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E_1933_Zeitung_Nr.104

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BERN, Dienstag, 19. Dezember 1933 Nummer 20 Cts. 29. Jahrgang - N» 104 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint Jeden Dienstag und Freitag Monatlich „Gelbe Uste** Halbjährlich Fr. 5.—, jahrlich Ft. 10.—. Im Ausland unter Portozusehlag. Nttn nicht postanvtlich bestellt. Zusehlag für postamtUehe Bertellung 30 REUAKTION a. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97. Bern Rappen. Poitehack-Kechnung 111/414. Telephon 28.222 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Besteuerung der Motorfahrzeuge. Die Finanzkommission der französischen Deputiertenkammer hat in den letzten Tagen die Einführung eines neuen Gesetzes be- keiten begangen. Doch darüber weiter unten. schlossen, laut welchem inskünftig die Besteuerung der Motorfahrzeuge auf Grund Kriterium für die ungefähre Motorleistung Heute stimmt die Steuerformel selbst als ihres Benzinverbrauches geschieht. Die Regierung erhebt dazu von den Brennstoff- eines Motors berechnen zu können glaubt, so nicht mehr. Wenn man mit ihr die Leistung Grosslieferanten pro Brennstoffeinheitsmenge können sich Werte ergeben, die der Wirk- einen bestimmten Betrag, der sich für den Verbraucher in einer Erhöhung des Brennstoffbezugspreises auswirkt. Zusatzbestimmungen des neuen Gesetzes sehen vor, dass die Nutzfahrzeuge ausser der Benzinsteuer noch eine ihrem Gewicht und ihren Abmessungen entsprechende Sondersteuer zu ent- ausmacht. Je weiter die Technik fortschritt, um so mehr muss das, was man früher als richten haben, während anderseits der all-angemessegemeinen Wohlfahrt dienende Fahrzeugklasnen. betrachtete, als Willkür erscheisen von der Steuerentrichtung entbunden Durch Wahl eines andern konstanten Faktors in der Formeil lässt sich natürlich das werden können. Damit ist in Frankreich ein Steuermodus Resultat der Wirklichkeit leicht etwas näher in Aufnahme gekommen, dessen Tragweite bringen und durch geeigneten Ansatz der fin Moment noch kaum überblickt werden Einheitstaxe für die « Steuerpferdestärke» kann. Erst die Zukunft wird lehren, welche hat man es in der Hand, weitere Korrekturen Auswirkungen er auf den Verkehr haben vorzunehmen. Doch äst das nur Flickwerk. wird. Es fehlt nicht an Stimmen, die dem Und sicher hat es keinen Sinn, immer und Experiment ein klägliches Fiasko prophezeien, ein Fiasko, wie es in ähnlichen andern vornherein nur Notbehelf war. Dass man ewig an einem Ding herumzuflicken, das von Fällen tlbrigens auch schon zu verzeichnen sich an den gegenwärtigen Steuermodus gewöhnt hat, bedeutet sicher keinen Grund, war. Trotz allem lässt sich jedoch nicht bestreiten, dass die Besteuerung der Motorfahrzeuge auf Grund ihres Verbrauches auch rem abzulehnen. Um so weniger, wenn die von vornherein die Suche nach etwas besse- die Möglichkeit von Vorteilen bietet. Im folgenden sei deshalb etwas näher auf diesen ersichtlich sind und die dadurch verursach- Mängel des vorliegenden Systems so klar Gedanken eingegangen, obschon hier keineswegs definitiv für oder gegen das neue Sy- Nimmt man sich den ganzen Fragenkomten Ungerechtigkeiten so offen zu Tag liegen. stem Stellung genommen werden soil. plex näher vor, so ist einmal sofort zu er- Man kann sich vorerst fragen, wozu eine Motorfahrzeugsteuer überhaupt zu dienen hat. Zweifellos hat die Steuer nur dann Daseinsberechtigung, wenn sie das Entgelt für verursachte Strassenabnützung darstellt. Wie lässt sich dieses Entgelt bemessen ? Wir sind von Alters her gewohnt, und unseren meisten Nachbarn geht es nicht anders, dass irgendwie die « Grosse » des Fahrzeuges massgebend sein muss. Um diese Grosse zu erfassen, führte man