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E_1934_Zeitung_Nr.053

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BERN, Freitag, 29. Juni 1934 Nummer 20 Cts. 30. Jahrgang — N° 53 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-P REISE: Erscheint jeden Dienstag and Freitag Monatlich „Gelbe Lttte" Halbjährlich Fr. 5.-, jährlich Kr. 10.-. Im Ausland unter Portozuschlag, ••fern Dicht ixwtamtlich bestellt. Zuschlag tür postamtlich« Bestellung 30 REDAKTION n. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Rappen. Postcheck-Rechnung 111/414. Telephon 28.222 T*legranu>>-AdrMw: Aotorerue, B«ra Vom Gebraüchswagen zum Rennwagen Der Auto-Bahnwagen. Für den Autobahn-Wagen wurde durch den Rennwagenbau schon weitgehend vorgearbeitet. Der Unterschied gegenüber dem Normalfahrzeug liegt beim Rennwagen unter anderem darin, dass sein gesamtes Triebwerk darauf eingerichtet ist, dass man lange Zeit, ja sogar dauernd, mit Vollgas fahren kann. Bekanntlich darf man Hnen gewöhnlichen Gebrauchswagen nur für eine kurze Strecke voll ausfahren. Wollte man mit einem Normalfahrzeug auf die Autobahn gehen und stundenlang mit Vollgas fahren, würde sich der Motor sehr bald überhitzen, die Ventile würden sich verziehen, die Schmierung würde nicht mehr ausreichen usw Gar mancher Fahrer, der nach Italien gekommen ist und nun dort sich auf den herrlichen Autostraden ausleben wollte, hat die Unkenntnis der Motorkonstitution seines Wagens mit einem schweren Motorschaden büssen müssen. Nur ganz wenige der derzeitigen Wagentypen kann man über eine Strecke von 20 oder 30 km ohne Schaden voll ausfahren. Bei den meisten muss man nach einer kurzen Strecke mit 110 oder 120 km/St, auf etwa 90 Tfm'St zurückgeben. Man kann als Regel aufstellen, dass man einen Tourenwagen der gegenwärtigen Bauart auf grösseren Strecken nicht mehr als 75 bis 80% der • tatsächlichen (nicht der im Prospekt angegebenen) Höchstgeschwindigkeit fahren soll. In naher Zukunft schon wird man ganz andere Anforderungen stellen. Die in der Herstellung ungeheuer kostspieligen Autobahnen können sich nur dann als vorteilhaft erweisen, wenn es möglich sein wird, über viele hundert Kilometer Durchschnittsgeschwindigkeiten von vielleicht 120 oder 150 km/St, zu erzielen. Solchen Dauerbelastungen sind derzeit nur Rennwagen gewachsen; deswegen kommt diesen Vorbildern für die zukünftige Gestaltung des Gebrauchswagens eine noch viel grössere Bedeutung zu. Abgesehen von der Frage der Höchstgeschwindigkeit stehen auch noch zahlreiche andere Angelegenheiten der Fahrzeugkon- •) Schluss aus No. 52. F E U I L L E T O N Bux. Zirkusroman von Hans Possendorf. Copyright by Verlag Knorr & Hirth. G. m. b. H., München. (1. Fortsetzung) Inhalt des bis jetzt erschienenen Teils: Der berühmte Zirkus-Clown Willibald Buchsbaum alias « Bux » macht im Zug Venedig-Mailand die Bekanntschaft des Majors a. D. von Prastelny und seiner Tochter Feodora. Die Zwei sind über den wahren Beruf ihres neuen Bekannten nicht orientiert. Buchsbaum fährt in Mailand sofort zu seinem Zirkus «Kreno» Jetzt öffnet sich die Tür des Privatkontors, das die zweite, kleinere Abteilung des Bürowagens bildet, und Direktor Kurt Kreno erscheint. Er sieht nicht so aus, wie sich der kleine Fritz oder ein hochverehrtes Publikum einen Zirkusdirektor gern vorstellt: Er trägt nicht weisse Hosen und hohe Reitstiefel hat keinen langen gewichsten Schnurrbart und keine dicke goldene Uhrkette mit Medaillen an der Weste. Man würde den etwas untersetzten Herrn mit dem ernsten, fast unbewegten