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E_1934_Zeitung_Nr.031

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Aus d«»n Kantonen Wem

Aus d«»n Kantonen Wem Gott ein Amt gibt... Die alte Redensart behauptet zwar, dass derjenige, der mit einem Amt ausgestattet, auch mit dem nötigen Verstand dotiert werde, allein der Bündner Regierungsrat musste es leider erfahren, dass dem nicht immer so ist. Er berief einen Automobilexperten, bei dem man nicht weiss, was mehr überrascht hat, ob seine Unverfrorenheit, sich für einen solchen Posten überhaupt zu melden, oder seine dürftigen amateurhaften Kenntnisse automobilistischer Angelegenheiten. Es wurde seinerzeit in unseren Spalten bereits von dem Reinfall berichtet, den die hohe Regierung mit ihrem neuesten Schützling erlebte, indem der auserkorene Kandidat, der als dürftigen Ausweis seiner «Experren»-qualitäten eine Lernfahrbewilligung mitbrachte, bei einer Nachprüfung in Zürich jämmerlich durchfiel. Man hätte nun meinen können, dass die ehrwürdigen Standesväter von Alt Fry Rätien wenigstens soviel Rückgrat und magistrale Besonnenheit an den Tag legen wür- den, um die einzig richtige Konsequenz aus dem ganzen Handel zu ziehen. Es gab da nur eine Möglichkeit, und das war, den Mann an einen anderen und seinen Kenntnissen besser angepassten Posten zu versetzen und dann über die sehr blamable Angelegenheit raschmöglichst Gras und recht viel Gras wachsen zu lassen. Wenn aber der Bündner Bürger meinte, er allein habe seinen Gri..., so hat ihm nun bei dieser Gelegenheit die Regierung gezeigt, dass sie nicht nachstehen will. Anstatt sich nach einem wirklichen Experten, in den die Motorfahrzeugführer, die Gerichte, die Berufskollegen aus anderen Kantonen Vertrauen und Achtung haben können, umzusehen, will man sich einfach nicht unterkriegen lassen und schickt diese Jammergestalt eines Pseudo-Experten in eine Zürcher Fachschule, die ihn in einer mehrwöchentlichen Schnellbleiche zum wirklichen Autofachmann aufpäppeln soll ! Wenn es sich nicht um bedauerliche Tatsachen handeln würde, so könnte man glauben, man lese eine nachträglich noch entdeckte Novelle Kellers, die in den köstlichen Band der «Leute von Seldwyla» einzureihen wäre. Dem ist leider nicht sof .Die Bündner Regierung mutet sich und dem Volke und vorab den Motorfahrzeugführenn geradezu demütigende Folgen eines Schwabenstreiches zu, der in der Praxis zu den schwersten Konflikten führen muss. Wie soll ein «Experte» mit einem solch oberflächlichen und absolut ungenügenden theoretischen und praktischen Wissen von der Automobiltechnik ein Berater der Regierung in technischen Verkehrsfragen, wie soll ein solcher Charlatan der Vertrauensmann der Gerichte, wie ein Beamter sein, der die Achtung seiner Mitbürger geniesst? Der Mann mag sich von nun an noch so anstrengen und noch so sehr bestrebt sein, seinen Posten so gut wie möglich auszufüllen, er wird immer mit dem Stigma eines Laien behaftet bleiben. Man sollte es für unmöglich halten, dass im heutigen Zeitalter der Technik und des motorisierten Strassenverkehrs, wo gerade auch in der Schweiz ein Ueberangebot von technisch durchgeschulten Leuten herrscht, der erste beste Laie für einen solchen Vertrauensposten gerade gut genug sein soll. Es wird doch sicher noch Mittel und Wege geben, die Regierung von