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E_1933_Zeitung_Nr.107

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12 AUTOMOBIL -REVUE

12 AUTOMOBIL -REVUE 1933 - N°107 Erinnerungen an die Grenzbesetzung 1914-18 Dem bereits in unserm Blatte besprochenen Buche « Die Grenzbesetzung 1914—1918» (Verlag Rentsch, Erlenbach-Zürich), das jene ernste Zeit, mit den Augen des sie miterlebenden Soldaten gesehen, nochmals erstehen lässt, entnehmen wir im folgenden einige kurze Anekdoten. Sie zeigen, wie unsere Soldaten auf köstlichste Weise mit der Langeweile fertiggeworden sind, und enthüllen Wesentliches von dem gesunden Kern schweizerischer Eigenart Die Red. Der Landsturm voran. Der Landsturm stand 1914 zuerst auf seinem Posten. Leute, die sich zuvor nie gesehen: Infanterie, Kavallerie, Festung, alles durcheinander, traten in Reih' und Glied an zur Bewachung von Brücken und Bahnen, darunter Grossväter, die das letztemal mit dem Vetterligewehr Dienst getan hatten, und nun in die Geheimnisse des Kleinkalibers, Modell 1889, eingeweiht werden mussten — viele, die Söhne im Auszug hatten. Man musste aus dieser 'gemischten Gesellschaft eine Truppe improvisieren. Grundstock: 1. alte soldatische Gewohnheiten, 2. der stille, bittere Entschluss, «wenn wir alten Esel noch einmal das Mannli machen sollen, dann werden wir dafür sorgen, dass man uns ernst nimmt». Drei Beispiele aus der gleichen Berner Kompagnie mögen zeigen, was daraus geworden ist. /. Suppehörnh. Posten auf dem Bahnkörper unter einer Passerelle. Aus dem Wachtbefehl: Dafür sorgen, dass die Leute auf der Brücke nicht stehen bleiben. Waffengebrauch nach fruchtloser Warnung — siehe Reglement. Fabrikler ziehen über die Passerelle. «E lue da, Landsturm!» Bleiben stehen. Posten: «Machet dass er witerchömet!» Volk: freut sich, staut sich. Posten: «Furt oder i schiesse.» Volk: «Ja dank wohl! Lueget iz das graue Mannli!» Posten: schlägt an (Publikum jubelt über die Vorstellung). Der Schuss fällt. Dann stieben die Gaffer erschrocken davon; von ferne maulen und drohen einige noch. Abends kommt ein Bauer zum Postenchef: «Es war mer de lieber, wenn i nid all Tag settegi Suppehörnli i d'Stuben tiberchäm.» Weist ein gekrümtes Geschoss vor. Einige Aufregung scheint 's sogar höhern Orts zu geben. Der «Fall» wird untersucht. F E U I L L E T O N Der geheime Kampf Von Philipp Klein. (Fortsetzung aas dem Hauptblatt.) Eberhard sah d'Allancourt entsetzt an. «Das ist doch nicht Ihr Ernst?» «Warum nicht? Ich bin gewiss ein guter Franzose, aber hier handelt es sich um ein Vermögen, das zu verdienen ist! Wollen Sie?» «Herr d'Allancourt — ich habe Ihnen das Versprechen gegeben, dass nichts von dem, was Sie mir sagen würden, über meine Lippen kommt. Dieses Versprechen halte ich. Wenn Sie mir aber noch einmal mit einem solchen Vorschlag kommen, gleichviel, ob im Ernst oder im Spass, dann, übergebe ich Sie dem nächsten Polizisten!» Damit stand er auf und verliess das Cafe". «Dieser Bursche», dachte d'Allancourt, «ist entweder heillos blöd oder sehr gerissen! Ich glaube — das erstere!» Eberhard wusste, was er von dem Angebot dieses Schurken halten musste. d'Allancourt hätte ihn, wäre er auf den Plan eingegangen, sofort denunziert. Wie die Justiz augenblicHich in Frankreich gehandhabt wurde, wäre er zweifellos ohne besondere Umstände an die Wand gestellt worden. Und d'Allaficourt hätte sich wieder einmal um das Vaterland verdient gemacht! Als er die Strasse betrat, schrien die Camelots grosse Erfolge an der flandrischen Front aus. Englische Truppen marschierten zum Ostbahnhof; ihr «It is a long way» klang nicht gerade sehr begeistert. Wie lange würde das unheimliche Morden noch fortgehen? Und der