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E_1934_Zeitung_Nr.045

E_1934_Zeitung_Nr.045

geklagten zu einem

geklagten zu einem wirklichen Opfer, der Justiz, straft ihn über das Mass, das seiner Schuldl entspräche. Man hat sich dabei in Zürich eine Theorie zurechtgelegt, deren Richtigkeit wohl noch etlichen Zweifeln unterliegt: man gibt zu, dass die Zahl der Unfälle nicht zugenommen habe, weil sich eine höhere Zahl nicht herzaubern lässt; aber, sagt man, die vorkommenden Unfälle sind schwerwiegender als die früheren, was speziell vom schnelleren Fahren herrührt, namentlich seit Aufhebung der Geschwindigkeitsgrenzen, denn die grössere Geschwindigkeit des Fahrzeuges verursacht .naturgemäss schwere Verletzungen beim Zusammenstoß. Ein weiteres Moment, das gegen die Gewährung der bedingten Verurteilung ins Feld geführt zu werden pflegt, sofern es vorhanden ist, wird aus etwaigen Bussen, mit denen ein Automobilist gesegnet worden ist, hergeleitet. Die zürcherische Strafprozessordnung sieht die bedingte Verurteilung vor, «wenn das Vorleben und der Charakter des Verurteilten erwarten lassen, er werde durch diese Massnahme von weiteren Vergehen abgehalten, und wenn er den Schaden, soweit es ihm möglich war, ersetzt hat». Im übrigen ist festzuhalten : eine gerichtliche Vorstrafe (sofern sie nicht verjährt ist) schliesst die Gewährung der bedingten •Verurteilung aus, eine polizeiliche jedoch nicht. Nun hat in einem konkreten Falle der Staatsanwalt, der einen Angeklagten vor sich hatte, gegen den, abgesehen von dem speziellen Fahrlässigkeitsdelikt, nicht viel vorzubringen war, sich auf den Standpunkt gestellt: es komme bei einem automobilistischen Delikt nicht darauf an, wie sich Leumund und Charakter des Angeklagten im ganzen darstellen, sondern darauf, wie er als Automobilfahrer zu beurteilen sei, und weil drei Polizeibussen registriert waren, so leitete er damals das Argument gegen die bedingte Verurteilung ab. Der Fall, der endlich dieses Gebäude zum Einstürzen gebracht hat, liegt folgendermassen: Ein Anwalt in Zürich hat in nachmitternächtlicher Stünde einen Fussgänger angefahren und verletzt. Der Fahrer wurde zu 7 Tagen Gefängnis verurteilt unter ausdrücklicher Verweigerung der bedingten Verurteilung. Dabei ist festgestellt worden, dass der Fussgänger 1.5°/oo Alkohol im Blut hatte, wobei er überdies selber zugab, zuvor schon mehrere Autos anzuhalten versucht zu haben, um Sich mitnehmen zu lassen, so dass alle Wahrscheinlichkeit dafür spricht, dass der angetrunkene Mann direkt vor .das Auto gelaufen ist. Der Verteidiger des Anwaltes versuchte es. darauf mit einer Nichtigkeitsbeschwerde an das Kassationsgericht: die Verweigerung der bedingten Verurteilung sei Willkür, womit er einen vollen Erfolg erzielte.' Nicht nur hat sein Klient, der Anwalt, die bedingte Verurteilung erhalten, sondern es wurde vom Kassationsgericht gleich danach in einem anderen -Falle ebenfalls die Verweigerung der bedingten Verurteilung aufgehoben, und vor allem: das Kassationsgericht hat — zunächst in der mündlichen Beratung, hoffentlich wird das auch in der schriftlichen Urteilsbegründung mit entsprechender Deutlichkeit zum Ausdruck kommen — ganz klare Richtlinien aufgestellt, die für die künftige Rechtsprechung auf diesem Gebiete 1 wegleitend sein sollen — und sofern das Obergericht sich nicht an sie halten wird, wofür gewisse Anzeichen vorhanden sind, so wird das Kassationsgericht so lange die Urteile korrigieren müssen, bis die aufgestellten Grundsätze sich durchgesetzt haben. Autolotsen für urosstadte. Seit einigen Jahren stehen den ortsunkundigen Fremden auf den Zufahrtsstrassen nach Berlin sogenannte Autolotsen zur Verfügung, die nach Belieben für kürzere oder längere Zeit zur Führung des Automobils durch die Grosstadt in Dienst genommen werden können. Einen ähnlichen Lotsendienst hat nunmehr die englische A.A. für ihre über eine halbe Million zählenden Mitglieder eingeführt, indem besondere A.A.