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E_1934_Zeitung_Nr.014

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10 AUTOMOBIL-REVUE

10 AUTOMOBIL-REVUE 1934 - N« 14 Da mit abnehmendem Zylinderinhalt das Volumen mit der dritten Potenz, die Oberfläche aber nur mit der zweiten Potenz fällt, Tech

Bern, Dienstag, 20. Februar 1934 HL Blatt der „Automobil-Revue" No. 14 Ein Rennfahrer erzählt Der bekannte englische Rennfahrer G. K. T. Eyston, der kürzlich auf der Montlhery-Bahn einen neuen Stundenweltrekord aufstellte, hat in einem kürzlich erschienenen Buche « Fiat out > (Verlag: John Miles, London) seine Renn-Erlebnisse niedergelegt. Aus dem sehr interessanten Werk, dem Sir Malcolm Campbell eine Einleitung, vorausschickt, übersetzen wir im folgenden zwei besonders aufschlussreiche Kapitel: Angesichts des Sieges. Bei vielen Rennen gibt es einen Moment, da man mit fiebernden Sinnen auf den Motor horcht und die Aufregung jeden vernünftigen Gedanken ausschaltet. Die Angst vor einem Defekt oder einem Zwischenfall, die sich vorher noch in gewissen Grenzen hielt, wächst ins Riesengrosse. Das ist immer dann der Fall, wenn ein Rennen zu Ende geht und man sich in der Führung befindet, so dass mit einem Siege gerechnet werden kann. Im Grunde genommen hat man keinerlei Ursache, plötzlich an der Fähigkeit seines Wagens zu zweifeln. Er hat bereits bewiesen, dass er den ihm gestellten Anforderungen gewachsen ist, und dennoch... Die Furcht nimmt immer mehr zu. Man fühlt, dass der Wagen nicht ewig im gleichen Tempo dahinrasen kann. Es gibt einen Schlusspunkt; doch der Himmel gebe es, dass es noch bis zum Ziele reicht! Man hört mit leidenschaftlicher Spannung nach jeder Aenderung des Motorlärms und nach jedem un- "~ gewohnten Geklapper im Chassis. Die Inlu "~ strumente auf dem Schaltbrett sind die Zeiger des Schicksals. Man beobachtet sie mit einer Genauigkeit, als wenn das eigene Leben davon abhinge. Die schwächste Aenderung im Oeldruck oder der Wassertemperatur kann das gefürchtete Ende bedeuten. Der Tourenzähler macht seinen normalen Weg. Die kleinste Abweichung davon kann einen drohenden Defekt ankünden. Und wie steht es mit den Bremsen? Sooft mussten sie schon in Funktion treten. Werden sie durchhalten? Der Weg des Pedals muss überwacht werden, würde er übermässig gross, bedeutete dies baldiges Versagen der Bremsen. Ein Wagen ist nie schneller, als es seine Bremsen erlauben. Ein Nachlassen der Bremsen heisst also Defekt oder — noch schlimmer — frühzeitiges Ende. Wir alle kennen diese Angst vor dem — Pech angesichts des sichern Sieges. Darum ^-erscheinen einem auch die letzten Meilen so entsetzlich lang. Ich erinnere mich an eine Fahrt in Brooklands, wo ich im Kampf um ' die Goldtrophäe für ein 100-Meilen-Rennen F E U I L L E T O N Die ewige Wahrheit. Roman von Oskar Sonnlechner. Verlag von Philipp Reclam jun., Leipzig. (Fortsetzung aus dem Hauptblatt.) Man müsse dann nur sehen, wie die Augen ihres chinesischen Koches leuchten, wenn sie ihn mit ihren wenigen, chinesischen Brocken beglücke. Dann habe sie die Sammelwut. Sie besitze eine ethnographische Sammlung der Battaker und der Atschins, Völkerstämme, die im Inneren Sumatras noch jeder Kultur fremd. Stück für Stück habe sie zusammengetragen. Aber sie habe sich immer gehütet, gedankenlos anzuhäufen. Es habe nur einen Sinn, wenn man sich stets des geistigen Wertes einer Sache bewusst sei. Es könne doch keinen denkenden Menschen befriedigen, auf einen materiellen Wert stolz zu sein oder auf einen oft nur eingebildeten Seltenheitswert. Das staatliche Museum in Batavia habe sich