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E_1934_Zeitung_Nr.026

E_1934_Zeitung_Nr.026

BERN, Freitag, 23. März 1934 Siebente Salonnummer Nummer 20 Cts. 30. Jahrgang — N° 26 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Ericheint Jeden Dienstag und Freitag Monatlich „Gelbe Liste" Halbjährlich Fr. 5.-, JSbrllcb Fr. 10.—. Im Ausland unter Portozuschlag, •otern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche Betteüung 30 REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Rappen. Postcheck-Rechnung HI/414. Telephon 28.222 Ttlegramm-Adreue: Autorevue, Bern INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 nun hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. Grössere Inserate nach Seitentarif. (nseratcnscMuss 4 Tage vor Erscheinen der Nnnnnern Der motorisierte Weltverkehr Nachdem wir in der gestrigen Nummer äer «Automobil-Revue» die Entwicklung des Weltbestandes an Automobilen skizziert haben, sei im Nachstehenden auf die Verschiebungen der Bestände auf den fünf Kontinenten wie auch in den hauptsächlichsten Staaten hingewiesen. Im allgemeinen lässt sich feststellen, dass namentlich in den Nachkriegsjahren, bis ungefähr zu den Jahren 1929/30, eine scharfe Aufwärtsbewegung der Automobilbestände zu verzeichnen war. Dann setzte teilweise eine rückläufige Bewegung ein, oder es folgte eine kräftige Drosselung der Neueinstellungen von Motorfahrzeugen, wogegen nur wenige proportionalen Eintrittes neuer Kauferschichten entsprechend den Preisreduktionen innewohnen, so dass kaum eine längere Stagnationsperiode zu erwarten ist. Vergleicht man die einzelnen Larrdesbestände miteinander, so sind stets die absoluten und relativen Verhältnisse zu berücksichtigen, denn es brauchen Australien oder Neuseeland mit ihren hohen Quoten durchaus nicht an der Spitze der motorisierten Länder zu marschieren, da deren Ziffern eine Folge der relativ geringen Bevölkerungsdichte sind. Neben dieser Grosse ist die Nachfrage eines Landes nach Automobilen auch durch die Dichte des Eisenbahnnetzes, d.h. überhaupt Landes bewegt sich auch der Automobilbestand in entsprechenden Grenzen, so dass man aus den statistischen Unterlagen mit hoher Wahrscheinlichkeit auf die wirtschaftliche Konstellation des betreffenden Staates Schlüsse ziehen kann. Wenn auch in vielen Ländern die Motorisierungsmöglichkeiten noch keineswegs die Sättigungsgrenze erreicht haben, sondern im Gegenteil noch gewaltige Gebiete erst an der Schwelle des automobilistischen Zeitalters stehen, so ist dennoch darauf hinzuweisen, dass als Funktion der Kaufkraftsenkung für die nächsten Jahre voraussichtlich mit einer weniger ausgesprochenen Aufwärtsbewegung zu rechnen sein wird. Immerhin haben die Automobilfirmen in deii Jahren der Krise eine Produktions- und Preispolitik einzuschlagen verstanden, die trotz wirtschaftlichen Hindernissen dem Automobil weitgehend den Aufstieg erleichterten. Mit dem weitern Vordringen der Volksmodelle kann auch in Zukunft gerechnet werden und, wie bei keinem andern Industrieprodukt, dürfte dem Automobil das bedeutungsvolle Gesetz des Überwegen den bevorstehenden Osterfeiertagen erscheint während der nächsten Woche nur eine Nummer der «Automobil- Revue » und zwar Mittwoch den 28. März, zusammen mit dem « Oster-Autler ». Totentanz. Von K. H. Waggerl. Im Hinblick auf die in den letzten zwei Sa- Ion-Wochen in kürzeren Abständen erschienenen Nummern schalten wir im Folgenden ein Feuilleton ein. Es stammt aus der Feder des den Lesern