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E_1934_Zeitung_Nr.025

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U AUTOMOBIL REVUE

U AUTOMOBIL REVUE 1934 - N°25 Herzoginnen, Milliardäre und grosse sie anderthalb Jahre bleiben — als Kriegsgefangene. Nijinsky war Russe, und man liess ihn Budapest nicht verlassen; man hoffte, ihn gegen österreichische Kriegsgefangene austauschen zu können. Der Bericht, den Romola von dieser bösen Zeit gibt, liest sich phantastisch. Der grosse Tänzer wurde auf ulierträgliche Weise schikaniert. Die Polizei sah in gewissen Künstler huldigten ihm. Der Aga Khan, ein indischer Potentat, streute Juwelen auf das russische Ballettkorps, als wären es Blumen. «Tanzen Sie mir was», bat Gabriele d'Annunzio den jungen Nijinsky. «Schreiben Sie mir was,» lächelte der. Rodin modellierte seine Statue und sagte von ihm: «Jede seiner Posen ist ein lebender Michelangelo oder Donatello.» Sein Garderobier baute sich ein Haus von dem Erlös der Rosenblätter, die er von Nijinskys Kostüm als «Geist der Eose» abschnitt und an Verehrerinnen verkaufte. Das Tanzgedicht «Geist der Rose» war sein und der Karsawina grösster Erfolg. Niemand von uns Aelteren, der dieses Wunder von zarter Kraft in den letzten Jahren vor dem Krieg gesehen hat, wird es je vergessen. «Ich danke Dir, Gott,» betete die junge Romola Pulszky, «dass Du mir gestattet hast, in dem Jahrhundert zu leben, in dem Nijinsky tanzt.» Im Jahre 1911 machte ein grotesker Zwischenfall Nijinskys Verbindung mit dem russischen Hofopernballett ein Ende. Sein märchenhaftes Kostüm als Faun im «Nachmittag eines Fauns» erschien einer Dame des Zarenhofs, vielleicht war es die Kaiserin-Mutter, nicht dezent genug. Ein lächerlicher Krach folgte, und das zaristische Russland verlor seinen herrlichsten Künstler. Er verliess sein Heimatland. Von nun an reist er rastlos in der Welt herum. Seine Erfolge sind beispiellos. In Paris tanzt er ein neues Ballett «Petruschka» und Sarah Bernhardt sagt: «Ich fürchte mich, denn hier sehe ich den grössten Schauspieler der Welt.» In Berlin schickt Kaiser Wilhelm alle seine Museumsdirektoren ins Theater, damit sie die klassische Schönheit dieses Menschen sehen. In London tanzt er während der Krönungsfeierlichkeiten vor einem Parkett von Königen und Maharadschas. In Prag jubelt die tschechische Gesellschaft diesem slavischen Künstler zu. In Wien Iässt sich der alte Herzog Rainer im Krankenstuhl in die Loge tragen, Abend für Abend, und man kann den jungen König Alfonso von Spanien sehen, wie er die Sprünge und Pirouetten Nijinskys nachzumachen sucht. Mehr: Frau Anna Sacher persönlich sagt zu Nijinsky, als er mit Diaghileff in ihr Restaurant kommt: «Ja, Mir haben auch diesmal eine Elssler gehabt — aber so was wie Sie, no, das ha'ma noch nie gesehen!» Es ist wie die letzte und oberste Weihe. Dieser junge Künstler, der Europa vor seinen tanzenden Füssen liegen sieht, ist der Freund, fast der Sklave, das Eigentum Sergej Diaghileffs. Wir erfahren aus Nijinskys schrankenlos aufrichtigem Buch, von welcher Art die Freundschaft war, die zwischen den beiden bestand. Diaghileff, Liebhaber, Freund und Manager zugleich, hält das junge Genie gleichsam in einem goldenen Käiig gefangen. Er schenkt ihm