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E_1934_Zeitung_Nr.003

E_1934_Zeitung_Nr.003

Die starke Entwicklung

Die starke Entwicklung 4es Motorfahrzeugverkehrs, allen Wirtschaftskrisen zum Trotz, wird so recht deutlich durch das rapide Anwachsen der Einnahmen des Bundes aus dem Benzinzoll verkörpert. Dazu dürften nicht nur die stete Zunahme des Fahrzeugbestandes, sondern auch die erfreulich starke Entwicklung des nationalen und internationalen Autotourismus in unserem Lande beigetragen haben. Während die Benzinzolleinnahmen im Jahre 1920 noch ganze 117,554 Fr. betrugen, stellten sich die jährlichen Zunahmen seit 1927 wie folgt: Jahr Total 'Zunahm« 1928 Fr. 26 017 601.— Fr. B 255 057.— 1929 » 32 204 712.— > 6187 651.— 1930 » 34 087 233.— » 2 782 521.— 1931 » 39 933 781.— » 4946 548.— 1932 » 4-4 820 865.— » 4 887 084.— Damit hält sich die Zunahme von 1932 ungefähr auf gleicher Höhe wie diejenige des Vorjahres. Man vergesse aber nicht, dass der Benzinzoll wohl eine der wenigen Positionen gewesen sein mag, die bei gleichgebliebenen Zollansätzen 1932 noch mit einer solch glänzenden Zunahme aufwarten konnten. Allerdings fallen vom Gesamterträgnis dem Bund «nur» 75 Prozent zu, da, wie bereits erwähnt, die Kantone in bescheidener Weise mit 25 Prozent plus 250,000 Fr. Ausgleichsfond interessiert sind. Zudem kommt hievon eigentlich noch der sub. «I. Kantone» diesen gutgeschriebene Betrag von 1,060,000 Fr. als Alpenstrassenbeitrag in Abzug. Immerhin verbleibt dem Bund auch so noch der recht hübsche Betrag von 32,316,509 Fr., oder rund 3,2 Mill. Fr. mehr als 1931. Dazu gesellen sich als weitere Einnahmen des Bundes die Erträgnisse aus den Importen von Motorfahrzeugen, nebst Zubehör, Pneus etc. Diese stellten sich für die letzten zwei Jahre wie folgt: Art 1932 1931 Zu-resp. Abnahme Fr. Fr. Fr. Motorräder 581 102 909 089 — 327 987 Pers.-Automobile ü. Lastwagen 17 440 014 20219 844 — 2 779 830 Karosserien 38 991 55 368 — 16 377 Elektrokarren 1301 10930 — 9 629 Traktoren 129 877 173168 — 43 291 Schläuche aus Gummi (Pneus) 837 284 800 728 + 36 55P Total 19 028 569 22 169 127 — 3 140 55R Die stark abgedrosselte Einfuhr von Motorfahrzeugen und Zubehör des Jahres 1932 hatte eine erhebliche Reduktion der bezüglichen. Zolleinnahmen zur Folge. Während die letzten Jahre meist mit einer erheblichen Zunahme aufwarteten, verzeigt nun das Jahr 1932 gegenüber 1931, wo man noch eine Zunahme von rund 900,000 Fr. registrieren konnte, den erheblichen Rückgang von mehr als 3 Mill. Fr. An Hand der vorstehenden Angaben stellen sich die Gesamteinnahmen des Bundes in Form von Zolleinnahmen aus dem Motorfahrzeugverkehr wie folgt, wobei der Anteil der Kantone am Benzinzoll, sowie die Alpenstrassensubvention bereits in Abzug gebracht sind: 1932 1931 Zu- resp. Abnahme Fr. Fr. Fr. krträjrnis d. Einnahmen auehör 19 028 «59 22169127 — 3140 55S Total 51345 078 50 809 463 + 535 615 Die erhebliche Zunahme der Benzinzollerträgnisse wird durch die Abnahme der Zolleinnahmen aus dem Motorfahrzeug- Import ziemlich aufgewogen; immerhin ergibt sich für den Bundesfiskus immer noch eine Mehreinnahme von rund 535,000 Fr. III. Bund und Kantone. Zusammengefasst ergibt sich pro 1932 für Bund und Kantone folgendes Totalergebnis der Einnahmen aus dem Motorfahrzeugverkehr: 1932 1931 Zunahme Fr. Fr. Fr. Einnahmen des Bundes 51345 078 50 809 463 535 615 Einnahmen der Kantone 43910 763 41256 232 2 654 531 Total 95 255 841 92 065 695 3190146 Die Hauptnutzniesser dieser erfreulichen Zunahme von 3,2 Mill. Fr., die allerdings wesentlich hinter derjenigen des Vorjahres von 9,5 Mill, Fr. (Rekordzunahme) zurückbleibt, sind diesmal die Kantone, was in Anbetracht, dass sie den Bau und Unterhalt des Kantonsstrassennetzes und teilweise auch des Gemeindestrassennetzes zu tragen haben, nur als recht und billig bezeichnet werden darf. V Schweizerische Benzinmarktfragen. Unter dem Vorsitz von Herrn Minister Stucki, Direktor der Handelsabteilung