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E_1934_Zeitung_Nr.017

E_1934_Zeitung_Nr.017

BERN, Freitag, 2. März 1934 Nummer 20 Cts. 30. Jahrgang - N" 17 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint Jeden Dienstag and Freitag Monatlich „Gelbe Litte" Halbjlbrneh Fr. 5.-, jahrUch Ff. 10.-. Im Ausland tinter Portozaschlag, Ntel nicht pmtamtllch bestellt. Zuschlag für postamtiiche Bestellung 30 REDAKTION tu ADMINISTRATION: Brettenrainstr. 97, Bern Rappen. Postcheck-Rechnunf II1/414. Telephon 28.222 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Der Tribut des Motorfahrzeuges an den Staat Betriebsstoff- und Motorfahrzeugzölle ergeben für das Jahr 1933 eine Bruttoeinnahme von 64,8 Millionen Fr. Erst kürzlich sahen wir uns veranlasst, wieder einmal mehr auf die gehässige und durch wenig Sachkenntnis abgeklärte Polemik hinzuweisen, die gewisse Presseorgane immer noch gegen das Automobil führen. Dazu müssen die alten, abgedroschenen Schlagwörter herhalten, auf die nur noch Leute hereinfallen können, welche damit eine geradezu beängstigende Ignoranz öffentlichen Angelegenheiten gegenüber dokumentieren. Wenn sich solche unverantwortliche Skribifaxen wenigstens die Mühe nehmen wollten, das in öffentlichen Archiven, Bibliotheken, in Statistiken und anderswo zusammengetragene vielfältige und aufschlussreiche Tatsachenmaterial etwas zu studieren, bevor sie zur Feder greifen und sich mit Fragen befassen, die sie nur vom Hörensagen oder dem Geschwätz eines Freund des Freundes kennen. Das immer noch am meisten Zugkraft aufweisende Argument ist das von den ungenügenden finanziellen Leistungen des Automobilisten und von den ungeheuerlichen Opfern, welche dem Staat durch den motorisierten Strassertverkehr zugemutet würden. Wie fadenscheinig und unwahr diese stets wiederkehrende Behauptung ist, zeigen klar und deutlich, die.neuesten Zahlen über die Zollerträgnisse des Jahres 1933. Sie bedeuten für jeden, der in dieser Materie gegen das Motorfahrzeug schimpft, eine Abfuhr, wie man sie sich gründlicher nicht wünschen kann. Unterziehen wir daher kurz die beigefügten Ergebnisse einer Prüfung, damit jeder von uns gewappnet sei und an seiner Stelle die notwendigen Aufklärungen anzubringen in der Lage ist. Der Bruttozollertrag für importierte Güter, welche mit dem Motorfahrzeugwesen in näherem Zusammenhang stehen, stellt sich für das Berichtsjahr auf 64,8 Mill. Franken. Gegenüber dem vorjährigen Ergebnis bedeutet dies einen Rückschlag von rund 1H Mill Franken. Damit ist die seit Jahren ansteigende Kurve der Einnahmen erstmals unterbrochen worden. Kürzlich haben wir bereits diese Entwicklung vorausgesagt, als die Zahlen über die quantitative Einfuhr der Motorenbetriebsstoffe bekannt wurde. Damit kommen wir zur Prüfung der einzelnen Zollpositionen. Weitaus die wichtigste Einnahmequelle bildet der Zoll auf Benzin und Benzol, dessen Bruttoertrag sich auf 44,9 Mill. Franken beziffert und damit um rund 2 Mill. Franken geringer ist als 1932. Die Einfuhr war, wie F E U I L L E T O N Die ewige Wahrheit. Roman von Oskar Sonnlechner. (7. Fortsetzung) Ob sie schon eine Wohnung fanden? O ja. Sie hätten es mit Hilfe der Gesandtschaft eanz reizend getroffen. Im Cottage ein kleines reizendes Familienhaus mit allen Bequemlichkeiten. Ein Garten beim Haus. Klein, aber es sei doch immerhin etwas. Sie seien soeben im Begriff, sich vollständig einzurichten, eigentlich fehlten im Hause nur noch die Mädchen; man wolle es doch behaglich haben, denn es wäre doch