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E_1934_Zeitung_Nr.040

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14 AUTOMOBIL-REVUE 1984

14 AUTOMOBIL-REVUE 1984 — N» 40 wieder unsern bienenumsummten stilleren Bäumen zu. An den Wiesenrändern sitzen Kinder — und meine drei sind auch dabei —, flechten aus den hohlen Stengeln des Löwenzahns Ketten und es werden die leichtesten, lieblichsten Ketten, mit denen jemals ihre Hände gefesselt sein* werden. In den Wäldern stekken die Nadelbäume ihre grünen Lichter auf, an den abgeholzten Hängen blüht die Erdbeere — und damit das Leben nicht gar zu schön sei, stehen die bösen Brennesseln daneben und versprechen im Sommer die roten Früchte zu schützen. Schlehdornduft weht auf und verrät in betäubender Süsse verhaltene Lust. Ungeduld greift nach unserm Herzen, das Jahr hebt uns hoch und trägt uns mit sich hoch oben auf seinen kräftigen Armen. Schon suchen wir Erdbeeren, wir finden so viele, dass sie abends vor dem Einschlafen uns immer wieder vor den Augen vorbeirollen, rotes Kügelchen um rotes Kügelchen, wie sie uns aus dem Grün entgegengeleuchtet haben. Wir steigen auf den Kirschbaum, essen die dunklen, festen Herzkirschen und schnippen zwischen den blauen Fingern die Kerne davon. Wir kosten die säuerlichen Weichsein — vergesst mir nur die gute, dunkle Erde da unten nicht, die alte, die treue, die uns dies alles geschenkt hat. Schon reifen die ersten Sommeräpfel. Noch ohne Festigkeit, noch ein wenig wässerig, als hätten sie nur den brennenden Durst in den heissen Tagen zu stillen, die Rosen entfalten sich, der Jasmin erwartet den Abend und die erste Nachtigall lässt dich nicht schlafen. Aber des Morgens wartet schon der Wegwart deiner mit treuen, blauen Augen und wenn du mittags den gleichen Weg zurückgehst, sind all die Blüten schon verwelkt und verschwunden. Aus den Wäldern steigt, wenn der Wind weht, der Rauch, die Wolken der Samen ziehen über sie hin und hoch oben im Gebirg beginnt mit leuchtenden Primeln und weissen Narzissen ein zweiter Frühling. Du kannst Sommer und Frühling mischen, du kannst noch einen Hauch des Winters dazutun, wenn du aus dem Sommer in den Frühling wanderst und am Rande des Winters Rast hältst, du darfst so erkennen, dass immer alles zugleich ist, dass nichts vergeht, dass es nur eine Wanderschaft, ein Weiterziehen ist. Wir wollen noch nicht vom Herbst und vom Winter reden; denn unser aller Frühling in diesen Zeiten war sturmbewegt, zu vielen von uns haben die Bienen nicht kommen können, wir warten noch, wir wissen, dass sie kommen müssen. Wir waren alle ein wenig blind in diesen Jahren, verstockt und trotzig, grollend gegen das Schicksal, wir haben es nicht gewagt, die Erde so schön zu finden wie sie es wirklich ist. Hinter all dem Rauch und Blech der Zeit aber wartet sie noch immer auf uns, sie hat uns, ihre klügsten und auch dümmsten Kinder, nicht vergessen. Denkt nur, ein Kirschzweig klopft an mein Fenster. Und in der Nacht, da wir schlafen, kommt der Mond und leuchtet in die Blüten. Die Welt ruht nicht, sie wächst, sie blüht, sie will geerntet sein. Und wenn sie uns so die Jahre abschmeichelt, eines um das andere und uns für jedes immer mehr silberne Fäden durch das Haar zieht, gib hin deine Jahre, gib sie hin, deine Kinder wachsen im