des Schweiz. Volkswirtschaftsdepartements, fand gestern im Bundeshaus eine freie Aussprache zwischen den Vertretern des Bundes und allen am Benzingeschäft interessierter Kreise statt. Einleitend skizzierte der Vorsitzende in prägnanten Strichen die Stellungnahme der zuständigen Behörden zum Problem der Regelung und Sanierung des einheimischen Benzinmarktes. Die Einflussnahme des Staates auf die Aussenhandelspolitik wird damit begründet, dass durch Einfuhrbeschränkungen die in ihrer Existenz bedrohte Inlandindustrie zu schützen sei. Gestützt auf diese Ueberlegung musste auch das Benzin der Staatskontrolle unterstellt werden, zwecks Förderung unseres Exportes und Verbesserung der allgemeinen Wirtschafts- und Finanzlage. Namentlich was Russland und Rumänien anbetrifft, haben die diesbezüglich ergriffenen Massnahmen bereits sichtbare Erfolge gezeitigt. Im weitern skizzierte Minister Stucki die bisher zur Regelung des Marktes für Motortreibstoffe ergriffenen Massnahmen. Um die Benzineinfuhr überhaupt beherrschen zu können, war es notwendig, für dieselbe eitie schematische Grundlage anzunehmen, wofür bekanntlich die Importmengen des Jahres 1931 gewählt wurden. Die seinerzeitige Kampfperiode, wo die Schweiz zum Tummejplatz internationaler Preiskämpfe auserkoren war, wurde abgelöst durch e,ine Verständigung unter den Importeliren. Gestützt auf einen ausdrücklichen Auftrag der Zollkommission der beiden eid?. Räte und des Bundesrates wurde eine Preiskontrolle für Benzin eingeführt. Die von dieser Stelle gemachten Kalkulationen wurden einem das internationale Benzinsreschäft beherrschenden Fachmann (Colljirt) unterbreitet. In seinem Gutachten wies er vor allem auf die in unserem Lande vorhandene, Ueberorganisation, auf das zu dichte Pumpstellennetz und der zu hohen Zwischenhandelskommissionen hin. Der weitere Schritt zur Sanierung des Benzinmarktes bestand in einer Preiskontrolle durch Outsiderskontingente, um mit deren Hilfe ungerechtfertigte Preiserhöhungen zu unterbinden. Auf Grund des erwähnten Gutachtens ÄUTOMOBIL-REVÜE 1934 - N" 3 pvoMte man das Uebel an der Wurzel anpacken, inhem das Problem über die Preisjontrolle zu lösen versuchte wurde. Auf diesem Wege gelangt« man zum Projekt der korporativen Gestaltung des Benzinmarktes, wobei der Vorsitzende hervorhob, dass diese Seite des Benzinmarktes eine vollkommen interne Angelegenheit darstelle, die nicht in den Aufgabenkreis seines Ressorts falle. Bald gelangte man zur Ansicht, dass es kaum genüge, nur die Preise nach oben festzusetzen, ohne eine Grenzziehung auch nach unten vorzunehmen. Die Handelsabteilung, die beiden Zollkommissionen, wie auch der Bundesrat vertreten auf Grund der Erfahrungen deshalb die Auffassung, die sie auch weiterhin aufrechterhalten, dass man Preistreibereien nicht belohnen könne, indem Importeuren Kontingente zugehalten werden, auf welche diese keinen Anspruch haben. Anderseits standen die Bundesbehörden den Bestrebungen von Prol Lorenz, den Benzinmarkt mit Hilfe der Korporation zu sanieren, wohlwollend gegenüber. Durch die staffelweise Verhandlungstaktik entstanden jedoch unter den einzelnen Interessenten innere Spannungen, die damit begründet wurden, dass man die grössern Gruppen nicht von Anfang an zur Mitarbeit eingeladen hatte. Diese Unterlassung hat von Beginn an ein gewisses Misstrauen geschaffen und war den weitern Besprechungen nicht gerade förderlich. Dr. Stucki betonte ausdrücklich, dass ein solches Sanierungswerk ohne Mitwirkung, der Konsumentenverbände ausgeschlossen sei. In Anbetracht der grossen volkswirtschaftlichen Bedeutung der Benzinpreisfrage müsse die Handelsabteilung diesem Problem ihre volle Aufmerksamkeit entgegenbringen. Die gestrige Aussprache sollte deshalb dazu dienen, dem Direktor der Handelsabteilung einen Einblick in das am Benzinmarkt herrschende Kräftespiel zu verschaffen, um namentlich die Frage abklären zu können, ob der Bund einer Organisation zur Sanierung des schweizerischen