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E_1934_Zeitung_Nr.032

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BERN, Dienstag, 17. April 1934 Nummer 20 Cts. 30. Jahrgang - N» 32 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint Jeden Dienstag und Vreltaf Monatlich „Gelbe Uite" HaWjährllcn Fr. 5.-, Jährlich Fr. 10.-. Im Ausland unter Portozuschlag, •efern nicht postamtlieh bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung 30 REDAKTION n. ADMINISTRATION: Breitcnrainstr. 97. Bern Rappen, Posteheck-Rechnuna II1/414. Telephon 2&222 Telesramm-Adresaet Avtorara«, Bern INSERTIONS-PREIS: Die aehtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. GrSsser* Inserate nach Seitentarif. Inseratensehlass 4 Tage vor Erscheinen der Nummern Dienst der Motorwagentruppe Seit dem Weltkrieg ist der Motorwagendienst in den Armeen aller zivilisierten Länder zu einem Dienstzweis von grossor Bedeutung geworden. Immer stärker zeigt sich das Bestreben, die Armeen weitgehend zu motorisieren, stellt die Motorisierung doch einen der wirksamsten Faktoren zur Hebung der Schlagkraft dar. Die schweizerische Armee hat um so weniger Anlass, von einer solchen Motorisierung zurückzustehen, als sie einerseits in der Lage ist, über eine verhältnismässig hohe Zahl kriegsbrauchbarer Motorfahrzeuge zu verfügen und andererseits mit Rück- solche sicht auf den bescheidenen Mannschaftsbestand in vermehrtem Mass der technischen Hilfsmittel bedarf. Aus ganz kleinem Rahmen heraus hat sich die Motorwagentruppe unserer Armee zu einer Waffengattung entwickelt, die andere Waffengattungen an Mannschaftsbestand bereits stark überflügelt. Die Entwicklung geht im gleichen Sinne weiter. Die in Vorbereitung befindliche neue Truppenordnung sieht wiederum verstärkten Einsatz von Motorfahrzeugen vor. Aus einer v Hilfstruppe ist die Motorwagentruppe zu einer Instanz geworden, von der die Wirkungsmöglichkeit mancher anderen Waffengattung von vornherein abhängt. Hinsichtlich Ausbildung und Material steht der Motorwagendienst unserer Armee hinter den entsprechenden Dienstzweigen der uns umgebenden Grossmächte in keiner Weise zurück. Trotz beschränkter Ausbildungszeit und.Mittel kann er als vorbildlich bezeichnet werden. In Bern trat am letzten Sonntag die 1932 gegründete Gesellschaft der Motorfahreroffiziere zu ihrer ordentlichen Generalversammlung zusammen. Die Versammlung war zum erstenmal mit einem Dienstrapport verbünden, der die Mitteilung von Beobachtungen und Neuerungen, den Austausch von. Erfahrungen und die gegenseitige Fühlungnahme zum Zweck hatte. Ueber 200 Motorfahreroffiziere nahmen an der Tagung teil. Der Dienstrapport wurde durch einen Vortrag des Chefs des Motorwagendienstes, Herrn Oberst I. G. Labhart, über «Dienst der Motorwagentruppe», eingeleitet, den wir nachfolgend auszugsweise wiedergeben. In meinen Ausführungen knüpfe ich an \ die bis zum Jahre 1929 herausgegebenen ^Jahresberichte über den Dienst der Motorwagentruppe an, die später, da der Dienst immer festere Formen annahm und in ruhigeres und ausgeglicheneres Geleise kam, nicht mehr erstellt wurden. Ich stelle vor allem fest, dass es der Motorwagentruppe seit der kurzen Zeit ihres Bestehens — es sind nur zehn Jahre seit der definitiven Organisation her — gelungen ist, eine achtbare Stellung unter den übrigen Waffen einzunehmen. Das ist in erster Linie der Organisation, dann der guten Ausbildung der Kader und Mannschaften in den Instruktionskursen und nicht zuletzt dem im allgemeinen vom guten Willen beselten Offizierskorps zuzuschreiben. Wenn vereinzelt noch abschätzende Urteile über unsere Waffe auftreten, so zeigt das nur, dass ihre Urheber vom Wesen unserer Armee wenig verstehen. Durch Urteile richten sich die Kritiker selbst. Die Hauptsache ist, dass jeder seine