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E_1934_Zeitung_Nr.007

E_1934_Zeitung_Nr.007

BERN, Freitag, 26. Januar 1934 Nummer 20 Cts. 30. Jahrgang — N° 7 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISEi Enchelnt jeden Dienstag and Freitag Monatlich „Gelbe Liste" Halbjährlich FT. 5.-, jährlich Fr. 10 . Im Ausland unter Portomsehlag. totern nicht posUmtllch bestellt. Zuschlag für postamtllche Be»UUun« 30 REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Rappen. Postcheck-Hechnung 111/414. Telephon 2&223 Taleframm-Adreua: Autorevue, Bern INSERTIONS-PBEIS: nie achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile od«r deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. Grössere Inserate nach Seitentaril. tnseratenschluss i Tage vor Erscheinen der Nummern Das Bundesgesetz über die Regelung der Beförderung von Gütern mit Motorfahrzeugen auf öffentlichen Strassen Der Bundesrat hat in der vergangenen Dienstag-Sitzung die Botschaft an die eidg. Räte über dieses Bundesgesetz, welches über die Verkehrsteilung zwischen Schiene und Strasse legiferieren wird, genehmigt. In seiner Begründung über die Notwendigkeit eines solchen Gesetzes führt der Bundesrat folgendes aus: c Die MilHardenwerte, die in den Eisenbahnen und in den mit ihrem Schicksal mittelbar oder unmittelbar verbundenen zahlreichen Betrieben angelegt sind, dürfen nicht ohne produktive Verwendung bleiben; das Gegenteil würde 'den Ruin vieler Einzelexistenzen und Unternehmungen zur Folge haben. Es kann aber auch keine Rede davon sein, sich den durch die Betriebsumstellungen und die technischen Fortschritte aufgezwungenen Abschreibungen widersetzen zu wollen: Organisation, Verwaltung und Betrieb müssen sich mit den neuen Tatsachen abfinden und eich ihnen anpassen. Es würde nicht verstanden, wenn die natürliche Entwicklung der Automobiltransporte durch die Massnahmen des Gesetzgebers aufgehalten oder auf falsche Geleise gelenkt würde. Das ganze Land und vor allem die Wirtschaft würden sehr bald darunter zu leiden haben. Die zweckmässige Lösung kann demnach nicht in gegenseitiger nutzloser Bekämpfung und hartnäckiger Befehdung liegen, sie ist nicht im Konflikt zwischen zwei starren Formeln oder zwei absoluten Begriffen zu suchen. Nnr aufrichtige Zusammenarbeit, vernünftige Verkehrsteilung und elastische Abgrenzung der beidseitigen Aufgaben und, Tätigkeitsbereiche führen zum Ziel. Je mehr die angestrebte Lösung die natürliche Entwicklung der Tränsporte erfasst. sich derselben anpasst und sie auch beejnflusst, um so besser wird sie sein. Die von uns vorgeschlagene Lösung ist gewiss nicht vollkommen. Aber trotz ihren Mängeln und Unzulänglichkeiten stellt sie gegenüber dem gegenwärtigen ungeordneten Zustand einen fühlbaren Fortschritt dar, einen beherzten und zugleich wohlüberlegten Versuch, durch die Zusammenarbeit und Verkehrsteilung von Bahn und Auto dem Allgemeininteresse auf Schiene und Strasse zu dienen. Sie wird. ohne Zweifel im Laufe ihrer Anwendung mannigfache Aenderungen durchmachen. Die Erfahrung wird die vorgesehene Regelung entsprechend den sich ständig wandelnden Bedürfnissen des Wirtschaftslebens ergänzen und verbessern. Dies ist auch der ausschlaggebende Grund, um sie von jedem einengenden Doktrinarismus fernzuhalten und eine zu starre Organisation zu vermeiden. Nur auf diese Weise wird schon von Anfang an ihre Anpassungsmöglichkeit an die wechselnden Erfordernisse der Praxis gesichert sein. » Ueber die Entstehungsgeschichte des Entwurfes, welche in der Botschaft näher beschrieben wird, brauchen wir unsere Leser kaum mehr zu unterhalten, da wir fortlaufend nach dem Gang der Ereignisse hierüber . F E U I L L E T O N Der geheime Kampf. Roman von Philipp Klein. (43. Fortsetzung) Mitten im ersten Bataillon ein Einschlag. Kaum