des « Autler-Feierabend » bereits bekannten hervorragenden Schriftstellers K. H. Waggerl, dessen Bauernromane allgemeines Aufsehen erregten. Waggerl ist der unübertroffene Gestallter der bäuerlichen Seele, der erdverwurzelten primitiven Menschen. Im « Totentanz > entwirft er ein wildes, schönes Bild entfesselter Natur- Instinkte. Den laufenden Roman finden unsere werten Leser diesmal auf Seite 19. Die Red. Das Dorf liegt still und erloschen in der Nacht, ein winziger Herd lebendigen Lebens unter dem reglosen Himmel. Die Häuser stehen eng nebeneinander, mürrisch und voller Gebrechen, das eine vornübergeneigt, das andere mit offenem Türmaul zurückgelehnt, so schlafen sie. Seit Jahrhunderten stehen sie so da, und in jeder Nacht rücken sie sich so zum Schlafe zurecht. Sie sind alt und haben auch keine Beziehung mehr zu den Menschen, die, fast ebenso alt wie sie, gleich Parasiten in ihnen leben. Diese Hütten sind etwas für sich, sie sind die wahren Bewohner des Dorfes. Sie wachsen und zerfallen wie lebende Wesen in der Endlosigkeit ihres Daseins, sie standen in Feuer und Wasser, sie waren von bösen fressenden Krankheiten befallen und wurden wieder gesund. Sie stehen da, der Tod geht aus und ein, er tritt seine Spur in die alten Dielen, aber sie selbst bleiben unzerstört im Wechsel der Jahre. Die Menschen sind ihnen ähnlich geworden. Sie sind alle Tage ihres Lebens gleich alt, finster und ein wenig heimtückisch, wie Staaten eine weitere Vermehrung des Be-durcstandes auszuweisen haben. Im Verhältnis durch die soziale Schichtung der Bevölkerung den Stand der Verkehrstechnik, sowie zur Krisenempfindlichkeit eines speziellen bestimmt. Unter Würdigung dieser recht verschiedenartigen Faktoren lässt sich auch die Bedeutung des Motorfahrzeuges als Verkehrsmittel für die einzelnen Länder feststellen. Die Zusammenhänge zwischen Wohlstand eines Volkes und Motorisierung des Verkehrs gehen auch aus Vergleichen zwischen den Personenwagenbeständen mit solchen von Motorrädern hervor, wobei allerdings mit der Preissenkung für erstere allmählich auch diese Relation nicht mehr durchwegs Gültigkeit beanspruchen kann. Europa. Was nun die Entwicklung in den einzelnen Erdteilen anbetrifft; so ist für Europa eine kräftige Erholung im abgelaufenen Jahr vom Rückschlag des Jahres 1932 charakteristisch, nachdem seit Kriegsende bis zu diesem Jahr eine ununterbrochene Aufwärtsbewegung festzustellen war. Diese Tatsache ist besonders im Vergleich zur nord- und südamerikanischen Bewegung des Automobilbestandes hervorzuheben, indem auf diesem Kontinent mit seinen Riesenbeständen seit 1930 die Tendenz dauernd nach unten gerichtet war. Verfolgen wir nun die Bestandesentwicklung in denjenigen Staaten, die über 10 000 Einheiten zählen, so ergibt sich die Rangordnung, wie sie auf Seite 2 publiziert ist. An der Spitze der europäischen Staaten marschiert Frankreich, das im Jahre 1930 Grossbritannien überflügelte. Als Charakteristikum für dieses Land ist, während der letzten vier Jahre eine ununterbrochene Bestandeszunahme hervorzuheben. Aehnliche Bewegungen haben auch Italien, Schweden, die Schweiz, Norwegen und Luxemburg zu alle, die nichts zu erwaTten haben. Ihre Tage sind kurz, aber sie fliessen in einem einzigen leeren endlosen Tag zusammen. Alle sind gewissennassen einige hundert Jahre alt; wo einer stirbt, stellt sich ein anderer mit gleichem Gesicht, gleichen unfruchtbaren Tugenden und gleichen geheimen Lastern lautlos an seinen Platz. Winter und Sommer