Gesicht für einen strengen Beamten halten. Nun sieht er Herrn Buchsbaum, und ein freundliches Lächeln geht über seine Züge. «Ah, Bux! Guten Tag, wie geht's? Schön, dass Sie da sind!» «Tag, Herr Direktor! Wie geht's selbst?» Die beiden Männer schütteln einander die Hände. «Danke, ich bin soweit ganz zufrieden. — Sie kommen von Ihren Eltern aus Nördlingen? Alles wohl angetroffen?» I * struktion im Vordergrunde des Interesses. Vor etwa zwei Jahren schien es, als würde die internationale Automobilindustrie wieder auf einen toten Punkt gekommen sein, als würde man den üblichen Standard-Wagen nur mehr in Kleinigkeiten fortentwickeln können. Da waren es die deutschen Konstrukteure, die beinahe schlagartig zahlreiche Neuerungen geschaffen haben, durch die die internationale Automobilproduktion geradezu revolutioniert wurde. Es sei hier auf den Vorderradantrieb, auf die Einzelradfederung, auf die Verwendung von Schraubenfedern und Verdrehungsstabfedern, auf die Heckmotoranordnung hingewiesen. Neueste Rennwagenkonstruktionen. Zwar wird — ob mit Recht oder mit Unrecht, sei in diesem Zusammenhange nicht erörtert — die eine oder andere Neuerung noch heftig umkämpft, ihre Zweckmässigkeit bestritten, dass aber diese Neuerungen ganz im allgemeinen der Weltproduktion einen neuen Impuls.erteilt haben, kann nicht bestritten werden. War es bisher meist die «alte Welt», die von der «neuen» hinsichtlich der Automobilproduktion gelernt hat, so sind es diesmal die Amerikaner, die bei zahlreichen ihrer Marken, darunter auch für ihre schwersten Typen, die Einzelfederung der Vorder- 5 räder ungefähr nach den Prinzipien moderner europäischer Wagen übernommen haben. Auch auf den Rennwagenbau färben sich diese neuen Konstruktionsrichtlinien deutlich ab. Dies kann man vor allem bei den beiden neuen deutschen Rennwagen feststellen. Es muss alle jene, die an der technischen Entwicklung des Motorfahrzeugbaues interessiert sind, mit grosser Befriedigung erfüllen, dass die jetzt im harten Kampfe stehenden wichtigsten Rennwagentypen fast durchwegs voneinander konstruktiv weit abweichen. Den neuen deutschen Rennwagen stehen vor allem die Marken Bugatti, Alfa Romeo und Maserati gegenüber; die Wagen dieser drei berühmten Marken gehören derzeit sozusagen der «alten Konstruktionsschule» an. Sie weisen Starrachsen auf und die Anordnung des gesamten Triebwerkes entspricht den bisher üblichen Grundsätzen. Der A/iHer-Wa- «Gott sei Dank!» «Sie sind doch in Genua an Bord gegangen? Da müssen Sie doch schon einmal über Mailand gekommen sein?» «Ja, vor fünf Tagen, aber es war mitten in der Nacht, und ich wollte gleich weiterfahren, um keine Zeit zu verlieren. Da habe ich Tom und Dhakjee die Sorge für meine Familie überlassen.» «Nun, die Hauptsache ist, dass Sie rechtzeitig eingetroffen sind. Morgen ist der Erste. Können Sie pünktlich anfangen?» «Wenn nichts Aussergewöhnliches dazwischenkommt, natürlich. — Aber nun will ich erst mal nach meiner Familie sehen.» «Sie kommen heute nochmal zu mir?» «Gewiss. — Auf Wiedersehen, Herr Direktor!» Als Bux aus dem Wagen steigt, läuft ihm ein grosser Neger entgegen. «Hailoh, Tom, wie geht's? Alles gesund?» «Yes, Mister Bux. Alles sein gut.» «Und Judith?» «Seit zwei Tage sie gar nix mehr husten. Aber sehnsuchtig nach Mister Bux sie is!» Der Neger presste mit schmachtendem Gesichtsausdruck seine Rechte aufs Herz, um die Stärke dieser Sehnsucht anzudeuten. «Also los! Führ' mich gleich hin!» Die schöne Judith liegt auf ihrem weichen Lager und dehnt behaglich die schlanken Glieder. Plötzlich richtet sie sich auf, hebt den herrlichen Kopf. Sie hat's schon gemerkt, dass e r kommt. «Judith! Judith!» ruft ihr Bux entgegen, während er das geräumige Zelt betritt. Da INSERTIONS-PHEIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzelle oder deren Raum 43 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cti. Grössere Inserate nach Seitentarü. (nserntensebluss 4 Tage vor Erscheinen der Nummern Die A.