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E_1934_Zeitung_Nr.012

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BERN, Dienstag, 13. Februar 1934 Nummer 20 Cts. 30. Jahrgang - N° 12 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint Jeden Dienstag and Freitag Monatlich „Gelbe List«" Halbjährlich Fr. 5.-, jährlich FT. 10.-. Im Ausland unter Portozmehlag, Mtero nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliehe Bestellung 30 REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breltenrainstr. 97, Bern Rappen. Postcheck-Rechnung 111/414. Telephon 2&223 , T*l«cnunm-Adreue: Aotorevne, Bern INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder dtren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. Grössere Inserate nach Seitentarit. UMratemchlnss 4 Tage vor Erscheinen der Nummern Automatische Verkehrsregelung D5e Notwendigkeit der Verkehrsregelung an «tärker frequentierten Verkehrsschnittpunkten und der gleichzeitige Mangel an der hiefür notwendigen Mannschaft hat nunmehr auch verschiedene städtische Polizeikommandos veranlasst, automatische Einrichtungen in den Dienst zu stellen. In Zürich, Basel und Bern werden seit einigen Monaten verschiedene Systeme maschineller Verkehre- Signale ausprobiert und bereits beginnen, sich die Meinungen über die Zweckmässigkeit der einzelnen Vorrichtungen zu bilden. Da es sowohl für die Behörden wie auch für die Strassenbenützer sehr wichtig ist, zu wissen, in welcher Richtung eich die Automatisierung der Verkehrssignale weiterentwickeln wird, möchten wir in unserem Blatte eine Diskussion über die Eignung der •verschiedenen Systeme einleiten. Herr W. Mühlemann. Chef des kantonal-bernischen Strassenverkehrsamtes, hat sich bereit erklärt, den ersten Beitrag zu dieser Aussprache zu liefern. Seine beachtenswerten Ausführungen, die wir zwar nicht in allen Punkten zu teilen vermögen, werv den hoffentlich weitere Fachleute auf den Plan ; Tufen. Auf alle Fälle verdient seine Forderung vollste Unterstützung, dass die schweizerischen Städte sich auf eine Mindestzahl von Systemen einigen, da die erhoffte Verkehrs-Regelung wesentlich darunter leiden müsste, wenn von Stadt zu Stadt wiederum andeTe Einrichtungen anzutreffen •wären. — Die Red. In jüngster Zeit mehren sich die Versuche in der Schweiz, den Strassenverkehr an seinen Brennpunkten durch automatische Signale zu regeln. Die Grossstädte des Auslandes haben schon länger die automatische Verkehrsregelung eingeführt, und entsprechend der Neuartigkeit dieser Methode haben sich verschiedene Systeme herausgebildet, um deren Bewährung heute noch gestritten wird. Obwohl nicht anzunehmen ist, dass die Zunahme des Strassenverkehrs in Zukunft in gleichem Masse wie bisher weiterschreitet, werden doch auch in der Schweiz die automatischen Signalanlagen nicht mehr aufzuhalten sein; dies schon aus dem Grund, jweil durch sie die Strassenpolizei von einer starken Belastung befreit wird. Je mehr sich aber die Behörden mit der Einführung dieser automatischen Anlagen zu beschäftigen haben, um so stärker ereifern sich auch die Meinungen über die Zweckmässigkeit des einen oder anderen Systems, und' um so bedeutsamer wird die Entscheidung, welchem von den «Konkurrenten» der Vorzug gegeben werden soll. Die Frage ist um so wichtiger, als es von vorneherein zweckmässig ist, für die ganze Schweiz eine möglichst einheitliche Methode zu finden. Versuche und Erfahrungen sind im Ausland zahlreich gemacht worden. Auch bei uns sind schon verschiedene Systeme probeweise eingeführt. Die kantonalen und städtischen Verkehrsbehörden bearbeiten fortlaufend das Problem und suchen zu einheitlicher Beurteilung zu kommen. Noch sind die Dinge im Fluss und die Zeit ist zu kurz, um auf schweizerischen Erfahrungen allein endgültig urteilen zu können. Es lassen sich aber, in Verbindung mit den