-Agenten für die Fahrt durch London zur Verfügung stehen. Es ist aber vorgesehen, den Lotsendienst demnächst auch in den bedeutendsten englischen Provinzstädten zu organisieren. Auf diese Weise wird dem ortsunkundigen Fahrer und allen Automobilisten, welche weniger mit dem Riesenverkehr in der Grosstadt vertraut sind, eine grosse Sorge abgenommen und ihnen doch die Möglichkeit geboten, im eigenen Fahrzeug der Grosstadt einen Besuch abzustatten. Amerikas Automobilexport. Im Monat März 1934 wurden 16.079 Personenwagen im Werte von 8,3 MM. Dollar exportiert. Die Ausfuhr ist der Wagenzahl nach im Vergleich zum Vormonat um 83 %, gegenüber der vorjährigen Parallelperiode um 192 % gestiegen. Zusammen mit den Zubehör- und Ersatzteilen stellt sich der Wert der Automobilausfuhr im März auf 21,2 Mill. Dollar, was das günstigste Monatsresultat während den letzten 3% Jahren darstellt. Mit der richtigen Elle gemessen. Das aargauische Kriminalgericht versorgte einen Studenten, der ein in Baden parkierendes Auto zu einer Spritztour nach Portugal sich widerrechtlich aneignete, für die Dauer von 5 Monaten hinter schwedische Gardinen. Trockeneis und flüssige Luft im Automotorenbau. Bekanntlich versehen heute schon mehrere Automobilkonsirukteure ihre Motoren mit eingesetzten Ventilsitzen. Diese ringförmigen Sitze aus besonders hitzeunempfindlichen StahÜegierungen wurden dabei bisher meist eingepresst. Neuerdings bedient man sich nun jedoch in Amerika auch eines Schrumpiungs- Der bekannte Strafrechtslehrer Professor Hafter, der Mitglied des Kassationsgerichtes ist, hat in sehr entschiedener Weise betont, dass dem Gesichtspunkte der Generalprävention wohl im Strafmass Rechnung getragen werden könne, nicht aber durch Verweigerung der bedingten Verurteilung, wenn sonst die Voraussetzungen für sie gegeben sind. Er hat auch den schon erwähnten Versuch des Staatsanwaltes, mangels eines sonst schlechten Leumundes einen besonderen automobilistischen Leumund zu konstruieren, um gegen die bedingte Verurteilung Stellung nehmen zu können, zurückgewiesen: das Gericht habe sich nicht mit dem Automobilisten X, sondern mit dem Angeklagten X, dem Menschen X als ganzem zu befassen. Es frage sich lediglich, ob der Charakter des Menschen als solcher erhoffen lasse, dass er sich keinem- weitern Vergehen mehr schuldig machen werde. Vielfach wird in der Gerichtspraxis als Beweis gegen den Charakter des AUTOMOBIL-REVUE 1934 -NO 4 5 istischer Verfahrens. Die Ventilsitze werden in Trokkeneis, d. h. gefrorener Kohlensäure, oder in flüssiger Luft soweit abgekühlt bis sie sich genügend zusammengezogen haben, um in die Aussparungen hineingelegt werden zu können. Automobiltunnel unter dem Hudson. Die Bauarbeiten zur Errichtung des neuen Zweibahn-Automobiltunnels unter dem Hudson-Fluss sind in diesen Tagen begonnen worden. 8000 Arbeiter erhalten durch den Tunnelbau vier Jahre lang Beschäftigung. Der Tunnel verbindet die 38. Strasse in Manhattan mit Weehawken (New Jersey). Die Kosten des Baues werden auf 75 Millionen Dollar veranschlagt, wovon die Nötstandsarbeiten-Verwaltung die Hälfte übernimmt. Später soll ein Paralleltunnel gebaut werden. Amerikas Automobilproduktion. i Im Monat April wurden rund 360.000 Automobile hergestellt, so dass die Totalproduktion während den ersten 4 Monaten des laufenden Jahres auf 1.120.000 Einheiten anstieg, was gegenüber der vorjährigen Parallelperiode genau einer Zunahme um den doppelten Betrag entspricht. Die Aprilquote stellt das beste Monatsergebnis seit August 1929 Angeklagten angeführt, dass er seine Schuld bestreite. Professor Hafter hat auch dieses Argument als nicht stichhaltig bezeichnet: wenn man so handeln wollte, dann könnten vor Schwurgericht (wo fast immer die Schuld bis zuletzt bestritten bleibt) überhaupt keine bedingten Verurteilungen