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E_1934_Zeitung_Nr.036

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BERN, Dienstag, 1. Mai 1934 Nummer 20 Cts. 30. Jahrgang - N° 36 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint Jeden Dienstag und Freitag Monatlich „Gelbe Liste" Halbjährlich Fr. 5.-, Jährlieh Fr. 10.—. Im Ausland unter Portozuschlag, sofern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung 30 REDAKTION 0. ADMINISTRATION: Breitcnrainstr. 97, Bern Rappen. Postcheck-Rechnung III/414. Telephon 28.222 Telecnunm-Adresae: Autorevue, Ben Verkehrsprobleme Die linksufrige Vierwaldstättersee-Strasse. Es war im Laufe der letzten Zeit recht still geworden um das Projekt einer linksüfrigen Vierwaldstätterseestrasse. Um so erfreulicher ist es, nun feststellen zu können, dass das Initiativkomitee doch in aller Stille energisch weiter gearbeitet hat und der ganze Plan wieder in den Vordergrund des Interesses tritt. So wurde der Präsident des Initiativkomitees, Herr Ing. Fellmann, beauftragt, eine Eingabe an den Bundesrat zu verfassen, um eine Subventionierung zu erlangen. Der Moment für eine solche Eingabe ist auch recht günstig gewählt, kann doch nun der Bundesrat dieses Gesuch zusammen mit dem gesamten Fragenkomplex des Ausbaues der schweizerischen Alpenstrassen behandeln. Es ist sehr zu hoffen, dass diesem Projekt auch von Bundesseite allergrösste Aufmerksamkeit geschenkt wird. Wir sind in der Lage, im nachfolgenden auszugsweise die Eingabe an den Bundesrat wiederzugeben. « Wer die heutigen Zustände auf der A x © n - Btraese, die als einzige und wichtigste Verbindung der Nord-, Ost- und Zentral-Schweiz mit den Kantonen Uri und Tessin in Betracht kommt, nur einigermasken kennt, der weiss, dass die zur Zeit bestehenden Verhältnisse längs dieser Strasse schlechterdings unhaltbar geworden sind. Die Lüzerner Handelskammer hat deshalb der Frage einer neuen Ziifahrt zum Gotthard schon vor einigen Jahren ihre Aufmerksamkeit geschenkt. Sie schrieb damals, dass eine linksufrige Bahnverbindung Luzern-Gotthard als kürzeste Route vorzuziehen gewesen wäre, dass aber eine solche Verbindung nicht mehr in Frage kommen könne, da sich im Zeitalter des Automobils einzig und allein eine linksufrige Seestrasse verwirklichen lasse. Nebst dem Hinweis auf die enorme Ueberlastung der Axenstrasse ist besonders hervorzuheben, dass das Befahren dieser Strasse zu jeder Jahreszeit mit ausserordentlicher Gefahr verbunden ist. In letzter Zeit musste der Strassenverkehr zufolge eingetretener Rutschungen und Bergstürze jedes Jahr längere Zeit unterbrochen werden, so dass der Kanton Uri von der Zentral-, Nord- und Ost-Schweiz vollständig abgeschnürt war. Aber auch die eingeleisige Gotthardbahn ist durch solche Naturereignisse gefährdet, und es ist mehr als einmal vorgekommen, dass der Bahnbetrieb auf dieser Linie während kürzerer Zeit nicht mehr aufrechterhalten werden konnte. Solche Zustände geben auch vom militärischen Gesichtspunkte aus betrachtet zu Bedenken Veranlassung. Durch Erstellung einer linksufrigen Vierwaldstätterseestrasse würde nicht nuT die äusserst wichtige Verbindung Nord-Süd zu jeder Jahreszeit gesichert bleiben, sondern es könnte auch eine Rundfahrt um den Vierwaldstättersee geschaffen werden, die ihresgleichen sucht. Die projektierte Strasse würde daher auclj dem darniederliegenden Fremdenverkehr in der .Zentralschweiz ausgezeichnete Dienste leisten. Auch würde durch die projektierte Strasse für diev Ortschaften Isleten und Bauen, die bis jetzt von jedem Verkehr abgeschlossen sind, eine Verbindung nach dem Kantons-Hauptorte und Richtung Luzern hergestellt. > «Durch den projektierten Strassenbau könnte auch auf mehrere Jahre hinaus für Arbeitslose eine überaus günstige Arbeitsgelegenheit geschaffen werden.