märchenhafte Saphirringe und zahlt ihm seine (Jagen nicht aus. Die Einnahmen des russischen Balletts sind enorm; Privatleute zahlten bis zu vierzigtausend Goldfrancs, damit Nijinsky in ihrem Hause tanze. Nijinsky selbst sammelt kaum ein Vermögen. Was kümmert es ihn? Er ist ganz erfüllt, nicht nur von seinem Tanzen, sondern noch mehr von den Entwürfen zu neuen Balletten, die er mit der Hilfe der grössten modernen Komponisten selbst entwirft. Und dann kommt der Tag in Budapest, an dem ein junges Mädchen den bezaubernden Harlekin sieht. Romola Nijinsky erzählt in ihrem Buch ganz unbefangen, wie sie dem grossen Tänzer einfach nachgelaufen ist. Sie setzt es durch, dass sie als Ballettelevin der russischen Truppe folgen darf, kreuz und quer durch Europa. Schliesslich macht sie choreographischen Notizen des bösen Russen die Aufzeichnungen eines Spions. Sogar Romolas Mutter, die grosse Schauspielerin, kehrte sich (in einer Künstlereifersueh), gegen den Schwiegersohn, verdächtigte und beschimpfte ihn. Vergeblich bat er, doch lieber in einem Kriegsgefangenenlager interniert zu werden. Endlich durfte er mit den Seinen nach Wien gehen, und dort wurde er von den Behörden und der Gesellschaft mit viel mehr Rücksicht behandelt. Romola hatte in Wien grosse Beziehungen. Ihre Schwester war mit dem Sänger Erik Schmedes verheiratet, der als ein Däne Nijinskys Korrespondenz ins Ausland befördern konnte. Baron Burian, der Minister des Aeussern, war Romolas Onkel. Vom Aus- eine Tournee nach Südamerika mit; sieland her arbeiteten mächtige Einflüsse an der Befreiung Nijinskys. Anfang 1916 erhielt er die Erlaubnis, nach Amerika zu gehen, wo das russische Ballett an der Metropolitan-Oper gastieren sollte. reist mit dem gleichen Schiff wie Nijinsky, und «Triumph» Diaghileff ist nicht an Bord: er hat eine tolle Angst vor der Seekrankheit. Romola von Pulszky, die kleine Ballettelevin, weiss gar nicht gewiss, ob der grosse Nijinsky ihre Existenz schon bemerkt hat; er hat kaum je mit ihr gesprochen. Da hält er plötzlich um ihre Hand an. * Es ist der Wendepunkt im Leben Nijinskys. In der Kirche San Miguel in Buenos Aires heiratet er dieses fremde Mädchen und nähert sich so der Normalität und Bürgerlichkeit, — und sein alter Bund mit Sergej Diaghileff bricht jäh entzwei. Der telegraphiert rasend vor Eifersucht: «Das russische Ballett bedarf deiner Dienste nicht mehr. Sergej von Diaghileff.» Ganz haben sich die beiden nie wieder versöhnt, obgleich das russische Ballett die Dienste Nijinskys nicht lange entbehren konnte. Nie wieder kam es zu der unerhört intensiven Zusammenarbeit, aus der die grössten Leistungen der berühmten Truppe entstanden sind ... An Diaghileffs eifersüchtigem Groll zerbrach nicht nur Nijinskys Werk, sondern aus sein Leben. Jetzt sitzt er im Irrenhaus und malt gespenstische Spinnen, die das Antlitz Diaghileffs tragen. Romola Nijinsky hatte eben in einem Wiener Sanatorium ihre Tochter Kyra geboren, als die Nachricht von der Ermordung des Erzherzogs Franz Ferdinand kam. Ende Juli brachte Niiinsky seine Frau und das Kind nach Budapest in das Haus von Tinmolns Mutter. Dort mussten Andere Menschen haben im Krieg Schweres gelitten. Aber diese feine Künstlerseele zerbrach doch der Krieg. Heute hängen alle