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E_1934_Zeitung_Nr.010

E_1934_Zeitung_Nr.010

BERN, Dienstag, 6. Februar 1934 Nummer 20 Cts. 30. Jahrgang — N° 10 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Encheint laden Dienst«« m) Freitag Monatlich „Gelbe Line" Halbjährlich Fr. 5.-, Jährlich Fr. 10.-. Im Ausland unter Portoznschtag, ••lern nicht poitamtUeh bestellt. Zuschlag für postamüiche BeiteUung 30 REDAKTION u. ADMINISTRATION: Brettenrainstr. 97, Bern Rappen. Postcheck-Rechnung II1/414. Telephon 2&223 Telegramm-Adressa: Autorevue, Bern Die Hauptstrassen mit Vortrittsrecht Der Entwurf zum Bundesratsbeschluss. Nun wird der Ring von Vorschriften, welcher den Verkehr umfassen soll und im Bundesgesetz über den Motorfahrzeug- und Fahrradverkehr verankert ist, bald geschlossen sein. Neben der Verordnung über die Regelung der Arbeitszeit berufsmässiger Chauffeure war als ein wichtiges .Glied in der Kette noch die Bezeichnung der Hauptstrassen gemäss Artikel 21 AI. 2 des Gesetzes ausstehend. Die Arbeitszeitverordnung wird ihren Weg durch das Parlament bald antreten und in Sachen Hauptstrassen wurde in aller Stille vom eidg. Justiz- und Polizeidepartement der Entwurf zu einem Bundesratsbeschluss ausgearbeitet. Wie wir kürzlich berichten konnten, wurde dieses Projekt den am Verkehr interessierten Verbänden zur Vernehmlassung unterbreitet, welche ihre Stellungnahme zu den einzelnen Artikeln dem eidg. Departement bereits wieder bekanntgegeben haben. Wir sind im Nachstehenden in der Lage den Wortlaut des vorgesehenen Beschlusses samt den dazugehörigen departementalen Erklärungen folgen zu lassen. Gerade letztere sind sehr aufschlussreich und zeigen, wie -schwer es halten wird, die Lösung zu finden, welche die Mehrzahl der Meinungen auf sich zu vereinigen vermag. Die Kardinalfrage ist die, wie das Vortrittsrecht innerorts geregelt werden soll. Konsequente Durchführung der Priorität des von rechts Kommenden oder Ausnahmen zu Gunsten der wichtigsten Arterien in den Städten und der ausgesprochenen Hauptoder Staatsstrasse im Dorfe ? Die Argumente Pro und Contra müssen sorgfältig abgewogen werden, denn sie haben alle ihre gewisse Berechtigung und ihre Konsequenz. Zudem werden wir uns gerade hier am wenigsten auf das ausländische Beispiel stützen können, da die Verkehrs- und städtebaulichen Verhältnisse doch recht ungleich, ja sogar wesenverschieden sind. Wir müssen also ohne Anlehnung an bereits bekannte Beispiele den Entscheid treffen, der die beste Gewähr für flüssige Verkehrsabwicklung, vermehrte Sicherheit und Einfachheit in der Handhabung bietet. Auf alle Fälle war das Departement wohl beraten, indem es die Verkehrs- und Fachverbände zur Mitarbeit heranzog,denn mit diesen Vorschriften stösst man auf das Lebensmark der Verkehrspraxis. Die rein formelle Seite des Problems tritt damit gegenüber der Notwendigkeit weitgehender Berücksichtigung der Bedürfnisse des täglichen und des kommenden Verkehres stark in den Hintergrund. Die Verkehrsinteressenten müssen es aber entschieden ablehnen, wenn der Versuch gemacht wird, die Entscheidung zugunsten des konsequenten Vortrittsrechtes von rechts dadurch zu beeinflussen, dass man für den entgegengesetzten Fall die Möglichkeit der Einführung besonderer Geschwindigkeitsvorschriften innerorts durchblicken lässt. Wir denken doch, dass in diesem Punkt das Automobilgesetz nicht übers Knie abgebogen werden soll. Die Kennzeichnung der Hauptstrassen wird weniger in den Widerstreit der Meinungen geraten, da diese doch an die Vorschriften gebunden ist, welche die SignalordWung enthält. Da letztere wiederum sich auf eine internationale