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E_1934_Zeitung_Nr.001

E_1934_Zeitung_Nr.001

BERN, Freitag, 5. Januar 1934 Nummer 20 Cts. 30. Jahrgang — N° 1 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralbiatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Enehatait laden Dlenota» und Freitag Monatlich „Gelb« Liste« Halbjährlich Fr. 5.—, Jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter FortAzuschhg, ••fern nicht postamtlicli bestellt. Zuschlag für postamtliehe Bettellung 30 REDAKTION n. ADMINISTRATION: Brettenralnstr. 97, Bern Rappen. Postcheck-Rechnung II1/414. Telephon 2*223 T«l«grajjjm-Adresse: Autorevue, Bern FNSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 nun behe Grundzeile deren Baum 45 Ctt. tttr die Schweiz; tiir Anzeigen aus dem Ausland 60 Cta. Grönere Inserate nack Seltentarll. InseraUtuchlnss 4 Tage vor Erscheinen der Nummern Im Zeichen des neuen Verkehrsgesetzes Unter dem Titel «Anpassung der Automobil© an das neue Verkehrsgesetz> wurde in N'r. 105 der «A.-R.» eine Abklärung verschiedener, noch vielfaoh missverstandener Vorschriften der VoUziehungsverordnung versucht. Wir gaben dabei auch 'unserer Meinung Ausdruck, dass manche Unklarkeiten sich durch präzisere Abfassung der behördlichen Bestimmungen hätten vermeiden lassen. Um aber den ganzen Fragenkomplex möglichst objektiv zu behandeln, haben wir uns an den Chef der Polizeiabteilung des eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartementes, Herrn Dr. jur. H. Rrthtnund, gewandt mit der Bitte, zu den erwähnten Ausführungen im speziellen und der Stellungnahme der Bundesbehörde zum neuen Verkehrsgesetz im allgemeinen das Wort zu ergreifen. Red. Sehr verehrter Herr Redaktor! Sie haben dem Unterzeichneten die erste Nummer des neuen Jahres geöffnet, um die Automobilisten über Sinn und Zweck der Verordnung zum neuen Automobilgesetz, die mit dem Gesetz am 1. Januar 1933 in Kraft getreten ist, zu orientieren. Nichts könnte mir erwünschter sein, als gerade durch Vermittlung Ihrer Zeitung zu den Automobilisten zu sprechen. Denn die «Automobil-Revue» bedeutet für diejenigen, die zuerst mit den Vorarbeiten für den Erlass der gesetzlichen Vorschriften über den Autojfyabilverkdhr beauftragt waren und seit deren Inkrafttreten für deren Durchführung verantwortlich* sind, mit ihrem vielseitigen Inhalt eine Fundgrube für Anregungen und zugleich der Spiegel, der die Auswirkungen der Vorschriften und deren Auslegungen auf den Verkehr und den in diesem stehenden Automobilisten wiedergibt. — Sie ist deshalb das vornehme Instrument für die enge Fühlung der Behörden mit dem Bürger; ganz besonders weil sie sich nicht darauf beschränkt, den Einsendungen der Beteiligten Raum zu geben, sondern weil sie sich zu den wichtigen fragen eine eigene Meinung bildet und diese 'mit Ueberzeugung vertritt. Dass wir dabei ab und zu mal eins ausgewischt kriegen, geht in Ordnung und kann deshalb nicht übel vermerkt werden, weil Sie als obersten Grundsatz Ihrer Einstellung die loyale Offenheit auf ihre Fahne geschrieben haben. Dass dies auch in Zukunft so bleiben möge, ist mein an Sie, Herr Redaktor, gerichteter Neujahrswunsch. Loyalität und Spiel mit offenen Karten ist aber auch auf Seite der Behörden stets der oberste Grundsatz gewesen und soll es bleiben. Dazu das Bestreben, mit allen ihren Verfügungen und Anordnungen der Allgemeinheit zu dienen, den Verkehr zu fördern, ihn aber in geordnete Bahnen zu lenken und damit dem einzelnen Strassenbenützer die Sicherheit zu gewährleisten, auf die er Anspruch erheben darf. Bei der Aufstellung der Vorschriften in Gesetz und Verordnung stand dies Moment der Verkehrssicherheit in vorderster Linie. Dabei haben wir uns bemüht, den von zahlreichen Gruppen von Mitbürgern geltend gemachten Bestrebungen, die Sicherheit des einzelnen Strassenbenützers auf dem