vergehen und werden an der Arbeit gemessen, die sie bringen. Das Dorf ist erloschen. Aber am Ende des Dorfes, wo die Strasse befreit und fröhlich in ebene Aecker fliesst, dort steht ein Haus im Fieber. Gegen die Seite des Dorfes steigt es plötzlich schwarz und gewaltig aus dem Boden auf. Aus seinem Innern kommen Rufe, und dazwischen klingen kurze Stücke einer schlichten, freundlichen Weise auf, gleich verwehenden Fetzen eines wirren Traumes. Oben unter dem Dachrand steht ein Fenster offen, aus ihm fallen in gleichen Takten die Schatten bösverschlungener Gestalten auf die Strasse, und wenn sich das Tor auf der anderen Seite öffnet, dann stürzt plötzlich ein Strom trüben Lichtes und verworrenen Lärmes heraus, wie Schmutzwasser, auf die Gasse geschüttet. In diesem Hause wird ein Fest gefeiert. Die Gefesselten sind frei in der Enge dieses Gefängnisses. Tür und Tor stehen offen, Winkel und Gänge sind von Menschen erfüllt. An den Tischen sitzen sie dichgedrängt, Weiber und Männer, sie haben ihre schwarzen Hände vor sich auf den Tisch gelegt, und die Barte der Männer tropfen vom Bier. Dazwischen sitzen die Frauen, breit Land Albaro e . . . . . . Autriche Acores . . . . . . Belgique . . . . . Bulgarie Tchecoslovaquie . . Dantzig. . . . . . Danemark . . . . Esthome Faroe lies Finlande , . . . . France . . . . . . AUemagne . . . . Gibraltar Grande Bretagne . Grece Greenland. . . . . Hollande Honerie Irlande Etat libre d Irlande Italie Lettome Lithuanie Luxembourg. . . . Malte Monaco Irlande du Nord. . Norvege Pologne Portugal . . . . . Roumanie. . . . . Espagne Suede Suisse . . . . . . U. S. S. R. (Russie). Yougoslavie . . . . Total, 1933 . . . . •Total, 1932 . , . . Umfasst nicht alle Gebiete. und reizlos. Sie schwitzen und lächeln und trinken aus den Gläsern der Männer, sie geben Spässe flink zurück, und dabei formen sich ihre Lippen leicht über beklemmenden Worten. In einem Winkel quält sich eine Ziehharmonika mit wehmütigen Akkorden, die den ganzen Lärm wohltuend durchtränken, obgleich sie niemand hören kann. Betrunkene stehen auf, neigen sich über andere, und dann singen sie mit ihren hohen ungebrochenen Stimmen, oder sie streiten miteinander, indem sie sich schwankend an den Rockkragen festhalten, einander die Worte aus dem Munde nehmen und in einem fort dasselbe sagen. Zwischen ihnen kämpft die Kellnerin verzweifelt um ein wenig Sicherheit für die Lasten von Bier und Fleisch, die sie unaufhörlich an die Tische schleppen muss. Auch unter den Türen stehen Leute, immer unter den Türen. Gewöhnlich sind es Paare, die sich Worte zuflüstern. Ein Gewölk von Rauch und Schweissgeruch wogt unter der Decke. In die dunkelste Ecke des Vorhauses mündet eine Treppe. Sie führt durch ein Loch auf den Tanzboden im oberen Stock. Auch dieser Raum ist bedrückend niedrig und düster, die wirbelnde Menschenmenge scheint bis an die Decke zu schlagen. Unter der Tür drängt sich ein Haufen halbwüchsiger Burschen, die mit ihren runden Karpfenaugen und mit feuchten Nasen dumm in den Trubel starren. Zuweilen empfangen sie harte Stösse von den Tanzenden, dann taumeln sie ungeschickt und lachen geschmeichelt. Auch hder lärmt die gleiche schrankenlose, Automobile Touren- Auto- Lastwagen Motor, wagen bnsse räder 872 447 106 319 24 37,294 20,187 1,988 15,119 42,813 787 675 71 41 102 150,000 95,000 — 55,000 45,000 3,500 2,500 — 1,000 500 109,300 75,800 4,000 29,500 45,700 2,535 1,720 45 770 2,200 119,548 84,075 1,200 34,273 27,798 2,937 1,707 182 1,048 900 96 