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E_1934_Zeitung_Nr.022

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Bern, Samstag, 17. März 1934 Dritte Salonnummer Nummer 20 Cts. 30. Jahrgang - N» 22 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Ericheint jeden Dienstag and Freitag Monatlich „Gelbe Liste" Halbjährlich Fr. 5 , jährlieb FT. 10.-. Im Ausland unter Portozuschlag, Mfero nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung 30 REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breilenrainstr. 97, Bern Rappen. I'ostcheck-Hechnuns 111/414. Telephon 23.222 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Dem Automobil-Salon zum Rede von Herrn Robert Marchand Ehrenpräsident des Organisationskomitees des XI. Internationalen Automobilsalons. Heute ist es auf den Tag 11 Jahre her — es war am 16. März 1923 — dass in diesem gleichen Saal, an der gleichen Tafel, ein bisschen weniger zahlreich, aber nicht weniger begeistert, wir uns anschickten, den Genfer Automobilsalon zu eröffnen, welcher der Vorläufer des Salons von 1924, der ersten Internationalen Automobil- und Fahrrad-Ausstellung in der Schweiz, war. Im Jahre 1925 beschloss man den Bau des Palais des Expositions, das, zur allgemeinen Ueberraschung, schon durch den Salon von 1926 eingeweiht wurde. Und so hat durch eine kräftige, jedes Jahr erneute Anstrengung, einer ständigen Opposition zum Trotz und mit Unterstützung unserer eidgenössischen und kantonalen Behörden, der Internationale Salon von Genf sich einen der ehrenvollsten Plätze in dem Weltwettbewerb des Automobils errungen. Unser XI. Internationaler Salon wrrd sich Ihren Blicken ebenso glänzend — ja noch glänzender — als seine Vorgänger darstellen. Er öffnet seine Pforten unter den glücklichsten Auspizien; denn seine Organisation steht zum erstenmal im Zeichen der engsten Zusammenarbeit mit der Schweizerischen Syndikalkammer der Automobil-, Fahrrad- und Zubehör-Industrie, Aktivmitglied des Ständigen Internationalen Bureaus der Automobil-Konstrukteure in Paris. Die enge Zusammenarbeit von der ich soeben sprach und die wir als notwendig erachtet haben, Hess sich erreichen dank der aufopfernden Gesinnung von Herrn Charles Dechevrens, der in der Automobilwelt wohl bekannt und mit Recht geschätzt ist und der bereit war, ausser seinem Amt als Präsident der Syndikalkammer auch noch dasjenige des Vorsitzenden des Organisationskomitees des Salons zu übernehmen. So spreche ich denn mit einem Gefühl tief empfundener Dankbarkeit dem neuen Präsidenten, unserem Freunde Dechevrens, sowohl in meinem persönlichen Namen als auch in demjenigen des Ständigen Komitees des Salons, dem vorzustehen ich die Ehre habe, unsere wärmsten Glückwünsche für seine Tätigkeit voll kluger Initiative und klarer Bestimmtheit aus. Die Mitglieder des Komitees von 1924, denen sich nacheinander die markantesten Persönlichkeiten der schweizerischen Automobilindustrie anschlössen, bilden das heutige Organisationskomitee. Es ist mir daher besonders angenehm, ihnen die Versicherung meiner lebhaften Dankbarkeit für die Ratschläge und die Unterstützung zu geben, die sie mir ununterbrochen während meiner ganzen Präsidentschaft haben angedeihen lassen. Aber vor allem Ihnen, meine lieben Kollegen vom Bureau, Gefährten der ernsten Stunde, möchte ich mein Gefühl tiefgefühlten Dankes für die unvergesslichen Stunden ausdrücken, die wir in der Verfolgung unseres Zieles zusammen verbracht haben. Sie alle sind damit gemeint: Albert Goy, Charles Hofer, Frank Martin, Rene Baezner, Ernest