Marktes für motorische Treibstoffe zu Gevatter stehen solle, d. h. ob nach wie vor ein' Bedarf bestehe, dass, solange keine gesetzlichen Grundlagen vorhanden sind, auf privater, korporativer Grundlage die innere Seite des Benzinmarktes geregelt wird; wenn ja, betrachten die heutigen Vertreter die bisher geleisteten Arbeiten als genügend, wenn nein, welche Massjnahmen sollen ergriffen werden? *,- Als erster Diskussionsredner verteidigt Prof. Loienz sein etappenweises Vorgehen zur Schaffung einer Benzinkorporation und stellt namentlich, in Abrede, dass damit die Konsumenten vor ein fait accompli gestellt werden sollten. Im weitern würde er es begrüssen, wenn der Importpreis als Bestandteil der Zahlungsbilanz vom Volkswirtschaftsdepartement festgelegt würde. In diesem Stadium der Aussprache erfasste der Vorsitzende den richtigen Moment, um seine Ansicht dahin zu präzisieren, dass er äusserst dankbar dafür wäre, wenn die Konferenz zur Ueberzeugung käme, der Staat hätte sich in diese Angelegenheit gar nich einzumischen. Er würde nicht ungern hören, wenn die Auffassung vertreten würde, der Staat solle die Hand aus dem Spiele lassen, damit die direkt Interessierten die Sanierung selbst an die Hand nehmen könnten. Daraufhin äusserten sich die Vertreter de Konsumentenverbände zu den aufgeworfenen Fragen, wobei derjenige der Aspa in kurzen Zügen die Stellungnahme seines Verbände zum Benzinproblem klarlegte. Vor allem bejaht die Aspa das Bedürfnis der Regelung des Benzinmarktes auf privater Grundlage. In erster Linie sei die Frage abzuklären, welche weitere Verhandlungstaktik eingeschlagen werden soll, wobei auch die sog. Boykottmassnahmen geregelt werden müssen. Anschliessend äusserten sich hinsichtlich der prinzipiellen Frage, d. h. der staatlichen Mithilfe oder der rein privaten Regelung des Benzinproblems die Vertreter des A. C. S. und des T. C. S. im Sinne der letztern Lösung. Von den Benzinimporteuren wurde der Standpunkt verteidigt, dass es in erster Linie auf eine Sanierung des Marktes ankomme; welcher Weg dazu beschatten wird, sei gleichgültig, doch hege man Zweifel, ob man ohne Staat zum Ziele kommen könne. Klar präzisierte der Vertreter des Automobilgewerbes seine Auffassung über die Regelung des Benzinmarktes damit, dass diese Gruppe ohne Staatshilfe nicht auskommen könne. Im gleichen Sinne äusserte sich derjenige der schweizerischen Mineralölinteressenten. Von einem weitern Konsumenteninteressenten wurde ausdrücklich erklärt, für eine staatliche Intervention auf dem Benzinmarkt nicht Hand bieten zu können. In der Rekapitulation der verschiedenen zum Ausdruck gebrachten Meinungen ging Dr. Stucki nochmals auf die Verhältnisse am Schweiz. Benzinmarkt ein, wobei er im besondern auf die Ueberorganisation und der Massnahmen zu deren Beseitigung zu sprehen kam. Was den Konsumentenstandpunkt anbetrifft, so vertrat er die Ansicht, dass es n deren Interesse liege, lieber Ordnung und stabile Verhältnisse zu schaffen, als von einer vorübergehenden Situation zu profitieren. Den Konsumentenverbänden wird vorgeschlagen, bei der jeweiligen Fixierung des Importpreises einen Vertreter zu bezeichnen zwecks Einsichtnahme der diesbezüglichen Akten. Speziell wurde aber vom Vorsitzenden vermerkt, dass sich die Konsumenten bereit erklären, nicht nur mit den" Importeuren, sondern auch mit Handel und Autogewerbe die Benzinmarktfrage zu regeln. Minister Stucki kommt der an der Konferenz zum Ausdruck gebrachten Mehrheitsansicht entgegen und gibt allen die besten Glückwünsche mit auf den Weg, um ohne Staat das Problem lösen zu versuchen. Obwohl das Autogewerbe mit dieser Regelung nicht einverstanden sei, müsse darauf abgestellt werden, dass ohne rechtliche Handhabe das Volkswirtschaftsdepartement nur dann mithelfe, wenn dies auf Wunsch aller Beteiligten geschehe. Nachdem der Vorsitzende noch auf seine Stellungnahme zur Genossenschaft freier Benzinhändler (Zürich) zu sprechen kam, erklärte er