Schlaf und träumen in der Nacht wie du geträumt Schneckenhäusern und rora Rtrfe des Knkhast von Veilchen und Erdbeeren, von leeren kuks in den grünüberhauchten Wäldern. D'P/xngschtfahrt Baseldytschl Plauderei von Th. Baerwart. In der zwanglosen Folie der Beiträge in veraehiedenen Lande*dialekten bringen wir heute ein« Skizze in Basler Dialekt Die Red. Der Missi Veegeli isch absolut kai Automobilverehrer gsi, und 's het sy Liebi derfir nit vergreesseret, wo ain um der ander vo syne Spezel efange-n-e sone verfluechte Kare kauft het und är syni Spaziergang allewyl ainsamer het miese mache; aber der greescht Schlag isch fir en gsi, wo am e scheene Dag au der Haiggi, sy liebschte Frind, koh isch und em verzellt het, er haig jetz au e «Wage». Bis dohi sin die baide Familie, 's Missi's und 's Haiggi's, an jedem ainigermasse-n-aständige Sunntig mitenander iber Land, uff stille-n-unbigangene Fuesswäg, und hän als uff irged ere-n-ussichtsryche Heechi e Piggnigg veranstaltet. Dorum het die Nohricht vom e-n-Automobilkauf dur der Haiggi der Missi haillos nidergschmätteret. Wo der Haiggi gseh het, wie der Missi der Lampe het lo hange, het er en gly treeschtet und em versproche, si welle-n-eppenemol e Fährtli zämme mache. Baidi Familie gienge zwor nit in sy Vierplätzer; hingege fir d'Eltere läng er und d'Kinder kenne jo usnahmswys emol ellai mitenander spaziere goh. Koschte dieg's nyt ass d'Helfti vom Bänzin. D'Pfingschte syg jetz grad vor der Dire, und do ass dryssig welle si am Pfingschtsunntig emol e Fahrt iber d' Caquerelte und Les Rangiers mache. Der Missi und sv Frau sin hoch erfrait gsi. Der Missi het numme no gfroggt, was der Lyter Bänzin koschte dieg und wievyl ass es bruuch fir so-n-e Fahrt, wil er Angscht gha het, 's kam emänd dyrer ass e-n-Ysebahnbillet Glovelier retour. D'Uskunft het en bifridiget, und si hän abgmacht, der Haiggi kam am Sunntig demorge-n-am Achti go si abhole. Am Sunntig demorge-n-exaggt am Achti isch vor em Missi sym Huus e haillose Grach losgange. Der Missi het usegluegt. Vor der Huusdire-n-isch e Wägeli gstande, wo im umgikehrte Verheltnis ze syner Gressi kesslet und pfuust het, eppe wie-n-e-n-usgwaxeni Dampfspritzi, so dass 's ganz Huus zitteret het. D' Frau Missi isch nadyrlig au an's Fähsch'ter kö renne, und wo si die" Schmätterbänne gseh het, het si zem Missi gsaitj in so-n-e Saukare brach me si nit mit vier Ross. Der Missi het gmaint, me derf nit eso sy, 's syg au wie by de Mentsche, me kenn nit allewyl noh-n-em Issere-n-urdaile, het aber doch im Haiggi abegruefe, er soll doch ainschtwyle der Modor abstelle, me heer jo sy aige Wort nit. Das syg nit eso aifach, isch im Haiggi sy Antwort unde-n-uffe koh, er haig fascht e Stund bruucht, bis er gloffe syg, und jetz syg er froh, ass er lauf, s' Missi's hän gueti Myne zem beese Spil gmacht und sin abe. Die ganzi Nochberschaft het ze alle Fänschter use grinst, und der Missi, won-er dunde der Wage-n-us der Neechi gseh het, het donlos gfroggt, was da koschtet haig und was es fir e Marge syg. Der Haiggi isch usgstige gsi und het, während sy Frau im Ehepaar Missi us eme hindere Sitz gnädig d'Hand anegstreggt het, im Missi syni Froge biantwortet: «Da Wage-n-isch e-n-Occasion gsi. Er het mi numme fimfhundert Frangge koschtet. Was es fir e Marge-n-isch, das käme nimme feschtstelle. Er het nämlig der ganz Grieg mitgmacht und isch dreimol läbensgfehrlig verwundet worde. Zerscht isch's e Limousine gsi, dernoh isch er zem e Liferigswage-n-umbaut worde, und my Vorgänger het derno e Tourewage drus gmacht. Usser em Modor isch wohrschynlig kai Atom meh vom urspringliche Fuehrwärg dra. Scheen isch er nit, my Wage; aber das isch Näbesach. 