seine Wahnvorstellungen mit dem Krieg zusammen. Während der Monate in Amerika zeigte er die ersten Anzeichen von Schwermut und religiöser Verzückung. Er wurde Tolstoianer und Vegetarianer. Er redete davon, das Tanzen aufzugeben und in Sibirien ein Predigermönch zu werden. Aber er tanzte im «diamantenen Hufeisen» der Metropolitan-Oper den «Tyl Eulenspiegel» von Richard Strauss; er bereiste den ganzen Westen und riss überall das Publikum mit sich. Dann ging es nach Spanien. Dann nach Südamerika. Auf der Rückfahrt wurde das Schiff, auf dem Nijinsky fuhr, beinahe torpediert. Nijinsky hatte genug vom Krieg. Das Ende des grossen Dramas und den Beginn «der russischen Revolution erlebte er mit Frau und Kind in St. Moritz, wohin sie sich zurückgezogen hatten. Waslav Nijinsky, der glücklichste der Gatten und Väter, lebte an der Seite der tüchtigen Romola, bereitete neue Tanzdichtungen vor, trainierte hart — und spielte eine Rolle. Die Rolle eines Wahnsinnigen. Lächelnd sagte er zu einem Freund, dem spanischen Herzog von Dural, er habe, da er jetzt keine Truppe habe, für sich Theater gspielt und seiner Frau eingeredet, er sei verrückt. OSTERN Er war es leider "wirklich. Eines Tages sagte ein junger Diener zu Frau Nijinsky: «Verzeihen Sie, aber ich bin aus Sils Maria, und ich habe als Knabe Herrn Nietzsche verrückt werden gesehen. Gnädige Frau, er hat sich genau so benommen wie unser Herr!» Nijinsky trug ein goldenes Kreuz am Halse und predigte auf den Strassen den Bauernweibern. Eines Tages, als Romola etwas zu ihm sagte, brüllte er sie an: «Stille, dies ist meine Vermählung mit Gott!» Ein paar Stunden später waren Gäste in der Villa. Waslav formte aus weissem und schwarzem Tuch auf dem Fussboden des Salons ein Kreuz und sagte: «Jetzt werde ich den Krieg tanzen, mit all seinem Leid. Den Krieg, an dem Ihr mitschuldig seid, weil Ihr ihn nicht verhindert habt!» Er tanzte wie nie in seinem Leben; es war schön und entsetzlich. Ein paar Tage später hatte er den ersten Tobsuchtsanfall. • Seither lebt der grösste aller Tänzer im Dunkel. Er vegetiert dahin in der Schweiz, im Sanatorium zu Kreuzungen am Bodensee, wohin man ihn gebracht hat. Er weiss noch, dass er Waslav Nijinsky ist, der Tänzer. Aber er tanzt nicht. Meistens sitzt er stumm da, oder fertigt geniale und wirre Zeichnungen an. Nur manchmal macht er plötzlich einen vereinzelten Sprung durch die Luft, den berühmten Nijinsky-Sprung, mit dem der «Geist der Rose» endete. Es ist wie der Flug eines Vogels durch die Nacht. Einmal trat, ganz gebückt vor Reue, Sergej Diaghileff vor ihn hin und versuchte, ihn aufzurütteln: «Watza, dn bist nur faul. Komm, komm, du musst für das russische Ballett tanzen!» Waslav Nijinsky sah ihn an mit der schrecklichen Sachlichkeit der Irren: «Aber ich kann ja nicht, ich bin ja verrückt!» Er kann nicht. Der grosse Künstler, der am besten die alte, edle Tradition des klassischen Balletts mit dem Geist und der Musik unserer bnnten Zeit zu vereinigen gewusst hat, ist eben dieser Zeit erlegen. In seinen Wahnvorstellungen sieht er den Krieg, den vorigen oder den nächsten. Er erträgt diese Bilder nicht, nnd «r fängt an zu toben... (Folgende Presw-IfoÖ» war dieser Ta*» eo lesen: Alexander Cord*, dar herrorra^emde Rejriöcenr