ausdrücklich, dass, abgesehen von der Frage der Importpreisgestaltung und der Kontingentierungsmassnahmen, die Handelsabteilunsr bis auf weiteres sich mit der Frage der internen Sanierung des Benzinmarktes nicht mehr beschäftigen werde. Für die Lösung dieses schwierigen Problems wird die Preiskontrolle zur Verfügung stehen. In Anbetracht der verfahrenen Situation wurde aber angetönt, dass der Moment doch kommen könnte, wo auch die Konsumentenverbände den Staat zum Eingreifen bitten, dann, wenn es trotz allen Bemühungen nicht möglich sei, Ordnung zu schaffen. Mit dieser «klassischen Lösung» empfahl sich Minister Stucki und überliess den Sitzungssaal der Generalstabsabteilung den am Benzinmarkt interessierten Kreisen zur Ergreifung ihrer strategischen Massnahmen. Wy. senen Türen.' Es führt keine Brücke von einer Seele zur andern und stünden sie sich noch so nah! Rätsel, Rätsel! Für Mercedes hatte es sich gelöst — auch für ihn würde es sich lösen. Der Schliesser kam. ,Man wird mich wieder zum Verhör führen', dachte Eberhard. Aber es war nicht so: der Schliesser brachte einen Becher Wein und etwas Brot. Er blieb in der Zelle bis der Gefangene den Wein getrunken hatte. Man besorgte wohl, dass er den Becher zerschlagen und sich mit den Scherben die Adern öffnen könnte. .Mein Leben ist eben kostbar', dachte Eberhard — ,es muss für die sechs Mann erhalten bleiben, die da unten auf mich schiessen werden. Ob die Leute auf das Herz oder auf den Kopf zielen? Gleichgültig! Man fühlt ja doch nichts mehr in dem Augenblick, da die Kugeln den Lauf verlassen. Ob man den Knall noch hört? Kaum —' Langsam ass er das Brot auf, das man ihm gebracht hatte. Gutes, frisches Weissbrot. Es schmeckte ihm. ,Der Mensch ist ein Tier', dachte er. ,Sie haben mir die Frau erschossen, die ich geliebt habe. Ich $elbst werde wahrscheinlich in kurzer Zeit auch ausgelöscht sein. Und doch empfinde ich Genuss beim Kauen eines Stückes Weissbrot. Ich habe in meiner Erregung den Hunger nicht gefühlt, aber ich empfinde das Glück der Sättigung!' Weltkrieg — Weltwahnsinn! Im Osten hatte die Revolution den Deutschen den Frieden gebracht; die Freunde Buturlins hatten ihr Versprechen gehalten. Aber nun kam der Westen mit erneuter Wucht, nun kam das grösste Volk des grössten Erdteils als neuer furchtbarer Feind. Amerika. Weltkrieg — Weltwahnsinn! Es musste ein Glück ohnegleichen sein, davon nichts mehr zu wissen! Und Eberhard hatte Augenblicke, in denen er Mercedes beneidete. Drei Tage Hess man ihn in seiner Zelle liegen. Er erhielt jetzt Nahrung, wenn auch sehr spärlich. Am vierten Tage führte man ihn wieder vor den Major. Das eherne Gesicht mit den kalten Augen schien noch um einen Schatten finsterer. «Finden Sie noch immer nicht den Mut, zu gestehen, wer Sie sind, und dass Sie berufsmässig Spionage getrieben haben?» «Ich habe nichts zu gestehen! Ich bin der Russe Naschtschenko und habe nie Spionage getrieben, zum mindesten nicht gegen Frankreich.» «Sie wissen, was mit Ihrer Mitschuldigen geschehen ist! » «Ich weiss es! Sie hatten die traurige Macht, mich zusehen zu lassen, wie eine arme Frau gemordet wurde!» «Sie war zu Recht verurteilt und ist zu Recht gerichtet worden.» «Das sagen Sie! Ich glaube es nicht Die Frau, die neben mir, die mit mir gelebt hat, kann nicht Spionage getrieben haben. Ich hätte es bemerken müssen!» «Sie war eine Spionin!» «Sie sagen ja auch von mir, ich sei ein Spion! Warum soll ich Ihre Anschuldigungen der armen Georgette glauben, da Ihre Anklagen gegen mich doch auch haltlos sind!» «Sie verkennen noch immer Ihre Situation! Sie sind vom Tode nicht viel weiter entfernt als es Ata Bari im Augenblick ihrer Verhaftung war. Ich werde Ihnen beweisen, dass Sie zu Recht angeklagt sind!» «Ich warte darauf. Und — wenn es Sie interessiert — es ist mir vollkommen gleichgültig, was Sie mit mir tun. Sie können mich wieder ohne Nahrung lassen wie die ersten vier Tage, Sie können mich vor Gericht stellen, Sie können mich