ihrer völlig verkehrten Berufung zu überzeugen und sie zu einer Korrektur ihrer Wahl veranlassen zu können! Was sagen denn die dortigen Verkehrsverbände dazu? ß Wie wenn sie weit draussen in der Ferne einen Gedanken suchen würde. «Ich glaube, Piet», zögernd setzte sie ein Wort an das andere, «ich glaube... es wäre für uns beide besser... wenn wir wieder nach Parapatan zurückkehren würden... vielleicht ist es die Schwäche der Gewohnheit... die mich zu dieser Antwort verleitet... ich weiss es nicht...» Der Arzt nickte. «Einstweilen gibt es nur eine Lösung», unterbrach er sie. «Ich muss nach Holland und an Ort und Stelle alles erwägen. Die wenigen Worte eines Telegrammes sagen natürlich zu wenig.» Anknüpfend daran setzte er ihr seine Pläne für die nächste Zeit auseinander. Morgen abend reise er ab und werde die Verhandlungen in Amsterdam, Haag und Leyden führen, und gleichzeitig fiel ihm ein, dass sie mitten in der glühenden Sommerzeit stünden; die Flucht aus der Grossstadt sei für sie geradezu ein Bedürfnis, sie möge sich irgendeinen angenehmen Ort wählen, solle ihm dies nach Amsterdam mitteilen, wozu sie sich entschieden habe, er werde sie am Rückweg aufsuchen und ihr seinen Entschluss bringen. Schweigend, mit unbewegter Miene, hörte ihm Frau Enid zu. Fragend sah sie ihr Mann an. Sie zuckte zusammen. «Ja, Piet.» Befriedigt erhob sich der Professor. «Und du, Piet... könntest du dich nicht Auto Jute als Strassenbelag. Nach eingehendem Studium aller neueren Strassenbaumethoden hat die Kurgemeinde Oybin mit dem Kurort Hain in Verbindung mit der Gesellschaft für neuzeitlichen Strassenbau in Leipzig und dem Staatlichen Strassenbauamt beschlossen, die erste Strassen- Versuchsstrecke mit elastischer Jute-Einlage zu errichten. Auf dieser Versuchsstrecke, die in einem Teil nach dem neuen Verfahren bereits hergerichtet ist, spielt sich der wichtigste Durchgangsverkehr ab. Ein neuzeitliches Strassenteerpräparat wird heiss aufgetragen und in diesen Auftrag das Jutegewebe in nebeneinanderliegenden Bahnen verlegt. Die Jutebahnen werden mit ihren Rändern aufgeklappt verlegt, um eine vollkommene Gewebedecke zu erzielen. Auf das Jutegewebe wird eine weitere Schicht Teerpräparat aufgebracht, die ganze Strassenbreite mit Feingrus bedeckt und die Strasse dann eingewalzt. Die eingebrachte Jutegewebedecke wirkt als eine grosse Membrane der Strassendecke. Die nördlichste Autostrasse der Welt. Die nördlichste, regelmässig befahrene Autostrasse der Welt mit planmässigen Autobus-Verbindungen führt in einer Entfernung von 200 km vom Polarkreis von Kiruna an der Lapplandbahn tief nach Lappland hinein zum Lappenschulort Jukkasjärvi. Die Strasse befindet sich in der Regel in gutem, befahrbarem Zustand. Durch Schneepflüge wird die Strasse für den Automobilverkehr, insbesondere für die regelmässig verkehrenden Autobusse, freigehalten. Argentiniens Strassenbaubudget. Für die Jahre 1934 und 1935 sollen für den Strassenneubau 177 Mill. und 15 Mill. Pesos für den Strassenunterha.lt ausgegeben werden. Da auch die südamerikanischen Staaten unter der Krise zu leiden haben, so bezweckt dieser Betrag in erster Linie 70,000 Arbeitslose zu beschäftigen. Oesterreichs Strassenbauaufwendungen. . Für das lauf ende Jahr sind Aufwendungen, für den Bundesstrassenbau in Höhe von 24,1 Mill. Schilling vorgesehen. Diese Summe ermöglicht, bis zum Herbst rund 19,000 Arbeiter zu beschäftigen. (»•»«»nzve»!