viel bemüht, ihre Sammlung zu erwerben, aber daran sei nicht zu denken. Ihr Herz hänge daran. An jedem einzelnen Stück. Ob er wisse, was Netzke sind? Sie habe Von Q. E. T. Eyston. An unsere Leser! mit Vorsprung führte. Die Trophäe gehörte Wir haben, wie unseren Lesern noch erinnerlich sein wird, im Laufe des letzten Win- bereits mir — oder jedenfalls mit grösster Wahrscheinlichkeit. Dann, kurz vor demters Nummer für Nummer ein «gutes Beispiel » auf der Strasse veröffentlicht, dessen Schlüsse schnellte die Oeltemperatur hinauf, und schon war ich um den Sieg gekommen. Statt zum Sieger wurde ich zum elenmehrten Anstand und für Hebung der Sitten Zweck darin liegen sollte, indirekt für verden Pechvogel, einer blossen Null, einem im Verkehr zu werben. Gegen den Sommer Ausgefallenen. Ein grosses Ende war verpfuscht. hin stellten wir dann die Rubrik ein und Zweimal habe ich bei 500-Meilen-Rennen des British-Racing-Driver-Clubs nach drei Vierteln mit schönem Vorsprung die Spitze gehalten, und zweimal bin ich zum Rückzug gezwungen worden. Das eine Mal wurde eine der Differentialwellen abgedreht und das Hinterrad trennte sich von meinem Wagen. Das andere Mal brach ein Kolben, so dass ich im Nu ausgeschaltet war. Wir, die wir diese Niederlage selber erlebt haben, fürchten sie begreiflicherweise. Man stelle sich selber die letzte Runde eines Rennens vor, wenn man in Führung liegt. Gedanken zucken durch den Kopf; Sekunden werden zu Minuten, und die Strecke scheint immer länger und länger zu werden. Vielleicht wird das Oel auslaufen oder ein Pneu platzen? Hinter einem kommt ein anderer unbarmherzig dahergejagt. Ihm geht nichts fehl. An seinem Wagen funktioniert alles. Man darf keine Sekunde verlieren; das geringste Leck im Brennstoffbehälter oder eine andere Kleinigkeit kann dazu führen, dass der Verfolger einen überholt. Man glaubt ihn sehen zu können, wie sich sein siegesbewusstes Gesicht zu einem dämonischen Grinsen verzerrt. Mit der Zeit deuten allerlei kleine Anzeichen darauf hin, dass der Wagen nur noch eine bestimmte Periode durchhalten wird, und dass er nicht mehr lange intakt bleibt. Das Oel ist gefährlich gesunken, eines der Ventile hat sich schwach verzogen und im Chassis ist ein merkwürdiges Geräusch zu hören. .Wird es noch reichen, bevor sich der Defekt voll auswirkt ? Man muss sein Letztes einsetzen und alles wagen. Man hat keine Zeit mehr zu einem Halt bei der Boxe. Man kann, bildlich gesprochen, nur noch die letzte Karte aufs Spiel setzen. Schliesslich geht auch die riesenlang scheinende Endrunde zu Ende. Man rast um die letzte Kurve und sieht vor sich die schwarz-weiss karierte Fahne flattern. Man weiss, man hat gewonnen ! Die schwere Bedrückung ist gewichen und das Blut fliesst. rascher durch die Adern. Plötzliche Energie wird wach. Ein letzter Druck auf das Gaspedal und dann —: Sieg ! eine der schönsten Netzkesammlungen. Alle in dem so seltenen, rosenfarbenen Chi-San- Elfenbein, ein Farbenton, den das Elfenbein erst nach Jahrhunderten annimmt. Ihr Haupthelfer in dieser Sammelleidenschaft sei Tschang-Fu, der Koch. Er würde lachen, wenn er ihn sehen würde mit seiner grossen Hornbrille auf der Plattnase, die ihm das Aussehen einer Nachteule gäbe. Aber bei ihr spiele er eine sehr ernste Rolle, denn Tschang-Fu sei wohl ihr ergebenster Anbeter. Für ihn throne sie, wie er ihr jede Woche mindestens einmal erkläre, hoch über den Wolken des Weltalls im Schatten Buddhas. Wenn er hereingetrippelt komme, sich auf die Knie niederlasse, mit der Stirne feierlich die Erde berühre, dann geheimnisvoll in die weiten Falten seines leider