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E_1934_Zeitung_Nr.048

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BERN, Dienstag, 12. Juni 1934 Nummer 20 Cts. 30. Jahrgang - N° 48 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint jeden Dienstag und Freitag Monatlich „Gelbe Liste" Halbjährlich FT. 5.—, jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portozusehlag, •ofern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtlicbe Bestellung 30 REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Rappen. Postchecb-Rechnung II1/414. Telephon 28.223 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Rationeller Automobilismus Wege zur Minderung der Amortisations- und Instandhaltungs-Kosten. Bei der überwiegenden Mehrzahl von Automobilisten und Motorradfahrern stellt das Motorfahrzeug unzweifelhaft den wichtigsten und grössten Teil des Privatvermögens dar. Sportfreudige wie Berufstätige verwenden häufig ihre gesamten verfügbaren Mittel und — durch die Belastung künftiger Einnahmen durch Ratenzahlungen — auch noch mehr auf die Anschaffung eines Motorfahrzeuges. Der Fahrzeughalter hat daher das allergrösste Interesse daran, das Fahrzeug möglichst lange in gutem Zustand zu erhalten, sei es, dass er selbst das Fahrzeug solange als möglich benützen, sei es, dass er den Wert des Fahrzeuges erhalten will, um es nach einiger Zeit zu einem möglichst günstigen Preis verkaufen zu können. Auf jeden Fall hängt von dem Ausmasse der eintretenden Wertminderung die Amortisationsquote ab, die die einzelnen Fahrsaisonen belasten. Nun muss man ja allerdings feststellen, dass nur die wenigsten Motorfahrzeugbesitzer wirkliche Amortisationsberechnungen anstellen und sich Klarheit dar-, über verschaffen, welche Beträge den laufenden Ausgaben hinzugerechnet werden müssen, um die Gesamtkosten der Fahrzeughaltung errechnen zu können. Aber auch in jenen Fällen, in welchen eine Amortisationsberechnung nicht vorgenommen wird, tritt die Entwertung, die Vermögensminderung, deutlich — und nicht selten für den Besitzer sehr überraschend! — in Erscheinung: beim Verkauf des Fahrzeuges kann nur mehr ein Preis erzielt werden, der so niedrig ist, dass es der Besitzer gar nicht für möglich gehalten hätte, weil i h m das Fahrzeug viel mehr wert war, oder das Fahrzeug tritt früher in jenes Stadium, in dem man es am besten beim Alteisenhändler verwertet, früher vielleicht, als es sich der Besitzer beim Kauf des Fahrzeuges gedacht hat. Das private Interesse des einzelnen, den Wert des Wagens möglichst lange und möglichst hoch zu erhalten, ist daher durchaus begreiflich. Darüber hinaus besteht aber auch ein gemeinschaftliches Interesse der gesamten Verkehrswirtschaft, weiter ein volkswirtschaftliches Interesse und schliesslich ein solches vom Standpunkte der Verkehrssicherheit daran, die Motorfahrzeuge möglichst lange in gutem Zustande zu erhalten. FEUILLETONl Die ewige Wahrheit. Roman von Oskar Sonnlechner. (35. Fortsetzung) «Tapfer trugen mich Eingeborene die letzte Wegstunde.» Mit geschlossenen Augen sprach sie weiter. «Zu Tode erschöpft, die nassen Kleider klebten mir am Leibe, erreichte ich am zweiten Tage mein Ziel. Im Distrikthaus hatten sie ihn gebettet. Man wies mir die Türe seines Krankenzimmers. Der Arzt, der ihn begleitet hatte, stand davor. Ich sah, dass er mich erwartete. Sein Blick, der Tonfall seiner Stimme, sagten mir alles. Ich möge mich fassen, nicht alle Hoffnung verlieren, ihm keine Entmutigung zeigen, vor allem dürfe er selbst nicht verzagen. Immer wieder rufe er in seinen Fieberträumen nach mir, meine Anwesenheit werde ihn aufrichten, ich müsse mit Mut und Standhaftigkeit den Aerzten helfen.» «Warum quälen Sie sich. Frau Enid, warum. ..» «Lassen Sie mich, Freund Hannes, ich quäle mich nicht, es muss sein.» Erschöpft hielt sie