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E_1934_Zeitung_Nr.015

E_1934_Zeitung_Nr.015

Zeitung», das Hoforgan des Herrn Dr. Laur. Es ist nie müde geworden, in den letzten Jahren reue und erhöhte Steuern für die «Autoherren» zu fordern, im gleichen Atemzuge abei auch seine weiteren Millionenforderungen an die Mutter Helvetia für die Bauernsame zu vertreten. Wir haben schon verschiedentlich festgestellt, dass etneWirtsohaftsgruppe, welche je und je nur Forderungen an die eidg. Kasse zu stellen wusste, sehr schlecht placiert ist, um gleichzeitig von andern Schichten erhöhte Steuerleistungen zu verlangen. Dabei wird offenbar vergessen, dass die Motorfahrzeugbesitzer jährlich rund 90 Millionen Franken an Bund und Kantone abliefern und dass die guten Strassen, welche teilweise mit diesem Geld gebaut werden, dem schweizerischen Bauernstand ebenso zugute kommen wie den Automobilisten, die dafür berappen. Welch krasser Egoismus und welche geradezu anmassende Einseitigkeit von Brugg aus gepredigt wird, das geht wiederum deutlich aus einer letzten Nummer des Bauernorganes hervor. Dort will man unter dem Schlagwort «Unberufene Prediger» den Automobilisten mit folgenden Worten die Levjten lesen: < Ee gibt viele Erportindustrielle und andere Leute, die nicht müde werden, dem Schweizervolke vermehrte Sparsamkeit anzuempfehlen. Wir müssen ab«r feststellen, dass Leute, die mit im Auslande fabrizierten und durch ausländisches Benzin betriebenen Automobilen im Lande herumfahren und sich gegen jede Erschwerung des Automobilverkehrs wehren, nicht berufen sind, die anderen zur Sparsamkeit zu ermahnen, » Für die Herren in Brugg gilt das bereits weiter oben Gesagte. Wir bedauern es ebensosehr, dass der Mangel an Rohstoffen und das Fehlen anderer wirtschaftlicher Voraussetzungen uns in bezug auf die Belieferung mit Motorfahrzeugen sehr stark vom Ausland abhängig macht. Obwohl der Automobilist dafür nicht verantwortlich gemacht werden kann, so muss er dieses Handicap in Form von Zöllen dennoch schwer berappen. Und von den 60 Millionen Fr., die der Bund auf diese Weise einnimmt, gehen vielleicht nicht die wenigsten für die Ausrichtung von Subventionen drauf, welche der Bauernsame zugute kommen. Es ist im übrigen eine äusserst kurzsichtige und durchaus verkehrte Taktik, ständig den Automobilisten aufsitzen zu wollen, die schliesslich als Konsumenten landwirtschaftlicher Produkte eine nicht zu verachtende Rolle spielen. Während man die Automobilisten abkanzelt, wird auf der nämlichen Textseite an die gesamte schweizerische Bevölkerung — die über 100,000 Motorfahrzeugbesitzer mit ihren Familien gehören doch sicher auch dazu — appelliert, sie möchte mehr Käse essen, um die Ueberproduktkm zu beseitigen. Einerseits ist man für die Bauerngenerale gut genug, sich am Käse und andern Produkten möglichst satt zu essen, damit die Landwirtschaft Absatz findet und als Dank wird dann von den gleichen Herren im Parlament und in ihrer Hofpresse gegen diese Kunden des Bauern gehetzt. Sie möchten sich doch ein Beispiel nehmen an dem freundeidgenössischen Sinn, den die Automobilisten beispielsweise bei der von unserem Blatte aufWejhnfrehten durchgeführten Hilfsaktion zugunsten armer Bergbauern an den Tag gelegt haben. Kaum, dass der Appell erging, so türmten sich bei uns schon die Pakete, die soviel Zufriedenheit und Freude in manche hundert vereinsamte Bauernhütten brachten. Wir möchten die Herren aus Brugg einladen, die Dankesbriefe durchzulesen, die uns von ungelenker Hand zugingen und die von dem guten Willen und der Hilfsbereitschaft dieser Bergbauern den Automobilisten gegenüber sprachen! Also, bitte, etwas mehr eidgenössischen Sinn! Wenn die Bauern von Gott und aller Welt Verständnis erwarten für ihre Nöte und Sorgen, so mögen ihre Führer andern Wirtschaftsgruppen gegenüber auch etwas mehr Toleranz an den Tag legen. Die Automobilisten haben es nachgerade satt, von den