's Wichtigscht bym Automobil isch wie bym Mentsch 's Harz, der Modor, und der Modor vo mym Wage-n-isch e Juwel. Mit däm han-i der Hauestai scho ohni Ibersetzig gnoh.» Was hän der Missi und sy Frau welle mache? D'Hauptsach isch ene-n-efange gsi, ass si der Nochberschaft us de-n-Auge koh sin. Der Missi het numme no gmaint: «Aber gäll, Haiggi, nit mehr ass dryssig Kilometer?» «'s war mer wohrhaftig e Kunscht», het der Haiggi by sich im Stille dänggt, «mehr Kilometer z'mache», het im Missi zuegniggt und isch hinder d'Styrig gsässe. Der Missi het näbe-n-an ihm und sy Frau näbe der Frau vom Haiggi Platz gnoh. E paar Hand- und e paar Baigriff, und si sin loszitteret. 's isch prächtig Wätter gsi, numme-n-e bitzeli schwiel, wo si's d'Minchestainerstross durus ghaue hän. Der Haiggi het im Missi d'Yrichtig vo sym Wage-n-erglärt, het em d'Hand- und d'Fuessbrämsi, der Vergaser, der Gschwindigkaitsmässer und derigi Sache zaigt. Aber der Missi het numme mit halbem Ohr zueglost. Trotzdäm er uff der Landstross niemerts Bikannter gseh het, het er sich gschämmt wie-n-e Hund, wil d'Automobilischte, d'Velozipedischte-n-und d'Fuessgänger glacht hän, wenn si näbe dure sin, und wo-n-er aine gheert het briele «lueg bygott da Rolls Royce», het er sy Huet diefer ins Gsicht zöge. ' In Dälschbärg hän si ghalte, fir z'nynl z'näh und Landkarte z'studiere; denn 's isch '•^erseht Mol gsi, äss der Haiggi iber d'Cacfuerelle isch. Und dernoh sin si wider los: Richtig Courfaivre-Bassecour. Wo d' Styglg der Afang gmacht het, het der Haiggi wellen-e-n-Arang näh, fir im Missi z' zaige, wieri-er ohni Ibersetzig uffe kam. Aber d' «Occasion» isch uff aimol nimme vorwärts koh und het numme no grumplet. «I muess doch d'lbersetzig yschalte», het der Haiggi brummlet, «'s isch allwäg ai Kerze nyt meh. Mer haue's derno derfir äne-n-abe suuber und glatt.» Er het uff e Hebel druggt, und under em Missi het's afoh glepfe-n-und schittle, ass er gmaint het, er hogg uff eme Vulkan, 's isch aber dasmol gligglig vorwärts gange. Der Missi het d' Ussicht bschaut, d'Fraue hän vo de Punggtroller gschwätzt und der Haiggi het gsunge: Aas Tag wird Nacht Von Heinrich Zlllich. Der gross* Pan liegt faul im Grase Und will mit nackten warmen Händen Das Blatt des Tags in das des Abends wenden, Das Tal hält eng wie eine Vase, Die blaue Lult, die mählich sich verdichtet, Indessen Mücken am die Bäume springen Und irgendwo die Lerchen singen, Die Nacht im Laub ihr Lager richtet: Da geht die Ruhe hin auf leisen Sohlen Und breitet ihren Mantel um die Felder — Die Wege schweigen schon — und alle Wälder Stehn still und schwarz — ganz sternbefohlen. «0 Maienzeit! O Liebestraum!» Mit der Zyt sin si gligglig uff d" Caquerelle koh und hän dert zerscht e bitzli d' Bai gstreggt und 's Midagässe bstellt 's isch haillos gmietlig worde. Der Missi und sy Frau hän der Abligg vom Haiggi sym Kare vollständig vergässe gha. Me het bschlosse, eppenemol