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E_1934_Zeitung_Nr.045

E_1934_Zeitung_Nr.045

BERN, Freita«, 1. Juni 1934 Gelbe Liste Nummer 20 Cts. 30. Jahrgang - NM5 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Enchaint Jeden Dienstag nnd Freitag Monatlich „Gelbe Liste" Halbjäbrtleli Fr. 5.-, jährlich Fr. 10.-. Im Ausland unter PortonneJilag. tofern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag (ür postamtliche Besteltanc 30 REDAKTION n. ADMINISTRATION.' Brcltenrainstr. 97, Bern Rappen. Postcheck-Hechnung HI/414. Telephon 28.222 Telegramm-Adresse: Autorevue. Bern INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Cts. tür die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. Grftssere Inserate nach Seitentarif. Inseratenschlnss 4 Tage vor Erscheinen der Nummern Automobilistischer Rückblick auf den Schweizer. Verkehrskongress Letzten Samstag hatte man anlässlich des Schweizerischen Verkehrskongresses in Bern wiederum Gelegenheit, von prominenten Köpfen ein Extrakt über die Bedeutung der verschiedenen direkt oder indirekt dem Verkehr dienenden Institutionen für unsere nationale Wirtschaft zu hören. Ausnahmslos hielten sich alle Referenten an die vom Organisationskomitee erlassenen Richtlinien, indem sie sich strickte auf das Einigende in der Schweiz. Verkehrspolitik beschränkten und die trennenden Faktoren höchstens nur andeutungsweise streiften. Dessen ungeachtet will es uns aber scheinen, als ob den Bahninteressenten innerhalb dieser Veranstaltungen allzu ausschliesslich ein viel zu grosses Betätigungsfeld eingeräumt bleibe, ^as weder vom wirtschaftlichen, noch vom heutigen und zukünftigen verkehrspolitischen Standpunkte aus als gerechtfertigt erscheint. Die Vertreter der Bahnen sind es, die den Hauptton angeben, während alle übrigen am Verkehr im weitern Sinne interessierten Organisationen mehrheitlich nur als Verkehrsattribute mitwirken. Diese etwas einseitige Einstellung zu den brennensten Transportfragen der Gegenwart ist leicht verständlich, wenn man die historische Entwicklung des Fremdenverkehrsverbandes berücksichtigt. Zugegeben, dass die Initiative für diese Rahmengebilde aus Bahnkreisen hervorgegangen ist, .doch darf nicht ausser Acht gelassen werden, dass nicht allein freiwillige Ueberlegungen bei der Gründung des Verkehrsverbandes mitwirkten, sondern es ist dieser vornehmlich als ein Produkt der jüngsten Phase weltwirtschaftlicher Schwierigkeiten anzusprechen. Deutlich erkennbar -?eht diese Tatsache aus der Zusammensetzung des mehr dekorativ wirkenden 27-köpfigen Vorstandes hervor,, dem allein 5 Vertreter Schweiz. Privatbahnen gegenüber nur 4 am Automobilverkehr interessierten Verbände angehören; noch deutlicher aus dem die wirkliche Arbeit leistenden 8-gliedrigen Ausschuss mit einem einzigen Strassen- und 4 Bahninteressenten. Das Plugwesen ist in diesen Gremien überhaupt nicht vertreten, nämliches gilt für die Schiffahrt. Während Automobilismus und Aviatik sich immer stärker entwickeln, Staats- und Privatbahnbetriebe im Personen- wie im Güterverkehr hingegen eine rückläufige, zumindestens eine stagnierende Entwicklung aufweisen, würde Die ewige Wahrheit. Roman von Oskar Sonnlechner. (32. Fortsetzung) für die Gewährung der bedingten Verurteilung im übrigen gegeben wären. Di« Generalprävention macht grundsätzlich den Aticlch dachte, Piet», absichtlich unterbrach sie ihn, wie wenn sie seine weiteren Worte fürchte, «du seiest verstimmt. Ich kann mir noch immer kein Bild über deine so unerwartete plötzliche Rückkehr machen.» Scheinbar unbefangen lag ihr Blick starr und brennend auf ihm. Ein verschwiegenes Entsetzen. Der Professor rückte näher an sie heran und griff nach ihrer Hand, die eiskalt zwischen seinen