Aufrufe
vor 8 Monaten

E_1934_Zeitung_Nr.050

E_1934_Zeitung_Nr.050

BERN, Dienstag, 19. Juni 1934 Nummer 20 Cts. 30. Jahrgang — N° 50 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint laden Dienstag and Frelta« Monatlich „Gelbe Liste" Halbjährlich Fr. 5.-, jährlich Fr. 10.-. Im Ausland unter Portoznsehlag, toten nicht postamtllch betteilt. Zuschlag für postamtliehe Bestellung 30 REDAKTION n. ADMINISTRATION: Breltenrainstr. 97, Bern Rappen. Postcheck-Rechnum HI/414. Telephon 28.232 Telsaram» ft Arnn • Autorevue, Bans INSERTIONS-PREIS: Die aehtgespaltene 2 mm hohe Grundzelle oder deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Ctt. Grössere Inserate nach Seltentaril. Inaeratenschlass 4 Tage vor Erscheinen der Nummern Rationeller Automobilbetrieb Wege zur Minderung der Amortlsations- und Instandhaltungs-Kosten. In Nummer 48 wurde unter dem obigen Titel der Einfluss eines rationellen Automobilbetriebes auf die Volkswirtschaft einer näheren Betrachtung unterzogen. Die nachfolgenden Zeilen befassen sich mit der technischen Seite des Problems und dürften sowohl für den Privatfahrer wie auch für grössere Automobilbetriebe von Interesse sein. Natürlich ist die ordentliche Instandhaltung eines Motorfahrzeuges, das ja ein überaus kompliziertes Werk darstellt, vor allem eine technische Frage. Bei jeder Reparatur wie überhaupt bei der gesamten laufenden Instandhaltung ergeben sich stets zwei Fragen: a) Was ist technisch am besten? b) Was ist am billigsten? Scheinbar ergibt sich bei der Beantwortung dieser beiden Fragen nicht selten ein Widerspruch; aber das ist nur scheinbar der Fall! Die technisch richtige Lösung einer Reparaturirage ist, auf die Dauer besehen, immer zugleich auch die billigste. Sogenannte «Pfuscharbeit» kommt schliesslich immer sehr teuer zu stehen. Unsere Fahrzeuge haben sich gegen früher grundlegend geändert, sie erheischen heute eine • andere Pflege als vordem; auch die Reparaturmethoden haben sich in technischer Hinsicht vielfach grundlegend geändert— Bezüglich der Instandhaltung seitens der Fahrzeugbesitzer halten wir aber meist noch bei den Methoden aus vergangenen Jahrzehnten. Zwei Möglichkeiten stehen sich gegenüber: die Generalreparatur alle ein oder zwei Jahre — und die gründliche laufende Instandhaltung der Fahrzeuge. Die Generalreparatur erfordert eine längere Ausserbetriebsetzung des Fahrzeuges; i Die Generalreparatur. Die Lebensdauer früherer Fahrzeuge war da die Zahl der auch während des Winters bedeutend geringer als jene der heutigen. betriebenen Motorfahrzeuge von Jahr zu Jahr Vielleicht scheint das manchem Leser nicht zunimmt, wird dieser Mangel immer schwerer empfunden. ganz richtig zu sein, wenn er sich daran erinnert, wie lange man oft die alten Vehikel Kleinere Werkstättenarbeiten lassen sich in Betrieb gesehen hat; aber man darf nicht vom Fahrzeugbesitzer bzw. vom Fahrer übersehen, dass damals nicht jene Kilometerleistungen üblich waren, die heute von denGeneralreparaturarbeiten; damit im Zusam- leichter überwachen als die langwierigen meisten Fahrzeugen gefordert werden. menhang steht auch die grössere Schwierigkeit in der Ueberprüfung der Kosten. Dazu Die geringere Verschleissfestigkeit der Maschinenteile der früheren Fahrzeuge hat kommt, dass es meist schwer tragbar ist, ganz naturgemäss von Zeit zu Zeit eine genaue Durchsicht aller beweglichen Teile erbringen, während laufend kleinere Beträge einen grösseren Betrag auf einmal aufzufordert. Dazu war das Abheben der Karosserie und das Zerlegen des gesamten Trieb- Schliesslich fällt der wichtigste leichter entbehrt werden können. Vorteil, werkes wie des Fahrgestelles erforderlich. Alles, was schadhaft war, wurde