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E_1933_Zeitung_Nr.106

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6 AUTOMOBIL-REVUE

6 AUTOMOBIL-REVUE 1933 - N° 106 düng von splitterfreiem Glas nicht nur die Insassen, sondern auch Drittpersonen vor Schnittwunden geschützt sind. Von grosser Bedeutung für die Verkehrssicherheit ist vor allem, dass der Führer einen möglichst unbehinderten Ausblick hat. Der Karosseriekonstrukteur bemüht sich heute, nach Möglichkeit diese Forderung zu erfüllen. Viele noch im Gebrauch stehende Wagen vermögen allerdings diesem Verlangen nach genügender Uebersicht noch nicht gerecht zu werden, indem die vorderen Seitenpfosten viel zu massiv ausgeführt sind, was im besonderen beim Kurvenfahren behinderlich ist. Aus den nämlichen Gründen ist der Einbau doppelter Scheibenwischer zu empfehlen. Aus Vorstehendem ist ersichtlich, dass seitens des Automobilbauers nichts unterlassen wird, um die Fahr- und Verkehrssicherheit zu erhöhen. Die zukünftige Entwicklung dürfte dahin tendieren, die Handhabung der Pedale, Bremsen, Schaltung, Richtungsanzeiger und des Lenkrades auch weiter zu vereinfachen. All diese Bemühungen werden sich aber dann erst vollkommen auswirken können, wenn die Gesamtheit der am Strassenverkehr interessierten Kreise auf die Motorisierung der Strasse Rücksicht nimmt. Die Strasse gehört allen und dient in erster Linie dem Verkehr und nicht dem Rowdytum, den Schwatzbasen und den vielen undisziplinierten Veloakrobaten. Diesen Grundsatz gilt es unter allen Umständen rechtlich zu schützen, und zwar in dem Sinne, dass derjenige, welcher den Verkehr leichtsinnig hindert oder böswillig gefährdet, durch autoritative Mittel zur Achtung vor dem Strassenverkehr erzogen wird. Ohne äusserste Verkehrsdisziplin aller Strassenbenützer wird niemals ein geordneter Verkehr möglich sein. Wy. nen Fremden war es ja auch nicht leicht, sich in die Arbeit hineinzufinden. Er zeigte sich sehr eifrig — wiederholt hatte er seinem Chef Persönlichkeiten namhaft gemacht, de- Die A.R. Im Dienste der Wohltätigkeit. Die grosse Mehrzahl unserer Leser wird sich noch an die durch unser Blatt im Jahre 1930 durchgeführte Sammlung zugunsten der Hinterbliebenen des an der Talstrasse in Zürich von einem Autostrolch meuchlings erschossenen A. Müller von Luzern erinnern. Dank der grossen Gebefreudigkeit und der spontanen Hilfsbereitschaft unserer Leser konnte die Sammlung mit dem überaus erfreulichen Betrag von 14,318 Franken abschliessen, welche der Amtsvormundschaft der Einwohnergemeinde Solothurn, wo sich die Witwe mit ihren drei minderjährigen Kindern niedergelassen hatte, überwiesen wurde. Wir versprachen damals unsern Lesern, sie regelmässig über den Stand die* ser Vermögensverwaltung und die Verwendung der ihr entnommenen Mittel zu orientieren. Dieser Tage erhielten wir vom städtischen Amtsvormund Solothurn die Abrechnung für das Jahr 1932/33. Da die Mutter der drei Kinder, die ihren Vater auf so tragische Weise verloren haben, einerseits von der SUVA eine Rente bezieht und anderseits sich durch eigener Hände Arbeit ein bescheidenes, aber doch regelmässiges Auskommen schaffen konnte, musste erfreulicherweise der Hilfsfonds bisher nur in geringem Masse in Anspruch genommen werden. Es wurden bisher nur wenige hundert Franken als Beitrag an die Steuern und zur teilweisen Kostendeckung von Ferienaufenthalten der Kinder, welche teilweise von etwas schwacher Konstitution sind, ausgegeben. Immerhin erreichten diese Zuwendungen bei weitem nicht den Zinsertrag, so dass die Abrechnung auf 31. Dezember 1933 mit einem Vermögen von 