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E_1934_Zeitung_Nr.042

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16 AUTOMOBIL-REVUE

16 AUTOMOBIL-REVUE 1934 — N° 42 gerte Anforderungen an die fahrende Dame im Vergleich zu früher. Nur ein gesunder Körper kann ihnen gewachsen sein. Da dieser durch wenig Bewegung zum Fettansatz neigt, so ist Turnen oder sonst Körperbewegung unbedingt erforderlich. Einen streng vorgeschriebenen Autodress gibt es nicht. Im geschlossenen Wagen, geschützt von Wind und Wetter, genügt jeder Sportanzug, der Jahreszeit angepasst; Mäntel und Kappen sind als Schutz im offenen Wagen nötig. Von einer einheitlichen Mode kann man nicht sprechen, aber immer wird die Frage sein, ob wir uns sportlich betätigen oder zur Unterhaltung und Zerstreuung fahren. Wir werden uns für eine Weltreise anders anziehen, als für eine kurze Fahrt durch sonnige Gegenden. Hin und wieder sieht man noch Autos, deren Insassen den Eindruck erwecken, als ob sie eine Nordpolfahrt unternehmen wollten, dabei machen sie eine kleine Spazierfahrt. Kürzlich sah ich eine Familie Neureich mit ungeheuer langen Ledermänteln, Sturzhelmen und Riesenhandschuhen, sogar der Hund trug eine Autobrille. Seien wir praktisch, seien wir sachlich, verbinden wir Hygiene und Aesthetik. Die Frau, die eine grössere Reise allein machen will, sollte ihren Wagen kennen wie ihr Herz. Solange die Automobilisten keine technische Prüfung zu absolvieren haben, muss uns das Studium des Motors ein Privatvergnügen sein. Wir werden erst dann an unserem Wagen richtige Freude haben, wenn wir ihn kennen, ihn zu behandeln verstehen und fähig sind, kleine Störungen selbst zu beheben. Wie stellt sich der Mann zu der autofahrenden Dame? Wir Frauen sollen uns da nicht täuschen. Ein Mann ist viel zu gerecht, um eine gute Leistung nicht anzuerkennen, aber bewundern wird er eine Dame am Volant nie, er bekommt vielleicht Respekt. Das ist aber auch alles. Der Mann als Begleiter ist, sofern es nicht der gütige Mann des Herzens ist, ein schlechter Fahrgast und für eine nicht ganz sichere Fahrerin eine direkte Gefahr. Das sind besonders diejenigen Männer, die keine Ahnung vom Fahren haben, überhaupt mit der Technik auf Kriegsfuss stehen. Sie sind beim Fahren nervös und misstrauisch, halten sich manchmal an der Türe fest, um im Falle einer Gefahr schnell draussen zu sein. Einesteils kommen sie nicht rasch genug ans Ziel, anderseits suchen sie mit ängstlichen Augen den Kilometerzähler. Deshalb ist ein einzelner männlicher Fahrgast immer ein unbehagliches Gefühl, mehrere sind in diesem Falle besser; der einzelne wird dan

N°42 — 193* AÜTÖJVtOBTt-RCVUC Fahrten durchs Bärnerland Sehenswert: Die Gegend um den Bieler- und Murtensee. Von Biel dem See entlang über Twann, L i g e r z nach N e u v e v i 11 e. Prächtiges Rebgelände mit reizvollem Ausblick auf See und Alpen. Neuveville gegenüber die vielbesuchte Petersinsel. Weiter durch das malerische Weinstädtchen Erlach mit seinem imposanten Schloss und schönem Rathaus. Auch die Uferstrasse über N i d a u und Lüscherz nach Erlach ist abwechslungsreich und führt durch eine frohe Landschaft. Empfohlen sei aber vor allem die prächtige Höhenstrasse über Orvin und Lignieres (Chasseral) nach St. Blaise und der Ausflug nach Macolin. Hübsch ist Murten, das altertümliche, mauerumgürtete Städtchen am gleichnamigen See, der die wärmsten Strandbäder der Schweiz besitzt. Die Strasse von Bern nach Murten ist die grosse Verkehrsader zwischen Mittelschweiz und Genfersee, gut ausgebaut, und bietet viele schöne Landschaftsbilder und Ausblicke auf den Jura und die Alpen. Murten gegenüber befinden sich Mötier, Praz und Sugiez, drei kleine, frohmütige und malerische Dörflein und beliebte Ausflugsziele. Lohnend sind die zahlreichen Abstecher, die sich von der Emmenthaler Hauptroute aus unternehmen lassen. Hervorragend schön ist die Schallenbergroute durchs Emmental. Strassenzustand gut, Ge- Tour überstrahlt beinahe allzusehr all die übrigen Tausender werden. Der Rühm dieser herrlichen birgscharakter, starko Steigungen und Gefälle. Möglichkeiten, die das Ländchen bietet und die wir Prächtige Ausblicke auf die fruchtbaren Täler und deshalb auch ins Licht setzen möchten. Da ist einmal die Kerenzerbergstrasse (700 m)i vor Höhen der Emme und einen Teil der Alpen. Jahren Bei Schüpbach zweigt die Strasse links ab in das breite Tal der grossen Emme und führt ziemlich eben zum hübsch gelegenen E g g i w i 1. Dann scharf ansteigend bergwärts und nach mehreren grossen Schleifen zur Passhöho des Schallenberg, die einen unvergesslichen Rundblick bietet. In mehreren Schleifen und starkem Gefälle zum Strassenkreuzpunkt Süderen und dann durch Wald und Weiden mit massigem Gefälle nach Schwarzenegg und, stark fallend, über Steffisburg nach Thun. Eine lohnende Variante führt auf guter Strasse über Röthenbach nach Süderen oder nach dem wohlbekannten Schlegwegbad mit seinen schönen Waldungen und von hier über Heimenschwand nach Kreuzweg, wo dann die Strasee vom Schallenberg her einmündet. Die frohmütige Emmentaler Landschaft liegt breit und behäbig im lieblichen Bärnerland, und die Strasse, die durchs Emmental und Entlebuch Bern mit Luzern verbindet, bietet durch die Abwechslung der verschiedenen Landschafts- und Siedelungsformen viel Reizvolles. Eine der schönsten Bergfahrten durch die Berner und Freiburger Alpen ist unzweifelhaft die Fahrt von Bern über den Gurnigel nach dem beliebten Schwefelbergbad und ins Frciburger Ländchen. Landschaftlich herrlich! Erst über Kehrsatz, Riggisberg und Dürrbach, wo die eigentliche Gurnigelstrecke beginnt, die sich in vielen Windungen scharf bergan durch prächtigen Wald mit schönen Ausblicken zum bestbekannten Bad Gurnigol hinzieht. Von hier an wird die Strasse schmäler und steigt in zahlreichen Schleifen und vielen, zum Teil engen Kurven, zur Passhöhe Selibühl. Hier einzigartige Rundblicke auf den Thunorsee und die Berner Alpen; im Vordergrund die wilde Stockhornkette mit Gantrisch. Weiter führt die Strasse in starkem, kurvenreichen Gefälle zum Schwefelbergbad und von da auf schmaler, kurvenreicher Strecke über Sangernboden nach Zollhaus, von wo aus man, wenn man links abzweigt, einen sehr reizvollen Abstecher nach dem von Bergen und Wald umrahmten Schwarzsee unternehmen und wenn man rechts abzweigt die Route über Plaffeien und Giffers nach der schöngelegenen alten Zähringerstadt Fribourg einschlagen kann. Das Gurnigelbad