Aufrufe
vor 11 Monaten

E_1934_Zeitung_Nr.004

E_1934_Zeitung_Nr.004

BERN, Dienstag, 16. Januar 1934 Nummer 20 Cts. 30. Jahrgang — N°4 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-FREI SB: Erscheint Jeden Dteactaa and Frettaa Monatlich „G*I»e Ihto" Halbjährlich Fr. 5—, jährlich Fr. 10.-. Im Ausland unter Portozotehlag, •ofern nicht pottamtlich bestellt. Zuschlag für postamtllch« Battelhmg 30 REDAKTION n. ADMINISTRATION: Brcitenralnstr. 97, Bern Rappen. Postehtclt-Rechnung HI/414. Telephon 2&223 Telegramm-Adrett«: Antoreyue, Bara INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hob« Grundzelle «dar deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Auxland 60 Ctt. Grössere Inserate nach Seitentarit. Inseratentehtan 4 TBO« vor Enehelnen der Namntera Vereiste Strassen Alljährlich wenn der Föhn durch die Täler streicht und der auf den Strassen hartgefrorene Schnee zu tauen beginnt, entstehen für die vielen Strassenbenützer, vornehmlich für den Automobilverkehr, eine Reihe mannigfacher Gefahren. Die Zahl der Verkehrsunfälle beginnt rapid anzusteigen und neben der Gefährdung kostbaren Lebens gehen die Sachschäden in Tausende von Franken. Besonders, gefährlich sind derartige Strassenverhältnisse in einem Gebiet wie unser Land eines darstellt. Die vielen Kurven, Bahnüberführungen, Bodenwellen, Steigungen und Gefälle stempeln die ungesandeten Ueberlandstrassen zu Konzentrationslinien für Verkehrsunfälle und -Hindernisse. Im besondern sind es die plötzlich einsetzenden Tauperioden, die unser Strassennetz mit einer zähen Eisschicht überziehen, auf der ein Automobilist wehrlos den Tücken der Natur ausgeliefert ist. Wenn dann ein solches Tau- oder Regenwetter wiederum durch eine Kältewelle abgelöst wird, wie es unlängst in unserem Lande zu beobachten war, dann vermögen sich die vereisten Strassen oft wochenlang zu behaupten. Damit erwächst dem Staat, d.h. den Kantonen und Gemeinden als Eigentümer der öffentlichen Strassen die Pflicht, mit all' ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln dafür zu sorgen, dass die Verkehrsgefahren auf solchen Strassen auf ein Minimum reduziert werden. Der Automobilist hat ein Recht darauf, dass der Staat seine ihm abgenommenen. Gelder auch im Sinne ihres Verwendungszweckes entsprechend einsetzt und damit nicht andere Löcher in seinem Haushalt zu stopfen versucht. Demgegenüber wird man einwenden, und ^namentlich von Seiten der Automobilkonkurrenz und andern mit Schlagwörtern um sich werfenden Kreisen ist dies üblich, dass die Kantone ein Mehrfaches für den Strassenbau aufwenden, als ihnen aus den Belastungen des Motorfahrzeugverkehrs zufliessen. Einzelne Kantone mögen wohl in denjenigen Jahren, wo die Umstellung des Ueberlandverkehrs auf die motorisierten Transporte erfolgte, vorübergehend grössere Aufwendungen für den Strassenbau gemacht haben, als ihnen aus den fiskalischen Belastungen der Motorfahrzeuge zukamen. Hingegen soll man sich davor hüten, alles in ein und denselben Tiegel zu werfen und den Automobilisten als den alleinigen Nutzniesser der Strassenbauausgaben hinzustellen. Vor der Entwicklung des Automobilverkehrs zur heutigen Grosse, gaben Gemeinden und Kantone jährlich rund 35 Millionen Fr. für den Strassenbau aus, ohne dass ihnen dafür von F E U I L L E T O N Der geheime Kampf. Roman von Philipp Klein. (40. Fortsetzung) Mit einer bleiernen Langsamkeit gingen die Tage. Eberhard hatte um Papier gebeten; man verweigerte es ihm. Er hatte um Buchet gebeten — er bekam gar keine Antwort. So lag er geistesverloren auf seiner Holzpritsche und sah auf das Fenster und auf das bisschen Licht, das in seine Zelle fiel. Ein helles Viereck zeichnete das Licht auf die graue Wand, die dem Fenster