Vereinbarung stützt, so hätten Abweichungen eine doppelte Auswirkung. Immerhin scheint es uns, dass der Hinweis auf das französische System, doch mehr als nur eine summarische Abfertigung verdient. Wer in Frankreich öfters unterwegs war, der wird die Nützlichkeit der doppelten Markierung durch Signal und aufgemalten Streifen gerne anerkennen. Unbedingt richtig ist die Meinung, dass mit dem Vortrittssignal, gleich wie mit allen andern Verkehrszeichen, recht haushälterisch umgegangen werden soll. Es muss hier sowohl vor einem zu wenig als einem zu viel gewarnt werden. Nach dem Entwurf soll der Beschluss auf 1. Mai dieses Jahres in Kraft treten. Es ist zu begrüssen, dass die für den Verkehr äusserst wichtige Frage des Vortrittsrechtes auf die Fahrsaison hin abgeklärt sein soll. Es bleibt nur zu hoffen, dass die Kantone, denen die Durchführung des Beschlusses und damit auch die Erstellung der Signale übertragen wird, mit der wünschenswerten Promptheit an diese neue Aufgabe herangehen, ungeachtet der für sie etwas unbequemen Tatsache der weitern Beanspruchung ihrer Finanzen. Nachstehend nun der Wortlaut des Entwurfes, dem artikelweise der behördliche Kommentar angefügt ist: Art. 1. Netz der Hauptstrassen. Als Hauptstrassen mit Vortrittsrecht im Sinne von Art. 21 Abs. 2 des Bundesgesetzes vom 15. März 1932 über den Motorfahrzeugund Fahrradverkehr gelten die in einer besonderen Liste aufgeführten Strassen. Als Hauptstrassen mit Vortrittsrecht sollen diejenigen bezeichnet werden, die in der mit Genehmigung der Baudirektorenkonferenz von der Vereinigung schweizerischer Strassenfachmänner her- ausgegebenen «Karte der Hauptstrassen der Schweiz» eingetragen sind. Gegen diesen Vorschlag sind keine Einwendungen erhoben worden. Grundsätzlich würde zwischen den Hauptstrassen I. und II. Ordnung kein Unterschied gemacht. Ueber das Verhältnis der Hauptstrassen unter sich bei Kreuzungen, Einmündungen und Gabelungen siehe Art. 5 des Beschlussentwurfes und die Bemerkungen zu diesem Artikel. Art. 2. Vortrittsrecht innerorts. Innerorts gilt bei allen Strassenkreuzungen, -einmündungen und -gabelungen das Vortrittsrecht von rechts. Art. 27, Abs. 2, des eidg. Automobilgesetzes lässt die Frage offen, ob auch innerorts Hauptstrassen ausgeschieden werden können oder ob hier allgemein das Vortrittsrecht von rechts gelten soll. Die Ansichten über diesen Punkt gehen stark auseinander. Der Schweiz. Städteverband spricht eich grundsätzlich für das Vortrittsrecht von rechts im Stadtverkehr aus, , als der einzig unmissverständlichen Lösung, die sich in vielen Schweizerstädten und z. B. auch in Paris durchaus bewährt habe. Die Durchführung dieses Grundsatzes bedeute eine Unterstützung der Polizei gegen Schnellfahrer, besonders seit dem Fallenlassen der zahlenmässigen Höchstgeschwindigkeiten. Auch würde den Städten die Aufstellung einer Menge von Verkehrstafeln erspart. Die Ortschaftstafeln der Städte, die angeben, von wo an das Rechtsvortrittsrecht gilt, würden erst beim Beginn der dicht bebauten Strecke aufgestellt und nicht etwa, wie befürchtet wurde, an der Gemeindegrenze, wenn dort keine oder nur eine lose Bebauung vorhanden ist. In Städten sollte es nur ganz ausnahmsweise möglich sein, eine Hauptstrasse mit Vortrittsrecht auszuscheiden. Praktisch käme nach dem Städteverband gegenwärtig überhaupt nur Zürich in Frage, wo allenfalls die Bahnhöfstrasse und der Limmatquai als Hauptstrassen bezeichnet werden könnten. Für die Signalisierung allfälliger Hauptstrassen in der Stadt sollte es genügen, wenn die Nebenstrassen mit dem Signal Nr. 7 versehen sind. Allenfalls könnte ein gelbes Band quer