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E_1934_Zeitung_Nr.005

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BERN, Freitag, 19. Januar 1934 Nummer 20 Cts. 30. Jahrgang — N° 5 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint Jeden Dienstag and Fr»IU« Monatlieh „Gelbe IMUT Halbjährlich Fr. 5.—, jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portozuschlag, sofern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung 30 REDAKTION o. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Rappen. Posteheck-Rechnung I U/414. Telephon 2SJ222 Ttlecramm-AdreiM: Autorevue, Bern Nachtfahrten und ihre Gefahren Die Grosse des Verantwortlichkeitsgefühls eines Automobilisten dokumentiert sich wohl am besten bei nächtlicher Begegnung mit gleichen oder andern Strassenbenützern. Mit der zunehmenden Verwendung des Motorfahrzeuges zu Geschäftszwecken lässt sich in den letzten Jahren eine erhebliche Frequenzerhöhung der Nachtfahrten feststellen. Naturgemäss wird das Fahren mit Scheinwerfern während den Herbst- und Wintermonaten im Vergleich zu den übrigen Jahreszeiten um ein Vielfaches anschwellen. Namentlich bei Arbeitsbeginn und bei Geschäftsschluss wird der Strassenverkehr, speziell im Einzugsgebiet von Städten und grösseren industriellen Ortschaften, derart intensiv, dass nur grösste Rücksichtnahme der verschiedenen Strassenbenützer untereinander eine relativ flüssige Verkehrsabwicklung ermöglicht. Mit Eintritt der Dämmerung und der damit verbundenen Beleuchtung der Motorfahrzeuge wird eine nicht zu unterschätzende Unfall quelle geschaffen, stellt doch die Blendung durch die Scheinwerfer entgegenkommender Automobile und Motorräder sowie durch die Fahrradlampen eine der gefährlichsten Ursachen von Verkehrsunfällen dar.'Obwohl in der Vollziehungsverordnung zum eidgenössischen Motorfahrzeug- und Fahrradverkehrsgesetz die Handhabung der Beleuchtung klar umschrieben ist, kann man nächtlich leider noch vielfach Fahrern begegnen, die es sehr leichtsinnig mit den vom Gesetz aufgestellten Pflichten nehmen. Eine korrekte Verkehrsdisziplin bei Nachtfahrten erscheint aber um so dringender und angebrachter, als trotz zahlreichen technischen Neuerungen auf dem Gebiete der Fahrzeugbeleuchtung, es bis heute noch keine unter allen Umständen nichtblendende Scheinwerfer gibt, weil das Auge, wenn es längere Zeit ins Dunkel gerichtet war, auch von Lichtstrahlen geringer Intensität geblendet wird. Besonders gefährlich wird aber die Blendung bei Motorfahrzeugen, die über einer Bodenwelle auftauchen, oder um eine Strassenbiegung gefahren kommen. Das noch von vielen Automobilisten praktizierte Einschalten auf Voüicht, wenn der kreuzende Wagen noch lange nicht auf gleicher Höhe angelangt ist, birgt ebenfalls schwere Gefahren in sich. Ein derart vorzeitiges Einschalten des Fernlichtes kennzeichnet besonders den rücksichtslosen Automobilisten, der die Strasse allein beherrschen zu müssen glaubt. Der geheime Kampf. Roman von Philipp Klein. (41. Fortsetzung) Die Pflicht des Abblendens ist im Gesetz ziemlich genau umschrieben und durch die Rechtsprechung auch erläutert und zum Teil ergänzt worden. Der betreffende Artikel wurde im Interesse des entgegenkommenden Strassenbenützers aufgestellt. Die •Vollziehungsverordnung schreibt denn auch in Artikel 39 vor, dass die blendenden Scheinwerfer mindestens 100 m vor dem Kreuzen mit einem andern Motorfahrzeug, einem bespannten Fuhrwerk, einer auf oder unmittelbar neben der Strasse fahrenden Tram- oder Ueberlandbahn, einem Fahrrad, einer Truppenabteilung, einer Fussgängergruppe, einem Reiter oder einer Viehherde abgeblendet werden müsse, desgleichen beim Hintereinanderfahren von Motorfahrzeugen und beim Anhalten. Sofort muss auch abgeblendet werden, wenn der entgegenkommende