Parteigewaltigen der Bauernschaft als Prügeljungen behandelt zu werden! Schweizerische Rundschau Zur Regelung der Arbelts- und Ruhezeit berufsmässiger Motorfahrzeusführer. DieNationalrätliche Kommission zur Beratung dieses Bundesbeschlusses tagte in Bern und beschloss, dem Rate die Genehmigung der Vorlage zu empfehlen. Da einzelne Bestimmungen dieser Vollzugsverordnung zum Automobilgesetz eine verschiedenartige Auslegung zulassen, so werden die Kommissionsreferenten im Rate ihre Interpretation, welche für die Praxis nachher verbindlich sein soll, bekanntgeben. Das Geschäft wird in der Frühjahrssession behandelt werden. Wie wir erfahren, ist die Eingabe der Aspa, wegen Nichteinführung des vorgeschlagenen Nachtfahrverbotes, einfach übergangen worden. Im übrigen haben sich die Verkehrsinteressenten mit Recht an der Zusammensetzung der Kommission gestossen. Ohne den Herren irgendwie nahetreten zu wollen, so muss doch festgestellt werden, dass die Mehrzahl dieser Parlamentarier nach ihrer beruflichen Stellung und Tätigkeit nicht als Verkehrsfachleute angesprochen werden können. Der einzige, der mit der Materie näher vertraut sein dürfte, ist ausgerechnet der Gewerkschaftssekretär der Eisenbahner. Die automobilistischen Interessen oder diejenigen von massgebenden Wirtschaftsgruppen, welche an der Regelung der Arbeitszeitfragen am meisten interessiert sein dürften, sind auf alle Fälle zahlenmässig sehr ungenügend vertreten. Dafür figurieren Sekretäre und Journalisten parteipolitischer Organe in der Kommission. Man darf sich füglich fragen, nach welchen Gesichtspunkten solche Kollegien zusammengesetzt werden. Praktische Ueberlegungen spielen dabei offenbar die kleinste Rolle! Das Gesetz über die Verkehrsteilung zwischen Bahn und Auto ist von den zur Vorberatung eingesetzten Kommissionen dieser Tage ebenfalls in Angriff genommen worden. Die nationalrätliche Kommission hat sich allerdings fürs erste damit begnügt, ein Referat über die Materie anzuhören und einen kleinen Bummel durch die Östschweiz zu machen, um den Asto-Betrieb. der bekanntlich für die kommende Neuregelung des Verkehrs wegleitend sein wird, zu studieren. Die Kommission des Ständerates hat nach diesen Präliminarien die eigentliche Beratung aufgenommen und bereits Eintreten auf die Vorlage beschlossen. Den Verhandlungen wohnen prominente Vertreter des Eisenbahndepartementes und der Generaldirektion der S.B.B, bei. Vertreter der Automobilinteressenten sind allem Anschein nach nicht nötig. Es kommt offenbar bei all diesen gesetzgebenden Arbeiten, an denen zwar der Strassentransport ebenso sehr interessiert ist, vorab darauf an, dass die Bahn ihren Standpunkt genügend zu wahren in der Lage ist. Dabei ist es wohl kaum verwunderlich, wenn die Automobilisten gewöhnlich den Kürzern ziehen ! < AUTOMOBIL-REVUE 1934 - NO 15 Verkehrsbelehrung statt Bussen. Mit dem Wegfall der früheren Geschwindigkeitskontrollen aus dem Hinterhalte hofften die Automobilisten, dass die wenig ruhmreiche Periode der Bflsserei endgültig vorüber sei. Das BusseVisystem hat bekanntlich viel böses Blut gemacht und hat wohl nur in den seltensten Fällen irgendwelchen erzieherischen Erfolg gehabt. Im Gegenteil kamen die Polizeibehörden, welche die Ausfällung von Bussen gewissermassen serienmässhr betrieben und sie offenbar als der Weisheit höchsten Schluss betrachteten, in den nicht unbegründeten Verdacht, sie hätten es vielmehr auf die Füllung der Gemeindekassen als auf die Erziehung und Belehrung der Motorfahrzeugführer abgesehen. Erfreulicherweise sind mit der Zeit zahlreiche städtische Polizeibehörden von diesem als Schikane empfundenem System abgekommen und haben damit wirklich ihren guten Willen bekundet, gemeinsam mit den Automobilisten und im ausschliesslichen Interesse der Verkehrsregelung für die Beachtung der bestehenden Vorschriften einzutreten. Überall da, wo es sich offensichtlich um kleinere und durchaus unbeabsichtigte