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E_1933_Zeitung_Nr.104

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10 AUTOMOBIL-REVUE

10 AUTOMOBIL-REVUE 1933 - N° 104 mn •_ ^ m m nicht, so empfiehlt sich doch wenigstens nach die- " ^*»*»»» ipVOlhsaal eer Fahrstrecke im Interesse einer ruten BrennpmauMHMwiiif'*|V'f^^W1M1TiTIIWIilllMMIIMMilTlflllWraiMBW stoffausnützun? ein Einschleifen der Ventile. Von _ „„.„ , .. __. , _. der Verwendung verschiedener Benzinmarken ist Frage 8919. Pneufrasen. .Welche Firma liefert kein merklicher Einfluss auf die Schnelligkeit des Fräsen, um Lastwagen-Vollreifen mit einem neuen RussansaUes zu erwarten. at. Profal zu versehen? A. A. m B. Frage 8920. Fliegender und stehender Kilo- , /f a °? ^ Störung des Ladevorganges. Das meter. Man liest häufig in Ihrer Zeitung vom Ladekontrol lampchen meiner vjerpohgen 12-Vo.lt- « fliegenden Kilometer» und vom «stehenden Dynamo erlischt, mit wenig Ausnahmen erst bei Kilometer» bei Rekordversuchen usw. Für eine «?« Geschwindigkeit von c^u 45 km/St-, statt wie Erklärung dieser Sportausdrücke bin ich Ihnen sehr •*"&** «hon bei 18 km/St Dadurch wird die Batdankbar G M in Z 6 P ar ' lcn gespiesen. Als Eigenart sei beene ee r . . „. _ . . _, . ' _.. ' merkt, dass das Lämpchen bei abnehmender Ge- An_t wort: Eine Fahrt über einen Kilometer schwi ndi g keU m nO rtnalem Zeitpunkt wieder a«fmit fliegendem Start will heissen, dass das Fahr- leuchtet nämlich bei 20 km/St, also arbeitet dor zsug schon auf Anlauf in die gemessene Kilometer- Reg!er in , der phage normal Eine Verschmutzung strecke hineinfahrt. Gewohn ich wird dabei die de$ Vibrier-Regulators liegt nicht vor, auch sind Anlaufstrecke so_ gross gewählt, dass das Fahrzeug die Bürsten sauber, ebenso sitzen letztere gut auf beim Einfahren m den abgemessenen Kilometer be- dem KoI!ektor. Die fragliche Dynamo besitzt konreits. annähernd auf seiner maxraalen^ Geschwin- tinuierlichen stronl welcher auf ParalleJ-Erregung digkeit angelangt ist. Die Bedeutung eines «Kilo- basiert ist Wekher FeMer k5nnte hierin vor. meters mit stehendem Start > werden Sie darnach ij egen ? W B in F ohne weiteres verstehen. Die abgemessene Kilo- . . •»» TT i » t ,.' " M J meterstrecke wird dabei absolviert, indem aus dem , Antwort: Dem umstand nach beurteilt, dass der Stillstand ansefahren wird at L adevorgang bei abnehmender Dynamo-Tonren- •stiUstaaa angelanren wird. at. ^ b(j} f 2Q ^ ^ Faf, T gj S8 < ! i iwill j| i g bBH ^ ^ ^ Frage 8921. Rostiges Kühlwasser. Ich verwende aussetzt und sich nur bei steigender Tourenzahl für den »Kühler des Wagens nur Regen wasser oder anormal verhalt, spricht eher dafür, dass^ etwas im destilliertes Wasser. Als ich nun dieses abliess, . Relais nicht in Ordnung ist. Gänzlich schhesst das bemerkte ich, dass das Wasser rostig, war, was ein e Störung m der Stromabgabe der Dynamo mich sehr beunruhigte. Wie kann ich dem vorbeu- nicht aus. Da eine richtige Kontrolle der Anlage gen? Wäre es nützlich, den Kühler mit Sodawasser Prufinstrumente erfordert,,über die Sie wohl kaum auszuspülen? G. M. in D. verfugen, raten wir Ihnen einen Spezialisten zu , . , T,- T> »u-u • TT-I.1 . konsultieren. Ein Pröbeln führt hier nur selten An wort: Die Rostbildung im Kuhlsystem zuffl ziel d kann leifcW den Schaden nur T8r. stellt eine alltäglich zu