Maurer und Lucien Picker. Ich will auch nicht Marcel Addor, Generalkommissär des ersten Salons, vergessen, und ebensowenig Herrn Cretenoud, unseren gegenwärtigen Generalsekretär. Endlich bitte ich Sie um Verzeihung, wenn hie und da ein Lob, das Sie so oft verdient Geleit haben, sich an die Adresse Ihres Präsidenten verirrt hat, auf die Gefahr hin, ihn sein bisschen Bescheidenheit verlieren zu lassen. Ich kann es nicht genug wiederholen: Ihnen, Ihrem klugen Wirken, Ihrer freudigen Aufopferung und vor allem dem guten Zusammenhalt unserer « Equipe » danken wir es, wenn wir in Genf die grosse jährliche Kundgebung des Internationalen Automobilsalons in der Schweiz behalten konnten. Rede von Herrn Charles Dechevrens Präsident des Organisationskomitees des XI. Internationalen Automobilsalons. Mit einem Wort des Dankes hat der Präsident des Ständigen Komitees des Genfer Automobilsalons, Robert Marchand. seine Ansprache geschlossen. Sie werden einmütig darin sein, dass es an uns liegt, ihm ganz besonderen Dank auszusprechen für das prächtige Werk, das von ihm geschaffen worden ist. Er hat den Wunsch gehegt, das Organisationskomitee des Salons durch engere Bande mit der Schweiz. Syndikalkammer der Automobil-, Fahrrad- und Bestandteil-Industrie zu verbinden, und nur auf sein Versprechen hin, dass er mir immer mit den aus seiner langen Erfahrung geschöpften Ratschlägen zur Seite stehen werde, und in dem Gefühl, von seinem Wohlwollen und seiner wachsamen Freundschaft umgeben zu sein, habe ich es gewagt, die schwere Bürde zu übernehmen, beiden Organisationen gleichzeitig vorzustehen. Unser Freund hat immer die Dinge grosszügig aufgefasst, er hat immer klar gesehen, aber ohne seine unbezähmbare Energie und seinen hervorragenden Wirklichkeitssinn wären wir heute nicht in der Lage, uns über das vollkommene Gelingen des XI. Internationalen Automobilsalons zu freuen, der, mitten in der schwierigen Krise, die wir durchmachen, das schönste Medaillon in der Kette von Erfolgen darstellt, welche die Bemühungen von nahezu drei Jahrzehnten belohnt haben. Worte sind oft kaum imstande, die wahren Empfindungen auszudrücken; aber ich wünsche ohne Phrasen, in aller Freundschaft und im Namen aller, dass er fühlen möge, wie aufrichtig und herzlich unsere Erkenntlichkeit ihm gegenüber ist und in welch hohem Masse wir von seinem unerschöpflichen und lächelnd gewährten Entgegenkommen Gebrauch und Missbrauch zu machen gedenken. Herr Minister, Im Namen des Organisationskomitees des XI. Internationalen Automobilsalons liegt mir daran, Sie respektvollst, aber auch herzlichst unter uns willkommen zu heissen. Sie sind einer unserer ständigen Freunde, und wir wissen es ganz besonders zu schätzen, dass Sie, die gewaltige Arbeit unterbrechend, die Ihnen fortgesetzt obliegt, nicht gezögert haben, uns die Freude zu bereiten, den Vorsitz unserer Eröffnungsfeier zu übernehmen. Sie kennen unser Gefühl tiefer Dankbarkeit gegenüber dem Bundesrat, und Ihre Gegenwart in Genf, welche die schönste Belohnung unserer Bemühungen darstellt, hat gleichzeitig eine höhere Bedeutung; denn sie legt Zeugnis ab von der ständigen Sorge und dem besonderen Wohlwollen unserer höchsten eidgenössischen Behörde. Ich bin glücklich und besonders geehrt, meinen Willkommensgruss den Vertretern der eidgenössischen, kantonalen und städtischen Behörden, des höheren Offizierkorps, des Internationalen Arbeitsamtes und des Konsularkorps, sowie der Be- hörden des französischen Nachbargebietes, ferner den Vertretern der industriellen, wirtschaftlichen, sportlichen