Verstösse gegen Verkehrsbestimmungen handelte, trat an Stelle der Busse die Belehrung, begleitet von einer berechtigten Verwarnung und Ermahnung. Gleichzeitig wurde der Fehlbare darauf aufmerksam gemacht, dass er im Wiederholungsfalle mit einer Busse zu rechnen habe. Dies lässt sich der gewissenhafte Motorfahrzeugführer nicht gern ein zweites Mal sagen und die polizeiliche Mitteilung dürfte in der grossen Mehrzahl der Fälle ihren Zweck durchaus erreicht haben. Leider scheinen sich aber einzelne Polizeikommissionen vom alten System einfach nicht trennen zu können. So sind uns beispielsweise von Rorschach verschiedentlich Fälle unterbreitet worden, wo wegen geringfügiger Verstösse gegen Parkierungsvorschriften usw. die hochnotpeinliche Polizei gleich mit einer Busse zur Hand war. Dabei wurden einzelne Automobilisten nur deshalb fehlbar, weil die Anbringung der Verbotstafeln durchaus diskutabel erscheint und Zweifel darüber bestehen können, für welchen Strassenabschnftt die entsprechenden Verbote überhaupt gelten. Auch der Porschacher Polizei wird nichts an ihrer Würde abgehen, wenn sie in solchen Fällen die Fahreeuebesitzer persönlich oder durch eine schriftliche Mitteilung aufklärt. Auf diesem Weg bringt sie es gewiss weiter und kann dabei auf die Mitwirkung und den guten Willen der Automobilisten zählen, womit der Verkehrssicherheit und der Verkehrsregelung in Rorschach wahrscheinlich hesser gedient ist. als wenn einige Taler in den Kasten der Polizeikommission springen. ß den lianlonen Theorie und Praxis. In einer seiner letzten Sitzungen hat bekanntlich der Thuner Stadtrat beschlossen, zum Ausbau der Rechtsufrigen einen Beitrag von 100,000 Fr. zu gewähren. Die Aufwendungen für die Geleisekonsolidation auf der Strecke Thun- Beatenbucht werden auf 600,000 Fr. ge- | schätzt, die bei ablehnender Haltung des Staates folgendermassen aufgewendet werden sollen : 300,000 Fr. als erste Hypothek auf die Bahnanlagen, Gemeinde Thun 100,000 Fr., Sigriswil, Oberhofen, Hilterfiagen und Steffisburg zusammen 150,000 FT., Private und Bahn selbst 50,000 Fr. Nach diesem Beschluss soll also unter allen Umständen ein Projekt durchgezwängt werden, das niemals den heutigen, geschweige dann den zukünftigen Verkehrsaufgaben gerecht zu werden vermag. Dieser Zwängerei seien die Ausführungen des Verkehrsverbandes Thunersee im Jahresbericht pro 1933 entgegengestellt, wo im besondern auf die Zunahme des Automobilverkehrs hingewiesen wird. Innert drei Jahren habe sich trotz der Krise die Einreise ausländischer Automobile in die Schweiz verdoppelt und in ähnlicher Weise habe auch der Inlandsverkehr eine zunehmende Entwicklung erfahren. Es wird daher notwendig sein, so fährt der Bericht fort, bei unserer künftigen Propaganda dem Automobilverkehr ganz besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Der Automobilist reist grundsätzlich mit seinem Wagen und er reist vor allen Dingen dorthin, wo er auf schönen Strassen angenehm fahren kann. In der Praxis nach Thunerrezept heisst es aber: Unterstützt die einheimische Fremdenindustrie durch Investierung gewaltiger Mittel in Unternehmungen, deren Weiterexistenz gar nicht mehr als wünschenswert erachtet wird und der Verkehrsentwicklung nur hindernd im Wege stehen. Unter den gleichen Titel gehört auch der jüngste Schildbürgerstreich der Zürcher Stadtverwaltung eingereiht. Nach Berichten aus der Limmatstadt soll die Feuerwehr zwei amerikanische Wagen angeschafft haben, während ein französischer Lastwagen für die städtische Elektrizitätsversorgung bestimmt ist. In Anbetracht der gegenwärtigen Lage auf dem einheimischen Arbeitsmarkt mit rund 100,000 Arbeitslosen, die sich zum grossen Teil auch aus der Maschinen- und Metallindustrie rekrutieren, würde es auch einer kommunalen Verwaltungsbehörde sicherlich nicht schlecht anstehen, sich einmal anzustrengen und zu überlegen, aus welchen Quellen derartige Aufträge finanziert werden. Dieses