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E_1934_Zeitung_Nr.006

E_1934_Zeitung_Nr.006

BERN, Dienstag, 23. Januar 1934 Nummer 20 Cts. 30. Jahrgang — N° 6 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint Jeden Diemtag und Freitag Monatlich „Gelbe Liste" Halbjährlich Fr. 5 , jahrlieh Fr. 10.—. Im Anstand unter Portozuschlag, ••fern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliehe Bestellung 30 REDAKTION u. ADMINISTRATION: Brettenrainstr. 97, Bern Rappen. Postcheck-Rechnung 111/414. Telephon 28J222 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Das Auto in der Stadt Obschon im In- und Ausland die Frage der Erstellung von Ueberland-Automobilstrassen im Vordergrund der Erörterungen steht, so muss dennoch dem Problem des Ausbaues der Stadtstrassen die grösste Aufmerksamkeit geschenkt werden. In erster Linie ist zu untersuchen, ob der Bau von Umgehungsstrassen demjenigen von Durchgangsrouten vorzuziehen sei, oder ob letztere derart ausgebaut werden sollen, dass sie dem schnell wachsenden Automobilverkehr auch in Zukunft zu genügen vermögen. Welcher Lösung der Vorzug gegeben werden soll, wird von verschiedenen Faktoren abhängig sein. Einmal ist die automobiltechnische Entwicklung zu berücksichtigen, namentlich die seitens der Konstrukteure angewendete Methode der Lärmbekämpfung. Zudem bedarf der Personen- und Lastwagenverkehr einer getrennten Regelung, macht sich doch heute schon die Tendenz bemerkbar, ersteren eher in die Städte hinein, letzteren um diese herum zu leiten. Im weiteren ist auch die Bedeutung einer Stadt sowohl im nationalen wie internationalen Wirtschaftsleben wie im Fremdenverkehr bei Prüfung der hinsichtlich des Strassenausbaues in Betracht fallenden Faktoren zu berücksichtigen. Das nämliche gilt betreffend der topographischen und geographischen Lage, indem z.B. bei einer Grenzstadt (Basel) die Strassenverhältnisse gegenüber einer im Landesinnern gelegenen Stadt (Bern) nicht die gleichen sein werden. Aehnliche Unterscheidungen sind zu machen bei Grosssiedelungen, die an einem Bergabhang (Lausanne) liegen, oder deren Lage durch bestimmte Höhenzüge (St. Gallen) oder durch ein Seebecken (Zürich) bestimmt wird. Daneben ist aber im besonderen Masse auch auf den eigentlichen Stadtverkehr Rücksicht zu nehmen, spielt sich doch der Automobilverkehr durchschnittlich zu 50 Prozent auf Stadtstrassen ab. Dieser Haus-Haus-Verkehr \ benötigt überall fahrbare Strassen, und zwar im besonderen auch in den Aussenquartieren. Ausserdem sind Stadtstrassen, im Gegensatz zu den spärlich bebauten Ueberlandstrassen, auch Wohnstrassen, weshalb auch in hygienischer Hinsicht gewisse Anforderungen zu erfüllen sind. Betrachten wir nun die diesbezüglichen F E U I L L E T O N Der geheime Kampf. Roman von Philipp Klein. (42. Fortsetzung) Wie weit war er hinter der Front? Nach seiner Schätzung dreissig Kilometer, das heisst, wenn er sich auf den Geschützdonner verliess. Er konnte nicht sehen, wo er sich befand, aber es schien ihm, als wäre er auf einer Wiese gelandet. Unter seinen Füssen war Gras. Er machte ein paar Schritte, — da war ein Gebüsch. Allmählich gewöhnte sich sein Auge an die Dunkelheit so weit, dass er dunklere Stellen auf dem Boden von etwas helleren unterscheiden konnte; die dunkleren waren Büsche, Weidenbüsche vielleicht, wie sie sich in der Nähe von Flussläufen befinden. Vielleicht hatte ihn der Pilot wirklich an der Oise abgesetzt? Es mochte Mitternacht vorüber sein — sollte er den Versuch ma- i. Verhältnisse im eigenen Lande, so haben wir in rascher Reihenfolge einen Wechsel von Weilern, Dörfern, Städtchen und selbst «Orossstädten». Die kantonale Strassenhoheit bedingt zudem oft eine