat denn auch der italienische Beschluss sehr stark verstimmt, selbst die höflichen Engländer können Alfa Romeo nicht begreifen. Man fordert nun notgedrungen in England den sofortigen Bau eigener Rennwagen, um die einheimischen Piloten vom Auslande unabhängig zu machen. Das eine Land zwingt auf diese Weise auch das andere, sich auf sich selbst zurückzuziehen, und mit dem schönen Internationalismus im Sport beginnt es bedenklich zu hapern. Das schlechte Beispiel beginnt bereits seine Früchte zu tragen. So verblüffend die Meldung auch wirken muss, unmöglich ist sie angesichts der gegenwärtigen Sachlage nicht mehr: auch Bugatti und Mercedes- Benz tragen sich mit der Absicht, ihre Wagen nur noch bestimmten Fahrern und einheimischen Piloten zu reservieren. In Italien findet man dies selbstverständlich durchaus in Ordnung — eine Auffassung, die wir Schweizer vorläufig noch nicht teilen können. Wo hinaus soll das führen, wenn jede Firma sich auf das eigene Land beschränkt? Wenn der freie internationale Wettbewerb, der ausschliesslich technische und sportliche Kampf um den Sieg, dahinfällt? Die Länder, deren Regierungen die Firmen tatkräftig unterstützen, werden sofort obenausschwingen und die auf eigene Mittel angewiesenen Konstrukteure hinter sich lassen. Dann geht der Kampf eben nicht mehr um ] sportlichen und technischen Vorrang, idern ausschliesslich ums liebe Geld. Was machen angesichts einer solchen Situation die schweizerischen, österreichischen, ungarischen, schwedischen, norwegischen, tschechischen und spanischen Fahrer, die bis jetzt alle auf fremden Wagen fuhren? Wir können uns auch nicht recht vorstellen, dass diese nationale Beschränktheit sich im Auslandsgeschäft als ein Gewinn auswirken kann. Die Verkaufsstellen werden auf diese Weise einer wirkungsvollen Propagandamöglichkeit beraubt. Der technische Fortschritt kennt keine Landesgrenzen — die Technik ist Schicksal der ganzen modernen Menschheit. Will man heute auch hier Grenzen ziehen, dann kann das nur unerfreuliche Rückwirkungen haben. Die Entscheidungen Bugattis und Mercedes sind noch nicht offiziell getroffen, und man kann nur hoffen, dass sie nicht im Sinne des Mailänder Beschlusses gefällt werden. Für den Autosport könnten diese autarkischen Bestrebungen nur Schaden bringen, und das wäre in einem Augenblicke, da wir vor dem Inkrafttreten einer neuen Formel und damit am Beginn einer neuen sportlichen Epoche stehen, um so gefährlicher! bo. Qrosser Preis von Monaco 1934 nach der alten Formel? Unser Blatt hat seinerzeit die Befürchtung ausgesprochen, die nächstjährige Saison werde einen etwas zahmen Anfang erleben. Eine ganze Reihe von Rennwagen, die der kommenden Formel entsprechen, werden nämlich kaum schon für die ersten Rennen bereit sein. Die Organisatoren des Grossen Preises von Monaco scheinen diese Befürchtungen zu teilen und tragen sich heute mit dem Gedanken, ihr Rennen im April nochmals nach der alten Formel auszutragen. Sie wollen damit einer mangelhaften Beteiligung vorbeugen und lieber die alten Wagen in genügender Zahl am Starte sehen. Auch die 500 km-Bestimmung der neuen Formel stösst in Monte Carlo auf Schwierigkeiten. Bis letzt ist die 3180 m lange Bahn jeweils hundert Mal befahren worden. Um die 500 km-Grenze zu erreichen, hätten die Piloten nun 157 Mal die gleiche schwierige Route zurückzulegen. Dies seheint den Organisatoren etwas zu viel zu sein, und sie tendieren auch aus diesem Grunde zur nochmaligen Beibehaltung der alten Formel im nächsten Jahr. Ein definitiver Beschluss ist immerhin noch nicht gefasst worden, bo. Louis Chiron auf Reisen. Louis Chiron ist der Sorge um ein Engagement los. Er wird nun bekanntlich im nächsten Jahre für die «Scuderia Ferrari» fahren. Der Monegaske reist nun zu seinem Vergnügen in der Welt herum und ist vor wenigen Tagen in Berlin gelandet. Er hat dort verschiedene Sportjournalisten getroffen, denen er interessante Dinge zu erzählen wusste. Der Fahrer ist nach dem vielen Missgeschick, das ihn dieses Jahr getroffen hat, wieder froh, seine Selbständigkeit aufgeben und für andere