Fingern lag. «Natürlich hat meine Ankunft einen Grund. Der dich aber nicht überraschen wird, Enid. Es handelt sich nur darum, dass nun deine Heimkehr notwendig ist, und da meine Anwesenheit in Holland verlangt wurde, ist es selbstverständlich, dass mich mein Weg zuerst zu dir führte. Du hast mir in der letzten Zeit sehr gefehlt.» Er rückte die Goldbrille, wie um sie besser sehen zu können. Regungslos, keinen Tropfen Blut im Gesicht, sass sie vor ihm im Halbschatten der Stehlampe. Unter den halbgeschlossenen Lidern suchte ihr Blick in den Mienen ihres Mannes zu lesen, folgte jeder es der Werbung, unter dem Gesichtswinkel der jüngsten und der kommenden Verkehrsdurchdringung betrachtet, sicherlich nicht schlecht anstehen, wenn man, entsprechend ihrer Bedeutung, den modernen Verkehrsmitteln ein genügend grosses Wirkungsfeld in diesem Konzilium einräumte. Für die verschiedenen, am gesamten Verkehr interessierten Verbände steht hier eine dankbare Aufgabe noch zur Lösung offen, denn letzten Endes zielen die Bestrebungen des Verkehrsverbandes auch heute noch darauf hinaus, aus öffentlichen Mitteln, soviel als möglich auf die leer laufenden Räder der Bahnen zu leiten. Das von Ing. Rothpletz ausgearbeitete 'Arbeitsbeschaffungsprogramm zeigt bereits, in wessen Küche der fette Hase gejagt werden soll. Für die andern, ebenso stark am Landesverkehr beteiligten Gruppen, heisst es deshalb beizeiten die notwendigen Vorkehrungen treffen, um sich den bereits durch gesetzliche und fiskalische Massnahmen eingeengten Lebens- und Wirtschaftsraum nicht noch stärker beschneiden zu lassen. Herr Minister Stucki hat in seinem umfassenden und unparteiischen Referat nicht vergebens auf die Funktion des Verkehrsverbandes als zentrale Vermittlungsstelle zwischen Verkehrszentrale und dem Staat hingewiesen. Wem also die stärkste Vertretung eingeräumt ist, dem winkt auch das grösste Stück des zu verteilenden Kuchens. Im Grunde genommen heisst es doch das Rad der Zeit um ein gutes Stück zurückdrehen, wann immer wieder in die unersättlichen Rachen der Bahnen stets neue Ueberbrükkungsgelder geschüttet werden sollen, anstatt auf jenen Verkehrsgebieten, denen wirtschafts- wie verkehrspolitisch die Zukunft gehört, für neuzeitliche Ordnung zu sorgen. Bekanntlich ist schon lange vor dem Kriege in Eisenbahnkreisen die Frage ventiliert worden, ob überhaupt das Personentransportgeschäft rentabel sei, kann doch auch die eidg. Post, trotz Regalschutz, aus dem Verkehr ihrer gelben Wagen, wie Dr. Furrer erklärte, nie einen Gewinn herauswirtschaften; um so merkwürdiger müssen die Anstrengungen der Bahnen erscheinen, reine Touristenlinien selbstverständlich ausgenommen, die im Hinblick auf die in- und ausländische Propaganda für den Personenverkehr unternommen werden. Vor allem dürfte es im Interesse der schweizerischen Hotellerie Bewegung seiner Lippen, die kommenden Worte zu erraten — das Todesurteil ihres Lebens, ihrer Liebe. «Ich habe in der letzten Zeit damit gerechnet, Piet.» Sie versuchte zu lächeln. «Und wann, Piet... wann sollte es sein?» «Das ist vielleicht das einzige, was dich überraschen wird, Enid, aber du weisst, ich bin ein Sklave, den das Joch seines Berufes drückt. Mein Wille allein kommt nicht in Betracht.» Er sah verlegen hin und her. «Es muss morgen sein.» «Morgen.» Es flimmerte ihr vor den Augen. Sie wollte ihn noch fragen, wohin sie gingen, aber kein Wort rang sich über ihre Lippen. Sie konnte es nicht und wagte es nicht. In dem Zwiespalt ihrer Liebe zu Jul und dem Schuldbewusstsein gegen ihren Mann war alles in ihr zerrissen und erstorben. «Es ist anders nicht möglich», wie aus weiter Ferne schlug seine Stimme an ihr Ohr. «Ich muss Verpflichtungen, die ich übernahm, erfüllen. Die