kann auch auf der Strasse Bern, Köniz, Schwarzenburg, Wislisau, Dürrbach erreicht werden oder auf der schönen Höhenstrasse Bern, Kehrsatz, Zimmerwald, Riggisberg. lieber Süfternen, Schwarzbühl-Hotel nach Riffenmatt und Schwarzenburg zweigt eine schöne Höhenstrasse kurz nach der Wasserscheide unterhalb Selibühl ab. Auch dio Strecke Bern - Langenthai wird für Tourismus Fahrten von Bern aus in die Bärnerland-Gegend viel benützt. Die Strasse ist vorzüglich ausgebaut, Eine landschaftlich recht lohnende Abzweigung führt von Kirchberg über Burgdorf und Lützelflüb nach dem Emmental. Ein reizvoller Abstecher: Von Langenthai nach H u 11 w i 1, am beliebten Bad Gutenburg vorbei nach Madiswil und nach weiteren 7 km zum wohlbekannten Häbernbad bei Huttwil. Sehr empfohlen sei auch die Route von Madiswil über Ursenbach nach dem hübschen A f - foltern i. E., oder nach den typischen Emmentaler Dörfern Sumiswald und Traehselwald, von wo aus Langnau noch 12 km entfernt ist. Um Langenthai selbst gruppieren sich ebenfalls eine Anzahl, von vielen Automobilisten als Ausflugsziel erkorene Ortschaften, wie Roggwil, Wynau, Aarwangen, Murgenthal, und auf der Strecke von Wangen nach Solothurn die ebenfalls noch zum Bärnerland gehörende freundliche Sommerfrische Attisholz. Be. Glarnerland. Dem Autler Kraucht vom Glarnerland eigentlich gar nicht mehr viel gesagt zu werden. Wer auch nur einigermassen zum « Fach » gehört, dem bedeutet die Klausenstrasse längst eine Fahrt in die Extraklasse der Naturschönheiten; das Klausenrennen wird auch dies Jahr der Treffpunkt eine einzige Staubschlange, heute eine fast durchgebend prachtvoll ausgebaute staubfreie Bergstrasse ersten Ranges, die zudem den Vorzug herrlicher Aussicht auf den Wallensee bietet. Ebenfalls in gutem Zustand, wenn auch nicht asphaltiert, sind die Strassen von Glarus an den Klöntalersee (800 m), von Schwanden in den Kurort Elm (1000 m), von Linthal in das stillromantische Tal der Wasserfälle, ins Tierfpl'd am Fu.ss der Tödi. Ebenfalls dem Auto zugänglich ist von Näfels aus der Obersee (1000 m, nur im Sommer volle Wasserhöhe, ebenso der Klöntalersee) und das Gelände der Mullernberge am Frohnalpstock. Die Kantonsstrasse ist durchwegs in ausgezeichnfiter Weise renoviert. Garagen und Tankstellen reichlich; Gaststätten für jede Ansprüche ebenfallff und zu massigen Preisen. Fr. See- und Oberwynental. « In des Weltlärms Hast und Gellen — denk' an diesen stillen See... > an den HallwilersBe nämlichl Wenn schon J V v. 'Scheffel in seinem schönen Gedicht über den Hallwilersee diesen Ausepruch tut, um wieviel passender ist er erst heute! Unser Seetal hat seine Ruhe bis heute noch bewahrt, und das ist wohl auch ein Grund, dass so viele, aus dem Alltag kommend, an diesem herrlichen Erdenfleckchen Erholung suchen, und sei es auch nur über den Sonntag! Man r'-f nicht etwa glauben, die neue Zeit sei ganz spurlos an ihm vorüber gegangen. Nein: gute Strassen und Wege führen kreuz und quer durchs Tal und auch reich 1 liehe Eisenbahnverbindung besteht, so dass jedermann, zu Fuss, per Rad, im Zug oder gar im Auto diesen einzigschönen Ort besuchen kann. Sogar die modernste Technik hat hier, im oberen Wy„- nental, in Münster, ihrer Zelte* aufgeschlagene