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E_1934_Zeitung_Nr.011

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Oberderfigen Die

Oberderfigen Die hauptsächlichsten Verkehrslinien der Stadt Bern. praktischeren Ausbau von Strassenkreuzungen im Vergleich zum bisher üblichen erkennen. Der Ausbau nach Figur A ist für die heutigen Verhältnisse überholt und unzweckmässig, für einen flotten, reibungslosen Durchgangsverkehr geradezu gefährlich. Hier muss ein Wagen bis zur Höhe der Hausecke vorfahren, damit der Lenker einen Einblick in die einmündende Strasse erhält; ist er in scharfer Fahrt und kommt ihm aus der Nebenstrasse von rechts ein eiliges Fahrzeug in die Quere, dann wird kein Ausweichen mehr möglich sein — der Zusammenstoss ist oft unvermeidlich. Nach Figur B sind zwei von den vier Eckhäusern, und zwar Nr. 1 und 3, die in erster Linie für die Schaffung einer freien Aussicht und diagonal gegenüberliegen, nicht mehr volleckig entsprechend den sich schneidenden Strassenfronten ausgebaut, sondern in ausreichendem Masse abgeschrägt oder abgerundet. Dadurch erhält der Fahrer, der die Hauptstrasse entlang kommt, eine weit bessere Uebersicht und vor allem einen vorzeitigeren Einblick in die Seitenstrasse. Eine Ideallösung stellt Figur C dar. Danach gibt es im Zuge einer ersten Durchgangsstrasse überhaupt keine Eckhäuser im eigentlichen Sinne mehr, sondern nur noch sehr stark abgeschrägte oder abgerundete. Nach dieser Lösung haben alle aus den vier Richtungen herankommenden Fahrzeuge die notwendige Weitsicht und eine klare Fahrtübersicht. T^ Für den Besitzer eines Eckplatzes an einer. Hauptverkehrsstrasse sollte in Zukunft die Genehmigung zur Erstellung seines Neubaues von der Bedingung abhängig gemacht werden, die den volleckigen Ausbau verbietet und die Hingabe einer genügend grossen Fläche voraussetzt, um die Strassenkreuzung dem neuzeitlichen Bedürfnis entsprechend zweckdienlich ausbilden zu können. Schliesslich aber geht es nicht um Bauvorschriften oder um die Interessen eines Einzelnen, hier handelt es sich um höhere Werte — um Menschenleben, die im Spiele sind. Und die Unglücksfälle vermehren sich mit Zunahme des Verkehrs, also muss Abhilfe ge- schaffen werden, wo immer eine Möglichkeit dazu sich bietet. Die Vorteile der Vorschläge B und C für die Anlage von Strassenkreuzungen lassen sich nicht von der Hand weisen, ihre Zweckdienlichkeit ist augenfällig. Achtung vor Winkelgeschäften! Die Kontingentierungsmassnahmen des Bundes zur Regelung der Automobileinfuhr haben bestimmt das Gute für sich, dass dadurch dem Schwarz- und Schleichhandel, der immer unerfreulichere Formen annahm, das Handwerk wenigstens teilweise gelegt wird. Es wurde nämlich behördlicherseits festgelegt, dass Einfuhrbewilligungen grundsätzlich nicht an Privatpersonen erteilt werden. Hiefür kommen nur die regulären, in der Schweiz niedergelassenen Importfirmen in Betracht, die wenigstens im Jahre 1932 schon die Ein- AUTOMOBIL-REVUE fuhr von Motorfahrzeugen regulär betrieben Von Markenservice und Lieferung von Ersatzteilen ist noch viel weniger die Rede. haben und einen Fabrikvertrag vorweisen können. Damit ist einer Eingabe der Zürcher Die Schleichhändler haben gewöhnlich Wohnung und Geschäftsräumlichkeiten kombi- Automobilhändler