erfolgen. Der Präsident des Kassationsgerichtes ging insofern noch weiter, als er darauf hinwies, dass ja oft genug die bedingte Verurteilung bei Delikten gewährt wird, die zwar vom Täter nicht gerade in dieser Schwere beabsichtigt waren, bei denen er aber doch mit schweren Folgen hat rechnen müssen, und bei denen er das Risiko, dass es so ausgehen könnte, ruhig mit in Kauf genommen hat (« Dolus eventualis »). Wieviel mehr habe einer, der überhaupt gar nicht habe schuldhaft handeln wollen, sondern sich lediglich eine Fahrlässigkeit habe zuschulden kommen lassen, Anspruch auf die Milde des Gesetzes! Beide vor das Kassationsgericht gebrachte Straffälle wurden also bedingt ausgesprochen. Wichtiger aber ist der Umstand, dass nun vom Kassationsgericht mit aller Deutlichkeit ausgesprochen worden ist, dass Gründe der Generalprävention nicht gegen die bedingte Verurteilung angeführt werden dürfen und dass damit — praktisch gesprochen — die Automobilisten nicht als eine Kategorie minderen Rechtes angesehen werden sollen. V k Die Verteilung und Verwendung der Verkehrssteuern in Zürich. Der vom Kantonsrat am 7. Mai angenommene Antrag der Staatsrechnungsprüfungskommission betr. Verteilung und Verwendung der Verkehrssteuern hat bei den zürcherischen Verkehrsinteressenten anfänglich Bestürzung ausgelöst, weil dem genauen Wortlaut nach die Verwendung der Verkehrssteuern zu wenig deutlich präzisiert worden ist. Der Gesetzestext kann nämlich sehr wohl dahin interpretiert werden, dass nur die Städte Zürich und Winterthur ihren Steueranteil für den Ausbau der Strassen I. Klasse verwenden werden müssen, dass aber der Kanton in der Art der Verwendung völlig ungebunden ist. Die Sektion Zürich des A.C.S. hat, da die Volksabstimmung bereits auf den 8. Ju'li anberaumt worden ist und die Kant. Strassenverkehrsliga am 22. Mai dazu Stellung nehmen wird, die kantonale Baudirektion um ihre Interpretation ersucht und von dieser Seite die (269.569 Einheiten) dar. Im März 1934 wurdenschriftliche Zusicherung erhalten, dass Absatz 3 der kantonsrätlichen Fassung von 350.173 Wagen und im April 1933 188.968 Automobile produziert. Art. 9 des Automobilgesetzes «Diese Beträge müssen für den Bau und die Korrektion der Strassen I. Klasse verwendet werden» nach ihrer Auffassung keine andere Auslegung zulasse, als dass die Motorfahrzeug- Steuern sowohl vom Kanton wie von den Städten Zürich und Winterthur für Aufwendungen an Strassen I. Klasse, in denen aucjh. Grosszügiger Strassenhilfsdienst in der Tschechoslowakei. In der Tschechoslowakei wird die Einfüh rung eines grosszügigen Autodienstes geplant, der den Motorfahrzeugverkehr fördern und erleichtern, sich also nicht in erster Linie auf Hilfe bei Pannen und Unfällen beschränken soll. An den Hauptstrassen sollen eigene Autodienst-Häuser errichtet werden, wo der Autofahrer während seinen Reisepausen den Wagen fachgemäss pflegen und schmieren und die Pneus auswechseln kann. Im Hause selbst stehen dem Automobilisten Telephone zur Verfügung, er kann Radio anhören und sich an einem Büffet erfrischen. In der Nähe von Flughäfen sollen die Häuser grosse Garagen aufweisen, damit die Fahrer für die Zeit ihrer Luftreise die Wagen einstellen können. Aus doan Kaintfo die sog. Hauptverkehrsstrassen Inbegriffe, sind, verwendet werden müssen. Man wird nun bei später eventuell möglichen Differenzen in der AusHegumg des Gesetzestextes die kantonalen Behörden bei dieser «Promesse Maurer» behaften müssen, denn nur unter diesem Vorbehalt wird man der Gesetzesvorlage am 8. Juli zustimmen können. V Automatische Verkehrssfgnale; 7 Die v Verkehrskommission der Sektion Zürich des ACS hat die fünf in Zürich gegenwärtig in Betrieb stehenden automatischen Signalapparate einem eingehenden Augenschein " unterzo'gen und die hiebei gemachten Konstatierungen, sowie die in den letzten Wochen sich ergebenen Erfahrungen in einer Eingabe