> « Wenn man bedenkt, dass zum Beispiel die italienische Gardasee-Strasse nachgewiesener Massen einen gewaltigen Zustrom von Fremden zur Folge hatte, so wird man in diesei Beziehung auch grosse Erwartungen in eine linksufrige Vierwaldstättersee-Strasse setzen dürfen. Die projektierte Strasse ist aber auch in technischer- Hinsicht ein sehr interessantes Werk und dazu eine Anlage, die in Bezug auf Naturschönheiten weit über teresse finden werden. — Die Red. Die Genfer Ausstellung will nur Sport- und Touristikflugzeuge umfassen. Zwei grosse Gebiete der Luftfahrt, das Verkehrs- und das Militärflugwesen, bleiben ausserhalb dem Rahmen dieser Schau. Trotz dieser Beschränkung kann die Ausstellung die gesamten Möglichkeiten des Flugwesens sowie die Fortschritte und Tendenzen seiner Entwicklung widerspiegeln: Im Sportflugzeug die Mannigfaltigkeit der Verwendbarkeit des die Gardasee-Strasse zu stellen, ist. Die linksufrige Vierwaldstättersee-Strasse wird deshalb einen erstklassigen Anziehungspunkt für in- und vor allem ausländische Automobilisten sein, und sie wird dem schweizerischen Fremdenverkehr im Gebiete der Zentralschweiz einen starken Impuls geben. Es hat sich bisher überall gezeigt, dass jede neue Verkehrsmöglichkeit, von den Automobilisten ausgenützt wird, und dass die Länder miteinander wetteifern, dem Fremdenverkehr neue touristische Möglichkeiten zu erschliessen. Wir erinnern an die neuen Strassen in den Dolomiten, an die Erschliessung der französischen Alpes maritimes durch die Route des Alpes, an die neue französische Strasse auf den Col de l'Iseran, an die Gardaseestrasse und a. m. Von diesem Gesichtspunkt aus betrachtet, kann das vorliegende Projekt als eine der wichtigsten neuen Attraktionen bezeichnet werden, die wir dem ständig zunehmenden Automobilverkehr bieten können. » Sport- und Touristikflugzeuge Von Dipl.-Img. W. Amstutz. Auf die wiederholt gemachte Anregung von Seiten flugbegeisterter Automobilisten, haben wir vor Aufbaues, im Touristikflugzeug eine tech- Flugzeuges und die vielen Spielarten seines längerer Zeit die regelmässig erscheinende Flugspalte in unserem Blatt aufgenommen. Seither hat nische Lösung der Forderung des Verkehrsflugzeuges: «Schnell, sicher und bequem». sich der Kreis der Interessenten für das Flugwesen wesentlich erweitert, so dass wir glauben, einer zahlreichen Leserschaft zu entsprechen, wenn die Um bei A.-R. auch dieses Gebiet des modernen Verkehrs den Sportfluszeugen pflegt, soweit dies im Rahmen unseres Blattes eben möglich ist. Zu' Ehren des Genfer Luftfahrt- mit der langsamsten Gruppe, den motorlosen Salons, der im In- und Ausland grösste Beachtung Qleit- und Segelflugzeugen zu beginnen, so ist findet, verlassen wir heute den sonst der Aviatik liier bereits eine Gruppierung in Schul-, zugewiesenen Raum und freuen uns, - aa dieser Stelle einem gewiegten Fachmann das Wort geben zu können, um die Automobilisten mit dem Wesen der Flugzeuge, die der Reise und dem Sport dienen, näher bekannt zu machen. Die Zahl der aktiven Piloten ist zwar noch im- mer eine verhältnismässig kleine. Der Kreis der « passiven Flieger », der Passagiere, ist aber schon ein wesentlich weiterer und wer einmal die Lufttaufe erhalten hat, der gehört bestimmt zu den begeisterten Anhängern und Freunden des Luftsportes. Wenn überdies unter ihnen die Automobilisten besonders zahlreich sind, so deshalb, als die frühere Regel, dass das Fahrrad die Vorstufe für das Motorvelo und dieses wiederum für das Auto sei, in gewissem Sinne auch auf das Automobil als Vorbereitung für die Fliegerei angewendet werden darf. Wir sind daher überzeugt, dass die nachstehenden Ausführungen das verdiente In- Uebungs- und Hochleistungssegelflugzeuge zu unterscheiden. Die Ausbildung von Anfängern im motorlosen Flug hat recht beachtenswerte Erfolge gezeigt. Bei zweckmässiger Orgnisation und Methodik der Schulung gelingt es, den Schüler zu einer weitgehenden Beherrschung des Fliegens leichter Flugzeuge zu bringen. Diese Möglichkeit hat einerseits zu einer immer weiter um sich greifenden Verbreitung des motorlosen Flugsportes und zu immer grösseren Erfolgen im Segelflug geführt, anderseits