beobachtende Erscheinung g r g ggern ,: at dar und hat, wenn sie nicht übermässig stark auftritt, keine praktische Bedeutung. Ein Ausspülen Frage 8924. Wirkungswelse der Jaener-Gedes Kühlsystems mit Sodawasser würde den Uebel- schwindigkeitsmesser. Nach welchem Prinzip argtand nur verstärken. Sollte die Rostbildung so' beiten die bekannten Jaeger-Geschwindigk'eitsnwsstark sein, dass Anlass zu Befürchtungen besteht, scr? - ' • F. K. in K so können Sie eines der zu ihrer Beseitigung im Antwort: Der Jaeger-Geschwindigkeitsmes- Autozubenor-Handel erhältlichen Spezialpraparate ser registri erti ähnlich wie auch der Tel-Geschwinverwenden. Auf Wunsch können wir Ihnen der- digkeitsmesser, die in einer gewissen Einheitsartige Präparate angeben. at. zeit VDn) Wagen zurückgelegte Wegstrecke. Eine .,„ ... ,. •,»••. Art Uhrwerk Verbindet den Anzeige-Mechanismus- T[ a9e T i P 2 - Abnül J . zun ? bw •; »orcleirtern Betrieb. interniittierend während gleich langer Zeitspan,' Welche Lebensdauer ist bei einem Sechszylinder- nen mit dem Antrieb. Rotiert der Antrieb- rasch, Amenkanerwasen der billigeren Preislage der von , gQ ertei]t : er dem Anzeige-Mechanismus während einem Reisenden ständig stark beansprucht wird, der Einheits-Zeitspaime eine grosse Verschiebung, von den Pneus zu erwarten? Nach wieviel Kilo- der Zeiger fflacht a]g0 auf dem zifferblaU einen metern soll der Motor normalerweise entrusst wer- grossen Ausschlag. Rotiert der Antrieb nur langden müssen? Kann es einen Emfluss auf die Ver- ganli wie es bei i angsam fahrendem Wagen der' russung hahen, wenn man nicht immer die gleuhe Fall ist> g0 entsteht während der Einheits-Zelt- Benzinmarke tankt, sondern je nachdem das Ben- spanne nur eine geringe Verschiebung des Anzin, das gerade zu finden ist? P. Q. in Z. zetee-Mechanismus, der Zeiger macht, auf dem Antwort: Bei normalem, wenn auch sehr Zifferblatt nur einen kleinen Ausschlag, häufisem Gebrauch des Wagons durch einen Oe- Die notwendige Einheitszeitspanne wird durch • Bchäftsreisenden sollten die Reifen 25.000—30.000 eine Unruhe, wie sie auch die Taschenuhren auf- Kilometer aushalten Werden überwiegend schlechte weisen, dosiert. Konstruktiv zeigt der Zähler dazu , Strassen befahren, so könnte sich die Lehensdauer folgenden Aufbau: eventuell auf 15.000 km vermindern, Während bei Die biegsame, von einem Wagenrad oder den? einem' Betrieb auf ausschliesslich guten Strassen Getriebe in Umdrehung versetzte Welle, treibtüber vielleicht 35 000 km möglich sind. Eine sehr grosse eine Rutschkupplung eine kleine Nockenwelle an, Rolle spielt natürlich die Art und Weise, wie de.r deren Umdrehungszahl durch die erwähnte Un- Wagen bedient wird. Ständiges abwechsiunsswei- ruhe konstant gehalten wird. Eine Nocke der ses Anfragen mit Vollgas und scharfes Abstoppen sich drehenden Nockenwelle bewirkt, dass der Anvermiijrlert die Pneulebensdauer mindestens um zeige-Mechanismus immer während % Sekundent 10.000 km. ., • mit der biegsamen Welle verkuppelt wjrd. Di?-. Die,.:.Notwendigkeit_ zum Entmssen stellt sieh' sich drehende Welle rückt dann •den Zeiger wjih^gewöbniieh naeh 15.