inne. «Klopfenden Herzens betrat ich auf den Fussspitzen das verdunkelte Zimmer. Er wendete das zur Unkenntlichkeit Die Motorverkehrswirtschaft ist in "folgender Weise an diesem Problem interessiert : Der Aufschwung aller einzelnen Erwerbszweige dieses grossen Wirtschaftsgebietes hängt von der ständigen Zunahme der Motorisierung des Verkehrs ab. Diese wieder hat es zur Voraussetzung, dass immer mehr Personen in die Lage versetzt werden, sich ein Motorfahrzeug zu halten. Dies kann natürlich nur in geringem Masse von der Seite einer allgemeinen Verbesserung der Einkommensverhältnisse her erreicht werden; vielmehr ist vor allem eine bedeutsame Herabsetzung der Kosten der Fahrzeughaltung unbedingt erforderlich. Es ist heute bereits eine Binsenweisheit, dass noch mehr als die Preise der neuen Fahrzeuge die Kosten des Fährbetriebes gesenkt werden müssen. Was in dieser Hinsicht durch eine einsichtige Haltung des Staates, durch Steuerkürzungen usw. im Interesse der Gesam^wirtschaft erreicht werden kann, hat das neue Deutschland deutlich bewiesen. Aber auch die unmittelbar interessierten Kreise können in dieser Richtung viel tun: es darf nie vergessen werden, dass all die verschiedenen Zweige und Berufe der Motorverkehrswirtschaft auf den Aesten ein und desselben Baumes sitzen. Es gibt keinen Aufschwung ohne Mitwirkung des einzelnen; und wer aus Rücksfchtflahme auf die augenblicklichen Eigeninteressen nicht mithilft, die Kosten der Fahrzeughaltung zu senken, legt die Hand an die Wurzel des ganzen Baumes, er gefährdet letzten Endes auch sich selbst. Ein drastisches Beispiel: der Mechaniker, der seinen Kunden nicht hilft, die Fahrzeughaltungskosten herabzudrücken, der durch eine mangelhafte Beratung der meist technisch wenig gebildeten Automobilisten es unterlässt, dem Notwendigwerden einzelner Reparaturen vorzubeugen, der sich vielleicht freut, auf diese Weise momentan viel zu verdienen, gräbt seinem Stande und damit sich selbst das Grab. Es muss ohne irgendeine Spitze, aber doch mit aller Deutlichkeit gesagt werden: zu einem guten Teil hat es der Berufsstand der Mechaniker in der Hand, die laufenden Kosten herabzusetzen. Wie? Vor allem durch eine bessere Betriebsorganisation, als sie derzeit in ganz Europa üblich ist. Schreiber dieser Zeilen ist als Automobilist und Motorradfahrer fast durch alle europäischen Länder gekommen; aber die Garagen und Werkstätten, die wirklich verlässlich und mit peinlichster Sorgfalt, gründlichem Fachwissen und unbedingter entstellte Gesicht ... ein müdes Lächeln verklärte ihn ... zitternd streckte er die Hand nach mir... da... da... Freund Hannes verliess mich alle Kraft ... vor seinem Bette brach ich unter seinen liebenden Blicken in die Knie ... in einem nicht versiegenden Tränenstrom ... während seine Hand liebevoll auf meinem Scheitel lag...» Regungslos im Lehnstuhl versunken, verschwand sie in der Dunkelheit des Zimmers. «Hören Sie, Freund Hannes, das Klatschen des Regens an die Fensterscheiben? So war es damals. Tropenregen. Regenzeit. Sie kennen das nicht. Nicht in Tropfen, in gewaltigen Strahlen stürzt das Wasser vom Himmel. In dem verdunkelten Krankenzimmer flackerte eine Mückenkerze. In einer Ecke kniete der malaiische Diener, sich mechanisch wie eine Pagode verbeugend. Ich wusste, er beschwor die bösen Geister. Aus der regenrauschenden Finsternis drang das eintönige Quaken der Frösche herein. Der Arzt hatte mich gebeten, meine nassen Kleider zu wechseln, mich nicht selbst in Gefahr zu begeben, aber ich vermochte es nicht. Ich sah, wie sich die Lippen meines Mannes bewegten, ich fühlte, dass er mit mir sprechen wolle. Ich legte das Ohr an seine Lippen. Betäubt hörte ich sein mattes Flüstern... er wisse... diese Nacht werde er sterben... die Aerzte mussten ihm sein Sauberkeit die in Auftrag gegebenen