seinerzeit die Steuerformel ein, die zwar nicht das Gewicht und den Raumbedarf des Fahrzeuges F E U I L L E T O N Der geheime Kampf. Roman von Philipp Klein. (33. Fortsetzung) Vom Tage Der Journalist hatte eine dieser Broschüren in seinem Schreibtisch und Hess sie Eberhard sehen. Schon ein oberflächlicher Blick in das kleine grüne Heft zeigte Eberhard, dass die Broschüre mit ausserordentlichem Geschick gemacht war. In einem untadeligen Deutsch geschrieben, ordentlich und auf gutem Papier gedruckt. Der Inhalt: ein Artikel eines deutschen Universitätsprofessors, der in der Schweiz lebte, und geschickt zusammengestellte Aeusserungen eines deutschen Diplomaten, der ebenfalls ausserhalb der deutschen Grenzen war und seiner zu der Reichsregierung in schroffem Gegensatz stehenden Meinung klar und deutlich Ausdruck gab. Die Alleinschuld Deutschlands an dem Weltkrieg war «bewiesen». Wenn die Broschüre grössere Verbreitung fand, konnte sie nicht ohne Wirkung bleiben, gerade weil sie bis zu einem gewissen Grad gemässigt gehalten war. Eberhard erinnerte sich an das deutsche «Propagandamaterial», das er in Berlin gesehen hatte. Ein Reichtagsabgeordneter und Parteiführer hatten das Material zusammengestellt. In einem schauderhaften Französisch, von Druckfehlern wimmelnd, elend gedruckt, auf miserablem Papier — damit wollte man erfassten, jedoch einen ungefähren Anhalt für die Beurteilung der Motorleistung gaben. Zweifellos hatte man damit um des lieben Friedens willen schon mehrere Ungenauig- lichkeit so wenig entsprechen, wie ein Huhn einem Hühnerei. Jeder Automobilist weiss, dass die effektive Leistung seines Motors meist den doppelten, wenn nicht den dreibis vierfachen Betrag der « Steuerleistung» auf die Neutralen, auf die Franzosen wirken! Die «Anderen» verstanden sich besser auf die «zivile» Kriegsführung. «Le Petit» übernahm es, das Material nach dem Elsass zu bringen und für die Weiterbeförderung zu sorgen. Man schien vor Eberhard keine Geheimnisse zu haben. Die Namen der Vertrauensleute in Deutschland wurden ganz offen genannt, oder doch so bezeichnet, dass sie unschwer eruiert werden konnten. Man schien sich hier sehr sicher zu fühlen; wenn gelegentlich einmal einer von den deutschen Verrätern erwischt und erschossen wurde — was machte das schon aus! Es fand sich stets schnell Ersatz. — Aber es handelt sich bei dieser Konferenz nicht um Propaganda allein, sondern auch um wichtigere Dinge. «Le Grand» zog einen Plan aus seiner inneren Rocktasche und legte ihn auf den Tisch. «Das sind», sagte er, «die Longawerke. Die Zeichnungen sind absolut verlässlich; sie stammen von einem Vorarbeiter, der schon lange für uns arbeitet und in den Werken selber wohnt. Er ist da zugleich eine Art von Hausmeister. Sie sehen hier die rot eingezeichneten Stellen. Wenn an diesen fünf Stellen ein bestimmtes Quantum Sprengstoff zu gleicher Zeit zur Entladung gebracht wird, fliegen die gesamten Werke in die Luft. Die Möglichkeit, den Sprengstoff unterzubringen, besteht, da der Vorarbeiter, wie gesagt, in den Werken wohnt. Aber an Ort und Stelle haben wir keinen Sprengstoff. Die Möglichkeit, ihn von der Schweiz über die Grenze zu schaffen, muss bezweifelt werden. kennen, dass eine « Steuerleistung» für die I Strassenabnützung nicht mehr massgebend sein kann. Tatsächlich befördert heute mancher moderne, kleine Motor bei entsprechend höherer Strassenabnützung bedeutendere Gewichte mit viel grösserer Geschwindigkeit, als es manches andere Modell höherer Steuerleistung, jedoch 5—10 Jahre älteren Ursprungs, zu tun vermag. Aber selbst, wenn sich die effektive Leistung von Fall zu Fall erfassen Hesse (was praktisch kaum möglich ist), wäre der Anhalt für die Strassenabnützung noch lange nicht gegeben. Einmal