des weltberühmt«» Uttorischen Films c Heinrich der Achte und »ein* webt Franen», plant einen neuen prosten FUm. Er wird daa Leben des ?TOBsen Tänzers Njjinskr behandeln, des tMenschenvosels» Hier wird der grossartig« Darsteller «Heinrich des Achten». John Laughton, den Freund und Feind Nijinskys, Diayhileff darstellen, während für die Rolle des Tänzers John Gielgud in Aussicht genommen ist. Nijinekri Trau »pielt Merle Oberen, die «Anna Boleyn» ) Ein neuer Weg im Rauchen. Wie schwer war es bis gestern, jederzeit die gewünschte Cigarre zum Genuss bereit zu haben. Darum weisen wir Ihnen den Weg, den neuen. Fragen Sie einen der 8000 verwöhnten Eicifa Raucher. Für jeden von ihnen persönlich halten wir die Eicifa in stets gleich bleibender guter Qualität bereit. Reiner Tabak vom Markt von uns selbst geholt, von kundiger Hand sorgfältig verarbeitet und fachmännisch gelagert, das ist Eicifa. Naturrein, direkt durch die Fabrik, anverteuert durch Zwischenlager, gelangt sie, zum hohen Genuss, in Ihre Hand. Machen Sie einmal den Versuch, dann erst werden Sie den Tabakgenuss schätzen. Verlangen Sie unsern Katalog, damit wir Ihnen gleichzeitig eine Kostprobe schenken können. WAFPEX TI iiUion für Jagd Sport und Veitei-

N° 25 - 1934 AUTOMOBIL-REVUE 15 Modische Blitzlichter Renaissance der Spitzen ? Die Beliebtheit der Spitzen in der Mode schwankt dauernd. Einmal stehen sie ganz obenan, ein andermal rümpft man die Nase und erklärt, Spitzentoiletten passten nur für alte Damen —, Spitzen könne man bestenfalls an der Wäsche verwenden, sie seien altmodisch, und so weiter. Das mag heute vielleicht wahr sein, morgen hat sich das Blatt gewendet. Spitzen werden zu Kleidern für Debütantinnen verarbeitet — Spitzen als Schmuck der Wäsche dürfen sich einfach nicht sehen lassen. Und was das Modernsein anlangt — man braucht sich nur umzusehen. Heuer nimmt die Spitze einen guten Platz ein, aber es ist hervorzuheben, dass gute, teure Spitzen nicht sonderlich populär sind, dass der Markt also mit Spitzenstoffen zu zivilen Preisen überschwemmt ist. Hie und da sieht man Modelle prachtvoller Spitzen gewänd er, wahre Märchentoiletten aus ganz grossen Salons. Teure Spitzen welcher Art und Farbe immer (vorausgesetzt, dass für Spitzen nur vier Farben in Betracht kommen: Schwarz, Weiss Naturbeige und Creme), sind und bleiben schön und vornehm. Spitzenkleider sind nur in diesen Farben wirklich schön, alle übrigen Farben wirken unangenehm. Es ist natürlich, dass die jetzige Mode besonders für den Abend die Spitze begrüsst, die für die unterhalb der Knie sich bauschenden weiten Volants der neuesten Toiletten das idealste Material sind. Was könnte schöner sein als die Spitzenkaskaden am Rückenausschnittf Spitzenpelerinen als Ergänzung des Abendkleides sind duftig und festlich zugleich, viel geeigneter als die etwas kompakt wirkenden Jäckchen aus Satin .oder Samt. Zukunftsmusik sind noch die an das vergangene Jahrhundert mahnenden dicken Spitzenrüschen an den langen Abendpelerinen und Mänteln, die keine Aermel, sondern lediglich Oei'fnungen für den Arm haben sollen. Für den Tag findet die Spitze Verwendung für das kleine Gesellschaftskleid; ärmellose Spitzenkasaks, die über ein Seidenkleid getragen -werden, sind festlich; reich