der Verkehrskommission des Schweizerischen Städ-teverbandes und dem Städtischen Po'lizeiinspektorat unterbreitet. Sie hat sich darin für das Zweifarbensystem, d. h. gegei% ein Zwischensignal ausgesprochen. Auch dk Verwendung des Blinklichtes als Vorbereitungszeichen wurde auf Grund der gemachten Erfahrungen abgelehnt. Dagegen wurde das auch in England erprobte System der kurzfristigen Ueberdeckung des roten Signallichtes in beiden Fahrtrichtungen bei Uebergang von Rot auf Grün zur Verwendung empfohlen und gleichzeitig einer bessern Bezeichnung der Fussgängerstreifen durch aneinander gereihte rechteckige Metailplätten und Orientierungstafeln (Fussgärieerstreiifen) befürwortet. V den Kopf. Es war ihr in dem Augenblick, wie wenn eine Last von ihr genommen werde. Mit einem müden Lächeln reichte sie ihm unwillkürlich nochmals die Hand. Am nächsten Abend verliessen sie Wien. Bis dahin wich er keinen Augenblick von ihrer Seite. Um die Mittagsstunde klingelte das Telephon. Sie wusste, es war Jul. Die Knie wankten ihr, trotzdem sie vorher bedacht hatte, wie sie mit ihm sprechen werde. Ihr Mann war im Nebenzimmer. Sie nannte Jul mit seinem Familiennamen und fügte rasch hinzu, ihr Mann sei angekommen, sie habe jetzt leider keine Zeit, sie werde morgen von sich hören lassen. Sie ahnte nicht, dass ihr Mann eines ihr verschwieg. Dass ihr Endziel nicht Amsterdam, sondern Batavia. Am Tage ihrer Ankunft in Amsterdam war sein erster Weg In das Ministerium. Er habe nachträglich doch den Entschluss gefasst, in Batavia zu bleiben. Vor allem auf das Drängen aller dort massgebenden Behörden. Sogar des Generalgouvernements. Als oberster Chef des Gesundheitswesens für die gesamten Kolonien wurde es ihm bewilligt. , Als er es seiner Frau mitteilte, taumelte sie mit einem Aufschrei zurück. Es war das erstemal, dass sie die Beherrschung über sich verlor und sich verriet. Mit liebevollen Worten beruhigte er sie. Er könne sie verstehen, auch ihm sei der Auf- enthalt in Europa liebgeworden. Aber er glaube nicht, dass sie lange drüben blieben. In sich aber freute er sich, denn er hatte seine Frau wiedergewonnen, bevor es zu spät war. So dachte er. Sie fand in ihrem Zusammenbruch nur die Kraft für einige Zeilen an Jul, hingeworfen auf ein Blatt Papier, während sie im Vorraum des Ministeriums auf ihren Mann wartete. Er liess sie keinen Augenblick allein. Wenige Worte. Das Testament ihres Glückes. «Ich bin auf dem Wege nach Batavia. Verurteile mich nicht und warte auf mich. Ich weiss, ich sehe Dich wieder.» Ein Riesendampfer glitt majestätisch aus dem wimmelnden Hafengewirr. An der Reling lehnte Professor van der Witte. Neben ihm seine Frau. Totenblass, die Augen geschlossen, wie wenn sie alles, was um sie vorgehe, nicht sehen wolle. Dumpfe Gefühllosigkeit betäubte sie. Misstönig kreischend zogen Möven um sie ihre Kreise. Auf den Kaimauern standen winkende Menschen. Die Bordkapelle schmetterte einen fröhlichen Marsch. Die Sirenen der umliegenden Dampfer heulten. Im Kielwasser ihres Schiffes schaukelte ein Boot. Ein Mann stand darin und schwenkte seine Mütze. Der Professor legte den Arm um seine Frau und zog sie an sich. Sie schauerte. Sie dachte an Jul. «Du frierst, Enid.» Sie nickte. Er wies mit weitvorgestrecktem Arm in die Ferne. «So ist das Menschenleben. Was man heute gefunden, muss morgen im Nebel der Vergessenheit versinken.» Seine Hand deutete nach dem verschwindenden Hafenbild, dem steinernen Gewirr der Strassen und Plätze, den aufragenden Türmen der Paläste und Kirchen, die vor ihnen immer weiter und weiter zurückwichen, umflort von zartgrauen Nebelwänden, die wie der Schleier eines Vorhanges alles allmählich verhüllten. «Unsere schöne Zeit, Enid, kommt wieder. Ich sehe sie vor mir. Wenn ich des Abends heimkehre, stehst du an der Gartentüre, ich führe dich zu deinen geliebten Orchideen, die auf dich warten. Ich sehe die stillen