fünf Meter vor Eberhard. Aber die Granate explodierte nicht «Hamma mal wieda Jlück jehabt», sagte Eberhards rechter Nebenmann. «Es war' ooeh zu schade jewesen, wenn wa den Jraben nicht erreicht hätten!» Es war ein Berliner; er hiess Theodor, war einundzwanzig, und machte den Schwindel, wie er Eberhard erklärte, nun schon zwei Jahre mit. «Ick hab' keen Jlück nich», sagte er melancholisch. «An dem Platz, den du jetzt hast, da war'n Junge, der war erst zwee Monate hier. Hat'n Dusel, — Granatsplitter ins Been — muss abjenommen werden. Ist erlöst, der Junge. Unsereenem passiert so 'n Jlück nich!» Heinrich, der linke Nachbar Eberhards, ärgerte sich über diese Worte. «Det is'n Jeschwätz, vastehste! Ohne Been nach Hause — nee! Denn lieber jleich janz kaputt!» «Du möchtest dir wohl vor deiner Ottilje schenieren, wat, wenn de nur noch een Been hättst. Könnt' deiner Schönheit schaden ! berichtet haben. Die Bereitwilligkeit der Strassenverkehrsinteressenten zu einer Verständigung und Verkehrsteilung wurde von der ASPA in einer Eingabe an den Bundesrat im April 1932 festgelegt. Im August 1932 nahm sich dann der Vorort des Schweiz. Handels- und Industrievereins des Problems an und schlug eine konferenzielle Erörterung vor. An einer dieser Konferenzen wurde von Herrn Saurer ein Vorschlag für die Eingliederung des Motorlastwagens in das schweizerische Verkehrssystem vorgebracht, der eine Verständigung mit den Eisenbahnen bezweckte und als Verhandlungsgrundlage diente. Nach längeren Verhandlungen kam dann Ende Mai 1933 eine vorläufige Verständigung zustande, deren nähere Voraussetzungen in einer Uebereinkunft zusammengefasst wurden, welche damals in unserem Blatt wörtlich wiedergegeben war. Im Juni letzten Jahres erschien dann der gemeinsame Bericht des Verwaltungsrates und der Generaldirektion der S. B. B. über die Regelung des Verhältnisses zwischen Eisenbahn und Automobil. Im August tagte noch eine vom eidg. Eisenbahndepartement einberufene Konferenz, an welcher die grossen Wirtschaftsverbände als Vertreter der Verfrachterinteressen zu Worte kamen und grundsätzlich die Uebereinkunft als Basis für die erwünschte Verkehrsteilung und Zusammenarbeit bezeichneten. In einem anderen Abschnitt befasst sich die Botschaft mit den verfassungsrechtlichen Grundlagen für das Konzessionsgesetz, wobei sie zum Schlüsse kommt, dass der Bund, gestützt auf Art. 36 der B. V., nicht nur den Eisenbahnen, sondern ebensogut allen anderen privaten , Transportunternehmungen gegenüber berechtigt ist, an die Ausübung des Beförderungsgewerbes besondere Bedingungen zu knüpfen. Dies aus dem Grunde, weil er an sich berechtigt wäre, den ganzen einschlägigen Gewerbebetrieb zu monopolisieren. Im weiteren wird festgestellt, dass kein verfassungsrechtlicher Grund vorliegt, um eine Unterscheidung zwischen der Beförderung von Reisenden und Gütern zu machen. Es wird endlich nachgewiesen, dass der Bund befugt ist, die gestützt auf das Postregal anzuordnenden Beschränkungen des privaten Transportgewerbes auf dem Wege der Gesetzgebung einzuführen. Der vor einem Jahr an dieser Stelle bekanntgegebene Vorentwurf zu einem Gesetz über die Verkehrsteilung hat inzwischen Nee, Junge, liewa mit eenem Been lebendig, als mit zween tot nach Hause jehn!» Weiter, weiter. Man kam immer mühsamer vorwärts; die Stellungen hatten begonnen. Die Erde klang dumpf, — unterhöhlt von Unterständen. «Päng! Päng!» Von der feindlichen Linie plötzlich heftiges Gewehrfeuer, das aber anscheinend etwas zu hoch ging. Trotzdem fielen ein paar Mann. Weiter! Weiter! Nun war man an dem Grabenteil, den das Regiment zu besetzen hatte. Ein Scheinwerfer blitzte drüben auf. «Nieder!» Man kroch auf allen Vieren zu den Grabeneingängen. Man wurde schon erwartet — mit Schmerzen erwartet. Das Regiment, das