Pflicht als Soldat gewissenhaft erfüllt; dann werden auch diese nicht ernst zu nehmenden Stimmen verstummen. Organisatorische Aenderungen. Die Motorwagentruppe hat heute einen Bestand von rund 10 000 Mann. Gegenüber der bisherigen Truppenordnung wurden die Motorradfahrer, die zur Infanterie gehörten, im Jahre 1930 der Motorwagentruppe zur Ausbildung und Administration zugeteilt. Das war wegen einheitlicher Ausbildung, aber auch wegen der Einberufung in die Wiederholungskurse absolut notwendig. Um gerade bei den Motorradfahrern zu verbleiben, möchte ich diese Truppe, in einer Richtung als mein Sorgenkind bezeichnen. Vom eidg. Militärdepartement wurde den Motorradfahrern die Vergünstigung gewährt, in die Wiederholungskurse mit eigenen Motorrädern einzurücken. Zu den Motorradfahrern werden ebenfalls nur Leute rekrutiert, die zur Zeit der Aushebung im Besitze eines eigenen Rades sind. Wie verhält es sich aber mit der Stellung dieser Räder in den Wiederholungskursen? Im Jahre 1933 wurden insgesamt 280 Mann aufgeboten. Von diesen rückten nur 110, also nicht ganz 40 Prozent, mit Rädern ein, wobei noch fraglich bleibt, ob die gestellten Räder alle eigene waren. Kürzlich machten wir bei allen Motorradfahrern eine Umfrage über den Besitz eigener Maschinen. Das Ergebnis war, dass nur 54 Prozent Motorradfahrer eigene Räder besitzen und demgemäss die anderen 46 Prozent fahrunsicher in die Wiederholungskurse einrücken. Das Motorrad ist bei den jungen Leuten vornehmlich Sportmaschine. Es wird angeschafft, wenn der junge Mann 18 oder 20 Jahre zählt. Das geht ein paar Jahre. Vielleicht gehen dann die Mittel aus, der Beruf wird geändert, Heirat, vielleicht reicht es zu einem kleinen Wagen. Kurzum, wir haben mit der Tatsache zu rechnen, dass nach einigen Jahren die Verhältnisse gewechselt haben. Auch Subventionen auf den Ankauf der Räder oder ein Steuererlass würden in solchen Fällen wenig nützen. Ein Vergleich mit den Kavalleriepferden geht nicht an, weil die Voraussetzungen dort ganz andere sind. Anderseits ist das Motorrad ein so hervorragendes Verbindungsmittel, dass es unbedingt militärisch nutzbar gemacht werden muss. Wir müssen prüfen, ob nicht eine andere Rekrutierung organisiert werden muss, vielleicht auf der Basis der Umteilung von andere« Waffen mit Spezialausbildung während der Dauer eines Wiederholungskurses. Im Jahre 1930 wurden erstmals den Rekrutierungskommissionen Spezialkommissionen für die Aushebung der Motorfahrer und Motorradfahrer beigegeben. Diese Einrichtung hat sich sehr gut bewährt und spart dem Staat viel Geld und erleichtert wesentlich die Ausbildung. Bis vor zwei Jahren wurden die Motorfahrer der Genie und Fliegertruppen unabhängig von den Motorfahrern des Motorwagendienstes ausgebildet. Jetzt werden sämtliche Motorfahrer und Motorradfahrer der Armee in unseren Schulen ausgebildet. Vor Jahren wurden in der Artillerie Stimmen laut, dass die Ausbildung der Motorfahrer der schweren und Motor-Artillerie- Regimenter in den Schulen und Kursen der Artillerie stattfinden sollte. Diesem Begehren kamen wir teilweise in dem Sinne entgegen, dass wenigstens die Offiziere eine gewisse Ausbildung am Motorfahrzeug erhalten sollten. Die Aspiranten dieser Regimenter hatten die Rekruten- und Unteroffiziersschule bei der Motorwagentruppe zu absolvieren. Es zeigten sich aber Missstände. Die Artillerie konnte ihre Offiziersaspiranten nicht so lange ohne artilleristische Ausbildung lassen und dem Motorwagendienst erschwerte die Zuteilung von Nichtfahrern die Ausbildung. Heute machen die Aspiranten der Artillerie wiederum ihre Rekruten- und Unteroffiziersschule ganz bei ihrer Waffe. Um die Bestände an Motorfahrzeugen der Armee möglichst niedrig zu halten, müssen während den Spitzenzeiten der Wiederholungskurse viele Personenwagen