Wege der Aufstellung kleinlicher Vorschriften zu verwirklichen, entgegenzutreten und haben uns auf das Notwendigste beschränkt. Diese Ueberlegungen haben auch zur Vermeidung der Aufnahme von zahlenmässigen Höchstgeschwindigkeiten für alle Automobilisten geführt, wobei allerdings das Vertrauen in die Vernunft und die Kinderstube des einzelnen Fahrers sowie das Zutrauen zur Mitarbeit der srossen Verbände als entscheidender Faktor in die Waagschale geworfen wurde. Hat sich dieses Vertrauen gerechtfertigt? Das ist die wichtigste Frage, die heute, nach der Erfahrung des ersten Jahres, gestellt werden muss. Für die Verbände, d. h. für die Arbeit ihrer Organe, dürfen wir mit einem klaren Ja antworten. Sie haben diese wichtigste Seite des ganzen Strassenverkehrsproblems als solche erkannt und die Erziehung des Fahrers zu Vernunft und Rücksichtnahme als vornehmste Aufgabe an die Hand genommen. Mögen sie so weiterfahren. Es ist bitter nötig, denn der Erfolg steht leider noch in keinem annehmbaren Verhältnis zur aufgewendeten Mühe. Sehr gross ist die Zahl der Fahrer, die glauben, das Fehlen einer Vorschrift mit zahlenmässiger Höchstgeschwindigkeit sei eine Einladung, unsinnig rasch zu fahren. Sie geben sich keine Rechenschaft darüber, welche Gefahr sie schaffen für die andern Strassenbenützer, auch für ihre Fahrkollegen. Und zwar ist sicherlich die grosse Mehrzahl unter ihnen nicht zu den rücksichtslosen Rowdies zu zählen. Es fehlt ihnen an der Uebung. Der unerfahrene Automobilist kann die Gefahr nicht erkennen und hat sein Temperament, die Freude am starken Motor, nicht im Zügel. Hier ist noch viel zu tun. Nicht nur von den Verbänden. Der Fahrlehrer beschränkt sich zu sehr darauf, seinem Schüler das Manövrieren in besonders schwierigen Verkehrsverhältnissen beizubringen und vernachlässigt dabei das Fahren auf grossen Ueberlandstreeken, wo er allein dem Neuling die Einsicht beibringen kann, dass nicht übersetztes Tempo auf verhältnismässig kurzen Strecken, sondern flüssiges Fahren mit guter Durchschnittsgeschwindigkeit rasch vorwärts bringt. Aber auch in Ortschaften und Städten wird noch viel zu rasch gefahren. Kommt es auf fünf Minuten an? Ist da nicht oft Grosshans, am Steuer? Automobilisten, seid vernünftig! Straft unser Zutrauen zu euch nicht Lügen und zwingt uns nicht, euch wieder die Fessel der allgemeinen zahlenmässigen Höchstgeschwindigkeiten anzulegen! — Die Unfallstatistik für 1933 ist noch nicht vollständig. Wir wissen aber, dass das erste Halbjahr 1933 bedeutend mehr Todesfälle gebracht hat, als der gleiche Zeitraum 1932: 207 gegen 166! Wenn wir auch die Ursachen noch nicht kennen, so sind sicher unvorsichtiges und zu schnelles Fahren nicht unbeteiligt daran. Den Behörden bleibt nur eines: die strenge Kontrolle und das rücksichtslose Einschreiten gegen den rücksichtslosen Fahrer durch Entzug der Führerbewilligung. Das eidgenössische Justiz- und Polizeidepartement als Re* kursinstanz hat eine-strenge Praxis begonnen, mit der es die Kantone zu noch strengerem Vorgehen aufmuntert. Auffällig ist, dass allein wegen Fahrens in betrunkenem oder angetrunkenem Zustand ungefähr 500 Führerbewilligungen entzogen werden mussten, wovon ungefähr ein Drittel mit Unfall! Der Kampf gegen die Verbindung Alkohol und Automobilfahren ist also wie die Ueberwindung des rücksichtslosen Fahrens des Schweisses der Edlen wert! Und zwar sollte der Einzelfahrer dies nicht Behörden und Verbänden überlassen. Wenn jeder sich die Mühe nehmen wollte, den Kollegen, den er auf der Strasse bei einer Unvorsichtigkeit oder gar Rücksichtslosigkeit ertappt, mit einer Postkarte offen und ehrlich darauf aufmerksam zu machen oder ihn seinem Verband zu melden, so würde das sicher grösseren Erfolg bringen als der drohende Polizeiknüppel! Es lag nicht in meiner Absicht und würde auch nicht dem von Ihnen