Fahrzeügführer durch Ein- und Ausschalten der eigenen Scheinwerfer darum ersucht. In Ortschaften ist die Verwendung blendender Scheinwerfer auf beleuchteten Strassen untersagt (Ausnahmen bei Abgabe optischer Warnsignale). Auf Grund unserer Erfahrungen während .den. letzten Monaten glauben wir, diesen Scheinwerferhandhabungsartike! in,' 'Erinnerung rufen zu dürfen, wird doch vielfach noch von Automobilisten und Automobilistinnen dagegen gesündigt. Sehr oft kann man beobachten, dass Fahrer sich wohl in Ortschaften, wo sie sich des wachsamen Auges des Gesetzes beobachtet wähnen, eines korrekten Fahrens befleissen und auch ihre Pflichten kennen, dagegen auf der Ueberlandstrasse sich keinen Pfifferling um die Mitmenschen kümmern. An der Art des Abblendens kann man sich denn auch deutlich ein Urteil über seinen Gegenfahrer machen. Obwohl das Gesetz ein Abblendungsminimum von 100 m vorschreibt, blendet der rücksichtsvolle Fahrer schon in erheblich grösserer Distanz ab, weil die heute in Gebrauch stehenden Vollichter bereits bei 200 und mehr Metern einem entgegenkommenden Fahrzeug die Sicht stark beeinträchtigen. Dabei kann aber nicht die Ausrüstungsindustrie für den Bau starker Scheinwerfer etwa verantwortlich gemacht werden, sondern diese wurden geradezu bedingt durch die stark lichtsaugenden Asphaltstrassen. Der Staat hat es in der Hand, durch Verwendung heller Strassendeekungsmaterialien, das Scheinwerferproblem in eine Richtung zu «Ich glaube, Sie brauchen sich keine Mühe zu geben — man wird mit oder ohne Charge wenig Umstände mit mir machen, wenn man mich erwischt!» «Das ist allerdings auch meine Meinung.» Der Pilot lachte. Dann nahm er eine Karte vor und erklärte • Eberhard die Situation. Suchte ihm auch begreiflich zu machen, auf was es hauptsächlich ankam. «Hier stehen Wir», sagte er abschliessend, «so ungefähr verläuft augenblicklich die deutsche Linie. Wie tief sie ist, das wissen wir nicht, möchten es aber natürlich gerne wissen. Suchen Sie das herauszufinden. Ich werde Sie in der Nähe von Guise an der Oise absetzen. Da ist, wie wir wissen, die sogenannte Hundingstellung vorbereitet. Ist diese Stellung bereits besetzt, dann melden Sie es sofort. Ist das nicht der Fall, so suchen Sie weiter vorwärts zu kommen, bis Sie auf eingegrabene Artillerie stossen. Den Punkt teilen Sie genau mit — dann ist Ihre Aufgabe erledigt. Ich hoffe, Sie haben begriffen!» Viel Mühe hatte der Pilot sich nicht gegeben; er schien offenbar, gleich dem Kapitän, im voraus überzeugt zu sein, dass die ganze Sache zu gar nichts führen würde. Eberhard erhielt eine Schüssel mit Menage. Dann gab man ihm den Käfig mit den beiden Brieftauben, die Pergamentstreifen, eine Legitimation und ein Erkennungszeichen auf den Namen «Gottfried Bauer, hundertelftes Infanterieregiment, Heeresgruppe Kronprinz». Es war mittlerweile völlig Nacht geworden, aber dem Piloten war es noch zu früh, aufzusteigen. Der Mond stand noch am Himmel; die kleine Sichel gab zu viel Licht. Zwei Stunden musste Eberhard warten, dann Hess der Pilot seine Maschine aus dem Schuppen bringen. Eberhard hatte geglaubt, er werde neben dem Führersitz oder hinter diesem Platz nehmen müssen, aber man hatte sich ein eigenes, ein ganz besonderes System ausgedacht, Personen hinter der feindlichen Linie abzusetzen. Eberhard musste in einen Aluminiumkasten kriechen, der am Bauche des Flugzeuges befestigt war. Mit untergeschlagenen Beinen, den Käfig mit den grauen Tierchen neben sich, konnte er in dem Kasten gerade aufrecht sitzen. Dieser Aluminiumkasten — der Pilot erklärte ihm das mit sichtlichem Vergnügen — konnte durch einen Hebeldruck von dem Flugzeug losgelöst werden. Dann entfaltete lenken* die mit weniger hohen Gefahren als das heutige verbunden ist. Mit der Zunahme der Geschwindigkeiten und den vielen Asphaltrouten, die namentlich bei Regenwetter das Licht geradezu aufschlucken, wurde der Automobilbau gezwungen, «Riesenscheinwerfer» einzubauen, die bei Kreuzungen die bekannten Kalamitäten nach sich ziehen. Auch dem Strassenbau öffnet sich hier ein dankbares Gebiet, um unter Beachtung neuzeitlicher Forschung?