Aufrufe
vor 5 Monaten

E_1934_Zeitung_Nr.023

E_1934_Zeitung_Nr.023

BERN, Montag, 19. März 1934 Vierte Salonnummer Nummer 20 Cts. 30. Jahrgang - N" 23 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint Jeden Dienstag and Freitag Monatlich „Gelbe Liste" Halbjährlich Fr. &.-, jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portozuschttg, •ofero nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung 30 REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Rappen. Postcheck-Rechnung 111/414. Telephon 28.222 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeüe oder deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. Grössere Inserate nach Seitentaril. Inseratensehluss 4 Tage vor Erscbelnen der Nummern 37 Konkurrenten bestreiten die unter sehr schlechter Witterung leidende Konkurrenz. — Sieger Maurice Eberhard auf Delage (Chaux-de-Fonds). — Ein nur teilweise befriedigendse Reglement. Genf, 17. März. Die 12. Sternfahrt nach Genf, die heute am Spät-Nachmittag mit der Schlussprüfung auf dem Quai Charles-Page zu Ende ging, wurde zu einem regelrechten Kampf mit den Unbilden eines nassen, kalten, verschneiten Märztages. Von der ersehnten Vorfrühlingssonne, auf deren Mitwirkung man felsenfest gerechnet hatte, war nichts zu spüren. Aus der Sternfahrt wurde ein Schneefahrbar- •keitswettbewerb, ohne Ketten wohlverstanden, denn diese hatten die Optimisten, als die sich alle Konkurrenten entpuppten, zu Hause gelassen. Also eine regelrecht misslungene Angelegenheit, wird man denken ! Mit nichten : das miserable Wetter war die wichtigste ungeschriebene Bestimmung des neuen Regimentes. Ohne diesen Schnee und diesen kalten, nebligen Tag wäre die Konkurrenz zu einer Spazierfahrt nach Genf geworden. So musste man sich zum mindesten bemühen, den auf die Luft-Kilometer berechneten Stundendurchschnitt von 40 km/St, (der, auf Strassenkilometer angewendet, allerdings noch grösser wurde) innezuhalten, und das war teilweise doch eine Aufgabe. Keine unlösliche — das zeigt das günstige Ergebnis der zur richtigen Zeit angekommenen Wagen. Sonst aber hätten wohl beinahe alle Sternfahrer in Genf das Mittagessen bestellt — und das wäre nun im Zeitalter des schnellen, wendigen Automobils unserer Tage doch etwas zu zahmer Sport geblieben. So oder so : wir legen es den as or if* oc Wichtigkeit, dann sei sie stets begrüsst; man muss sie aber mit andern Augen ansehen, wenn solche Ergebnisse möglich sind. Wir sind uns sehr wohl der Schwierigkeiten eines Sternfahrtreglementes bewusst, das in richtiger Weise auf der Prüfung von Regelmässigkeit und Zuverlässigkeit basiert und die Schlusskonkurrenz damit kombinieren kann. Es sei nur auf die klassische Monte-Carlo- Sternfahrt hingewiesen, wo die Organisatoren jahrelang der Schlussprüfung ein ähnliches Uebergewicht beimassen, bis die Konkurrenten zu reklamieren begannen. Selbstverständlich war den Konkurrenten an und für sich das schlechte Wetter durchaus nicht willkommen. Das ganze Mittelland' wurde von einem richtigen Märzsturm überfegt. Wind, Regen und Schnee jagten über das Land, machten die Strassen kotig und glitschig und tauchten die ganze ersehnte Frühlingsszenerie in winterliches» unfreundliches Weiss. Zwischen Bern und Ölten, Bern und Luzern, vor allem auch zwischen Ölten und Solothurn, im Jura, und dann in weitaus erster Linie zwischen Moudon und Lausanne wurde die Sternfahrt zur regelrechten Winterfahrbarkeitsprüfung. Es war