Arbeiten durchführten, können an den- Fingern einer Hand gezählt werden. Weiter ist es notwendig, mit den Kunden, besonders mit den wenig erfahrenen — und das ist die Mehrzahl! — ständigen Kontakt zu halten und sie seitens der Garage auf alles aufmerksam zu machen, was sie im Interesse der ordentlichen Fahrzeuginstandhaltung tun können. Wenn beispielsweise eine Werkstätte die jahreszeitlich vorzunehmenden kleinen Arbeiten — Aufladen der Batterie vor dem Winter, Umstellen der Saugrohrheizung im Herbst und Frühjahr usw. usw. — zusammenstellt und in Form eines Rundschreibens ihren Kunden bekanntgibt, kann nicht nur für den Kunden manche unnütze Ausgabe erspart, es können auch die Kunden fest an die Werkstätte gekettet werden. Es wäre sehr, sehr kurzsichtig, wollte der einzelne Unternehmer sagen, er handle damit gegen seine eigenen Interessen! Vielleicht ist das im Augenblick der Fall; vielleicht muss er so dem Kunden im Herbst nur die Batterie aufladen (woran er fast nichts verdient), während sonst die Batterie infolge Entladung im Winter eingefroren wäre und er dem Kunden eine neue Batterie hätte liefern können, woran natürlich mehr verdient hätte werden können. Aber es gehört nicht viel Weitblick dazu, um zu erkennen, dass die erstere Methode doch auch geschäftlich auf die Dauer die bessere äst. Vor allem wird der Kundenkreis wesentlich steigen, wenn bekanntwird, dass in dieser oder jener Werkstätte die Fahrzeuge sorgfältig gepflegt, die Besitzer wohl beraten werden; weiters wird die Zahl der Fahrzeugbesitzer zunehmen — und davon hängt das künftige Wohl des ganzen Mechanikerstandes ab. Blutbild in der Mikroskopie zeigen... nichts vermöge ihn zu täuschen... er falle auf dem Felde seiner Wissenschaft... vergeblich sei das nichtige Kämpfen seines Lebens... unbesiegt gehe die Natur ihren Weg... und doch! Andere werden für ihn in die Reihen treten... das Flammenzeichen des Sieges sehe er aufleuchten... seine letzte Bitte... ich möge zur Ruhe gehen... mich schonen ... mich schonen...» Wieder unterbrach sie sich ermüdet. «Wollen Sie mir meinen Pelz reichen, Freund Hannes, mich fröstelt. Ich danke Ihnen.» Ich unterbrach sie mit keinem Worte. Ich vermochte es nicht. «Kurz nachher», fuhr sie zögernd fort, «setzte das Fieber wieder ein. Ein Schüttelfrost jagte den andern. Und in den Fieberrasereien seiner letzten Stunden erfuhr ich, was ich bisher nicht wusste, nicht wissen wollte. Mit stammelnden Worten sprach er vor sich hin... von mir, die er verlassen... von mir, seinem guten Kameraden, der einzigen Frau, die er geliebt... von McCarthy ... die Gott verdammen möge ... vom goldenen Haines... einen roten Lampion sah er hin und her schwanken... nur Jul könne es sein... er lachte vor sich über Heckmann... der erste und der beste Faustschlag seines Lebens... wer wage an der Ehre seiner Frau zu tasten ...» INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeit oder deren Baum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Ct*. Grössere Inserate nach Seitentaril. Inseratensehluss 4 Tage vor Erscheinen der Nummern Leider liegen keine Statistiken darüber vor, wieviele Fahrzeugbesitzer jährlich ihre Fahrzeuge verkaufen, ohne ein anderes Fahrzeug anzuschaffen; aber ihre Zahl ist grösser, als man allgemein annimmt; man muss sich nur im eigenen Bekanntenkreis umsehen, um diese Behauptung sofort bestätigt zu finden. Zwar wird die Zahl dieser «Abtrünnigen» durch die Neuhinzukommenden mehr als aufgewogen, aber das Neuhinzukommen von Motorfahrzeugbesitzern ist nicht ursächlich verbunden mit dem Abfall anderer; es könnten sehr wohl die letzteren Motorfahrzeugbesitzer bleiben und trotzdem gleichviele neue hinzukommen. Der Abfall ist (ausser in Aenderungen der Einkommensverhältnisse, der Gesundheitsverhältnisse, im Ableben usw.) vor allem durch zwei