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E_1933_Zeitung_Nr.107

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N° 107 II. Blatt BERN, 29.Dezember 1933 Beila« zur Automobil-Revue II. Blatt BERN, 29. Dezember 1933 Zwiesprache in der Silvester-Nacht Von Gertrud Bürgi. *Du schwindest, altes Jahr —?» ißMein Rücken ist gebeugt.* yUnd hast so wenig Frohes mir gezeugt.* »Mein Aug" ward trübe längst von deinen Tränen...» *Und ach, wie müd bin ich vom vielen Sehnen.» »Mein Haar ward weiss und meine Stirne kraus, S'ist spät, mein Freund, nun muss ich still nach Haus.» «Und ich — ? Du lassest wirklich mich allein?» *Mein Bruder kommt und er ist wieder dein. Ist jung und schön und wohl gebaut...» Da hab' ich mich dem Bruder anvertraut. t*Bist du mir gut gesinnt? Was denkst du dir — ?> »Ich bin dir das, mein Freund, was du bist mir.» Da senkte sinnend ich mein Haupt. Mir war, Als sei ich selber ja das junge Jahr. An der Schwelle zum neuen Jahr Wieder wendet sich ein Jahr von uns, und wieder naht ein ernster und von leiser Wehmut der Vergänglichkeit erfüllter Silvester. Ueber dem letzten Tannenzweig, der vom Feste der neuen Liebe mitten in der Dunkelheit unserer Zeit kündet, stirbt ein an Schicksal reiches Jahr. Die Sinne vieler Menschen sind von festlicher Vorerwartung bewegt: die einen wollen ein Stück Vergangenheit in feierlicher Einfachheit und stillem Ernst, die anderen mit hellem Klang und Gepräge zur Ruhe bestatten, um einer schöneren Zukunft mit freudigem Herzen Tür und Tor zu öffnen. Es ist der alte, schöne Optimismus, der in ernsten Zeiten ein doppelt kostbares Gut ist. Die Zeitungen sind voller Anzeigen der Vergnügungsstätten, die den Uebergang so sprühend und lebendig als möglich zu feiern gedenken. In den Schaufensterauslagen prunken noch wenige Tage die köstlichen Geschenke und Leckerbissen, die alle dazu da sind, das neue Jahr mit tausend Freuden zu empfangen. Der Himmel schimmert in milchigem Grau über dem wirren Menschengewimmel der abendlichen Strassen, ein winterlicher Hauch strömt von den nahen Hängen nieder und über dem Boden schwankt ein ziehender, nasser Nebel. Es ist oft erkrampfte Fröhlichkeit in diesen Vorbereitungen zum Uebergang in ein neues Jahr. Viel hohler Lärm und das offensichtliche Bedürfnis, etwas zu verbergen. Die Jahreswechsel sind gleich Meilensteinen in den Ablauf des menschlichen Lebens gesetzt, das aus der Ewigkeit fliesst und in eine neue Ewigkeit mündet. Unwillkürlich drängt sich dem inneren Auge das Bild des staubigen Wandersmannes auf, der ermattet seinen Fuss auf den Meilenstein setzt, um sinnend die lange, an geraden und krummen Wegen reiche Bahn zu überblicken. Die Jahreswechsel sind die Denksteine, an denen der Wanderer Mensch Rechenschaft ablegt über das, was hinter ihm liegt. Was habe ich mit mir begonnen, und was habe ich mit anderen Menschen begonnen? Das wird die Grundfrage sein, die in diesem Augenblick seine Seele bewegt. Und er sieht, dass seine Lebensbahn nicht zufällig so viel Gestrüpp und Unebenheiten aufgewiesen hat. Im Zurückblicken erkennt er, was ihm vorher bitteres Geheimnis und blosser blinder Zufall schien, als schicksalsgegebene Notwendigkeit. Er ahnt in einer solchen Stunde, da Innerstes sich zu bewegen anhebt, dass sein Leben nicht nach irdisch