esone Fährtli z' mache, und der Haiggi und der Missi hän in der Bigaischterig gheerig birschtet. Wo si derno aber hän welle-n-uff Les Rangiers wyterfahre, het sich der Himmel iberzoge gha und us em Weschten-isch's kohleschwarz koh. «'s macht nyt»' het der Haiggi gsalt, «abeszue goht's wie-n-e g'eelte Blitz, 's längt is sogar no, fir 's Wehrmännerdänggmol az'luege. En voiture!» Und richtig, 's het grad no glängt Der Haiggi isch zwaimol um's Dänggmol umegfahre, und si hätte-n-au no im Gwitter kenne vertlaufe, wenn's numme-n-uff d'Zyt akoh war. Der Haiggi het sogar scho afoh singe: «O Maienzeit! 0 Liebestraum!» Aber kuum sin si eppe zwai Kilometer wyter gsi, het 's Auto afoh hopse-n-und der . Haiggi isch blaich worde-n-und het gstehnt: «E Plattfuess!» Der Missi het nit rächt gwisst, was das ' isch. Der Haiggi aber het's numme zue guet gwisst. Er isch usgstige-n-und het im Missi gwungge, er soll em ko hälfe. Die erschte grosse Tropfe sin gfalle. E Blitz und e Donner! Die baide Fraue sin fascht druff gange vor Angscht. E Dach fir iber der Wage het der Haiggi nit gha, Schirm au niemerts, und jetz het's afoh abeprassle wie verruggt. Zerscht hän der Haiggi und der Missi 's Reserverad abgschruubt, was si in guet ere halbe Stund zwäg brocht hän, und dernoh hän si mit der Windi welle der Wage lipfe, was ene-n-in ere wytere Viertelstund, nohdäm ene der Wage-n-eppe zwanzig Mol abe^ grutscht isch, ebefalls grote-n-isch. 's Rad mit em kabutte Pneu hän si au no abbrocht; aber 's nei hän si um 's Verworge nit kenne montiere. Zwai Stund lang hän si gschueschteret, und derzue het's blitzt und donneret und gschittet. D'Fraue sin vom Punggtroller zem Hyle-n-ibergange. Vo alle vier het kalns meh e troggene Fade-n-an sich gha. Zletscht hän si die ganzi «Occasion» miese zruggloh und z' Fuess uff Dälschbärg abe miese walze. Dert het der Haiggi in ere Garage der Ufftrag gäh, si solle-n-em da Saukare hole-nund haimschigge. Uff der Haimfahrt mit em letschte Zug het der Missi als erschte der Humor wider gfunde. Er het im Haiggi e Schupf gäh und het gsunge: «O Maienzeit! 0 Liebestraum!» DIE KÜHLUNG FÜR ALLE ZWECKE AUSSTE LLUNG: URANIA8TR. 16 TEL. 69.441 Ein Qualitätsstumpen in sehr bequemer« besonders für Automobilisten geeigneter Einreihenpackung t 7 Stuck AUTOFRIGOR FRIGOMATIC ZUG Die Zufahrtsstrassen aus der ganzen Schweiz sind ersichtlich In O. R. Wagners CHTourlng. Führer für Automobilfahrer, offizielle Ausgabe des T. O. S. Bittest Fahrt Zugersee — Aegerisee — Zugerberg Auskünfte und Prospekte durch das kant. Verkehrsbureau Zug. für Ferien- und Kuraufenthalt. Gut geführte Hotels und Pensionen. Ueber ein Dutzend Kinder-Kurhauser, Prospekte und Auskunft durch das Verkehrsbureau Unterägeri. Telephon 4. Schönste Tropfsteinhöhlen der Schweiz. Naturwunder I. Ranges. Unterägeri Gutgeführte Hotels. Pensionen und Kinderheime. Höllgrotten BAAR T.O.S. Walchwil A.O.S. Hotel Kurhaas Pension Fr. 7.50—8.50. Behaglich n. ruhig. Ideales Strandbad. Grosser Seerarten. Prospekte. 