nicht unmöglich, dass sie vielleicht doch den Winter hier verbrächten — Jul atmete auf —, und so habe sie eigentlich von Wien noch nichts gesehen, denn alles in allem genommen, habe ihr dieses Schaffen einer Häuslichkeit viel Arbeit gemacht. Ihr Mann sei den ganzen Tag in der Klinik, und es sei doch die erste Pflicht einer Frau, ihrem Manne nach seiner Arbeit ein Heim der Behaglichkeit zu schaffen. Und diensteifrig bot ihr Jul allen Ernstes an, ihr bei der Beschaffung der Mädchen >an die Hand zu gehen ... da aber war es das erstemal, dass sie lächelte bereits gemeldet, um 9 Millionen Kilo zurückgegangen, entsprechend der Automobil- Betriebseinschränkung, die sich Tausende von Firmen und Privatfahrer auferlegten. Für die Ertragsrechnung des eidg. Finanzdepartementes ist die Nettoeinnahme massgebend, die um etwa 2 Mill. Franken geringer ist, da bekanntlich der Bund für Post und Militär, wie überhaupt für seine eigenen Fahrzeuge, zollfreies Benzin verfährt und das Berappen grossmütig dem Volke überlässt! Die Höhe der effektiven Nettoeinnahmen wird noch eine kleine Korrektur erfahren, da wir hier vorläufig noch auf Schätzungen angewiesen sind und die Zahl der Einfachheit halber so errechneten, indem wir gleiche Verhältnisse wie im vorhergehenden Rechnungsjahr voraussetzten. Immerhin ändert das Schlusergebnis sicher nichts an den genannten Millionenbetreffnissen. Es sind noch weitere Positionen mit Mindererträgnissen da, so diejenige für Motorräder, für Autos zwischen 1200 und 1600 kg, für Elektrokarren, für Schläuche und Pneus usw., doch fallen diese angesichts ihres geringeren Anteiles am Gesamtertrag etwas weniger in die Wagschale. Immerhin zeigt sich auch hier bereits die erste Folge der besonders im Jahre 1933 unter Hochdruck 913a 913b 914a 914b 914c 914d 914e 914f 914g 518 522 1065b 924c 924d Positionen des Zolltarife« Motor-Zwei- und Dreiräder, ohne Lederüberzug. . . Motor-Zwei- und Dreiräder, mit Lederüberzug . . . Automobile und Chassis im Stückgewicht von weniger als 800 kg Automobile und Chassis von 800 bis 1200 kg . . . Automobile und Chassis von 1200 bis 1600 kg . . . Automobile und Chassis über 1600 kg Karosserien aller Art für Automobile . . . . . . . Traktoren ohne Karosserien Elektrokarren Schläuche, Röhren, ohne Gewebe- oder Metalleinlage (Reifen 70%) Schläuche, Röhren, mit Gewebe- oder Metalleinlage (Reifen 85%) Benzin und Benzol zu motorischen Zwecken . . . . Elektrische Apparate zum Anlassen, zum Zünden, zur Beleuchtung und Fahrsicherung für Motorfahrzeuge und Fahrräder, Scheibenwischer und andere Apparate, sowie Teile von solcl en . . . . . . . Kilometerzähler für Motorfahrzeuge gesetzten staatlichen Einmischung in den freien Warenaustausch. Um einheimische Produzenten zu schützen, oder die Einfuhr in den Dienst unseres Exportes zu steilem wurde der Import eingeschränkt oder kontingentiert, wodurch automatisch die Zolleinnahmen zurückgehen müssen. Wenn nun der von uns errechnete Netto- Gesamtertrag pro 1933 nurmehr um zirka eine Million Fr. hinter dem des Vorjahres zurücksteht, so deshalb weil trotz aller Einschränkungen einzelne Warengruppen eine nicht unwesentlich gesteigerte Einfuhr aufzuweisen haben. Symptomatisch für die jetzige Stcukturwandlung auf dem Automobilmarkt ist die Tatsache, dass die Automobile und Chassis im Gewicht bis zu 800 kg und diejenigen in der Gewichtsklasse zwischen 800 und 1200 kg in merklicher Zunahme begriffen sind und gegenüber den schwereren Wagen bereits die Führung übernommen haben. Der Kleinwagen und das Fahrzeug mittlerer Grosse und Stärke sind weit mehr nachgefragt, weil ihr Betrieb und vor allem auch die feststehenden Kosten wie Steuern, Versicherung usw. wesentlich geringer bleiben. 