erschiessen lassen — Ihre Macht, die Sie für Recht zu halten scheinen, macht nicht den geringsten Eindruck auf mich. Im Gegenteil, ich sehne den Augenblick herbei, in dem Sie auch mich niederknallen lassen. Ich pfeife auf dieses Leben — und deshalb können Sie mir nicht das geringste anhaben!» Der Major Hess Eberhard wieder in die Zelle zurückführen, ohne noch ein Wort zu ihm zu sprechen. Und nun begannen für Eberhard Wochen und Monate, die furchtbarer waren als alles, was er bisher erlebt hatte. Man kümmerte sich nicht mehr um ihn. Er erhielt seine Nahrung, er wurde sogar jeden zweiten Tag eine halbe Stunde in einem Hof spazieren geführt, aber es war, als wäre er überhaupt nicht vorhanden. Kein Verhör mehr. Der Schliesser sprach kein Wort zu ihm, antwortete auf keine Frage. Mit mürrischem, verschlossenem Gesicht stellte er ihm das Essen auf den Tisch, wartete schweigend, bis Eberhard sich gesättigt hatte, entfernte sich mit dem Geschirr, ohne einen Laut von sich zu geben. Wochen — Monate hörte Eberhard nicht den Laut einer menschlichen Stimme. Er war allein, so allein, als hätte es ausser ihm überhaupt keinen Menschen mehr auf der Welt gegeben. Er war lebendig begraben. Der Anzug, den er getragen hatte, als man ihn verhaftete, zerfiel. Wäsche gab man ihm zwar, aber er durfte nur alle vierzehn Tage wechseln. Haar und Bart wuchsen ihm. ohne mit einem Schermesser in Berührung zu kommen. Und eines Tages hatte er die Zeitrechnung verloren. Er merkte nur, dass dip Tage merklich länger wurden, und dass es draussen wärmer geworden sein musste, denn ihn fror nicht mehr so sehr in seiner Zelle. Es war wohl Frühling; es ging auf den Sommer' zu. Er konnte sich das alles ganz gut erklären. Man vermochte keine Beweise gegen ihn aufzubringen, aber man hatte beschlossen, ihn trotzdem unschädlich zu machen. (Fortsetzung folgtj

N° 3 — 1934 AUTOMOBIL-REVUE Sportnachrichten Der Monte Carlo-Sternfahrt entgegen. Sämtliche Teilnehmer am Monte Carlo Rallye sind in voller Vorbereitung für die Sternfahrt begriffen. Die Konkurrenten, deren Startorte sich am weitesten vom Ziel entfernt befinden, sind schon anfangs dieses Jahres aufgebrochen, die anderen machen sich nun ebenfalls auf, um die Abfahrtszeit nicht zu verpassen. Viele haben schon auf dem Hinweg kolossale Schwierigkeiten zu überwinden, und eine gewisse Reduktion der Teilnehmerzahl ist so ohne weiteres noch zu erwarten. Schwierig wie immer gestaltet sich die Fahrt nach Athen. Von verschiedenen Punkten aus berichten die Athen-Fahrer über schauderhafte Strassenverhältnisse, bodenlosen Kot, Schnee und dann wieder Glatteis. Unter den 25 Konkurrenten, die sich bis nach Griechenland vorwagen, befinden sich die bekanntesten internationalen Langstreckenfahrer, deren Wagen mit allen Finessen zur Bewältigung der verschiedenartigsten Hindernisse ausgerüstet sind. Bis jetzt war es erst zweimal einigen Fahrern möglich, von Athen innerhalb vorgeschriebener Frist bis nach Monte Carlo vorzustossen. Alle andern Versuche endeten zum Teil vor, zum Teil nach Belgrad. Die Witterungsverhältnisse lassen bis jetzt einen sehr schweren Verlauf der Fahrt voraussehen. Fast überall sind die Strassen mit Schnee bedeckt und vereist. Sollte sich, was natürlich bis zum 20. Januar auch noch möglich ist, Tauwetter einstellen, dann würde sich die Situation unter Umständen noch verschlimmern. Vom sportlichen Standpunkt aus ist es natürlich interessanter, wenn die Hindernisse sich mehren, auch wenn man anderseits den einzelnen Fahrern gerne einen möglichst reibungslosen Verlauf wünschen möchte. Das Klassement der Sternfahrt nach Monte Carlo sieht eine Unterteilung der Fahrzeuge in eine Klasse bis 1500 ccm und eine solche über 1500 ccm vor. In der kleineren Klasse konkurrieren 63 und in der grösseren Klasse 98 Fahrzeuge. Alle Fahrer haben die Ankunftskontrolle in Monte Carlo am Mittwoch, den 24. Januar zwischen 8 und 16 Uhr zu erreichen. Sogleich nach der Ankunft folgt noch eine