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E_1934_Zeitung_Nr.034

E_1934_Zeitung_Nr.034

BERN, Dienstag, 24. April 1934 Nummer 20 Cts. 30. Jahrgang - N» 34 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint jaden Dlettta« und Freitag Monatlich „Gelbe Liste« Halbjährlich Fr. 5.-, jährlich Fr. 10.-. Im Ausland unter Portonnehtag, taten nicht portamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche Bwtellung 30 REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breltenralngtr. 97, Bern Rappen. Postcheck-Recbnung II1/414. Telephon 28.232 Talegrafnnt-AflresM: Autorevue, Bern INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzelle oder deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 CU. Grössere Inserate nach Seitentarif. Imeratensehlnsg 4 Tage vor Erscheinen der Nummern Verkehrserziehungswoche Welche Bedeutung der Verkehrserziehimg Gelegenheit, einen wichtigen Rahmen des im modernen Gesellschaftsleben zukommt, Programms zu schaffen. Eine Woche lang haben wir in zwei früheren Artikeln *) darzustellen versucht. Die grundsätzlichen Fra- auf die Werbewoche hin, jeden Mittag verdirektion selbst angewendet. Freilich wird weisen vor jeder Filmvorstellung Lichtbilder Erfolg grosse Preisausschreiben der Polizeigen dieser Erziehungsaufgabe, besonders ihr kündet das Radio das Neueste von der Verkehrswoche und wirkt mit eigenem originel- Polizeidirektion, sondern von einer Reklame- dieses technisch und finanziell nicht von der organisatorischer Aufbau, sind dort gleichfalls behandelt worden. Was uns heute als len Programm. Die Tagespresse bringt täglich Hinweise und Klischees, grundsätzliche lastwagen enthielt ein Plakat mit derches Preisausschreiben stellte zum Beispiel Polizei wurde damals eingesetzt. Ein Polizeifirma durchgeführt werden müssen. Ein sol- Abschluss dieser Betrachtungen beschäftigt, ist die praktische Durchführung einer Aktion, Ausführungen von Verkehrsfachleuten, sowie die Aufgabe, auf einer Bilderserie die Fehler die im grossen Rahmen der Verkehrserziehung eine wichtige Rolle spielt. Es ist polizei selbst mit ihren Erfahrungen aus dem Anlässen im Verkehr richtig herauszufinden Unfallberichte, wobei auch die Verkehrs- einer Fussgängerfamilie bei verschiedenen die « Verkehrserziehungswoche ». Sie wurde Publikum zum Wort kommen soll. und zu beschreiben. Die Lösung war ferner in vielen Großstädten des Auslandes als ein beliebtes Aufklärungsunternehmen eingesetzt Von grosser Wichtigkeit ist der Verkehrsunterricht in den Schulen. Er wird in dieser Schaufenstern von ca. 100 Geschäften ver- mit einem zwangsläufigen Rundgang vor den und wirkt durch ihre konzentrierte Propaganda mit erprobten Erfahrungen immer wieder erfolgreich. Auch die schweizerische Woche mit verstärkten Kräften eingeschaltet. bunden, die ihre Auslagen gleichfalls in den In allen Klassen müssen den Schülern praktische Fragen aus dem Verkehrsleben zur und deren Typs in der Lösung des Preis- Dienst der Erziehungswoche gestellt hatten, Verkehrsliga plant, in diesem Frühjahr mit einer solchen Verkehrserziehungswoche in schriftlichen Arbeit aufgegeben werden. Es ausschreibens angegeben werden mussten. die Oeffentlichkeit zu treten. Um so angezeigter mag es sein, dieses Thema an- hat sich als durchaus eindrucksvolles Werbemittel für .die Schulkinder erwiesen, wenn spekt des Preisausschreibens und tragen so Die Geschäfte tragen ihre Reklame im Pro- zur Finanzierung des ganzen Unternehmens zuschneiden. Die folgenden Ausführungen erheben keineswegs den Anspruch, ausschliesslich oder erschöpfend zu sein, sie bei. Die Preise werden von Vereinen oder Verkehrsunternehmern gestiftet. Freikarten mögen als Anregung dienen und die Aufmerksamkeit weiterer Kreise auf die Methoden dieser