ÖÖ0 bis 25.000 >m ein. "Wenn rend dieser Zeit um einen bestimmten Betrasr "vor? der dem In der Zeiteinheit zurückgelegten Weg, also auch der Geschwindigkeit, entspricht. Da sich die Nockenwelle gleichmässig weiterdreht, würde nach Ablauf der *A Sekunde der Zeiger wieder auf Null zurückfallen. Durch eine zweite. Nocke, die den entkuppelten Anzeige-Mechanismus vorübergehend festhält, wird dies jedoch verhindert. Die Festhalte-Nocke bleibt solange in Funktion, bis eine dritte Nocke eine neue Messung analog der zuerst beschriebenen vorbereitet hat In diesem Moment wird die Arretierung des Anzeige-Mechanismus aufgehoben und der Zeiger kann sich wieder neu einstellen. In unserer Skizze stellt D den Anschluss der Antriebswelle dar, E den Balancier, der mit Hilfe der Unruhe (links) die Tourenzahl der Nockenwelle (rechts) konstant hält, nnd M die Achse des Zeigers. Die auf der Zeigerwelle sichtbaren Zahnrädchen und Scheiben dienen zum Vorschieben bzw. Arretieren des Zeigers. *t. • |uvist. Spvechsaal Anfrage 359. Beanstandung der Höhe der Reparaturrechnung. Ich führte einem Kunden eine Motorrevision aus. Am Ende des Monats machten wir wie üblich sämtliche Fakturen. Auf den Rechnungsformularen befindet eich ein Aufdruck: Reklamationen können nur innert 8 Tagen nach Empfang der Faktur berücksichtigt werden. Der betreffende Kunde, dem die Rechnung zu teuer war, reklamierte mit einem eingeschriebenen Brief, der vordatiert war. Da die Reklamation >4 Tage zu spät einlief, nahmen wir sie auch nicht mehr an, indem wir den Kunden auf erwähnte Aufschrift aufmerksam machten. Dieser wollte trotzdem nicht -bezahlen,.' obschon ich die Rechnung etwas reduzierte. (Nach 4 Monaten.) Kurz gesagt, eine friedliche Regelung war nicht möglich. Wie stellt sich wohl der Richter zu dieser Anigtslegenhejt?•-•• ' W. L. in S. Antwort: Die Beanstandung der Höhe einer Repar,aturre,chnung darf nicht mit deT im Gesetz? geregelten- Mängelrüge verwechselt werden. In bezug auf diese letztere bestimmt Art. 367 0-R. al- Tefrlings. Hass der Besteller das Werk so bald als möglich auf seine Beschaffenheit prüfen nnd allfälliäfe Mängel dem Unternehmer anzeigen eolle. Dagegen enthält daa Gesetz keine Vorschriften für die Fälle, in denen nicht die geleistete Arbeit, sondern •die Berechnung des Werklohnes beanstandet wird. Von Gesetzes wegen ist der Besteller also nicht verpflichtet, dem Unternehmer mitzuteilen, dass er die Reparaturrechnung ihrer Höhe nach nicht anerkennen will. Nun haben Sie allerdings auf Ihren Rechnungsformularen den Vermerk aufgedruckt, dass Reklamationen nur innert § Tagen nach Eingang der Rechnung berücksichtigt werden könnten. Allem es ist ganz klar, dass diese einseitige Erklärung für den Vertragsgegner in keiner Weise verbindlich sein kann. Der Umstand, dass der Besteller die auf der Rechnung angemessene Frist nicht einhielt, hindert ihn also nicht, die Zahlung zu verweigern und den Richter darüber entscheiden zu lassen, ob der Werklohn im Hinblick auf die geleistete Arbeit angemessen berechnet worden ist oder nicht. Anfrage 360. Haftung des Garaglsten bei Einbruch. In meiner Garage ist eingebrochen worden und aus zwei deutschen Wagen sind insgesamt drei Koffer erbrochen und Kleider im Werte von ca. 600—700 Fr. gestohlen worden. Eine Versicherung gegen Diebstahl besteht nicht. Bin ich im vollem Umfange für die in den Wagen aufbewahp> ten Gegenstände verantwortlich? H. S. in F. Antwort: Die Haftung der Stallwirte ist"in Art 490 des Schweiz. Obligationenrechtes geordnet Die für die Stallwirte geltende Haftung