Linienführung, die sich mehr nach lokalen als nach interkantonalen Gesichtspunkten richtet, woraus mitunter eine Strassenbaupolitik resultiert, die nur den einheimischen, nicht aber den fremden Fahrern verständlich ist. Im Gegensatz zu ausländischen Strassenbaumethoden, wie sie z. B. gegenwärtig in Italien und Deutschland, aber auch in Grossbritannien und Frankreich angewendet werden, hat bei uns die hohe Politik leider oft ein derart wichtiges Wort mitzusprechen, dass eigenbrödlerischen Tendenzen nicht selten Tür und Tor geöffnet sind. Wenn die Frage der Linienführung einer neuzeitlichen Automobilstrasse gelöst werden soll, so dürfte es sich in Dörfern und Städtchen als praktischer und billiger erweisen, durch Bau von Umgehungsstrassen, wie z. B. bei Langenthai, Villmergen oder Dietikon, die hohen Grunderwerbskosten für Verbreiterungen in den Ortschaften zu vermeiden. Zudem würde'ih vielen unserer Städtchen durch notwendige Verbreiterungen das historische Stadtbild zerstört (Schaffhausen) und manches Stadttor (Rheinfelden) müsste ohne Umgehungsstrasse dem Automobilverkehr seinen Tribut zahlen. Wer sich aber für historische und bauliche Sehenswürdigkeiten interessiert, dem bleibt nach wie vor ein Automobilbesuch im betreffenden Städtchen offen, und wer es eilig hat, der umfährt eben eine solche Ortschaft, in der auch nicht angehalten würde, wenn keine Umgehungsstrecke zur Verfügung stände. Bei der noch vielfach zu beachtenden Opposition gegen Lösungen, die der modernen Entwicklung des Automobilverkehrs entsprechen (Suhrental), vergisst man die heutigen Funktionen des Automobils als wirtschaftliches Verkehrsmittel in Rechnung zu setzen. Man spielt noch viel zu sehr mit der althergebrachten Auffassung, als ob das Automobil ein ausgesprochener Luxusartikel darstelle, dessen Fahrer nichts anderes zu tun hätte, als in jedem Dorf einzukehren. So wenig ein die Bahn benützender Geschäftsmann auf den Zwischenstationen aussteigt, ebensowenig wird der das Automobil zu Geschäftszwecken verwendende Automobilist ohne besondere Gründe Zwischenhalte einschalten. Die Verkehrsepoche dürfte endgültig vorbei sein, wo ähnlich wie zu Fuhrmannszeiten mancher Halt riskiert werden konnte. Zusehends verschwindet auch der Vergnügungsreisende, d. h. derjenige, der ziellos durchs Land fährt, von der Strasse, wogegen der internationale Autotourismus ununterbrochen an Bedeutung gewinnt. Dieser letztere stellt ebenfalls eine Verkehrsart dar, die zielbewusst den vorgefassten Etappen zusteuert und auf Engpässe, Winkelstrassen und unübersichtliche Durchfahrten verzichtet. Dass speziell unsere grösseren Schweizer Städte auf die Entwicklung des Automobils Rücksicht zu nehmen und ihre Strassenbaupolitik zum Teil mit den Ueberland-Zufahrtsstrassen in Uebereinstimmung zu bringen haben, liegt auf der Hand. Einen Niederschlag der Verkehrseinstellungen einer bestimmten Stadt finden wir vor allem in den für die nächste und fernere Zukunft zur Ausfürurtg bestimmten Strassenbauprojekten, die sich besonders in der, Gestaltung der Stadtbaupläne und in der Aufteilung der Verkehrsflächen dokumentieren. So haben in jüngster Zeit Fachleute die diesbezüglichen Verhältnisse in Basel und Bern des nähern untersucht und neue Bau- und Erweiterungsprojekte angefertigt, in denen eine reibungslosere- Verkehrsabwfckhmg weitgehend berücksichtigt wurde. Aber auch Zürich hat seit längerer Zeit den städtebautechnischen Verkehrsproblemen grösstes Interesse entgegengebracht, so dass es nicht uninteressant sein dürfte, etwas eingehender vorerst mit den zürcherischen Verkehrsverhältnlssen vertraut gemacht zu werden, da diese gegenüber den noch mehr im theoretischen Zustand schwebenden basel- und