geraffte Spitzenkragen zur gleichfarbenen Satinbinse in Beige sehen sehr gut aus. Sehr schön auch der Aermel aus Spitze: vom Ellbogen abwärts zeigte ein schwarzes Samtkleid Aermel die ganz aus schmalen, mit der Hand zusammengenähten naturfarbenen Spitzeneinsätzen bestanden, wobei hauchzarte mit gröberen «abwechselten. Ebenso gearbeitet war der ;rosse Umschlagkragen, der der einzige sonstige Aufputz des Kleides war. Die ersten 'Sonnenstrahlen werden am Halse der Frühjahrskostüme und Wollkleider Schleifen aus gestärkten Spitzen hervorzaubern. Jabots sind immer beliebt. Grosse Pelerinenkragen, aus Spitzenstoff oder aus Einsätzen zusammengestellt, vorne mit Schleifen gebunden, bieten Wandliinffsmöglichkeiten für ältere und neue Kleider. Auch Hüte aus gestärkten Spitzen werden in Aussicht gestellt, aber das dürfte ein Kapitel sein, mit dem wir uns erst später befassen werden, zusammen mit den gestärkten Rnitzenmanchetton der Sommerhandschulie. Kann noch daran gezweifelt werden, ob die Spitzen modern sind? Saison der grossen Hüte. Schon am Vormittag, zum englischen Trotteur, zum Tailor made, trägt die Pariserin einen errossen Hut. Einen weichen Filz- Mut, der sich über das Gesicht neigt und nur mit einem einfachen Band oder einem Lederriemen geziert ist. Diese Hüte spielen in allen Pastellfarben und harmonieren mit den Blusen und den Plastrons, wenn das Jackenkleid durch seine herbe Farbe der Vorliebe für Pastelltöne nicht entspricht. Man ist aber unausgesetzt bemüht, den Stil der Hüte anmutiger und kapri2iöser zu gestalten, legt beispielsweise um die Krempe eines einfachen Canotiers einen kurzen, dicht mit Rüschen besetzten Schleier, und schmückt die Krempe eines ganz breiten Bretons innen mit einer lichten, grossen Masche, die sich ans Haar schmiegt. Selbst die verhältnismässig kleinen Hüte der Frühlingssaison sind recht breite Oirardis und geben dem Gesicht einen vorteilhaften Rahmen. Um diese Hüte gegen Wind und Wetter festzuhalten, befestigt die mondäne Frau, wie einst als Schulkind, den Hut mit einem Nackengum- /d&m miband. Auf dem weichen Lackhut, der auch mit einer weichen, breiten Krempe und mit einem ganz niedrigen Kopf versehen ist, wird eine «Visitenkarte» aus Bronze befestigt, die den Vornamen der Trägerin verrät. Abergläubische Frauen, deren es so viele gibt, tragen kleine Tafeln mit buddhistischen Inschriften, die in französischer Uebersetzung mahnen : « Ne rien entendre. ne rien voir, ne rien dire.» Oder eine Glückszahl, die magische « Sieben », die verhängnisvolle « Dreizehn», die in blinkenden Metallbuchstaben das Bändchen des eckigen, niedrigen Hutkopfes schmückt. Der grosse, quadratische Hut, der gar nicht gigantisch genug sein kann, wird manchmal auf solche Art gerollt, dass er dem spanischen Priesterhut ähnlich sieht. Die aparte Frau wählt für den Nachmittag den dreieckigen Marquisenhut. Hüte des Hochsommers haben Denn es wird seit Jahren beobachtet, dass die Dimensionen der Hüte mit der zunehmenden Temneratur sichtlich wachsen. Im Juli, zu den le'chten Kleidern, wird man gigantische Räder aus dem so modernen groben Stroh tragen. Zu Imnrimeto"etten schlingt man ein Tüchlein aus dem Material des Kleides um den Kopf und bedeckt es mit einer breiten