erfassbaren Gesetzen abrollt und keine moderne Wissenschaft in die Geheimnisse des schicksalhaften Waltens einzudringen vermag. Vielleicht weiss er nun: dass er allein diese bestimmte Bahn ganz zu gehen hat und begreift mit tiefer Beglückung, dass jeder Schmerz und jede Last auch einen Schritt nach aufwärts bringen soll. Denn nur durch Leid wächst die Reife. Das Herz wird selbst den Härten des Lebens gegenüber dankbar, weil auch sie ihren Segen in sich bergen. Wer nur den Mut hat, seinen Weg mit Kraft zu gehen, wird auch das Leid — diese Stufen zu sich selbst — ertragen lernen. Habe ich — so fragt der Mensch am Ende seines Jahres — alle Schwierigkeiten mutig überwunden, sind die mir geschlagenen Wunden geheilt, und vor allem: habe ich aus vielen bitteren Erlebnissen die notwendige Erkenntnis gezogen? Von welcher Grosse und welchem Segen eine solche Stunde sein kann, da auf diese Weise der Wanderer Mensch stillehält und seinen Blick über den im Dunkel der Vergangenheit verdämmernden Weg schweifen lässt! Doch — wie schmerzlich ist es, zu sehen, wie viele Menschen sich gerade in unserer Zeit vor einer Abrechnung mit sich selbst aufs tiefste scheuen. Wie sie sich betäuben, um die innere Stimme zu überhören, die sich am Jahresende erheben will. Und doch hängt aller Fortschritt und alle Entwicklung vom Einzelnen ab, in dem allein sich die grosse Entscheidung über unsere Zukunft vollziehen kann. Unsere Zeit ist ernst und von einer grossen Unerbittlichkeit. Die Wertbegriffe, auf denen ältere Generationen ihr Leben aufgebaut haben, beginnen zu wanken, und in der Unsicherheit greifen die heutigen Menschen entsetzt nach einem sicheren Halt. Sie verlieren sich in falschen Ideologien und verkrampfen sich in Abwehrstellungen. Die Krise hat heute alle Lebensgebiete ergriffen. Die Wirtschaft ist aufs schwerste heimgesucht. Die Not hat ihre dunklen Schatten auch über das Jahr 1933 ausgebreitet. Jahreswende — Zeit der Abrechnung mit sich selbst! Stunde des Rückblicks, der Besinnung auf die ewigen Werte im Menschen! Nie hat die Zeit ernster die Abrechnung gefordert, und nie verlangten offensichtliche Zustände deutlicher nach einer Wandlung. Jeder Einzelne trägt an der Verantwortung für das Ganze mit, und darum entsteht für ihn auch die notwendige Verpflichtung, angesichts unserer Zeitlage die erforderliche Säuberung bei sich selbst zu halten und jene Kräfte wieder zu stärkerem Leben zu bringen, deren Einbruch in die Menschheit gerade an Weihnachten wieder gefeiert wurden. Die Tat der Selbsterkenntnis, der inneren Reinigung, der Stärkung des Willens, der Läuterung des Fühlens, der Kräftigung des Geistes ist so still wie gross. Die Rettung aller kommt aus der Wandlung des Einzelnen, der sein wahres, besseres Ich gegen sein schwaches Ich zu verteidigen entschlossen ist. Das sollte die Aufgabe sein, die sich der Mensch am Silvester zu stellen hat, wenn das Geläute durch die Winternacht schwebt. Einkehr halten — zu Gericht sitzen über sich selbst — welche Tat! Das neue Jahr lässt sich von uns so gestalten, wie wir uns selbst gestalten. Doch der hegt einen blinden Wunderglauben, der meint, selber nichts vollbringen zu müssen, und der doch auf ein schöneres Leben hofft. Die Silvesternacht, in der ein Teil unseres Lebens in die Vergangenheit