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E_1933_Zeitung_Nr.100

E_1933_Zeitung_Nr.100

BERN, Dienstag, 5. Dezember 1933 Mit Autler-Weihnachten Nummer 20 Cts. 29. Jahrgang - N° 100 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Ericheint Jeden Dienstag and Freitag Monatlich „Gelbe Liste" Halbjährlich Fr. 5 , jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portozuschlag, •efern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung 30 REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breltenrainstr. 97, Bern Rappen. Postcheck-Kechnung II1/414. Telephon 28.222 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzelle oder deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cti. Grossere Inserate nach Seitentarif. Inseratenschluss 4 Tage vor Erseheinen der Nummern Eisenbahn und Automobil Einleitender Bericht des Ausschusses Unabhängiger Sachverständiger an die Internationale Handelskammer. Gemäss dem von der Internationalen Handelskammer auf dem Washingtoner Kongress (Mai 1931) gefassten Beschluss ist ein Ausschuss Unabhängiger Sachverständiger, in welchem die Schweiz durch Dr Junod vertreten war, zum Studium der Beziehungen von Eisenbahn und Auto gebildet worden. Diesem Auschuss liegen ausführliche Berichte aus 37 Ländern vor, die auf Grund eines einheitlichen Fragebogens in ihrer Gesamtheit eine umfassende Uebersicht über die gegenwärtige Lage auf diesem wichtigen Gebiet geben. Zur Frage der Koordination von Eisenbahn- und Kraftverkehr im Interesse der Gesamtwirtschaft, auch unter Berücksichtigung der übrigen Verkehrsmittel, hat der Wiener Kongress der Internationalen Handelskammer (vom 29. Mai bis 3. Juni 1933) die Einberufung einer allgemeinen internationalen Konferenz vorgeschlagen. Diese Konferenz soll sich besonders mit denjenigen Fragen befassen, hinsichtlich derer eine international einheitliche Lösung sich als wünschenswert erweisen könnte. Angesichts der in einigen Ländern inzwischen eingetretenen bzw. bevorstehenden Veränderungen wurde aber beschlossen, dass der Ausschuss einen einleitenden Bericht noch vor dem Erscheinen seines Hauptberichts veröffentlichen sollte. Die Arbeiten des Auschusses wurden, wie bereits in Nr. 92 der « A.-R. » kurz dargelegt war, von folgenden Grundsätzen bestimmt: 1. Industrie, Handel und überhaupt alle Verkehrsbenutzer brauchen billige und leistungsfähige Beförderungsmittel, die weitestgehend ihren besonderen Bedürfnissen angepasst sein müssen. 2. Die Umbildung innerhalb des bis in die letzten Jahre von den Eisenbahnen de facto ausgeübten Verkehrsmonopols und die gegenseitige Abhängigkeit der verschiedenen Verkehrsmittel voneinander machen in jedem Lande eine einheitliche Verkehrspolitik notwendig. 3. Das wesentliche Ziel einer solchen Politik muss sein, durch Koordination aller Verkehrsmittel jedem Verkehrsmittel den Verkehr zu sichern, den es am besten bedient, und Ueherschneidungwt zu vermeiden, deren finanzielle Mehrbelastung letzten Endes die Gesamtheit der Verkehrsbenutzer zu tragen hätte. F E U I L L E T O N Der geheime Kampf. Roman von Philipp Klein. (29. Fortsetzung) 21. «Wenn Sie annehmen, dass ich von Ihrer Räubergeschichte auch nur ein Wort glaube», schrie der Major-Auditor wütend, «irren Sie sich. Ich begreife überhaupt nicht, warum man sich erst noch die Mühe gemacht hat, Sie und Ihre,Dame'hierherzubringen—: an die nächste Wand gestellt und fertig! Mit solchem Gesindel räumt man möglichst gründlich auf, verstehen Sie?» Eberhard schwieg mit zusammengebissenen Zähnen. Man hatte Mercedes und ihn in einem vierzehntägigen Transport — Reise konnte man das nicht nennen! — nach Berlin geschafft und dem Militärgericht