ein mehr als komisches Gefühl, ohne Ketten an Schneepflügen vorbeizukommen, die sich bemühten, eine Bahn zu schaffen... Teilweise raste der Regen und der Wind mit derartiger Wucht gegen die Wagen an, dass man durch die triefendnasse Windschutzscheibe kaum mehr etwas zu sehen bekam. Auch die Fahrer aus La Chaux-de-Fonds. Delsberg und Basel wissen ein Liedlein von schlechten Witterungsverhältnissen zu singen. Die Ankunft in Genf war um nichts besser. Ein wütender Weststurm raste durch die Stadt. Die aufgespannten Zielbänder flatterten toll und den Herren Komittierten lief der Regen bachweise übers Antlitz. Während der ganzen Geschmeidigkeitsprüfung, die im Uebrigen tadellos organisiert war, auszuhalten, hiess tatsächlich beinahe die Gesundheit aufs Spiel setzen. Regen und Wind 1 : das waren die Kennzeichen der Sternfahrt auch in Genf. Der Mut und der Humor der Teilnehmer stand in umgekehrtem Verhältnis dazu: je mehr es stürmte und wetterte, um so vergnügter wurden sie untereinander und zeigten einen erfreulichen sportlichen Gemeinschaftsgeist. Die Organisation klappte tadellos, das muss unbedingt festgehalten werden. Aufs neue stellt La Chaux-de-Fonds den Sieger. Es ist Herr Maurice Eberhard auf Delage, der die Höchstpunktzahl von 106,05 erreichte, mit andern Worten, dessen Geschmeidigkeitsprüfung am besten verlief. Der letztiährige Sieger Petermann auf Chrysler Herren Organisatoren vertrauensvoll ans Herz, das nächste Jahr wieder etwas schärfere Saiten aufzuziehen. Pas Ergebnis von heute hat gezeigt, dass die Konkurrenten etwas können : man gebe ihnen rechte Nüsse, an denen sie ihre Zähne ausbeissen können! Das Nennungsergebnis von 1934 übertraf die letzten Jahre bei weitem. Nicht weniger als 39 Konkurrenten hatten sich für die Fahrt einschreiben lassen, eine Zahl, die unbedingt sehr erfreulich ist. Zwei Fahrer versuchten vergeblich, die Völkerbundsstadt zu erreichen, doch 22 andere erledigten die ganze Sternfahrt ohne Strafpunkte. Das spricht wohl mit Deutlichkeit für die erosse, die allzugrosse Leichtigkeit der diesjährigen Bestimmungen. Nur die schlechten Strassen und Sichtverhältnisse wirken noch etwas erschwerend. Sofort nach der Ankunft traten die Konkurrenten zur Geschmeidigkeitsprüfung auf dem Quai Charles-Page an. Was bei so manchen Sternfahrten zutrifft und doch immer wieder zu verhindern gesucht wird, wurde auch zum Schicksal des diesjährigen Rallye : Die Resultate richten sich ausschliesslich nach den Ergebnissen der Geschmeidigkeitsprüfung. Auf der Basis der 100 erhaltenen schnitt bei der Langsamfahrt wieder gross- ab, nur nachher scheint er sich etwas Punkte baute sich das Klassement auf, dasartig eine mehr oder weniger grössere Zahl von verhauen zu haben. Immerhin reichte es Punkten aus der Schlussprüfung ergab. Eine noch zu einem 9. Platz. Im allgemeinen haben sich die Westschweizer besser als die solche Geschmeidigkeitsprüfung in allen Ehren, aber sie darf auf keinen Fall ein derartiges Uebergewicht bekommen, dass Deutschschweizer gehalten. schliesslich sie ausschlaggebend wird, und 1 Ein Fahrbericht. Der Berichterstatter fand nach alter Sitte im die Sternfahrt zur Nebensächlichkeit herabsinkt. Alle die Fahrer, die stundenlang mit Plätzchen, um selbst aus dem Gesichtspunkt der Wagen eines liebenswürdigen Teilnehmers ein Aufbietung aller Kräfte zur richtigen Zeit Konkurrenten die Fahrt mitzuerleben. Noch nie von Ort zu Ort gekommen sind und Genf war