126.640 5.758 1.253.115 6.010.092 3.871.206 1.974.210 26.834 3.666 33.499 22.543 3.280.026 195.426.822 148.505 6.691 INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzelle oder deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. Grössere Inserate nach Seitentarit. Inseratenschluss 4 Tage vor Erscheinen der Nummern 282.847 14.371 737.829 5.379.926 4.412.392 1.854.226 19.221 1.054 84.387 23.645 3.430.027 204.255.182 74.447 503 Die schematische Abstufung der Steuerquoten und das rein mechanische Anziehen der Steuerschraube bringt demnach dem Staat nicht ohne weiteres den erwarteten Mehrertrag. Es besteht glücklicherweise ein Sicherheitsventil und das ist der Wagen mit kleineren Steuerabmessungen. Selbst wer nicht mit allen Mitteln die Unkosten herunterdrücken muss, behilft sich mit dem Wagen einer bescheideneren Steuerklasse, weil die Automobilisten, die daneben noch allerlei andere Lasten als Steuerbürger zu tragen haben, es einfach satt sind, den Staat auf ihre ausschliesslichen Kosten zu mästen und weil das Uebermass an fiskalischen Ansprüchen an das Motorfahrzeug vielfach auch die Unmöglichkeit mit sich bringt, die Ausgaben noch mit den Einnahmen in Einklang zu bringen. Es wäre daher sehr zu wünschen, wenn unsere staatlichen Steuerfachleute die neue Zollstatistik auch nach dieser Seite sorgfältig analysieren würden. Wenn sie genügend Fingerspitzengefühl für solche Umgruppierungen haben, wie sie oben angedeutet wurden, so müssen sie auch die Konsequenzen für den Staat daraus ziehen. Sie sollten darnach trachten, eine Steuerveranlagung, seien es nun Zölle oder andere Abgaben, zu erreichen, die einerseits zwar dem Staate möglichst hohe Abgaben bringt, dabei aber nicht die Einnahmequelle selbst durch überspannte Forderungen verstopft. Noch ein kurzes Wort zur Rolle, welche diese Millionenbeträge, 'die das Motorfahrzeug dem unersättlichen Moloch Fiskus opfert, im Rahmen der Gesamteinnahmen der Zollorgane und damit des Bundes spielen. Da nehmen wir das statistische Jahrbuch der Schweiz für das Jahr 1932, die letzterschienene Auflage dieses Sammelwerkes zu Hilfe. Der Bruttoertrag der Zolleinnahmen bezifferte sich anno 1932, auf 292,8 Millionen Fr. Er verteilt sich auf die auf Seite 2 angeführten Hauptpositionen: Zollansatz Fr. 150 per 100 kg 150 per 100 kg 110 per 100 kg 130 per 100 kg 150 per 100 kg 170 per 100 kg 170 per 100 kg 120 per 100 kg 150 per 100 kg 10 per 100 kg 20 per 100 kg 23 per 100 kg 400 per 100 kg 500 per 100 kg Zollcrtrag in Fr. 1933 1932 189.960.— 8.637.— 1.378.426.50 7.813.119.60 5.806.809.— 3.356.157.— 45.617.80 4.399.20 51.248.50 2.254.30 656.005.20 44.948.169.06a 424.270.50 21.556.50 811.611.90 6.993.903.80 6.618.588.— 3.152.184.20 32.675.70 1.264.80 126.580.50 2.364.50 686.005.40 46.978.691.86a a, Bruttoertrag des Benzinzolles; b) Nettoertrag des Benzinzollea im Jahre 1932; c, auf Grund der Ergebnisse von 1932 errechneter Nettoertrag des Benzin" zolles für 1933; d, Nettoertrag der gesamten Zolleinnahmen für 1932; e, annähernder Nettoertrag für 1933. und dankbar ablehnte. Was ihm einfalle? Nun aber solle er erzählen. Und er erzählte... er habe es sehr bedauert, dass sie von Salzburg abgereist seien, er habe nach Beendigung seiner Waffenübung eine Reise durch Deutschland gemacht. Alles andere Alltagsleben