««»!** Aufhebung der Automobilsteuer für ausländische Fahrer in Deutschland. Wie das Reiehsfinanzministerium mitteilt sind private Personenautos, die im Ausland beheimatet entschliessen, auf dem Rückwege... einige Zeit bei mir zu verbringen... du bedarfst doch auch der Erholung.» Da lachte er. Zu einem Urlaub habe er noch nie Zeit gefunden. Er arbeite mit Dr. Heckmann an der Frage des Neutrachinins, wovon er ihr schon viel erzählt, eine Arbeit, die er unmöglich unterbrechen könne. Undenkbar! Sie möge in Ruhe überlegen, wo sie ihren Sommeraufenthalt wählen werde. Er überlasse es ganz ihr. Sie dachte einen Augenblick nach. Wie er davon denke, wenn sie ihm nachkäme und nach Scheveningen ginge? Mit Begeisterung ging er darauf ein. Sie möge gleich mit ihm reisen. Erschreckt fuhr sie zusammen. Nein, nein! Man könne von keiner Frau verlangen, in wenigen Stunden reisebereit zu sein und ihr Haus im Stich zu lassen. Sie werde es, wie besprochen, durchführen. Ihr Mann möge sich nun nicht stören lassen und zur Ruhe gehen. Einstweilen sei ja alles zwischen ihnen klar. Sie selbst habe noch kein Bedürfnis nach Schlaf. Schweigend folgten ihm ihre Blicke, bis er nach der Türklinke griff. Wie unter einem plötzlichen Entschluss raffte sie sich auf. «Piet?» Der Arzt wandte sich nach ihr um. Jeder Blutstropfen schien aus ihrem Gesicht gewichen. Er sah es nicht. «Hältst du es für möglich», sie stockte einen Augenblick, «dass wir Wien unter Umständen gleich verlassen?» Er zuckte die Achseln. AUTOMOBIL-REVUE 1934 - N° 31 istischer Alter schützt vor — Autosport nicht.« Aus Amerika kommt eine eigenartige Meldung. Der Autosportveteran Ralph de la sind und sich nicht länger als drei Monate in Deutschland aufhalten, für die Dauer ihres Aufenthaltes vollständig steuerfrei. Dabei ist es vollständig gleichgültig, ob der Staat, in dem das nach Deutschland gelangende Fahrzeug beheimatet ist, den deutschen Fahrzeugen irgendwelche steuerliche Vergünstigungen gewährt. Die Vergünstigung für die nach Deutschland kommenden Fahrzeuge ist von keinerlei Gegenseitigkeit abhängig. Der steuerfreie inländische Aufenthalt kann sich beliebig oft wiederholen. Die Hauptsache ist, dass die Dauer des Aufenthaltes in Deutschland im Einzelfall drei Monate nicht überschreitet. Ausgenommen von dier Steuerbefreiung sind solche Personenautos, die der entgeltlichen Beförderung von Personen dienen (z.B. Taxameter, Mietautos, Omnibusse) und Autos, die zur Beförderung von Gütern verwendet werden, wie- Lieferautos, Lastwagen usw . Für diese gelten die gleichen Bestimmungen wie bisher. Wenn auch diese Verordnung der Schweiz nicht wesentlich neue Vorteile einträgt — denn auf Grund eines Sonderabkommens genossen schweizerische Fahrzeuge in Deutschland bereits vierzehntägige Steuerfreiheit — so bedeutet sie doch im Interesse des internationalen Automobilismus einen neuen Fortschritt. Damit hat sich in Deutschland eine Erkenntnis durchgesetzt, die in der Schweiz auch teilweise platzgegriffen hat, nämlich diass die Einkünfte aus Verkehrserschwerungen in keinem Verhältnis zum Ausfall an Fremdenverkehr stehen, der dadurch verursacht wird. lz. Die achte Mille Miglia ist trotz allem zu einem grandiosen Erfolg geworden. Trotz