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E_1933_Zeitung_Nr.107

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10 AUTOMOBIL-REVUE

10 AUTOMOBIL-REVUE 1933 - N» 107 als sie den Inhalt des Paketes auf dem Tisch erkannte. Es war ein scheusslicher Anblick, fand Josias. Und dann gab es eine lange verworrene Auseinandersetzung, an deren Ende Rosina ihren Vorsatz, sofort das Haus eines notorischen Liederjans zu verlassen, aufgab und nur das Zimmer verliess, aber mit dem weinenden Bündel auf dem Arm. «Es ist ein Mädchen!» sagte sie zu Josias, der eine halbe Stunde später auf den Zehenspitzen nachgeschlichen kam. «Auch das noch!» stöhnte Gallapfel, «was fängt man denn damit an?» «Darüber», sagte Rosina spitz, «wird sich das Findelhaus den Kopf zerbrechen.» «Das Findelhaus!» sagte Josias verblüfft und betrachtete das Kind. «Nun, für heute ist es zu spät. Man kann die Leute doch nicht am Silvesterabend stören!» Rosina sah ihren Arbeitgeber scheu an. «Gehen Sie in die Küche und machen Sie mir etwas Ordentliches zum Abendbrot», verlangte Josias Gallapfel, «es ist nicht alle Tage Silvester!» Rosina sank nicht um. Sie erwartete nur, dass die grauen Zimmerwände plötzlich golden würden. Um fünf Uhr sagte Josias, es sei sicherlich nicht gerade schön für ein Kind, in ein Findelhaus zu kommen. Rosina gab das zu. Um halb sechs stellte Josias fest, dass man anständigerweise während des Festes die Leute im Findelhaus überhaupt nicht behelligen könne. Um sechs fielen ihm eine Menge reizender Züge von kleinen Mädchen ein. Um halb sieben hielt er die Zeit um Neujahr ganz und gar für ungeeignet, eine so wichtige Sache, wie die Uebergabe eines lebenden Wesens, holterdipolter zu erledigen. Um sieben richtete er im Geiste das Zimmer neben dem seinen als Kinderzimmer ein — wenn er Kinder gehabt hätte, versteht sich. Um halb acht fand er, dass dieses Kind — aber auch nur dieses — einen ungemein sympathischen, verständigen, klugen, anmutigen, nachdenklichen, wenn auch etwas schalkhaften — kurz, einen bestrickenden Gesichtsausdruck habe. Anziehend, mit einem Wort. Um acht Hess er sich von seinem heftigsten politischen Gegner telephonisch bestätigen, dass im Findelhaus haarsträubende Zustände herrschten. Um halb neun sagte er zu Rosina, auf das Kind deutend: «Was meinen Sie, wenn wir es...» — «Ja, ja, ja!» sagte Rosina. Um neun begann das Kind zu weinen. Josias trug es umher. Am unverhüllten Fenster starrte das Kind verstummend und entzückt auf den brennenden Christbaum im Hanse gegenüber, der am Silvester zum letzten Male brannte. Josias rief: «Kann man solch Zeug noch auftreiben, Rosina? Laufen Sie, gute Seele», und Rosina lief. «Bringen Sie auch einen Hampelmann mit!> schrie Josias. Allein geblieben, neigte er mit entsetzlichem Herzklopfen seinen Mund über das Bündel. Aber ehe er noch die winzigen Lippen berührt hatte, richtete er sich wieder auf. Das war zu unmöglich, es gabschliesslich Dinge, die gingen einfach nicht. «Wenigstens noch nicht!» sagte das Schicksal heiter und zuversichtlich und lächelte über Josias Gallapfels Geschenk zum neuen Jahr, das ihm mit dem Kind ein neues Leben brachte. Gute Vorsätze... Silvesterglossen ron Karel Capek. Bei manchen Menschen stellen sie sich regelmässig am Weihnachtsabend ein; bei andern wieder am Silvester und bei noch anderen .vielleicht an ihren Geburtstagen oder sonst wann: kurz, jeder Mensch hat seinen Tag, an dem er gute Vorsätze fasst. Am beliebtesten ist aber weitaus der schöne, traurige Silvester. Das kommt so über einem wie eine Erkältung oder eine Erleuchtung. Erst fühlt man sich körperlich unbehaglich, dann wird einem moralisch übel und schliesslich sagt man sich, dass alles anders und besser sein könnte, wenn man sein Leben anders leben würde. Das ist