geäusserten Wunsch entsprechen, wenn ich meinen Neujahrsbrief dazu missbrauchen wollte, Schulmeisterei zu treiben. Sie werden mir es aber nicht verargen, dass ich mir zuerst die grösste Sorge vom Herzen schrieb und für die vom Fahrer abhängige Verkehrssicherheit eine Lanze gebrochen habe. Ich wäre übrigens unvollständig, wenn ich nicht ein Wort an die andern Strassenbenützer richten würde, denn ihr Verhalten ist ebensosehr verantwortlich für die sichere Abwicklung des Verkehrs wie das Benehmen des Automobilisten. Wenn wir auch den Zustand der «Zleidwercherei» dem Automobilisten gegenüber überwunden haben, so stellt sich doch heute noch mancher andere Strassenbenützer auf den Standpunkt: die Strasse gehört mir! Auch denkt er oft nicht an seine eigene Sicherheit, überquert die Strasse unvorsichtig, fährt nachts ohne Licht, stellt sein Fuhrwerk — was übrigens der Automobilist auch noch recht oft tut — an einer Kurve oder einer Kreuzung auf usw. Der Radfahrer stellt heute oft noch die Crux dar für den Automobilisten. Dabei ist er heute viel schwerer zu fassen als früher, wo das Fahrrad noch mit einer Nummer versehen sein musste. Würde es übrigens nicht in seinem eigenen Interesse liegen, wieder eine solche zu haben? Die kantonalen Polizeidirektoren vermissen sie sehr, aus guten, Radfahrer und Allgemeinheit interessierenden Gründen. — Für alle Strassenbenützer, ohne Ausnahme, gilt neben den gesetzlichen Vorschriften das Gebot der Rücksichtnahme. Benehme sich jeder so auf der Strasse, wie er wünscht, die andern möchten sich ihm gegenüber benehmen. Wenn wir uns bemüht haben, in Gesetz, und Verordnung möglichst wenig zu reglementieren, so haben wir aber bei den Beratungen der aufzustellenden Vorschriften stets hervorgehoben, das einmal Verfügte müsse auch strickte durchgeführt werden. Galt es doch in erster Linie, den durch das von Toleranzen durchlöcherte Konkordat entstandenen Wirrwarr abzustellen. So haben wir alle Gesuche, die Ausnahmen von bestehenden Vorschriften verlangten, konsequent abweisen müssen, wo Gesetz oder Verordnung solche Ausnahmen nicht ausdrücklich vorsehen. Die Grosszahl solcher Begehren waren auch nicht berücksichtigenswert, indem sich ein Einzelinteresse gegen das allgemeine Interesse durchsetzen •wollte. Es liegt aber im Rahmen des zu Erwartenden, dass sich einzelne Vorschriften als zu eng gefasst oder gar verfehlt herauszustellen scheinen. Sobald genügend Zeit verstrichen sein wird, werden wir deshalb an eine Ergänzung der Verordnung oder an die Verbesserung einzelner Bestimmungen heran- Der geheime Kampf. Roman von Philipp Klein. (37. Fortsetzung) « Ihnen vielleicht weniger, als Ihrer kleinen Freundin. Herr d'AHancourt hat mir da einige Andeutungen gemacht — ich glaube natürlich nicht daran, dass er recht hat! Aber vielleicht stellen Sie sich doch wieder auif einen freundlicheren Fuss mit ihm ! Sie brauchen ihn ja augenblicklich kaum, denn vorderhand können Sie von der russischen Revolution leben, über die Sie ausgezeichnet unterrichtet sind. Ihre Artikel sind sehr gut, sehr informativ — wollen Sie mir noch drei über die Einstellung der Bolschewiki zum Kriege schreiben ? Vorausgesetzt natürlich, dass Sie darüber unterrichtet sind! Und nicht zu pessimistisch für uns ? Ja ? Gut! Und — wenn ich Ihnen einen Rat geben darf bringen Sie die Sache mit d'AIlancourt in Ordnung. Es ist auf alle Fälle besser! » Eberhard kam nicht mehr dazu, die Artikelserie über die Einstellung der neuen Herren von Russland zum Kriege zu schreiben; am nächsten Morgen wurden er und Mercedes verhaftet. Ein ungewöhnlich hohes Aufgebot von Polizisten war erschienen; ein Kommissar in Zivil präsentierte den Haftbefehl; im nächsten Augenblick waren Eberhard und Mercedes gefesselt. An der Schwelle des Hotels sahen sie einander zum letztenmal, und — wussten es ! Zu Ende! In zwei