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E_1934_Zeitung_Nr.036

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16 AUTOMOBIL-REVUE

16 AUTOMOBIL-REVUE 1934 - N» Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme beim unglücklichen Tode unseres inniggeliebten Sohnes, Bruders und Anverwandten sprechen wir allen den aufrichtigen Dank aus. Herzlichen Dank dem Zentralvorstand und Sektionen des Schweiz. Antomohil- Club, den alten Maria-Hilf-Kollegen, der Schweiz. Presse und allen, welchen mit Kranz- und Blumenspenden dem lieben Verstorbenen die letzte Ehre erwiesen haben. Locarno, den 28. April 1934. Donna Dolores de Palacio Wwe. Pedrazzini und Anverwandte. mit elektr. Kenntnissen, sucht Stelle, Militärfahrer- Mechaniker, Deutsch und Französ. sprech. Eintritt kann sofort erfolgen. Offerten unter Chiffre 63174 an die Deutsch u. Franz. sprech. — Handschriftl. Offerten mit Zeugnissen, Referenzen und Photo. Offerten unter Chiffre 63176 an die Automobil-Revue, Bern. auf Luxus- oder Lastwagen. Guter Fahrer und m. Rep. vertraut. Zeugnisse stehen zu Diensten. Offerten unter Chiffre 63149 an die Automobil-Revue, Bern. 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Mai Arabella, Oper von Richard ;Strauss, mit^Riehard Strauss '•*• ^'?'"äm Pult, r -••"T Fr. abend 4. Mai Salome, Oper vpnR. Strauss (B-Ab. 17), m. Kammersänger E. Enderlein u. Ei Schulz a. G. Sa. abend 5. Mai Der Prinz von Schiras, mit Sergei Abranovic» a. G. So. nachm. 6. Mai Der Prinz von Schiras, mit Sergei "Äbranovicz a. G. SO abend 6. Mai Frau ohne Schalten, Oper von * R. Strauss, mit Rieh. Strauss am Pult Schauspielhaus Di. abend 1. Mai Alpenkönig und Menschenfeind, von Raimund. Mi. abend 2. Mai Die Insel, Schauspiel von Bratt Do. abend 3. Mai Premiere: Strasstnmusik, Lustspiel mit Musik von Schurek. Ff. abend 4. Mai Die Insel, Schauspiel von Bratt- Sa. abend 5. Mai Strassenmusik, Lustspiel mit Musik von Schüret SO. nachm. 6. Mai 3K Uhr: Die InseL So. abend 6. Mai StrassemnwHc. Grand Cafe Esplanade.utoqu.i 21 Im Cafe: Barnabas von Geczy, das Sensationsgastspiel. In der Bar: Albert Holzer am Flügel. Im Tabarin: Phil. Bernie and bis boys und die neuen Tanzattraktionen. Grand Cafe Astorla, stp e terstr. Bündnerstube, Spezialitäienkucht. y-tSai*, Beatengasse 15 Die erösste und »chönste von Zürich. Koller Speiserestaurant Stadtkeller, Zährlngerstrasw 21 Das fein« Champagnerbier. Restaurant Urania, ur.mattr. 9 Die beliebte- Unterhaltungsetätte. Kjonx*rt und Vari

Bern, Dienstag, 1. Mai 1934 III. Blatt der „Automobil-Revue" No. 36 Zum Muttertag Kleine Kindersonaten Eine Mutter sinnt. Zum erstenmal, als es sich regte, war es ganz mit mir verbunden, ganz allein mein. Dann kam die Stunde, da ich es der Welt gab, dem Gesetz gemäss. Fremde Hände trugen es fort and nahmen sich seiner an. Das war die erste Trennung. Ich musste es dulden, denn ich war hilflos und schwach. Aber dann wurde es mir wieder in die Arme gelegt, ich hielt es fest, als sollte es nie wieder fort. Da ich es stillte, stand die ungestüme Zeit selig still, und es war ein Friede, wie in der Zeit der Hoffnung. Und wieder wuchs es mir vom Herzen fort, und es war gut so. Und der erste Schaltag war die zweite grosse Trennung. Und nun ist kein Halten mehr. Nun reicht es mir schon bis zur Hüfte. Wie das wächst, wie die Jahre fliegen! Man muss sich einrichten auf langsames Entfernen und auf leisen Abschied. Wenn sie einmal da sind, muss man's geschehen lassen. Wie er vierzehn Jahre war, ich erinnere mich wie heute, hat er gesagt: «Mutti, ich will nie heiraten, wenn ich gross bin, und immer nur bei dir bleiben.» Er geht mit einem Mädchen und ich tu, als wüsste ich es