älteren Erfahrungen des Auslandes, wohl auch für die schweizerischen Verhältnisse allgemein gültige, grundsätzliche wie praktische Gesichtspunkte feststellen. Zu den grundsätzlichen Anforderungen, die an ein automatisches Strassensignal gestellt werden müssen, gehört vor allem, dass es leicht verständlich ist. Eine komplizierte Einrichtung, über deren Sinn der Landwirt mit seinem Fuhrwerk oder der Sonntagsfahrer erst umständliche Erklärungen einholen muss, hat schon ihren Zweck verfehlt. Je einfacher das Signal wirkt, desto sicherer wirkt es auch. Das Signalbild soll am Tag wie bei Nacht möglichst dasselbe sein. Es bedeutet eine Gefährdung der Verkehrssicherheit, wenn der Strassenbenützer sich von dem gleichen Signal bei Nacht ein anderes Bild einprägen soll als bei Tag. Des weiteren darf das Signal bei Nebel seine Wirkung nicht verlieren und es muss auf möglichst weite Strecken deutlich erkennbar sein. Für den Betrieb der Anlagen ist es wichtig, wieweit sie Witterungseinflüssen ausgesetzt sind und kostspielige bzw. verkehrsstörende Reparaturen verursachen. Die Köstenfrage ist überhaupt nicht zu übersehen. Es muss geprüft werden, wie weit eine Anlage im Verhältnis zu den Kosten ihren Zwecken entspricht. Nicht zuletzt ist die Arbeitsmethode einer Anlage von Wichtigkeit. In den weitaus meisten Fällen arbeiten die automatischen Signale nach dem sogenannten «go and stop»-Prinzip, d. h. sie geben in gleichmässigen Zeitabständen die Zeichen «Halt» und «Fahrt». In neuerer Zeit gibt es demgegenüber das sogenannte Individualprinzip. Dieses versucht, die Einschaltung der Lichtsignale vermittelst Kontaktschwellen von den Fahrzeugen selbst abhängig zu machen und dem Verkehr anzupassen. Zu den wichtigsten Systemen, wie sie bisher in Gebrauch genommen wurden, gehört die sogenannte Heuer-Ampel, sodann die einfachen optischen Lichtsignale, ferner Lichtsignale mit Kontaktschwellen zur individuellen Regelung je nach Verkehrsdichte, und schliesslich auch Verkehrsspiegel. Untersuchen wir diese Systeme nach den angeführten Gesichtspunkten, so ergeben sich nach den vorläufigen Erfahrungen folgende Resultate: Die Heuer-Ampel bewährt sich bei Tag insofern, als sie durch den Zeiger denjenigen Fahrern genügend Ueberblick gewährt, die sich an ihr System gewöhnt haben. Schon bei Nacht zeigen sich aber Schwierigkeiten. Die Beleuchtung der Ampel ist nicht günstig, der Zeiger schwebt wie ein Schatten über den Feldern. Die Wirkung wird unsicher. Es ist ferner ein Nachteil, dass die Ampel wegen des Strassenbahnkörpers viel zu hoch aufgehängt werden muss. Dadurch gerät das Signal ausserhalb der normalen Blickrichtung des Autofahrers und wird verschiedentlich übersehen. Bei Nebel versagt das Signalbild vollständig. Hinzu kommt ferner, dass die Heuer-Ampel nur für solche Strassenkreuzungen in Frage kommen kann, die möglichst senkrecht zueinander verlaufen. Kreuzen sich die Strassen schiefwinklig oder gar so, dass eine der Strassen in einer Kurve liegt und die Achsen der Strassen sich nicht in einem Punkte treffen, was in der Schweiz nicht selten der Fall ist, so wird eine einzelne Lampe überhaupt unmöglich. Im Betrieb ist die Heuer-Ampel Wind und Wetter verhältnismässig stark ausgesetzt, so dass durch das Eindringen von Feuchtigkeit in die Lager der Zeiger mit Reparaturen zu rechnen ist, die nur mit fahrbaren Leitern ausgeführt werden können und verkehrsstörend wirken. Es besteht für den Autofahrer wohl die Möglichkeit, seine Geschwindigkeit je nach der Stellung des Zeigers zu den roten oder grünen Feldern zu beschleunigen oder zu verlangsamen. Allein die roten und grünen Felder sind erst so spät deutlich zu erkennen, dass dieser Vorteil eher zum Nachteil ausschlagen kann. Bewegt sich der Zeiger aus dem roten Feld in das grüne, so zieht der Fahrzeugführer aus der Erkenntnis des demnächst folgenden