allem! Man wollte sich vor dem Rennen keinerlei Illusionen mehr hingeben und glaubte annehmen zu müssen, die Glanzzeiten dieser klassischen Veranstaltung wären Palma, der im Jahre 1905 — also zur An-endgültifangszeit des Autosportes — den ersten sich für das Rennen vom Sonntag gemeldet, vorüber. Nur 63 Fahrer hatten Grossen Preis von Indianapolis auf einem eine Zahl, die sich gegenüber den 150 Equipen vor zwfti und drei Jahren gewiss recht Mercedes-Benz gewann.wird dieses Jahr erneut bei diesem grössten amerikanischen bescheiden ausnimmt. Die Nutzfahrzeuge, Rennen starten. Der Mann steht heute im weniger interessant vom sportlichen als vom 51. Altersjahre! technischen Standpunkt aus, waren nicht Vom Rekordflieger zum Rennfahrer. mehr vertreten, sondern bleiben für die erste Beim 24-Stundenrennen von Le Mans wird Italien-Rundfahrt vom kommenden Mai reserviert, die als neue Riesenmanifestation ein berühmter Rekordflieger erstmals sein Debüt als Rennfahrer geben. Gustave Lemoine, der Inhaber des Höhenweltrekordes Miglia völlig in den Schatten zu des italienischen Automobilismus die Mille stellen von 13,661 Meter wird zusammen mit demdrohte. Das alles waren keine sehr erfreulichen Aussichten für das Rennen von Bre- bekannten Fahrer Roger Labric eine Equipe bilden, um das klassische Langstreckenrennen zu bestreiten. stunden des Sonntags aus einem dichtverscia. Und als dann in den ersten Morgenhängten Himmel noch der Regen zu fallen Reger Automobilverkehr an der Muba. begann, schien das Schicksal der Mille Miglia 1934 besiegelt zu sein. Am letzten Sonntag fuhren von früh bis spät ununterbrochen Autos, Busse und Motorräder auf allen Zufahrtsstrassen nach der Und trotz allem gestaltete sich das Rennen zum grössten Erfolg seit seinem Beste- Messestadt, so dass Basel einen Automobilverkehr zu verzeichnen hatte, wie er in diesem Umfange kaum je konstatiert werden wurde in diesem Jahre am erbittertsten gehen ! Allem Schwierigkeiten zum Trotz« konnte. Die Verkehrsabteilung des Polizeiinspektorates hat in vorbildlicher Weise rings es sportlich auf nie erreichter Stufe! Das kämpft, allen Hemmnissen zum Trotze stand um die Ausstellungshallen für Parkierungsmöglichkeiten Vorsorge getroffen. volari, sobald Borzacchini und von Brau- war kein Rennen mehr wie 1933, da ein Nuchitsch als die einzigen gefährlichen Leute Dänemark nimmt Automobilproduktion auf. Mit einem vorläufigen Kapital von 3 Mill. im Strassengraben lagen, den Sieg gewissermassen im Bummeltempo sichern und es sich Kronen wurde kürzlich die Dansk Automobilfabrik A. S. gegründet zwecks Aufnahme der selbst leisten konnte, den bestehenden Rekord unangetastet zu lassen. Nein, diesmal Produktion von Personen- und Lastwagen. Damit hat Dänemark der Tendenz entsprochen, auch in jenen Staaten eine nationale gleich von Brescia an, zuerst noch verhalten ging der Kampf bis aufs Messer. Er tobte Automobilindustrie aufzuziehen, die bis anhin und nur leicht spürbar, dann von Rom an zu* einen solchen Industriezweig nicht beherbergtensten Rennfahrern Varzi und Nuvolari auflau- einem grossartigen Duell zwischen den befend. Noch in Bologna, das von Ancona her Neue Wege in der Autofinanzierung. zum zweiten Mal berührt wurde, war kein Eine führende deutsche Automobilfirma Ende abzusehen, und erst «höhere Gewalten > haben dann, wie