Abende an deiner Seite, ich lehne über meiner Arbeit, ich sehe dich neben mir in einem Buche blättern, ich stocke in meinen Gedanken, ich sehe nach dir — und finde, was ich in meinen Gedanken suche.» Sie lächelte .schmerzlich. Das kleine Häuschen in der Villenvorstadt lag einsam und verlassen. In den Beeten blühten die ersten Veilchen. Zwischen den grünenden Knospen eines Bäumchens hüpfte eine Schwarzamsel und drehte das Köpfchen neugierig nach den verschlossenen Fenstern, hinter denen sich nichts regte. Täglich stiess des Morgens eine schöne Frau die Laden auf. Herausfordernd pfiff sie. Alles schwieg. 11. «Hilf mir, Hannes!» Es sind bittere Zeiten, an die ich bei diesen Worten zurückdenke. Täglich, stündlich gellten sie mir in die Ohren. «Hilf mir, Hannes!» Kein Schwächling war es, der zu mir bettelte. Alles, nur das nicht. Einer, der stark und breitbeinig im Leben stand, der mit dem Trotz des Tapferen allem die Stirne bot, der jeden Faustschlag des Schicksals lachend- abwehrte, den nichts zu Boden warf. Nun aber lag er hilflos vor mir. Ein wehrloser Mensch. Niedergestreckt durch einen Hieb des Schicksals. Die rätselhafte Art, wie Enid zu ihm sprach, als er sie am Tage nach ihrer Heimkehr anrief, die Mitteilung der unerwarteten Rückkehr ihres Mannes, eines hing sicherlich mit dem anderen zusammen, Hess ihn aufhorchen. Aber noch ahnte er nicht, dass die Wolke des Verhängnisses finster drohend über ihnen stand. Von Ungeduld und Ungewissheit verzehrt, wartete er auf ein Lebenszeichen. Nichts kam. Bis er die Herrschaft über sich verlor. Er musste Klarheit haben. Entschlossen rief er sie an. Schweigen. Das erstemal, dass ihn Misstrauen erfasste. Verstohlen schlich er zu ihrem Hause.. Schritt für Schritt näherte er sich. (Fortsetzung folgt.)

N*>45 — Der schweizerische Autosport steht vor dem ersten diesjährigen Ereignis von internationalem Grossformat. In Montreux werden am nächsten Sonntag die neuesten Rennwagen Europas durch die 'Strassen und Kurven des berühmten Kurortes rasen. Der Grosse Preis von Monaco, innert kürzester Zeit zu klassischer Bedeutung geworden, findet hier sein ihm ebenbürtiges Nebenbild. Die Periode der unerfreulichen Stagnation im schweizerischen Automobilsport, die lediglich ein paar nationale Bergrennen und das gewohnte Genfer Kilometerrennen zeltigte, ist definitiv vorbei. Initiative Kräfte begannen sich in unserem Lande gerade in dem Augenblick zu regen, als lauter als je der Ruf nach einer Blutsauffrischung im schweizerischen Autosport ertönte. Mit einem Schlage rückte dieses Jahr die Schweiz In die Reihe der europäischen Länder, die autosportlich eine führende Rolle spielen. Drei Qrossanlässe sind es, mit denen die Schweiz den internationalen Kalender aufs willkommenste bereichert. In Bern wird der Erste Schweiz. Grand Prix vorbereitet, der schon jetzt an Bedeutung jedem ausländischen Grossen Preis ebenbürtig zu sein verspricht. Plan der Stadtrundßtrecke von Montreux, eingehenden Prüfung unterzogen und erklärte sich dabei mit dem Resultat sehr zufrieden. Mit dem Ausbau einer Strassenrundstrecke ist selbstverständlich ein Automobilrennen noch nicht auf die Beine gestellt. Die grosse Oeffentlichkeit hat wohl keine blasse Ahnung von der grossen ungeheuren Vielfalt der Arbeiten, die ein solches Rennen von wenigen Stunden Dauer benötigt. Heute ist halb Montreux nur noch mit seinem Grand Prix beschäftigt. Einige wenige Zahlen bieten einen schwachen Begriff von dem Umfange aller Vorbereitungen. Bekanntlich sind fünf grosse Tribünen errichtet worden, I die gewaltige Zuschauermassen fassen. Un- In Zürich und in der Innerschweiz rüstet man für das Klausenrennen, das grösser als je werden soll, und am Genfersee unten haben sich Männer voll Tatkraft, Energie und eines bewundernswerten Wagemutes zusammengetan, um innert erstaunlich kurzer Zeit dem Grossen Preis von Montreux zum Leben zu verhelfen. Es steht wohl in der Geschichte des schweizerischen Automobilsportes einzig da, mit welcher Promptheit und Entschlossenheit dieses erste Stadtrundstreckenrennen auf die Beine gestellt wurde. Noch vor einem Jahre bestand lediglich auf dem Papier ein erster, zu nichts verpflichtender Plan. Ja, noch vor wenigen Monaten war man durchaus nicht sicher, ob die Schweiz dieses Ren- \nen so bald schon erleben werde. Doch !