15,500 Fr. abschliessen kann. Zu diesem erfreulichen Ergebnis hat auch der Umstand beigetragen, dass die Vermögensverwaltung von der Amtsvormundschaft Solothurn kostenlos durchgeführt wird. Die Kinder, welche im Alter zwischen 10 und 14 Jahren stehen, sind alle noch schulpflichtig. Nach Austritt aus der Schule werden ihnen die Mittel aus dem Fonds gestatten, eine solide Berufslehre zu absolvieren, was kaum möglich wäre, wenn die Familie einzig auf die Einkünfte der Frau angewiesen wäre. Ueber den weiteren Werdegang der Halbwaisen werden wir im gegebenen Zeitpunkte gerne berichten. Wie erinnerlich hat sich vor wenigen Wochen ein ähnliches gemeines Verbrechen auf einen arbeitsamen und geachteten Taxichauffeur von Zug ereignet. Der auf diese Weise ums Leben gekommene W. Kessler hinterlässt eine Frau und einen sechsjährigen Jungen. Wir haben bereits eine Anzahl Zuschriften von mitfühlenden Lesern erhalten, welche sich bei uns erkundigten, ob wir nicht auch für diese Familie eine Sammlung ähnlich derjenigen vom Jahre 1930 durchführen möchten. Unsere an Ort und Stelle gemachten Erhebungen ergaben, dass die auf so tragische Weise um.ihren Ernährer gekommene Familie deshalb nicht aller Mittel entblösst sein wird, indem sowohl die Witwe als das Kind bis zum 16. Lebensjahr von der Suva ine Monatsrente erhalten werden, die sich immerhin entsprechend dem Einkommen des Verstorbenen in bescheidenen Grenzen bewegt. In der Schwebe ist noch die Erledigung einer kleineren Lebensversicherung. Wir möchten daher erst die genaue Abklärung der künftigen Vermögens- und Einkommensverhältnisse der Hinterbliebenen abwarten, bevor wir zu einer neuen Hilfsaktion übergehen. Dagegen sind wir gerne bereit, Zuwendungen, welche in der Zwischenzeit bei uns einsehen, zu sammeln und weiterzuleiten. Wir haben aber heute einen andern Wunsch auf dem Herzen, der gleichsam als eine Art verspätete Weihnachtsbitte kommt. Die im gleichen Verlag wie die « Automobil-Revue » erscheinende, aber von dieser in jeder Beziehung unabhängige Zeitung für die schweizerische Landbevölkerung « Der Landfreund » hat dieses Jahr auf Weihnachten für bedürftige Leute getragene Kleider und Lebensmittel gesammelt. Was innert kürzester Zeit an verschämten, bescheidenen Bittbriefen aus den verschiedensten Landesteilen bei der Redaktion zusammentraf, überstieg alle Erwartungen. Wir hatten zufällig Gelegenheit, in diesen gewaltigen Stoss von Briefen Einsicht zu nehmen, in denen meist von armen Bergbauern, die durch Krankheit, allerlei Unglück und vor allem durch Arbeitslosigkeit in schwere Not gekommen sind, flehentlich um getragene Schuhe für die Kinder, um ein warmes Hemd für den Mann, um Bettwäsche und. dergleichen gebeten wird. Da enthüllte sich eine Not in unserm Land, wie man sie gar nicht zu erahnen gewagt hatte. 8 Kinder, 10 Kinder, 16 Kinder in der gleichen Familie sind ohne Winterkleider, ihre FÜsse sind geschwollen vor Kälte und Nässe. Bettwäsche kann nicht mehr gewechselt werden, weil nur pro Bett ein Leintuch vorhanden ist, Kranke entbehren jeder Stärke und Stützung — das ist das Klagelied aller dieser ungelenk verfassten Briefe. Eine dieser Bittschriften eines Kleinbauern, so sympathisch bescheiden und anständig abgefasst, spreche für hunderte : « Ich bin so in Not, dass ich fast nicht mehr weiss, was machen, und wie ich. es anstellen muss. Bin nämlich Kleinbauer ohne Vieh, danebst gehe ich auf Taglohn, kann aber nicht mehr schwere Arbeit machen, da ich den Rücken* total ruiniert habe, weil ich eben zu schwere Arbeit machen musste. So auch meine Frau, sie ist in den Nerven ganz überangestrengt Wir sind wirklich ein bresthaftes Paar. Mit unsern Leiden können wir nur wenig verdienen, da wir eben nicht den Lohn verlangen dürfen wie man ihn haben sollte, um die Familie erhalten zu können. Im Sommer geht es, aber der Winter ist zu streng und zu lang. Wir sind erst 40 Jahre alt, haben drei Knaben von 14. 