Aktion hinlenken. Die Verkehrserziehungswoche hat die Aufgabe,-die Bevölkerung mit- allen Erziehungsmitteln und konzentrierter Kraft eine Woche lang auf ihr vielseitiges fehlerhaftes Verhalten im Verkehr hinzuweisen und ihr zugleich das richtige Verhalten vor Augen zu führen. Ungewöhnliche Mittel müssen angewendet, schlagartige, sensationelle Kräfte eingesetzt werden, die einerseits imstande sind, die oft schwer bewegliche Oeffentlichkeit für das Wesen der Verkehrserziehung kollektiv aufzurütteln und zu interessieren und die einigermassen nachhaltigen Einfluss zu hinterlassen versprechen. Es ist dabei zweckmässig, die Aufgabe, auf welche die ganze Aktion ausgerichtet wird, so eng wie möglich zu fassen. Man kann eine Erziehungswoche für Fussgänger und Radfahrer, eine andere für den Fahrverkehr arrangieren. Das Programm hat sich entsprechend einzurichten, und die Massnahmen können somit geschlossen auf einen Punkt eingesetzt werden. Wie mag ein solches Wochenprogramm aussehen? Zunächst ist es verständlich, dass die Verkehrserziehungswoche auf eine einzelne Stadt und derselben nächsten Umgebung sich beschränken muss. Die Presse, alle Lichtspieltheater, aber auch der Rundfunk bieten ) Nr. 24 und 28 der « Automobil-Revue ». F E U I L L E T O N Die ewige Wahrheit. Roman von Oskar Sonnlechner. (21. Fortsetzung) «Ja, Jul.» Sie gab die Antwort, ohne sich dessen bewusst zu sein. Aber sie reute sie doch nicht — morgen war der letzte Tag. Unter den halbgeschlossenen Lidern sah sie ihn zärtlich an, in dem Bewusstsein, dass sie ihm eigentlich noch hätte gestehen müssen: «Morgen, Jul, ist alles zu Ende.» «Frau Enid», seine Stimme zitterte, «wollen Sie mir einen Beweis geben, dass Sie glücklich sind?» Sie schüttelte den Kopf und sah weg. Die Besinnung der Ernüchterung war über sie gekommen. «Den Beweis haben Sie, Jul», mit fester Stimme sprach sie es aus. «Sonst sässe ich nicht hier. Und ich hoffe, Jul, dass Ihnen dies genügt.» Allein im selben Augenblick tat ihr zumindest ihr strenger Tonfall leid, und lachend fügte sie hinzu: «Eigentlich sind wir beide etwas überspannte Menschenkinder.» Da lachte auch Jul, aber es war nicht das Richtige. Auf beiden Seiten eine erzwungene und erkünstelte Fröhlichkeit. geeignete Polizisten in Uniform mit Vorträgen die Lehrkräfte der Schule unterstützen. Der uniformierten Polizei wird überhaupt für das engere Programm die wichtigste Rplle zufallen. Sie muss dem Volk in ihrer Aufgabe des Verkehrsschutzes deutlich gegenübertreten — nicht in dem Sinne der Strafpolizei, sondern der Schutzpolizei. An bestimmten, stets wechselnden SturtüBn wird, die doppeltesten weise dreifache Anzahl von Polizeibeamten sich um das Verhalten der Fussgähger und Radfahrer oder der Autofahrer kümmern. Sie werden höfliche Belehrungen geben, und in dieser Woche überhaupt keine Strafanzeigen einreichen. Polizeiaufgebote werden in dieser Woche die Kinder bei Schulschluss und Schulbeginn besonders überwachen und belehren. Es mögen erfinderische Köpfe überlegen, wie sie den individuellen Verkehrsunarten, die sich in jeder Stadt an bestimmten Gefahrenzonen herausbilden, entgegentreten und sie mit Humor dem Publikum vor Augen halten. Wenn die Polizei für den Volkswitz Verständnis hat, wird ihr das Volk am liebsten Folge leisten. Geradezu berühmt geworden ist ein Fall der Verkehrserziehungswoche in Mannheim vom Jahre 1931, wo die Schupo den Pfälzer Volkscharakter folgendermassen zu packen verstand. Lange hatte sie einen erheblichen Kampf gegen die Bummler geführt, die an verschiedenen Strassenecken regelmässig verkehrsstörende Gruppen bildeten. In der Werbewoche fuhr plötzlich ein Polizeilastauto an der Strasse vor. Die Polizisten mit weissen Handschuhen hatten Stühle in der Hand und boten