~dann begannen sich die Meldungen von den entschlossen aufgegriffenen Vorbereitungen zu häufen. Bald wusste man: Montreux wird im Sportskalender 1934 nicht fehlen! Die Sektion Waadt des Automobil-Clubs der Schweiz und der Verkehrsverein von Montreux haben sich mit der Organisation des Grossen Preises von Montreux bleibende Verdienste erworben. Die Umsicht und Geschicklichkeit, mit der in kurzer Zeit der grosse Wurf gelang, zeugen für hohe organisatorische Begabung. Der Anlass mehrt das Ansehen,- das unser Land bereits im internationalen Autosporte geniesst. Selbstverständlich bedeutet ein Rennen von der Grosse des Grand Prix von Montreux auch ein finanzielles Wagnis. Die Behörden des Kantons und der Gemeinden von Montreux, sowie auch die gesamte Einwohnerschaft zeigten ein geradezu bewundernswürdiges Verständnis. AUTOMOBIL-REVUE Sportnachrichten Grosser Preis von Montreux Am Sonntag: Erstes Stadtrundstreckenrennen der Schweiz I schaftlichen Gründen lebhaft begrüsst werden. Unser Fremdenverkehr bedarf dringend neuer Kräfte und Anregungen — die Organisatoren des Grossen Preises von Montreux haben dies erfasst und 1934 an Stelle des zur Tradition gewordenen Narzissenfestes den rasenden Kampf der Maschinen gesetzt. Die Bahn ist selbstverständlich, wie schon früher ausgeführt, sorgfältig ausgebaut worden und präsentiert sich nun in bestem Zustande. Das technische Komitee der N. S. K. hat die ausgebaute Strecke kürzlich einer 6*T C.P.F. zählige Fenster, Balkone. Terrassen und Gärten werden für das Rennen vermietet. Auf einem grossen Plan sind sämtliche dieser Plätze angegeben. Die im Vorverkauf übrigbleibenden günstigen Zuschauerplätze werden auf sehr originelle Art am Sonntag selber noch verkauft. Vor den Häusern, in denen sich noch freie Plätze befinden, postieren sich fliegende Kassen, bei denen die Plätze noch bezogen werden können. So begreift Basel Tel. 24.885 Der Reiz des Rennens von Montreux, dem man heute — am Vorabend des grossen Anlasses — mit fieberhafter Spannung entgegensieht, liegt in der einzigartigen Situation der Rennstrecke. Die Bahn ist, wie auch unser Plan zeigt, mitten in die Stadt eingebettet, so dass die Wagen zwischen den hohen Häuserfluchten, an Hotelpalästen, Gärten und am See vorbei dahinstürmen. Der Eindruck dieses sportlichen Kampfes inmitten der herrlichen Szenerie des berühmten Genfersee-Kurortes wird allen Zuschauern zum unvergesslichen Erlebnis werden. Anerkannte Fachleute, wie der berühmte französische Sportsjournalist Charles Faroux, verglichen die Bahn von Montreux mit der von Monte Carlo, und nach ihrem Empfinden übertrifft die Schweiz. Stadtrundstrecke an Abwechslung und Vielfalt der Szenerie sogar die berühmte Piste von Monte Carlo. Unser Land wird sich in Zukunft rühmen dürfen, neben dem Rivieraort das einzige wirkliche Stadtrundstreckenrennen von internationalem Grossformat zu beherbergen. Ganz abgesehen von den sportlichen Reizen eines solchen Rennens muss eine derartige Veranstaltung auch aus wirtman, dass allein beim Finanzkomitee nicht weniger als 600 Leute beschäftigt sind. Im ganzen arbeiten für die Vorbereitungen des Grossen Preises von Montreux nicht weniger als 28 Kommissionen. Die Strecke wird überall mit den gut bewährten Sandsäcken gesichert. Insgesamt werden 22,000 Sandsäcke benötigt. Während des Rennens sind 885 Personen beschäftigt. Allein für die Chronometrage sind 20 Personen aufgeboten. Den Sanitätsdienst besorgen 75 Personen. Die Veranstalter