repariert oder erneuert. Man sprach von einer « Generalreparatur ». Da vor einem Jahrzehnt auch noch nicht annähernd jene Arbeitsbehelfe zur Verfügung standen, über die heute die Werkstätten verfügen, dauerte eine Generalreparatur meist mehrere Wochen. Sie wurde daher während des Winters vorgenommen und wurde sozusagen zu einer regelmässigen saisonmässigen Einrichtung. Die Fahrzeuge vergangener Jahre erforderten eine solche Generalreparatur etwa alle 10—20,000 Kilometer, was einen Bruchteil der heute vielfach geforderten Jahresleistung darstellt. Der Vorteil der « Generalreparatur», die aui der «guten alten Zeit» vielfach übernommen worden ist, besteht vor allem darin, dass alle geheimen Mängel aufgedeckt werden und dass das Fahrzeug wieder ein hohes Mass von Zuverlässigkeit erhält. Demgegenüber stehen folgende Nachteile : Der Fahrer unterlässt im Hinblick auf die bevorstehende Generalreparatur eine sorgfältige laufende Instandhaltung und die Behebung der gelegentlich auftretenden kleinen Mängel, wenn sie nicht direkt betriebsstörend sind. Man kennt das ja aus der eigenen Erfahrung, nur zu leicht sagt man: «Das werde ich .gelegentlich' in Ordnung bringen lassen.» Der Anreiz zu einer solchen Haltung ist, wenn eine Generalreparatur regelmässig vorgenommen wird, natürlich noch viel grösser. Kleine Mängel aber, ein schlecht eingestelltes Vorderradlager beispielsweise, die bei sofortiger Inangriffnahme rasch und mit wenig Kosten behoben wären, erfordern nach längerer Zeit meist die Auswechslung der betreffenden Maschinenteile. F E U I L L E T O N Die ewige Wahrheit. Roman von Oskar Sonnlecliner. (37. Fortsetzung und Schluss) Wie wenn ihre Gedanken anderswo wären, sah sie an mir vorbei. Mit einem müden Lächeln wandte sie sich zu mir. « Sie geben wohl zu, Freund Hannes, die wahrhaft guten Freunde sind die. die den Mut haben, einem die Wahrheit zu sagen. » Sie griff nach meiner Hand. «Ich weiss, dass die Liebe Juls heute noch unwandelbar ist. Aber wie lange noch ? Zwei Menschen gehören nicht mehr zusammen, von denen der eine das Leben hinter sich hat. während es im Sonnenlicht der Jugend und der Lebensfreude noch vor dem andern liegt.» Sie schwieg nachdenklich. « Mit meiner Entsagung will ich... will ich...» « Sie wollen sich vor einer Enttäuschung bewahren, von der Sie glauben, dass sie Ihnen im Kommen der Zeit nicht erspart bleibt. > « Sie irren. Ich will nicht mich, ich will Jul vor einer Enttäuschung bewahren. Vor einer Enttäuschung an sich selbst. Denken Sie, wie schön es für Jul ist, einst sagen zu können, ich ging von ihm, aber nicht er von mir.» < So ist alles in Ihnen, Frau Enid. nur eine Flucht von der Wahrheit. > «Nein ! Ein Erkennen der Wahrheit. Was der Spiegel spricht, in dem uns der Mann sieht, ist vor allem bestimmend für unser Schicksal. Aber », sie lächelte schmerzlich, « ich gebe zu, eine Frau wird dies nie verstehen. > «Wenn Jul kommt, Frau Enid...» Beschwörend hob sie die Hände. « Werfen Sie keinen Stein auf Jul. Er verdient es nicht. Er ist tapferer wie jeder andere. Lassen Sie mich weiter erzählen, wie es Jul und mir nach unserem Wiederfinden erging. Es war mir eine Erleichterung, als ich Jul das erstemal bewegen konnte, sich einige Stunden für sich allein zu gönnen. Es kam der Tag, an dem er es war. der schüchtern bettelte, den Abend allein ausser Haus verbringen zu dürfen. Nur ein einziges Mal. Ich sagte ihm, ich freiis mich nur. Es war auch so. Aber in der ersten Einsamkeit dieser stillen Abendstunden weinte ich in mich hinein. Denn ich fühlte, es kam, was kommen musste, Allmählich mehrten sich diese Abende, ich fühlte, wie er sie herbeisehnte, bis sie fast' zur Regelmässigkeit wurden. Ich sich