ausgeliefert. Die Behandlung, die man beiden von Anfang an angedeihen liess, war beinahe schlimmer, als Menschen aus Fleisch und Blut sie noch ertragen können. Einzelhaft - Verhöre — Verhöre — Einzelhaft. Dieser Major-Auditor, der seine Kriegspsychose an bedauernswerten Untersuchungssrefangenen austobte, war ein Sadist schlimmster Sorte; sein zweites Wort war: Erschiessen! Mit knapper Not, dass Eberhard überhaupt gestattet wurde, sich brieflich an den Obersten Staatsgewalt bestimmt, inwieweit sie der 4. Massnahmen im öffentlichen Interesse werden notwendig, sobald die Leistungsfähigkeit der einzelnen Verkehrsmittel infolge des gegenseitigen unterworfen sind. Ueberall werden jedoch Kontrolle und den Anordnungen des Staates Wettbewerbs gefährdet wird; dies gilt besonders die Eisenbahnen als öffentliche Unternehmungen betrachtet. vom Wettbewerb zwischen Eisenbahn und Kraftwagen. 5. Dem Staat kann nicht die Aufgabe zufallen, In den Ländern, wo die Entwicklung der den Status quo aufrechtzuerhalten kehrsmittel zum Nachteil des anderen zu begünstigen. Er hat vielmehr alle erforderlichen Bedingungen zur Sicherung der grösstmöglichen Leistungsfähigkeit aller Verkehrsmittel zu schaffen und deren Entwicklung im Interesse des Allgemeinwohls und des technischen Fortschrittes zu fördern. 6. Dieses Ziel lässt sich nur durch eine Reihe von Massnahmen erreichen, deren Art und Tragweite im einzelnen von den besonderen Bedingungen eines jeden Landes abhängig sind. Die Bedeutung einer rationelleren Verkehrspolitik ist besonders durch die Folgen des Wettbewerbes zwischen Eisenbahn und Kraftwagen in den Vordergrund getreten. Das Problem Eisenbahn- Automobil ist in allen zivilisierten Ländern mehr oder weniger gleich. Staat und Eisenbahn. Die Beziehungen zwischen Staat und Eisenbahn finden ihren Ursprung in der monopolartigen Stellung im Landtransport, welche die Bahnen bis zum Aufkommen des Kraftverkehrs in den von ihnen bedienten Gegenden innehatten. Die Bedeutung der Eisenbahn für die Ausweitung der Volkswirtschaft und für die Aufteilung der industriellen Standorte hat alle Staaten veranlasst, ihnen, unabhängig von den Eigentumsverhältnissen und der Form ihres Betriebes, Sonderrechte zu gewähren; .gleichzeitig wurden ihnen aber auch Verpflichtungen auferlegt, um die Regelmässigkeit im Verkehr zu gewährleisten. Die Entwicklung des Eisenbahnwesens wurde nicht ausschliesslich von wirtschaftlichen Faktoren bestimmt. In zahlreichen Ländern wurde der Bau von Eisenbahnstrecken bis zu einem gewissen Grade Erwägungen der Landesverteidigung untergeordnet. Häufig war auch der Wunsch ausschlaggebend, die zentrale Staatsmacht in entfernteren Landesteilen zu stärken. Im grossen und ganzen kann man sagen, dass der Eisenbahnbau nicht nach einem allgemeinen Plan durchgeführt worden ist. Die Ergebnisse und Nachteile dieses Mangels sind heutzutage deutlich sichtbar. Nicolai zu wenden; der Auditor sah darin nur ein Manöver, die Untersuchung hinauszudehnen. «Warum antworten Sie nicht!» «Es hat keinen Zweck, Herr Major-Auditor. Was ich zu sagen hatte, das habe ich gesagt. Sie glauben mir nicht. Ich kann es nicht ändern!» «Aber unverschämte Antworten geben können Sie!» «Ich wüsste nicht, warum meine Antwort unverschämt sein soll!» «Der Ton, den Sie anschlagen, ist unverschämt, verstehen Sie! Aber Sie werden schon zahm werden, wenn Sie vor den Musketenläufen stehen! Sie und Ihre angenehme Freundin!» Nun riss Eberhard doch die Geduld. «Herr Major-Auditor, Sie sprechen von Musketenläufen, vom An-die-Wand-Stellen, vom Erschiessen — ich weiss nicht, was Sie wollen! Selbst wenn ich nicht der Graf Hatzberg wäre, sondern der Russe Naschtschenko — wessen können Sie mich, wessen können Sie Fräulein Farere denn beschuldigen? Ich habe in Bukarest eine französische Zeitung herausgegeben — ist das vielleicht ein Verbrechen, das mit dem Tode bestraft wird? Am Tage nach dem Einmarsch der deutschen Truppen habe ich mich auf der Kommandantur gemeldet — kann ich da vielleicht Spionage für die Entente getrieben haben?» «Wie sprechen Sie denn mit mir?» Die verschiedenen Umstände, die die Entwicklung der Eisenbahnen bestimmten, haben auch ihrer Verwaltung den Stempel aufgedrückt. In jedem Fall, ob die Bahnen in privaten Händen geblieben oder Staatseigentum geworden sind, hat der Einfluss der oder ein Ver-Bahnen vorwiegend von wirtschaftlichen Einflüssen bestimmt worden ist, haben sie die kaufmännische Betriebsform beibehalten. Der Eisenbahnbetrieb auf kaufmännischer Grundlage wird erleichtert, wenn die Eisenbahnen als Privatunternehmen organisiert oder finanziell unabhängig sind. Der typische Fall der politischen Kontrolle liegt vor, wenn die Eisenbahnen im unmittelbaren Staatsbetrieb stehen. Will man der Frage Eisenbahn-Kraftwagen nähertreten, so ist es wichtig, diese Unterscheidung zwischen den beiden hauptsächlichen Richtungen der Eisenbahnverkehrspolitik ständig im Auge zu behalten. Mit dem Niedergang des Eisenbahnverkehrs lässt sich in fast allen Ländern die Bestrebung beobachten, kaufmännische Grundsätze stärker in Anwendung zu bringen. Die wirtschaftliche Lage der Eisenbahnen wurde durch die Tatsache erschwert, dass sie einer .grossen Anzahl von Beschränkungen unterworfen waren, besonders hinsichtlich der Arbeitsbedingungen, der Löhne und Gehälter, der Verpflichtungen gegenüber ihrem Personal und gegenüber der Oeffentlichkeit, und Staat und Kraftverkehr. In den ersten Zeiten Hess der Staat den Kraftverkehr nach dem Grundsatz des « laisser faire» gewähren. Das Zunehmen des Kraftverkehrs hat aber die meisten Staaten veranlasst, regulierend einzugreifen. Die verschiedenen Arten des Kraftverkehrs lassen sich wie folgt gliedern : Personenverkehr: 1. Begelmässige Linien; 2. Gelegentliche entgeltliche Beförderung; 3. Eigenbeförderung und unentgeltliche Beförderung in Privatkraftwagen. Güterverkehr- 4. Rogelmässige Linien; 5. Gelegentliche entgeltliche Beförderung; 6. Unentgeltliche Beförderung durch Privatlastwagen (Werkverkehr). Die Arten des Kraftverkehrs, die bisher jeder besondern staatlichen Regulierung entgangen sind, sind im wesentlichen die, bei denen die Beförderung in von den Eigentümern für ihre eigenen Zwecke benutzten Fahrzeugen kostenlos erfolgt. Dabei ist zu bemerken, dass der grösste Teil der Fahrzeuge zu dieser Kategorie gehört. Der Kraftverkehr hat die Beweglichkeit der Bevölkerung gefördert und neue Verkehrsmöglichkeiten geschaffen. Er hat gleichzeitig auf den Personen- und Güterverkehr der Eisenbahn übergegriffen. Diese Tatsache ist nicht nur auf die Preisgestaltung sondern auch auf die besondern Eigentümlichkeiten des Kraftverkehrs zurückzuführen. Dies trifft besonders für den Verkehr über kurze Strekken (bis zu ungefähr 150 km) wie für den Touristenverkehr zu. Im Güterverkehr bietet das Motorfahrzeug besondere Vorzüge für rasche Beförderung von Haus zu Haus, durch drückende Massnahmen, die zur Aufrechterhaltung der Verkehrssicherheit im all- eine kostspielige Verpackung benötigt, und für den Stückgutverkehr, der mit der Bahn gemeinen Interesse notwendig sind'. im allgemeinen für alle diejenigen Güter, für Eine besonders schwere Belastung dieser die die Bahn verhältnismässig hohe Frachtsätze erhebt. Art ergibt sich aus dem verhältnismässig hohen Lohnniveau, verbunden mit der Verpflichtung, ein grosses Personal zu beschäfverkehr von