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W 40 - 1934 Pfingstfahrt nach Fusio Die wanne Sonnenseligkeit eines Locarneser Pfingstsonntages lockte mich in die Frische und Köstlichkeit eines hintern Tessiner Bergwinkels zu steigen und auf einige Stunden Balsam von Weiden und Sturzbächen zu atmen. Das ferne Fusio war das Wanderziel. Das flinke blaue Züglein der Maggiatalbahn führt in ruhiger Fahrt nach Bignasco, und hier, am Eingang zum flussdurchbrausten, berghohen Hochtal Lavizzara, beginnt die Wanderung ins tessinische Hinterland hinein, das viele nicht kennen, weil keine Suggestion internationalen Namens dabei ist. Eine Höhendifferenz von beiläufig 800 Metern ist zu überwinden, denn Bignasco erhebt sich mir 200 Meter über Locarno und Fusio meldet stolz als Höhenziffer 1281 Meter. An der Frohheit und Stille der sauberen Poststrasse seitlich rauscht in einemfort die Maggia jung und tatenlustig zu Tal, überhüpft muntere Felsen und zwängt sich keck zwischen Felsenengen hindurch. Immer hast du das Rauschen des grünlklaren Bergwassers, darin ledkere Forellen sich tummeln, im Ohr, und es begleitet dich wie Ewigkeitsgesang aufwärts bis zum Wanderziel. Und schon sticht weisses Gemäuer von Kapellen und Kirchen und Häusern ins helle Grün edler Kastanien. Hoch am Hang und weit über deT Strasse lockt Brontallo, grüsst lächelnd hinunter und ist, als ob es ihm noch nicht genug gewesen wäre, sich ins Hochtal zu verstecken, es musste sich auch noch von der Strasse weg in die Höhe, zu der nur noch ein holpriger Saumpfad führt, recken, um den andern Menschen im Tale ja nicht zu nahe zu sein, denn es will ein Eigenleben führen! Wir zu ihm hinauf. Urweltstille im Dorf Ober der schmalen Felsterrasse, das ganze Volk in der Kirche. Sie singen das Offertorium und lassen sich auch durch unsere Neugierde in der Abgekehrtheit dieses stillen Pfingsttages nicht stören. Für den doch ohnehin wenig Weite beanspruchende Kirchhof bot die Umgebung der Kirche auf dem engen Grund keinen Raum. Da haben sie ihn auf eine kleine Felsennase abseits vom Dorfe gesetzt. Die Umfassungsmauer führt hart an den Abgrund. Die Toten von Brontallo haben ein sicheres Bett. Aber auch die Lebenden wissen, dass ihre Seele ruhig sein kann, denn in dieser Genügsamkeit, die zum Leben mrr eine Ziege und ein Aeckerlein benötigt, kennen sie die Unruhen der Stadt nicht, und politisch genügt ihnen das breit und stolz am säubern Gemeindehaus hingemalte Schweizerwappen mit dem weissen Kreuz. Leben und Tod kommen auch ohne ihr Dazutun, und die Kastanie bräunt sich und fällt ihnen zu Füssen ohne grosses Begehren. Einzig zum Cammino tragen müssen sie die Frucht, und das tun sie... Nicht anders ist es mit dem nächsten Einsamkeitsdorf über der Talstrasse, Menzonio genannt. Aber das nächste Dorf, Broglio.hat sich nun doch an die Strasse gesetzt. Bei Prato, dem stattlichen Eingangsdorfe zum gleichnamigen Tale, überschreiten wir den Fluss Prato sonnt sich hart an der Strasse und Fluss aus altem Kastanienwald tretend, denn es darf sich rühmen, am Kreuzweg und an der Aufstiegsroute zum Campo Tencia, einem spitzen und kecken Dreitausender zu sein und am Passweg ins Val Verzasca zu stehen. Trotzdem liegt in seinen Gassen die Trauer, das ganze Dorf ist sozusagen ausgestorben und ausgewandert, gleich wie das nächste, wenige Minuten obenher, Sormco. Um einen mächtigen, alleinstehenden Kirchturm mit losen Glocken deutschschweizerischer Art schart sich ein Trupp ein Hauser. Aber eines weist noch gewichtig und kühn ein kaum verblichenes Familienwappen über einem Torbogen auf. In