trennend zwischen uns stellt, die Allgewalt der Natur, die sich Bahn bricht. Jeder Mensch ist eher Herr über andere, wie über sich selbst. Lange wehrte ich mich gegen das Schicksal, bis ich zur Erkenntnis kam, dass ich vergeblich kämpfe. Es hiesse die Natur überwinden wollen.» < Glauben Sie, Frau Enid, dieser Gedankenweg, den Sie Jul in der Liebe ebnen, Sie würden ihn auch gehen? » «Ich glaube... nein, Freund Hannes. Aber Sie dürfen deshalb Jul nicht verurteilen. Es ist nicht seine Schuld. Gott hat uns anders geschaffen, Mann und Frau.» Der Kopf sank ihr vorüber, sie stützte die Arme auf die Knie und vergrub das Gesicht in den Händen. Ein bitteres Schluchzen schüttelte sie. Mit zusammengepressten Lippen kämpfte ich meine Rührung nieder «Ich fühle mit Ihnen, Frau Enid, und darder früher für Generalreparaturen gesprochen hat, nicht mehr ins Gewicht: früher war es meist auch schon bei geringfügigen Reparaturen notwendig, ganze Triebwerkteile auszubauen. Das ist heute nicht mehr erforderlich; es sei hier nur darauf hingewiesen, dass es heute beispielsweise möglich ist, die Zylinderlaufflächen zu bohren und zu honen, ohne den Motor auszubauen — ganz abgesehen von der Möglichkeit, eingesetzte Zylinderlaufbüchsen auszuwechseln. Auch werden heute Teile, die früher zur warmen Behandlung ausgebaut und in die Schmiede gebracht werden mussten, meist kurzerhand gegen neue ausgetauscht. Durch Hebebühnen, Kräne u. dgl. haben auch die langwierigen, kostspieligen Demontage- und Montage-Arbeiten ihre Schrecken verloren, so dass es nicht mehr notwendig ist, diese Arbeiten der Einfachheit halber auf eine bestimmte Zeit des Jahres zusammenzuschieben; man nimmt sie heute dann vor, wann sie eben gerade sich als notwendig erweisen. — Dazu kommt, dass eine Generalreparatur mit der Zerlegung des Wagens in alle seine Teile heute vielfach gar nicht mehr möglich ist, da bei vielen Fahrzeugtypen Fahrgestellrahmen und Karosserie zu einem festen Ganzen verschweisst sind. Das Fahrgestell lässt sich also gar nicht mehr «nackt» ausziehen! Die laufende Instandhaltung. An die Stelle der früher üblichen regelmässigen Generalreparaturen muss natürlich etwas anderes treten, das ist klar. Diese Notwendigkeit wird auch heute noch von vielen Fahrzeugbesitzern, aber auch von vielen Werkstätten übersehen. Der Fahrzeugbesitzer ist froh, sich das Geld, das die Generalreparaturen gekostet haben, jetzt ersparen zu können, aber er lässt es trotzdem bei der früher üblichen, im Hinblick eben auf die Generalreparatur weniger gründlichen laufenden Instandhaltung bewenden. Hier liegt die Ursache des raschen Verfalles eines grossen Teiles unserer heutigen Fahr, zeuge. Zwar ist bei einer Fahrleistung von 80 bis 100,000 Kilometer bei neuzeitlichen Personenwagen eine Grundinstandsetzung nicht erforderlich — aber dieses günstige Ergebnis lässt sich nur erreichen, wenn man während des laufenden Betriebes den Wagen auf das sorgfältigste pflegt und jeden auftretenden Mangel unverzüglich behebt. Wer diese liebevolle Behandlung seinem Fahrzeug, das ungleich komplizierter ist als jenes der vergangenen Jahre, versagt, darf sich nicht darüber wundern, dass es doppelt oder dreimal so rasch verfällt als ©in gleich alter Markenbruder f Vor allem ist es die Schmierung, die viel- lebte erst auf, wenn er des Morgens auf den Fußspitzen zu mir ins Zimmer schlich, sich an mein Bett setzte und mir erzählte. Ich freute mich, wenn er fröhlich auflachte. Ich verbarg*ihm die Tage, an denen mich die Leiden meines siechen Körpers quälten, nur weil ich fürchtete, dass er es dann nicht über sich brächte, mich allein zu lassen. Wie oft stiess ich ihn immer wieder aus der beengten Luft meines