12 und 10 Jahren, diese möchten natürlich essen, aber wie essen, wenn nichts im Kasten ist? Und zum Kaufen fehlt uns das Geld, und ohne Geld bekommen wir nichts. Jetzt bin ich arbeitslos, da das Büscheln ausgegangen ist wegen des Schnees; die Frau hat früher weben können, jetzt steht aber der Webstuhl schon drei Jahre im Lokal, ohne einen Schuss weben zu dürfen Wir sind nachweisbar ehrlich und arbeitsam. Es möge Gott alle bewahren vo solchem Elend und vor Hunger, wie wir ihn erleiden müssen, und natürlich auch mit Schuhen und Kleidern stehen wir schlimm da... > Es hat sich gezeigt, dass die .Landfreund'- HHfe allein niemals ausreichen kann und Hunderte von Kindern vergeblich auf das nen unvorsichtige Aeusserungen entschlüpft waren. Aber er hatte Pech; immer waren es entweder Mitglieder der Regierung oder einflussreiche Parlamentarier, auf die er hinwies. Jedenfalls keine Leute, denen man an die Gurgel springen konnte. Inzwischen war er natürlich so weit als irgend möglich in der entgegengesetzten Richtung tätig. Er erfuhr ziemlich viel, was für Berlin von Interesse war, und es gelang ihm, die Verbindung über die Schweiz aufrechtzuerhalten. Auch Mercedes, die gleichfalls häufig im Cafe Luxembourg verkehrte, arbeitete mit Erfolg, besonders seit sie mit ein paar jungen Diplomaten bekannt geworden war, die sich hier des öftern mit dem Chefredakteur des «Matin» und anderen einflussreichen Persönlichkeiten trafen. Diese Diplomaten hatten offenbar sehr viel freie Zeit, denn es verging kaum ein Tag, an dem sie Mercedes nicht zu einer Autofahrt einluden. Sie nahm häufig an; es war ja in diesen Frühlings- und Frühsommertagen wundervoll, über Land fahren zu können. Eberhard empfand unsäglichen Schmerz. Mercedes schien freilich bei ihrer jeweiligen Rückkunft von so\- chen Ausflügen durchaus unbefangen und fröhlich, aber je mehr Interessantes sie erfahren hatte, desto quälender wurden die Zweifel für Eberhard. Gerade um diese Zeit bereitete die Entente die Einführung der «Tanks» an der Front vor. Eberhard konnte sich vergewissern, dass diese Kampfwagen genau so gebaut worden waren, wie der seinerzeitige Entwurf, den er in Petersburg genau studieren konnte, und Geschenk getragener Kleider und Schuhe warten. Wir haben uns deshalb entschlossen, unserseits diese Hilfsaktion in grösserem Umfange weiterzuführen. Hilfe tut dringend not 1 Heute ergeht eine erste Bitte an unsere Leser, sich noch gebrauchsfähiger getragener Kleider, Schuhe, Wäsche zu erinnern, und sie uns zuzusenden. Auch Lebensmittel sind sehr erwünscht. Wir werden dies alles an die notleidende Bevölkerung weiterleiten. Diese soll es erfahren, dass der früher so oft kritisierte Automobilist doch auch sehr gut sich seiner Volksverbundenheit und der daraus entstehenden Verantwortungen bewusst st. Gerade in unserer Zeit, da so viel von Volksgemeinschaft geredet wird, soll dies ine bescheidene Tat sein. Wir werden in einer nächsten Ausgabe noch näher auf die Aktion eintreten. Schon heute eilt : steuert der verschwiegenen Not unseres Landes! (Adresse : Redaktion der «Automobil-Revue », Breitenrainstrasse 97. Bern.) ait£S*£s«9*e* Mutationen der Stabsoffiziere. Wir veröffentlichen nachstehend einen Auszug aus den «Mutationen der Stabsoffiziere», herausgegeben vom eidg. Militärdepartement am 22. Dezember 1933. Wir berücksichtigen nur jene Mutationen und Promotionen, die die Motorwagentruppe, die motorisierte Artillerie und die Fliegertruppe betreffen. Unser Auszug beschränkt sich auch in dieser Hinsicht auf die Mutationen, die in engem Zusammenhang mit den genannten Waffen stehen: I. Entlassungen vom Kommando. Artillerie. Oberst Bluntschli Georg, Bern, Stab St. Gotth. Bes. Art.