- und Konstruktionsergebnissen an der Lösung des Abblendproblems seinerseits mitzuhelfen. Nicht nur die Beleuchtung der Motorfahrzeuge weist in technischer Hinsicht gewisse Mängel auf, sondern mit wenigen Ausnahmen krankt auch die Strassenbeleuchtung in den Ortschaften an gleichen Uebeln. Wenn in der Vollziehungsverordnung die Verwendung der Scheinwerfer in beleuchteten Ortschaften untersagt wird, so ist dieser Vorschrift eine sehr, liberale Handhabung zu wünschen, weil in unserem Lande noch von vielen, auch an Hauptstrassen gelegenen Gemeinden, ein Beleuchtungssystem in Gebrauch steht, das wohl den Weg des Viehs zum Dorfbrunnen oder des Bürgers zum Nachtschoppen dürftig erhellt, nicht aber dem heutigen Motorfahrzeugverkehr genügen kann. Eine noch nicht vollkommen abgeklärte Frage betrifft das Bedienen der Scheinwerfer beim Ueberholen. In der Vollziehungsverordnung wird nur von einer Abblendungspflicht beim Hintereinanderfahren gesprochen, was auch verständlich ist. Hingegen wird die Lichtfrage beim Ueberholen im Gesetz offen gelassen. Von einzelnen automobilistischen Kreisen wird die Forderung des Abblendens beim Vorfahren erhoben, gestützt auf die lästigen Blendwirkungen durch Rückblickspiegel und Scheibenreflexen des vorderen Fahrzeuges. In der Praxis verhält es sich aber so, dass die Führer von Limousinen und Cabriolets die hintere Scheibe zudecken und solche von offenen Wagen die Rückblickspiegel verstellen, wodurch die Blend- resp. die Reflexwirkung zum mindesten erheblich reduziert wird. Technisch ist beim grössten Prozentsatz der zirkulierenden Wagen somit die Möglichkeit gegeben, die Reflexwirkung auf ein Minimum herabzusetzen. Wenn ein hinteres Fahrzeug ein vorderes überholen will, dann wird der Lenker des ersteren sein Vorhaben durch Vollicht kundgeben. Es hiesse nun die Gefahren ungemein erhöhen, wenn mit abgeblendetem Licht vorgefahren werden müsste; die Erfahrung lehrt, dass gerade in diesem Moment das volle Licht Unfälle verhüten hilft. Zudem ist zu beachten,, sich ein Fallschirm und der Kasten glitt zu Boden. Das heisst, — wenn der Fallschirm sich wirklich entfaltete! Manchmal war das wohl auch nicht der Fall. Dann war natürlich nichts zu machen. Eberhard hatte nicht Zeit, zu überlegen. Er hockte in dem Kasten, die Maschine sprang an, holperte über den Acker, dass ihm Hören und Sehen verging und hob sich dann plötzlich vom Boden ab. Also so war das, — ein Hebeldruck, der Aluminiumkasten löste sich, und nun konnte der Fallschirm sich öffnen oder nicht. Oeffnete er sich, dann kam man im Gleitflug zu Boden. Oeffnete der Schirm sich nicht, dann ging es schneller und man kam eben zerschmettert unten an! Eine sehr menschenfreundliche Art des Aufklärungsdienstes. Die Maschine stieg. Eberhard fühlte es an der Kälte, die plötzlich in sein Gesicht biss, das über den Rand dieser Todeskiste hervorsah. Sie musste schon recht hoch sein. Das nannte man also einem Menschen eine Chance geben! Gut! Es war alles in Ordnung! In einer Sekunde, die er nicht wusste, warf der Pilot Boncoeur einen Hebel herum, und dann war es aus. Er würde unter dem Anprall auf der Erde nicht mehr zu leiden haben, denn der Pilot würde in seiner Höhe bleiben, in der ihn kein Abwehrgeschoss erreichen konnte! Wie erfinderisch der Menschengeist ist, wenn INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzelle oder deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Auxland 60 