bundesstädtischen Verkehrsprojekten in praktischer Hinsicht weiter fortgeschritten sind. Die Triebfedern für die verkehrstechnischen Lösungen in der Limmatstadt sind einesteils im rapid steigenden Automobilverkehr und andernteils in der Initiative der Stadtplanung zu suchen. Das Verkehrsnetz der Stadt Zürich ist gekennzeichnet durch die Lage der Stadt am Ende des Seebeckens, die Topographie, offenes Tal und Höhenübergänge, im weitern durch die Lage des Hauptbahnhofs. Wie in den meisten Städten sind die frühern Hauptverkehrsadern, welche die Landschaft mit der Stadt verbinden, zum chen, in der Richtung der aufblitzenden Schüsse fortzugehen? Es schien ihm zwecklos. ,Ich werde warten, bis es heller wird', dachte er. Er kauerte sich neben einem der Büsche nieder, zog den Fallschirm näher heran, wickelte sich ein und versuchte zu schlafen. Lächerlich, dachte er — wie sollte ich schlafen können! Aber da versank er auch schon in den purpurnen Abgrund. Als er plötzlich aufschreckte, war es heller Morgen. Die Sonne schien; auf einem Weidenzweig über ihm sass ein kleiner Vogel und sang. Eberhard richtete sich auf, fand sich im Augenblick zurecht, suchte sich zu orientieren. Also: im Osten stand die Sonne — dort drüben müsste Westen sein, die Front. Hier, linker Hand, war der Fluss, und dort draussen, der weisse Streifen, da lief eine Strasse. Mehr ein Feldweg, wie es schien. Und noch weiter draussen, da war so etwas wie ein "Gehöft oder ein Dorf. Und von fernher rollte der Donner der schweren Geschütze ununterbrochen. Ein Reiter trabte den Feldweg entlang. Eberhard lief auf ihn zu. Es war ein Feldgendarm. Auf einen Anruf Eberhards hielt er. «Verdammt nochmal — was ist denn da los? Wie kommst du denn hierher? Ausgekniffen, mein Junge, was?» Der Gendarm hatte seine Pistole gezogen und richtete sie auf Eberhard. «Herr Wachtmeister, ich bin der Graf Eberhard Hatzberg — aus französischer Gefangenschaft entflohen. Ich ersuche Sie, mich zur nächstgelegenen Kommandatur zu bringen!» «Wer biste? Ein Graf Hatzberg biste? Ich hab schon geglaubt, du wärst der Zar von Russland! Genau so siehst du nämlich aus, mein Junge. Du hast wohl über den Durst getrunken, was? Zur nächsten Kommandatur willste? Den Gefallen kann ich dir tun. Du gehst jetzt schön vor mir her, mein Junge! Recht schön und ordentlich, verstehste? Rasch, rasch! Keine Flausen, sonst setzt es was!» «Herr Wachtmeister — hinter jenem Gebüsch liegt ein französischer Fallschirm, eine Aluminiumkiste und ein Käfig mit Brieftauben. Vielleicht wäre es gut, wenn man das alles mit auf die Kommandantur schaffen könnte.» Der Gendarm sah sich den" Mann nun doch etwas genauer an. «Was sagste? Ein französischer Fallschirm? Und Brieftauben? Und eine Kiste? Haben sie wieder einen heruntergeschmissen, unsere Freunde?» «Ja. Mich nämlich. Helfen Sie mir die Sachen bergen — ich folge Ihnen dann selbstverständlich gerne zur Kommandantur!» Der Gendarm war noch nicht überzeugt, aber er ritt doch auf das Gebüsch zu, sah den Fallschirm, die zerschmetterte Kiste, den Käfig mit den Brieftauben, und warf dann einen forschenden Blick auf den Mann neben ihm. «Liegt am Ende der Kerl, der in dem Kasten steckte, auch hier irgendwo in der Nähe?» «Ich sagte Ihnen doch: ich bin der Kerl!» «Verrückt», sagte der Feldgendarm, aber er wagte es doch nur halblaut zu sagen. Der Fallschirm wurde zusammengelegt und hinter dem Sattel des Gendarmen festgebunden. Dann nahm Eberhard die Kiste, das heisst, die Trümmer der Kiste und den kleinen Käfig mit den Tauben auf und schickte sich zum Weitermarsch an. Er ging auf den Feldweg zu, und der Gendarm ritt INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzelle oder deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 CU. ' Grössere Inserate nach Seitentarif. Inseratenschluss 4 Tage vor Erscheinen der Nummern Teil erweitert oder umgebaut und alsHauptverkehrsstrassen beibehalten worden. Daneben sind neue Ausfallstrassen, je nach Bedeutung und Umfang des Einzugsgebietes des sogenannten Hinterlandes und des Durchgangsverkehrs aufgenommen worden. Als Herzlinie inmitten des Geschäftskernes ist in den 6Öer Jahren die 22 und 24 Meter breite Bahnhofstrasse in straffer Linienführung entstanden. Sie dient der Verbindung der beiden Verkehrsgelenke Bahnhofplatz und Bürkliplatz. Um diese Achse pulsiert am Bürkliplatz der Verkehr nach den beiden Seeufern, nach dem Gotthard, nach der Rämi-Winterthurerstrasse, nach dem* Geschäftskern, und bei einem Ausbau des Schanzengrabens zur Verkehrsstrasse nach dem Limmat- und dem Reppischtal. Auf dem Bahnhofplatz treffen verschiedene Linien aus der Talsohle, aus der Einsattelung zwischen Limmat- und Glattal und des durch die Stadt fliessenden Geschäfts- und des Bahnhofverkehrs zusammen. Wie beim Bahnhofplatz die beiden Brückenköpfe Bahnhof- und Leonhardsplatz als sogenannte Gelenk- oder Drehpunkte aufgefasst werden können, so sind bei der Quaibrücke die beiden Brückenköpfe Bürkli- und Bellevueplatz ebenfalls als Drehpunkt zu bewerten. Diese beiden Verkehrsgelenke sind die meistbelasteten Stellen im Stadtkörper. Der Paradeplatz liegt mit seiner Verkehrsdichtigkeit im Herzen der City dazwischen. Zur Bewältigung des Verkehrs zwischen dem Bürkli-Bellevueplatz und Bahnhof- Leonhardsplatz stehen in erster Linie die Bahnhofstrasse und das Limmatquai zur Verfügung. Die gutangelegte Bahnhofstrasse wäre wesentlich leistungsfähiger, wenn die bestehende Fahrbahn von 10 auf 11 Meter verbreitert und dadurch eine glatte Abwicklung des Fahrverkehrs mit genügend breiten Fahrstreifen neben der Trambahn ermöglicht werden könnte. Das würde eine Versehmälerung des Trottoirs und unter Umständen eine Entfernung der Bäume oder aber Herausnahme der Strassenbahngeleise bedingen. Das erstere würde das schöne Strassenbild in unzulässiger Weise beeinträchtigen und das letztere müsste als ein sehr g-ewagtes Unternehmen qualifiziert werden. Das Limmatquai weist viele enge Stellen auf, die sich zum Teil beheben lassen. Eine durchgängig gleich breite Fahrbahn ist mit Rücksicht auf die unbedingte Schonung wertvoller älterer Gebäude und Gebäudegruppen nicht möglich. im Schritt hinter ihm drein. Nach einer kleinen Weile war der Gendarm an seiner Seite. «Was willste denn nu eigentlich auf der Kommandantur erzählen?» «Wie ich hierhergekommen bin natürlich!» «Du — nimm dich in acht! Unser 'Alter lässt sich keinen Bären aufbinden. Der sieht es dir an der Nase an", wenn du ihn verkohlen willst.» «Wer ist der Kommandant?» «Oberst von Brandenstein, Alexander- Grenadiere.» Welche Fügung! Welcher Zufall! Oberst von Brandenstein war der Hauptmann Eberhards gewesen — damals, als er gezwungen war, den Rock auszuziehen! Der Gendarm war äusserst neugierig, und Eberhard müsste sich dazu verstehen, ihm wenigstens in kurzen Worten seine Erlebnisse in den letzten Jahren zu erzählen. Er glaubte ihm kein Wort, aber da er keine Erklärung für das plötzliche Auftauchen Eberhards und für den Fund des Fallschirms hatte, begnügte er sich damit, Eberhard immer wieder davor zu warnen, dem « Alten > was vorzulügen. «Gib doch lieber zu, dass du vorn ausgerückt bist! Was kann dir schon passieren? Man schickt dich eben wieder in den Schützengraben. Gefängnis und so — is nicht mehr! Wir haben nicht soviel Leute, dass wir sie faulenzen lassen können!» Nach 'einem etwa dreistündigen Marsch kam Eberhard mit seinem Begleiter nach