noch ausgeführt wer- soll beabsichtigen, die Finanzierung des Automobilkaufs in dem Sinne zu erleichtern, den soll, den Kampf entschieden. Ob in d«r als die Anzahlung auf ein Mindestmass beschränkt und die Höhe der Monatsquoten so grossen Klasse oder in der kleinsten: diesmal wurde keine Spazierfahrt geduldet. Nur bemessen wird, dass sie dem Einkommen der entschlossene Elan, der Siegeswiie, die weitester Schichten angepasst sind. Diese grosszügige Gruppenfinanzierung dürfte zunächst für Werkangehörige grösserer indu- Ausdauer der Fahrer und die Kraft der Maschinen galten. Ueber die unendlichen Flächen der Poebene, über den Apennin, durch strieller Betriebe geplant sein. die Toscana, vom Tyrrhenischen zum Adriatischen Meer, hinauf bis gegen die Alpenkette rasten die Maschinen, 1600 km in einem «Es kann natürlich möglich sein.» Die Türe fiel ins Schloss. Sie war allein. Das Kinn in den Händen aufgestützt, sass sie regungslos mit geschlossenen Augen. Sie war mit ihren Gedanken allein. Das Ticken der Uhr am Kamin schmerzte sie. Lange währte es, bis sie sich schwerfällig erhob. Mit einer müden Bewegung griffen ihre Hände nach der Stirne und strichen die Haare zurück, wie wenn sie ihre Gedanken wegwischen wolle. Sie hatte den Wink des Schicksals verstanden. Sie hatte in sich gesiegt. Es musste sein. Noch einmal wollte sie Jul sehen... noch ein einziges Mal... noch einmal wollte sie ihm in die Augen sehen... das goldene Lachen seiner Jugend hören... die Zärtlichkeit seiner Worte trinken... die unausgesprochenen Gedanken seiner Anbetung empfinden... um ihm für immer die Hand zum Abschied zu reichen... ohne dass er es ahne. Am nächsten Tag werde sie nach Scheveningen reisen und nicht mehr nach Wien zurückkehren. Mit einigen Zeilen werde sie Jul anfangs trösten... bis es für sie kein Zurück gebe. Wie in einem inneren Entsetzen vergrub sie das Gesicht in den Händen. Leise öffnete sie einen schmalen Spalt der Türe zum Schlafzimmer ihres Mannes. Ruhig atmend schlief er. Am Abend des nächsten Tages brachte sie ihren Mann zur Bahn. Alles war besprochen. SpoHliches Mille Miglia In der Retrospektive einzigen ungeheuren Lauf* und erst wenige hundert Kilometer vor dem Ziel konnte man auf den voraussichtlichen Sieger tippen. Das war ein Rennen, wie es sein soll. Das Duell Varzi-Nuvolari. Varzi — Nuvolari! In diesen beiden Namen liegt der Erfolg der achten Mille Miglia beschlossen. Zum erstenmal seit 1930 trafen sich die beiden besten Italiener — und man darf ruhig sagen, die besten Europäer — auf gleichen Maschinen* Manche Rechnung galt es miteinander bei dieser Mille Miglia abzuschliessen. Würde sich Nuvolari ein weiteres Mal in die Siegerliste des Tausend- Meiilen-Rennens eintragen, oder würde Varzi, der darauf brannte, hier einmal Erster zu werden, das grosse Glück erblühen ? Beide wussten : es erinsr um ein Pingen bis aufs Letzte, und halb Italien stand und sah sich die einzelnen Episoden dieser grandiosen Wo- er telephonisch zu erreichen sei, wisse sie, sie möge sich keinen überflüssigen Tag in der erstickenden Sommerglut der Stadt aufhalten und ihn telegraphisch wissen lassen, zu welchem Aufenthalte sie sich entschlossen habe. Damit er ihr Nachrichten zukommen lasse, oder sich am Rückwege bei ihr aufhalte, um ihr zu berichten. Er wäre vor allem mit einem