Durchführung ist viel einfacher, wie du dir dies auf den ersten Blick begreiflicherweise vorstellst. Die Gesandtschaft stellt mir ohne jeden Zweifel einen Herrn zur Verfügung, der in unserer Abwesenheit die Auflösung des Hauses durchführt. Damit hätten wir also gar nichts zu tun.» In sich war er entschlossen, sich um jeden Preis ihrer liegen, wenn anlässlich der Umwandlung der bisherigen Verkehrsvorposten der Bundesbahnen in den hauptsächlichsten Großstädten des Auslandes, in schweizerische Verkehrsbureaux namentlich dem internationalen Autotourismus mit seiner ununterbrochenen Aufwärtsbewegung entsprechende Berücksichtigung eingeräumt werde. Wir verkennen in keiner Weise die Schwierigkeiten, die bei der heutigen Organisation der Verkehrswerbung von Automobilismus und Aviatik noch überwunden werden müssen, um neben dem Uebergewicht der Bahnen, gleichfalls auf die Rechnung zu kommen. Immer und immer wieder verstehen letztere, dem Volke ihre überragende Bedeutung vorzudemonstrieren. Unsere Staats'bahnen z. B. schleppen jedoch von Rechnungsperiode zu Rechnungsperiode stets höher anschwellende Defizite mit sich, ohne dass bis heute von höchster Stelle aus ein wirklich grundlegender Sanierungsvorschlag auf den Tisch gelegt worden wäre. Dort aber muss der Hebel angelegt werden, wo es gilt, diese aus den Händen der Eisenbahnergewerkschaft wieder dem schweizerischen Volke zurückzugeben. Solange der Frachtsatz für 100 kg Aluminium von Chippis (Wallis) nach Menziken (Aargau) noch, auf 4 Fr. 96 steht und derjenige für das gleiche Quantum von Chippis nach Yokohama hinhingegen auf 4 Fr. 50, werden auch die zügigsten Propagandaaktionen keine durchgreifende Besserung mit sich bringen. Wenn unsere Bahntaxen, sei es in gütertransportoder personentransport-tarifarischer Hinsicht nicht auch einigermassen der internationalen Kaufkraft angepasst werden können, dann muss man sich über die weitere Verkehrsdurchdringung unseres Landes seitens des Automobils nicht wundern. Wie die loyale Mitarbeit der Automobilisten am Verkehrsteilungsgesetz zur Genüge bewiesen hat, verschliesst man sich in diesen Kreisen keineswegs den berechtigten Forderungen der Bahnen und ist bereit, durch Zusammenarbeit an der Lösung schwerwiegender Verkehrsprobleme mitzuwirken. Hingegen würde es sicherlich nichts schaden, wenn man auf der Gegenseite ebenso loyal dem Jüngern Verkehrsträger auch einen Platz an der Sonne gewähren würde. Vielleicht ist man anlässlich des 3. schweizerischen Verkehrs- Vongresses soweit und räumt den heutigen HaunttrSsrern des Personenverkehrs. Eisenbahn Automobil und Flugzeug in den von den Bahnen in so glanzvollem Rahmen organisierten üibernarteiHchen Veranstaltungen eine srieichbereehtigte Stellung ein. Wy. Umgebung hier zu entreissen. Nur fort von hier! Die einzige Lösung. Sie aber rang in sich in der Unklarheit des Bewusstseins, was er ahne, was er wisse, denn es war für sie unzweifelhaft, dass ihn kein Zufall hierher geführt, dass die überstürzte Abreise, die er von ihr verlange, damit im Zusammenhang stehe. Einen Augenblick dachte sie daran, ihn unter begreiflichen Gründen um einen Aufschub zu bitten, und fand nicht den Mut dazu. Im Bruchteil eines Augenblickes schössen ihr alle diese Gedanken durch den Kopf, endend in der dumpfen Verzweiflung, dass sie sich zwar dessen immer bewusst, dass einst alles zu Ende sein müsse, allein niemals... «Du bist also mit mir einverstanden, Kindchen?» Die Stimme ihres Mannes schreckte sie auf. Er strich liebkosend über ihre Rechte, die er noch immer mit beiden Händen umklammert hielt. «Ich freue mich, Enid, dich wieder zu haben. Du hast mir sehr gefehlt, und wenn ich noch weiter spräche, dann käme es zu einer regelrechten Liebeserklärung. Vielleicht