Folge geleistet worden, in welcher das Volkswirtschaftsdepartement auf niert, und wenn es weitgeht, so steht ein separates Bureau des «Herrn Direktors» mit die ungesunde Praxis von Gelegenheits- und Winkelhändlern aufmerksam gemacht und um einigen fulminanten Fauteuils zur Verfügung. Abhilfsmassnahmen ersucht würde. Von Werkstätte aber und fachmännisch gebildetem Personal, von einem vollständigen Die Schwarzhändler und Winkelagenten gehen bei ihrem Geschäft auf die verschiedenste Art vor und verstehen es, durch alle keine Rede. Diesen kostspieligen Ballast «ä jour» gehaltenen Ersatzteillager ist möglichen Mittelchen und Vortäuschung falscher Tatsachen das Vertrauen der Kaufgeboten gerne den offiziellen Vertretern, de- überlässt der Händler mit den billigen Aninteressenten zu erschleichen. Ihr Hauptargument ist gewöhnlich der scheinbar billi- ganz unverfroren für alle Sonderfälle mitren Adresse er übrigens seiner Käuferschaft gere Preis, den sie im Gegensatz zu den offiziellen Vertretungen offerieren können, ein die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Die teilt. Da haben aber Käufer und Verkäufer Lockmittel, das leider bei manchem Käufer, Fabriken haben, um dem Schleichhandel beizukommen, ihren Vertretern meistens strikte der nur den Preisunterschied vor sich sieht, immer wieder einschlägt. Später müssen Weisung gegeben, ihren Service und den Ersatzteilverkauf, wie auch ihre Reparatur- diese gutgläubigen Leute dann freilich ihren «vorteilhaften» Kauf erheblich teurer veranschlagen, indem sich beim Betrieb allerlei Fahrzeug auf Umwegen erworben haben, werkstätte solchen Wagenbesitzern, die das unliebsame Ueberraschungen zeigen. Da es keinesfalls zur Verfügung zu stellen, und ebenso im wohlverstandenen Interesse der wie wir aus der Praxis wissen, kamen auf Käuferschaft «wie auch des sesshaften Automobilhandels ist, wenn einmal auf die unse- grösste Verlegenheit. diese Weise verschiedene Automobilisten in riösen Praktiken dieses dunklen Händlertums hingewiesen wird, sei nachstehend dar- mit den am Platze niedergelassenen offiziel- Im übrigen operieren die Dunkelmänner über noch einiges berichtet. len Vertretungen in unverschämtester Weise. Sie verschaffen sich auf Umwegen Katalogmaterial und Preislisten, die durch Stroh- Vor allem ist die Herkunft der Wagen oftmals eine recht zweifelhafte. In manchen männer, welche als fingierte Kaufsinteressenten auftreten, bei den regulären Händ- Grossstädten bestehen vorzüglich organisierte Banden, welche sich den Diebstahl lern bezogen werden, und veranlassen die neuer Privatwagen, deren «Umbau» und Wiederverkauf zur Spezialität gemacht haben gedenken, Probefahrten bei den autorisierten Leute, denen sie einen Wagen anzutreiben und ihr Handwerk so ausgezeichnet verstehen, dass die internationale Polizei alle einen doppelten Zweck, indem sie sich einer- Händlern auszuführen. Sie verfolgen damit Mühe hat, ihnen auf die Schliche zu kommen. Oder dann sind es Fahrzeuge, die als sie mit dem Markenvertreter in gewisser Beseits den Anstrich geben wollen, als ständen Vorführungswagen gedient haben oder solche, die auf Abzahlung übernommen wuressenten beweisen möchten, in welchem Masse ziehung, während sie anderseits ihren Interden und für welche weitere Raten nicht bezahlt