Zusammentreffen in Scheveningen einverstanden. Ein gellender Pfiff schnitt durch die russige Bahnhofshalle. Langsam rollte der Zug an. Mit einem liebevollen Lächeln reichte er ihr durch das Fenster die Hand. «Auf Wiedersehen, Enid. Beinahe hätte ich vergessen, dir zu sagen, wenn ich mich für Parapatan entscheide, dann nehme ich Doktor Heckmann mit. Auf Wiedersehen, Enid.» Sie stand wie erstarrt. Bis sie sich erinnerte, dass sie sich von ihrem Manne verabschiede. Sie hob ihre Hand und winkte mit einer mechanischen Bewegung... und so stand sie noch immer winkend, während die roten Schlusslichter des Zuges schon im Dunkel der Nacht verschwunden waren und die Menschen um sie zurückströmten. Jemand neben ihr lachte bei ihrem Anblick auf. Sie zuckte zusammen und Hess die Hand sinken. Wie in einer Betäubung befangen fand sie sich daheim wieder. (Fortsetzung folgt.)

N" 31 — 1934 AUTOMOBIL-REVUE 3 Auseinandersetzung an. Beide haben sich gegen die letztes Jahr siegreiche M.G.- Grosser Preis der Schweiz wo diese «Bergpassage» glänzend zu fiberblicken ist. Das kurvenreiche Gefälle gegen grossartig geschlagen, mit einer echt ritterlichen Art, die keine Unsauberkeiten zuliess. dige Wagen zeigte geradezu Unerhörtes und für Automobile. die Eymatt hinab wird waldseits stark ver- Equipe den Kampf aufnahm. Der kleine wen- Von allem Anfang an hatte Varzi gegenüber Nuvolari einen leichten Vorteil. Der Mille Miglia bewundert. Man denke: dieses Voraussetzung eines schnellen und somit wird heute als die technische Sensation der Der Ausbau der Rundstrecke. breitert; dabei werden zugleich die Kurven, Scuderia-Fahrer startete vier Minuten nach 1100 ccm-Wägelchen erzielte einen um zwei interessanten, dabei aber möglichst für Fahrer und Zuschauer gefahrlosen Rennens ist Bremgartenwald hinauf, nach Möglichkeit ge- Gegensteigung der Wohlenstrasse durch den dem Mantuaner, Seine Taktik war. wie sich km/St, besseren Gesamtdurchschnitt als vor voraussehen Hess, dicht bis an Nuvoflari heran aufzulaufen, um diesen sodann am Anracciota auf seinem siebenlitrigen Mercedes ! Rundstrecke erfüllt nun in dieser Hinsicht ser Bergabfahrt, und in der scharfen Kurve zwei Jahren der Rekordsieger Rudolf *Ca- immer eine gut ausgebaute Piste. Die Berner streckt. In der Eymatten, am Ausgang diefang stets im Auge zu halten. So fand sich Bis Bologna war Taruffi Zweiter, denn Lord Nuvolari in einer ihm sehr peinlichen Weise Howe hatte seinen M.G. mit derartigem Elan kontrolliert. In der Nähe von Bologna hatte über die Etappe getrieben, dass er an der Varzi sein Opfer erreicht, kurz nachher zog Spitze die erste Kontrolle erreichte. Doch er auch schon an Nuvolari vorbei, dessen bald nachher machte der diesmal sehr entschlossene Engländer Bekanntschaft mit einer Aktionsfähigkeit dwch den Regen sehr stark gelähmt wurde. Varzi hatte besondere Pneus Telegraphenstange. Die wilde Jagd wurde aufmontiert, die eine gute Strassenhältung von da an immer von dem kleinen Maserati auch auf verregneten Strassen garantierte, Taruiffis angeführt, der im Gesamtklassement während Nuvolari sehr schwer mit dervor vielen grossen Maschinen an fünfter Schleudergefahr kämpfen musste. So kam Stelle rangiert. Das ist eine ganz grossartige Varzi, früher als er es geahnt hatte, an seinem Gegner vorbei. Erst nach Florenz bes- Die