Signalwechsels keinen Vorteil. Es wird eher noch der Fall sein, dass die Fahrzeuge ihre Geschwindigkeit zu früh verlangsamen und damit die weiter hinten liegenden Kreuzungen versperren. Anderseits veranlasst die Erkenntnis, dass das Signalbild sich von «Freie Fahrt» auf «Halt» ändert, viele Fahrer, ihre Geschwindigkeit unmässig zu vergrössern, um die Kreuzung noch passieren zu können. Auch dies liegt nicht im Interesse des Verkehrs, sondern es dürfte eher eine Möglichkeit zu Unfällen an diesen Strassenkreuzungen sein. Aus dem Gesagten ergibt sich, dass dem Vorteil des Ampelsystems sehr zahlreiche Nachteile gegenüberstehen. Es ist auch eine Tatsache, dass in ausländischen Grossstädten, wo der Verkehr schon viel früher eine automatische Regelung benötigt hat als in der Schweiz, solche Signale, wie die Heuer- Ampel, unseres Wissens nur selten eingeführt worden sind. Die einfachen optischen Lichtsignale weisen gegenüber dem Ampelsystem fast überraschende Vorteile auf. Es gibt tatsächlich kein einfacheres und verständlicheres Signal als ein rotes Licht für «Halt» und ein grünes Licht für «Fahrt». Das Lichtsignal wirkt auch bei Tag wie bei Nacht auf wesentlich grössere Entfernung als die Ampel. Es kann in beliebiger Höhe angebracht werden, so dass die Leuchtkraft auf den gewünschten Raumwinkel eingestellt werden kann. Ausserdem kann jede einmündende Strasse für sich signalisiert werden. Im Betrieb sind die Lichtsignale gegenüber den Ampeln mit bewegten Zeigern oder Farbscheiben insofern im Vorteil, als keine Teile vorhanden sind, die einem mechanischen Verschleiss unterliegen oder der Witterung stark ausgesetzt sind. Reparaturen, d. h. die Auswechslung der Lampen, können mit einem Minimum an Zeitaufwand durchgeführt werden. Bei der Einführung von optischen Verkehrssignalen bleibt noch die Frage offen, auf welche Weise der Uebergang der Signalbilder im Arbeitsprogramm festgelegt werden soll. Die direkte Umschaltung von Rot auf Grün oder Grün auf Rot ist nicht zulässig, weil besonders im letzteren Fall unvermeidlich ist, dass Fahrzeuge die Kreuzung in der Richtung befahren, die soeben gesperrt worden ist. Ein Zwischensignal von wenigen Sekunden, das genügt, die Fahrzeugführer auf den Signalwechsel vorzubereiten, ist notwendig, und es stehen dafür mehrere Möglichkeiten zur Verfügung. Im allgemeinen hat sich die Ansicht durchgesetzt, dass das Einschieben eines besonderen Zwischensignals in Form eines gelben Lichtes nicht notwendig ist. Es wird sogar vielfach die Ansicht vertreten, das gelbe Signal kompliziere die Signalisierung und werde von den Fahrzeugführern nicht richtig verstanden. Allerdings muss gleich bemerkt werden, dass, wenn wirklich ein Zwischenlicht verwendet werden soll, dies nach der eidgenössischen Signalverordnung nur die gelbe Farbe sein darf. So ist sie bereits für die Bezeichnung von Gefahrenpunkten, wie Die ewige Wahrheit. Roman von Oskar Sonnlechner. (2. Fortsetzung) Seine vier Kerls, wie er sie nannte, schielten verdutzt nach ihrem jungen Leutnant, der sonst so kameradschaftlich und redselig mit ihnen wanderte, heute aber stumm voranschritt. Unten an der Nasswand, die man durchklettern musste, um ins hohe Kar aufzusteigen, da winkte er dem, der das Kletterseil trug. Alle warten hier unten, er steige allein durch die Wand. Eine Stunde später die andern nach. Wie das letztemal bis zur alten Wettertanne im Kar. «Und wenn ihr oben seid, dann haltet «ure Brotladen und stört mir die Gottesruhe nicht. Unter in Golling, da könnt ihr euch dann ausschwätzen, wenn es schon sein muss. Dafür, dass eure Kehlen nicht zu trocken sind, will ich schon sorgen.» Der Unteroffizier machte stramm kehrt, und weil er sicher war, dass der Leutnant ausser Hörweite, da brummte er zu den andern, was wohl in den gefahren sei ? < Der kann nur verliabt oder verruckt sein. > < Dös ischt