der Augenblick, da in der Regel der gute Vorsatz im Menschen auftaucht. Von morgen an stehe ich früher auf, nimmt man sich vor. Oder: dass man sich seiner Gesundheit wegen entsetzlicher hygienischer Prozeduren unterziehen werde. Zum Beispiel, gleich morgen fünf Minuten turnen oder in kaltem Wasser zu baden oder auf nüchternem Magen ein paar Seiten Marc Aurel zu lesen. Oder auch, dass man weniger rauchen oder überhaupt damit aufhören werde; dass man die Politik und das Trinken aufgeben, dass man täglich drei Stunden seiner Bildung in stiller Betrachtung widmen werden; dass man anfangen werde zu sparen, Schulden zu bezahlen, dass man was Grosses vollbringen werde... Zürcher Wochenprogramm Ich glaube, dass jeder von uns solche Stun^ den der guten Vorsätze erlebt Ich glaube sogar, dass auch sehr berühmte Männer von der entsetzlichen Versuchung der guten Vorsätze heimgesucht werden und dass es überhaupt keinen Menschen gibt, der nicht mindestens am Jahresende umkehren und auf irgendeine Weise ejn neues Leben beginnen möchte. Irgendwie spürt ja jeder die besondere Bedeutung gerade dieser Stunden, und er fühlt sich verpflichtet, sich auch innerlieh entsprechend darauf einzustellen. Was ich aber nicht glaube, ist, dass der Mensch seinen guten Vorsatz auch wirklich «morgen» schon zur Tat macht. Wahrscheinlich wird er gerade « morgen * keine rechte Lust dazu haben, um fünf • Minuten früher aufzustehen als gestern; er wird nicht Marc Aurel lesen, nichts Grosses tun. Nicht, dass ich damit sagen will, dass er dazu nicht fähig sei. Aber gerade «heute» geht es nicht; man muss sich erst an den Gedanken gewöhnen, sagt man sich: «Morgen, ja morgen, beginne ich ganz bestimmt». Damit ist der gute Vorsatz in der Regel erlediet — erledigt, aber nicht vernichtet. Denn die Basis und der Sinn des guten Vorsatzes ist nicht der, dass ihn der Mensch ausführe, sondern, dass er ihn überhaupt fasse. Wenn in der bewussten Stünde der tugendhafte und heldenmütige Vorsatz in mir erwacht, dass ich von morgen an früher aufstehen werde, so äussert sich darin das grosse und erlösende Faktum, dass ich früher aufstehen kann, dass es nur an mir und in meiner Macht liegt, es zu tun. Es wäre fürchterlich, glauben zu müssen, dass man einfach nicht früher aufzustehen vermag, dass man aus gesundheitlicher Notwendigkeit oder unter dem Druck der Verhältnisse spät aufstehen muss. Die Erkenntnis, an unserem Leben nichts mehr ändern zu können, würde uns niederschmettern. Die guten Vorsätze aber, die unbezähmbaren Aeusserungen des freien Willens, beweisen uns, dass wir unser Leben immer anders zu gestalten vermögen. Solange wir die heroische Vorstellung in uns nähren, dass wir früh aufstehen können, wenn wir wollen, erhalten wir uns den Glauben an die wunderbare Möglichkeit, ein neues Leben beginnen zu können, einen Sonnenaufgang oder gar einen herrlichen Aufstieg unser selbst zu sehen. Solange man sich vornimmt, etwas Gutes zu tun, lässt man sich die Möglichkeit offen,,, edel zu werden wie ein Engel im Himmel. Solange wir gute Vorsätze züchten, müssen wir nicht handeln. Solange wir gute Vorsätze fassen^ liegt das^ Leben wie eine grosse, unerforschte, vielversprechende Möglichkeit vor uns. Es liegt dann nur an uns. diese Möglichkeiten richtig auszuwerten und mit uns etwas rechtes anzufangen. Die ideale Neujah rsüberraschang Frau Niander ist nicht das, was man eine nette alte Dame nennt. Frau Niander hat ein spitzes Kinn, eine spitze Nase, und mit der Zunge ist es auch nicht viel anders. Der junge Niander, ihr Sohn, und seine Frau haben es nicht leicht; denn sie wohnen im Hause der Mutter, und das ganze Jahr Ober gibt es Zank und Streit. Nur an Neujahr ist es anders. In dieser Zeit besinnt sich Frau Niander auf die Tage, wo sie noch kein