vielleicht noch unheimlichere Kampf im Dunkel? Eberhard empfand, dass er sehr müde war. Wenn er jetzt nach Hause kam, dann war Mercedes vermutlich nicht da — sie hatte ja so viele angenehme Verpflichtungen! Eme unsagbare Bitterkeit quoll in ihm hoch. Entglitt sie ihm langsam ? Vielleicht! Dann hatte er Deutschland das schwerste Opfer gebracht. Furcht vor seinen Gefühlen quälte ihn. > 25. Unter allen Widerwärtigkeiten die widerwärtigste: d'Allancourt suchte sich Mercedes zu nähern. Aus einem instinktiven Widerwillen heraus hatte sich Mercedes die- Der Mann muss sich verantworten. Er sagt: «I ha niemer wolle töde, aber da mit der frächste Schnorre het's söue g'höre pfiffe. Un i sta nid da ufern Grien mit eme scharfgladene Gewehr für der Löl z'mache. I ha Befahl gha u fertig.» Das Kommando überzeugte sich, dass dieser «Fall» kein Fall sei. 2. Schiesse tuen i nid, aber... Posten auf einer Bahnbrücke. Aus dem Wachbefehl (der von oben kam): «Niemand Gang zur Silvesterfeier sem gefährlichen Menschen gegenüber sehr zurückhaltend benommen, aber es Hess sich nicht vermeiden, dass man gelegentlich zusammen an einem Tische sitzen musste. d'Allancourt wusste natürlich, dass zwischen Eberhard und Mercedes Beziehungen bestanden, aber er hielt diesen beschränkten Russen Naschtschenko für einen recht gefälligen Liebhaber. Hatte dieser lächerliche Mensch nichts gegen die Ausflüge seiner Dame mit den Herren des diplomatischen Korns einzuwenden, so konnte er sich um so weniger gegen eine kleine Liaison, zwischen Mercedes und seinem eigentlichen Auftraggeber wehren. d'Allancourt begann, Mercedes kleine Aufmerksamkeiten zu erweisen, Und als er damit keinen Erfolg hatte, brachte er ihr seine Wünsche mit einer zynischen Brutalität zum Ausdruck. Mercedes wies ihn zurück. Am gleichen Tage erklärte d'Allancourt,, er könne es nicht länger verantworten, dass an Eberhard Gehalt gezahlt würde. Er habe bis jetzt mit absolutem Misserfolg gearbeitet oder vielmehr nicht gearbeitet —, er möge sich gefälligst nach etwas anderem umsehen. Nun war die Sache für Eberhard keines- über die Brücke gehen lassen als die Leute, die zur Wache selber gehören und das dem Posten persönlich bekannte Bahnpersonal.» Ein Oberst inspiziert die Posten. Will über die Brücke. «Herr Oberst, da chömet er nid übere!> «Warum nicht, was fällt Ihnen ein?» «Befahl, Herr Oberst!» «Kennen Sie mich nicht, Mann? Sehen Sie nicht, dass ich dienstlich hier zu tun habe?» Der Mann stellt sein Gewehr ans Geländer. wegs so einfach. Er konnte sich aus der Schweiz unmöglich Geld schicken lassen, ohne Verdacht zu erregen. Seine Barmittel aber, die ohnehin nicht bedeutend gewesen waren, gingen dem Ende zu, trotzdem er sowohl wie Mercedes sehr bescheiden lebten. Die paar hundert Francs, die er bisher monatlich erhalten' hatte, fielen also für ihn schon ins Gewicht. « Wovon soll ich nun leben ? » sagte er, als ihm d'Allancourt diese Mitteilung gemacht hatte. d'Allancourt lachte. « Wenn man mit einer hübschen Dame liiert ist, kann das doch keine Sorge sein ! » Eberhard wurde bleich bis in die Lippen. Jetzt diesen Burschen niederschlagen dürfen — es wäre eine Erlösung gewesen ! «Ich will das nicht gehört haben», sagte er halblaut. « Ach — machen Sie sich doch nicht lächerlich ! Madame Georgette gehört, soweit ich sie beobachten konnte, keineswegs zu den spröden Frauen, und Sie selbst scheinen ja nicht besonders eifersüchtig zu sein! » Es kostete Eberhard eine fast übermenschliche Anstrengung, sich zurückzuhalten. Er stand auf und wollte sich entfernen. < Bleiben Sie noch einen Augenblick, Monsieur Naschtschenko. und spielen Sie jetzt nicht den Beleidigten. Damit imponieren Sie mir nicht. Ich will Ihnen etwas