diesen grössten der Häuser haben die eidgenössischen Vögte gehaust, wenn sie, oft genug, in Lavizzara hinaufstiegen um Gerichtstag zu halten. Im baufälligen Amtshaus nebenan duckten sich Schreiber und Gequälte in niedere Stuben und der Vogt allein hielt bös Gericht, denn auch tiefe, lichtlose Kerker und eine Folterkammer birgt das Haus. Noch ist der Schandstein mit dem Halseisen, an das Verurteilte, oft wegen geringfügiger Vergehen, zur Schau und zur Abschreckung gestellt wurden, zu sehen. Eine muntere Frau, die jetzt das üble Vogtehaus bewohnt, wollte wissen, dass deT zum Halseisen Verurteilte von den Vorübergehenden insultiert werden musste, und dass den Burger der sich nicht herbeiliess, des Vogtes Opfer seinerseits zu quälen, selbst empfindliche Strafe traf. Die Geschichte weiss jedenfalls von strengen Strafen, die harte Vögte einzig wegen Bussen-Nichtzahlung und Steuerverweigenmg fällten, zu berichten. In einem Fall wird von Sornlco erzählt, dass ein Schelm gefoltert wurde, obwohl er von Anfang an seine Tat eingestanden hatte. Tessiner Wanderblatt von Hermann Aellen. «Die gute alte Zeit> war eine böse Zeit finsterer Willkür. Von der freundlichen Frau willig geführt, haben wir das vogtliche Wohnhaus einer Besichtigung unterzogen. Durch eine geräumige Wohnküche mit altem Brotbackofen gelangt man in ein ehrwürdiges gewölbtes Wohnzimmer. Ein alter Ofen aus Lavezzstein mag im langen, sonnenarmen Winter wohlige Wärme verbreiten. Eine lange Wandseite ist mit alten Fresken aus der Vögtezeit bemalt. Sie haben unter der Ofenwärme arg gelitten. Die Decke zieren Stukkaturarbeiten, und der Plafond ist wiederum mit einem jetzt unkenntlichen Wappen bemalt. Hier wohnte beinahe ein ganzes Jahrhundert hindurch, so erzählte uns die Tessinerin, der angesehene Pater des Dorfes, Don Michele Conti, und starb, ein wirklicher Patriarch, 98jährig. Noch ehrt die Urkunde des Staates vom 50jährigen Priesterjubiläum des Toten. Die Stube hat sonach ihre Geschichte von christlicher Mildtätigkeit und Frömmigkeit und weltlicher Willkürlichkeit... Eilig verlassen wir die Stätte unglücklicher Vögtezeit und streben Peccia zu. Auch dieses Dorf liegt traurig und doch immer noch stattlich in der Taltiefe, gemildert ist diese Härte indessen durch den prachtvoll alten, stämmigen und grosskronigen Kastanienwald, den üppigsten, den es im Tessin noch gibt. Hier zweigt das Val Peccia links zur Seite, mit wilder Romantik umsponnen. Uns aber führt diesmal die Strasse in ungezählten Serpentinen bergan näher an Fusio. Ist die Höhe erreicht, sind wir eigentlich schon auf Alpentriften. Ein Weiler wird noch passiert, ärmlich und grau, und jenseits des Flusses, der sich immer noch Maggia nennt, Hegt einsam und glücklich im weiten Wiesengrunde ein Idyll, Mogneo. Ein letzter An- AUTOMOBIL-REVUE Zauber der Tessiner Berglandschaft lauf, und Fusio ist erreicht Auf einem magern Hang, hart unterher eines steilen Felsens, aber schon von ersten Fichten umsäumt, erhebt sich eng aneinandergeduckt und übereinandergeschaohtelt das Dorf mit dem schlanken Campanille. Kein wüster Nutzbau, kein Hotelkasten stört die Lieblichkeit und köstliche Unberührtheit des Die Zufahrtsstrassen aus der ganzen Schweiz sind ersichtlich in O. R. Wagners CHTouring, Führer für Automobilfahrer, offizielle Ausgabe des T. C.S. LOCARNO A.C.S. Hotel Reber am See T.C.S. Idealer Ferienaufenthalt. Grosser Park. Moderner Komfort. Weekend-Arrangements. Zeitgemässe Preise. Strandbad. Garage, Boxen, Service. Tel. 623. C. A. REBER. Vom Simplon oder Gotthard besuchen Sie das ideal, direkt am Lago Maggiore gelegene A.C.S. Grand Hotel Brissago T.C.S. m gr. Park, mit eig. Strand, Tennis, Golf, Garage. Zimmer v. Fr. 3.50, Pension Fr. 12.