nicht immer sehr sauberen, blauen Kittels greife, dann wisse sie, Tschang-Fu habe wieder einmal im Eingeborenenviertel in irgendeinem dumpfen Loch einen Schatz aufgestöbert, den ein Fremder nie zu Gesicht bekomme. Und seine Schlitzaugen leuchten, wenn es ihm gelingt, ihr eine Freude zu bereiten. Aber wenn es etwas gäbe, das ihr den Abschied von drüben schwer machte, dann seien es ihre Orchideen. Ihre Blumenkinder. Und mit einer Wärme, die man ihr in der Kühle 99Ecke des guten Beispiels gaben den Lesern- Gelegenheit, die Quintessenz der vielen wirklich erfreulichen — weil erzieherischen — Beispiele zu eigenem Nutz und Frommen anzuwenden.„ Unsere seinerzeitige Bitte ging dahin, alle Erlebnisse an « guten Beispielen » während der schönen Jahreszeit zu sammeln und deren kurze Schilderung uns dann für unsere Ecke zuzusenden. Wir eröffnen mit dieser Nummer diese allerseits geschätzte Rubrik aufs neue, und richten an unsere Leser die Bitte, alle erwähnenswerten, guten Exempel niederzuschreiben und an uns einzusenden. Sie werden wieder fortlaufend veröffentlicht und sollen weiterhin für Takt auf der Strasse werben. Sicher waren schon viele der Leser froh um irgendein kleines Entgegenkommen, um eine Hilfe von Seiten eines anderen Verkehrsbenützers, dessen Verhalten mustergültig war. Man bedenke: jede gute Tat zeugt fortwährend neue, und so sind auch diese Einsendungen im besten Sinne Arbeit an der Hebung der Höflichkeit im modernen Verkehr. Jeder Einsender übt sich so in der praktischen Mit-Erziehung der andern Verkehrsbenützer. Jeder Einzelne weiss nur zu gut, wie viel auch heute immer noch auf den Strassen gesündigt wird, und wie mancher glaubt, sich über alle Rücksichten hinwegsetzen zu können. Es bleibt immer noch unendlich viel zu verbessern und zu ändern. Darum entziehe sich keiner, der etwas zu sagen hat, unserer Bitte und helfe mit, die « Ecke des guten Beispiels » weiterzuführen. Die Einsendungen können wieder, wie gewohnt, an die Redaktion des « Autler-Feierabend », Breitenrainstrasse 97, Bern, gerichtet werden. Allen Mitarbeitern schon jetzt unseren freundlichen Dank. Wir rechnen auf Sie alle! Im folgenden sei ein erstes gutes Beispiel veröffentlicht: « Wohltun tragt Zinsen !» Es wird in Kreisen der Automobilisten so viel geklagt über mangelnde Hilfsbereitschaft auf der Strasse. Ich möchte mit dem nachfolgenden Erlebnis zeigen, wie schnell sich oftmals eine kleine Wohltat gegenüber einem anderen Strassenbenützer bezahlt machen kann. Vor einiger Zeit fuhr ich auf meinem ganz neuen Motorrad dem Brienzersee entlang talabwärts, wo die Strasse streckenweise leider noch recht holperig und kurvenreich ist. Ich gondelte so dahin und freute mich darüber, wie das Vorderrad meiner Maschine lustig über die Schlaglöcher hüpfte. Sicher bin ich kein Schnellfahrer, aber auch keine Schneckenpost — ich fuhr einfach so, wie man mit einer neuen Maschine fahren soll, und rückte allmählich einem vor mir fahrenden Auto bis auf etwa 20 Meter Abstand näher. Wie ich nun so vor mich hinsah, bemerkte ich, dass der Wagen in Jeder Kurve trotz dem geringen Tempo seitlich rutschte und ständig etwas schief stand. Bei näherem Zusehen konnte ich feststellen, dass der Pneu des linken Hinterrades beinahe luftleer rollte. Ich fuhr dem Wagen deshalb bei nächster Gelegenheit an einem günstigen Ort vor, indem ich abwechselnd auf den Pneu deutete, entsprechend « niederdrückende » Handbewegungen machte und Haltzeichen gab. Der Mann verstand und stoppte ab. Nachdem ich meine Maschine beiseite gestellt hatte, half ich das Rad auswechseln. Ich fuhr dann wieder ab und