-Chef, neu: z. D. Molorwaqentruppe. Major Bosshard Jakob, Kiehen, Kdt. Mot-Lastw- Abt. 5, neu: z. D. II. Beförderungen. Zu Obersten die Oberstleutnants. Artillerie. Peter Arthur, Bern, Kdt. Seh. Art.-R. 3, neu: z. D. Hafner Walter, Sitten, Kdt. Seh. Art.-R. i, neu: z. D. Schwarz Julius, Aubonne, Cdt. R. art. Id. 1, neu: E.M. ler

N° 10« - 1933 AUTOMOBIL-REVUE Sportnachrichten Rückblick auf die internationale Sportsaison 1933 Bilanz. Wieder stehen wir an der Schwelle zu einem neuen Jahre. Es ist ein tiefes menschliches Bedürfnis, in solchen Momenten den Blick in die Vergangenheit zu wenden und die verflossene Spanne Zeit kritisch zu wägen. Für den Automobilsport, der ja letzten Endes nicht nur dem Selbstzweck « Sport» dient, sondern in viel weiterem Masse dem gesamten technischen Fortschritt und damit der menschlichen Entwicklung überhaupt verschrieben ist, hat der Uebergang 1933—1934 eine ganz besondere Bedeutung. Zwei Perioden der technischen Entwicklung schneiden sich hier. Von der Epoche der mehrere Jahre gültigen freien Formel wird Abschied genommen, und an ihre Stelle treten völlig neue Bestimmungen. Im Rennwagenbau spiegelt sich die Zukunft der Qebrauchswagenkonstruktion, und was hier in schweren Konkurrenzen einer ersten Prüfung unterzogen wird, soll dort einer späteren Zeit zum praktischen Gewinne dienen. Der Hauptzweck der Rennen liegt deshalb in einer indirekten Förderung des Gebrauchswagenbaues, und alle Neuerungen bei diesen hochgezüchteten Maschinen werden sich früher oder später auch beim normalen Serienwagen in irgendeiner Weise auswirken. Der Rennsport hat deshalb eine wichtige Mission zu erfüllen, auf die nicht deutlich genug hingewiesen werden kann. Was bei anderen sportlichen Tätigkeiten lediglich dem Sporte selbst und damit der körperlichen und seelischen Entwicklung und der Unterhaltung dient, hat beim Autosport auch technische und wirtschaftliche Hintergründe. Die Rennfahrer sind nicht lediglich Männer, die sich mit einem mehr oder weni- ;er grossem Einsatz von Mut und Können gegenseitig einen Preis streitig machen, sondern gleichzeitig im vollen Sinne des Wortes Pioniere der Technik. Von diesem Standpunkt aus wird man auch zur gebührenden Einschätzung ihrer Leistungen gelangen. Die neue Formel, die die nächsten drei Jahre beherrschen wird, löst eine Zeit des Liberalismus im Rennwagenbau ab—wenn man dieses heute viel gebrauchte Wort auch hier anwenden will — und setzt an dessen Stelle strenge Vorschriften, mit andern Worten, auch im Rennwagenbau entsteht eine Art Diktatur. Wie sich diese auswirken wird, ist heute noch ein Problem, und gerade die befähigtsten Fachleute mühen sich darum, den Wert oder Unwert dieser neuen Formel schon jetzt zu ergründen. Jedenfalls hatte sie schon vor ihrem Inkrafttreten mehrere scharfe Angriffe zu bestehen. Die schwere Weltkrise, die auch das Jahr '933 überschattete, musste sich normalerweise auch auf den Automobilsport auswirken. Wer allerdings eine vollständige Lähmung jeder Aktivität erwartete, sah sich angenehm enttäuscht. Was schon in den Jahren 1931 und 1932 mit Genugtuung festgestellt werden konnte, zeigte die verflossene Saison mit vermehrter Deutlichkeit: Der Autosport