Pechvögel. Leistung! serte sich die Situation für Nuvolari. Der Rabenschwarzes Pech hat die Schweizer Regen hatte aufgehört zu fallen und die Equipe heimgesucht, die beste ausländische Strassen wurden langsam trocken. Nun Mannschaft der diesjährigen Mille Miglia. schraubte der Mantuaner voll auf. Auch (Auch wenn — unbegreiflicherweise — dieser Ehrenpreis Lord Howe zuerkannt wird.) Varzi nützte die Gelegenheit aus und verteidigte mit Erfolg seinen überraschend Bis Rom waren die Schweizer stets im Vordertreffen gewesen, im steten Verein mit schnell erkämpften Vorsprung. In Rom lief er noch vier Minuten vor Nuvolari ein. Die Nuvolari, Varzi, Tadini, Ghersi, Bonetto und Ersten auf dieser ganzen Strecke waren indessen Tadini-Barbieri (Scuderia Ferrari), Streckenkenntnis trotz allen guten Willens Chiron (der übrigens wegen schlechter doch konnte mit aller Sicherheit geredinet nie gefährlich werden konnte). Nach Rom, werden, dass dieser Augenblickserfolg auf das Rüesch .und Mag, wie schon gemeldet, der zweiten Hälfte der Route rasch verblassen werde. Was dann auch geschah! Varzi loslegen ; doch aus der ganzen Geschichte als Vierte erreichten, wollten sie erst recht und Nuvolari waren mit Absicht nicht allzu wurde leider nichts. Ghersis Maschine legte alle Ansprüche. Mit ihren 7,280 km hat sieder Eymatt, sind Sitzplätze vorgesehen. Die stürmisch geworden. sich den Zürchern in den Weg, so dass sie die richtige Länge, um im Rennverlauf keine Nach Rom setzte die Jagd mit aliler Energie ein. Nun galt es, die Gebirgsstrecken bis und sich dabei leicht verletzten. In Italien direkt in die Flanke des Wagens schössen langweilenden Lücken aufkommen zu lassen. Sie ist mit Geraden, Kurven, Gefällen und an die Ostküste des Landes hinüber zu bewältigen. Schon gegen Terni zu rückte Nunen unserer jungen Landsleute, die wahrhaft steht man voller Hochachtung vor dem Kön- Steigungen wechselreich gespickt, so dass die Fahrer ihre ganze taktische Kunst im volari immer näher an Varzi heran, und als ein besseres Schicksal verdient hätten. Gangwechsel und in der Ausnützung der er in Terni selbst rascher zu tanken vermochte, lag er nur noch zwei Minuten im wähnt, auch Earl Howe und Thomas bei Einen ernsteren Unfall erlitten, wie er- Tempomögllichkeiten spielen lassen können. mehrere Meter breiter; die sichthindernden Gegenwärtig wird die Strecke, wo sie es Böschungen sind schon jetzt stark zurückgeschnitten. Die Telephonleitungen werden Rückstand. Varzi antwortete auf diesen An- Pratolino vor Florenz. Sie konnten sich wegen des strömenden Regens einen Augen- noch nötig hat, auf mindestens 8 Meter verbreitert. Ideal ist das gepflasterte Strassen- auf der ganzen Route in Kabel verlegt. /^.iff ebenfalls mit verstärkten Tempi und hatte in Perugia wieder 3 Minuten Vorsprung. Doch als er in Fabriano zum Tanken prallten an eine Telegraphenstange. Earl Hoblick lang nicht mehr genau orientieren und stück vom Forsthaus längs dem Bremgartenwald bis eingangs Bethlehem. Hier werden, mobilpreis der Schweiz in Bern sind abträg- Diese Vorbereitungen zum Grossen Atito- ziemlich lange Zeit benötigte, schwand die we erlitt leichte Verletzungen und wird in trotz drei leichten Kurven, die Meister des liche Arbeitslosenfürsorge; auf der Rundstrecke haben fünf Firmen zwei Monate Ar- Distanz bis auf eine Minute dahin. Der