Ursachen herbeigeführt: zu hohe Betriebskosten und zu rascher Verfall des investierten Vermögenswertes. Für den schlecht instandgehaltenen Altwagen kann der Verkäufer nur einen so kleinen Preis erzielen, dass ihm die grosse Differenz auf den Preis eines neuen Wagens oftmals nicht mehr erschwinglich ist. Aber auch die gesamte nationale Wirtschaft, die Volkswirtschaft, ist im höchsten Masse daran interessiert, dass die Fahrzeuge möglichst lange in ihrem Werte erhalten bleiben. Der Gesamtstand der Motorfahrzeuge stellt in jedem modernen Lande ©inen sehr beachtlichen Teil des Volksvermögens dar. Verfallen die Fahrzeuge aus irgendeinem Grunde übermässig rasch, so tritt auch eine übermässige Minderung des Volksvermögens ein. Für die Schweiz ist diese Tatsache dadurch besonders sinnfällig, dass im Lande keine Personenwagen selbst erzeugt werden, so dass die Einfuhr derselben die Aussenhandelsbilanz belastet. Nun weiss man zwar aus den vielfältigen Wechselbeziehungen der Weltwirtschaft, dass die Drosselung des Aussenhandels kein Allheilmittel für die Binnenwiirtschaft darstellt, weil unsere modernen Volkswirtschaften auf ein gewisses Aussenhandelsvolumen angewiesen sind, doch ist jede Volkswirtschaft gerade bei Verbrauchsgütern, zu denen bei einem schnellen Verfall auch das Motorfahrzeug gezählt werden muss, daran interessiert, dass sich die Einfuhr aus dem Auslande in erträglichen Grenzen hält. Es ist für keinen Staat gleichgültig, ob die importierten Waren längere oder kürzere Zeit in ihrem Werte erhalten bleiben und der Wirtschaft dienen. In diesem Zusammenhang kann man es sich nicht versagen, auf das Grundproblem jeder Motorverkehrswirtschaft hinzuweisen: auf die Strossen! Gute Strassen sind nicht nur ein mächtiger, ja entscheidender Anziehungspunkt für den internationalen Verkehr, gute Strassen fördern nicht nur durch die Belebung des Fremdenverkehrs den für die Zahlungsbilanz so wichtigen «stillen Export», sie sind auch die Voraussetzung für einen möglichst langen Bestand des nationalen Fahrzeugparkes. Schlechte Strassen hingegen schrecken den Fremdenzustrom nicht nur ab, sie leiten diesen nicht nur in die benachbarten Gebiete — was auch durch nachträgliche Strassenverbesserungen nicht zur Gänze sich wieder gutmachen lässt! — sondern sie führen auch zum raschen Verfall der Strassenfahrzeuge und verursachen somit direkt eine beträchtliche Entwertung des Volksvermögens. Zu dem Interesse des einzelnen Fahrzeugbesitzers, des Wirtschaftszweiges des Motorverkehrs und der gesamten Volkswirtschaft tritt schliesslich noch das Interesse der Verkehrssicherheit, das ebenfalls eine Den Kopf tief gesenkt, sass Enid van der Witte vor mir. «Er hat das Bewusstsein nicht wiedererlangt. Als das bleiche Licht des kommenden Tages gespensterhaft durch die Fenster schlich, entglitt mir seine erkaltete Hand. Neben seinem Freunde de Smuts begruben wir ihn. Eine halbe Stunde nach dem Begräbnis», müde hob sie den Kopf, «warf mich der erste Fieberschauer nieder. Wochenlang kämpften die Aerzte aufopfernd um mein Leben. Ein Fieberanfall jagte den anderen. Ein Schüttelfrost löste den anderen ab. In den wenigen Stunden der Besinnung um mich lähmende Eindrücke. Das dumpfe Brausen der unaufhörlich niederstürzenden Regenmassen, das eintönige Quaken der Frösche, das sich mir ins Gehirn frass, der javanische Diener, der Tag und Nacht zu den Füssen meines Bettes hockte, sich mit der einschläfernden Bewegung einer Pagode ununterbrochen verbeugend, seine Gebete murmelnd. Die beklemmende Treibhausluft, die einem den Atem nahm, das leise Flüstern der Stimmen um mich, die ewig flackernde Mükkenkerze in der Zimmerecke, die Aerzte, die sich besorgt über mich beugten, bis ich wieder in tiefe Besinnungslosigkeit verfiel, die mich umnachtete.» Besänftigend legte ich meine Hand auf