gilt analog auch für alle diejenisen, welche gewerbsmässig Beförderungsmittel (Pferde, Wagen, Auto«, Sidecars, sowie die dazugehörenden Ausrüstungsgegenstände, wie Reisedecken usw.) vom Reisenden' zur Einstellung entgegennehmen. Die Stallwirts haften für die Beschädigung, Vernichtung oder Entwertung der bei ihnen eingestellten oder von ihnen oder ihren Leuten auf andere Weise übernommenen Tiere und Wagen und der dazu gehörigen Sachen, sofern sie nicht beweisen, dass der Schaden durch den Einbringenden selbst oder seine Besucher, Begleiter oder Dienstleute, oder durch höhere Gewalt oder durch die Beschaffenheit der Sache selbst verursacht worden ist. Diese Haftung besteht jedoch, wenn dem Stallwirte oder seinen Dienstleuten kein Verschulden zur Last fällt für die übernommenen Tiere, Fahrzeuge und dazu gehörigen Sachen eines jeden Einbringenden nur bis zum Betrage von Fr. 1000.— Gestützt auf diese gesetzliche Bestimmung sind Sie somit bis zum Betrage von Fr. 1000.— haftbar, sofern der entstandene Schaden nicht durch den Einbringenden selbst oder seine Begleiter verursacht worden ist. — • Briefkasten der Re

Bern, Dienstag, 19.Dezember 1933 ///. Blatt der *' Automohi^^£' No ' 104 Weihnachten in Russland Eine kleine Weihnachtsgeschichte. «Rassolow,» sagte Dimitri Verga, «Rassolow, hier hat man eine Tanne geschlagen.» Rassolow, Gruppenführer der Grenzwache Lomsk, nahm den Karabiner vom Rücken und beugte sich zu dem winzigen Baumstumpf. «Richtig,» murmelte er, «da hat einer von den Kulacken den Wald des russischen Volkes bestohlen.» «Das ist nicht so schlimm,» sagte Dimitri Verga, «das gibt nicht mehr als zehn Tage Kerker. Aber heute ist der 24. Dezember. Der Kulacke hat den Baum gefällt, nicht um seine dreckigen Glieder zu wärmen, sondern um — Weihnachten zu feiern.» «Und das,» hob Rassolow den Kopf, «und das, meinst du, kostet zwei Jahre Zwangsarbeit?» «Jawohl,» nickte Dimitri Verga, «das meine ich. Und ich meine weiter, dass dies hier — und er zeigte auf den schneebedeckten Boden — die Fussspuren sind, die » «Hm,» machte Rassolow, «wir werden in der Bezirkszeitung eine lobende Anerkennung bekommen.» «Gewiss,» sagte Dimitri Verga, «wir werden in der Bezirkszeitung von Lomsk eine lobende Anerkennung bekommen, wenn wir » Sie gingen den Fussspuren nach. Eine Stunde. Und noch eine Stunde. Dann standen sie vor der Tür des Bauern Polja. «Im Namen des Volkes!» polterten sie. «Mach' auf!» Der Bauer öffnete. Die Grenzwächter gingen in die Stube. Ein Griff, und sie hatten die Tanne hinter dem Bett hervorgezogen. Ein kleines, verkrüppeltes Ding, aber bedeckt mit Fetzen von Staniolpapier, wie man es in den Zigarettenschachteln findet An den stärksten Zweigen aber hingen in Mehlstaub getauchte Tannenzapfen. Dimitri Verga nahm den Baum, Rassolow den Bauer. Zwei Stunden gingen sie zurück durch den Schnee. Dann sass Polja in der Zelle der Grenzpolizei von Lomsk, Rassolow und Dimitri Verga aber warfen den silberfunkelnden Baum auf den Tisch der Wachtstube. «Zwei Stunden habt ihr ihn getragen?» fragte der Kommandant. «Warum habt ihr ihn nicht fortgeworfen?» Rassolow zuckte die Achseln. Dimitri Verga kratzte sich den Kopf. «Ein anderer hätte Missbrauch damit treiben können,» sagte schliesslich Rassolow. «Und ausserdem,» murmelte Dimitri Verga, «wir müssen ihn als Beweisstück haben.» Der