und 'Motorräder von Privaten eingemietet werden. In einiger Zeit wird eine Vorschrift veröffentlicht, die das Einschatzungsverfahren genau regelt. Wir werden, wie bei den Pferdeeinschatzungen, auf den grösseren K. S. PL Spezialkommissionen bezeichnen, so dass die Fahrzeuge auch an anderen Orten als in Thun eingeschätzt werden können. Diese Art der Einschätzung hat nichts mit der bei einer Kriegsmobilmachung zu tun. Sie gilt nur für den Friedensdienst. Für die Kriegsmobilmachung war es nötig, einen neuen Schatzungsplatz,, Langenthai, zu organisieren. Auf diesem werden ausschliesslich die Fahrzeuge der Funker eingeschätzt. Ausbildung. Ein wesentlicher Nachteil der gegenwärtigen Organisation für die Motorwagentruppe besteht darin, dass die Offiziere und Unteroffiziere, mit Ausnahme derer, die bei der Artillerie eingeteilt sind, in allen Wiederholungskursen andere Leute als Untergebene haben. Die Offiziere kennen demgemäss ihre Leute beim Einrücken in die Wiederholungskurse gar nicht. Sie wissen nicht, wie der einzelne Mann fährt, ob er gewissenhaft ist, pflichttreu usw. Das ist ein grosser Nachteil gegenüber anderen Waffen, bei denen der Offizier fast ausnahmslos seine Untergebenen schon kennt. Es ist in den Wiederholungskursen erste Pflicht des Offiziers, diesen Nachteil auszugleichen. Was ist der Mann im Zivil? Wo ist er angestellt? Was für einen Wagen fährt er? Wann hat er die Rekrutenschule bestanden? Aus welchem sozialen Milieu stammt er? Das alles muss der Offizier wissen. Die Offiziere der Motorwagentruppe müssen sich besonders individuell mit den Leuten abgeben, denn nirgends sonst muss so viel Wert auf die Dienstverrichtung des einzelnen Mannes gelegt werden wie bei unserer Waffe, wo die Kommandierung einzelner Fahrzeuge eine alltägliche Erscheinung darstellt. Die Dienstchefs in den Divisionsstäben müssen sich in der ersten Dienstwoche sämtliche Fahrzeuge genau ansehen, und zwar in bezug auf Unterhalt, Betriebsstoffverbrauch, Zuverlässigkeit. Nicht zuletzt muss auch das Kontrollheft nachgesehen werden. Das ist Kleinarbeit, die aber unbedingt nötig ist. Die jüngeren Offiziere werden für die Wiederholungskurse den Brigadestäben, F E U I L L E T O N Die ewige Wahrheit. Roman von Oskar Sonnlechner (19. Fortsetzung) 7. Am nächsten Morgen begann sie in aller Stille mit dem ersten Vorbereiten zur Auflösung ihres Haushaltes. Sie war sich dessen bewusst, dass es eine Flucht vor sich selbst sei. Sie schloss die Augen und liess die Ereignisse der letzten Stunden an sich vorüberziehen und endete immer wieder in der Erinnerung der letzten Worte ihres Mannes: Wenn ich mich für Parapatan entscheide, nehme ich Dr. Heckmann mit. Von wem wohl die Anregung dazu ausging? Von ihrem Manne oder von ihm? Unwillig schüttelte sie diese quälenden Gedanken von sich ab. Sie müsse sich in Geduld fassen, wenn es ihr auch schwer falle. Ununterbrochen sah sie in verzehrender Ungeduld nach der Standuhr am Kamin in Erwartung der Stunde, zu der sie sich mit Jul zusammengesprochen. Vorsichtig sah sie sich auf der Strasse nach allen Seiten um, ob ihr jemand folge. Sie hatte Jul dasselbe gebeten. Schon von der Ferne fanden ihn ihre suchenden Blicke. Wie immer leuchteten seine hellen Augen glückselig aus dem sonnverbrannten Gesicht, und freudig schwenkte er schon von weitem den Hut, um ihr mit langen Schritten entgegenzueilen. Alle ihre Schmerzen fielen von ihr ab. Sie lebte nur dem Augenblick. Zwischen Weingärten wanderten sie den ersten Waldhängen zu. Wie es ihre Gewohnheit war, hockten sie alsbald an einem ihrer vielen Lieblingsplätze nebeneinander und schwätzten sich ihre tausend Nichtigkeiten vor. Mit keiner Miene, mit keinem Worte zeigte sie es, dass sie von ihren inneren Gedanken zu Boden gedrückt werde, und lauschte ihm mit erkünstelter