wandten für ihr Rennen die neue internationale Formel an, die bekanntlich ein Höchstgewicht der Wagen von 750 kg ohne Wasser, Brennstoff, Pneus usw. verlangt. Einerseits sicherten sie sich damit eine Auslese der neuesten und besten Rennmaschinen, während sie anderseits auf eine Massenkonkurrenz verzichteten. Dies war jedoch von vorneherein bei dieser Rundstrecke das Gegebene. Nicht die Quantität, sondern die Qualität macht bekanntlich die Spannung eines Rennens aus, und mit 12 gemeldeten Fahrern hat Montreux nach unserem Empfinden gerade das Richtige getroffen. Die Beteiligung in Montreux, das muss in aller Objektivität festgestellt werden, ist hervorragend gut. Die berühmte Scuderia Ferrari ist in Montreux glänzend vertreten. Die beiden populärsten Rennfahrer dieses Jahres, Varzi und Moll, sind beide anwesend. Schon allein der Start des Siegers der Mille Miglia und des Grossen Preises von Tripolis, sowie des Ersten in Monaco und auf der Avus, stellen eine eigentliche Sensation dar. Der vom Monte Ceneri rühmlich bekannte ausgezeichnete Graf Trossi bildet der Dritte im Bunde der grossen Scuderia. Alle drei Fahrer verfügen über die berühmten Alfa Romeo- Viele Schweizer wissen nicht, Monoposto. Als vierter Pilot steht ferner Soffietti, eine junge, vielversprechende Kraft, zur Verfügung. Maserati entsendet offiziell Zehender mit dem neuen, sehr leichten Vier- Zylinder-Wagen. Die Equipe Whitney Straight konkurriert in Montreux ebenfalls, und zwar fahren die beiden hervorragend bewährten Hamilton und Whitney Straight mit neuen Maserati 3000 ccm. Der Schweiz. Braillard- Rennstall, der bekanntlich am letzten Sonndass in unserem Ländchen schon seit Jahren eine Fabrik besteht, die unter dem Namen eine erstklassige Zündkerze herstellt, jedem ausländischen Produkt ebenbürtig. Dass MONDIA-Zündkerzen gut sind, ist keine dreiste Behauptung, sondern durch praktische Prüfungen erwiesen und in Attesten prominenter Firmen verankert. Generalvertretung der MONDIA- Zündkerzen für die Schweiz: Lausanne Tel. 31.112 ia Wer Schweizer-Qualitätsarbeit schätzt, kauft MONDIA Schweizer-Industrie zählt auf Sie FIRESTONE IMPORT A.-G. Zürich Tel. 44.780 St. Gallen Tel. 5108 tag beim Grossen Preis der Picardie brillant abschnitt, ist geschlossen vertreten. Der Schweizer Braillard und die Franzosen Benoit Falchetto und Sommer fahren auf Maserati 3000 ccm. Unübertroffen als Einzelfahrer ist der ebenfalls startende Etancelin auf Maserati 3000 ccm, voraussichtlich einer der Hauptanimatoren des Rennens. Veyron auf Bugatti komplettiert das illustre Feld der Konkurrenten. Das Rennen führt bekanntlich über 90 Runden der 3320 Meter langen Rennstrecke, demnach total über 298,8 km. Die Aufstellung beim Start richtet sich nach den Trainingsresultaten. Die schweizerische Sportswelt und auch das Ausland sieht mit grösstem Interesse diesem I. Schweiz. Stadtrundstreckenrennen entgegen, das aller Voraussicht nach zu einem grossen Erfolge wird und die internationale Saison unseres Landes vielversprechend einleitet. Die Schönheitskonkurrenz am Samstag. Der Sonntag bleibt für die reine Geschwindigkeit reserviert, der Samstag jedoch ist der Eleganz und dem guten Geschmack gewidmet. In den blumenreichen Gärten des Kasinos beginnt um 15 Uhr die grosse Schönheitskonkurrenz, an der rund 45 prachtvolle Wagen zu sehen sein werden. Schon jetzt •besitzen die Organisatoren eine grosse Anzahl vielversprechender Nennungen. Die Wagen sind in die zwei Hauptkategorien «Privatwagen» und «Wagen, die von den Firmen und Händlern vorgeführt werden», untergeteilt. Diese beiden Hauptgruppen zerfallen in folgende Klassen: Offene Wagen, transformable Wagen, geschlossene Wagen und solche mit Ciel ouvert. Um 21 Uhr des gleichen Tages findet in den Räumen des Kasinos die Preisverteilung statt. bo. Wichtige Details für alle Besucher. Im folgenden geben wir zur Orientierung der in grassen