Verhalten der Zürcher Stadtverwaltung ist um so merkwürdiger, als gerade von dieser Seite nicht scharf genug die Hochhaltung des inländischen Lebensstandards verteidigt wird. Wohl ist eine enggezogene nationalwirtschaftliche Arbeitsbeschaffungspolitik abzulehnen, denn auch unsere Exportindustrie ist dringend auf die Auslandsmärkte angewiesen, doch scheint uns eine Bevorzugung ausländischer Lastwagen gegenüber der weltbekannten Qualitätsarbeit unserer schweizerischen Lastwagenindustrie seitens öffentlicher Verwaltungskörper hingegen vollkommen unzeitgemäss. Noch vor kurzem rühmten die Plakatwände in Zürich in grossen Lettern die Arbeitsbeschaffungspolitik der Stadtverwaltung, handkehrum vergibt sie aus Steuermitteln und öffentlichen Abgaben finanzierte Aufträge ins Ausland. Man braucht also keine spitzfindigen Erklärungen über den Misserfolg der jüngsten Anleihe abzugeben, wenn man mit einer derartigen Praxis dem nationalen Empfinden ins Gesicht schlägt; und was sagen die Metallarbeiter zu einer derartigen Unterstützung der einheimischen Wirtschaft, mit der sie doch auf Gedeih und Verderb verbunden sind? -my- Den S.B.B. zum Vorbild. Es ist wohl un( bestritten das erstemal dass eine grosse Bahnunternehmung sportliche Veranstaltungen für Automobile durchführt. Nein, kein Fastnachtswitz, sondern wirklicher Ernst: die Deutsche Reichsbahn hat für die Tage vom 5.—12. April 1934 eine Leistungsprüfungsfahrt für Lastwagen ausgeschrieben, und dieser Wettbewerb figuriert als offene nationale Veranstaltung Deutschlands im Terminkalender 1934 des deutschen Kraftfahrsportes. Damit hat die Zusammenarbeit von Bahn und Auto, die schon durch die Schaffung der deutschen Autobahnen unter Mitwirkung der Reichsbahn verwirklicht wird, engste Formen angenommen. mich nur eine einzige Oper, die ich niemals versäume, deren Musik mich immer und immer wieder auf das tiefste ergreift. Bethovens ,Fide!io\ Und in der leichten Musik Rossinis .Barbier von Sevilla'. Fast nie fehle ich bei einer Vorführung.» Sie nickte. «Ich scherze immer, dass es mir einmal gegeben sein möge, die Nordwand der Vogeljochspitze zu erklettern und oben ein Streichquartett von Beethoven zu hören.» Vergnügt lachte er, und sie mit ihm. «Sind. Sie nicht ein bisschen ein idealer Phantast?» lächelte sie ihn an. «Vielleicht, gnädige Frau. Aber wenn ich denke, wie Sie Ihr Leben ausfüllen, kann man von Ihnen nicht dasselbe sagen?» Da lachten sie beide wie gute alte Kameraden, und nicht, wie wenn sie sich erst seit zwei Tagen kennen würden. Wie lange so eine militärische Uebung dauere? lenkte sie das Gespräch in eine andere Richtung. Vier Wochen. Ja, gewiss, die vergehen schnell. «Sie werden noch lange in Salzburg bleiben?» hörte er den singenden Tonfall ihrer Stimme. «So lange, gnädige Frau, wie Sie in Salzburg sind.» Die Miene seiner schönen Begleiterin versteinerte, zu spät sah er, was seine unüberlegte Antwort angestiftet. Kein Wort kam über ihre Lippen, regungslos sah sie an ihm: vorbei. Ein verlegenes Schweigen auf beiden Seiten. «Gnädige Frau, seien Sie mir nicht böse», bettelte seine Stimme, «die Worte sind mir nur so ausgerutscht.» Eine kleine Falte stand zwischen ihren Brauen. Noch immer sah sie regungslos vor sich hin. «Ich verstehe nicht — ausgerutscht?» «My tongue has betrayed me», über-; setzte er. «Oh!» Langsam, mit einer müden Bewegung, erhob sie sich. «Wir müssen gehen* es ist spät geworden.» Die Bäume warfen lange Schatten. Keiner wusste ein richtiges Wort zu finden. Nur als der Wagen sich den ersten Häusern der Stadt näherte, bat er sie, dieses letzte, kleine Wegstück zu Fuss zurückzulegen. Sie nickte. Da erst erzählte sie ihm, dass ihr Mann erst morgen früh heimkehren werde, sie habe zu Mittag den Bescheid im Hotel vorgefunden. Aber Jul fand nicht die richtige Freude daran, denn seit der verfänglichen Antwort hatte sie ihn noch keines Blickes gewürdigt. Warum hatte er sich auch hinreissen lassen? Sie