nicht, damit er leichten Herzens sei. Er ist mir über die Schalter gewachsen, und ich werde immer weniger. Schon gut, ich weine nicht, wie damals am ersten Schultag. Ich nehme den Schmerz für Glück. Sei stark und glücklich, mein Kind. So hat meine Mutter mir stumm gewinkt, so winke ich dir, so wirst du deinem Kinde winken beim Abschied. Geh nur zu, Kind, brauchst dich nicht umzudrehen, wenn du nicht magst. Ich habe es ja nicht anders getan. Da biegt es um die Ecke. Einst hielt ich es im Arm, ich weiss es noch wie heute. Jetzt fühle ich mich SJ klein und schwach, dass es mich in seine Arme nehmen könnte. Ich will ganz still beiseite gehen, da ich ja doch nicht mit dir gehen kann, mein Kind. Man hat ja seine Uebung im Abschiednehmen und die Erinnerungen. Und da es nun fort ist, habe ich wieder sein ganzes Leben in mir wie einst, eh ich es gebar. vaterstolz. An dem Tag, da es zur Welt kommt, das Kind, ist die Freude, je nach Temperament, innig oder unbändig, dass alles so wohl geraten ist: Zwei Augen, die das erste Licht empfangen, Mund und Nase, alles ist da, und sogar ein ganz winziger Hauch von Augenbrauen. Und welch ein Glück: an jedem Händchen fünf Finger, als musste es so sein — aber es muss keineswegs so sein; man weiss, dass die Natur in ihrer wilden Unberechenbarkeit schreckliche Dinge ausbrütet. Ach, und an jedem Füsschen je fünf Zehlein, minimal, aber doch vorhanden, nichts ist vergessen worden in dieser stillen Ausbildung tief unter Tag. Sie sehen witzig aus, diese Zehlein, man möchte jedem einzelnen einen Namen geben. Und das ist noch nicht Die ewige Wahrheit. Roman von Oskar Sonnlechner. (FoTUetzung aus dem Hauptblatt.) Keinen Augenblick dachte sie daran, Jul durch das Drohen der Zukunft zu beunruhigen. Spät abends traf sie Heckmann. Mit übertriebenen Worten der Höflichkeit begrüsste sie der Arzt und entschuldigte das Fernbleiben seiner lieben Frau, sie fühle sich nicht wohl. Mit wenigen Worten erwähnte sie ihrer kurzen Reise, die eigentlich eine verfehlte Absicht war, und endlich und schliesslich habe sie vor allem der Umschlag der Witte- x Heimat! Welcher Duft entsteigt diesem Worte, welchen Zauber enthält es. Da ist die Stadt mit ihren Strossen und Plätzen, Winkeln und Gassen, Toren and Türmen. Hier sind schöne Alleen, ein grosser Park und ein alter Stadtgraben. Die Spitzen der Kirchtürme lagen über die Häuser hinaus und sind auf der Landstrasse weit zu^ sehen. Der Fluss strömt seinen uralten Sang und sommerlang ist dort ein munteres Treiben. ' v rri' Welche Erinnerungen, welche Spiele! Jeder Pfad sagt uns Heimlichkeiten, jede Brücke erzählt Träume. Da sind Bäume und Tore, vertraut von Kindheit an, da sind Wälder und Hügel, reich an stillen Schönheiten und Festen des Herzens. Vor dem Weichbild, der Stadt beginnen Felder und Fluren, und mit mächtigem Schwung steigen Aecker endlos ins Land. Aecker und wieder Aecker, eine gewaltige Symphonie der Erde. Da zieht der Landmann seinen Pflug noch wie einst, als wir Kinderscherze und kleine Freuden bei den Bauern hatten, da im Gehöft ein jeder stolz ein Pferd besteigen durfte. Herrlich liegt der Acker da, gross. stolz und einsam. Er gibt alles! Kleine Nägel sind auch schon da an Fingern und Zehen, richtige Nägel, manmuss darüber ehrfürchtig staunen, und etwas wie ein Werkmeister-Stolz beschleicht einem. Aber dann, wenn ein paar Monate ins Land gezogen sind oder gar ein paar Jahre, dann ist man töricht genug, dieses dankbare und stolze Staunen verfliegen zu lassen, als rung wieder nach Hause getrieben. Ruhig und gelassen erzählte sie ihm, nicht das leiseste Zittern ihrer Stimme liess den Arzt eine Unwahrheit ahnen, in gleichgültiger, unbefangener