besondere Beschleunigungs- und BremsDriifung, der, im Gegensatz zu früheren Fahrten, nur noch eine sekundäre Bedeutung zukommt. mb. Die Bugatti-Mannschaft 1934. Der Eintritt des berühmten französischen Rennfahrers Robert Benoist in die offizielle Bugatti-Equipe für 1934, den wir schon in unserer letzten Nummer melden konnten, wird offiziell bestätigt. Benoist hat bekanntlich eine grosse Rennfahrerkarriere hinter sich, war nun aber schon -mehrere Jahre lang nicht mehr aktiv gewesen. Der französische Fahrer hat die Leitung der Equipe erhalten, der ferner auch Ren£ Dreyfus, Jean-Pierre Wimille und Divo angehören. Bugatti hat seine ausserordentlich starke Mannschaft nochmals vergrössert und weiterhin, das ehemalige Mitglied der Scuderia Ferrari. Antonio Brivio. angeworben. Mit diesen fünf Fahrern wird Ettore Bugatti voraussichtlich einer grossen Saison entgegengehen. Bis Jetzt stehen drei neue 2800 ccm-Bugatti wagen zur Verfügung. Der Molsheimer Konstrukteur soll sich mit der Absicht tragen, ein ganzes Dutzend dieser Maschinen zu erstellen. mb. Der Grosse Preis von Pau abgesagt! Aus Frankreich kommt die sehr bedauerliche Nachricht von der Absage des Grossen Preises von Pau, der bekanntlich als erstes Rundstreckenrennen der Saison 1934 am 18. Februar durchgeführt werden sollte. Der A.C. Basco-Be'arnais und die Stadt Pau hatten weitgehende finanzielle Mitarbeit zugesagt, doch die Geschäftswelt unterstützte das Rennen, das wegen der frühen Jahreszeit von vorneherein sehr riskant war. nicht in genügendem Masse. Die Organisatoren sahen sich deshalb gezwungen, diese Veranstaltung wieder abzublasen. Vom sportlichen Standpunkt aus ist dies um so mehr zu bedauern, als bereits eine grosse Anzahl von Einzelfahrern und auch mehrere, Firmen ihre Anmeldungen eingereicht hatten. Der Beginn der internat'onalen Snortsaison verschiebt sich dadurch bis zum Grossen Preis von Monaco am 2. April. bo. Zehender bef der Scuderia Ferrari. Der bekannte italienische Rennfahrer Zehender ist bei der « Scuderia Ferrari» eingetreten, für die er in dieser Saison fahren wird. x. Das Problem der Chronometrage in Montlhery. Anlässlich der Rekordfahrt des Schweizers Rüesch hat es sich gezeigt, dass die Chronometrage in Montlhery nur unvollständig funktioniert. Wir haben seinerzeit in unserem Blatt von dem bedauerlichen Versagen der Zeitmessungsapparate berichtet, die den Schweizer ein gutes Dutzend Male «u neuen Starten zwangen. Die französische Sportpresse hat sich sofort den Interessen der Rennfahrer angenommen, denen solche umständliche Rekordversuche wegen einer schlechten Chrohometrierung nicht zugemutet werden können. Die stets steigende Benutzung der Montlherybahn veranlasst die Pariser Presse zu neuen Attacken gegen die Sportbehörden. Man will den Uebelständen, die hier chronisch sind, ein für allemal abhelfen, und das im Interesse der Fahrer und des Autosportes. Wer nämlich glaubt, zur Aufsteilung eines neuen Rekordes brauche es keine grossen Umstände, der irrt sich sehr, und rechnet nicht mit dem Bureaukratismus, der auch» hier die Hand über allem hält. Ein Aspirant auf neue Rekorde hat nach den gegenwärtig geltenden Bestimmungen 48 Stunden vor einem eventuellen Start am Sitze des Automobil-Clubs von Frankreich seine Absicht bekanntzugeben. Das Sekretariat bestimmt darauf einen Chronometreur und einan technischen Kommissär, die sich zur abgemachten Zeit auf der Rennbahn einfinden. Es hängt dann vom Glück des Fahrers ab, ob die Witterung einem Rekordversuch günstig ist. Muss er mehrmals starten, so müssen auch jedesmal die beiden Offiziellen nach Montlhery beordert werden, und dies alles kostet den Fahrer begreiflicherweise eine schöne Stange Geldes. Nur wenn das Pariser Sekretariat von den Rekordversuchen orientiert ist, wird der Start offiziell chronometriert. Ein Fahrer, dessen Maschine sich in bestem Zustande befindet, und der das Glück hat, gutes Wetter anzutreffen, kann deshalb von zufällig in Montlhery