werden konnten, oder sonstige Wagen, aber das Fehlen einer Garantie sowie der ihre Preise vorteilhafter seien. Dabei wird die bereits im Verkehr gestanden haben. Mit Mangel eines späteren Service wohlweislich fachmännischer Sorgfalt werden sie dann verschwiegen. Dass es sich zudem meistens' wieder in «fabrikneue» Automobile verwandelt und nehmen auf Schleichpfaden irgend- wurde bereits erwähnt. Beizufügen ist in um nicht vollständig neue Wagen handelt, welcher Art den Weg bis zu den Agenten diesem Zusammenhange noch, dass es sich mit den konkurrenzlos billigen Angeboten. bei den in Frage kommenden Wagen amerikanischer Provenienz gewöhnlich nicht um Da die Fahrzeuge fast durchwegs nicht den geraden und korrekten Weg von der Fabrik Exportmodelle handelt. Da es in Amerika erworbene Autos sind, die ursprünglich für durch den Generalvertreter oder die europäische Verkaufsstelle (es handelt sich in den dortigen Markt bestimmt und erst auf der Mehrzahl der Fälle um amerikanische Umwegen nach Europa kamen, so weichen Wägen) zu diesem letzten Vermittler genommen haben, sondern aus irgendeinem Grunde port bestimmten Modellen ab, indem andere sie in ihrer Ausrüstung von den für .den.,Ex- wohlfeiler wurden, so kann allerdings ein Vergaser, kleinere Kühler usw. vorhanden Verkaufspreis willkürlich festgesetzt werden, sind, die in unserem Lande nur schlechten der um ein beträchtliches unter den üblichen Dienst leisten. Ansätzen liegt. Mit dem Kauf allein ist aber Wie oft übrigens bei solchen Käufen der die Finanzierung des Wagens bekanntlich nicht Schein trügen kann, mag das uns von einer erledigt, wenigstens nicht für die einsichtigen Wagenbesitzer, die zu rechnen verstegen, wonach es einem solchen wilden Händler offiziellen Vertretung verbürgte Beispiel zeihen und wissen, wie das Fahrzeug kaufmännisch in bezug auf Amortisation usw. in der zeuge nach der Schweiz zu bringen. Bei gelungen war, aus Amerika einige neue Fahr- Betriebsrechnung einzusetzen ist. deren Unterbringung in einem ungeheizte» Schopf fror das wegen Unkenntnis nicht vollständig aus dem Kühlmantel abgelassene Wasser ein, so dass es zu Rissen im Zylinderblock kam. Da sich der «Importeur » keinen Ersatz zu beschaffen vermochte, wurde kurzerhand der Schaden durch Schweissung behoben. Wenn diese Reparatur auch ihren Dienst versehe^ mag, so erhält doch der Käufer, der einen fabrikneuen Wagen zu erstehen glaubt, ein Fahrzeug, das durch die Reparatur bereits einen erheblichen Minderwert erfahren hat. In einzelnen Fällen beziehen diese Gelegenheitshändler ihre Verkaufsobjekte aus Hier fangen nun die Schwierigkeiten mit dem im Sonderhandel erstandenen Fahrzeug an. Der Verkäufer ist nicht in der Lage, irgendeine Garantie für den Wagen zu übernehmen. Der Gelegenheitsagent wird keine Garantieerklärung abgeben können, die im Ernstfall allen Ansprüchen und Prüfungen standhält, da die Fabrikgarantie nur für den auf normalem Weg verkauften Wagen gilt. Die General- oder Untervertretung in der Schweiz würde übrigens eine solche Währschaft, sofern sie dem Käufer überhaupt abgegeben wird, nie anerkennen, und wenn sich nach der Inbetriebnahme irgendwelche Mängel zeigen sollten, die üblicherweise durch die Verkaufsgarantie gedeckt sind, so muss der «glückliche» Besitzer des schadhaften Wagens für den Ersatz der bemängelten Teile selbst aufkommen. 