abgelöst wurde, hatte in den letzten Tagen grosse Verluste gehabt; eine Reihe schwerer Angriffe traf es. Nun krochen die Leute aus ihren Höhlen, lautlos, wie Schatten. Und die Ablösung zwang sich hinunter. In die Hölle, dachte Eberhard. Es dauerte geraume Zeit, bis man sich zurechtgefunden hatte, bis die Leute da standen, wo sie hingehörten. In den Unterständen war es stockdunkel, und Licht durfte selbstverständlich nicht gemacht werden. Denn man war im vordersten Graben, nachdem in den letzten Tagen die deutsche Front in diesem Abschnitt zurückgedrängt worden war. einige Abänderungen erfahren, so dass wir den vom Bundesrat nunmehr vorgelegten bereinigten Entwurf in der nächsten Ausgabe des Blattes nochmals wiedergeben, wobei für das bessere Verständnis des Textes die nachfolgenden, der bundesrätlichen Botschaft entnommenen Erläuterungen dienlich sein werden: Inhalt und Umfang der Konzessionierung. Aehnlich wie die ausländischen Gesetze und Gesetzesentwürfe will auch der schweizerische Entwurf nur den gewerbsmässigen Güterverkehr der Konzessionspflicht unterstellen, während der Werkverkehr, d. h. die Beförderung von eigenen Gütern mit eigenen Wagen durch gesetzliche Massnahmen nicht eingeschränkt werden soll. Der Umfang der Konzessionspflicht gemäss Art. 1 des Entwurfes steht selbstverständlich in engem Zusammenhang mit der Verkehrsteilung gemäss Art. 15 des Entwurfes. Die vorgeschlagene Regelung beruht auf der Erkenntnis, dass Transporte auf kurze Entfernungen zweckmässiger dem Lastwagen, die andern der Eisenbahn zu überlassen sind. Demnach sollen Güter, die über 30 km hinaus zu befördern sind, künftig grundsätzlich der Eisenbahn überlassen werden und für Konzessionen für den Strassentransport von vornherein ausscheiden. Ausnahmen sind nur für einzelne Güterarten vorgesehen. Anderseits sollen Güter, die nicht über 30 km hinaus befördert werden, in der Regel mit dem Lastwagen zur Beförderung gelangen. Diesen wichtigsten Bestimmungen über die Verkehrsteilung steht anderseits der Grundsatz gegenüber, dass Güter auf Entfernungen von höchstens 10 km Strassenlänge oder innerhalb der Gemeindegrenze ohne Konzessionspflicht frei befördert werden können. Für die Abgrenzung der konzessionsfreien Transporte in der Nahzone gilt gemäss Ziffer 2 von Art. 1 in der Hauptsache die Strassenlänge von 10 km. Darnach kann ein Gut in jedem Fall von der Versand- bis zur Empfangsstelle bzw. von der Auflade- zur Abladestelle 10 km weit frei befördert werden.Wo innerhalb einer Gemeindegrenze längere Beförderungsstrecken in Betracht kommen, wie beispielsweise in Zürich, sollen sie ebenfalls konzessionsfrei bleiben. Der Wohnort des Fahrzeughalters oder der Standort des Fahrzeuges sind nicht massgebend. Es kann also ohne Rücksicht auf die Länge der Leerfahrtstrecke in einer andern Ortschaft als in der, wo der Fahrzeughalter wohnt oder das Fahrzeug stationiert ist, ein Transport Noch immer schössen sie auf der Gegenseite, obwohl das Feuer nicht erwidert wurde. In den Unterständen vermochte es ja keinen Schaden anzurichten; es galt auch mehr i den abgelösten Truppen, die sich noch immer in Schussweite befanden, da sie ja nur kriechend zurück konnten. Und das Gewehrfeuer war übertönt von dem Rollen der schweren Geschütze, die ohne Unterlass Feuer gaben. Im Graben kauerten sich die Leute nieder, wo sie standen. Man- hatte einen Marsch von fast sechzig Kilometern hinter sich und war müde bis zur völligen Stumpfheit. Auch Eberhard empfand nur, dass ihn seine Beine kaum mehr zu tragen vermochten; er warf sich nieder und lehnte den schmerzenden Rücken an die Grabenwand. Es stank nach verwesenden Körpern und menschlichen Exkrementen. «Die Schweine haben uns natürlich den Graben ganz versaut hinterlassen», schimpfte der Berliner Theodor halblaut. «Die