sie höflichst «Nun wollen wir aber vernünftig reden, Jul. Wie wollen wir unseren Weg einteilen? Gehen wir heute noch zur Hütte, oder machen wir morgen den Weg in einem?» Nur mit Widerstreben ging er darauf ein. Es wäre wohl besser, sie gingen heute noch. Er wisse, den Schlüssel zur Hütte habe die Wirtin, er habe bereits erfragt, dass heute niemand oben sei. Misstrauisch dachte sie nach. Sie wären also oben allein. «Wir wollen morgen den Weg in einem machen, Jul. Vor allem, ich bin heute etwas ermüdet.» Log sie. «Wenn wir unterwegs eine längere Rast machen, geht es auch in einem Tage. Auch sind wir dann vor dem Abmarsch ausgeruht.» Und wie er auch bat und drängte, sie blieb in ihrem Entschluss standhaft. Sie war sich der Gefahr in dem Empfinden als Frau bewusst. Mit eigensinniger Miene sah er vor sich hin. «Wir sind einig, Jul», lächelte sie ihn an. «Wenn wir...» Die Türe wurde hastig aufgerissen. Vier junge Leute polterten herein. Hochbepackte Rucksäcke, Kletterseil, Steigeisen, Eispickel. Als der letzte, ein hochgewachsener, schlanker, glattrasierter Kerl, Jul erblickte, riss es ihn freudig zusammen, man sah, er wollte auf lächelnd den verkehrsstörenden Gruppen an: « Sie stören zwar hier den Verkehr; aber die Herrschaften haben ja anscheinend Wichtiges miteinander zu sprechen. Wir dürfen Ihnen daher einen Stuhl anbieten; inzwischen werden wir die Fussgänger um Sie herum über^ die Fahrbahn leiten.» Der Erfolg war schlagend. Mit roten Köpfen und unter dem Gelächter der Zuschauer zogen,die Bummler ab. '— Auch eine Werbewagenkolonne der Aufschrift: «Sei vorsichtig im Verkehr, sonst ©• » und mit dem Pfeil wurde auf den Krankentransportwagen der Sanitätskolonne gewiesen, der unmittelbar dem Polizeiwagen folgte. Der ganze Zug wurde von Polizeibeamten auf Motorrädern angeführt und geschlossen. Es ist nicht gesagt, dass solche Aktionen für alle Städte gleichermassen angängig sind. In jeder Stadt aber, wo eine Verkehrserziehungswoche stattfinden soll, haben die, lokalen Organisatoren ein grosses Gebiet vor sich, auf dem sie sich für zugskräftige Programmpunkte anstrengen können. Es macht auf den Fussgänger und Radfahrer auch einen guten Eindruck, wenn ihnen von Polizeibeamten selbst auf der Strasse plötzlich Verkehrsregeln und Merkblätter mit höflichem Hinweis auf die Werbewoche überreicht werden. Mit dem Plakatwesen und besonderen Vortragsreihen in Clubs und Vereinen lassen sich gleichfalls manche Wirkungen erzielen. Als Themen solcher Vorträge mögen unter anderem in Betracht kommen: ».«Grosse und kleine Verkehrssünder» (Referent: ein Praktiker), «Elternhaus und. Schule im Kampf gegen die Verkehrsunfälle » (Referent: ein Pädagoge), « Das Interesse der Polizei an der freiwilligen Mitarbeit der Unfallverhütung, insbesondere an der Verkehrserziehung der Jugend» (Referent: ein Polizeioffizier), «Die Folgen der Verkehrsunfälle» (Referent: ein Arzt), «Seh- und Beobachtungsversuche mit Schülern und Schülerinnen verschiedener Lehranstalten an einem Verkehrsunfall» (Referent: ein Automobilexperte). Für Vortragszyklen ist es von besonderem Vorteil, wenn sie im Rahmen einer Verkehrsausstellung stattfinden. In dieser Ausstellung können sowohl eindrucksvolle Bilder und Darstellungen von Verkehrsunfällen, als auch Zeichen und Ereignisse aus dem Verkehrsleben sowie Filme vorgeführt werden. Für das Arrangement haben besondere Talente Gelegenheit zu ihrer Entfaltung. Zu den vortragen und der Ausstellung gehören auch Lehrerrundfahrten im Verkehr, bei denen die Fehler und Untugenden im Strassenverkehr an praktischen Beispielen erkannt und die ihn zueilen, aber als er die Dame neben ihm sah, blieb er wie angewurzelt stehen und klappte die Absätze zusammen. Freudig war Jul aufgesprungen und auf ihn