1934 - N° 11 Zwangsliquidationen, unter deren Bestand sich oftmals auch Ladenhüter befinden und für die das bereits Gesagte in bezug auf mangelnde Garantie usw. ebensosehr gilt. (Fortsetzung auf Seite 5.) «Sehen Sie, gnädige Frau, dort das mächtige Bergmassiv», seine Hand wies in die Ferne, «dorthin führt mich mein Weg. Und dort», seine Stimme sank zu. einem Flüstern herab, wie wenn er ihr ein grosses Geheimnis zu verkünden habe, «dort, kurz vor dem letzten Aufstieg, kenne ich ein kleines, ielsenumschlossenes Kar, eingeengt von senkrechten Wänden, ein in einem Feenieich aufgebautes Zauberschloss, stumm und lautlos dahinträumend, dessen steinerne Ruhe keines Menschen Stimme entweiht. Ein schweigendes Paradies. Selten nur der scharfe Schrei eines kreisenden Adlers oder das Rieseln der Steinchen, die sich unter den Läuten flüchtiger Gemsen lösen. Nur spärliches, schwarzgrünes Kriechholz hie und da im silbergratien Gestein. Aber inmitten dieser träumenden Märchenburg, durch die Launs der Natur vom Bergsturm durch sin hin?eschleudertes Samenkorn hingezaubert, aine mächtige Wettertanne, deren zerzauste Zweige silbergraue Bartflechten behängen. Dort hocke ich mit meinen vier Kerls nieder. Die kennen mich und wissen, warum sie schweigen und mir meine Gedanken nicht stören, dann gibt es dafür beim Heimweg unten in Golling in der « Roten Rose» eine feuchte Rast für ihre ausgetrockneten Kehlen. » Er lachte über sein Jungengesicht und strich sich mit den Fingern durch den blonden Haarschopf. Schweigend horchten die schöne Frau und ihr Begleiter den leidenschaftlichen Worten ihres Führers. Er stumm und wortlos, sie mit weitgeöffneten Blicken lauschend. « Wie ich sie beneide.» Mit einem Aufseufzen stiess sie die Worte hinaus. « Wenn ich morgen oben unter meiner alten Wettertanne träume, dann will ich von Ihnen Grüsse bestellen, gnädige Frau. > Sie lächelte. « Es wird mich freuen, wenn Sie sich daran erinnern werden.» Mit einigen leisen Worten wandte sich ihr Mann an sie. « Ja, Piet, du hast recht, wir wollen gehen.» Mit einem leichten Kopfnicken streckte sie dem jungen Offizier ihre schmale Hand hin. « Wir danken Ihnen vielmals, und vergessen Sie nicht Ihr Versprechen. Good bye.» Freundlich, aber steif und gemessen, verbeugte sich ihr Mann, i Man sah es an der Miene des Landesschützen, dass für ihn ein schöner Traum zerrann. « Wenn Sie es erlauben, will ich Sie noch bis zur Bergbahn begleiten, dann ist auch meine Zeit gebunden.» Er log. Aber er hatte das Gefühl, dass er überflüssig sei. Sie schritten durch den inneren Burghof, in dessen Mitte eine mächtige Linde aufragte, rings um den Stamm eine hölzerne Sitzbank. « Hättest du etwas dagegen, Piet, wenn wir hier für einige Minuten ruhen. Ich bin müde, Piet. » Freundlich nickte er. Die Schatten der Abenddämmerung umflorten den altertümlichen, von verwitterten Mauern umragten Hof. Von nichtssagenden Dingen plauderten sie. Dass sie sich auf der Durchreise befinden, dass sie es vor allem nicht versäumen wollte, das schöne Salzburg zu sehen, von dem sie schon so viel gehört und auch gelesen, denn es sei ihre Gewohnheit, nie einen schönen Erdenpunkt aufzusuchen, ohne sich vorher darauf vorzubereiten, damit sie