kann sich gerade der jugendliche Flugbegeisterte, der selten über grosse Mittel verfügt, mit verhältnismässig geringem Geldaufwand ein gewisses Vortraining für seine spätere Ausbildung als Motorflieger erwerben. Das Umschulen auf dem Motorflugzeug kann sich dann fast nur auf ein Einüben des Startens und Landens beschränken. Die vor wenigen Jahren erstmals versuchte Verwendung von Automobilen, die mit entsprechenden Hilfsund Sicherheitseinrichtungen versehen sind, als Winde zum drachenartigen Hochschleppen motorloser Flugzeuge hat wesentlich dazu beigetragen, die systematische Ausbil- INSERTIOIVS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzelle oder deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. Grössere Inserate nach Seitentarit. Inseratensehluss A Tage vor Enehelnen der Nummern (Fortsetzung Seite 2.) dung von Segelflugschülern zu erleichtern und zu verbilligen. Die zum Windenstart verwendeten Schulflugzeuge können sehr robust gebaut sein, geringes Gewicht oder feine aerodynamische Durchbildung spielen eine untergeordnete Rolle, wichtiger sind gute Steuerbarkeit und, speziell in extremen Fluglagen, gute und harmlose Flugeigenschaften. Trotzdem die Anschaffung und der Betrieb eines ausgedienten, aber als Winde noch ver- wendbaren Autos verhältnismässig sehr billig ist, ziehen es einzelne Segelfluggruppen vor, der klassischen Ausbildungsmethode mit Gummiseilstart am Berghang treu zu bleiben. In diesem Falle spielt das Gewicht des verwendeten Schulflugzeuges eine wesentliche Rolle. Zur Uebung und weitern Ausbildung als Vorbereitung auf den eigentlichen Segelflug werden Segelflugzeuge verwendet, die nun bereits aerodynamisch gut durchgebildet sind und ein Hochstarten mit der Winde, den Gummiseilstart am Berghang und das Hochschleppen hinter Motorflugzeugen erlauben müssen. Seitdem die eine Zeitlang etwas einseitig kurzsichtig betriebene Ueberzüchtung der sogenannten Hochleistungssegelflugzeuge wieder in vernünftige Bahnen gekommen ist, unterscheiden sich die Uebungssegelflugzeuge in ihren Abmessungen und Eigenschaften eigentlich kaum mehr von den Leistungssegelflugzeugen. Der Bau eines wirklich hochwertigen Segelflugzeuges ist nicht billig. Dafür kann der Konstrukteur all sein Können und Geschick anwenden, um dem Segelflieger ein Instrument in die Hand zu geben, das ihm erlaubt, mit feinem Spürsinn auch schwache und schwächste Aufwindfelder in der Atmosphäre auszunutzen und zu grossen Flugleistungen nutzbar zu machen. Nachdem sich gezeigt hat, dass die zum Erzielen geringer Sinkgeschwindigkeit und eines flachen Gleitwinkels aerodynamisch günstigen, ausserordentlich schmalen Flügel von 20 und mehr Meter Spannweite zu ungenügender Wendigkeit und Steuerbarkeit führen und aus Gründen der Steifigkeit und Festigkeit auch aerodynamisch gar nicht vollständig ausgenutzt werden können, muss der Segelflugzeugkonstrukteur versuchen, mit geringerer Spannweite auszukommen und den Verlust an Leistungsfähigkeit durch Verminderung des Baugewichtes, durch sorgfältige aerodynamische Durchbildung aller Einzelheiten des Flügels, Rumpfes und der Steuerflächen und ihrer Uebergänge ineinander und durch Massnahmen zur Erhöhung der Wendigkeit wieder einzubringen. (Fortsetzung Seite 6.) F E U I L L E T O N Die ewige Wahrheit. Roman von Oskar Sonnlechner. (23. Fortsetzung) Droben auf der Gollinger Alm sassen tags darauf zwei Glückliche auf der schmalen Bank unter dem vorspringenden Dach, eingehüllt in ihre Wettermäntel, den Rücken an die Hüttenwand gelehnt, und starrten in den Regen, der um sie niederrauschte, unter dem aus der Tiefe der Täler die Nebel aufdampften. Und schmiegten sich eng aneinander, um sich zu wärmen. Bis sie mit einem Lächeln des Glücks zu ihm aufsah und hinaus in den strömenden Regen wies: «Wie schön die Sonne scheint, Jul!» Ihre Lippen suchten sich und fanden sich zum aberhundertsten Male, das glucksende Traufenwasser rann ihnen auf die Beine, aber sie fühlten es nicht. In der