zurücksinkt und wir uns neuen Zielen öffnen, soll einen heiligen Vorsatz in uns reifen lassen. Die Kraft, mit der wir ihn in die Tat umzusetzen wissen, wird sich einst lohnen. Aber eines darf in unserer schwachen, kranken, jammervollen Zeit nicht Erster Gruss an das neue Jahr \ fehlen: der Mut zu einem besseren Leben! Der Glaube an die ewigen menschlichen Werte, das Wissen um ein reineres Leben! Die Ueberzeugung darf nicht verloren gehen, äass^es sich noch immer lohnt, für solche Dinge sich einzusetzen. Und darum gelte für uns alle der Ruf: Mit neuem Mut ins neue Jahr! Die Wandlung des Josias Gallapfel Silvesterskizze von Julius Hufschmied. Nein, niemand kann seinem Schicksal entgehen, und wenn er sich auch noch so grosse Mühe gibt. Auch Josias Gallapfel konnte es nicht. Josias Gallapfel war ganz zufrieden damit, dass sein Name in seiner kleinen Heimatstadt längst kein Eigenname mehr war, sondern ein Gattungsbegriff, ein schreckenvolles Symbol, ein durch keinen noch so konzentrierten Begriff ersetzbares Abstraktum. Er wollte bleiben, wie er war, aber, wie gesagt, das Schicksal Als Konkretum war er ein erträglich aufgewerteter Privatier mit grauen Augen, grauer Haut, grauen Haar- und Bartstoppeln, grauem Anzug, grauer Stimmung und einer grauen Haushälterin, der zwischen grauen Tapeten in einem grauen Hause lebte. Nirgends in der Welt konnte es soviel Schatten und soviel Staub geben wie in Josias Gallapfels grauem Hause. Eine von Herrn Gallapfels liebenswerten Eigentümlichkeiten war es, an allen Festtagen, besonders über Weihnachten, Silvester und Neujahr, die härtesten Brötchen, das erbärmlichste Mittagessen und das elendeste Wetter haben zu wollen. Das lag nun einmal in seiner Natur. Es lag auch an diesem denkwürdigen 31. Dezember in seiner Natur. Rosina, die graue Haushälterin, verzehrte also — erst in der Küche ihre knusprigen Semmeln nebst bestem Kaffee — denn, wenn sie auch ebenso grau war wie ihr Herr, so hielt sie sich doch nicht für verpflichtet, ebenso unzurechnungsfähig zu sein, und brachte dann das Frühstück für Josias. Der sass in seinem schäbigsten grauen Rock im verstaubtesten Winkel. «Wetter?» fragte er knarrend. «Grau, kalt, stürmisch, nass!» berichtete Rosina, ohne auf die Sonnenringel, die durch die Jalousien hüpften, die geringste Rücksicht zu nehmen. Josias grunzte zufrieden. «Mittag für heute Silvester und morgen Neujahr?» fragte Rosine geringschätzig. «Kartoffeln und Bohnen.» «Auch morgen?», bo. Neujahrsglocken Von Conrad Ferdinand Meyer. In den Lüften schwellendes Gedröhne, Leicht wie Halme beugt der Wind die Töne: Leis verhallen, die zum ersten riefen. Neu Geläute hebt sich aus den Tiefen. Grosse Heere, nicht ein einzler Rufer! Wohllaut flutet ohne Strand und Ufer. «Auch morgen?» äifte Josias nach, «bin ich ein Hanswurst, dass ich die Feiertage mit Albernheiten, mit Fressen und Saufen feiern muss?» Rosina trat ganz dicht vor ihn hin. «Für Sie kann ich das ja kochen, Herr Gallapfel. Ich kann Ihnen die Geschichte ja auch auf dem Marktplatz auftischen. Aber i c h mach' das nicht mit! Ich werde mir eine Gans braten, von Ihrem Wirtschaftsgeld, jawohl! Und wenn Ihnen das nicht passt, dann finden Sie ja sicherlich leicht eine andere Wirtschafterin, so nett und gemütlich, wie das bei Ihnen ist. So einen guten