-R. fällt eine wesentliche Lücke in der Automobilversicherung aus ! Die obligatorische Automobil - Haftpflicht- Versicherung schliesst auch seit der Neuregelung die Ansprüche des Halters, seines Ehegatten und seiner Blutsverwandten in aufund absteigender Linie aus. Auch die obligatorische Betriebsunfall-Versicherung sieht eine,Reihe von weittragenden Einschränkungen vor, die gerade bei Verkehrsunfällen für die Betroffenen schwerwiegende finanzielle Folgen haben können. Unser Verlag ist daher aus der Reihe seiner Leser und Abonnenten, die in bezug auf ihre berufliche Tätigkeit und ihre Stellung im Wirtschaftsleben den verschiedensten Kreisen angehören, immer wieder angefragt worden, ob es nicht möglich wäre, im Zusammenhang mit dem Abonnement eine Versicherungskombination zu treffen, welche eine wertvolle Ergänzung der behördlich vorgeschriebenen Versicherung brächte. Nach langen Vorstudien und gründlicher Prüfung dieser Anregungen im Verein mit Versicherungsfachleuten, haben wir uns entschlossen, eine fakultative Unfallversicherung für unsere Abonnenten einzuführen, die nach der bereits erfolgten Genehmigung durch das eidg* Versicherungsamt ab 1. Juli in Kraft treten wird. In der nächsten Ausgäbe vom 3. Juli werden wir ausführlich über diese neugeschaffene Institution berichten, mit der wir absolut keinen Erwerbszweck verbinden, gen hingegen schlägt aus der Schablone, indem er einen Vierradantrieb aufweist. Demgegenüber stehen die neuen deutschen Rennwagen; diese sind aber unter sich ebenso verschieden, wie gegenüber ihren ausländischen Gegnern. Zwar weisen beide Wagen Hinterradantrieb auf, doch ist beim Mercedes-Rennwagen der Motor vor dem Fahrer in der üblichen Weise angeordnet, beim P- Wagen der Auto-Union jedoch hinter dem Fahrer als Heckmotor. Es ist das in gewissem Sinne eine Kuriosität, denn Mercedes baut im Typ 130 einen Heckmotor-Wagen, die Auto-Union vermeidet im Fabrikationsprogramm aller ihrer Werke die Heckmotor- richtet sie sich ganz empor und zugleich alle andern mit ihr. Dann erklingt ein wahres Freuden-Konzert: ein Trompeten und Brüllen und Bellen und Quieken und Klappern und Krächzen. Alle rennen und tappen und flattern sie hin und her. «Aufschliessen bei Judith und Teddy!» ruft Bux dem Neger zu. Er selbst tritt, während Tom den Befehl ausgeführt, vor das niedrige Holzpodium zu Brahma, dem riesigen Elefanten, hin. Der hat ihm schon den Rüssel entgegengestreckt. Bux bringt die Oeffnung des Rüssels an seinen Mund und bläst kräftig hinein; denn das ist die Art, einen Elefanten zu küssen. Zu den Füssen Brahmas hockt mit gekreuzten Beinen sein Pfleger: Dhakjee, ein alter Inder mit schneeweissem Bart. Er begrüsst den Herrn würdig und gemessen, ohne eine Miene zu verziehen. Wenige Sekunden später ist Bux schon bei Judith im Käfig. Die herrliche Tigerin stösst ihm schmeichelnd den Kopf gegen die Hüfte und schnurrt wie eine zärtliche Katze. Bux krault ihr das Fell und bedeckt sie mit einer ganzen Flut von Kosenamen. Dann geht er zu Teddy, dem braunen Bären, der die andere Hälfte dieses Käfigwagens inne hat, und klopft und tätschelt ihn