vornherein den Vorteil eines In den älteren Ländern hatte der Krafttigen; dies ist grossenteils dem direkten oder vor vielen Jahren ausgebauten Strassennetzes. Seine Entwicklung naoh dem Krieg indirekten Einfluss des Staates zuzuschreiben. Alle diese Lasten in ihrer Gesamtheit haben hat in allen Ländern zu einer erheblichen einen ungünstigen Einfluss auf die betriebliche Lage der Hauptbahnen gehabt. Sie bei müssen wiederum auch andere als wirt- Kapitalanlage im Strassenbau geführt. Hier- haben den Betrieb von Klein- und Lokalbahnen, die durch den Verkehrsrückgang und werden. Der Ausbau und die Verbesserung schaftliche Faktoren in Betracht gezogen durch die neuere Entwicklung des Kraftverkehrs ganz besonders betroffen worden die Erfordernisse des Verkehrs bestimmt. des Strassennetzes waren nicht immer durch sind, ernstlich gehindert, und in manchen Viele Strassennetze sind ohne einheitlichen Fällen sogar unmöglich gemacht. Plan angelegt. Ihren verschiedenen Teilen, «Wie ein empörter Mensch spricht, der zu unrecht misshandelt wird! Seit dem Frühling 1915 diene ich meinem Vaterland unter ständiger Einsetzung meines" Lebens. Ich habe mich in Situationen befunden, die gefahrvoller waren als manche Schützengräben, — besonders im Hinterland! Ich habe der Obersten Heeresleitung Dienste geleistet, von denen Sie keine Ahnung haben, und zum Dank dafür werde ich wie ein Verbrecher behandelt. Und wie ist erst die Behandlung jener Frau, die Sie meine ,angenehme Freundin' nennen! Wessen können Sie sie denn beschuldigen? Dass sie mit mir zusammen war? Sie werden mir nicht den Mund verbieten — jetzt schreie ich! Es ist genug! Ich habe mehr ertragen als möglich ist! Wenn das deutsche Volk aus lauter Exemplaren bestünde, wie ich sie in den letzten Wochen kennengelernt habe, dann wäre es wahrhaftig nicht mehr wert, als dass es zugrunde ginge! Das wollte ich ganz besonders Ihnen sagen! Und nun tun Sie, was Sie wollen!» Der Major-Auditor war, als Eberhard sehr laut zu sprechen begonnen hatte, blass geworden; jetzt lächelte er tückisch. «Endlich! Nun kommt Ihr wahres Gesicht zum Vorschein! Der Hass gegen das deutsche Volk!» In diesem Augenblick wurde yon einer Ordonnanz die Türe des kleinen Amtszimmers geöffnet, und — Oberst Nicolai trat ein. Er warf einen Blick auf den Auditor, der sich erhoben hatte und militärisch grüsste. Dann schritt er auf Eberhard zu und reichte ihm die Hand. «Herr Graf — ich wollte meinen Augen nicht trauen, als ich Ihren Brief erhielt. Es ist also wahr: Sie sind verhaftet!» «Jawohl, Herr Oberst, es ist wahr. Ich bin verhaftet. Man hat mich, man hat Mercedes Farere aus Bukarest hierher geschleppt, man hat uns behandelt wie die schlimmsten Verbrecher, und wenn es nach diesem Herrn hier gegangen wäre, hätte man uns längst an die Wand gestellt.» «Wir werden genauer darüber sprechen, Herr Graf, wenn Sie erst aus diesem Hause heraus sind. Herr Major-Auditor: hier ist die Verfügung der Obersten Heeresleitung! Graf Eberhard Hatzberg und Fräulein Mercedes Farere sind sofort in Freiheit zu setzen. Ich weiss nicht, auf Grund welcher Anschuldigungen ein Verfahren gegen sie eröffnet ist oder eröffnet werden soll; Sie werden sich jedenfalls zu rechtfertigen haben, wenn sich herausstellt, dass Sie nicht durchaus ordnungsgemäss verfahren sind! Ich werde mich selbst dafür einsetzen. Dass die Kommandantur in Bukarest die beiden abgeschoben hat, ist begreiflich; sie hat nicht die Zeit, sich mit solchen Dingen lange aufzuhalten. Es hätte nicht so brutal geschehen müssen, aber nahe an der Front haben die Leute keine Glac6handschuhe an. Was aber hier geschehen ist, Herr Major-Auditor, bedarf dringend der Klärung!»