gegenüberlag, und dieses Viereck war wieder in kleine Vierecke zerlegt — durch die Gitterstäbe. Kein Laut drang in seine Zelle. Draussen waren Menschen, draussen schien die Sonne. Freilich, draussen war auch der Hass und die Verzweiflung und der hundertfältige Tod ging um. Trotzdem, Eberhard hätte es als ein unsägliches Glück betrachtet, in einem Schützengraben liegen zu dürfen. Da waren doch wenigstens Menschen, die sprachen, die schrien, die fluchten, beteten, sangen. Nur den damaligen Strassenbenützern Extravergütungen zur Verfügung gestellt worden wären. 1931 betrugen nach den offiziellen Angaben des statistischen Jahrbuches der Schweiz die Aufwendungen der Kantone für die Strassen 89,5 Millionen Fr., denen Einnahmen aus den Automobilsteuern in der Höhe von 26,1 Millionen Fr., aus dem Benzinzoll von 44,8 Millionen Fr., aus dem Zoll auf Fahrzeuge von 19,4 Millionen Fr., aus dem Gummizoll und Zubehörteilen von 9 Millionen Fr., aus Gebühren und Bussen von rund 12 Millionen Fr. gegenüberstehen. Über die neuesten Ergebnisse haben wir im Leitartikel « Fiskus und Motorfahrzeugverkehr » der letzten Nummer der «Automobil-Revue> berichtet. Neben den ordentlichen und ausserordentlichen Steuern und Abgaben entrichten somit diejenigen Bürger, welche ein Motorfahrzeug besitzen, eine jährliche Zugabe von 110 Millionen Fr. oder jeder durchschnittlich 700 Fr. Wenn man gerechterweise diejenigen Kosten des Strassenunterhaltes abzieht, die den Kantonen vor dem Aufkommen des Automobils erwuchsen, so entfallen zu Lasten des modernen Strassenverkehrs inklusive Gemeindestrassen rund 65 Millionen Fr., womit die Behauptung widerlegt sein dürfte, dass der JVlotorfahrzeugbesitzer zum Teil auf Kosten, der andern Steuerzahler in den Genuss guter Strassen gelangt sei. Eher das umgekehrte Verhältnis dürfte zutreffen, indem Velofahrer, Fuhrleute und Fussgänger in weitem Masse ebenfalls aus dem modernen Strassenbau nicht abzustreitenden Nutzen zu ziehen wissen. Diese statistischen Ausführungen sollen dazu dienen, das Verlangen der Automobilkreise zu rechtfertigen, dass Kantone und Gemeinden während den Wintermonaten eine Organisation aufziehen, mit deren Hilfe es möglich ist, innert kürzester Frist im Bedarfsfall die Strassen derart zu überstreuen, dass ein Verkehr auf ihnen mit den kleinstmöglichen Gefahren verbunden ist. Diese Forderung erheben wir auf Grund der in den vergangenen Winter jähren gemachten Beobachtungen, namentlich aber unter Berücksichtigung einiger in den letzten Tagen vorgefallenen Ereignisse. Ende Dezember waren unsere Hauptstrassen vollkommen vereist, viele davon ungesandet und deshalb nicht befahrbar. Speziell aus der Ostschweiz sind uns Fälle zur Kenntnis gebracht worden, wo auf der viel befahrenen Durchgangsstrasse Winterthur-Wil (St. Gallen) bei Rosenthal mehrere Automobile stekken blieben, da sie auf der vereisten Strasse keine genügende Angriffsfläche vorfanden. ' hier — war nichts. Nichts, als das Grauen, das heraufstieg, wenn das kleine Viereck an der grauen Wand immer blasser wurde und endlich ganz verschwand. Diese Nächte in fieberhaftem Halbschlaf, mit Träumen, die aus dem Chaos hervorbrachen — wie furchtbar war das. Manchmal weinte Eberhard —: Mercedes ! Aber die Tränen flössen nach innen und verbrannten sein Herz. Und immer deutlicher fühlte er, wie sich das Denken hoff- Auf Vorstellungen eines Automobilisten hin, die dieser beim Ortsvorsteher der in Betracht fallenden Gemeinde erhob, soll ihm die Antwort erteilt worden sein, «ob denn die Automobilisten meinen, er wäre nur für sie da. Man könne eben nicht bei jedem Wetter herumfahren und bei solchen Strassenzuständen müsse man zu Hause bleiben». Die inzwischen auf elf Motorfahrzeuge