Mantuaner legte mit immer höllischeren Durchlassen können. Auch die Mannschaft Gramo- 8 Tagen das Spital in Florenz wieder ver- Volants mit Vollgas vorübersausen. Bethlehem wird durch eine neue Strasse, die mit beit für rund 130 Mann«. Für die Fundierung, schnitten los, und das gerade in einem Augenblick, als sich an der Maschine von Varzi Mitten in der Stadt kamen sie ins Schleulelli-Toü (Alfa Romeo) hatte Pech in Florenz. Gefälle und Steigung durch die Kiesgrube die Betonarbeiten und die Eisenkonstruktion Messerli führt, umgangen; diese Vorsichtsmassnahme schafft zugleich oberhalb der eine Kupplungsstörung zeigte. In Ancona, dern, rissen zwei kleine Bäume um und trafen einen 45jährigen Mann, der mit ernsthaf- dem Endpunkt der schwierigen grossen Kiesgrube die schönsten Logenplätze, von Etappe von Rom aus, lagen die Zwei nur 20 ten Verletzungen ins Sraital transportiert Sekunden voneinander getrennt fast auf gleicher Höhe Und nun hatte sich das Duell auf den folgenden schnellen Geraden zu entscheiden- Nuvolari gab seine letzten Reserven her und raste mit Durchschnitten von 140 km/St, dahin. Er hatte bereits in Ancona getankt, während Varzi nach Rimini einen Vorderradpneu wechseln und dann in Imola tanken musste. So verlor der Scuderia Ferrarifahrer seinen A*nzen Vorsprung. Er lag nun mit 2 Minuten •Zurück. In Imola befanden sich der Leiter der Scuderia, Enzo Ferrari, und das technische Oberhaupt des Rennstalles. Ingenieur Bazzi. Beide informierten Varzi über die Situation und veranlassten ihn zur Verwendung neuer Kerzen, die sich für die auf den geraden Strecken zu erwartenden höheren Motortourenzahlen besser eigneten. Da der Regen ebenfalls wieder zu fallen begann, Die Durchschnitte. wurden in Eile alle vier Räder gewechselt Sehr aulschlussreich sind die Feststellun- und Spezialpneus mit besonderen Qleitschutzproifilen montiert. Varzi hatte 4 Minuten verloren — mit andern Worten aber: er hatte WESHALB BREMSBELAG das Rennen gewonnen! Er besass nun trotz der glitschigen Strassen die Möglichkeit, alles aus der Maschine mULTIBESTOS? herauszuholen, während Nuvolari mit seinen "I, Well für Jedes Bremssystem die richtige Pneus aufs neue gelähmt war und mit grösster Vorsicht fahren musste. Schon in Padua 2. Weil erst damit Ihre Bremsen zur vollen Materialsorte lieferbar ist. war er wieder überholt, und diesmal ohne Wirkung gelangen. Hoffnung in den Hintergrund gedrängt. Als 3. Weil die Abnützung gering und die Preise sich die beiden Gegner auf der neuen, langen vernünftig sind. Brücke nach Venedig begegneten, hoben sie 4. Well wir auf diesem Gebiete die grSsste gegenseitig die Hand zum Gruss: ritterliche Erfahrung haben. Kämpfer, trotz der Schärfe des Duells. Varzi hatte bereits 5 km Vorsprung und raste mit Fragen Sie Ihren Garagisten oder ans direkt. vollen Geschwindigkeiten in die Nacht hinein, Brescia — dem Sieg — entgegen. Nu- mit eigener Werkstätte. Lieferung nur durch Garagen und an Firmen volari traf beim Ziel 8 Minuten später ein. Seine einzige Erklärung lautete: «Mit Pneus, die den nassen Strassen nicht besonders angepasst sind), kann man nicht kämrafen.» Und Brems« und Kupplungsbeläge für dann verschwand er still. Der Ausgang der Automobile, Lastwagen, Krane, Mille Miglia wurde also durch eine univorhergesehene Situation entschieden, und man R9