Cts. Grössere Inserate nach Seitentaril. Inseratenschlnss 4 Tage vor Erscheinen der Nummern dass eine Verminderung der Streckenübersicht durch Abblenden dem gewissenhaften Fahrer eine Reduktion der Geschwindigkeit an und für sich schon auferlegt, so dass er nur in den wenigsten Fällen wagen würde, das Ueberholungsmanöver zu vollziehen. Beim Ueberholen muss aber im Gegenteil die Fahrgeschwindigkeit gesteigert werden, was bei reduzierter Sicht eine weitere Herabminderung der Fahrsicherheit zur Folge haben würde, wobei die Behauptung, der Lichtkegel des ersten Wagens erleuchte die Fahrbahn ausreichend, nur bedingt richtig ist oder überhaupt nicht stimmt. Wer bei Arbeitsbeginn oder abends während den Wintermonaten die vielen durch Licht markierten oder auch nicht bezeichneten Velofahrer und Fuhrwerke beim Ueberholen berücksichtigt, der wird aus eigener Erfahrung die Gefährlichkeit- dieses Manövers einzuschätzen wissen und kaum noch die Gefahren durch Abblenden erhöhen wollen. Im weiteren sind auch die oft ungenügenden Strassenbreiten und zu starke Deckenwölbungen mit in Rechnung zu stellen, sowie bei der Vorfahrseite auftauchende Fussgänger oder andere Hindernisse (Aeste, Steine etc), die ein rechtzeitiges Erkennen durch den Vollscheinwerferkegel unbedingt erfordern. In keiner Weise ist es Unhöflichkeit oder fehlende Rücksichtnahme, wenn der überholende Wagen nicht abblendet, sondern ein Gebot der Fahrsicherheit. Allerdings soll sich der Fahrer des vorfahrenden Wagens dann befleissen, sein schnelleres Tempo auch weiterhin einzuhalten und nicht seinen Ehrgeiz, als Erster in der Kolonne zu fahren, zu befriedigen versuchen. Das Blendproblem wäre aber nur einseitig behandelt, wenn wir nicht auch die übrigen Strassenbenützer berücksichtigten. Technische Mängel im Rahmen unserer Ueberlegungen weisen auch die meisten Fahr- und Motorräder auf. Die heute übliche elektrische Beleuchtung bei ersteren blendet ebenfalls bei schnellem Fahren, so dass auch hier der Hebel angesetzt werden muss, um Abhilfe zu schaffen. Dass manche Velofahrer sich der blendenden Wirkung ihrer Beleuchtungseinrichtung bewusst sind, geht aus der vielfach geübten Praxis des Abblendens mit der Hand hervor. Ein Kapitel für sich bildet die Anbringung des sogenannten Katzenauges an den Fahrrädern. Vielfach kann beobachtet werden, dass dieses entweder nicht angebracht oder dann so befestigt ist, wie wenn es die Mondstrahlen zu reflektieren hätte. Den Kontrollorganen möchten wir empfehlen, nicht nur die Motorfahrzeuge einer genauen Prüfung zu unterziehen und festzustellen, ob es sich um Werke der Vernichtung handelt! Wieviel Phantasie aufgewendet wird, um zu töten! Es wurde immer kälter, Der Propeller surrte, der Motor knatterte, dass das Trommelfeld schmerzte. Es war fast völlig dunkel, nur ab und zu kam von unten der Widerschein eines Aufblitzens, ab und zu liess eine Leuchtkugel auf eine Sekunde die Ahnung eines grünen, roten, blauen Lichtes aufzucken. Da unten raste der Mord. Auch in der Nacht spieen die grossen Maschinen Verderben, auch in der Nacht hämmerte das Trommelfeuer auf die feindlichen Stellungen. Wie lange flogen sie schon? Waren e;s Minuten — Stunden? Eine Ewigkeit? Eberhard wusste es nicht. Es war auch gleichgültig. Sein Puls ging ganz langsam; er fühlte eine ungeheure Müdigkeit. Lebte er überhaupt noch? Immer weiter — immer weiter! Wann war das doch, dass sie in dem winterdüsteren Hof Mercedes erschossen hatten? Vor Ewigkeiten musste das gewesen sein. Nun war die Reihe an ihm, und man hatte es ihm eigentlich ganz leicht gemacht. Er brauchte nicht heroisch zu sterben, wie etwa, wenn er eine Mine zur Explosion hätte bringen müssen. Nur einfach sitzenbleiben, warten, bis der Hebel herumgeworfen wurde. Dann war es aus. Dann würden sie unten