waren zur Stelle. «Gnädige Frau, ich möchte meinen Fehler wieder gutmachen; sagen Sie mir nur eines... sind Sie mir böse?» Den Kopf gesenkt, stand sie vor ihm, langsam legte sie ihn zurück und sah ihm, die Lider wie im Halbschlaf geschlossen, in die Augen. «Nein.» Ob sie ihm, nur heute noch, diesen Abend schenken wolle? Einen Augenblick sann sie nach... wie im Zögern bewegten sich ihre Lippen... es schien ihm, dass sie mit sich kämpfe... wortlos schüttelte sie den Kopf... schweigend streifte sie den Handschuh ab... und reichte ihm die Hand zum Kuss. Und war verschwunden. Als Jul am nächsten Tage sich nach Herrn und Frau van der Witte erkundigte, hörte er, dass sie abgereist. Wohin? Mit unbekanntem Reiseziel... 2: Nur wenige Zeilen in seinem Tagebuch, schwärmerisch und überschwenglich, wie es seine Xrt war, verraten, was in ihm vorging, als er diese Frau verlor. Ein wilder Aufruhr der Gefühle tobte durch sein Inneres, ein toller Wahn der Empfindungen beherrschte ihn, der in ihm nur den einen Gedanken aufkommen Hess — sie wiederzufinden. In Augenblicken der Vernunft, die in ihm aufdämmerten, gestand er sich, dass er einem Phantom nachjage, dass ihm nichts die Berechtigung gäbe, an eine Frau zu glauben, die kühl und gemessen für wenige Stunden in sein Leben getreten war, aber im Amoklauf seiner Empfindungen verlor er die Besinnung ruhiger Erwägung, gepeinigt von der Ueberzeugung, dass diese Frau seinen Lebensweg gekreuzt, um ihm im Guten oder Bösen zum Schicksal zu werden. In Kämpfen mit sich selbst gestand er sich, dass er sie vergessen müsse, und ging den Weg — sie wiederzufinden. Wenige Stunden nur, nachdem er den Soldatenrock ausgezogen, stand er in München, in der Hoffnung, an der dortigen medizinischen Hochschule Näheres zu erfahren. Aber man zuckte die Achseln. Gewiss! Herr Dr. van der Witte sei vor kurzem bei Herrn Geheimrat Obergethmann gewesen. Weiteres sei nicht bekannt. Er habe nur die Absicht geäussert, zu Studienzwecken die Hochschulen und Kliniken Europas zu besuchen. Vor allem Deutschlands. Mehr wisse man nicht. Die Hochschulen Europas! Welche Möglichkeiten Hess dies offen! Aber Jul gab den Kampf nicht auf und wanderte von Hochschule zu Hochschule, von Klinik zu Klinik, um überall die gleiche Antwort zu hören... die Hochschulen seien geschlossen... Ferienzeit ... die meisten Herren auf Urlaub... (Fortsetzung iolgt.)

N°15 - 1934 AUTOMOBIL-REVUE 3 Sportnachrichten Die neuen Schweizersiege in Deutschland. Der zweite helvetische Doppelsieg in Deutschland hat in unserem Lande freudige Ueberraschung ausgelöst. Innert kurzer Zei haben die beiden jungen Zürcher Rüescl und Maag, die als Nachwuchsfahrer noch nicht allzulange bekannt sind, zwei Trium phe im Auslande errungen. Für den schwel zerischen Automobilsport, der sich bis jetz zum grossen Teil auf das Inland konzentrier hat, bedeuten diese Erfolge sehr viel, un< man ist geneigt, sie als Auftakt für eine er folgreiche Bewährung unserer Fahrer aus serhalb der Landesgrenzen zu werten. Die Schweiz wird dieses Jahr durch verschie dene Piloten im Auslande vertreten sein auch die beiden Zürcher, die nun bereits zwei erste Preise gewonnen haben, werden einander das Jahr hindurch im Auslande als harte Konkurrenten gegenüberstehen. Schon jetzt sei der Wunsch ausgesprochen, das der vielversprechende Anfang der neuen Saison eine ebenso erfreuliche Fortsetzung finde. Die beiden jungen Zürcher verreisten am Freitag vormittag im Auto nach Garmisch- Partenkirchen. Sie erreichten zusammen mit den Lastwagen, welche die für das Rennen bestimmten Maschinen transportierten, den bayrischen Kurort im Laufe des späten Freitag abends. Das letzte Training war auf Samstag um 15 Uhr festgesetzt. Die Veranstalter Hessen die Bahn noch teilweise reinigen so dass die Schweizer erst gegen 16 Uhr einen ersten Probegalopp unternehmen konnten. Rüesch fuhr mehrere schnelle Runden doch verhielt er sich dabei äusserst