Hess sich von den schwierigen Zeitläufen keineswegs besiegen, sondern entwickelte eine ganz erstaunliche Widerstandskraft. Die gesamte Bewegung im Jahre 1933 war im Grunde genommen wieder ausserordentlich lebhaft. Es zeigten sich keine Reduktionen der Rennen, und auch die Fahrer nahmen in gleich starkem Masse an den verschiedenen Konkurrenzen teil. Eine einzige grosse Firma zog sich vom Sport zurück, doch lag der Grund dazu weniger in wirtschaftlichen, als vielmehr in technischen Erwägungen. Die grosse Fähigkeit, mit der sich der Sport der Krise entgegenzustemmen wusste, ist im Grunde genommen nicht allzusehr überraschend, wenn man die Anstrengungen bedenkt, mit denen heute die Konstrukteure gegen die Konkurrenz anzukämpfen haben. Sie sind deshalb in schwierigen Zeiten ganz besonders stark auf die Rennen angewiesen, die das ideale Prüfungsfeld für alle Neuerungen darstellen. Die Förderung der technischen Erkenntnisse ist immer in krisenhaften Augenblicken am erwünschtesten. Die Erfahrung hat weiterhin längst gezeigt, welche gewaltigen propagandistischen Möglichkeiten den Rennen innewohnen. Auch so können sich diese als Mittel zur Bewältigung von Krisen auswirken. Die Organisatoren der grossen internationalen Veranstaltungen haben sich in klarer Erkenntnis der Situation ebenfalls umzustellen ge.wusst und kommen heute den Fahrern in jeder Beziehung in einer Weise entgegen, wie dies noch vor wenigen Jahren zur Unmöglichkeit gehörte. Es muss zugegeben werden, dass das Problem der Nenngelder, Startgelder und Preise- noch nicht überall seine wünschenswerte Lösung gefunden hat; dennoch haben sich an verschiedenen Orten sehr erfreuliche Ansätze zu einer grundsätzlichen Neuregelung gezeigt. Den Fahrern wird dadurch ermöglicht, trotz grossen Unkosten auch weiterhin ihre sportliche Tätigkeit ausüben zu können. Die Massen haben auch dieses Jahr dem Autosport ihre alte Treue gehalten. Es ist eine feste Tatsache, dass gerade in sorgenvollen Zeiten eine Ablenkung als doppelt angenehm empfunden wird, und die Spannungen eines grossen Automobilrennens lassen sich auch heute die Zuschauermassen noch nicht entgehen. Dafür sprechen schon die imposanten Besucherzahlen der grossen Veranstaltungen. In sportlicher Beziehung hat das Jahr 1933 mehr gebracht als in technischer Hinsicht. Schon die ganze vergangene Saison stand eindeutig unter dem Zeichen des Ueberganges von einer alten zu einer neuen Formel. Die Konstrukteure beschränkten sich zum grössten Teil darauf, die bereits bestehenden Maschinen nochmals ein Jahr lang in den verschiedenen Kämpfen zu erproben, und widmeten sich mit um so grösserer Intensivität dem Bau der neuen Wagen für das kommende Jahr. Die Sportwelt hat denn auch 1933 die Sensation neuer Rennwagen nur in beschränktem Masse erleben können. Lediglich Maserati setzte schon zu Beginn der letzten Saison einen neuen 3000-ccm- Monoposto-Wägen ein, dessen Konstruktion sich schon damals nach den Bestimmungen der nächstjährigen Formel richtete. Von Alfa Romeo sah man keine neuen Modelle. Bekanntlich zog sich diese Firma dieses Jahr offiziell vom Autosport zurück und verkaufte ihre berühmten Monoposto-Wagen an die Scuderia Ferrari in Modena. Der erste Teil der Saison wurde ausschliesslich mit dem von 2300 ccm auf 2600 ccm aufgebohrten Achtzylinder bestritten, der in dieser neuen Form immer noch eine überraschend grosse Leistungsfähigkeit bewies. Bugatti schickte sein erprobtes 2,3-Liter-Modell, das schon 1931 herauskam, aufs neue in den Kampf. Als sehr gefährlich erwiesen sich seine 4900-ccm-Wagen, die im Jahre 1932 keine grossen Stücke