anwesenden Offiziellen nicht chronometriert werden, wenn er sich nicht vorher nach Paris gewandt hat. Erst vor wenigen Wochen wiederfuhr einem Rennfahrer dieses Missgeschick und indirekt scheint es auch die französischen Presseangriffe ausgelöst zu haben. Angesichts dieser Verhältnisse scheint die Forderung nach ständigen Kommissären in Montlhery sehr begreiflich. Die Fahrer und Konstrukteure verlieren auf diese Weise nicht mehr so viel ihrer kostbaren Zeit und können auch ihre Ausgaben etwas beschränken. In Brooklands ist dieses System schon lange eingeführt worden, und was sich dort als gut erwies, sollte auch für die heute am meisten benutzte Bahn Europas von Vorteil sein. mb. XI. Winterlahrt nach Garmisch-Partenklrchen. Die diesjährige Winterfahrt nach Garmisch-Partenkirchen ist, wie es den Ideen des dritten Reiches entspricht, nicht mehr international ausgeschrieben, sondern beschränkt sich lediglich auf Deutschland. Das vierteilige Programm sieht die übliche Deutschlandfahrt, eine Hochleistungs-Rundstreckenprüfung, das Eibsee-Eisrennen und Luftsportvorführungen vor. Die Deutschlandfahrt, bei der eine Mindestleistung von 750 Luftkilometer vorgeschrieben ist, führt über 36 Stunden. Bei der Hochleistungsprüfung- Rundstreckenfahrt sind Mindestgeschwindigkeiten von 46—65 km/St, angesetzt. Das Eibseerennen wird wie gewohnt auf dem gefrorenen See über eine Rundstrecke von 1500 m ausgetragen. • x. Deutscher Winterbewerb 1934. Als erste grössere autosportliche Veranstaltung dieses Jahres organisieren der neugegründete D.D. A.C. und das N.S.K.K. einen «Winterbewerb», der in den Tagen vom 5.—10. Februar in München und Oberstaufen abgehalten werden soll und als nationale Veranstaltung offen ist. Der Bewerb zerfällt in tägliche Startprüfungen, eine Zuverlässigkeitsfahrt, eine Schneefahrt, eine Eis- und eine Rundstrekkenfahrt, sowie eine Bergfahrt. Die Prüfung ist offen für Solomotorräder, Seitenwagen, Personenwagen und leichte Lastwagen, x. Eine Verwarnung von BrauchHschs. Der bekannte deutsche Automobilrennfahrer Manfred von Brauchitsch ist von der neugeschaffenen « Obersten Nationalen Sportbehörde für den deutschen Kraftfahrsport» wegen unsportlichen Verhaltens mit einer Verwarnung bestraft worden, von Brauchitsch hatte gegen zwei bekannte Fahrer eine Anzeige erstattet und darin Beschuldigungen gegen diese erhoben, die nach den Ergebnissen der Untersuchung den Tatsachen keineswegs entsprechen. Dem blonden Jungen scheinen seine Erfolge etwas in den Kopf gestiegen zu sein... x. Aschenbahnrennen für Kleinwagen. England betreibt bekanntlich schon seit einiger Zeit die sogenannten Dirt-Track-Rennen (Aschenbahnrennen) für Motorräder in grossem Ausmass). In London wird nun im Cristal-Palast eine neue Aschenbahn eingerichtet, die zu Pfingsten mit der Einführung einer neuen Art von Dirt-Track-Rennen eröffnet werden soll. Statt Motorräder sollen nun Kleinwagen bis zu 1100 ccm auf, der Aschenbahn starten. x. - wird in 1934 sein neues Modell IM 4 in 5-pl. Limousine, 4 Türen, 6 Fenster zum Preise von 7950 Franken liefern Dieser neue Wagen ist in allen Teilen gemäss der Minerva-Tradition als Luxus-Wagen ausgeführt u. weist also die höchstklassigen technischen Lösungen auf, die zwar die teuersten in der Konstruktion, aber auch die sparsamsten im Betriebe sind. Andere 6- u. 8-Zylinder-Modelle sofort ab Lager lieferbar, zu sehr interessanten Preisen mmerva FABRIK-NIEDERLAGE IN KURICH Bureaux und Ausstellung — Utoquai 29 — Telephon 27.083 Service und Ersatzteile: Baderierstr. 