sagen. Ich habe Madame vor einer Stunde einen Antrag gemacht — wahrscheinlich hat sie Ihnen das schon erzählt. Madame beliebte, mich zurückzuweisen. Mit Entrüstung — sie ist eine ganz gute Schauspielerin ! Ich habe vor ein paar Jahren eine Dame der Bühne gekannt — Madame erinnert mich sehr an sie! Es war, soviel ich mich erinnere, auch eine Amerikanerin — sie ist dann plötzlich aus Paris verschwunden — es gibt Leute, die behaupten, sie hätte für Deutschland gearbeitet. Wie gesagt, Madame erinnert mich sehr an diese Sängerin. Vielleicht ist es deshalb, dass ich ihr Sympathien entgegenbringe, die sie vorerst nicht zu erwidern scheint. Aber ich mache Sie darauf aufmerksam, dass ich meine Wünsche nie zurückzunehmen und meine Absichten nie zu ändern pflege. Ich glaube. Sie haben mich als sehr energisch und als nicht gerade besonders rücksichtsvoll kennengelernt. Ich t wünsche mit Madame näher bekanntzuwerden, verstehen Sie, Monsieur Naschtschenko? Widerstand reizt mich gerade, vielleicht haben Sie die Güte, das Madame gelegentlich zu sagen. Und vergessen Sie nicht, beizufügen, dass ich ein verdammt gutes Gedächtnis für Physiognomien habe ! » Eberhard keuchte, c Ich weiss nicht, was Sie damit sagen wollen, mein Herr !» « Dass Sie es nicht wissen, das glaube ich. Denn Sie sind in der Tat außerordentlich harmlos. Aber Madame wird es wissen und wird ihr Verhalten zu mir anders einrichten! » «Ich entnehme Ihren Worten, dass Sie mich für den Zuhälter von Madame Georgette halten !» « Gehen Sie — wozu solch hässliche Worte ! Nach meinen bisherigen Wahrnehmungen sind Sie ein Liebhaber, der auch einmal beide Augen zudrücken kann. Ich sehe nicht ein, warum Sie das nicht auch mir gegenüber tun sollten, besonders da Sie mir doch zweifellos zu einigem Dank verpflichtet sind. Tch will Ihnen nur noch sagen : Wenn Sie Vernunft annehmen, kann ich vielleicht dafür sorgen, dass Sie anderweitig eine lohnende Beschäftigung finden ! » Eberhard stürzte aus dem Cafe 1 . Er musste die Flucht ergreifen; es kostete ihn schon eine fast übermenschliche Anstrengung, diesen Schurken nicht mit seinen beiden eigenen Händen zu erwürgen. Silvester Des Jahres Kranz liegt geschlossen da. Viel bunte Blumen, viel welkes Laub. Abschiednehmend wandern unsere Blicke darüberhin. Ruhen auf roten Rosen, fallen zögernd auf gilbendes Braun, streicheln zärtlich das raschelnde Laub. Beben, bangen, frohlocken. Lächeln weise, verschleiern sich, huschen vorbei. Werden durstig, trinken, suchen, versinken. Stehen von neuem auf, denn es gilt }a, Abschied zu nehmen und willkommen zu heissen, beides zugleich. Etwas Neues zu grässen, mit denselben Gebärden, mit denen man dem Alten Lebewohl sagt. Das Neue! Wie eine grenzenlose Weite liegt es vor uns, in die wir unsere Hoffnung und unsere Sehnsucht tragen. In die wir unser junges oder unser altes Leben breiten. Sowie man einen Teppich hinlegt in ein Zimmer. Und Tag um Tag wird kommen, wird dieses oder jenes Ornament aufleuchten lassen oder diese oder Jene Ranke eine Weile überdunkeln. Sonne wird darübergehen und Sturm. Wind, der zaust und müde macht und dem oft eine unendliche graue Leere folgt. Und ob dennoch der Teppich seine leuchtenden Farben behält, wird unsere Sache sein... gb. «Schiesse tuen i nid, aber i gheienech migottseel überus, we der's weit zwänge!» Rasend fügt sich der Herr Oberst. Unten durch und die jenseitige Böschung hinauf sucht er sein Opfer. Beim Flackerschein einer Sturmlaterne kann dann der angeschnarchte Zugführer dem Vorgesetzten begreiflich machen, dass Befehl Befehl ist, und dass ein Landsturmposten daran nicht deutelt und dreht. Mit befriedigtem Gebrumm zieht die Gefahr ab... 3. «Adie mitenangere.» «Herr Oberlütnant, isch