vollbracht hatten, aber durch eine gründliche Ueberholung ganz erstaunlich gewannen. Ganz im Gegensatz zum letzten Jahre, in dem eine bestimmte Marke sich das Primat eroberte, verlief die Saison 1933 sehr ausgeglichen. Sowohl Alfa Romeo, wie Maserati und Bugatti, hatten abwechslungsweise ihre Erfolge zu verzeichnen, so dass sich keine eindeutige Superiorität herauskristallisierte. Vom sportlichen und technischen Standpunkt aus verdiente die Saison deshalb grosses Interesse, denn es war fast ausgeschlossen, vor einem Rennen auf den voraussichtlichen Sieger zu tippen. Gegen Ende der Rennzeit tauchten dann die ersten Vorläufer der nächsten Saison auf. In San Sebastian unterzog Bugatti seine Maschinen einer harten Feuerprobe; allerdings musste er sich mit mittleren Plätzen zufrieden geben. Wie sich die nächstjährige Saison gestalten wird, ist heute noch ein Rätsel. Es lässt sich lediglich eine ganz ausserordentliche Aktivität voraussagen. Welche Marke indessen die Führung an sich reissen wird, weiss man heute noch nicht, da über keine neue Maschine genauere Details bekannt sind. Die neue Rennformel reduziert das Maximalgewicht der Wagen ohne Wasser, Brennstoff, Oel und Pneugarnitur auf 750 kg. Mit dieser Gewichtsbeschränkung soll, wie man weiss, der Leichtbau gefördert werden. Bei beschränkten Mitteln soll der Versuch der weiteren Leistungserhöhung unternommen werden. Indirekt sollen durch diese Formel auch die stets grösser gewordenen Geschwindigkeiten reduziert und auf der Basis empfindlicher Beschränkungen weitergearbeitet werden. Mit der Maximalgrenze von 750 kg waren von allem Anfang an nicht alle Konstrukteure und Fahrer einverstanden. Gleich nach dem definitiven Beschluss der internationalen Sportkommission ritt Delage eine scharfe Attake gegen die neue Formel, da nach seiner Auffassung bei einem Maximalgewicht von 750 kg die Wagen immer noch zu schnell und damit zu gefährlich würden. Anderseits zeigte es sich, dass mehrere Fabriken von vorneherein Wagentypen projektiert hatten, die den Forderungen der neuen Formel ziemlich genau entsprachen. Die Zukunft wird zu erweisen haben, bis zu welchem Grade die neue Rennformel geeignet ist, den Autosport zu fördern. Ein zweiter und nicht weniger • gefährlicher Angriff wurde in diesem Herbst gegen die neuen Bestimmungen unternommen, und diesmal vor allem unter dem Eindrucke mehrerer schwerer Unglücksfälle in der verflossenen Saison. Die Befürworter einer Abänderung zum Zwecke der Geschwindigkeits-Verminderungen erblickten in der kommenden Formel immer noch eine grosse Gefährdung der Fahrer und des Publikums, und sie verlangten aus diesem Grunde sehr strenge Limiten, wie beispielsweise die Reduktion des Zylinderinhaltes auf 2000 ccm oder die völlige Abschaffung des Kompressors. Einen praktischen Erfolg konnte diese Initiative nicht mehr haben, da sie in einem Momente erfolgte, da schon verschiedene neue Rennwagen fertig konstruiert waren. Die internationale Sportkommission hat an Stelle einer Abänderung der Formel den Ausbau aller Rennstrecken entsprechend den modernen Anforderungen empfohlen, und sie findet, wie es scheint, bei den meisten Organisatoren auch verständnisvolles Gehör. Man darf sich allerdings keineswegs der Illusion hingeben, dass das Problem der grössten Sicherheit schon heute endgültig gelöst ist, doch werden, wie man sieht, erste anerkennenswerte Verbesserungen vorgenommen. Mehr als je wird man nur wirklich erprobte Rennfahrer für die internationalen Veranstaltungen fordern müssen, während dem Nachwuchs bestimmte kleinere Rennen reserviert werden sollen. Diese Notwendigkeit