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E_1934_Zeitung_Nr.027

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ÄUTOMOBTL-REVUfc

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Bern, Mittwoch, 28. März 1934 III. Blatt der „Automobil-Revue" No. 27 Karfreitag in Locarno Von. Hermann Aulen. Karfreitagmorgen. Gang nach Golgatha, der Welt Erlöser blutend und tot am Kreuz! Wir schreiten mit diesen geheiligten Gefühlen durch grünende Vignen. Blühende Verheissung ist überall an den Bäumen. Vor dem Dorfe Losone leuchtet rot und bräutlich ein Kranz blühender Pfirsichbäume. Christus ist gestorben, auf dass wir lebend werden. Ja, Bejahung des Lebens ist überall um uns, und Ostern, das Fest der Auferstehung, ist übermorgen. Aber sonderbar. In allen Feldern wird gearbeitet. Die Leute sagen, Karfreitagsfeier sei nur am Abend in der Kirche und bei der grossen Prozession, denn der Messias ist nur einer schmerzensreichen Mutler Sohn, aber die Mutter ist mehr. Ich wallfahre durch den milden Tag zur Madonna auf dem Felsen. In der Klosterkirche ist einer, der kniet einsam am Altar und küsst immer wieder mit inniger Andacht die Wundmale an einem liegenden Christus. Die Wirklichkeit ist ihm versunken, erdentrückt ist der Gläubige. Jetzt rechnet er einmal nicht, ist nicht Verstandesmensch; gläubiges Gefühl erfüllt ihn ganz, denke ich, und das ist mir heilig. Ein brauner Kapuziner steckt grosse Kerzen, lautlos schreitet er auf den steinernen Fliessen. Der Abend dämmert herauf, der Berge • Schatten legen sich in die Täler, letztes, seltsam weinrotes Leuchten ist nur noch über dem Gamborogno jenseits am See. Noch erhasche ich mir das Bild des Sees, der sanft und still im Rundbogen des Klosterbogens steht, wie das selige Vergessen. In den Gassen der Stadt rüsten sie sich nun doch zur Feier des Karfreitags. Dunkle Frauen huschen in schwarzen Spitzenschleiern zur Kirche Sant' Antonio. Auf Altanen und Fenstersimsen leuchten Hunderte von Kerzen auf, und an einer Strassenecke strahlt ein mächtiges Kreuz aus elektrischen Birnen. Aus allen Fenstern und Häusern grüsst die kirchliche Gesinnung des Volkes in die Gassen, und der Weg, den die Prozession nimmt wird eine Via triumphalis sein. Einer, der sich besonders auszeichnen will, hat kunstgerecht das ganze Golgatha mit den drei Kreuzen aufgerichtet und beleuchtet. Auf dem weiten Platze drängt sich eine erwartungsvolle, Ach Gott — noch seh' ich die Eilein im Nest! Ich denk' an mein frühestes Osterfest, buntgemische Menge. Alle drei Landessprachen haben da ihre Träger, aber das Darinnen mein Reichtum: drei und zwei. Eine Schachtel mit gelber Aehrensprea, italienische Idiom, im besondern das Locarneser, gebärdet sich am lautesten. Gibfs das noch irgendwo im Land? So, wie meine Mutter Eier band, Wie es ganz dunkel ist, tritt die Prozession aus der schwarzverhängten Kirche. Auch ein bekritzeltes darf nicht fehlen: Betasten, vorwärts und rückwärts zählen; Der Weihrauch schwelt süsslich aus dem «Büblein, bis brav, Eingang, die Kerzen der Männer flackern Das Glück kommt im Schlaf, langsam daher. Voran tragen sie ein mächtiges schweres Kreuz mit den grausigen Wer rechttun kann, ist König und Graf.» Grabtüchern daran. Denen in den rotweissen Mänteln folgen die schneeig weiss gekleideten Mädchen mit Blütenkränzen im offenen Haar. Es ist, als wäre eine liebliche Engleinschar duftig und unschuldzart vom Himmel gestiegen, der Reinheit des gekreuzigten Heilandes, den sie unter einem hohen Baldachin hinterhertragen, eindrucksames Symbol zu sein. In der Düsternis der schwermütigen Prozession sind die weissen Kinder das einzig Helle. Hoch über die Träger ragt, dem vom Kreuze genommenen Christus folgend, die Madonna in goldener Glorie, aufgerichtet auf einem Piedestal. Dazwischen schreiten, nicht so heilig wie die andern und nach losen Streichen sinnend, die Chorknaben mit den glänzenden Weihwasserkesselchen, und jetzt kommen die Frauen mit über dem Betbuch geschlossenen Händen. Die Prozession überschreitet den Kirchenplatz und biegt in die enge Via Sant' Antonio ein; so eng ist sie, dass der Baldachin kaum Durchgang findet. Neben mir stellt jetzt ein Deutschschwei- Oft sah ich Ostern kommen und genn; Liebes und Schweres ist mir gescheh'n. Stiller ward es gemach um mich her, Gute Gefährten grüssen nicht mehr. — Horch — wieder läuten sie Ostern ein, Jugend zieht jubelnd talaus, talein. Oh — auch der Starmatz hat was zu plauschen, Ich möcht' meines Weges und mussdoch lauschen: «Jedes Herze wird neu, Es geht auf den Mai — Von wem bekommst du dein Osterei?...