das milidärisch, we me seit: Adie mitenangere?» «Chunnt ganz druf a. Was isch passiert?» «He, i bi gstange, wo der mi gsteut heit, unger däm Brüggli uf der Stross, wo d'Bahn drübergeit. Do gsehni vo witem e Räblete dahärcho u gseh grad: das si do die Höchergschnüerete vo Bärn, u däiche, so, jetzt chani de auäg häreha. Es isch de no öppis Frönds derbi gsi, wie aube bi de Trüppeler, u vorus der Sprächer. Wo mi da erblickt, gsehni wien är uf mi dütet, u richtig chunt das Zug gäge mi ztrable,- un i ha Stellig agno. Er traf Mercedes in ihrem kleinen Hotelzimmer. Fast atemlos in seiner Empörung berichtete er über das Gespräch, das er soeben mit d'Allancourt gehabt hatte. «Das Furchtbarste aber ist». schloss er. «— er hat dich erkannt, glaubt wenigstens, dich erkannt zu haben. Ich weiss nicht, ob es nicht das einzig mögliche ist, zu fliehen ! » « Wohin ? » Mercedes sass regungslos; ihre dunklen Augen blickten in eine unendliche Ferne. « Wir können Frankreich nicht verlassen — gerade wenn wir jetzt abreisen, nach dem Süden etwa, machen wir uns ganz besonders verdächtig. Wozu auch fliehen ? Einmal...» Sie vollendete den Satz nicht, aber Eberhard wusste, was sie sagen wollte: « Einmal hat das doch alles ein Ende: einmal werden sie uns fassen, und dann ist es aus! > Aber Eberhard und Mercedes betraten das Cafe Luxembourg nicht mehr. Eberhard versuchte, bei den Pariser Blättern Artikel über die russische Revolution unterzubringen — es war gerade in den Tagen, da die Kerenskiregierung gestürzt und von den Bolschewiken abgelöst worden war. Da Eberhard eine genaue Kenntnis der politischen Verhältnisse Russlands besass, da er über die Ziele der einzelnen Richtungen bestens unterrichtet war, hatte er ziemlichen Erfolg, und sogar der « Matin > veröffentlichte drei informative Artikel über die Bolschewiken aus seiner Feder. Bei dieser Gelegenheit sprach Eberhard auch den Chefredaktor dieses Blattes. «Sie haben sich mit Herrn d'Allancourt überworfen, Herr Naschtschenko. wie ich höre ! War das nicht sehr ungeschickt von Ihnen ? » Eberhard nannte ihm die Gründe, die ihn bewogen, das Cafe Luxembourg nicht mehr aufzusuchen. Der Journaliste lachte. « Sie nehmen die Dinge zu schwer, Herr Naschtschenko ! Wie eben ein Russe ! Aber ich sage Ihnen wohl kaum etwas Neues, wenn ich bemerke, dass Herr d'Allancourt unter Umständen ein sehr eefährlicher Gegner sein kann. Ein sehr gefährlicher Gegner ! Für sie sowohl, wie für Ihre Freundin. Das sollten Sie nicht ausser acht lassen ! » « Ich habe mir nichts zuschulden kommen lassen, und ich sehe deshalb auch nicht ein, wieso mir Herr d'Allancourt gefährlich werden könnte! » (Fortsetzung folgt.)

N° 107 - 1935 AUTOMOBIL-REVUE IS GARROSSERIE 0. KUSTERER ZÜRICH Unsere besten Glückwünsche begleiten Sie ins neue Jahr! Sattlerei Spenglerel Wagnerei Schiosterei Unfall-Reparaturen prompt WEWE RKA Spezialhaus für Auto-Ersatzteile C. Schaefer, Auto - Electric - Service BERN ZÜRICH 2 Belwtratse 24 Otäcnberqttrasf 10 BASEL Lionhardstr. 34 ZÜRICH Dafoorstr. 24 BERN Hiitilemattstr. 62 CARROSSERIE ALFRED HÄNNI L CHYT1L-STRAUB immer angriffslnstig imd beweg- Hob sein .... unentwegt dem Ziel zustreben .... sioh nioht von den Hindernissen kleinkriegen lassen .... immer Sportgeist wahren .... das braucht's im 1934 Der M G tritt so gerüstet ins neue Jahr und wünscht es allen seinen Freunden .... Neuzeitlich eingerichtete Werkstatten für Carrosserien jeder Art. Cabriolets. Luxus-Ausführungen I ZÜRICH-SCHWAMENDINGEN Speziai- Reparatur-Werkstätte Eigenes Original - Ersatzteillager. Sämtliche Reparaturen, Revisionen v. Wagen allerMarken PAUL KESSLER - ZÜRICH Dufourstras8e 209 Telephon 24.845 SPORTCAR A.G., Löwenstrasse U, ZÜRICH