über die Einmündung der Nebenstrasse in die Hauptstrasse in Erwägung gezogen werden. Der Städteverband ist der Meinung, dass das städtische Regime, d. h. das Vortrittsrecht von rechts gegebenenfalls auch in dicht bebauten Ortschaften mit städtischem Charakter allgemein eingeführt werden könnte. — Die Vereinigung schweizerischer Strassenfachmänner hat folgende Auffassung: Innerorts sollte grundsätzlich die gleiche Regelung gelten wie ausserorts; in Ortschaften wären also auch Hauptstrassen auszuscheiden. Den Städten sollte die Befugnis erteilt werden, einschränkende Bestimmungen zu erlassen. Davon wären aber die Ausfallstrassen auszunehmen, die Hauptstrassen mit Vortrittsrecht sein sollten. Die Signalisierung der Hauptstrassen innerorts hätte auf die gleiche Weise zu erfolgen wie ausserorts, eventuell mit einem cgeeigneten Zwischensignal». Wichtigere Einmündungen von Nebenstrassen wären mit dem Signal Nr. 7 zu versehen. Wo die Durchführung des Grundsatzes der Hauptstrasse mit Vortrittsrecht in Ortschaften, z. B. bei engen Strassen, gefährlich werden könnte, sollte man sich mit zahlenmässigen Höchstgeschwindigkeiten behelfen. Die Strassenfachmänner hätten ursprünglich die Absicht gehabt, vorzuschlagen, innerorts grundsätzlich das Vortrittsrecht der Hauptstrasse aufzuheben. Sie seien aber davon abgekommen, weil viele Innerortsstrecken sehr lang sind und viele Einmündungen aus Nebenstrassen aufweisen. — Das Postkursinspektorat spricht sich für das ausnahmslose Vor- INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzelle oder deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cta. Grössere Inserate nach Seitentarif. Inswatensehluss 4 Tage vor Erscheinen der Nnmmern trittsrecht von rechts innerorts aus. Man habe-so einen einfachen Grundsatz, der Missbrauch und Unglücksfälle verhindere. Dem rücksichtslosen Führer werde eine Schranke gesetzt, da er an allen Strassenkreuzungen und -einmündungen zur Herabsetzung der Geschwindigkeit veranlasst werde. Endlich müssten innerorts viel weniger Tafeln aufgestellt werden. — Der Regierungsrat des Kantons Bern ist ebenfalls für das ausnahmslose Vortrittsrecht von rechts in allen Ortschaften. Der Führer werde so veranlasst, vorsichtiger zu fahren. Eine Differenzierung der Ortschaften mit Bezug auf das Vortrittsrecht müsste unheilvolle Folgen nach sich ziehen. — Auch der Ausschuss der kantonalen Automobilexperten vertritt den Standpunkt, dass innerorts grundsätzlich das Vortrittsrecht von rechts allgemein gelten solle. — Der T. C. S. ist der Meinung, dass in «eigentlichen Städten» das Vortrittsrecht von, rechts das richtige sei. Immerhin sollten die Tramund Bahnstrassen als Hauptstrassen mit Vortrittsrecht gelten, wie dies z. B. in Deutschland der Fall sei. In Dörfern dagegen sollte die durchgehende Hauptstrasse mit dem Vortrittsrecht ausgestattet bleiben. — Endlich spricht sich die II. M. S. dahin aus, dass die Hauptstrasse mit Vortrittsrecht auch innerorts vorgesehen werden sollte. Eine Ausnahme wäre nur für solche Städte vorzusehen, in welchen die durchgehende Hauptstrasse nicht mehr genau festzustellen ist. Der Grundsatz, dass innerorts ganz allgemein das Vortrittsrecht von rechts gilt, hat jedenfalls den Vorteil der Klarheit und Einfachheit, was besonders für die vielen in unserem Lande verkehrenden ausländischen Automobilisten wichtig ist. Bei der Durchführung dieses Grundsatzes weiss jeder Führer, dass auf allen Innerortsstrecken, d. h. zwischen den Ortschaftstafeln, immer der Vortritt von rechts gilt. Frankreich z. B. hat dieses System eingeführt und es scheint nicht, dass seine Durchführung in diesem automobilreichen