über eine Sternfahrt so weniges zu berichten, noch nie lief alles so wie am Schnürchen. Reissbrett, Zirkel. Reissschiene, Kurven, Tabellen blie- ohne jede Verspätung erreichten, mussten nur eine kleine Dummheit bei der Schlussprüfung begehen, um entweder überhaupt rer sass der nur in Zeiten denkende Leiter, der anben dieses Mal ruhig zu Hause. Neben dem Fah- nicht klassiert zu werden, oder dann in den hand eines kleinen Blattes und seiner Stoppuhr die Geschwindigkeit dirigierte und festlegte, zu hintersten Rängen zu rangieren. Dient eine welchem Zeitpunkte die verschiedenen Städte zu Geschmeidigkeitsprüfung zur Trennung der erreichen waren. Die Bundesstadt lag bereits in ex aequo-Fälle, und hat sie rein sekundäre einem neuen Schneekleid, als wir morgens 8 Uhr IV Die Sternfahrt nach Genf am Samstag. pnßn Schlechtes Wetter beeinträchtigt das erste Rennen der Saison. — Vier neue Klassenrekorde und ein neuer Tourenwagenrekord von Zwimpfer auf Chrysler. — Hedda Gradenwitz (Mercedes-Benz) Schnellste der Sportwagen, und Hug (Bugatti) Rennwagen- Sie ger. Genf, 18. März 1934. Alter Uebung gemäss war es den Genfern vorbehalten, die Rennsaison des Jahres zu eröffnen. Wenn man auf Grund dieser ersten Veranstaltung eine Prognose für 1934 aufstellen will, dann darf man den kommenden nächst selbst in der Fabrik in Bologna holen. Rennen in bezug auf Beteiligung und Leistungen mit grösster Zuversicht und hoch- hat seinen Meister gewechselt. Man wird künf- Auch der 2,3-1-Bugatti-Kompr. von H. Stuber gespannten Erwartungen entgegensehen. Wir tig den jungen, vielversprechenden A. Hug an können ruhig sagen, dass Genf ein bescheidenes, aber getreues Spiegelbild von dem wiedergab, was sich in den folgenden Monaten auf internationalem Gebiet abspielen wird. Es ist nämlich auf der ganzen Linie eine gesteigerte Tätigkeit und ein Einsatz an Kräften zu bemerken, wie er selten einer Saison vorausging. Schon die Zahl der Nennungen bedeutete mit 31 Einschreibungen einen Fortschritt gegenüber dem Vorjahr. Nur zwei Konkurrenten erschienen nicht am Start, was vorab den Fahrern in bezug auf ihre Disziplin und den festen Willen, an dem guten Gelingen der Kämpfe das ihrige beizutragen, das beste Zeugnis ausstellt. Es ist jedes Jahr das nämliche und erfreuliche Bild guter Sportkameradschaft. Es mögen noch so viele Stimmen laut werden,' das Rennen sei zu früh und was derlei Bedenken mehr sind, wenn es aber gilt, so möchte doch keiner zurückstehen. Man freut sich schon zum voraus, nach der monotonen Winterruhe die mit Erwartungen, Spannun- A. Hug (Bugatti), der Ueberraschungs-Sieger gen und Ueberraschungen reichlich bedachte Abwechslung der aktiven sportlichen Tätigkeit wieder miterleben zu können. Der eine oder andere hat auch noch eine Scharte vom letzten Jahr her auszuwetzen oder eine Enttäuschung wieder gut zu machen, und die Optimisten treten mit der löblichen Absicht an, es dieses Mal noch besser zu machen. So geht es denn lebhaft zu und her. Es gilt, alte Bekannte zu begrüssen, Erinnerungen auszutauschen, sich über die Absichten und Aussichten für 1934 pilotierten Alfa Romeo-2,3-Liter-Renner, vor, zu orientieren. Unter dem Harst der Unentwegten, die schon so manches Mal mit französischen Rennfarbe, prangt. der noch immer in Blau, der internationalen dabei waren, herrscht bald wieder das beste kameradschaftliche Einvernehmen. Die Die als Rennstrecke benützte Strasse in « Neuen » — und solche gab es