nicht eines Wortes der Erwähnung wert Bis auf eine Klettertour am Grossen Buchstein. Er sei erst gestern zurückgekommen. Ob sie in der Halle den Kaffee nehmen möchten? O gerne. Leider war es der Mann, der ihm zustimmte. Sie schwieg. Wieder sahen die Menschen nach ihr und steckten flüsternd die Köpfe zusammen, als sie zwischen den Tischen durchschritten. Sie schien es nicht zu bemerken. Nun aber war es Jul darum zu tun, Dr. van der Witte zum Sprechen zu bringen, denn er hatte das Gefühl, dass von ihm alles für die Zukunft abhänge. Wie er sich beruflich in Wien fühle? Da wurde der Arzt gesprächig. Nicht umsonst habe die Wiener Schule ihren hohen Weltruf. Er habe sich am Tage seiner Ankunft mit den Empfehlungen seiner Regierung eingeführt und könne nur sagen, er wurde mit offenen Armen aufgenommen. Mit einer Herzlichkeit, die durch nichts mehr zu überbieten sei. Er habe das Gefühl, die Empfehlung Menge in kg 1933 1932 594.020.— 33.455.— 64.888.278.16 42.883.608.06c 62.823.717.10e 297.788.— 2.515.— 66.150^000.66 44.820.864.—b 63.992.172.66d durch seine Gesandtschaft spiele dabei eine ganz nebensächliche Rolle, es sei rein wissenschaftliches, kollegiales Entgegenkommen. Er sei von allem und jedem überwältigt. Jul war durch das Gehörte noch weit mehr befriedigt wie der gelehrte Herr ihm gegenüber. Und der sonst so gemessene und zurückhaltende Arzt überbot sich nun in Worten der Begeisterung. Eine Unzahl wissenschaftlicher Begriffe schwirrten durch die Luft, er hörte von pathologischer Anatomie, von pathologischer Hystologie, von experimenteller Pathologie, Namen, Begriffe, Verfahren überstürzten sich, er sprach von morphologischen und physiologischen Standpunkten, von biologischen Eigenschaften und Untersuchungsmethoden, von Bakterioskopie, von Mikroorganismen, von pathogenen Pilzen und Umzüchtungslehren, und wenn ihm Jul etwas aufmerksamer zugehört hätte, anstatt immer Frau van der Witte zu beobachten, die mit einem stillen Lächeln ihrem Mann lauschte, so hätte er, wenn es nur ein halbes Stündchen länger gedauert hätte, beruhigt eine Professur annehmen können. Aber der.grösste Treffer, den Dr. van der Witte gemacht habe, sei ein junger Arzt, ein Assistent an der bakteriologischen Klinik, der jahrelang in Albanien, Mazedonien und Palästina gearbeitet habe, und der vor allem mit dem Wesen von Febris tertiana und Febris quartana durch und durch vertraut sei, während er selbst natürlich der Malaria tropica näherstünde. Welche Fülle von Gedankenaustauschen! Er arbeite mit diesem jungen Arzt von früh bis spät in die Nacht hinein und verspreche sich die grössten Erfolge. Namentlich auf dem Gebiet der Sporozeenforschung. Geschweige denn, was sich naturgemäss daran noch anschliessen müsse. Und Jul hatte die Empfindung, es wäre die Krönung aller Erfolge für seinen plötzlich so gesprächig gewordenen Gesellschafter, durch wissenschaftliche Forschung neue Bazillen zu erfinden, die die ganze Menschheit geradezu spielend vernichten könnten. Oder aber die ganze Welt künstlich in einen Malariaherd zu verwandeln, um sein leider so beschränktes Arbeitsfeld im Dienste seiner Wissenschaft zu erweitern. Der Wiener Wald als Brutstätte der Malaria, natürlich tropica, nicht vielleicht lächerliche tertiana, schwebte ihm gegenwärtig wohl als höchstes Ideal vor. Leicht vorgebeugt, das Gesicht vom Eifer des Gespräches gerötet, die erkaltete kürze Pfeife in der Hand, sass der holländische Arzt vor ihm und fand kein Ende seiner begeisterten Rede. Aber Jul hörte ihm mit ge-