alles in vollem Geniessen in sich aufnehmen könne. «Morgen besuchen wir den Königssee, und tags darauf will ich so viel Zeit wie möglich dem Mirabellgarten widmen, von dessen bezaubernder Vergangenheit ich so viel gehört.» Ihr schweigsamer Gatte hatte sich erhoben und schickte sich zum Gehen an. Kaum, dass man ihn in der sinkenden Dunkelheit nach wenigen Schritten noch zu sehen vermochte. «Ich will absichtlich erst um die Abendstunde dort sein, um mich ganz in die geheimnisvollen Mysterien seiner Vergangenheit zu versenken. Aber nun... mein Mann ist schon ungeduldig, nochmals schönen Dank.» Ein freundliches Nicken, von ferne lüftete der Mann den Hut... und wenige Augenblicke später waren sie im Dunkel der sinkenden Nacht verschwunden. Hier ist es das erstemal, dass Ju! in den Zeilen seines Tagebuches von ihr spricht. < Ich habe eine Frau kennengelernt. Ob es nur ein Sommernachtstraum war ? War es Absicht oder nicht,-als sie vom Mirabellengarten sprach ? » Und wenige Zeilen später, die von zerstreuten, belanglosen Dingen handeln, da träumt er sich zurück in die Zauberwelt seiner Bergfahrt auf den Hochgolling und... wie er sie wieder gesehen. (Fortsetzung folgt.)

N° 11 - 1934 AUTOMOBIL-REVUE Sportnachrichten Titisee-Nachklänge. Der letzte Sonntag hat bekanntlich dem schweizerischen Autosport im Ausland hohe Ehren gebracht. Ausgerechnet das erste 'Rundstreckenrennen in diesem Jahr endete mit einem Doppelsieg unserer Farben: das ist ein Erfolg, der nicht unterschätzt werden darf! Die Enttäuschung in Deutschland scheint nicht gering gewesen zu sein. Just das erste Rennen, das der nationalsozialistische D.D. A.C. und das N. S. K. K. inszenierten, wurde von Ausländern gewonnen. Vier Schweizer zogen nach dem Schwarzwald, zwei — nämlich Maag und Rüesch — kamen als Sieger zurück, der Dritte — Qübelin — hatte sich ebenfalls sehr ehrenvoll geschlagen, und auch der Zürcher Derby- Fahrer Schneider endete in der kleinen Sportwagenklasse auf einem mittleren Platze. Das zum vierten Male stattgefundene Rennen wurde in einem sehr schönen winterlichen Rahmen durchgeführt. Prachtvolles Wetter begünstigte die Veranstaltung, die Tausende von Zuschauern herbeigelockt hatte. Viele Sonderzüge schleppten die Neugierigen nach dem bekannten Schwarzwälder See, auch aus der Schweiz kam ein Zug, und eine unendliche Autokolonne strebte auf den verschneiten Strassen vorwärts. Das 1,5 km lange Oval der Bahn war durch mühevolle Kleinarbeit in besten Zustand gebracht worden. Die 40 cm dicke Kerneisdecke garantierte für einen sicheren Verlauf der Rennen. Selbstverständlich vollzog sich der ganze Anlass im Stile des neuen Deutschlandes: zahlreiche S. A.-Männer waren anwesend, hohe Persönlichkeiten des neuen Regimes Hessen sich sehen, das Deutschlandlied und das Horst-Wessellied erklangen. Rund 15 000 Zuschauer wohnten den um 11 Uhr beginnenden Kämpfen bei, die zuerst von den Motorrädern bestritten wurden. Hier stellte der Münchner Schnitzenbaumer auf Rudge mit dem Durch- : schnitt von 95,1 km/St, die Tagesbestzeit auf. Bei den Automobilen tippte das grösstenteils einheimische Publikum in erster Linie auf seine Landsleute. Wimmer (Bugatti) und Steinweg (Bugatti) massen sich in der grossen Sportwagenklasse mit den Schweizern Rüesch auf Alfa Romeo und