aufgelaufene Autokolonne musste mehr als drei Stunden warten, bis es den verantwortlichen Organen passte, die Strasse zu sanden, so dass die Weiterfahrt gewagt werden konnte. An der gleichen Stelle und am nämlichen Tag kam ein 5-Tonnen-Diesellastwagen, von Wil herkommend, ins Schleudern und drehte sich zweimal um die eigene Achse, weil der Fahrer in Anbetracht der erwähnten Autokolonne sein Fahrzeug abbremsen musste. Durch das der Strasse entlang führende Bahngeleise der Ueberlandbahn Frauenfeld— Wil wurde verhindert, dass der schwere Lastwagen nicht über das Strassenbord hinausgeworfen wurde und grosses Unheil anrichtete. Ebenfalls am gleichen Tag ist auf dem kritischen Strassenstück ein Automobilist tötlich verunglückt, ungefähr zwei Stunden nachdem die Blockade verschwunden war. Einem andern von Winterthur herkommenden Personenwagenführer passierte das Missgeschick, dass sein Wagen trotz vorsichtigen Fahrens in einen Graben geworfen wurde, weil er wegen der steckengebliebenen Autokolonne nicht vorfahren , konnte und durch leichtes Anziehen der Handbremse sich dieser anzuschliessen gedachte. Als dieser Automobilist im nahegelegenen Elektrizitätswerk die Polizei und den Abschleppdienst telephonisch verständigen wollte, soll man ihm selbst gegen Vorausbezahlung der Taxe den Zutritt zum Telephon verweigert haben! Ohne die Stellungnahme des Baudepartements des Kantons Thurgau zu diesen Ereignissen abzuwarten, möchten wir doch hervorheben, dass in einem Kanton, der in Strassenbaufragen bis anhin recht initiativ vorgegangen ist, und dessen Strassen doch zu den besten der Schweiz gezählt werden dürfen, derartige Vorkommnisse sich nicht ereignen sollten und dass schnellstens dafür gesorgt wird, dass auch bei Tauwetter den Automobilisten eine genügend sichere Fahrbahn zur Verfügung steht. Vielleicht erinnert man sich zuständigenorts bei Präsentation der Rechnungen vom 29. Dezember daran, dass man neben den Einnahmen aus dem Automobilverkehr auch Pflichten zu erfüllen hat, und zu diesen gehört in erster Linie ein rechtzeitiges Sanden der Strassen bei Schnee- und Tauwetter. ' Aber auch an andern Orten in unserem kurvenreichen Schweizerland sind in letzter Zeit aus ähnlichen Gründen viele Unfälle vorgekommen; so waren unlängst im Fricktal nungslos leerzulaufen schien, sich Krallen nach ihm ausstreckten, wie die Gedanken sich zu verwirren drohten. Sollte er nicht ein Ende machen? Sollte er nicht den Major zu sprechen verlangen und ein Geständnis ablegen, das ihn vor die erlösenden Gewehrläufe stellte? Aber immer wieder Hess ihn etwas vor diesem verzweifelten Gedanken zurückschrecken. Er fragte sich: war es eine Hoffnung, die ihn abhielt, den letzten Schritt zu tun? Er fand keine Antwort darauf. An einem Vormittag wurde er vor den Major geführt. Der mass ihn, diesen verwildert aussehenden Menschen, der nur noch mit Lumpen bekleidet war, der mit seinem langen Haar und Bart wie ein Vagabund aussah, mit einem langen Blick. Dann sagte er: «Sie können die Freiheit haben, wenn Sie wollen!» Eberhard verstand nicht, sträubte sich dagegen, zu verstehen. Der Major fuhr fort: «Sie haben stets in Abrede gestellt, gegen Frankreich gearbeitet zu haben. Es ist uns nicht gelungen, den strikten Nachweis dafür zu erbringen, dass Sie im Spionagedienst für Deutschland tätig waren. Aber der Verdacht ist sehr stark, und der Verdacht besteht weiter. Von diesem Verdacht können Sie sich reinigen, wenn Sie sich Frankreich zur Verfügung stellen. Auf einem gefährlichen Posten. Sie müssen es nicht tun — wir zwingen niemand. Aber wenn Sie ablehnen, bleiben Sie in Haft, vermutlich bis zu Ihrem Ende. — Was haben Sie darauf zu sagen?» Eberhard dachte im Augenblick vollkommen klar; es war, als