blieben ja die Einflüsse des Gewichtes und der Geschwindigkeit unberücksichtigt. Unberücksichtigt bliebe aber vor allem der Faktor von grösster Bedeutung : Die zurückgelegte Kilometerzahl, d. h. die Länge der auf Abnützung beanspruchten Strecke. Keine Steuerberechnung, die den Steuerbetrag als Entgelt für die Strassenabnützung betrachtet haben will, kann ohne den Faktor Kilometerzahl auskommen. Es ist ja ohne weiteres denkbar, dass dieser einen höheren Wert annimmt als alle übrigen, genau, wie man sich auch den Fall vorstellen kann, dass er zu Null wird und infolgedessen auch jede Strassenbenützung ausbleibt. Sucht man nach Möglichkeiten, um den Faktor « Fahrkilometerzahl > in der Steuerbemessung zur Auswirkung zu bringen, so bleibt praktisch kaum eine andere Möglichkeit als die, ihn anhand der verbrauchten Brennstoffmenge zu bestimmen. Technisch geht es ja nicht an, jedes Fahrzeug etwa mit einem zwangsläufigen Kilometerzähler, dessen Registrierung alle Jahre den Behörden mitgeteilt werden müsste, auszurüsten. Ein anderer Masstab zur noch direkteren Ermittlung der Strassenabnützung, nämlich die Erfassung und Besteuerung des Pneuverschtleisses, scheidet aus technischen Gründen ebenfalls aus. Anderseits bietet dem gegenüber die Brennstoffbesteuerung noch den wertvollen Vorteil, als Anhalt für das beförderte Gewicht zu dienen. Praktisch dürfte die Berechnung der Steuer auf Grund des Brennstoffverbrauches nicht die geringsten Schwierigkeiten bereiten oder sogar gegenüber der bisherigen Berechnungsart noch Erleichterungen bringen. Wir sind uns vollkommen bewusst, dass man trotzdem auch bei ihr nicht ohne gewisse Korrekturen auskäme. Wir übersehen auch die Gefahr nicht, dass der Staat bei der Einführung einer Benzinsteuer eventuell der Versuchung unterliegen könnte, nebenbei den alten Modus beizubehalten, so dass letzten Endes die Belastung für den Automobilisten nur noch grösser würde. Trotzdem glauben wir nicht, dass man die Dinge weiter so hinnehmen muss, wie sie sind, und dass nicht auf bessere Einsicht gehofft werden kann. Wenn heute der Besitzer «ines mittelstarken Wagens allein an Automobilsteuergebühr 300—500 Fr. hinzulegen hat, bevor er überhaupt nur einen Kilometer fahren darf, und wenn, so er den Wagen vielleicht jährlich Man müsste in Deutschland selber das Nötige auftreiben. Ich kann es augenblicklich nicht riskieren, über die Grenze zu gehen. Haben Sie jemanden, der dazu geeignet scheint?» Der Journalist dachte nach. Sein Blick fiel auf Eberhard. «Was halten Sie von der Sache?» «Sie meinen, ob ich persönlich...?» «Sie verstehen doch, mit Sprengstoffen umzugehen?» «Allerdings. Aber dazu muss ich sie erst haben. In Deutschland habe ich, wie Sie sich denken können, keinerlei Beziehungen, die in einer solchen Sache in Betracht kommen.» «Die Beziehungen würde ich Ihnen schaffen. Ausserdem auch natürlich die Möglichkeit, über die Grenze zu gehen, ohne dass sie sich den deutschen Grenzwächtern und dem deutschen Militär zu zeigen brauchen.» «Wenn Sie das machen können — warum nicht?» «Gut. Wir sprechen nachher noch darüber.» Es wurden noch verschiedentlich Vorschläge erörtert, nach Deutschland bestimmte Eisenbahnzüge zu zerstören, und «le Petit» hatte die hübsche Idee, Gift in die Wagen zu streuen, die Vieh über die deutsche Grenze bringen sollten. Aber Stein hielt davon nicht viel und war ausserdem der Meinung, dass man in der Schweiz selbst keine Anschläge zur Ausführung bringen sollte — es war zu gefährlich! Als die beiden «Individuen» sich entfernt hatten, erstattete Eberhard dem .Anwalt zunächst Bericht über das, was er von seinen INSERT10NS-PREIS: Die aehtgespaltene 2 mm hohe Grundzelle oO* deren Baum 45 Cts. für die Schweiz; (Ur Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. Grössere