Lande, dessen topographische Verhältnisse sich allerdings nicht ohne weiteres mit den unsrigen vergleichen lassen, zu Unzukömmlichkeiten geführt hätte. Sobald man die Ortschaften mit Bezug auf das Vortrittsrecht differenziert, muss man dies auch beim Eingang der Ortschaft äusserlich kennzeichnen. So könnte die gewöhnliche Ortschaftstafel bedeuten, dass in der betreffenden Ortschaft das Vortrittsrecht der Hauptstrasse aufrecht erhalten bleibt Wo aber innerorts allgemein das Vortrittsrecht von rechts gelten sollte, müsste die Ortschaftstafel ein besonderes Zeichen aufweisen, z. B. einen blauen Halbkreis, der in der Mitte über der Tafel aufzustellen wäre. Eine solche Regelung kompliziert aber das Fahren ganz erheblich. Der Führer müsste sich immer vergegenwärtigen, ob die Ortschaftstafel den Vortritt von rechts oder denjenigen der Hauptstrasse anzeigt. Auch müsste noch die innerorts mit Vortrittsrecht ausgestattete Hauptstrasse innerhalb der Ortschaft als solche signalisiert werden, damit der Führer weiss. wo er von der Hauptstrasse auf eine Strasse abbiegt, auf welcher das Vortrittsrecht von rechts gilt. Eine solche Regelung würde eine grosse Zahl von Signalen bedingen, was mit erheblichen Kosten verbunden wäre. Anderseits müsste der Führer innerorts immer wieder auf solche Zeichen Acht geben, obschon seine Aufmerksamkeit schon sonst in Städten und Dörfern stark in Anspruch genommen ist. — Der Städteverband spricht sich entschieden gegen den Vorschlag aus, in Städten die Tram- und Bahnstrassen als Hauptstrassen auszuscheiden. Es würden auf diese Weise viel zu viel Hauptstrassen geschaffen. Die Privilegierung der Tramstrassen würde aber auch sofort erhebliche Teile des Verkehrs auf diese ziehen und damit gerade dort, wo schon die Strassenbahn Verkehrsschwierigkeiten mit sich bringt, vermehrten F E U I L L E T O N diesen warmherzigen, kernigen Erzähler, dessen blutvolle Gestalten immer als geschlossene Persönlichkeiten erscheinen, die von der Nervosität der Neuzeit innerlich noch nicht aufgerieben sind. Unser neuer Roman. Auch der literarisch Anspruchsvollere wird diesen Dichter schätzen lernen, dessen Feder mensch- Das aussergewöhnliche Thema und der internationale Rahmen unseres letzten Romanes « Der liche Leiden und Freuden mit meisterlicher Kraft geheime Kampf» haben unsere Leserschaft stark zu schildern versteht. Das Werk ist unterhaltsam, zu interessieren vermocht. Die Spannung ist gewichen — und die Geschichte ist in Moll verklun- führt es doch in seelische Tiefen. wie nur der beste Roman dieser Gattung, dabei gen. Die zahlreichen schriftlichen und mündlichen Auch im Mittelpunkt des Romanes «Ewige Anerkennungen wie auch die fortwährend eingelaufenen Erkundigungen nach dem Ausgang des Werdenklichen Untertitel «Ein Buch von der Liebe, das Wahrheit», dem Sonnlechner übrigens den nachkes glauben wir als Zustimmung zu der von uns Frauen nicht verstehen» gegeben hat, steht die seinerzeit getroffenen Wahl werten zu dürfen. Liebe. Nicht jene spielerische Zuneigung, die zu Wir hoffen schon jetzt, auch mit dem neuen Roman den gleichen Beifall finden zu können. Leben zweier bedeutender Menschen entscheidende nichts verpflichtet, sondern eine grosse, für das Oskar Sonnlechner, der Verfasser der «Ewigen Leidenschaft. Schon in «Erzsebet» Hess sich die Wahrheit», ist unsern Lesern bereits ein guter Bekannter. Wir haben seinerzeit die «Vorletzte Liebe heimnisse des Herzens anzufassen weiss. Nichts Delikatesse bewundern, mit der Sonnlechner Ge- der schönen Frau Erzsebet» in unserm Feuilleton scheut dieser Schriftsteller mehr, J als die Profanierung und Versimplung von