hätten ooeh Ordnung machen können, ehe sie sich auf die faule Haut legten.» «Ach Jott», sagte Heinrich, «det is nu schon janz ejal, ob de dir heute verdreckst oder morjen, det is doch Jacke wie Hose. Vadreckt biste doch.» «Pennste schon, Langer», wandte sich Theodor an Eberhard. über eine Entfernung von 10 km Strassenlänge ausgeführt werden. Für die Nebenbahnen mit Güterbeförderung soll der Bundesrat gemäss Ziffer 3 des Art. 1 die konzessionsfreien Entfernungen kürzen können, wenn lebenswichtige Interessen der Nebenbahnen dies erfordern. Für die Anwendung dieser Ausnahmebestimmung werden die jeweiligen konkreten wirtschaftlichen Verhältnisse und die Transportbedürfnisse der betreffenden Gegend massgebend sein müssen. Der Gesetzesentwurf macht für die Unterstellung unter die Konzessionspflicht grundsätzlich keinen Unterschied zwischen inländischen und internationalen Transporten. Aus den Erläuterungen zu Art. 15 d ergibt sich, dass gemäss dem Verkehrsteilungsplan die durchschnittliche Grenze von 30 km auch für den Ein-, Aus- und Durchfuhrverkehr Geltung hat. Einzig für Transporte auf kurze Entfernungen in Grenzgebieten empfiehlt sich eine besondere Regelung, die jedoch nicht im Gesetze selbst getroffen werden kann, sondern der Vollziehungsverordnung vorbehalten bleiben muss. Als « Werkverkehr» im Sinne von Art. 2 gilt die Beförderung von Gütern und Tieren mit eigenen Motorfahrzeugen für eigene Bedürfnisse und mit eigenem Personal. Durch die Worte «für eigene Bedürfnisse» wird das Erfordernis aufgestellt, dass die Güter zum Verbrauch, zur Verarbeitung oder zur Wiederveräusserung erworben oder vom Werk veredelt oder hergestellt sein müssen. Die Beförderung muss der Heranschaffung der Güter zum Werk, ihrer Ueberführung innerhalb des Werkes oder dem Absatz der Güter bei den Abnehmern der Ware dienen. Unter Werken im Sinne'des Gesetzesentwurfes sind nicht nur industrielle und gewerbliche Unternehmen zu verstehen, sondern auch Betriebe der Landwirtschaft und des Handels. Soweit Genossenschaften und Wirtschaftsverbände Eigentümer der von ihnen ausschliesslich an die Mitglieder abgesetzten Waren sind, wird ihr Warentransport auch als Werkverkehr anerkannt werden müssen. Die Konzessionsarten. Der Entwurf unterscheidet grundsätzlich zwischen Konzession N und Konzession S. Während die Konzession N grundsätzlich nur im Nahverkehr für Güter aller Art in Frage kommt, gilt für die Konzession S keine räumliche Beschränkung, dagegen gilt sie nur für Güter, deren Beförderung mit Motorfahrzeugen besondere transporttechnische Vorteile bietet, wie Möbel usw. «Nein. Noch nicht. Aber ich bin wahrhaftig sehr müde!» «Wahrhaftig, sagt er! Jloobste, det wir zum Tanzen uffjelegt sind? Wo haste denn bisher jestanden?» «Ich bin zürn erstenmal im Schützengraben!» «Ach nee! Da biste wohl bisher so 'n Etappenschwein jewesen, wat? Hast Jeschichten jemacht, det se dir hierher vasetzt ham?» «Ich habe mich freiwillig hierher gemeldet.» «Wat haste? Freiwillig haste dir jemeldet? Haste det jehört, Heinrich? Jibt es det? Hör' mal, du scheinst ja 'n janz verrücktes Huhn zu sein! Da musste uns mehr von vazählen!» «Lass ihm doch, Theodor! Det spürste doch, det er kaum noch japsen kann. Wa sind ja ooeh noch länger zusamm'!» Der Berliner schwieg, und Eberhard sank hinüber in den Schlaf der Erschöpfung. Der Tag kam für ihn zeitig genug; mit dem ersten Licht legte der Feind ein Trommelfeuer auf den Abschnitt. Es war, als wäre die Hölle losgebrochen. Die Erde bebte unter dem Dröhnen der schweren Geschütze. Das Grabenstück, in dem Eberhard sich befand, war zum Teil bereits eingeebnet; die Leute mussten in die bombensicheren Unterstände zurückgenommen werden. Eine ganze Anzahl war schon durch die Explosionen der ersten Granaten verschüttet worden; es war