- an. Günstige Pauschal- n. Weekendarrangements. 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Und so arm ist Fusio nach städtischen Begriffen nicht, denn seine Gerichte sind leckere Forellen aus der Maggia am Mittag und schaumige Milch und weicher, butterartiger Käse die Fülle, am (Morgen und am Abend. Hingegen mit Gemüse werden sie sich bei den kümmerlichen, kaum zwei Tisch grossen Aeckerlein sehr bescheiden müssen. Drei Passübergänge münden in Fusio ein. Ueber den Sassello und Campolungo gelangen rüstige, ausdauernde Bergwanderer hinüber ins obere Livinental und der Naret führt ins Bedrettotal und zum Nufenen. An diesem Pfingstsonntagabend trafen immer wieder Gruppen von Bergfexen über diese Bergpässe ein, müde und abgehetzt, aber froh in der Seele. Wir selbst waren immerhin siebzehn ansteigende Strassenkilometer gewandert und fanden, dass bergwärts schon mit fünf Stunden Marsch gerechnet werden müsse. Als dann das helle Bimmelglöcklein ganz Fusio zur Abendmesse rief, fanden wir uns rasch zur Andacht bei Gott Morpheus ein, lobten aber doch wieder den Morgen, der uns früh schon dieselbe Strasse heimwärts führte. Und grüssten nochmals himmelhohe Berge, klare Wasser und schweigende Dörfer in kühlen Kastanienhainen. Stilleben im Frühling Tulpen. Die Tulpen sind wie Raketen, die man in die Erde gesteckt hat, wo sie in allen Farben ihr knalliges Feuerwerk versprühen. Gut, dass sie da festhalten. Sie erfüllen in der Hand des Bodens, der ihr Leuchter ist, die Pflicht, die dunklen Tage za erhellen, und versprühen hienieden ihren Farbenregen, statt/wie ihre Schwestern, die Raketen, oben unter dem Himmelsgewölbe, wo die Sterne vor ihnen schon dort waren und weiterhin bleiben, Zeugen der Ewigkeit, und nicht bloss eines kurzen irdischen Zwischenspieles. Wildrose. Unter ihren unzähligen berühmten Schwestern, die Gärten, Gemälde und Träume der Sehnsucht füllen, ist die Wildrose die ruhmloseste, blassrötlich an Farbe, unauffällig an Gestalt und an Duft von der Unschuld und Zartheit der ersten Schöpfungstage. Die Heimat der Wildrose ist die Wildnis, am Waldrand, in den Hecken fühlt sie sich heimisch. Ihre liebliche Erscheinung kosen die Winde, Vögel und Wanderburschen, und nur ganz selten findet sich die Wildrose im Gürtel oder zwischen den Lippen eines Mädchens. Selten singen Lieder von der Wildrose. Auch Volkslieder wagen sich nicht häufig an solch traumzarten Zauber, an diesen flüchtigen Blustschnee, der im Hag liegt mit Märchenaugenaufschlag, wie ein v Lächeln, das ein Engel verlor, als er in einer Mainacht zur Erde stieg. Da bebt nun die Wildrose im Atemzug der Welt, ihre Blätter zeigen die Armut eines Schleiers, den ein Stern fallen-Hess, und ihre Dornen wehren sich für sie wie für einen Schmetterling, der das Fliegen verlernt hat. Das Wildröschen verströmt seinen Duft abseits am Rande der grossen Welt. er.