Kommandant nahm den Baum, schüttelte ihn und stellte ihn auf den Tisch. In dem Tisch war ein Loch, und der Stamm des Baumes passte genau hinein. Jetzt stand er da und funkelte. Rassolow, Dimitri Verga und der Kommandant betrachteten ihn. Dann ging Rassolow zu seinem Schrank, zögerte, schloss auf, nahm eine lange weisse Kerze heraus und schnitt sie in acht Stücke. Die Wachtstube wurde hell. Der Weihnachtsbaum leuchtete. Als aber Rassolow anfing, eine Melodie zu brummen, stampfte der Kommandant mit dem Fuss auf und ging hinaus. — Die Kerzen waren schon im Verlöschen, als er wiederkam. Das war mir Weihnacht Das war mir Weihnacht: in verschneitem Parke Ein stilles Haas an abgelegnem Plad — Am Himmel schwimmt des Halbmonds lichte Barke, Erglimmt das Gold verstreuter Sternensaat. Das war mir Weihnacht: tief ins niedre Zimmer Hängt leicht geschwärzter Deckenbalken Last ~. In alten Spiegeln bricht sich Kerzenschimmer — Es duftet nach verbranntem Tannenast. Das war mir Weihnacht: auf gebleichten Haaren Ein Glanz, der nicht von dieser Erde scheint — 0, dürft' ich knien vor euch, die schon seit Jahren Das gleiche Grab im Gottesgarten eint! 7. L. «Wo warst du?» fragte Dimitri Verga. «Ich habe,» sagte der Kommandant, und seine Brust hob und senkte sich, «ich habe ihn freigelassen.» «Wir werden keine lobende Anerkennung in der Bezirkszeitung bekommen,» flüsterte Dimitri Verga. «Und vier Stunden sind wir im Schnee gelaufen,» murmelte Rassolow. Dann sangen sie, leise, aber mit zitternden Bässen, ein altes russisches Weihnachtslied. H. R,-V. Die Geschichte des Spielzeugs Wie die erste Puppe — das beliebteste aller Spielzeuge — aussah, die eine Mutter dem Kinde in die Wiege legte, darüber schweigen sich Chroniken und Sagen- aus. Man darf jedoch ohne weiteres annehmen, dass es ein kleines, ungeschicktes, mit ungelenker Hand, aus Lehm geformtes Ungeheuer, oder ein so gut wie gar nicht zürechtgehobeltes Holzklötzchen gewesen sein muss, eine misslungene Nachbildung des Urtyps, den natürlich stets der Mensch abgab. Im Laufe der Zeit entwickelte sich der Weihnachtlicher Alpdruck. Schönheitssinn, es wuchsen die Kenntnisse und damit nahm auch die Puppe ästhetischere Formen an. Sie bildete natürlich nicht das einzige Spielzeug, das zur Freude der jungen Generation bestimmt war. Die Fabrikanten des Altertums verstanden auch, Tiere, Vögel und andere Gegenstände zu verfertigen, wobei sie sich nicht nur des Holzes und des Lehms, sondern auch des Elfenbeins und der Metalle bedienten. Plinius z.B. erwähnt einen gewissen Kaliistrates, der aus Elfenbein winzige Tiere von ausgezeichneter Gestaltungsform drechselte. Hyrmecides verstand Quadrigen (Viergespanne) und Schiffe zu formen, die eine Biene mit ihren Flügeln verdecken konnte! Bei Athenäus lesen wir, dass König Lysimachus, der 300 Jahre vor Christus lebte, einen feigen Höfling damit erschreckte, dass er einen täuschend ähnlichen Skorpion aus Holz auf dessen Kleid warf, vor dem der Höfling beinahe in Ohnmacht fiel. Nicht nur am Neujahrstage, sondern bei allen öffentlichen Festen beschenkte man in Rom die Kinder mit Spielzeug. Ebenso in Griechenland. Macrobius schreibt, dass man sich an den Sagillarien, die das Ende der Saturnalien bildeten, gegenseitig Wachskerzen und Lehmfiguren schenkte, mit denen später die Kinder spielten. Im Pariser