Rede sprach sie alles aus, sie, die bisher in ihrem Leben keine Unwahrheit über die Lippen gebracht hatte. Sie wunderte sich, wie leicht es ihr fiel. Hinter den glitzernden Gläsern seines Kneifers sah sie die zusammengekniffenen, kurzsichtigen Augen ihres Gesellschafters. Rasch steuerte sie ihrem versteckten Ziele zu. Enttäuscht hörte sie die Worte des Arztes, aber sie verriet sich nicht. Er wisse nur, dass sich der Herr Professor entschlossen habe, seine berufliche Tätigkeit in den Kolonien wieder aufzunehmen, und er fühle sich beglückt, dass er die Absicht habe, ihn zur weiteren Mitarbeit zu sich zu berufen. Eine einzige, scheinbar harmlose Frage lag FTau Enid immer wieder auf dem Herzen. «Wissen Sie vielleicht, Herr Doktor, wann mein Mann beabsichtigt, wieder hinüberzugehen?» Der Arzt zuckte die Achseln. Sie raffte sich auf. «Qehen Sie gern nach Batavia, Herr Doktor? > Und nun verriet er sich in seiner Antwort. «Ja, gnädige Frau.» Einen Augenblick zögerte er. «Die wissenschaftlichen Arbeiten, die mich mit Herrn Professor verbinden, bestimmen mich zu meinem Entsohluss, allein vor allem... lassen Sie es mich in tiefer Ehrerbietung aussprechen... das Bewusstsein... auch weiter in Ihrer Nähe weilen zu dürfen... Ihnen meine Freundschaftsdienste zu Füssen zu legen .. .> Mit raschem Entschlüss nickte ihm Frau Schloss Thun mit Stockhorn. Lob der Heimat Früchte und abermals Früchte, er empfängt den Samen und trägt ihn aus, um ihn wieder zu empfangen und wieder auszutragen. Wieviel Jahre, Jahrzehnte — Hunderte, ja wohl tausend Jahre trägt nun schon der Acker dieses ungeheure Leben, empfangend und schenkend! Heimat! hörst du das Wort? Es rauscht 'äas unsagbaren Tiefen, es tönt in unsere zerbissene Welt. Wenn wir im Drange der Zeit je dieses Stückchen'Erde vergessen sollten, stets wird es uns wieder zu ihm hinziehen, und alle Halme werden uns grüssen, jeder Vogel mit uns singen, jedes Blatt uns zurufen: hier hast du deine Jugend verbracht, hier lagst du unterm Dach unserer Bäume, hier ist dein Anfang und dein Ziel. Und im brausenden Liede der Wälder, im tonlosen Hymnus der Ackerscholle, im hinströmenden Gesang von Fluss und Bach findest dii die Stätte deiner Kindheit und Knabenjahre wieder, den Lebensraum deiner Jugend. Aus Toren und Häusern, aus Gräben und Hecken, aus Brückenbögen und Gärten wird es aufklingen und im feierlichen Töne der Glocke hinschwingen zum ewig rauschenden Chore: Heimat! 0. M, bliebe ein Wunder nicht ein Wunder und eine Gnade nicht eine Gnade, auch wenn beides wächst. Kinderaugen. Die achtjährige Loni betrachtet ihren Vater prüfend eine gute Weile and stellt fest: «Heute siehst du aber gar nicht aus wie unser Vati.» Was ist das? Eine Laune, eine Ahnung, ein sinnloses Geplapper oder das Ergebnis einer tiefen Einsicht? Manchmal könnte man ein bisschen Angst bekommen vor Kinderaugen. Nur noch Frauen schauen so, tastend, ahnend, durchdringend; blindlings erfühlen sie das zweite Gesicht hinter dem Gesicht. Loni, wenn sie so schaut, ist eine verzauberte kleine Frau, ihre Mutter, rückverwzndelt in Gestalt des Kindes. 'Heute siehst da gar nicht aus wie unser Vati:* Warum nur? Man wagt nicht zu fragen: warum. Wenn die Loni es sagt, wird schon was Wahres dran sein. Ihre Mutter pflegt in solchen Fällen, mit einem Blick, der über die Stirne streift und dahinter, halb fragend, halb feststellend, zu sagen: «Du hast etwas ...» Warum sehe ich nicht aus wie «unser Vati«? War ich an jenem Tage sehr fern, ganz weit weg und allein? War ich ihnen entglitten, die «Vath zu mir sagen? Und nur Loni hatte es gesehen und mich wieder eingeholt, weil sie ein paar Augen hat wie blanke Märchen-Spiegel, für die