scheinen die Organisatoren des kommenden Grossen Preises der Schweiz rechtzeitig begriffen zu haben, da bekanntlich neben dem grossen Rennen für die erstklassigen Fahrer ein vorgängiger Lauf für die Kleinwagen und damit in erster Linie für den Nachwuchs ausgeschrieben wird. Gegenüber 1933 wird die neue Saison eine vermehrte Tätigkeit bringen. Maserati, Alfa Romeo und Bugatti greifen alle mit neuen Waffen in den Kampf ein, zu ihnen stossen noch die seit Hitlers Sieg äusserst aktiv gewordenen Deutschen mit einer offiziellen Auto-Union- und einer Mercedes-Benz-Equipe. Auch Delage hat die Wiederbeteiligung am Rennsport in Erwägung gezogen, doch begnügt er sich vorläufig mit der Konstruktion eines einzelnen neuen Rennwagens, der ihm die notwendigen Erfahrungen, nach denen er sich dann richtet, liefern soll. Die nächstjährige Saison verdient deshalb schon jetzt das lebhafteste Interesse. Es sei nur am Rande erwähnt, dass sich auch in der Schweiz diese rege Tätigkeit auswirken wird. Während wir bekantlich dieses Jahr überhaupt kein internationales Rennen durchführten, sind für 1934 gleich zwei, wenn nicht gar drei grosse Rennen projektiert. Das überragende Ereignis wird der Grosse Preis der Schweiz darstellen, der in Bern nach der neuen Formel ausgefahren werden soll und durch den die Schweiz mit einem Schlage in die Folge der bedeutendsten autosporttreibenden Länder eingereiht wird. Auch das abgeänderte Klausenrennen wird 1934 dje internationale Fahrer-Elite nach der Schweiz bringen. Unter Umständen wird man in Montreux noch ein drittes grosses Rennen erleben, das die Veranstaltung von Monte Carlo zum Vorbild hat. Der schweizerische Sportfreund hat allen Grund, voll freudiger Erwartung dem Jahre 1934 entgegenzusehen. Die Aktivität in den verschiedenen Ländern. Die letzte Entwicklung unserer Zeit mit ihrer Tendenz zur nationalen Autarkie beschränkt sich nicht nur auf Wirtschaft und Kultur, sondern immer mehr auch auf den Sport. Er wird stets in stärkerem Masse eine Angelegenheit des ganzen Landes, und nach der neuen Mentalität verschiedener europäischer Staaten erringt nicht mehr ein einzelner Fahrer einen Sieg, sondern mit ihm die ganze Nation. Auch im Autosport kämpfen die Länder immer entschiedener um das Primat der Führung. 1933 hat die leitende Stellung Italiens noch mehr befestigt. Sowohl die Maschinen wie die Fahrer dieses Landes waren auch dieses Jahr durchaus tonangebend. Die Aktivität zeigte sich auch in der grossen Zahl von kleineren und grösseren Rennen in allen Ecken Italiens, Einesteils trägt die sportliche Freude des Italieners an der Geschwindigkeit, zu der auch noch ein grosses technisches Interesse kommt, die Schuld daran, und anderseits wird man Mussolini die Anerkennung zollen müssen, sich stets in weitblickendem Masse für den Sport eingesetzt zu haben. Der italienische Autosport beschränkte sich fast ausschliesslich auf Geschwindigkeitsveranstaltungen, währenddem die Dauerprüfungsfahrten, Sternfahrten und Aehnliches, wie auch die Rekordversuche bis jetzt gerne den andern Ländern überlassen wurden. In dieser Beziehung soll es in Zukunft nun auch anders kommen. Neben Italien taten sich auch Frankreich und England durch eine lebhafte sportliche Bewegung hervor. Beide Länder verfügen immer noch über eine ganze Anzahl ausgezeichneter Einzelfahrer, die in keiner Weise verpflichtet sind und vor allem aus Freude am Sport fahren. Viele grosse Rundstreckenrennen wurden 1933 wieder innerhalb der französischen Grenzen durchgeführt, auch wenn meist italienische Fahrer den Sieg an ihre Fahnen heften konnten. (Schluss folgt.)