Massen erwarteten Zuschauer noch genauer© Angaben über verschiedenes Wissenswertes: Das zweite Training ist auf Freitag, den 1. Juni, von 14—15 Uhr angesetzt, das letzte Training auf Samstag von 8 bis 9 Uhr morgens. In den Hauptstrassen der Stadt wird der Verkehr während des Trainings vollständig eingestellt. Die Unterbindung erfolgt am Freitag und Samstag je 1 Stunde vor dem Training. Das Rennen selber beginnt genau am Sonntag um 14 Uhr. Jeglicher Verkehr wird am Renntag schon um 12 Uhr eingestellt. Bis 13 Uhr wird der Personenverkehr gestattet. Die Zuschauer, welche Tribünenkarten besitzen, können ihre Plätze zu jeder Zeit erreichen. Die Automobilisten werden auf das Dringendste gebeten, allen Anforderungen des Polizei- und des Parkkomitees genaue Folge zu leisten, um alle Verkehrsschwierigkeiten verhindern zu können und den ausländischen Gästen im Interesse unseres Landes einen guten Eindruck zu bieten. Während den Zeiten, da die Hauptstrassen für den Verkehr abgesperrt sind, wird der Durchgangsverkehr und der Verkehr ins Stadtzentrum von Ciarens und Territet aus auf Umwegen erfolgen, die von den Verkehrspolizisten genau angegeben werden. Wagen, die für den Grand Prix und das Training aus der Richtung von Lausanne kommen, parkieren in Ciarens, und die von Villeneuve kommen, in Territet und Umgebung, je von 7 Uhr an. In den Parks wird nach dem Einbahnsystem gefahren. Die Parkierung der Wagen auf der Rundstrecke (Grand Rive, Avenue des Alpes, Avenu Nestle und Avenue du Kursaal) ist am Sonntag von 10 Uhr an verboten. Nach dem Rennen gelten folgende Straseen als Einbahnstrassen: Richtung Simplon: Durch die Grand'Rue; Richtung Lausanne: Durch die Avenue des Alpes. Der gesamte Parkierungsdienst wird ausschliesslich von Spezialisten geleitet, so dass ein störungsfreier Verlauf gewährleistet sein dürfte. Besucher, die sich für die Unterkunft noch nicht erkundigt haben, können sich noch an das Syndicat d'Initiative, Secretariat general. Montreux, Telephon 63.384, melden. An der Grand'Rue 70 ist Samstag und Sonntag ein Büro geöffnet, das für Unterkunft sorgt. Das Ehrenpräsidium übernahm bekanntlich Bundespräsident Pilet-Golaz. Wie wir soeben erfahren, traf vom Präsidenten der franz. Republik, Albert Lebrun, eine herrliche Ehrengabe ein. Die definitive Meldeliste. Nr. 2 Moll (Alfa Romeo). .Frankreich 4 Varzi (Alfa Romeo), Italien 6 Trossi (Alfa Romeo), Italien 8 Zehender (Maserati), Italien 10 Straight (Maserati), U. S. A. 12 Hamilton (Maserati), England 14 Veyron (Bugatti), Frankreich 10 Etancelin (Maserati), Frankreich 18 Braillard (Maserati), Schweiz 20 Falchetto (Maserati), Frankreich 22 Sommer (Maserati), Frankreich* 24 Soffiett! (Alfa Romeo), Italien Das erste Training. Montreux. 31. Mai. Heute morgen erfüllten die Rennwagen zum erstenmal die Strassen von Montreux mit ihrem infernalischen Geheul. Erfahrungsgemäss sind beim ersten Training immer nur wenige Fahrer anzutreffen, da die meisten Wagen sich noch im Zustande der letzten Ueberholung befinden. Trotzdem war das Schauspiel der rasenden Wagen heute morgen schon äusserst packend, und jetzt schon fiebert ganz Montreux auf den grossen Kampf am Sonntag. Als erster erschien der berühmte franz. Einzelfahrer Etancelin mit seinem Maserati 3000 ccm auf dem Plan. Einige Minuten nach ihm tauchte auch Soffietti mit seinem Alfa Romeo auf. Auch Veyron mit seinem Bugatti erschien bald. Zur Belustigung der Zuschauer verpasste er den richtigen Weg zur Piste und geriet in die für das Publikum bestimmte Umzäunung. Punkt acht Uhr gab der initiative Sportspräsident der Sektion Waadt des A.C.S., gleichzeitig der Organisationspräsident des Rennens, Herr Baumgartner, den Start frei. Die ersten Fahrten wurden lediglich von Soffietti, Veyron, Etancelin und Whitney Straight auf Maserati 3000 ccm bestritten. Die Rennställe von Braillard und Fenari haben ihre Maschinen ebenfalls schon