vorsichtig. Maag musste schon nach wenigen Minuten abbrechen, da sich hei seinem Wagen ein kleiner Bremsdefekt ereignet hatte. Durch das eingedrungene Schneewasser konnte der Bremsnocken am linken Vorderrad i?ht mehr drehen. Schon hier befand sich die Bahn in schlechtem Zustande. Die Eisfläche war von einer zirka 15 cm dicken Schneeschicht und von zermalmtem Eis überdeckt. Eisrennen müssen in erster Linie auf einer ganz säubern und glatten Fläche vor sich gehen; die Eisspitzen allein sollen die Wagen vorwärtsbewegen und nicht das Pneuprofil. Schon am frühen Sonntag vormittag wurde der prächtig gelegene Eibsee von Tausenden von Zuschauern umsäumt. Doch je näher das Rennen herankam, um so dichter wurde ein unangenehmer, feuchter Nebel. Bald sah man schon in kurzer Entfernung nur noch dunkle Punkte sich bewegen. Alles versank in milchigen Schleiern. Erst gegen 11 Uhr wurde es wenigstens wieder so hell, dass man einen Start riskieren konnte. Das warme und föhnige Wetter (+5°) hatte dem Zustand der Bahn schwer zugesetzt. Das Eis xfte auf, so dass die Fläche vielerorts tief unter Wasser stand. Der Schneebreitümpel nahm manchmal oft die ganze Bahnbreite ein, und mehrere Fahrer blieben hier stekken oder hatten durch den Brei sonstige Schwierigkeiten. Dennoch wurde in den meisten Klassen schneller gefahren als im vorigen Jahr, da es damals vor dem Renntage geregnet hatte. Das Vorfahren war unter den erwähnten Umständen äusserst schwierig. In den Kurven blieb fast kein wasserfreier Platz mehr. Es gab denn auch, hauptsächlich bei den Motorradfahrern, viele, zum Teil ernsthafte Unfälle, so dass die Sanität stark in Anspruch genommen wurde. Beim Wagenrennen lief ein gleichgültiger Sanitätler dem B.M.W.-Fahrer Delius direkt vor die Maschine; schwer verlezt musste er weggetragen werden. Auch die bekannte deutsche Rennfahrerin, Fräulein Fritsch, war vom Pech verfolgt. Sie wurde in einer Kurve aus der Bahn getragen, und als sie den Motor wieder andrehen wollte, schlug die Kurbel zurück : die Folge war ein doppelter Armbruch. Nach allen diesen Zwischenfällen sah man mit einer gewissen Bangnis den schnellen Wagen entgegen. Wie schon in letzter Nummer erwähnt, siegte in der kleinsten Sportwagengruppe von Delius auf B. M. W. mit 84,3 km/St. In der 1500 ccm-Klasse war Simons auf Bugatti Favorit. Der Fahrer geriet in einen Schneebrei-Tümpel und musste seinen Wagen so heftig herumreissen, dass der rechte Stossdämpfer brach. Mit stark klap- ,pernden Vorderrädern fuhr der Bugatti im zweiten Gange weiter. Der schwankende Wagen, der trotz allem noch als Erster durch Ziel gehen konnte, machte einen höchst komischen Eindruck. In der Gruppe 2000 ccm siegte Steinweg auf Bugatti mit 98,3 km/St, nach einem schönen Rennen. Mit besonderer Spannung sah man in der grossen Sportwagenklasse dem Starte von Rüesch entgegen, dessen ausgezeichneter neuer Alfa Romeo 2300 ccm ein gefährlicher Konkurrent war. Der kaum 21jährige Schweizer fuhr ein äusserst forsches Rennen und zeigte dabei eine erstaunliche Kaltblütigkeit. Hedderich (Bugatti) rutschte in einen Tümpel und Freiherr von Michel-Tüssling konnte mit seinem Austro-Daimler gegen den Zürcher nichts ausrichten. So siegte Rüesch nach grosser Fahrt mit dem Durchschnitt von 101,05 km/St. Seine Zeit wurde von keinem andern Wagenfahrer erreicht. Schweres Pech hatte in der kleinen Rennwagenklasse der als Favorit gestartete Berliner Burggaller auf Bugatti 1500 cem. Er erhielt mehrmals von den andern Wagen den unerwünschten Segen eines Schneebreiregens ins Gesicht, so dass er fast anhalten musste. Auch bei seinem Vergaser Hessen sich Störungen feststellen. Briem auf einem Amilcar 1100 ccm vermochte so das Rennen für sich zu entscheiden. Der Lauf der grossen Rennwagen konzentrierte sich auf ein Duell zwischen Maag (Bugatti) und Freiherr von Michel-Tüssling (Bugatti). Nach dem Start übernahm zuerst der Deutsche die Führung, so dass der Zürcher die ersten