sogar der ersten.» Er lachte erzwungen. «Aber du weisst, ich gehöre nicht zu den Männern, die es lieben, ihre Gefühle in Worten zur Schau zu tragen. Ich muss dir nicht heute erst sagen, was du mir bist.» «Ich weiss es, Piet.» Es würgte sie in der Kehle. Wenn sie nur schon gewusst hätte, wohin es gehe. Die bedingte Verurteilung des automobilistischen Sünders. Wenn die Strafe eine abschreckende Wirkung hat, und bis zu einem gewissen Grade ist das ja zweifellos der Fall, so hat auch die Erwägung eine gewisse Berechtigung, dass man der Häufung von Delikten durch die Androhung recht schwerer Strafen begegnen kann. Von diesem Gesichtspunkte aus hat die Strafkammer des zürcherischen Obergerichtes bereits vor einer Reihe von Jahren in aller Form erklärt, dass sie gegenüber Personen, die als Führer von Motorfahrzeugen schuldig befunden sind, also fahrlässige Körperverletzung oder gar fahrlässige Tötung begangen haben, schärfere Strafen als bisher in Anwendung bringen wolle — und sie hat auch danach gehandelt. Das hatte allerdings zur Folge, dass alle automobilistischen Sünder, die es irgendwie konnten, sich der Beurteilung des Obergerichtes entzogen haben, indem sie Aburteilung vor dam Schwurgericht verlangten. Vor dieser Instanz hatten sie vor allem den Vorteil, dass ihr Fall gründlicher behandelt wurde, während ja das Obergericht eigentlich nur « papieren » urteilt, d. h. auf Grund von Akten und durch den Präsidenten der Kammer immer wieder zum Ausdruck bringen lässt, dass es auf das, was etwa zugunsten des Angeklagten vorgebracht werden könnte, kein grosses Gewicht mehr legt : den Anwälten pflegt immer wieder nahegelegt zu werden, sie möchten sich kurz fassen, da man noch andere Dinge zu behandeln habe. Unter diesen Umständen ist das Vertrauen auf eine sorgfältige Abwägung der Schuldfrage und des Masses des Verschuldens naturgemäss beim schwurgerichtlichen Verfahren grösser. Zu allem kommt aber, dass seit einiger Zeit die Strafkammer des zürcherischen Obergerichtes den Standpunkt vertreten hat, man müsse gegenüber Automobilisten nicht nur schwere Strafen ausfällen, sondern auch die Gewährunsr der bedingten Verurteilung einschränken. Praktisch wurde in der letzten Zeit die bedingte Verurteilung einem Automobilisten so gut wie gar nicht mehr zugebilligt. Das wurde mit der be—rühmten Oenerainrävention begründet : damit andere, die vielleicht viel schuldhafter fahren als der jeweilige Angeklagte, gewarnt werden, muss dieser auch die Vollstreckune der Strafe auf sich nehmen, obwohl a"e Voraussetzungen Ihr Mann hatte sich erhoben. Zärtlich und liebevoll richtete er sie auf. Willenlos Hess sie es geschehen. «Jetzt heisst es aber zur Ruhe gehen, Kindchen.» Er wies nach der Uhr. «Du hast morgen einen schweren Tag vor dir.» Sie nickte. Er küsste sie. Willenlos Hess sie es geschehen. Ihre Füsse trugen sie kaum, sie umklammerte die Türklinke, um nicht zusammenzubrechen, da schreckte sie nochmals die Stimme ihres Mannes auf und Hess sie den Kopf wenden. «Ich habe noch eine kleine Bitte an dich, Enid. Ich möchte infolge der Kürze der Zeit, die uns zur Verfügung steht, von allen Abschiedszeremonien absehen, wenn auch unser Bekanntenkreis ein sehr kleiner ist. Wir machen das dann brieflich gut. Wie die Deutschen sagen, wir wollen uns holländisch empfehlen.» Er lächelte. «Wir wollen uns von niemand verabschieden. Von niemand.» Ihr war, wie wenn er das Wort besonders betone. «Ja, Piet.» Vielleicht war es so besser. Und endlich fand sie den Mut zu der verhängnisvollen Frage. «Wohin fahren wir, Piet?» Tonlos kam die Frage über ihre Lippen. Ihre Blicke hingen an ihm. «Nach Amsterdam.» Es war ihr, wie wenn ihr Herzschlag auflebe. «Ich dachte nach Batavia.» Er schüttelte