Gübelin auf Plymouth. Sofort nach dem Start zeigte sich das überragende Format von Rüesch, dem die Deutschen trotz ihrer verzweifelten Attacken nichts anhaben konnten. Die tolle Jagd in dieser Klasse führte dann auch dazu, dass Rüesch die beste Tageszeit der Wagen erreichte. Wimmer verlor während der Fahrt seine Brille, erhielt vom überholenden Steinweg Eissplitter ins Gesicht und musste die Waffen vorzeitig strecken. Rüeschs Fahrkunst erntete lebhafte Ovationen. Auf den glänzenden Erfolg Gübelins haben wir schon in der letzten Nummer hingewiesen; der Plymouth schlug sich besser als verschiedene Rennwagen. Gegenüber den früheren Resul- > taten ist übrigens die Bestzeit von Rüesch ziemlich niedriger. Der Grund liegt in der Verkürzung des Parcours ; die Geraden massen statt 900 m nur noch 350 m. Dem Schwarzwälder Pietsch wurden schon vor dem Rennen eifrig Vorschusslorbeeren gespendet. Mit seinem von 2300 auf 2600 ccm aufgebohrten Alfa Romeo war er bestimmt ein scharfer Gegner. Er machte es aber Maag auf Bugatti 2 Lit. in der grossen Rennwagenklasse sehr leicht, da die Maschine überhaupt nicht vom Fleck kam. Der Bugatti des Deutschen Zimber kam nie an Maag heran, und so beendete der schweizerische Rennwagen- Meister den Lauf in verhaltener Fahrweise, um nicht durch allzu starke Forcierung sich noch einmal um alle Chancen zu bringen. Das Vergleichsrennen zwischen Udet, Autos und Motorrädern hatte sportlich keinen grossen Sinn; es diente vor allem als Sensation für die Massen. Das sportlich durchaus grosszügig und fair gesinnte Publikum spendete den Schweizern über alle Enttäuschungen hinweg rückhaltloses Lob. Leider hielt es die deutsche Presse nicht so. Sie versuchte mit allen Mitteln den helvetischen Erfolg zu vertuschen — eine Haltung, die nicht unbedingt einen Anreiz für ausländische Fahrer bedeutet! Neuer Stundenweltrekord von Eyston auf Panhard. Drei neue Weltrekorde. Nach langen Vorbereitungen und mehreren erfolglosen Versuchen ist es dem berühmten englischen Rennfahrer G. E. T. Eyston am letzten Sonntag endlich gelungen, auf der Rennbahn von Montlhery mehrere neue Weltrekorde aufzustellen, darunter auch den am meisten umkämpften Stundenweltrekord. Bekanntlich hatte Eyston schon im letzten Spätherbst vergebliche Angriffe gegen die Stunden-Bestzeit unternommen. Die kalte Jahreszeit hinderte ihn dann wochenlang an der Fortsetzung seiner Fahrten. Am letzten Sonntagmorgen tauchte der Engländer in Begleitung der beiden Piloten Eldridge und Marchant, sowie der offiziellen Chronometreure wieder in Montlhery auf. Publikum und Presse waren von den Absichten des Rekordfahrers nicht orientiert, so dass der Versuch sich ganz unter Ausschluss der Oeffentiichkeit vollzog. Eyston zeigte damit einen sehr sympathischen sportlichen Geist, dem jede aufdringliche Reklame zuwider ist. Das Wetter war ausnehmend Mar, doch pfiff ein eisig kalter Wind über die Hochebene von Saint-Eutrope, und die Piste war an einzelnen Stellen leicht überfroren. Punkt 11.12 Uhr startete Eyston mit seinem grossen Panhard-Wagen. Die wenigen Anwesenden zweifelten anfangs daran, ob der Fahrer die furchtbare Kälte, der er ausgesetzt war, auf die Dauer ertragen könne. Mit unglaublicher Regelmässigkeit raste die Maschine Runde um Runde ab, und nach 45 