330 — Telephon 59.372 UEBER 20 MINERVA-VERTRETER IN DER SCHWEIZ Rennwagen in einer Schülerausstellung. In London findet gegenwärtig eine grosse Schulausstellung statt. Die Aussteller sind dabei auf den originellen Gedanken gekommen, auch einige bekannte Rennwagen zu zeigen. Die Schüler können so den 2300 ccm Bugatti von, Lord. Howe, den Maserati von Whitney Straight, den 4900 ccm Bugatti von Kaye Don, einen Riley von Dixon und einen grossen 12 Zylinder Delage bestaunen. Selbstverständlich gehört dieser Teil der Schau zu dem weitaus am meisten frequentierten, mb. Die italienischen Expertenfahrer für 1934. Im letzten Jahre ist bekanntlich in Italien erstmals eine neue Einteilung der Fahrer in Experten, Fahrer der 1. Kategorie und 1 Amateure vorgenommen worden. Als Experten gelten alle Piloten, die vom Jahre 1928 an einmal italienischer Meister waren, einen grossen europäischen oder italienischen Preis oder ein anderes bedeutendes Rennen gewannen, oder auch Inhabef von Welt- oder internationalen Rekorden sind. Im Jahre 1933 wurden 33 Fahrer als Experten erklärt, doch 1934 sind es nur noch die folgenden 23 : Balestrero, Brivio, Cagno, Castelbarco, Clerici, Cortese, Fagioli, Gazzabini, Marinoni, Maserati, Minoia, Morandi, Nazaro, Nuvolari, Rosa, Salamano, Severi, Siena, Tadini, Taruffi. Trossi, Varzi und Zehender. Die folgenden Fahrer sind aus der Expertenklasse in die 1. Kategorie zurückversetzt worden : Battaglia, Biondetti, Caberto. Ghersi, Minozzi, Cesare. Premoli, Ramponi, Scarfiotti, Silvani und Strazza. mb. Im Rennstall Whitney Straight, der über mehrere neue Maserati verfügen wird, ist auch noch der englische Fahrer Brackenburg eingetreten, wodurch sich die Zahl der in dieser Fahrergruppe vereinigten Piloten auf fünf erhöht. x. »•> »••# an J«5» ScK Eine üble Bilanz. In einem- bekannten schweizerischen Sportblatt unternimmt es ein Federfuchser — wir wetten, er habe seinen Kiel jenseits des Rheins gewetzt — eine Bilanz der letzten motorsportlichen Saison zu ziehen. Offen gestanden, das Haar kann einem darüber zu Berge stehen, was dieser Mann zu sagen weiss. Ihn interessieren lediglich die Toten des Rennjahres, und er bemüht sich, ein jeder Beschreibung spottendes blutrünstiges Schauergemälde zu entwerfen. Wir zitieren wahllos einige Wendungen: Katastrophenhalbjahr; Bilanz des Entsetzens; trauriger Rekord des Todes; Opfer um Opfer; kein Rennen ohne Sturz und Todesangst; ein Jahr, das mit furchtbarer Konsequenz die Häufigkeit und Tragik der Unfälle immer mehr steigerte, bis es sich in Monza die blutige Krone aufsetzte; eine einzige tragische Chronik; Dutzende von Menschen wälzten sich in ihrem Blute; grässlicher Totentanz; das warme Blut der italienischen Meister; Tote über Tote in diesem Tone geht es fort. Jeder noch halbwegs Vernünftige muss und wird entsetzt ausrufen: Weshalb verbietet man eine solche mörderische Tollheit nicht sofort! Mit schlecht geheuchelter Trauer wird übelste Sensationsjournalistik getrieben und der Sache des Motorsportes der denkbar schlechteste Dienst erwiesen. Gewiss. dieses Jahr hat mehrere bedauerliche Unfälle gezeitigt, aber eine solche üble Verzerrung kann bei der grossen Masse, die immer gefühlsmässig urteilen wird, nur Schaden anrichten. Im Augenblick, da in der Schweiz für den Grossen Preis in Bern geworben wird, müssen solche Unverantwortlichkeiten erst recht mit aller Entschiedenzurückgewiesen werden! bo. Der schnelle Rüesch. Dem jungen Zürcher Fahrer Rüesch scheint Geschwindigkeit geradezu zur Lebensnotwendigkeit geworden zu sein. Seit einiger Zeit weilt er in St. Moritz, und wie wir nun aus der Engadiner Metropole erfahren, hat Rüesch auch auf der Bobsleighbahn bereits Siegerlorbeeren geerntet. Bei dem Boblet-Rennen vom 4. Januar erzielte er mit 1 Min. 34,9 Sek. die beste Zeit des Tages, und 1 im Klassement kam er hinter den Sieger Capadrutt auf den zweiten Platz zu liegen. Hoffentlich ergeht es ihm' in den kommenden Autorennkämpfen, auf die hin er sich jetzt trainiert, ebenso gut! x. Ausstellungen Der Genfer Salon 1934. Die Ziehung für die Verteilung der Stände am nächsten Genfer Salon, ist Ende Dezember vorgenommen worden. Der Salon wird dieses Jahr 55 Automarken gegenüber 56 im Jahre 1933 beherbergen. Im Erdgeschoss des Atisstellungsgebäudes und im Anbau sollen 19 Lastwagenstähde (19 im Vorjahre) und 11 Karosseriestände (10 im Vorjahre) untergebracht werden.