näherte mich lnterlaken, als ich plötzlich mit heftigem Getute ein Auto hinter mir herkeuchen hörte. Da ich fand, der Mann könnte leicht pressanter veranlagt sein als ich, wich ich aus, um ihn vorfahren zu lassen. Doch siehe da! Was hielt der Mann mir aus dem Wagenfenster entgegen? Mein Nummernschild! Und es war derselbe Autofahrer, den ich vor kurzem zum Anhalten veranlasst hatte! — Offenbar hatte ich das Blechschild ungenügend an der neuen Maschine befestigt, und so war dasselbe losgerüttelt worden. Erst recht dankbar war ich, auf den Verlust rechtzeitig aufmerksam gemacht worden zu sein, als ich mit der wieder angebrachten Nummer einige Minuten nachher in lnterlaken eine polizeiliche Kontrolle zu durchfahren hatte. F. A.-St. in H. Die BoxensignalisatiOTI. massen nur noch das letzte Kapitel, die ent- Rennen werden gewonnen und verloren, scheidende wilde Jagd. Aber es weiss nichts bevor der Fahrer den Wagen überhaupt be- von dem, was vorher gegangen ist, von der stiegen hat. Das Publikum erlebt gewisser- Organisation, und selbst wenn es dem Kampf ihres Wesens nie zugetraut hätte, erzählte sie von ihren märchenhaften Farben und Formen. Sie nannte sie mit ihren lateinischen, wissenschaftlichen Namen, sie sprach von Arten, die selbst ihrem subtropischen Archipel fremd, die sie aus Brasilien, aus Mexiko, aus Peru eingeführt. Sie schwärmte von Erdorchideen, von Luftorchideen, von blassen, fast durchsichtigen Kelchen mit rotflammenden Staubgefässen, die brennenden Kirchenampeln glichen, von Blüten, dunkelbraun in den oberen Deckblättern, zwischen denen, gleich einer mächtigen Zunge, zitronengelb, ein Blütenblatt heraushing, im näheren Betrachten einer grinsenden Teufelsfratze gleichend. Sie sprach von einer Art, die man in Strohkörben zog, aus denen die breiten, spitz zulaufenden, grünen Blätter senkrecht aufragen, während die gelb und weiss gefleckten Blüten für sich allein abwärts hingen, von Arten, die in kleinen schneeigen Sternchen in Traubendolden standen, von Seltenheiten schwärmte sie, mit graugelb gestreiften Blütenblättern, von blassvioletten Dolden, jede Blüte in ihrem Inneren einen orangefarbenen Kern zeigend, wie Meereskorallen ragen sie aus dem samtgrünen Moosboden, in dem sie gedeihen. «Und dann ist es die Musik», fuhr sie fort, «die mir über alles hinweghilft. Ich selbst bin eine herzlich schlechte Klavierkünstlerin», sie lächelte ironisch, «und darum bin ich auf die Kunst anderer angewiesen. Ich habe einen Lehrer, aber die Stunden, die er mir gibt, bestehen darin, dass ich ihn bitte, sich an den Flügel zu setzen und mir vorzuspielen.» Sie lehnte sich zurück und sah wie verklärt in die Ferne. «Vor allem Beethoven!» So würden oft aus einer Stunde zwei und drei, und sie habe immer das Gefühl, sie hätten beide ihre Freude daran. Denn eines Tages gestand er ihr, sie sei die einzige Frau in diesem Barbarenlande, die empfinde, was er spiele. < «Ich war auf diesen Ausspruch nicht wenig stolz. Mein alter Klavierspieler», fuhr sie lebhaft fort, «denken Sie nur, ist ein Landsmann von Ihnen, den das Schicksal einstmals mit einer Kapelle dorthin verschlug. Er bekam das gelbe Fieber, man musste ihn zurücklassen, und so blieb er. Ich beklagte ihn einmal, dass er so einsam und verlassen sei, aber da wehrte er ab. Ihm genüge die Musik. Und wenn in leider seltenen Zwischenräumen bei uns musikalische Feste sind, zu denen ich natürlich heisshungrig gehe, da brummt er mit mir.» Sie verzog das Gesicht zu einer ernst-drolligen Miene. «Dann weiss ich jedesmal, was kommt. Ich nenne es die musika- Je edler desto Bohne, besser KAFFEE HAG