es keinen Unterschied zwischen aussen und innen gibt? ich weiss es nicht. Aber Loni hat gesagt: «Heute siehst du aber gar nicht aus wie...» Und da musste ich wohl schuldbewusst den Kopf senken und hatte nur einen Wunsch : wieder auszusehen wie «unser Vati». H. N. Der Herr, der sich im Nacken kratzte (Aus meinem kleinen Chaplin-Drehbuch.) Wie imponier ich ihr bloss ? grübelte Charlie, blickte an seinen Beinen hinunter und liess in der Hosentasche die paar Münzen krampfhaft durch die Finger gleiten, als fürchte er, das Geld könne sich durch ein Loch, das nicht vorhanden war, davonmachen. Es ist ja wahr, quälte er sich, viel ist an mir nicht, aber schliesslich, auch sie ist keine Prinzessin, wenn sie auch so tut,-und wochentags verkauft sie Bonbons und Schokolade. Entschlossen lenkte er das süsse Mädchen in ein feines Cafe. Ihr starres, hochmütiges Gesicht blieb unverändert. Passt mir alles nicht, sagte dieses hübsche, kalte Gesicht, und es ist nur ein Zufall, dass ich mit dir geh und weil die Zeiten so schlecht sind und überhaupt, weil ich mich herablasse. — Grosse Zeche, um Gotteswillen, kann ich nicht machen, um ihr zu imponieren. Charlie wurde es heiss; er bog die Ecken seines hohen Kragens herunter. Aber nur damit wäre ihr zu imponieren. Der hohe Kragen geriet aus der Facon. Wenn Charlie sich in ein Mädchen verguckte, konnten seine dunklen Augen an ihrem Munde betteln wie zwei kleine neapo- Enid freundlich zu. Es war ein Gebot der Klugheit, sich die Geneigtheit dieses Mannes zu erhalten. Bei dem grossen, wissenschaftlichen Einfluss, den er sich bei ihrem Manne erarbeitet hatte, musste sie daran denken, ihn, ohne dass er es ahne, sich zum Helfer, zum Bundesgenossen zu machen. Weib, sei klug wie die Schlange. In dieser Erwägung verliess sie die Geistesgegenwart nicht, unwiderstehlich nur von dem Gedanken beherrscht... Jul nicht verlieren zu müssen. «Auch mich wird es freuen, Freunde, die ich hier gewonnen, nicht aufgeben zu müssen.» Das bleiche Gesicht des Arztes rötete sich. Frau Enid aber wusste nun ganz genau, auf was sein Pflichtgefühl als aufopfernder Mitarbeiter zurückzuführen sei. Mit immeT gleichbleibender Liebenswürdigkeit verabschiedete sie sich von ihm vor ihrem Hause. Zwei Tage später hörte sie einen Wagen vorfahren. Professor van der Witte. Sie schreckte zusammen... wankend griff sie nach einer Stuhllehne... raffte sich zusammen... .warf einen Blick in den Spiegel.. und trat ihm entgegen ... Wie geistesabwesend fühlte sie seine Umarmung, wie er sie auf die Stirne küsste, seine kühlen grauen Augen umfingen sie liebevoll. Wie aus weiter Ferne hörte sie seine Stimme. Wie er sich freue, sie wiederzusehen, wie froh er sei, sie wieder um sich zu wissen, er bringe ihr so viel des Neuen und Unerwarteten mit — sie horchte auf — und wagte keine Frage an ihn zu stellen. Nur deshalb, weil sie nicht den Mut fand, sich zu gestehen — dass die Entscheidung vor ihr stand. Sie sassen am Teetisch. Er angeregt plaudernd, sich immer wieder nach ihr erkundigend, sie innerlich, ohne dass es ihm auffiel, wie gelähmt, in der Erwartung der kommenden Ereignisse. Vor allem müsse er so rasch wie möglich in die Klinik; wenn er abends heimkäme, würde er ihr zusammenhängend berichten, stückweise Erzählungen jetzt gäben ihr doch kein richtiges Bild und würden sie nur verwirren. Ihre Beklommenheit, ihr gedrücktes Wesen, das sie nicht verbergen konnte, so sehr sie sich auch bemühte, entging ihm. Und noch immer wagte sie nicht, die einzige Frage an ihn.zu richten, die ihr die Entscheidung für ihr kommendes Leben bringen musste. Die einzige furchtbare Frage: Wann gehen wir nach Parapatan ? (Fortsetzung siehe Seite 21.)