ausgiebig. Als Bux aus dem Käfig steigt, fliegt ihm Mohrchen, der Rabe, auf die Schulter. Er hat seinen Kasten über dem Elefanten, auf dessen Rücken er häufig Spaziergänge unternimmt. sondern ausschliesslich die Interessen unserer Lesergemeinde zu fördern trachten. Es handelt sich um eine Versicherungskombination, welche bei einem sehr bescheiden gehaltenen Zuschlag, der nur 40 Rp. pro Woche ausmacht, die maximalen Versicherungsleistungen vorsieht, welche im Zusammenhang mit einem Zeitungsabonnement zur Auszahlung gelangen können. Wir sind überzeugt, dass sich eine grosse Zahl unserer Leser diesen V er sicher ungsdienst zunutze machen wird, da er einem weitgehenden Bedürfnis nach der finanziellen Sicherstellung der verschiedenartigen Risiken entspricht, die hauptsächlich der Automobilbetrieb mit sich bringen kann. Die Aufwendungen des einzelnen sind so bescheiden bemessen, dass für jedermann die Möglichkeit besteht, sich und weitere Angehörige versichern zu lassen. Auch für diejenigen Abonnenten, die bereits eine private Versicherung abgeschlossen haben, dürfte die Neuerung eine interessante Ergänzung sein. Wir freuen uns, durch diese fakultative Versicherung, die weder an der Herausgabe, noch am redaktionellen Teil der Automobil- Revue irgend etwas ändern wird, den Abonnenten einen weiteren wirklichen «Kundenservice » bieten zu können und gleichzeitig manche Familie einer grossen Sorge zu entheben. Der Verlag der Automobil-Revue. Anordnung. — Auch die Motoren weisen wesentliche Unterschiede auf: Mercedes-Benz verwendet einen Achtzylinder-Reihenmotor, Porsche hingegen einen 16-Zylinder-V-Motor mit zwei gesonderten Kurbelwellen. Porsche hat den Motor mit dem Vierganggetriebe und dem Differential, in dem. auch die Gelenke der Schwingachsen untergebracht sind, zu einem Hecktriebsatz vereinigt, Mercedes- Benz hingegen hat das Getriebe zum Differential gelegt und lässt die Antriebswelle in voller Motordrfchzahl laufen, ohne Rücksicht auf die Getriebeübersetzung. Der wichtigste Unterschied gegenüber den bisher üblichen Rennwagen aber liegt zweir Gretchen, die rosige Sau, lebt in einem mit Holzzaun umgebenen Raum. Sie erhält öfters Besuch von Ali, dem Storch, der eine Art Nest bewohnt, aber sonst frei umherstolziert. In einem zweiten Käfigwagen haust in der kleineren Abteilung Moritz, der Wolf; die grössere Abteilung ist augenblicklich leer. «Anton ist wohl im Bad?» fragt Bux, nachdem er alle die Tiere gegrüsst und geliebkost hat. Sein Gesicht hat sich ganz verklärt, der harte Zug um die schmalen Lippen ist verschwunden, — ja, die grossen grauen Augen haben einen feuchten Glanz bekommen. Und nun klettert er in den Badewagen, der fast ganz von einem tiefen Bassin ausgefüllt ist. Das Wasser scheint leer. Aber kaum hat Bux den kleinen Vorraum betreten, da hebt sich eine plumpe, schwärzlich - graue Masse aus dem Wasser: der Kopf eines Nilpferdes. Dem guten Anton fällt es nicht so leicht, seine Freude zu zeigen, wie den anderen Tieren. Aber deshalb ist er nicht weniger glücklich über das Wiedersehen mit dem geliebten Herrn, den er fünf Tage lang hat entbehren müssen, — seit der Käfigwagen in Genua von dem Ueberseedampfer auf den Eisenbahnwaggon geladen wurde. Die Augen von Anton, die wie zwei kleine Hügel auf dem dicken Kopf sitzen, glotzen zwar ebenso blöd wie vorher, aber er öffnet zur Begrüssung den ungeheuren rosigen Rachen mit den unheimlichen Gaumenzähnen, und die kleinen Spitzohren kreisen wie Propeller. Auch Anton werden die einem Nilpferd angemessenen Zärtlichkeiten zuteil.