Louvre ist eine bedeutende Sammlung solcher Figuren zu sehen. Aus den Ausgrabungen geht hervor, dass man damals auch Kleinode für Puppen kannte, ferner bronzene Glöckchen, Buchstaben aus Elfenbein, verschiedenartige Klappern, Bleifiguren und Spielzeugschachteln. Ein beliebtes Spielzeug war das trojanische Pferd, in dessen Innern Soldaten verborgen waren. Auch mit Hampelmännern, Bajazzound Harlekin-Figuren spielten die Kinder auf der Strasse zur Zeit des Perikles. «Diese Holzfiguren,» schreibt Apulejus, «nicken mit dem Kopf, verdrehen die Augen und heben die Arme in die Höhe.» Lehmfiguren sind gleichfalls uralt. Schauen wir nach Bajä, dem antiken Modebad der Römer. Im Gefolge der Patrizier befinden sich Höflinge, Geschäftsleute, Schmarotzen Die kleinen Mädchen erhielten dort «Tränen der Heliaden», was wir unpoetischer Bernstein nennen, verschiedenartigste Puppen, die man baden, an- und auskleiden konnte, und vieles andere mehr. Das Museum Giscari in Cotana besitzt eine schöne Sammlung von Puppen aus gebranntem Lehm und Elfenbein. Im Museum Campana ist eine Holzpuppe mit beweglichen Armen und Beinen. Die ältesten Stücke fand man jedoch in Gräbern: Rümpfe mit Löchern, die zur Befestigung von Köpfen, Armen und Beinen dienten. Die in Camarina gefundene Puppe besass eine gemalte Tunika. Wie aus verschiedenen Stellen bei den antiken Schriftstellern hervorgeht, waren diese Puppen, besonders die aus Wachs, sehr teuer. Die Kinder Griechenlands und Roms spielten genau so mit ihren Puppen wie die Kinder unserer Tage. Ja, man opferte Puppen verschiedenen Gottheiten, besonders Bacchus. Starb ein Kind, dann opferte man sein Spielzeug vor allem den Göttern der Unterwelt und legte es in das Grab. Knaben opferten, wenn sie heranwuchsen, ihr Spielzeug Mars und Jupiter, Mädchen der Diana und Venus. Die heidnische Sitte, Spielzeug ins Grab zu legen, erhielt sich auch unter den ersten Christen. Die schönsten fand man im Grab der Maria, der Tochter des Stylikon. Die grösste Puppe ist 18 cm gross, die kleinste 6. Dann tauchen Puppen erst im 13. Jahrhundert wieder auf, wo sie nicht nur zum Spielen allein, sondern zur Verbreitung französischer Moden an Fürstenhöfen dienten. Im 17. und 18. Jahrhundert werden immer häufiger Puppen zum Geschenk an ausländische Höfe gesandt, wo sie die Rolle der Heizkissen besitzen stets einen im Innern montierten Feuchtschutz und dürfen daher auch zum Wärmen nasser Umschläge benützt werden. In Eiektriiitäts- und Sanitäts Beschatten ab Fr. 21." er hiltlich. F E U I L L E T O N Der geheime Kampf Von Philipp Klein. (Fortsetzung an« dem Hauptblatt.) Er wusste, dass man sich schon seit langer Zeit mit dem Gedanken eines Anschlages auf die Longawerke befasste — Eberhard machte sich jetzt keine Bedenken mehr, dass er diesen liebenswürdigen Diplomaten nach allen Regeln der Kunst betrog! Es wurde vereinbart, dass Eberhard als Uhrenreisender nach Deutschland gehen sollte — nicht offen über die Grenze, was vielleicht gefährlich hätte werden können, sondern auf einem anderen Wege, der sicherer und verlässlicher schien. Den Zeitpunkt des Antritts seiner Reise sollte er selbst bestimmen. Er schlug das Frühjahr vor. Der Graf war einverstanden. Stein zeigte Eberhard eine Liste von deutschen Vertrauensleuten — die Adressen musste er sich selbstverständlich merken, da der