Ruf, wie Sie ihn haben!» Josias Gallapfel stand auf, lief violett an, was einen hübschen Farbton in das Grau seiner Umgebung brachte, warf die Tasse mit Zichorienbrühe an eine, das harte Brot an die andere Wand, fuhr mit beiden Füssen in ein Paar riesige Stiefel und schlug die Haustür dermassen hinter sich zu, dass Rosinas schönster Topf vom Küchenbord fiel. Draussen lachte er gellend hinter einem verliebten Paar her, in der Hoffnung, dieses Lachen werde ihnen den Tag verderben, stiess einen zehnjährigen armen Blumenverkäufer unwirsch hinweg, schob eine Frau böse von einem Schaufenster fort, trat einem Hund auf den Schwanz, beschimpfte einen Polizisten, verlangte von der Stadtverwaltung, dass sie Kinder und Hunde an die Kette legen sollte und erreichte schliesslich, dreckig, grau und böse, den weiten, einsamen Stadtwald, der weissverschneit unter blauem Himmel der Silvesternacht entgegenfunkelte. Er stapfte durch den Schnee, voll galliger Freude, dass seine schmutzigen Stiefel tiefe, schwarze Löcher in die weisse Decke traten, erwog, warum man nicht alle. Kinder bei der Geburt erwürgte, da es doch sonnenklar war, wie sehr sie die ärgste Plage der Menschheit bildeten. Das neue Jahr — was sollte es bringen? Er lachte gequält, wie von einer Angst verfolgt. Er wusste nicht, dass das Schicksal die ganze Zeit über hinter ihm herging. Es führte ihn einen schmalen Nebenweg entlang, nicht ganz bis an die Flussböschung, aber doch immerhin weit genug, damit Josias das feine hohe Wimmern hören konnte, das aus einer Bodensenke kam. Josias riet auf einen steckengebliebenen kleinen Hund und freute sich. Weshalb ging er doch weiter darauf zu? Weshalb rutschte er sogar auf seiner Sitzfläche die halbe Flussböschung hinunter, sagte «verdammte Bestie», womit er den jungen Hund, nicht das Schicksal meinte, was doch viel richtiger gewesen wäre, und streckte den Arm aus? Dann erstarrte er in entsetzlicher Ahnung. Was er griff, war etwas Wollenes, Verknotetes. Eine Sekunde später hielt er einen Säugling auf dem Schoss. — — — Nach siegreich überstandener Mordlust kroch Josias mit seinem Bündel den Abhang hinauf und schrie das Wurm an: «Was nun?» Das Wurm wusste auch keinen Ausweg, weshalb es zu weinen begann, worauf Josias hilflos: «Schu, schu, schu!» machte. Offensichtlich, dieses Kleinchen war jemandem im Wege gewesen. Hübsche Bescherung am letzten Tag des Jahres! Die Polizei fiel Josias ein. .Ja, wozu war sie eigentlich denn da? Er machte sich getröstet auf den Weg. Das Kind winselte noch ein wenig, dann schloss es die Augen und verstummte. Josias erschrak. War es tot? Nein, es atmete, es schlief. Es fürchtete ihn nicht, es schlief unter seinem Schutz! Josias atmete kaum. Zufrieden betrachtete das Schicksal sein Opfer, das vorsichtig und behutsam mit merwürdig gebauschtem Mantel durch die Strassen schritt und die hell erleuchtete Polizeiwache merkwürdigerweise übersah, dafür stracks in sein Haus ging, das Paket auf den Tisch legte und an die Tür Rosinas klopfte. «Kommen Sie mit!» sagte Josias, und dann: «Trampeln Sie doch nicht so! Und seien Sie doch mal etwas freundlicher!» Rosina behielt den Mund offen. Sie öffnete ihn noch weiter, als Josias vor seinem Zimmer «Leise!» mit andächtiger Stimme sagte, und sie sank buchstäblich in die Knie,