spitzes Kinn und keine spitze Zunge hatte, und mit den Tränen der Erinnerung reagieren sich — wenn man so sagen darf — die schwiegermütterlichen Komplexe für mindestens vier Wochen ab. In diesem Jahr aber ist die Lage besonders heikel. Die alte Frau Niander hat ihr bisschen Geld auf einer kleinen Bank gehabt. Die kleine Bank ist pleite gegangen und Frau Niander sieht sich der Möglichkeit beraubt, Sohn und Schwiegertochter das übliche Neujahrsgeschenk zu machen. Dafür aber gibt sie ihnen Gelegenheit, einen tiefen Einblick in die — gerade in dieser Zeit so aufgelockerte — schwiegermütterliche Psyche zu tun, einen Einblick, der zeigt wie nahe sich im Grunde Komik und wirkliche Tragik sind. Am 31. Dezember nämlich — der Leser wird inzwischen erraten haben, dass es sich um eine durchaus wahre Geschichte handelt — fängt Frau Niander an, ihr Tföfferchen zu packen. « Nanu ? » fragt, die Tochter, « dif willst verreisen? Ausgerechnet am Silvester- Abend ? » « Ja », nickt Frau Niander, und. während sie mit den Tränen kämpft, wird ihr spitzes Kinn zusehends runder, < eine andere Freude, Kinder, kann ich euch an diesem Silvester nicht machen. » H. R.-V. in der JONNY-BAR - Zürich Reserv eren Sie rechtzeitig Ihre Plätze. - Telefon 51.324 „ „ Silvesteron< n.,d •> ATT in sämtlichen Räumen des Or. Cafö ESPLANADE, Zürich aufteilten - Zürich • Pelikanstr. - Talacker Das gute Speiserestanrant im Zentrnm der Stadt. - Menü von Fr. 2 20 an. • Diverse Knchenspezialitäten. - Garnge im Hanse. Grosser Parkplatz. H. Rnedi. O # • und nach dem Ball die gute Mehl-Suppe im Zett-Restaurant - Zürich Badenerstrasse - Müllerstrasse Stadttheater Ab \ nds .. 8 ohr. sonnt« nachmittags 8 Uhr Fr. abend 29. Dez. Die goldene Meisterin (A-Ab. 9). Sa. nachm. 30. Dez. Schneeflock und Regentropf. Sa. abend 30. Dez. Der Vogelhändler. So. nactim. 31. Dez. Der Vogelhändler. So. abend 31. Dez. Bunte Bühne. 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N» 107 - 193S ÄUTOMOBIL-REVUB 11 FROHE FAHRT INS NEUE JAHR 1934 Sjcmg' flieg Sie Strafte, viel $u lawg,' VOk mußten immer vOiSev ft&alten, am ^weiten und im evften Gang £>en Qaforesbera hinauf, Sen alten. tjl es nur 8er Attjang %iev den wir vor uns (efien; muß es beßer /-"•> jitfcT n D i / 11 Inn anfc&en Auen tfcone §akrt XkS gutes Wetter/ guten Wagen, Getoben auch/ auf alle Art Die Mitglieder des Automobilhändler-Verbandes: A. B. C.-Garage A.-G., Zürich AUBURN, BUGATTi, CORD, DODGE, ROHR Agence Americaine A.-G., Zürich BUICK, CADILLAC, LA SALLE, VAUXHALL A.-G. für Automobile, Zürich ADLER, STANDARD, WILLYS Amag Automobil-u. Motoren A.-G., Zürich CHRYSLER, PLYMOUTH, DE SOTO Fratelli Ambrosoli, Locarno DODGE BROTHERS, RÖHR Austro-Daimler & Steyr-Werke A.-G., Zürich Automobilwerke Franz A.-G., Zürich Autropa A.-G., Zürich Baumberger & Forster, Zürich Binelli & Ehrsam, Zürich AUSTRO-DAIMLER, STEYR, PUCH GRAHAM, CHEVROLET, PEUGEOT AUDI, DKW, TALBOT HUPMOBILE, LANCIA HOTCHKISS, STUDEBAKER C. Ceresole & Co., Bern OPEL, PONTIAC, BLITZ-LASTWAGEN Citroen A.-G., Zürich CITROEN C. A. Drenowatz, Zürich B. M. W. Eulachgarage A.-G., Winterthur PLYMOUTH, CHRYSLER, OPEL Emil Frey, Zürich WOLSELEY, SWALLOW, B. S. A. Ferrari, Bernasconi & Co. A.-G., Lugano CHRYSLER, PLYMOUTH, DESOTO, FARGO Garage Frick, Winterthur FORD Kessler & Co., Zürich ALFA-ROMEO, AUSTIN Lindgarage, Winterthur CHEVROLET Mercedes-Benz-Automobil A.-G., Zürich MERCEDES Minerva Automobil A.-G., Zürich MINERVA Ritzi & Wagner, Amriswil CHRYSLER, DESOTO, PLYMOUTH, FARGO, OPEL, BLITZ C. Schlotterbeck, Automobile A.-G., Zürich ESSEX, HORCH, HUDSON, WANDERER TitanA.-G.,Zürich,Abtg.Automobile,OPEL,BLITZ,PONTIAC,ROVER P. Ulrich & Co., Garage Moderne, Bellinzona OPEL Behrmann/Bosshard \ \ Automobil-Händler-Verband ZQrich Sekretariat Bahnhofstrasse 89