drei der fünf Runden hinter ihm herfahren und Eis, Wasser und Schnee schlucken musste. Schliesslich gelang es ihm, den Gegner in einer der ziemlich scharfen Kurven zu überholen. Das Unternehmen war angesichts der aufgeweichten Piste sehr riskiert. Erst jetzt konnte der Zürcher richtig aufdrehen. Der Deutsche wurde in einem Breitümpel herumgedreht und sauste in einen Schneewall. Maag beendete so das Rennen als Sieger mit dem Durchschnitt von 95,3 km/St. Das noch anschliessende Verfolgungsrennen brachte keine sehr spannenden Kämpfe. Der temperamentvoll gestartete Rüesch hatte schon nach kurzer Zeit Pneudefekt. Maag kam hinter den Motorradfahrer Moritz zu liegen, den er angesichts der miserablen Fahrverhältnisse auf keinen Fall überholen durfte. Der Vergleichslauf ging mit dem Sieg des Fliegers Udet zu Ende. Das zahlreich erschienene Publikum versuchte seine Enttäuschung über den Misserfolg der deutschen Fahrer möglichst zu verbergen und anerkannte die schweizerischen Leistungen rückhaltloser, als dies beim Titiseerennen der Fall war. Von Kopf bis zu Fuss durchnässt, entstiegen die beiden Schweizer ihren Maschinen. Der oberste Chef der deutschen Kraftfahrt, Major Hühnlein, und General von Epp beglückwünschten die Zürcher zu ihren Erfolgen. So konnten die zwei auch von ihrer neuen Deutschland Fahrt preisgekrönt nach Hause zurück kehren. bo. Die Sternfahrt zum Genfer Salon. Für dfc Sternfahrt nach dem Genfer Salon mach sich schon jetzt ein reges Interesse bemerk bar. Das neuartige Reglement, das diesma von den umständlichen geheimen Kontrolle 1 und den diversen einzuhaltenden Stunden' mittein absieht, und dafür ein Minimalstun' denmittel angibt, verfehlt seine" Anziehungs^ kraft nicht. Es sei noch ausdrücklich darau hingewiesen, dass die vielversprechend Veranstaltung nicht nur allen A.CS.-Mitglie' dem und den Mitgliedern derjenigen Club offensteht, die der A.I.A.C.R. angeglieder sind, sondern darüber hinaus sämtlichen Besitzern von Bewerber- und Fahrerlizenzen Lizenzgesuche können an die National Sportkommission, 16, rue du Mont-Blanc Qenf, gerichtet werden. Wie wir schon anlässlich der Besprechung des Reglementes erwähnt haben, gelten wie der eine Anzahl schweizerischer Orte al Start- oder Durchgangspunkte. Als solch« Kontrollorte sind- bestimmt worden : St. Gal len, Frauenfeld, Schaffhausen, Zürich, Basel, Ölten, Luzern, Bern, Solothurn. Delsberg, La Chaux-de-Fonds, Neuenburg, Fribourg, Thun, Lausanne, Vevey, Sion. Brig und Genf. VI. Grosser Preis von Monaco. Soeben erscheint das Reglement des VI. Grossen Preises von Monato, der am 2. April die internationale Rennsäisoh eröffnet. Die Veranstaltung ist für Fahrer reserviert, die von den Organisatoren in Monte Carlo speziel eingeladen werden. Wie gewohnt, führt das Rennen über die 3180 m lang| Rundstrecke die hundertmal, demnach über 318 km, zurückzulegen ist. Es werden lediglich Rennwagen zugelassen, die der neuen internationalen Rennformel entsprechen. Die Organisatoren behalten sich vor, diejenigen Piloten vom Rennen auszüschliossen, die- während des Trainings nicht die Rundenbestzeit von 2 Min. und 12 Sek. erreicht haben. Drei Minuten nach der Ankunft des Siegers ist die 4-, 6-, 8-CYL.-WAGEN MIT GRÖSSTEM KOMFORT KONKURRENZLOSE PREISE AKTIEN- GESELLSCHAFT RENAULT VERTRETER IN ALLEN KANTONEN Sport imn ^tuwlain«! nieur und einem Flieger nach Südafrika eingeschifft. Die gutausgerüstete Expedition Veranstaltung beendet. Das Klassement der führt auch zwei kleine Flugzeuge mit. Camp- hofft, in der Wüste Kalahari einen un- übrigen FahTer richtet sich nach der Rei-belhenfolge, in der sie ihre noch begonnene Runde vollenden. Inagesamt sind 170000 franz. Franken an Preisen ausgeschrieben. Av. Secheron QENF Der Sieger erhält den Ehrenpokal des Prinzen von Monaco und 100000 franz. Fr., der Zweite 40000 franz. Fr., der Dritte 20 000, der Vierte 10 000 franz. Fr. usw. Von 10 zu 10 Runden wird ein Speziaipreis von 