Wagen wurden sie weggebracht; man hatte ihnen nicht einmal Zeit gelassen, sich der kalten Jahreszeit entsprechend anzukleiden. Beide ohne Hut, beide ohne Mantel. Sie brauchten das offenbar nicht mehr. Eberhard wurde nach einer etwa halbstündigen Fahrt in ein düsteres Gebäude gebracht ; nach kurzen Einlieferungsformalitäten stiess man ihn in eine Zelle, die nichts enthielt als eine Holzpritsche mit einer dünnen Decke, einen kleinen Tisch, einen Hocker und in der Ecke einen Kübel zur Aufnahme der Fäkalien. Oben an der Decke ein zwei Hände grosses, vergitterstes Fenster. Der kleine Raum war nicht geheizt: die Luft war zum Ersticken. Eberhard suchte seine Gedanken zu sammeln; es war nicht gerade schwer, seine Lage zu übersehen. Dass er von d'AIlancourt denunziert worden war, stand ausser Zweifel. Dass man ihn der Spionage bezichtigen würde, gleichfalls. Die Frage war: welche Beweise hatte man gegen ihn ? War einer seiner Briefe, die über die Schweiz gingen, aufgefangen worden ? Hatte man die Agentur in der Schweiz entdeckt, die den Dienst weiterleitete, und kam vielleicht dadurch auf seine Spur ? Dann war er selbstverständlich verloren Aber er hatte seit R Tagen keine Nachricht mehr geschickt. In seinem Hotelzimmer konnte man nichts finden, das ihn belastete; nichts! Er war sogar so vorsichtig gewesen, die Tinte, die er benützte, für jeden Fall einzeln selbst zu bereiten und nach Gebrauch sofort restlos zu beseitigen. Sein Pass war wirklich in Ordnung. In seinem Besitz waren das Anerkennungsschreiben des Bukarester, das Empfehlungsschreiben des französischen Gesandten in Bern. Aber — bedeutete das Entscheidendes zu seinen Gunsten ? Fragte man hier nach Schuldbeweisen oder genügte der Verdacht ? Und Mercedes? Sie hatte gerade in der letzten Zeit sehr zurückgezogen gelebt. AUCH bei ihr würde man bestimmt nichts finden, das sie belasten konnte — ausser ihrer Persönlichkeit ! Konnte man ihre Identität mit Ata Bari feststellen, dann allerdings — dann Und das war immerhin möglich! Wenn er es recht bedachte, sogar wahrscheinlich. Vielleicht hatte d'AIlancourt sich Beweise verschafft. Dann war sie verloren und — er mit ihr! Eberhard fühlte, wie ihm der Schwelss auf der Stirn stand, wie sein Herz in wilden Schlagen pochte, Gewiss, er musste stündlich dieses Ende befürchten seit dem Tag, da er in Rom Mercedes zum erstenmal in die Arme geschlossen hatte, er vergass seither auch nicht einen Augenblick, dass ihnen jeder Tae in Freiheit ein Gnadencreschenk des Himmels bedeutete; aber nun. da die Katastrophe hereingebrochen war. traf sie ihn doch, als wäre er völlig unvorbereitet gewesen. Denn so deutlich die Vernunft ihm stets sagen konnte, wie das Ende dieser Liebe sein würde:, — nun stellte sich heraus, dass er im Unterbewusstsein doch immer die Hoffnung gehegt hatte, sie würden beide allen Fährlichkeiten entrinnen. .Ich bin selbst schuld' — ,dachte er verzweifelt. .Ich allein. Ich hätte nicht dulden dürfen, dass sie mit nach Frankreich ging — um keinen Preis der Welt hätte ich es dulden dürfen. Aber meine Liebe war selbstsüchtig; ich freute mich, dass sie bei mir sein wollte — meiner Selbstsucht habe ich sie geopfert. Wenn sie sterben muss — und sie muss sterben ! — bin ich ihr Mörder !' Wie hatte sie gesagt ? < Wenn eins von uns fällt, geht das andere weiter, ohne sich umzusehen ! > Dem allerdings war er enthoben; er .fiel mit! Und er empfand es fast als einen Trost, dass auch er sterben würde. Gott — wenn nur alles vorüber wäre! Und er empfand plötzlich eine furchtbare Müdigkeit, so dass er sich kaum aufrechtzuhalten vermochte. Er Hess sich auf die Holzpritsche fallen. Den ganzen Tag lag er da, ohne sich zu rühren. Man brachte ihm keine Nahrung; er sah, wie das karge Licht aus dem kleinen Fenster bleicher und bleicher wurde und endlich völlig: verstarb. Nacht! In diesem