* zer begeistert fest: «Es war sehr eindrucksvoll !> Dagegen kichern auf der andern Seite laute Evastöchter, lachen schon wieder und sagen sich süsse Heimlichkeiten. Aber nebenaus, verloren, einsam, sehe ich einen alten, grauen Mann vornübergebeugt der Prozession nachsinnen, wie einem schönen Traume, der ihm zu früh entschwunden ist. Dreimal Ostern Von Alfred Huggenberger. Ostern ist immer Wmtderzew. Ein Kirschbaum, mit weissem Blust über' schneit. Die Zweie, die auf dem Bänklein sitzen, Wissen die Stunde auszunützen. Ob es der Star im Gezweige schon weiss?... Jetzt kichert er ja nach Spitzbubenweis'! Hat er das Osterei gesehen? Der Schäker mag wohl gar den Spruch verstehen: «Das Eilein war mein, Jetzt ist es dein, Ist blau, wie ein Vergissm'chtmein.» Die grosse Glocke Von Heinrich Zillich. Die Glocken bogen ihre Klänge über meine Kindheit wie ein Wald seine Blätter über junge Sträucher. Das Gymnasium lag neben dem Dom. Der Unterricht begann schon um 7 Uhr morgens, eine Stunde früher musste Früh lingsglaube Die linden Lüfte sind erwacht, Sie säuseln und weben Tag und Nacht, Sie schaffen an allen Enden. 0 frischer Duft, o neuer Klang! Nun, armes Herze, sei nicht bang! Nun mass sich alles, alles wenden. Die Welt wird schöner mit jedem Tag, Man weiss nicht, was noch werden mag, Das Blühen will nicht enden. Es blüht das fernste, tiefste Tal: Nun, armes, Herz, vergiss der Qual! Nun muss sich alles, alles wenden. Ludwig Uhland (1787—1862). ich aus dem Bett. In den Kampf zwischen Schlaf und Pflicht flutete um 6 Uhr das Tagesläuten, die Glockenrufe, die mich umhüllten, in mir widerklangen, wenn ich schlaftrunken in die Kleider fuhr. Zu Mittag jubelten sie dem Schulschluss zu: Freunde beim lärmenden Nachhauselaufen durch die schwirrenden Tauben neben der hallenden, summenden Kirche, dass um meine Ohren, um den ganzen Kopf ein Meer von Tönen schwoll und ich im Brausen und Widerhall selbst wie ein ausgesandter Klang dahinstürmte. Um 3 Uhr nachmittags, wenn der Unterricht wieder begann, schlug es aufs neue an die erzenen Wände hoch im Balkenstuhl, nun traurig — dem Toten zur Ehre, den man begrub. Zögernd gingen wir dem gähnenden Schultor zu. Dann schwangen sie wieder, wenn ein Paar im Dom getraut wurde. Da liefen wir herum und sahen die Hochzeitspferde, weisse Bänder im Geschirr, unruhig scharren, bis jäh die Stille einriss, wenn die Brautleute in die Kirche traten und das Orgelspiel durch das offene Seitentürchen herausklang. In der Dämmerung, nach dem Vesperläuten, war die Ruhe wie ein Echo der Glocken, ein leiseres, aber ein langändauerndes, das in ledern Anschwellen der Schatten nachhallte und selbst noch in dem Auftauchen der Lichter hier und dort in der wartenden Stadt. Feierte man aber ein Fest oder war ein berühmter Mann gestorben, dann begann die grosse Glocke, die beim täglichen Läuten schwieg, ihre dunklen, weitausschwitigenden Töne hinauszuwogen, dass in allen Familien die Fenster aufgingen, jeder sich an den Rahmen lehnte und hinausblickte mit Augen, die ernst und gross wurden über dem stummen Mund. Einer sprach dann: «Die grosse Glocke!» Es war Sehnsucht und 1 Ehrfurcht im der Stimme, die es sagte. In der grossen Glocke waren wir «zu Hause», ihr Ruf war unser aller Leben, in ihr wuchs der Heimat ganze majestätische Bedeutung auf und sang: Ich bin im tiefsten Grund so mächtig und gross, so rein und dunkel, so schön und so erfüllend, wie ich jetzt klinge. Ich flute aus und erneuere mich immer, ich bleibe mir selbst auf den Fersen und verfolge niemand, denn ich bin gut. Ich b i n und bin gut, ich b i n und bin g u t, ich lebe und bin gut, ich bleibe und bin gut. So schwang sie im feierlichen Rhythmus. So klang die grosse Glocke wirklich, so hörten wir sie alle und staunten nicht, dass etwas Lebendiges auch wirklich ganz gut war, denn dieses Lebendige war unser aller vereinigtes Gutsein, das aus der Erde stieg bis hinauf in den Glockenstuhl durch die gewachsene Kirche, unter deren zitterndem Widerklang beim Läuten die Erde auch mitschwang. Mein Grossvater, den keine Träne im harten Schreiten beirrte, sagte einmal, als ihm die grosse Glocke ihren Spruch zurief, sagte in die Atemfülle des Abends über die Dächer der kleinen Stadt hinein, den Tönen zur Antwort: «Ja, das ist wahr!» Ich staunte fassungslos, nicht über den Satz, nein, weil ihn auch er, der Harte, sagen konnte.