Inserate nach Seitentarif. Inseratemehluu 4 Tage vor Erscheinen der Nummern nur 5000 km benützt, auf den Fahrktlometer 10 Rp. Steuer entfallen können, so ist das ein Unsinn, der den Möglichkeiten unseres hochentwickelten Zeitalters einfach Hohn spricht. m. Ermüdungserscheinungen (Limousinen-Krankheit). Die Arbeitsphysiologie befasst sich mit dem vielgestaltigen Problem «Mensch und Arbeit». Sie studiert die Rückwirkungen der Arbeit j auf den menschlichen Organismus und ermittelt die günstigste Form der Arbeitsgestaltung; sie bekämpft die Ermüdung; sie sucht Maschine und Arbeitsgerät der Eigenart des Menschen anzupassen. Alle diese Untersuchungen kommen auch den Motorfahrzeugführern zugute. Darüber hinaus stellt das Motorfahrzeug der Arbeitsphysiologie aber noch eine Reihe besonderer Aufgaben. Es sei nur erinnert an ermüdende Bedienungsgriffe oder an sinnwidrig angebrachte Verkehrszeichen, welche die Blicke des Fahrers vom Strassenverkehr in die höheren Regionen der Lüfte ablenken. So interessant es für einen Arbeitswissenschaftler ist, auf diese Dinge im einzelnen einzugehen, so möchten wir, schreibt Prof. Dr. Atzler in der Verkehrswarte, heute ein anderes Thema besprechen, das uns praktisch noch viel wichtiger zu sein scheint, nämlich die sogenannte Limousinenkrankheit. Von ihr werden viele Menschen befallen, die in geschlossenen Limousinen längere Zeit fahren. Die Krankheit äussert sich in Kopfschmerzen und einem betäubungsähnlichen Ermüdungsgefühl; bei besonders empfindlichen Personen kann es sogar zum Erbrechen kommen. Und gerade dieses letztgenannte Symptom veranlasste viele Mediziner dazu, die «Limousinenkrankheit» auf die gleiche Ursache zurückzuführen wie die allbekannte Seekrankheit, nämlich auf die schwindelerregenden, rhythmischen SchwankuYigen des Fahrzeuges. Aber während die Seekrankheit meist sofort verschwindet, wenn man festen Boden unter den Füssen hat, beobachten wir bei der Limousinenkrankheit kein Nachlassen der Symptome, wenn der Patient das Fahrzeug verlässt. Auch der Umstand, dass die Limousinenkrankheit nie bei Fahrten im offenen Automobil beobachtet wird, weist uns darauf hin, dass die Erschütterungen keinesfalls als alleiniges auslösendes Moment der Krankheit in Frage kommen können. russischen Freunden gehört hatte. Das heisst, er teilte ihm mit, was dieser wissen durfte; die Fortschritte der Aktion der bürgerlichen Linken. Der Journalist schien sehr interessiert, machte sich Notizen und versprach, dafür zu sorgen, dass diese Art von Berichten von einer interessierten Stelle "anständig honoriert würde. Dann kam er wieder auf die «Longawerke» zu sprechen, die der Entente offenbar sehr unangenehm waren. «Der Plan», sagte er, «mag auf den ersten Anblick sehr abenteuerlich erscheinen, und er ist es auch, wenn sich Leute mit ihm beschäftigen, wie die beiden Herren, die Sie eben gesehen haben. Aber in dem Augenblick, Herr Naschtschenko, da er gewissermassen seriös in Angriff genommen wird, ist die Sache ganz anders. Die Möglichkeit,, den nötigen Sprengstoff zusammenzubekommen, besteht. Es muss nur jemand dahinter sein, der mit solchen Sachen umzugehen weiss. Wenn Sie in Deutschland sind, die Verbindung mit meinen Vertrauenspersonen aufgenommen haben, bin ich überzeugt, dass Sie in vierzehn Tagen diese verdammten Werke hochgehen lassen können. Was halten Sie von der Sache? Ich bemerke, dass für einen solchen Schlag natürlich ganz andere Honorare bezahlt würden, als für Berichte aus russischen Emigrantenkreisen!» Eberhard schien nachzudenken. «Man riskiert natürlich dabei sein Leben», sagte er. «Wenn ich es tue, dann muss ich präzise wissen, was für mich dabei herausschaut — Sie entschuldigen — auf Versprechungen hin