dasselbe >, knurrte ein anderer, indem er die hängende Pfeife gelassen aus dem Maul nahm, sich das Mundstück am Aermel abwischte und im grossen Bogen vor sich hinspuckte. Doch als sie ihm befehlsgemäss nachkletterten, da war der Platz unter der Wettertanne leer. Verdutzt sahen sich die vier an. Ein leises Steinrieseln Hess sie die Köpfe heben. Da sahen sie ihn auch schon hoch oben in der Karwand abwärts klettern. Bedächtig hockten sie nieder und warteten. Was der wohl dort oben suche? Verständnislos schüttelten sie die Köpfe. Und als er wieder vor ihnen stand, einen Strauss Edelweiss in der Hand, da wartete der eine die erste Gelegenheit ab, kniff das eine Auge zu und brummte zu den andern : «Was hab' ich euch g'sagt ? Verliabt ischt er !» Und der eine von ihnen nahm die Pfeife aus dem Maul, wischte das Mundstück am Aermel ab und spuckte im Bogen vor sich hin. « Dö verfluchten Mönscher ! » Es war keine fröhliche Stimmung unter ihnen, wie sonst beim Abstieg, bis dass sl« unten in der « Roten Rose » auf das Wohl ihres langen Leutnants als seine Gäste das halbe Wirtshaus leer tranken. Nur der, der so gut im Bogen spucken konnte, meinte am Heimmarsch: < So g'fährlich kann dös mit eahm not sein. Er hat fünf Halbe 'trunken. Dös ischt a guats Zeichen. » für ihrer Führer lagen unvergessliche Stunden hinter ihm, als er allein träumend unter der alten Wettertanne hockte. Im steinernen Kirchendom des Hochkar. In der Majestät des Schweigens um ihn waren seine Gedanken zurückgewandert. Er sah beide vor sich, sie in dem bestrickenden Reiz ihres Wesens, die hohe, schlanke, mädchenhafte Gestalt, das schmale Oval des Gesichtes mit dem matten Teint von der Farbe alten Elfenbeins, der Mund mit der etwas hochgezogenen Oberlippe, so dass das Weiss der Zähne durchschimmerte, das aschblonde Haar mit dem Altgoldschimmer, und vor allem der träumerisch verschleierte Blick der grauen Augen, die Lider wie ermüdet halb geschlossen, dass sie wie im Halbschlaf versunken schienen, der leidenschaftslose müde Tonfall ihrer Stimme, langsam, fast schleppend, mit dem bezaubernden, singenden Reiz der Wiedergabe einer fremden Sprache und in ihrem ganzen Sichgeben die vornehme Ruhe und Gelassenheit der Dame von Welt. Und er... an Jahren sichtlich älter als sie, ernst und nachdenklich, sie fast um Kopflänge überragend, das Gesicht mit den kräftigen Zügen umrahmt von einem schütteren, dunkelblonden Vollbart, den schon graue Fäden durchzogen,' vor den Augen eine goldgeränderte Brille, die ihm das Aussehen eines Gelehrten gaben. Ungezählte Male hatte Jul die schmale Visitkarte geprüft, wie wenn sie ihm so manches verraten könne. « Dr. Pieter van der Witte. > Ob er seine Frau wohl liebe ? Könnte es anders sein ! Ob sie ihn liebe ? Und endlich gestand er sich, dass es sicher nicht seine Sache sei, sich darüber zwecklos den Kopf zu zerbrechen, die sie für eine kurze schöne Stunde seinen Lebensweg gekreuzt... und die er in seinem Leben nie wiedersehen werde... Und dann... sicherlich eine von den Frauen, die keine Leidenschaft des Lebens aufzurütteln vermochte, eine von denen, die in ererbter und anerzogener Zurückhaltung kühl und gelassen ihren Weg ging und von der Liebe träumte, ohne zu ihr erwachen zu wollen. Wie sie wohl mit dem Vornamen hiess ? Unwillig schüttelte er diese unnützen Gedanken von sich ab, in dem Gefühl eines seelischen Unbehagens, um im nächsten Augenblick unter einem folternden Zwang wieder zu ihnen zurückzukehren. Ob diese Frau in ihrem kühlen gelassenen Wesen einer Leidenschaft fähig wäre. Mit einem stillen Kopfschütteln musste er es verneinen... Die brütende Hitze der Mittagssonne lag über der Stadt, als er mit seinen vier Kerls durch die ersten Strassen stapfte, ermüdet und verstaubt, die Gesichter flammend rot gebrannt, wie die Farbe gesottener Krebse. Und da.. mit einem Ruck stand er fest-