und Verkehrsverbände, der Organe des Automobil-Salons und dessen Mitarbeitern zu entbieten. Das Geschriebene bleibt, während die Worte sich verflüchtigen. Deshalb möchte ich einen besonderen Dankestribut den Vertretern der Presse abstatten, deren freundliche und verständnisvolle Mitwirkung uns ausserordentlich wertvoll ist. Schliesslich liegt mir daran, die Gelegenheit zu ergreifen, um auch meinen Kollegen vom Organisationskomitee und im besonderen meinen nahen Freunden vom Bureau zu sagen, wie sehr ich ihre restlose Unterstützung zu schätzen weiss, die sie mir gewährten und damit meine Aufgabe leicht und angenehm gestaltet haben. Die Bemühungen unseres Generalsekretärs verdienen gleichfalls eine ganz besondere Erwähnung. In einigen Augenblicken werden Sie im Ausstellungsgebäude, das so rasch zu eng geworden ist im Hinblick auf die Bedeutung des Automobils in unserer Volkswirtschaft, vereint finden : 60 Marken von Personenautos, die 7 verschiedene Länder vertreten. 19 Marken von Schwergewichten, die 6 Länder repräsentieren, 10 Karosseriefirmen unseres Landes (der Mangel an Platz hat uns nicht erlaubt, fremde Karosseriefabrikanten aufzunehmen), 15 Marken von Motor- und Fahrrädern, eine neue moto-nautische Sektion, erste Kundgebung der raschen Entwicklung des Wassertourismes bei uns und eines neuen Gebietes für den mechanischen Transport. 82 Firmen für Zubehör und Bestandteile, Pneus, Ausrüstung usw. Um aber zu einer so glänzenden Synthese alles dessen zu gelangen, was unsere Branche betrifft, haben wir das Vertrauen unserer Aussteller nötig gehabt. Die besondere Atmosphäre des Saales spiegelt getreu das Wesen all derer wieder, die, nah und fern, sich in jene ständige Bewegung des technischen Fortschrittes, der industriellen Neuschöpfungen und der geschäftlichen und sportlichen Erfolge hineingerissen sehen, die das Merkmal moderner Automobilindustrie und Automobilhandels darstellen. Und diese von leichten Frühlingsfieber erfüllte Atmosphäre wird während 10 Tagen sich über das ganze Land verbreiten und den einzelnen nicht nur seine eigenen Schwierigkeiten nahezu vergessen, sondern auch diejenigen der Allgemeinheit mit weniger kummervollen Blicken betrachten lassen. Und wenn wir, trotz der schweren Wolken, die sich am wirtschaftlichen Horizont auftürmen, Optimisten bleiben und dem Sturm, der nicht ewig dauern kann, Trotz bieten, wenn unser Kampfmut, immer auf das Neue bedacht, sich nie einschüchtern lässt, so verdanken wir das dem eigentlichen Wesen der Motorfahrzeugfndustrie, welche die Zeit und die Entfernung überwindet, die Schranken zwischen den Ländern aufhebt und den wichtigsten Faktor der gegenseitigen Annäherung der Völker darstellt. Wir verfolgen, mit einiger Unruhe, aber gleichzeitig mit lebhaftem Interesse, die Ergebnisse der magischen Formeln, die in jedem Lande den wirtschaftlichen Wohlstand herbeiführen sollen. Wir haben bei uns die Rückwirkungen der nationalen oder internationalen Massnahmen zu tragen, welche die besondern Interessen jedes Landes in dem wirtschaftlichen Kampf INSERT1ONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeüe oder deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. Gr&ssere Inserate nach Seitentarit. Inseratensehln» 4 Tage vor Erscheinen der Nummern Kapitel der Brennstoffe befinden, erscheint es geboten, hier den einstimmigen Protest in Erinnerung zu rufen, der ertönte, als im vergangenen Jahr unsere aller Nationen zu schützen suchen: wir ha-Bundesbehörden, vermutlich unter dem Druck der