Sorglosigkeit. Sie musste tapfer sein. Ihm zuliebe. Aber während sie mit scheinbarer Aufmerksamkeit seinen Worten folgte, weilten ihre Gedanken in weiter Ferne... dass die Stunde des Abschiednehmens für immer vor ihr stand... und unbewusst übermannte sie die Schwäche und sie liess den Kopf hängen. «Ich glaube, Frau Enid, Sie hören mir nicht zu.» Sie ruckte sich zusammen und lachte ihn erzwungen an. «Wie können Sie nur so denken, Jul.» Mit einer plötzlichen inneren Entschlossenheit erhob sie sich. «Ich möchte Ihnen einen Vorschlag machen, Freund Jul. Ich will Ihnen den Wunsch erfüllen und mit Ihnen in die Berge gehen.» Er war aufgesprungen, eine Blutwelle der Erregung schoss ihm ins Gesicht. «Wollen Sie? Aber Jul! Aber Jul! Ich glaube es gerne, dass Sie sich freuen, aber Sie müssen meine Hände wieder freigeben.» Aber mit dem scherzhaften Lächeln, mit dem sie ihre Worte begleitete, machte sie es noch schlechter. Denn der überglückliche Jul bedeckte ihre Hände mit unzähligen Küssen. Es dauerte lange, trotz ihrer Vorsätze, bis sie ihm ihre Hände ernstlich entzog. «Nun aber setzen Sie sich schön ruhig und gehorsam nieder, damit wir alles besprechen.» Noch kein Wort war über seine Lippen gekommen, aber die Verklärtheit seiner Miene sagte ihr alles. «Wann... wann... Frau Enid?» Jetzt erst erzählte sie ihm, dass ihr Mann gestern abend unvermutet nach Amsterdam reisen musste — alles andere verschwieg sie ihm, er könne im günstigsten Falle in einer Woche zurück sein, und da möchte sie die Gelegenheit benützen und vielleicht das einzigste Mal in ihrem Leben — einen Augenblick stockte sie in ihren Worten und Gedanken — in die Berge gehen. «Aber keinen Ihrer waghalsigen Kletterwege, von denen Sie mir erzählten», drohte sie lächelnd mit erhobenem Finger. «Ich will nur einmal, wie Sie zu sagen pflegen, den Weg zum Himmel gehen.» Und der vom Glück betäubte Jul sah nicht, wie sie bei diesen Worten an ihm vorbei in die Ferne sah. Juls Gedanken flogen von einer Bergspitze zur anderen, bis er endlich das Richtige gefunden. Zwei Tage müsse sie ihm opfern... wenige Stunden Eisenbahnfahrt... noch am selben Tage würden sie zur Hütte aufsteigen ... von dort könnten sie am nächsten Morgen den" Anstieg beginnen... Sie überlasse alles ihm, es genüge ihr, die Stunde zu wissen, wann sie sich auf dem Bahnhof treffen würden. Schliesslich einigten sie sich, dass sie erst auf dem Vorortbahnhof in den Zug einsteigen werde. Wozu über sich reden lassen! Freudestrahlend reichte ihr ein Ueberglücklicher beim Abschied die Hand; Enid sah ihm an, dass er sich in seinem Glück nicht fassen konnte. Ihre Hand lag noch in der seinen, als sie sich nochmals an ihn wandte. «Sie sind mir für meinen Entschluss Dank schuldig, Jul. Werden Sie mir in diesen Tagen niemals die Achtung versagen, die mir als Frau gebührt?» Hochaufgerichtet stand sie vor ihm und sah ihm in die Augen, ohne den Blick von ihm zu wenden. Nicht einen Augenblick zögerte er mit der Antwort. «Kein Schatten wird auf Ihren Weg fallen.» Unwillkürlich senkte sie den Kopf und lächelte bitter. Er konnte es nicht sehen. Noch in der Ferne sah sie, wie er sich nach ihr umwandte und grüssend den Hut schwenkte. Sie hob die Hand und winkte ihm. Zu Hause angekommen, war ihr erstes, sich während der Zeit ihrer Abwesenheit vor Dr. Heckmann zu sichern. Kurz entschlossen rief sie ihn an. Sie beabsichtige, wie mit ihrem Manne besprochen, für einige Tage zu verreisen, um sich für einen geeigneten Sommeraufenthalt zu entscheiden, vielleicht auch, um von dort nach Scheveningen zu ihrem Manne zu reisen, falls sich nichts Geeignetes fände. Ob Herr Dr. Heckmann für diesen Fall ihrem Manne etwas ausrichten lasse? Der Arzt bedauerte in unzähligen Worten, dass er keine Gelegenheit finden werde, sich von der gnädigen Frau zu ver-