sei er plötzlich wieder Mensch geworden. «Ich bin' zu allem bereit. Man verlange, was man wolle — ich werde es tun. Selbstverständlich auch unter Einsetr ng meines die Strassen derart vereist, dass an eine Weiterfahrt nicht zu denken war, woraus verschiedene Gasthöfe an der Strecke Basel—' Zürich ein recht einträgliches Geschäft machen konnten. Dabei ist es aber nicht geblieben, sondern als Resultat waren grosser Sachschaden und einige bedauerliche Unglücksfälle zu verzeichnen. Derart gefährliche Strassenverhältnisse sind fast ausnahmslos jedes Jahr zu verzeichnen und dürfen nicht als Ausnahmefälle qualifiziert werden, haben wir doch selbst 1931 beobachtet, wie Automobilisten, ausgerüstet mit Schneeschaufeln, im Entlebuch einige gefährliche Kurven mit Sand bestreuten, das in Säcken mitgeführt wurde, um überhaupt weiterfahren zu können. Unsere Auffassung geht nun dahin, dass die kantonalen Baudepartements aus Arbeitslosen gemeindeweise Streugruppen organisieren sollten, die bei Witterungsumschlag in erster Linie die gefährlichen Strecken und Stellen sofort einzustreuen hätten. Um nur einige typische Stellen zu erwähnen, erinnern wir an folgende Kurven und Steigungen: Strecke Bern—Zürich: Roggwil—Wynau, Murgenthal, Safenwil, Lenzburg und am Mutschellen oder in Othmarsingen und Mellingen; Strecke Basel—Zürich: Ergolzübergang, Rheinfelden, Möhlin, Stein, Münchwilen und Brugg; Strecke Zürich—Winterthur—Schaffhausen: Kemptthal, Andelfingen, Feuerthalen. • Auf den übrigen Durchgangsstrecken liegen ähnliche Verhältnisse vor, indem speziell inmitten von Ortschaften oder deren nächster Nähe solche bei Eisbelägen kaum zu überwindende Hindernisse anzutreffen sind. Das Bereitstellen der notwendigen Sandvorräte in unmittelbarer Nähe der gefährdeten Punkte dürfte nicht mit allzu erheblichen Kosten verbunden sein, so dass bei gutem Willen in kürzester Zeit die Strassen mit Sand oder feinkörnigem Schlagkies bestreut werden können. Die übrigen Strecken könnten dann sukzessive in Angriff genommen werden, was am besten per Lastwagen erfolgen würde, indem bei Fehlen einer Streumaschine bei massigem Tempo zwei oder drei Mann von der Ladebrücke aus die Strassen mit Sand überstreuen könnten, wie dies bereits in einigen Kantonen gehandhabt wird. Innert kurzem wären dadurch die Hauptstrecken bearbeitet, wobei wir allerdings von der Voraussetzung ausgehen, dass seitens der Kantonsorgane in den einzelnen Ortschaften Lastwagenhalter für diesen Dienst auf Pikett gestellt werden sollten, und zwar hätte dies auch dann der Fall zu sein, wenn die Strassenbefahrbarkeit über Samstag/Sonntag sich derart verschlimmern sollte, dass eine Sandung notwendig wird. Wir wollen nur in grossen Linien auf eine derart zu schaffende Organisation des Strassenhilfsdienstes hinweisen, der wegen Kompetenzkonflikten nicht von privater Stelle, Lebens, an dem mir nichts liegt. Wenn ich den Verdacht zerstreuen kann.. •> «Gut. Es ist nicht mein Amt, Ihnen Näheres zu sagen. Wenn Sie also einverstanden sind, werden Sie von hier weggebracht — in die Etappe. Ist Ihnen das recht?» «Ja! Ja!» «Ich werde sofort die entsprechenden Anweisungen geben. Nur eines noch: Die Frau, mit der Sie zusammen verhaftet wurden, — und die wir hinrichten lassen mussten, hat einen Brief hinterlassen — einen Brief an ihr Kind. — Wu&sten Sie von dem Kind?» «Jawohl.» «Wir haben keinen Anlass und augenblicklich auch nicht die Möglichkeit, diesen Brief an seine Adresse abgehen zu lassen. Es kann immerhin sein, dass Sie bei dem Wagnis, das man von Ihnen verlangen wird, mit dem Leben davonkommen. Würden Sie es dann übernehmen, diesen Brief abzusenden?» «Ja.» . «Ich übergebe Ihnen also den Brief!» Der Major öffnete eine Schublade, nahm