Rechnung fahren zu können. Er verdient so wohl weniger, hat anderseits aber auch nicht mehr das Risiko, grosse Unkosten allein tragen zu müssen. Ferrari hat übrigens bewiesen, dass mit einem gut organisierten Rennbetrieb ordentlich Geld verdient werden kann. Er hat nämlich in diesem Jahre den schönen Reingewinn von über 1 Million Lire gemacht. Chiron hat sich vor seinem Abschluss mit Ferrari auch bei anderen Firmen umgesehen. Es bestätigt sich, dass Delage vorläufig nur einen Rennwagen bauen wird, und der soll erst nächsten Herbst fertig werden. Der neue Bugatti-Wagen habe noch nicht ganz befriedigt, und der mit Bestellunsren überhäufte Maserati könne nicht vor nächstem Mai liefern. Im übrigen werde beim Grossen Preis von Monaco ein Maserati- Frontantrieb debütieren. Alfa Romeo baut nur sechs neue Monoposti, die alle Ferrari gegen Vorauszahlung übernimmt. Die neuen Alfa Romeo-Wagen werden von 2.6 auf 3,2 Liter vergrössert, so dass sie um 25 PS stärker werden und Geschwindigkeiten bis zu 260 km/St, erreichen können. Nach Chirons Auffassung soll das Monopol, das sich Ferrari auf die Monoposti gesichert hat, der hauptsächlichste Grund dafür sein, dass Alfa Romeo diesen Typ nicht mehr an Ausländer verkauft. Chiron wird zusammen mit Varzi die Führung des Ferrari-Rennstalles innehaben. Der Monegaske wird einen Teil des Winters über wieder eifrig dem Wintersport obliegen, mb. LES JEUX SONT FAITS &•»«»••# fn d«»» Sdiwen Der „Grosse Preis der Schweiz" für Automobile 1934 beschlossen! Das Initiativkomitee für die Durchführung des Grossen Preises der Schweiz, der als Rundstrecken-Rennen auf internationaler Basis auf der bekannten Piste im Berner Bremgartenwald erstmals im Jahre 1934 zum Austrag gelangen soll, hat in einer von den wichtigsten bernischen Wirtschafts- und Verkehrsverbänden besuchten Versammlung einstimmig den entscheidenden Beschluss gefasst, die Organisation des Rennens unverzüglich an die Hand zu nehmen. Die Gründung der Rundstrecken-Aktiengesellschaft, welche den Bau der notwendigen Rennanlagen übernimmt und diese jeweilen den veranstaltenden Sportverbänden zur Verfügung stellt, ist bereits vor einiger Zeit erfolgt. Die Frage der Finanzierung der Verlangen Sie den illustrierten Katalog und die Liste der neuen, herabgesetzten Preise vom Vertreter für die Schweiz: Qd. Garage E. Maurer, Genf, Boulevard des Tranchees 50 Vertreter für Basel: Paul Staehlf, Hardstrasse 62 Vertreter für Bern und Solothurn: Andre Zumstein, Effingerstrasse 93, Bern Das Plakat des Genfer Salons 1934. In seiner Sitzung vom 8. Dezember hat das Organisationskomitee des Genfer Salons die Plakatentwürfe geprüft, die ihm von verschiedenen schweizerischen Künstlern unterbreitet worden sind. Die Wahl ist dabei auf den Entwurf des bekannten Genfer Künstlers Henry Fehr gefallen. Das sehr effektvolle Plakat ist streng stilisiert, und zeigt eine geschmackvolle Aufteilung von Bild und Schrift. In dem typischen jungen Griechenhaupt und den Formen des Automobils waltet die gleiche klassische Linienführung — eine gelungene Andeutung des gegenwärtigen Stils im Automobilbau, der nach reinen Formen hintendiert. Es galt noch die Möglichkeit der Placierung des zur freien Zeichnung aufzulegenden Aktien- und Obligationenkapitals abzuklären. Einmütig wurde es von den Vertretern der ins Interesse gezogenen Verbände begrüsst, wenn in Bern eine Anlage geschaffen wird, die es ermöglicht, eine Reihe bedeutender Rennveranstaltungen nach der Bundesstadt zu bringen und ihr auf diese Anlage und die Bereitstellung der hiefür notwendigen Kapitalien bedurfte aber einer sehr sorgfältigen Abklärung. Zuerst mussten umfangreiche technische und organisatorische Vorarbeiten geleistet werden, um die ganze Unternehmung auf absolut solide Grundlage stellen zu können. Die zur Mitarbeit eingeladenen Behörden und Verbände konnten sich auf Grund der vorgelegten definitiven Pläne und Budgets davon überzeugen, dass die für diese Studien bisher aufgewendete Zeit nutzbringend angewandt worden ist und heute ein Projekt vorliegt, das den Initianten alle Ehre