seelischen und geisti- veröffentlicht, und ernteten mit diesem früheren Werke des österreichischen Dichters geradezu begeisterte Anerkennung. So dürfen wir heute ru- Ton gehört. Man möchte sagen: er hat eine geragen Werten, wie dies heute ja fast zum guten hig sagen: wer seinerzeit jenen Sonnlechner gelesen hat, wird mit Bestimmtheit sich auch auf den aber weiss wahrscheinlich nur zu gut, wie sehr dezu altmodische Ehrfurcht vor solchen Dingen, neuen freuen. Das Buch «Die ewige Wahrheit» ist unsere unsicher gewordene Generation etwas mehr seinerzeit im «Autler-Feierabend» eingehend besprochen worden und dürfte einzelnen Lesern schon wendig hat. Wir haben deshalb mit Absicht die- Feingefühl für wirkliche menschliche Werte not- deshalb nicht ganz unbekannt sein. sen Roman ausgelesen, der im besten Sinne positiv gehalten ist. Die Hauptgestalten tragen wie- Sonnlechner, den man als naturfreudigen, allem Schönen mit seltener Gefühlskraft hingegebenen Schriftsteller kennengelernt hat, verleugnet tung in sich und bejahen über allem Leid und Not derum eine seltene Bereitschaft zur Verantwor- sich auch in seinem neuen Werke nicht. Im Gegenteil: es scheint uns noch charakteristischer für einem erstaunlichen Masse menschlich sauber immer wieder ihr eigenes Schicksal. Sie sind in geblieben. Da ist eine von allen Freuden der Welt verwöhnte Frau, die tief darunter leidet, dass ihr die Liebe als tragischer Mittelpunkt des Lebens verwehrt geblieben ist, da ist anderseits ein junger, von idealistischen Stürmen geschüttelter Mensch, den das grosse Erlebnis zum gereiften Manne macht. Der Ausgang bleibt tragisch —und wird doch wieder überglänzt von Erkenntnissen, die gerade die Frucht schweren Schicksals sind. Lange Partien der Erzählung sind voll einer ganz ungewöhnlichen Farbigkeit. Fast betäubend, wie ein Rausch von Blüten, wirkt die naturseelige Sprache, die von einer unglaublichen Zartheit ist. Den Rahmen der Handlung schafft ein wunderbares Naturverständnis. Salzburgs grosse Vergangenheit blüht noch einmal auf, das Wien der Vorkriegszeit steigt in Glanz und Schimmer empor, Tage im Gebirge, in Wald und wogenden Wiesen ziehen vorüber. Ueber die Persönlichkeit des Verfassers haben wir schon in der Einleitung zum ersten Roman Näheres erzählt. Es sei nochmals kurz erwähnt, dass Sonnlechner eigentlich von der Technik herkommt und jahrelang über technische Themen schrieb. Seine ersten Werke verfasste er während des Krieges, an der Front im russischen Stellungskrieg. Während draussen die Kanonen brüllten, las er in freien Augenblicken seinen Schützengraben-Kameraden vor. Seitdem ist Sonnlechner Schriftsteller, und wir hoffen, dass seine Absicht, durch seine Kunst den Menschen einen Lichtstrahl in das Grau'ihrer Tage zu bringen, auch bei unserer Leserschaft voll gelingt! bo. Die ewige Wahrheit. Roman von Oskar Sonnlechner. Verlag von Philipp Reclam jun., Leipzig. Gewidmet einer Frau. Nun liegt die Welt umfangen In starrer Winternacht, Was frommt's, da&s am Kamin ich Entschwundener Lieb' gedacht. Das Feuer will erlöschen, Das letzte Scheit verglüht, Die Flammen werden Asche, Das ist das End' vom Lied. Das End' vom alten Liede, Mir fällt kein neues ein, Als Schweigen und Vergessen, Und wann vergäss' ich dein? (Viktor von Scheffel.) € JUl ». Ein vergilbter Band liegt vor mir. Handgeschrieben. Steile, straffe Buchstaben, steif und eckig. Ausgeprägt im Haar- und Schattenstrich. Wohlgeordnet, wie Soldaten in Reih und Glied stehen sie nebeneinander. Keine Alltagsschrift. Und wenn ich die Hand beschattend über die Augen lege, dann steht er in meinem Erinnern vor mir auf, er, der meinem Herzen