49 — 47 — 32,541 20,571 1,338 10,632 5,050 1,881,885 1,448,118 — 433,767 — 682,376 510,687 11,390 160,299 852,776 600 — — — — 1,701,076 1,210,882 85,500 404,694 541,000 15,000 9,000 1,500 4,500 650 4 _ — _ _ 138,450 87,600 3,850 47,000 34,400 16,880 12,750 — 4,130 10,950 1,550 600 50 900 90 50,816 40,772 829 9,215 5,769 331,967 236,643 • 0,171 86,153 — 3,233 1,775 241 1,217 1,642 1,860 1,200 290 370 1,200 10,350 6,000 150 4,200 3,000 3,015 2,115 - 565 335 340 1,650 1,350 120 180 200 31,450 22,400 1,850 7,200 5,002 58,332 35,070 2,300 20,962 7,052 25,796 — — • — 8,723 32,000 26,000 2,000 4,000 — 35,000 26,000 — 9,000 2,000 155,700 114,500 — 41,200 12,100 136,340 95,000 3,440 37,900 48,000 98,100 76,150 650 21,300 49,400 105,000 — — ->• — 10,945 7,361 700 2,884 3,228 •57857,385 *4,274,704 ' *133,526 *1,449,155 " *l,757,609 5,478,302 *3,908,229 *116,752 ' *l,453,32i ' *2,192,395 verzeichnen. Demgegenüber hat Polen eine Wie sich im abgelaufenen Jahr die ein-ununterbrochenzelnen Motorfahrzeug-Kategorien in den verzuweisen, die in den letzten drei Jahren auch rückläufige Entwicklung aufschiedenen europäischen Staaten entwickelt für Griechenland und Jugoslavien zutrifft. Je haben, geht deutlich aus nebenstehender Zusammenstellung hervor: bestimmten Staates haben die übrigen nach der wirtschaftlichen Konstellation eines Länder innerhalb der Vergleichsperiode, einen schwächeren oder" stärkeren Rückschlag zu melden. Untersucht' man die Bestandesbewegungen in den einzelnen Ländern während der beiden letzten Jahre, so ergibt sich, dass 15 Staaten gegenüber 1932 eine Erholung, 7 eine Verminderung zu verzeichnen haben, während deren zwei ihren Bestand behaupten konnten. Nord- und Südamerika. Der amerikanische Erdteil, der bekanntlich auch die Spitzenstellung unter den Automobilproduzenten der Welt einnimmt, hat naturgemäss auch den grössten Anteil am Weltbestand zu verzeichnen, wobei allerdings die Vereinigten Staaten die übrigen Länder bei weitem übertreffen. Während pro 1932 aber doch keiner Erhebung fähige Fröhlichkeit. Diese Menschen, sonst von der Eintönigkeit ihres Lebens erwürgt, geben sich wie Besessene ihren Instinkten hin, aber sie lärmen nur wie leerlaufende Maschinen. Die Musik erfüllt den Raum mit der gewalttätigen Wucht ihres Taktes, zuweilen schreit die Klarinette schrill und lächerlich dazwischen. Der Mann, der sie bläst, ist ein riesiger, vierschrötiger Kerl, er zwängt sie ohne Erbarmen zwischen seine Finger. Einige von den Tänzern drehen sich schnell und mit gleichmässigen Stössen immer um einen Punkt. Der Boden schwankt leise im Takt der stampfenden Füsse. Dann bricht die Musik plötzlich ab, und die Paare gehen engverschlungen an den Wänden entlang im Kreise. Da entsteht Lärm im Erdgeschoss. Vierzehn Holzknechte sind gekommen, sie finden unten keinen Platz mehr und jetzt steigen sie herauf. Einzeln, mit umgehängten blanken Aexten gehen sie wie Henker durch die Gasse der stummen Gaffer. Es sind gewaltige Kerle unter ihnen, nicht sehr gross, aber breit, braun und voller Kraft. Ihre Schultern sind gewölbt von der Last des eisenbeschlagenen Schlittens, sie haben den Rock lose umgehängt und das kleine Hütchen geziert zurückgeschoben. Ihre Arbeit ist von beispielloser Härte. Sechs oder acht lange Stämme hinter sich, die Füsse fest in die Kufen gestemmt, in Hemdärmeln, die haarige Brust mit Eiskristallen von gefrorenem Schweiss bedeckt, so kommen sie mit der Wucht einer Lawine durch Schläge und Weiden herab. Sie schla-