Minuten war der erste Weltrekord über 100 Meilen bereits geschlagen. Nach der 56. Minute hatte Eyston auch den 200 km-Weltrekord unterbrochen und vier Minuten darauf konnte ihm abgewunken werden. Der Engländer hatte eine Stunde lang mit dem Gesamtdurchschnitt von 214,064 km gekreist und damit einen neuen Stundenweltrekord aufgestellt! Die alte Stundengeschwindigkeit des verstorbenen Grafen Czaikowsky stand auf 213,839 km/St. Zur Veranschaulichung der grossen Leistung Eystons sei ein Vergleich herangezogen. Auf eine gerade Linie gebracht, hätte der Engländer innert einer Stunde etwas mehr als die. ganze Strecke von Bern bis St. Gallen zurücklegen müssen... Eyston befand sich körperlich nicht in besonders gutem Zustande, da er bis kurz vor 213,82 km/St. auf Bugatti 45 Min. 8 Sek. 80/100, Stundenmittel der Rekordfahrt an einer Grippe krank gelegen war. Nach seiner eigenen Aussage machkowsky auf Bugatti 56 Min. 7 Sek. 50/100, Std.- 200 km : 56 Min. 2 'Sek. 78/100 Sek. (Stundenmittel 214,109 km/St.); alter Rekord: Graf Czaiten ihm die letzten 20 Minuten am meisten Mittel 213,808 km/St. Beschwerde. Die ungeheure Kälte Hess ihn 1 Stunde : 214,064 km; alter Rekord : Graf Czaikowsky auf Bugatti, 213,839 km/St. beinahe erstarren, so dass seine Hände fühllos sich am Lenkrad verkrampften, und nur Dies drei neuen Weltrekorde stellen zugleich auch drei neue internationale Rekorde der Klasse noch eine halbe Konzentration möglich war. 5000 ccm dar. Der neue Stundenweltrekordman hat die Im folgenden veröffentlichen wir noch eine gleiche Bestzeit schon im Jahre 1932 ebenfalls auf einem Panhard-Wagen aufgestellt. Liste, die die Entwicklung des Stundenweltrekordes zeigt: 1933 entriss sie ihm dann wieder Graf Czaikowsky. Der 7933 ccm-Panhard-Wagen bebert (Talbot) 165 km760 sitzt 8 Zylinder und entwickelt eine Stärke 12- 4-13. — Brooklands: Jules Goux 15-12-13. — Brooklands : Percy Lam- von 300 PS; er verfügt aber über keinen (Peugeot) 170 km 5S8 10-10-13. — Brooklands: J. Chassagne Knmnmssor. (Sunbeam) 173 km Der Start des Engländers Eyston auf Panhard zur Rekordfahrt in Montlhery, in deren Verlauf er den berühmten Stundenwelt-Rekord des verstorbenen Grafen Czaikowsky schlug. Mit einer schönen Geste wurde anlässlich der Aufstellung des neuen Stundenweltrekordes der verstorbene frühere Rekordinhaber, Graf Czaikowsky geehrt. Eyston legte im Beisein von Eldridge und Letorey, dem Direktor der Montlherybahn, am Grabe des Verunglückten in Houville einen Trauerkranz nieder. Nach einigen Tagen der Ruhe will der englische Pilot auf der Montlherybahn weitere Rekordversuche unternehmen. Die neuen Weltrekorde. 100 Meilen: 45 Min. 7 Sek. 9/100 (Stundenmittel 214,017 km/3t.); alter Rekord: Graf Czaikowsky Der wirtschaftliche CONTINENTAL ist eines der berühmten Qualitats-Fabrikate der Continental Motors Corporation in Detroit (USA) und infolge seines niedrigen Anschaffungspreises, des kleinen Brennstoffverbrauches und der geringen Unterhaltungsspesen in jeder Hinsicht der sparsame u.zweckmässige Wagen der Gegenwart. - Die gediegene und geraumige 4türige und 4/5plätzige Stahl-Karosserie bietet den letzten Komfort, der schwebende Motor, die den neuesten Errungenschaften entsprechende Federung und die hydraulischen Vierrad-Bremsen geben ihm die für hohe Durchschnitts-Geschwindigkeiten notwendige vorzügliche Strassenhaltung und grösste Fahrsicherheit. Typ Beacon, 4 Zyl., 12 PS Maximal 100 St./km, Brennstoff- Verbrauch 10 Liter auf 100 km J Preise d. gesetzmässig ausgerüsteten Wagen von Fr. 4950.