macht und allen Anforderungen auf lange Zeit hinaus gerecht werden wird. In richtiger Erkenntnis der wirtschaftlichen und propagandistischen Bedeutung der Veranstaltung für Stadt und Kanton Bern haben die Behörden dem Projekt von allem Anfang an grösstes Verständnis und Interesse entgegengebracht und an der Ausarbeitung der Pläne aktiven Anteil genommen. Die Rennstrecke muss, um allen renntechni- Weise auf Jahre hinaus die Priorität für schen Anforderungen zu genügen und diediese Anlässe zu sichern. Die Verbände ha- grösstmöglichste Sicherheit für Publikum und Fahrer zu gewährleisten, ausgebaut werden. An diesem Ausbau, der ja dauernde Werte schafft und gleichzeitig die Beschäftigung zahlreicher Arbeitsloser ermöglicht, beteiligen sich der Kanton mit Fr. 175,000 und die Stadt mit Fr. 215,000, welche Kredite bereits zugesprochen sind. Lcs jeux sont faits. TOTALE QUALITÄT triumphiert. An den härtesten internationalen Prüfungen: Rallys vonMonte- Carlo 1932 und 1933, Alpenfahrt 1933 siegreich, verzeichnen die neuen Modelle Hotchkiss 1934 einen vvei teren g länzond en Erfolg am Automobil-Salon von Paris, dieser neuesten Internationalen Prüfung. Mit TOTALER QUALITÄT werden Sie auch noch nach langem Gebrauch sagen: «Ich bin mit meinem Wagen zufrieden!» Seien auch Sie zufrieden mit Ihrem Wagen.Kaufcn SieTOTALE QUALITÄT, das ist die Eigenschaft von Hotchkiss. ben sich deshalb durchwegs bereit erklärt, auch in finanzieller Hinsicht das ihrige zum guten Gelingen des Unternehmens beizutragen und bestimmte Quoten des noch freibleibenden Kapitals, das übrigens eine annehmbare Verzinsung erfährt, zu übernehmen. Kanton und Stadt haben bereits ihrerseits Tranchen von je 40,000 Fr. des Aktienkapitals bewilligt und auch die bernischen Banken werden sich aktiv an der Zeichnung beteiligen. .Da die gesamte Anlage auf 1. Juli für das internationale Motorradrennen bereitstehen muss, werden die Bauarbeiten unverzüglich einsetzen. Ihrerseits wird die Ssttion Bern des A. C. S. aJs veranstaltender Club des Autorennens alsbald die in- und ausländischen Fahrer beerüssen, welche für den Grossen Preis in Frage kommen und zu diesem eingeladen werden sollen. Man darf heute schon mit einer ganz erstklassigen internationalen Beteiligung rechnen. Die gesamte schweizerische Sportgemeinde wird das endgültige Zustandekommen der Veranstaltung lebhaft begrüssen, bedeutet diese doch eine einzigartiee Bereicherung des nächstjährigen Sportkalenders. Um das Rundstreckenrennen von Montreux. Wie wir seinerzeit meldeten, haben die Herren Decrauzat und Töndury von der Nationalen Sportkommission des A. C. S. die für ein erstes Rundstreckenrennen in Montreux geplante Strecke in Augenschein genommen und dabei wohl deren interessanten Verlauf, aber auch viele Mängel und gefährliche Stellen festgestellt. Der heutige Zustand des für das Rennen in Betracht kommenden Circuits zwingt die N. S. K. zur vorläufigen Ablehnung einer Rennbewilligung. Sie wird diese erst erteilen können, wenn alle kritischen Partien ausgebaut sind. Man scheint sich in Montreux allen Ernstes der Sache anzunehmen, denn bereits weiss die lokale Presse Näheres über den geplanten Verlauf des Rennens zu geben, wie es nach den Ausbesserungsarbeiten stattfinden würde. Die Rundstrecke ist drei Kilometer lang und müsste hundertmal, demnach über 300 km, befahren werden. Die Formel würde nach dem Muster des Grossen Preises von Monza gewählt und sieht Ausscheidungsläufe und ein Finale für die neun besten Piloten vor. Der Sieger soll 25,000 Fr. erhalten, der Zweite 15,000 Fr. usw. Die notwendigen Ausbesserungsarbeiten der Strecke werden auf rund 120,000 Fr. zu stehen kommen. Da man mit einem Gewinn von mindestens 10,000 Fr. pro Rennen rechnet, würde sich diese Kapitalanlage mit acht Prozent verzinsen. Das Rennen müsste natürlich jedes Jahr zur Austragung kommen. Sogar die Trainingszeiten sind schon festgelegt worden (!), und zwar auf Donnerstag, Freitag und Samstag vor dem Rennen von morgens 8.30 bis 10 Uhr, und das Rennen selbst soll an einem Sonntag zwischen 14 und 18 Uhr stattfinden.