Strohkremne. Manch? Frauen binden das Tuch so eng um den Kopf, dass man kaum ihre Haarfarbe erraten kann Der bunte Stoff nresst sich an Stirn. ScHöfen und Wanden. mit der Ungeduld, die ihnen auf dem rW Mor^ eigen ist. tragen rüe mondänen Frauen dipse kombinierten H " + e bereits zu den TmprimeWus^n d°s Frühlings, die heute srhon. zum le'chten Fde'ne^naletot. d'e Paste'lfarbpnmod'e zum Siege führen. Frühling im Modereich In den « Kaufleuten > ging zweimal das Modespiel des « Globus > in Szene, begleitet von den Basler Sarkasmen des bekannten Moritz Ruckhaberle, der sich den in der Basler Lokalchronik bekannten Namen * Herr Gluggsi > beigelegt hatte. Zwischendurch tanzte die graziöse Trudi Stössel einen kubanischen Rumba und einen Tanz um 1900 mit viel Ausdruok und Humor. Doch die Mode ist uns hier Hauptsache. Jedes Lebensalter vom Kleinkind an, das eben fest auf den Füsschen steht und in den Frühling hineintrippelt, bis zu all den gesellschaftlichen Anlässen der Grossen war in dieser Modeschau bedacht. Fast dürfte man sagen, der Sport stand in ihrem Mittelpunkt. Nennen wir doch bereits einen grossen Teil der Alltagskleidung « Genre Sport », was sich hier wieder recht vielseitig auswirkte. Zwar die Herren in den karierten Seidenschlafröcken tendierten eher nach Grossvater als nach Champion, dagegen entschädigten sie die Zuschauer durch forsches Auftreten in all den sportlichen Regen- und sonstigen Strassenmänteln, unter denen der neue Knickerbocker aus Shetland hervorsah. Ruhige Farben sind diesem beliebten Anzug eigen, der nach Vorbild der englischen Studenten bei unseren jungen Leuten sich für den Morgen immer mehr durchsetzt. Eine schöne Auswahl gab es davon, wie von den nun auch in helleren Farben gebrachten Cheviotanzügen, die enorm praktisch und kleidsam sind. Dazu Kammga.miflanell in legerem Sommertenue, graue Hose und braune Jacke, gut aufeinander abgestimmt. Die Herren wollen sich im Sommer wenigstens von einer Bürde etwas erleichtern; darum greifen sie zu leinenen Anzügen, wovon einer in Hausmachorleinen gezeigt wurde, wie auch zu leichten Vestons. Die Schnitte haben wenig Aenderung erfahren, Hie Revers sind relativ kurz, scheinen etwas breiter Verschlüsse auf zwei uml drei Knö'pfe sind das Uebliche, seltener erscheint der Zweireiher. Viel Interesse begegnete einem Trikotvcslon, das ebenfalls leicht ist. Als Farben von Slrassenanzügen sind schöne Grau und gedeckte grünliche Töne aktuell. Nachmittags ganz dunkle Vestons, wenn nicht für Gesellschaftszwecko der tresseneingefasste Veston und die gestreifte Hose in Funktion treten. Neben Ulstern sind es wenig anliegende Paletots mit verdeckter Knopfpatte, die recht sommerlich aussehen Feine Kammgarne für nachmittags, Mäntel in schönen englischen Stoffen, und abends natürlich Frack und Smoking in guter Auswahl boton den Herren eine Menge Anregung zu ihrer Toilette, bei der ebenso sehr auf schöne Wäsche, elegante Krawatten Wert gelegt war wie auf passende Handschuhe und entsprechendes Schuhwerk samt den immer v leder beliebten Spazierstöcken. Die weichen mudefarbigen Hüte nicht zu vergessen: Und nun zur Damenmode. Wichtig und neu wirkten manche Sportsachen; bekanntlich schwört die Mode jetzt auf die Shorts. Damit meint sie sowohl den als