Journalist sie nicht aus der Hand gab. Es waren acht Namen. Man trennte sich mit herzhaftem Handschlag; Hatzberg sollte in ständiger Fühlung mit Stein bleiben und von ihm mit allem ausgerüstet werden, was zu der Expedition nötig war. Eberhard blieb in Fühlung. Mit dem Journalisten, den er fast jeden zweiten Tag entweder im Bureau oder in seiner Wohnung aufsuchte. Mit dem französischen Gesandten, der offenbar von dem «Vorhaben» Eberhards unterrichtet war und diesen brauchbaren Mann fortgesetzt gut honorierte, ihn Artikel schreiben Hess, die nie zum Abdruck gelangten... Und mit den Russen, die von Woche zu Woche zuversichtlicher wurden. Inzwischen gingen die Ereignisse ihren furchtbaren Gang weiter. Die Entente hatte den Vorschlag der Mittelmächte, Friedensverhandlungen einzuleiten, schroff abgelehnt Daraufhin erklärte Deutschland den unbeschränkten U-Boot-Krieg. Es war den zuständigen deutschen Stellen die Gefahr bekannt, dass die Vereinigten Staaten von Amerika nunmehr erwogen, an der Seite der Entente in den Krieg einzutreten, den sie lange genug gewünscht hatten; aber man dachte in Berlin: vor Jahresfrist können die amerikanischen Truppen nicht nach Europa kommen, und bis dahin muss der U-Boot-Krieg eben seine Schuldigkeit bereits getan haben. Der französische Gesandte in Bern lachte herzlich, als er mit Eberhard über diesen deutschen Optimismus sprach. Am 18. März brach in Russland die Revolution aus. Eberhards russische Freunde hatten recht behalten; ihre Berechnung hatte genau gestimmt. Die Diplomaten der Entente waren durch dieses Ereignis durchaus nicht niedergeschmettert, wie man in Berlin glaubte; sie wussten genau, dass die neuen Beherrscher Russlands den Krieg fortführen würden, und zwar energischer, als es die Zarenregierung getan hatte. Eberhard und seine russischen Freunde erwarteten einen energischen Vorstoss des deutschen Ostheeres, der die russischen Linien über den Haufen werfen und die Autorität der neuen Regierung erschüttern musste. Aber es geschah nichts. Die Berliner Diplomaten waren der Obersten Heeresleitung in den Arm gefallen; die neue Regierung in Russland musste geschont werden, denn vielleicht gelang es, mit ihr in Friedensverhandlungen einzutreten. .Wozu habe ich eigentlich die ganze Zeit gearbeitet?' — dachte Eberhard. Er war sehr enttäuscht — seine russischen Freunde waren es nicht minder. Denn es ging kostbare Zeit verloren. Dann ereignete sich etwas, was Bern noch mehr in Aufregung brachte als die Ereignisse auf der Weltbühne. An dem Abend, an dem Eberhard seine Fahrt nach Deutschland antreten sollte — er war genau informiert, an welcher Stelle des Bodensee-Ufers der Mann mit dem Kahn auf ihn wartete! — wurde der Journalist Stein verhaftet. Auch Graf Mougeot wurde nach Bern geholt und ins Gefängnis eingeliefert Desgleichen eine Anzahl von Uhrenreisenden, von Hotelangestellten, die Briefe vermittelt hatten, und einige Fremde, die zu den häufigsten Besuchern des Bureaus von Stein gehört hatten. Die Schweizer Regierung zog nun endlich die Schlinge zu. Eberhard stürzte auf die französische Gesandtschaft — der Gesandte hatte sich schon in seine Privatwohnung begeben. Eberhard suchte ihn dort auf; er musste über eine halbe Stunde warten, bis er empfangen wurde. «Exzellenz — ich muss so schnell wie möglich fort! » (Fortsetzung folgt.)