Ecke lehnten die beiden Eispickel zärtlich nebeneinander. Der Hochgolling war vergessen. Ihr Glück war durch nichts gestört. Den langen Fähnrich hatte der Doktor mühselig zusammengeflickt und beruhigend abgewinkt. In zwei Monaten ginge der ja doch wieder auf die Grauwand. Hätte auch schlechter enden können. Steinschlag sei kein Spass. Erst zwei Tage später gingen sie talwärts. Als sie mit langen Schritten am «Gasthof zur ewigen Seligkeit» vorbeiwanderten, stand das alte Weiblein in der Türe und sah ihnen mit den halberloschenen Greisenaugen nach, mit leise murmelnden Lippen: «Mei' Madl hat grad solche Haar' g'habt.» Als Enid van der Witte ihr Haus betrat, lag ein Blatt Papier auf dem Tische. Ein Telegramm. Mit zitternden Händen riss sie es auf und las: «Wir gehen nach Parapatan.» Es entglitt ihren Händen, langsam flatterte es zu Boden. Ohne abzulegen, schrieb sie mit fester Hand die Antwort: «Ich komme nicht, erwarte dich in Wien, Enid.» Hier endet Juls Tagebuch mit einer einzigen Zeile: «Ich habe vom Leben nichts mehr zu fordern.» 8. Als Enid van der Witte am nächsten Morgen erwachte, fiel ihr erster Blick auf das Telegramm, das auf ihrer Bettdecke lag. Sie hatte es vor dem Einschlafen immer und immer wieder gelesen, wie wenn sie hinter jedem Worte die Zukunft ergründen könne. Nur eines kam ihr zum unfassbaren Bewusstsein ... dass sie Jul verlassen müsse. Sie verschränkte die Arme unter dem Kopf, schloss die Augen und versank in ihrem Grübeln, ohne zur Erkenntnis zu kommen, was nun sein werde. Tausend Gedanken und Erwägungen kreuzten sich in ihr hin und her. In erkünstelter Ruhe nahm sie alles in sich auf, alle Möglichkeiten und Unmöglichkeiten, alle Hoffnungen und Enttäuschungen, aber in der Verwirrung ihres Denkens kehrten ihre Gedanken, wie eine wohltuende Erlösung, immer wieder zu Jul zurück und Hessen sie in einen süssen, berauschenden Halbschlaf versinkea Sie schreckte auf und erwachte zur schmerzhaften Wirklichkeit. Auf der Decke lag das böse Blatt Papier. Sie griff danach und las es zum hundertsten Male. Mit einer Bewegung des Unwillens Hess sie es zu Boden fallen. Aber sie vermochte nicht die finsteren Gedanken von sich zu werfen, die sie immer wieder überfielen. Sie musste ihnen Rede und Antwort stehen, in der Erkenntnis, dass sie nur so dem, was ihr drohte, Herr werden konnte. Jul verlassen! Aber, was sie tun müsse, was geschehen solle, um dies Uttfassbare von sich abzuwenden — darauf fand sie keine Antwort. Es war wohl das Naheliegendste, ihren Marin zu überreden,,, um von seinem Vorsatze abzustehen, allein sie wusste, dass sie hier gegen Unmögliches ankämpfe. In der Verblendung seines wissenschaftlichen Ehrgeizes, in Fragen seines ihm heiligen Berufes, im blinden Eifer seines Strebens, war es das einzige in ihrem gemeinschaftlichen Leben, wo er seinen Willen über den ihrigen stellte. Auch wäre es etwas ganz Ungewöhnliches gewesen, wenn sie hier beeinflussend oder gar bestimmend auftreten wolle. Noch nie hatte sie einen derartigen Versuch unternommen. Wohl pflegte er taktvoll, wie immer, sie um ihren Rat und ihre Einwilligung ZK- bitten, allein nur, weil er genau wusste, dass sie sich ihm immer unterordnete. Sie setzte sich im Bette auf, zog die Knie hoch, stützte die Ellbogen auf, vergrub das Kinn in den Händen und versank in der Finsternis ihres Grübeins. Allein kein Lichtstrahl eines rettenden Gedankens erhellte die Dunkelheit ihres Denkens. Mit einer Gebärde des Widerwillens schüttelte sie alles von sich ab. Wozu sich in nutzlosen Erwägungen quälen? Es hiess, wenn auch in erzwungener Ruhe, die Entschlüsse abwarten, die ihr Mann aus der Ferne mitbrachte, dann erst konnte sie der Zukunft entgegentreten, der drohenden Gefahr ins Auge sehen, um das Unmögliche, das Unfassbare abzuwenden. Jetzt habe alles keinen Zweck, eigentlich wisse sie ja noch nichts Genaues. Zu einem Entschlüsse aber war sie schon jetzt in sich gekommen. Nie werde sie bedauern, was sie getan. Was immer auch sei.