glücklicherweise auch dieses Mal wieder — nehmen den Grand-Saconnex ist einer gründlichen Renovation unterzogen worden und hat durch ihre ersten Kontakt mit den Routiniers auf, und bald bildet das ganze Lager von Fahrern, Mechanikern und zugewandten Orten aller Art wiederum ein geschlossenes Ganzes mit seinem eigenen Kodex, seinen Ueberlieferungen, seinen Sonn- und Schattenseiten. Das erste Kompressorengeheul, die blauen Schwaden der Abgase, die fieberhafte Tätigkeit der Mechaniker, das Hin und Her am Start, all das zusammen trägt bei zu jener Atmosphäre und Stimmung, die den Beginn der Saison entscheidender markiert als alle Kalenderdaten und Frühlingsanfänge zusammen. Von den Trainingstagen selbst ist nichts Besonderes zu berichten. Leider ging es diesmal nicht ohne Unfall ab, der einem Motorradfahrer zustiess und ihn für längere Zeit kampfunfähig machen wird. Bei den Automobilisten wickelte sich — wenigstens äusserlich — alles programmässig ab. Der Maschinenpark hat eine nicht unwesentliche Erneuerung und Veränderung erfahren, von welchen wir einige gleich vorwegnehmen wollen. H. Kessler hat sich von seinem Amilcar—Renner getrennt und sich dafür einen 1100-ccm-Maserati-Monoposto zugelegt, von dem sich der Meister der kleineren des Salons. Das Kilometerrennen vom Sonntag. am Training Rennwagen recht viel verspricht. Er will allerdings an der Maschine noch einige wesentliche Aenderungen vornehmen, was ihm als tüchtigem Mann vom Fach keine besonderen Schwierigkeiten machen wird. Die notwendigen Bauelemente wird er sich dem- dessen Steuer sehen, während Altmeister (nicht etwa im Sinne des Geburtsdatums gesprochen!) Stuber voraussichtlich auf einem Alfa Romeo-Sportwagen an späteren Rennen teilnehmen wird. U. Maag seinerseits harrt erwartungsvoll auf die Ablieferung des von ihm in Auftrag gegebenen Maserati 3 Liter. In der Zwischenzeit tummelt er sich noch auf seinem Bugatti 2 Liter, der ihm ja schon allerhand Lorbeeren eingebracht hat. J. Villars stellte zum erstenmal seine besondere Akquisition, den von Etancelin im Vorjahr Umgestaltung wesentlich gewonnen. Wenn es auch nicht gelang, die vertrackten Geleise der Strassenbahn vollständig aus der Fahrbahn zu beseitigen, so haben die Trainingsfahrten bereits erwiesen, dass die Strecke doch um ein Beträchtliches schneller geworden ist, oder, um in der Umgangssprache zu reden, raschere Tempi ermöglicht. Das Rennen. Der frühe Zeitpunkt, in welchem die Veranstaltung zur Durchführung gelangt, bringt es gezwungenermassen mit eich, dass die Organisatoren und Fahrer immer mit allerlei Wettertückcn zu rechnen haben. Man konnte auch in dieser Beziehung bald feststellen, wer mit diesem Rennen bereits vertraut ist, denn die Erfahrenen haben sich durch den trügerischen Sennenschein in den Vortagen nicht täuschen lassen und trotz alledem ihre zünftige Winterausrüstung mitgebracht, die leider nur allzugute Verwendung fand, denn eine kalte, steife Bise -und tüchtige Regenböen taten ihr möglichstes, um die Sache zu erschweren. Die Nässe «hängte» tüchtig an und so niussten die Konkurrenten durchwegs ihre Erwartungen gegenüber den Trainingstagen zurückschrauben. Dennoch gelang es. eine Anzahl von Klassen-, ja sogar eine Kategorienbestzeit zu übertreffen, was neben dem verbesserten Maschinenmaterial vorab der Strassenerneueruncr zuzuschreiben ist. In bezug auf die Organisation haben sich alle Beteiligten wiederum die grösste Mühe gegeben und