1000 franz. Fr. für den jeweiligen Spitzenführer zur Verteilung gelangen. Die schnellste Runde des Tages wird mit 3000 franz. Fr. belohnt. Das Training ist auf Freitag, den 30., Samstag, den 31. März und Sonntag, den 1. April von 6.30 Uhr bis 7.30 Uhr morgens festgesetzt. Als Rennleiter fungiert wiederum der bekannte französische Fachjournalist Charles Faroux. Den letzten Grand Prix in Monaco hat bekanntlich Varzi auf Bugatti mit dem Stundenmittel von 91,84 km/St, gewonnen. Die schnellste Runde erledigte Varzi in 1 Min. und 59 Sek. (Stundenmittel 96,2 km/St.), « Silberkugel »-Weitrekordwagen explo» diert. Der bekannte englische Weltrekordwagen « Silberkugel», der früher Kaye Don gehörte und jetzt in den Besitz Jack Fields übergegangen ist, erlitt vor wenigen Tagen schwere Beschädigungen. Field unternahm zahlreiche Versuchsfahrten, um Verbesserungen an der Maschine zu prüfen. Nach einer neuen Probefahrt mit einem Durchschnitt von über 200 km/St, hielt der Engländer den Wagen schnell an, um ihn gleich darauf wieder in Gang zu setzen. In diesem Augenblicke explodierte der Kompressor, so dass hohe Flammen aus der Maschine schlugen und Wagenteile weit weg geschleudert wurden. Jack Field konnte die Maschine sofort anhalten und vermochte unbeschädigt abzuspringen. Ob der Wagen noch repariert werden kann, weiss man bis zum Augenblick nicht. Sir Malcolm Campbell geht unter die Schatzgräber. Der Weltrekordfahrer Sir Malcolm Campbell ist im Nebenberuf — Schatzgräber geworden. Die Idee verborgener Schätze spukt seit Jahren im Gehirne des Engländers. Gegenwärtig befindet sich Campbell wieder auf einer neuen Forschungsreise nach fabelhaften Reichtümern. Vor wenigen Tagen hat sich der berühmte Fahrer mit einem Geologen, einem Bergwerksinge- geheuren Goldschatz aufzufinden, über dessen Existenz er allein genauere Angaben besitzt. Die kleine Expedition will von der Küste aus auf dem Flugwege nach dem ungefähren Ort gelangen, wo der Schatz vergraben liegt. Man sieht, auch unter den Rennfahrern, die doch sonst als sehr moderne und wirklichkeitsnahe Menschen gellten, gibt es noch eine geradezu altmodisch anmutende Romantik. Campbell hat über seiner Schatzgräberei das Rekordfahren doch nicht vergessen. Sein «Blauer Vogel» wird neuen Revisionen unterzogen, dabei erfährt die Karosserie eine noch strengere Ausgestaltung nach aerodynamischen Gesichtspunkten. Zudem wird der Wagen in Zukunft mit Zwillings- Hinterrädern versehen sein, um die Griffigkeit zu erhöhen. Probefahrten der neuen italienischen Alfa Romeo-Monoposti. Italien ist dem deutschen Beispiel nachgefolgt und hat am letzten Sonntag zwei erste neue Alfa Romeo-Monoposti, die dieses Jahr bei den grossen internationalen Rennen anzutreffen sein werden, Probefahrten unterzogen. Die Leitung der Scuderia Ferrari wählte dazu eine Bergstreeke bei Berceto in den Apeninnen. Die Rennfahrer Pietro Ghersi, Comotti, Barbieri, Rosa und Varzi unternahmen mehrere Versuchsfahrten. Sie waren mit den Leistungen der neuen Maschinen sehr zufrieden. Diese sollen den früheren Alfa Romeo-Monoposti n jeder Beziehung überlegen sein. Qrosser Preis von Belgien. Der Grosse Preis von Belgien wird am 29. Juli auf der Rundstrecke von Spa-Francorchamps zur Austragung gelangen. Das Rennen wird nach der neuen internationalen Formel durchgeführt. Im Gegensatz zu den Bestimmungen des Grossen Preises von Frankreich, der lediglich für Konstrukteure reserviert ist, können beim Grossen Preis von Belgien auch inzelfahrer starten. Die Gesamtstrecke wird die in der Formel angegebene Minimallange noch übersteigen und rund 600 km betragen. \usslellun^en Internationaler Automobil-Salon in Kopen« agen. Der ursprünglich auf die Zeit vom 2. is 12. März 1934 angesetzte internationale LUtomobil-Salon von Kopenhagen wird, wie uns mitgeteilt wird, nur vom 2. bis 11. März dauern. Der Auto-Salon von Lissabon ist vom Februar auf den 12.—22. April 1934 verschoben worden.