Notwendigkeit, das Budget ins Gleichgewicht zu bringen, den Plan fassten, den Zollansatz auf dem Benzin zu erhöhen. Alle ben den brennenden Wunsch, zu lernen und das Bedürfnis, noch klarer zu sehen, weshalb wir «lücklich sind, unter uns heute Herrn Minister Stucki zu sehen, der eine unbestrittene Autorität in allen handelspolitischen Fragen ist. Da uns die Zeit strenge bemessen ist, wird es uns schwer, einen vollständigen Ueberblick über die Vorgänge zu geben, die sich seit dem letzten Salon abgespielt haben. Aber wir möchten immerhin kurz in Erinnerung rufen, dass das Jahr 1933 die Inkraftsetzung des eidgenössischen Verkehrsjjesetzes gebracht hat. Wir hatten einen zähen Kampf geführt, um zu einer Vereinheitlichung der Verkehrsregeln für das ganze Land zu gelangen, und, abgesehen von gewissen Einzelheiten wie die Erweiterung der Haftpflicht and die Erhöhung der Versicherungssätze, die nicht zu unserer vollen Zufriedenheit gelöst worden sind, können wir sagen, dass diese neuen Regelung dem Automobiltourismus gestattet hat. sich günstig zu entwickeln. Wenn hinsichtlich des Personentransportes ein gewisser Fortschritt zu verzeichnen ist, so haben anderseits die eidgenössischen Vorschriften auf dem Gebiete der industriellen Fahrzeuge und derjenigen für die Warenbeförderung unserer einheimischen Lastwagenindustrie einen sehr scheren Schlag versetzt. Indem der Gesetzgeber die zweiachsigen Anhäneer verbot, hat er den Strassenverkehr gefährlicher gestaltet und, indem er durch die Festsetzung eines zu niedrigen Minimums für das Gesamtgewicht die zu befördernde Nutzlast auf weniger als 10 t beschränkte, ausschliesslich unsere einheimischen Lastwagen getroffen, unter gleichzeitiger Verteuerung der Transportkosten. Wir haben jedoch gute Hoffnung, dass die gepflogenen Verhandlungen für die Ausarbeitung eines Bundesgesetzes und eines Abkommens zur Verteilung des Verkehrs zwischen den Berufsunternehmen für den Strassentransport und den Eisenbahnen, eines Gesetzes, das unverzüglich der Bundesversammlung unterbreitet werden soll, den Erfolg haben werden, in gerechter Weise die Möglichkeit wieder herzustellen, 10 t Waren auf einmal befördern zu können. Nachdem die weltwirtschaftliche Entwicklung unsere Behörden veranlasst hat, eine von dem Wirtschaftsliberalismus unserer Väter verschiedene Politik zu betreiben, ist, nach zahlreichen anderen Zweigen der wirtschaftlichen Betätigung des Landes, nach dem Motorrad, dem Fahrrad, dem Benzin, dem Schweröl, verschiedenen Zubehören, auch das Automobil im vergangenen September Einfuhrbeschränkungen unter der Form von Kontingenten unterworfen worden. Eine derartige Massnahme, die einem so bedeutenden und beweglichen Handel, wie dem unsern, Schranken auferlegt, hatte ein gewisses Unbehagen auf dem Markte zur Folge. Aber allmählich konnten Lösungen gefunden werden, und in wenigen Augenblicken werden Sie die gebieterische Notwendigkeit dieser Massnahmen und die von ihnen zu erwartenden Ergebnisse zugunsten der allgemeinen Wirtschaft unseres ganzen Landes verstehen. Es ist klar, dass die Politik der Kompensationen oft äusserst schwierige praktische Probleme stellt; z. B. auf dem Gebiete der Gummireifen und des Benzins, wo die Freiheit zur Regellosigkeit wurde, musste man zu einer Gesundung des Marktes gelangen, indem gewisse, für die Allgemeinheit schädliche geschäftliche Methoden ausgeschaltet wurden. Und weil wir uns gerade bei dem Organisationen bildeten einen imposanten Einheitsblock, und die drohende Massnahme gelangte nicht zur Verwirklichung. Das' Ben-