zugetreten. Mit einem kräftigen Händedruck standen sie einander gegenüber. Frau Enid verstand nicht, was sie miteinander sprachen, während die anderen lärmend die Rucksäcke abwarfen und es sich an einem Tisch in der anderen Zimmerecke bequem machten. Als Jul wieder zu Frau Enid auf die Bank rutschte, sah sie ihn fragend an. Welcher Zufall! Vier Innsbrucker Studenten. Der Lange, Hagere, mit den tiefliegenden Augen und dem energischen, scharfgeschnittenen Mund sei ein Regimentskamerad von ihm. Ausbildung für den Schulverkehrsunterricht gefördert werden kann. Um mit der Verkehrserziehungswoche noch intensiver die Bevölkerung zu erfassen und sie für das rechte Verhalten im Verkehr zum Nachdenken zu veranlassen, wurden mit auf Eisenbahnen oder Schiffen, ein Fahrrad, Freifahrschulausbildungen, Freiflüge, Waren und Geldpreise sind willkommen. Die Prospekte des Preisausschreibens werden in allen Schulen und auf der Strasse von Polizeibeamten selbst an das Publikum verteilt. Die Lösungen müssen in kurzer Frist eingereicht werden. Ein Preisgericht von, Männern aus dem öffentlichen Leben und verschiedener Berufe trifft die Entscheidungen. Finanziell hat sich die Erziehungswoche aus sich selbst und durch die Unterstützungen der Verbände zu tragen. Die Verbände spielen insofern eine wichtige Rolle,, als sie ihre besten Kräfte als Organisatoren zur Verfügung zu stellen haben und selber in den Mitgliedschaften das Interesse an dem Unternehmen erwecken sollen. Das Prinzip der Verkehrserziehungswoche muss sein, dass als ihr wesentlicher Träger die Verkehrspolizei in Erscheinung tritt. Die Verkehrspolizei muss sich der Bevölkerung als solche vorstellen und dieser ihre Aufgabe des Verkehrsschutzes zum Bewusstsein bringen. Das Publikum soll dabei zum Verständnis für Ordnung und Selbstdisziplin im Verkehr angeregt und ermuntert werden, durch Erziehung an sich selbst die Unfälle zu vermindern und die Arbeit der Verkehrspolizei zu erleichtern. Die Verkehrserziehungswoche ist das wichtigste Mittel, den grundsätzlichen Gedanken der Verkehrserziehung überhaupt dem Volke verständlich zu machen. Dr. H. W. Mühlemann, Bern. Auch die vier machen den Hochgolling. Aber auf einem ganz anderen Wege, wie es Jul und Enid vorhaben. In einer Stunde gehen sie los. Sie nehmen den Hochgolling von der schweren Nordseite. Heute abend noch bis zur Krimmeralm, die jetzt bewirtschaftet sei, morgen über die Nordwand. Das schwerste Stück hätten sie noch heute vor sich. Verwegene Kerle, die sich nicht so schnell vor etwas fürchten. Namentlich der lange Fähnrich. Sie nehmen nicht den leichten Almsteig, auf dem man das Vieh auftreibt, sondern steigen durch die Grauwand auf. Eine böse Kletterei. Brüchiges Gestein, überhängender Fels, nicht ein versicherter Griff. Am nächsten Tag von dort den Gipfel zu nehmen, sei dagegen eine Spielerei. Unverständlich schüttelte Frau Enid den Kopf. Jul lachte. Sie werde diesen Rausch nie verstehen, sein Leben im Kampfe mit den Naturgewalten einsetzen, die eigene Kraft und den Mut kühn in die Waagschale des Gelingens zu werfen. Die Anwesenheit der vier Studenten beengte sie. Ihr ungezwungenes Alleinsein war gestört. Darum schlug sie Jul vor, die letzten, sonnigen Stunden des Nachmittags zu einem kleinen Spaziergang im Freien auszunützen. Als sie zur Türe schritten, sprangen die vier im sichtlichen Respekt vor der Dame auf und standen stramm. Allen voran der hagere Reservefähnrich mit dem verwegenen, .scharfgeschnittenen Indianergesicht. Jul grüsste lachend, Frau Enid nickte. Im letzten Augenblick ihres Verschwindens winkte der Hagere Jul mit dem Kinn, wie wenn er ihm noch etwas zu sagen habe, trat mit langen Beinen auf Jul zu und flüsterte ihm etwas ins Ohr. Lachend schüttelte der den Kopf.