- bis 5900.-. 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Eyston (Panhard 7.938 cc.)) 214 km 064 Das Rennprogramm der Scuderia Ferrari. Das diesjährige Rennprogramm der « Scu- .deria Ferrari», die sich innert kurzer Zeit zum führenden Rennstall Europas entwickelt hat, ist ausserordentlich stark belastet. Fast alle grösseren Rennen in Europa werden von der italienischen Scuderia beschickt. Besonders erfreulich ist es. dass Enzo Ferrari auch die schweizerischen Veranstaltungen in weitgehendstem Masse berücksichtigt. Der Grosse Preis der Schweiz, das Klausenrennen, das (eventuelle) Rundstrekkenrennen von Montreux und das Ceneri- Bergrennen werden alle von Scuderia Ferrari-Fahrern bestritten. Folgende Fahrer sind für 1934 von dem italienischen Rennstall engagiert worden : Varzi. Chiron, Moll, Trossi, Tadini, Commotti, Ghersi, Barbieri, Rosa, Marinoni, Carraroli und Aldrighetti. An den im nachstehenden angeführten grösseren Rennen wird der italienische Rennstal'l vertreten sein: 29. März; La Turbie-Bergrennen (Frankreich). 2. April: Grosser Preis von Monaco. 7./8. April: Mille Miglia. 22. April: Runclstreckenrennen von Alessandria (Italien). 6. Mai: Grosser Preis von Tripolis. 20. Mai: Grosser Preis von Casablanca. 20. Mai: Grosser Preis von Nimes. 20. Mai: Targa Florio. 20. Mai: Grosser Preis von Budapest. 26. Mai: Avusrennen. 26. Mai bis 2. Juni: Giro d'Italia. 2. Juni: Grosser Preis der Insel Man (England) 3. Juni: Eifelrennen. 3. Juni: Rennen von Montreux. 17. Juni: Kesselbergrennen (Deutschland). 17. Juni: Grosser Preis von Penya-Rhin (Spanien). 1. Juli: Grosser Preis von Frankreich. 8. Juli: Grosser Preis der Marne. 15. Juli: Grosser Preis von Deutschland. 22. Juli: Rundstreckenrennen von Dieppe. 22. Juli: Gaisbergrennen (Oesterreich). 29. Juli: Rundstreckenrennen von Montenero (Italien). 29. Juli: Poetschenpass-Rennen (Oesterreich). 29. Juli: Grosser Preis von Belgien. 5. August: Grosser Sommerpreis von Schweden. 5. August: Internationales Klausenrennen. 12. August: Grosser Preis von Nizza. 15. August: Coppa Acerbo. 19. August: Grosser Preis von Marseille. 19. August: Freiburger-Bergrekord (Deutschland). 26. August; Grosser Preis der Schweiz. 26. August: Grosser Preis von Comminges. 26. August: Stilfserjochrennen (Italien). 9. September: Grosser Preis von Italien. 16. September: Rundstreckenrennen von CTemona. 16. 'September' Mont Ventoux-BergTennen. 16. September- Rundstreckenrennen von Viels (Oesterreich). 22. September: 500 Meilen-Rennen (England). 23. September: Monte Cenen-Rennen. 30. September: Masarykring-Rundstreckenrennen. 7. Oktober: Arlbergrennen (Oesterreich). Die Equipe Braillard in Montlhery. Louis Braillard, Mme Braillard und Benoit Falchetto erprobten kürzlich auf der Montlherybahn zwei ihrer Bugatti-Wagen. Braillard erreichte mit seiner Maschine ein Stundenmittel von gegen 200 km/St, und zeigte, dass er weitere Fortschritte als vorzüglicher Fahrer gemacht hat. In Frankreich glaubt man allgemein an eine grosse Zukunft des jungen Schweizers.