Trotteurrock ausgebildeten Hosenrock wie auch all die faltigen oder glatten knielangen Hosen, die an Stelle von Tennisröcken treten. Ausgiebig wurden diese Modelle für alle möglichen Zwecke in lustiger Variante und passenden Blusen gezeigt und erregten viel Aufmerksamkeit. Andere Tenniskleider gab es immerhin auch noch in Weiss, die recht sommerlich aussahen. Das Modeprogramm ist weitschichtig, und so kamen denn in bunter Reihe strenge und phantasievolle Tailleurs daher, immer *on einem der wichtigsten heutigen Mnderequisitpn, der Bluse, begleitet, die jetzt gerne getupft oder kariert ist und eine Schmetterlingsscbleifn über den Jackenausschnitt oder auch ein Jabot henintenvirft. Mäntel lieben alle Frauen, wenn sie wieder tinmal pressiert, schnell, schnell in die Stadt laufen oder auf der Reise sind. Für letztere Zwecke ist so ein Kamelhaarmantel doch ein recht, erwünschtes Requisit. Doch wer käme über Hen Sommer weg ohne einen der hellen, herrenmässig geschnittenen Regenmäntel, von denen Ruckhäberle meinte, da brauche es nur einen für Mann und Frau; < er» gehe dann abends damit aus. Nicht auszudenken! Kleine Wollkleider in etwas aufgeworfenen, rauhen oder auch schmiegsamen, angoraartigen Geweben sind jetzt besonders willkommen. Doch schon vormittags ist ein einfaches Imprime nicht zu verachten. Darüber ein dreiviertelslanger Mantel, wenn nicht ein kleiddeckender, beispielsweise einer in den neuen Holztönen, vorgezogen wird. Komplets beherrschen die Mode mit ihren meist nur mit Bindband festgehaltenen, offenen, dreiviertellangen Hüllen, an denen der Aermel allerlei Fassonen, auch viel halblange, annimmt und oft Raglanform besitzt. Im allgemeinen wies die Kollektion viel Plisseansätze an Röcken auf, wie sonstige Plissegarnituren; selbst ausspringende Aermel aus Plisse sind beliebt. Viel Charme liegt in den Druckkleidern, die mit Gekräusel von Rüschen und auch mit Organdiplastrons und andern liebenswürdigen Garnitureinfällen belebt sind. Dazu kommen Unitoiletten in hellen Modetönen, wobei das Vom Laufbitrscheivzum berühmten Bildhauer. Einer der besten schwedischen Bildhauer Anders Jönsson, der neulich seinen 50. Geburtstag gefeiert hat, begann sein Leben als Laufbursche. Als er aus dem Bäckerladen Torten für die Teegesellschaften in Malmö austrug, da mag er wohl noch nicht an die Bildhauerei gedacht haben. Wie er einmal am Ausstellungsfenster einer Zementfabrik vorüberging, gefielen ihm einige der Qipsfiguren so gut, dass er sich gleich eine oder zwei kaufte. Er begann sie in Lehm nachzuformen und war bald von der neuen Liebhaberei so hingerissen, dass er in einer Abendschule Unterricht im Modellieren nahm. Als er Fortschritte gemacht hatte, wandte er sich an die Firma, bei der er die ersten Gipsfiguren gekauft hatte. Er zeigte seine Arbeiten vor und wurde als Lehrling angestellt. Es dauerte aber nicht lange, bis sein Chef erklärte, der Lehrling verstehe ebensoviel wi^e der Meister. Jönsson führte hinfort verschiedene Arbeiten für den Konzern aus. Im Alter von 17 Jahren erhielt er ein Stipendium und reiste nach München, wo der Bildhauer Jobst ihn unterwies und zur Mitarbeit an seinen eigenen Werken heranzog. Nun begann Jönsson auch auf eigene Rechung zu arbeiten und verfertigte einige