Krankenzimmers, aus dem beengten Kreise meiner armseligen Spaziergänge, die ihm nichts zu bieten vermochten. Gehe, Jul, ich freue mich, dich froh zu wissen. Nie verriet ich ihm, dass es mich schmerzte, an seiner gesunden Fröhlichkeit nicht mehr teilnehmen zu können, nie kam ich in Versuchung, mich diesem natürlichen Freiheitsdrang in den Weg zu stellen. Freund Hannes, uns Frauen ist es beschieden, in der Liebe in Schmerzen zu lächeln. > Sie schloss die Augen und schwieg. Meine Blicke hingen an den Lippen der armen Dulderin. Nach langem Schweigen fuhr sie fort. «Drei Monate war ich mit Jul in Paris. Bis die Sonne mich vertrieb. Wir flüchteten in die Schweiz. Nun steht der Herbst vor der Türe. Es ist auch der Herbst meines Lebens. Schütteln Sie nicht den Kopf. Freund Hannes. Bei allem vergesse ich eines- nicht. fach vernachlässigt wird. Das Motoröl muss regelmässig in den vorgeschriebenen Zeitabständen gewechselt werden. Wer das nicht tut, darf sich nicht wundern, wenn die Leistung des Motors bald nachlässt und wenn er vielleicht schon nach 25,000 km die Zylinder ausschleifen und die Kolben erneuern muss. Wer seinen Motor wirklich pflegt, wird kaum vor 40,000 km die Ventile einschleifen müssen und wird auch nicht vor 60,000 km mit den Kolben etwas zu schaffen haben. Die Verwendung eines Obenschmiermittels und von kolloidalem Graphit hilft Reparaturkosten sparen! Aehnliches gilt von der Schmierung des Wechsel- und des Ausgleichgetriebes, der Radlager sowie aller übrigen Schmierstellen. Wer seine Blattfedern nicht von allem Anfange an schmiert, darf sich später nicht wundern, dass sie der Reihe nach brechen! Speziell gewarnt sei davor, die weniger zugänglichen Schmierstellen zu vernachlässigen. Es rächt sich meist bitter. Neben der genauen Befolgung der Betriebsvorschriften ist es notwendig, jedem auftretenden Mangel, und sei er noch so geringfügig, sofort nachzugehen. Schon am Geräusch kann der Fahrer, wenn er nicht ganz gefühllos ist, meist erkennen, ob etwas nicht ganz in Ordnung ist. Andere Mängel wieder lassen sich nur erkennen, wenn man den betreffenden Maschinenteil näher betrachtet. Es muss daher" als eine unbedingte Notwendigkeit bezeichnet werden, sich von Zeit zu Zeit durch einen näheren Augenschein vorn guten Zustand des Fahrzeuges zu überzeugen; das ist in etwa einer halben Stunde jeschehen. Meist wird man die eine oder andere Mutter finden, die nicht ordentlich festgezogen ist, die sich aber mit einem Handgriff festziehen lässt, während sie sonst, vielleicht mit anderen Teilen, verloren gehen könnte. Wer in technischer Hinsicht nicht ausgesprochen talentlos ist, wird sich dies« Arbeit ersparen und von Zeit zu Zeit in eine Garage fahren und einen Mechaniker den Wagen rasch durchsehen lassen. Es ist zweckmässig, dieser kurzen Durchsicht beizuwohnen, um sich von dem Vorhandensein etwaiger Mängel selbst überzeugen zu können. Und nun noch einen wichtigen Typ für den Fahrzeugbesitzer und Reparateur: eine sorgfältige laufende Instandhaltung und die sofortige Behebung der im Fahrzeugbetrieb unvermeidlich auftretenden kleinen Mängel erfordert es, dass das Fahrzeug verhältnismässig häufig für kleinere Arbeiten in die Werkstätte gebracht werden muss. Da diese Mängel nur in den seltensten Fällen die kurzfristige weitere Benützung des Wagens aus- Es ist ein Leben der Schönheit, auf das ich zurückblicke. Ich fand auf meinem Lebensweg die Liebe. Wie viele Frauen glauben dies sagen zu dürfen, und wie wenige Frauen dürfen dies sagen. Und alles habe ich Jul zu danken. Denn ich fand den Mann, der meiner Liebe würdig. Auch wenn wir eines Tages voneinander gehen werden, es ändert nichts daran. Es ist das Leben selbst, das