Büsten und einen kleinen Brunnen. Der letztere wurde in Nürnberg aufgestellt. Hier machte Jönsson auch die Bekanntschaft des grossen schwedischen Bildhauers Milles. Nach der Rückkehr nach Schweden arbeitete Jönsson aufgehellte Saphirblau nicht vergessen wird. Ausser einigen Cocktailtoiletten waren duftige Organdi- Abendkleider und seidene zu sehen mit neuen Ausschnitten, zum Teil .bauschigen Aermeln und langen weiten Röcken. Doch sehr viel der Aufmerksamkeit absorbierten die wirklich kleidsamen, reichlich mit Blumen garnierten Hüte, die die schönsten Stroharten zur Geltung brachten und all die reizvollen, neuen Fassonen, die den Frauen stehen, in vielen Varianten aufleben Hessen. Auch Seidenbandgarnituren kamen dabei zu Wort. Nicht zu vergessen sind die in vielen Exemplaren gezeigten modischen Stulpenhandschuhe, die in grosser Auswahl vorhanden waren. Sie wie die Handtaschen gehören zu den unentbehrlichen Accessoires jeder Toilette. Was der « Globus » in Handtaschen aller Art zu zeigen hatte, war erstaunlich. Ehenso wurden recht hübsche Sommerschuhe, auch sportliche, getragen. Und so bot die Revue von allen Modedingen eine Auswahl. E. Seh. Der Film der Woche einige Zeit mit Milles zusammen. Dann zog er nach Paris, wo er ganze 12 Jahre studierte und arbeitete. Seine Werke wurden in den grossen Salons von Paris ausgestellt. Immer weiter in der Kunst fortschreitend, nahm Jönsson die Gelegenheit wahr, in Ita- X lien die Bildwerke der italienischen Meister zu studieren. Heute kann man die Kunstwerke des einstigen Laufburschen in vielen öffentlichen Gärten in Schweden, in den Kunstgalerien von Paris, in der Schwedischen Nationalgalerie, im Foyer der Stockholmer Oper, im Stockholmer Stadthause und an verschiedenen anderen Stellen bewundern. tia. Ist Pflanzenkost immer die ideale Heilnahrung? Pflanzenkost ist sicherlich in vielen Fällen die gegebene Krankenkost, z. B. bei Fieberkrankheiten. Aber vor gedankenloser oder modischer Verallgemeinerung ist auch hier zu warnen. Es gibt Gesundheitsstörungen, bei denen die Fleischkost entschieden mehr angebracht ist. Dazu gehören manche Herzkrankheiten ; Unregelmässigkeiten im Herzrhythmus, Herzschwäche, die Herzerscheinungen, die sich nach schweren Halsentzündungen einstellen, bedürfen einer bestimmten kräftigen Ernährung, der es an Fleisch nicht fehlen darf. Der Arzt Dr. Kelling berichtet in der «Therapie der Gegenwart » über den Verlauf seines Herzleidens und gibt dort einige Ratschläge, deren Wirksamkeit er an sich selbst ausprobiert hat. Alles, was die internationalen Mode- Zentren an neuen, originellen Ideen hervorgebracht haben, das zeigen wir Ihnen in grosser Vielfalt. Nicht nur Kleider, nicht nur Hüte neuester Richtung liegen in umfassender Auswahl vor. Auch in allen andern Rayons ist der Mode-Frühling eingezogen. Duftige Stoffe, zarte Wäsche, elegante Schuhe und Handschuhe, moderne Pullover und die tausend Kleinigkeiten der Mercerie- Abteilung warten darauf,von modeverständigen Damen gemustert zu werden. Ostern steht vor der Türe. Rüsten Sie rechtzeitig — der Mode- Frühlinghat begonnen.Biü^machen Sie einen Oneniierungsgang durch unser ganzes Haus und vergessen Sie nicht, auch die Schaufenster anzusehen. Zürich, Basel, St. Gallen Ghur, Aarau